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Veröffentlicht am 18.01.2024

Lebendige Familiengeschichte mit einem interessanten Einblick in die Welt des Fernsehens zur damaligen Zeit, die politischen Umtriebe und das Rollenbild der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft.

Morgen ist ein neuer Tag
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"Morgen ist ein neuer Tag" ist nach "Wunder gibt es immer wieder" der zweite Band der "Die Fernsehschwestern" und handelt elf Jahre nach den Ereignissen des es ersten Teils.

Eva Vordemfelde ist ihren ...

"Morgen ist ein neuer Tag" ist nach "Wunder gibt es immer wieder" der zweite Band der "Die Fernsehschwestern" und handelt elf Jahre nach den Ereignissen des es ersten Teils.

Eva Vordemfelde ist ihren Weg gegangen und inzwischen in Amerika angelangt, wo sie als Kostümbildnerin in Hollywood arbeitet. Ihre Ehe mit Paul hat ihre beruflichen Ambitionen nicht überlebt, stattdessen ist sie fest mit dem Amerikaner Jeremy liiert.
Ihre jüngere Schwester Franka möchte zumindest beruflich in die Fußstapfen ihres Vaters Axel treten und Journalisten beim Fernsehen werden. Ihre politisch liberale Einstellung schlägt sich auch in ihren Reportagen nieder, weshalb sie es im konservativen Fernsehen schwer hat und hart für ein Volontariat kämpfen muss. Sie möchte durch ihre Arbeit Missstände aufdecken und die Menschen wachrütteln.
Die Jüngste der Vordemfelde-Schwestern, Lilly, nimmt das Leben am leichtesten und freut sich über die Festanstellung bei der Unterhaltungssendung "Der goldene Schuß". Sie wünscht sich, das Publikum zu unterhalten und möchte dabei selbst gern im Rampenlicht und vor der Kamera stehen.
Die Schwestern haben immer wieder Konflikte mit ihrem selbstsüchtigen, berechnenden und intriganten Vater Axel auszutragen, während ihre Mutter Annemie selbst immer mehr an ihrer Ehe (ver)zweifelt und sich intensiver damit beschäftigt, warum sie Angst davor hat, glücklich zu sein.

Die Fortsetzung ist wieder genauso lebendig und empathisch wie der Auftaktband geschrieben. Es fällt deshalb auch nicht schwer, sich nach einer längeren Zeitspanne und trotz des Zeitsprungs in die späten 1960er-Jahre problemlos in die Geschichte einzufinden.

Die Charaktere sind glaubwürdig und wirken durch die unterschiedlichen Wesenszüge sehr authentisch. Die wechselnden Perspektiven geben dabei einen Einblick in die Lebenssituationen aller Hauptfiguren. Die schnellen Orts- und Personenwechsel wirken dynamisch und gestalten die Geschichte abwechslungsreich.

Das Zeitgeschehen und die Themen, die Politik und Gesellschaft in den umtriebigen 1960er-Jahren bewegen, werden nahtlos mit der Handlung um die Schwestern bei Film und Fernsehen und den privaten Problemen der Familie verwoben. Zwischen Einzelschicksalen und gemeinsamen Erlebnissen der Familie Vordemfelde erlebt man eine ereignisreiche Zeitreise. Liebevolle Details aus dem Alltag verleihen der Geschichte ein herrlich nostalgisches Gefühl und versetzen die/ den LeserIn anschaulich in die damalige Zeit - nach Köln, Bonn, Monaco bis hin zu Kalifornien.

"Morgen ist ein neuer Tag" ist ein sehr unterhaltsamer und spannender zweiter Teil der "Die Fernsehschwestern"-Trilogie, eine lebendige Familiengeschichte mit einem interessanten Einblick in die Welt des Fernsehens zur damaligen Zeit, die politischen Umtriebe und das Rollenbild der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft.
Ich freue mich jetzt schon seht auf den abschließenden dritten Band der mit "Glücklich sind die Mutigen" am 10. Juli 2024 erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 16.01.2024

Wirrer, sprunghafter Roman mit Charakteren, zu denen keinen Nähe herzustellen ist; eine Liebesgeschichte, in der keine Liebe zu spüren ist. Lieber unendlich allein als mit diesen beiden zusammen!

Allein mit dir in der Unendlichkeit
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Charlotte Regan und Rinaldo Damiani begegnen sich in einem Museum in Chicago und sind fasziniert von einander. Regan hat Kunst studiert, arbeitet jedoch als Museumsführerin. Sie stammt aus reichem Hause, ...

Charlotte Regan und Rinaldo Damiani begegnen sich in einem Museum in Chicago und sind fasziniert von einander. Regan hat Kunst studiert, arbeitet jedoch als Museumsführerin. Sie stammt aus reichem Hause, ist impulsiv und rebellisch und macht nach einer Verurteilung des Gerichts eine Psychotherapie. Aldo ist Mathematiker und versucht die Welt und die Menschen nach wissenschaftlichen Ansätzen zu erklären und zu verstehen. Als Doktorand lehrt er an der Universität, hat jedoch nur wenig Freude daran, Wissen zu vermitteln.
Durch sechs Gespräche möchte er Regan kennenlernen, doch dabei bleibt es nicht. Die beiden befinden sich bald in ihrem ganz eigenen Kosmos, umkreisen einander und können die Welt um sich herum ausblenden.

"Allein mit dir in der Unendlichkeit" wird als Booktok-Sensation und Liebesgeschichte angekündigt, ist jedoch alles andere als eine klassische Romanze.

Während das Kennenlernen zu Beginn neugierig macht, die Charaktere zu entdecken und interessant beschrieben ist, wie die Aldo und Regan sich einerseits fasziniert und andererseits doch zurückhaltend geben und spielerisch ihr Interesse für den anderen verbergen, ist der weitere Verlauf der Geschichte anstrengend. Das Buch ist stark charakterfokussiert und ohne erkennbare äußere Handlung. Problematisch dabei ist, dass die Charaktere nicht wirklich sympathisch und schon gar keine Identifikationsfiguren sind. Regans Egoismus, Provokation und das Heischen nach Aufmerksamkeit ist als Künstlerin genauso klischeebehaftet wie der vergeistigte, introvertierte Wissenschaftler rein passiv agiert und bis auf seinen Vater keine sozialen Kontakte hat.

Es ist eine Liebesgeschichte, in der wenig Liebe zu spüren ist. Sie ist obsessiv und leidenschaftlich und wird fast ausschließlich auf den Liebesakt reduziert.
Die Szenenwechsel sind sprunghaft und oft ist schwer zwischen den Vorstellungen der Charaktere und dem Erlebten zu unterscheiden. Überhaupt besteht die Geschichte überwiegend aus indirekten Dialogen und Gedanken der beiden Hauptfiguren.
Regan ist offensichtlich krank und auch Aldo ist nicht gesund. Beide haben mit psychischen Problemen zu kämpfen, verdrängen diese allerdings.
Wohin der Weg die beiden führt, ist ungewiss und letztlich belanglos, da die Charaktere gleichgültig bleiben.

Nach einem vergleichsweise interessanten Beginn hat mich die Geschichte ohne charakterliche Entwicklung und eine Rahmenhandlung, die einen Beziehungsalltag geschildert hätte, verloren und gelangweilt. Können psychisch kranke Menschen eine gesunde Beziehung führen oder entwickelt der Roman gar die romantische Vorstellung, dass sie durch Liebe gesunden können? Der Fokus der Handlung war für mich nicht zu erkennen.
Vielleicht muss man selbst manisch-depressiv oder bipolar sein, um der Handlung etwas abgewinnen zu können. Für mich war die Geschichte eine Aneinanderreihung von Worten, deren Sinn sich mir nicht erschließen wollten.

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Veröffentlicht am 14.01.2024

Spannende Mischung aus Familiengeschichte, Kriminalroman und Historienschmöker und eine fesselnde und berührende Geschichte über die Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Akzeptanz

Etwas verborgen Schönes
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Ottilie Rabe ist 94 Jahre alt, als sie beschließt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und ein gut gehütetes Geheimnis ans Licht zu bringen. Gleichzeitig möchte sie die Aufklärung der ungeklärten Todesumstände ...

Ottilie Rabe ist 94 Jahre alt, als sie beschließt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und ein gut gehütetes Geheimnis ans Licht zu bringen. Gleichzeitig möchte sie die Aufklärung der ungeklärten Todesumstände ihres Vaters vorantreiben und ihr Erbe regeln. Dazu versammelt sie im Sommer 2022 ihre Familie um sich, zu der sie zu einem Großteil seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.
Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen - im Jahr 1944, als Lilis Vater, ein hochrangiger Gestapo-Offizier tot aufgefunden wird und sie unter Verdacht gerät und im Jahr 2022, als die weit verzweigte Familie Rabe sich auf Gut Torchau versammelt und gebannt auf Lilis Enthüllungen ist.
Der Schwerpunkt der Handlung liegt zunächst auf der Gegenwart, die aus der Ich-Perspektive von Lilis Enkelin, Naira, geschildert ist. Sie hat ein enges Verhältnis zu ihrer Oma, macht sich einerseits Sorgen, dass die Konfrontation mit der Vergangenheit zu belastend für die alte Frau sein könnte, ist aber auch neugierig auf ihre Geschichte und den Familienclan, der sich - mutmaßlich auch aufgrund eines zu erwartenden reichen Erbes - bereitwillig in der Uckermark und Berlin einfindet.
Die Treffen stehen unter Spannungen, hat doch jeder andere Erwartungen und nicht mit den Erkenntnissen gerechnet, die ein Kriminalkommissar aD, der alte Unterlagen zu den Ermittlungen im Fall Rabe ausgewertet hat und in diesem Zusammenhang Lilis Geheimnis enthüllen muss, darlegt.
Die Vergangenheit nimmt erst nach den ersten Begegnungen der Familie mehr Raum ein und wird überwiegend aus der Perspektive des Kriminalrats Werner Beltheim geschildert, der auf sympathische Weise nicht systemtreu ist und nicht daran glaubt, dass die offensichtlich tatverdächtige 16-jährige Ottilie ihren Vater auf dem Gewissen hat.
"Etwas verborgen Schönes" ist eine spannende Mischung aus Familiengeschichte, Kriminalroman und Historienschmöker. Die Charaktere sind vielfältig und authentisch gezeichnet und der Plot bietet überraschend Neues. Er handelt nicht nur von der Aufklärung einer fast 80 Jahre ungesühnten Tat und der Zusammenführung einer vielschichtigen Familie, sondern insbesondere auch von Fragen der Herkunft, Identität, von Toleranz, Menschlichkeit, Freiheit und dem Recht auf Selbstbestimmung. Ideologische Fragen, Fragen zu Rassenhygiene und Moral geben insbesondere dem Erzählstrang der Vergangenheit Tiefe, die die düstere deutsche Geschichte in den Fokus nimmt und viel mehr ist als nur Ermittlungen zu einem Tötungsdelikt.
Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sorgt für Spannung, denn das Finden der Wahrheit erfolgt damit nur etappenweise.
Auch wenn es in der Gegenwart während der Diskussionen der Familienmitglieder einzelne Längen gibt und die Vielzahl der Personen, die das Geflecht etwas undurchschaubar und nicht unbedingt notwendigerweise kompliziert machen, ist es eine berührende und fesselnde Geschichte über die Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Akzeptanz.

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Veröffentlicht am 11.01.2024

Kein echter Thriller, aber spannend aufgebaut und mit hintergründiger Bedrohung, allerdings mit oberflächlicher Charakterdarstellung

LITTLE LIES – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht
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Leah steht vor einem Neuanfang, lässt ihr altes Leben in Boston als Journalistin hinter sich und zieht zusammen mit ihrer Freundin Emmy nach West Pennsylvania aufs Land, wo sie als Lehrerin an einer Schule ...

Leah steht vor einem Neuanfang, lässt ihr altes Leben in Boston als Journalistin hinter sich und zieht zusammen mit ihrer Freundin Emmy nach West Pennsylvania aufs Land, wo sie als Lehrerin an einer Schule anfängt. Emmy arbeitet nachts in einem Motel, weshalb sich die Freundinnen im Alltag kaum sehen. Aus diesem Grund fällt Leah auch erst auf, als Emmy mit der Miete in Rückstand ist, dass sie sie schon seit Tagen nicht mehr wahrgenommen hat. Zeitgleich wird eine junge Frau schwer verletzt in der Umgebung aufgefunden, die Leah zum Verwechseln ähnlich sieht. Verdächtigt wird zunächst ein Kollege aus der Schule, von dem sich Leah belästigt fühlte, was sie jedoch nicht zur Anzeige gebracht hat.
Als die Polizei ermittelt und auch Leah befragt, macht sie sich auf die Suche nach Emmy und erkennt, dass sie ihre Freundin gar nicht wirklich kannte.

"Little Lies - Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht" (im Original "Perfect Stranger" - warum den englischen Titel ändern?) ist mehr ein Spannungsroman als ein Thriller, denn die Bedrohung ist eher hintergründig und die Gefahr lauert mehr hinter der Vergangenheit der Protagonisten.
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Leah geschildert, so dass man auch als Leser nur ihre Wahrheit kennt und sich derer nie gewiss sein kann. Erst allmählich erfährt man, was Leah dazu bewogen hat, ihre Heimat zu lassen und wie ihr Verhältnis zu Emmy ist.

Wie die Charaktere ist auch die Handlung undurchsichtig. Es ist lange unklar, welche Rolle die Vergangenheit spielt, wer Opfer und wer Täter ist und wer wen für welche Zwecke manipuliert. Trotz der aufgefundenen schwer verletzten Frau, einer Leiche und dem Verschwinden Emmys sind die Ermittlungen der Polizei nicht im Vordergrund. Als Leser begleitet man einzig Leah bei ihren Nachforschungen, die Stück für Stück ergeben, dass ihre Freundin sie belogen hat.
Was hinter den Verbrechen steckt und inwiefern Leah sich selbst schuldig gemacht haben könnte, bleibt bis zum Ende spannend.

"Little Lies" handelt von Vertrauen und Wahrheit, von dem Bild, das wir uns von anderen Personen machen und dem, was wir selbst vorgeben zu sein. Die Charakterdarstellung bleibt dabei oberflächlich und auch mangelt es dem Buch an Nervenkitzel, so dass es als kategorisierter Thriller nicht fesseln kann. Dennoch hat die Erzählung eine gewisse Raffinesse, die die Neugier aufrecht erhält, da über die Zusammenhänge bis zum Schluss nur spekuliert werden kann.

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Veröffentlicht am 09.01.2024

Roman über die Ehe und die Suche nach Glück mit großartiger Beobachtungsgabe und Empathie für die Figuren

Wellness
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Jack und Elizabeth lernen sich im Jahr 1993 in einer Bar kennen, nachdem sie sich als Nachbarn schon eine Weile klammheimlich beobachten haben. Sie fühlen sich als Seelenverwandte, werden ein Paar, heiraten ...

Jack und Elizabeth lernen sich im Jahr 1993 in einer Bar kennen, nachdem sie sich als Nachbarn schon eine Weile klammheimlich beobachten haben. Sie fühlen sich als Seelenverwandte, werden ein Paar, heiraten und bekommen mit Toby 2008 das gemeinsame Wunschkind.
Über 20 Jahre später ist die Euphorie der jungen Liebe verschwunden, es herrscht Ernüchterung in der Ehe, das Kind ist oft anstrengend, Jack und Elizabeth haben sich auseinandergelebt und unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen entwickelt.
Während Jack in Selbstoptimierung durch eifrige Recherchen im Internet, appbasierte Tipps und einen Fitnessguru verfällt, kümmert sich Elizabeth als Helikoptermutter um Toby, möchte in der Erziehung keine Fehler machen, hinterfragt ihre Paarbeziehung und erhält durch eine neue Freundin einen neuen Impuls für ihre Ehe.

Der Roman handelt im Zeitraum von 1993 bis 2014 und wird abwechselnd aus den zwei Perspektiven der beiden Hauptfiguren Jack und Elizabeth erzählt. Man erhält einen Einblick in die gegenwärtige Situation und in die unterschiedlichen Empfindungen von Jack und Elizabeth in Bezug auf Ehe, Beziehung, Erziehung und Beruf.
Daneben gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, zu den Hintergründen ihrer jeweiligen Familien und unter welchen Schwierigkeiten beide aufgewachsen und erzogen worden sind. Beide schleppen sie durch den Druck der Eltern Altlasten mit sich herum.

"Wellness" ist ein interessantes, aufschlussreiches Porträt einer Ehe, in dem sich viele Paare wiederfinden werden. Ist die Euphorie der Anfangsphase einer neuen Liebe erste einmal vorbei und hat sich der Alltag eingeschlichen, streitet man sich über Kleinigkeiten, fühlt sich in Teilen unverstanden und hinterfragt, ob das nun alles gewesen sein soll. In dem Roman kämpft vor allem Elizabeth mit der Frage, ob sie mit Jack den richtigen Partner gefunden hat und wie sie ihrer Ehe wieder etwas Schwung verleihen kann. Ihre Arbeit in der Firma "Wellness", die für alle Alltagssorgen, Kuren, Tinkturen, Tabletten, und Therapien anbietet, trägt dazu bei. Dumm nur, dass ihre Firma einzig raffinierte Placebos entwickelt, die Unwissenden helfen, aber Involvierten wie Elizabeth verständlicherweise nicht.

Der Roman fasst über 700 Seiten und dementsprechend detailliert wird das Leben von Jack und Elizabeth geschildert. Während die Gegenwart durch die Eheprobleme und unterschiedliche Herangehensweise, diese zu lösen, unterhaltsam beschrieben wird, kommen in den Rückblenden und den Gedanken von Jack, wenn er als Fotograf beim Betrachten von Bildern über seine Herkunft und seinen Vater sinniert, Längen auf. Auch wenn die Hintergründe nötig sind, um Elizabeth, die aus einer reichen Familie von gewitzten Self-made Men stammt und Jack, der als unerwünschter Nachzügler unter der kaltherzigen Gleichgültigkeit seiner Eltern gelitten hat, besser verstehen zu können, ist ein Rückblick bis ins 19. Jahrhundert sehr weit ausgeholt. Noch ermüdender ist, wenn auf über 50 (!) Seiten anhand der Internetnutzung von Jacks Vater Algorithmen erklärt werden.

Trotz einiger Abschweifungen ist "Wellness" ein humorvolles, kluges Buch, das von einer großartigen Beobachtungsgabe zeugt und mit viel Empathie für seine Figuren und einem scharfen Blick auf die (amerikanische) Gesellschaft geschrieben ist. Es ist ein Roman über die Suche nach Glück und ein Eheroman, der für jedes Paar lesenswert ist, da man sich in vielen Alltagssituationen wiederfinden kann.

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