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Veröffentlicht am 21.10.2022

Langweilige Geschichte ohne tiefergehende Auseinandersetzung mit den Problemstellungen

Frau in den Wellen
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Joni wird Mitte der 1960er-Jahre in Österreich als Tochter unkonventioneller Eltern geboren, die ihr Kind weitestgehend in der Obhut der Tante aufwachsen lassen. Sie heiratet früh den Diplomaten Dr. Georg ...

Joni wird Mitte der 1960er-Jahre in Österreich als Tochter unkonventioneller Eltern geboren, die ihr Kind weitestgehend in der Obhut der Tante aufwachsen lassen. Sie heiratet früh den Diplomaten Dr. Georg Lauba, wird schwanger und zieht mit ihm nach Ostberlin. Sie selbst macht Karriere als Wissenschaftlerin und Soziologin und trennt sich nach dem Fall der Mauer von ihrem Ehemann. Ihre Tochter Stefanie wächst beim Vater auf, während Joni wie eine Nomadin durch die Welt reist und nirgendwo ein festes Zuhause hat. Sie hat viele Freunde und Affären, kehrt jedoch zur Jahrtausendwende kurzzeitig zu Georg zurück und wird erneut schwanger. Auch der Sohn vermag die beiden nicht stärker zu verbinden, Joni bleibt rastlos und verlässt ihren Exmann abermals. Die beiden pflegen ein gutes Verhältnis, auch als Georg erneut heiratet, die Kinder empfängt Joni in Hotels oder bei ihren Freunden weltweit.
Trotz ihrer Bekanntheit als wissenschaftliche Beraterin hält sich Joni in der Öffentlichkeit zurück und geht Kritiken an ihrem Lebensstil als berufstätiger Frau, die ihre Kinder dem Mann überlässt, aus dem Weg. Doch als ein Foto von ihr zusammen mit einem Mann veröffentlicht wird und Wellen schlägt, muss sie sich mit ganz anderen unschönen und geradezu feindseligen Kommentaren auseinandersetzen und bekommt zu spüren, dass sie als Mutter gebraucht wird.

"Frau in den Wellen" ist die Lebensgeschichte einer Frau, angefangen von ihrer Kindheit in Österreich in den 1960er-Jahren, bis als erwachsene Frau mit Anfang 50 Jahren im Jahr 2018. Auch wenn ihre Geschichte im Wesentlichen chronologisch erzählt wird, gibt es innerhalb der Kapitel zahlreiche Zeitsprünge in Form von Erinnerungen - bruchstückhafte Gedanken oder Episoden über Treffen mit ihren Freunden und Aufenthalte in verschiedenen Ländern - die ein flüssiges Lesen erschweren.

Der Schreibstil ist nüchtern und distanziert, eher berichtend statt erzählend. So fällt es schwer, sich in Joni, die als so charismatisch und königlich beschrieben wird, hineinzuversetzen oder gar zu bewundern. Auch ihre beruflichen Erfolge und was sie umtreibt, bleiben vage.
Der Handlungsstrang wird durch kursive Texte unterbrochen - mehrere Briefe über die Jahre hinweg, die an Joni gerichtet sind und wie eine Art Rechtfertigung zu lesen sind und eigentlich nur von ihr selbst stammen können.

Die Geschichte plätschert dahin, ohne dass sie wirkliches Interesse für Joni oder ihr Leben wecken kann. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Dasein zwischen Beruf und Mutter findet nicht statt. Joni zeigt wenig Empathie für ihre Familie und Freude, kümmert sich nur halbherzig um sie. Es ist dabei nicht so, dass ihr Beruf so erdrückend ist oder im Vordergrund steht - Joni kann es einfach nicht besser. Sie wirkt rastlos, heimatlos und getrieben.

Auch wenn Joni als Frau, die sich scheiden lässt und die Erziehung der Kinder ihrem Exmann überlässt, nicht dem klassischen Rollenbild entspricht, in den 1990er-Jahren als Ausnahme gelten mochte und mit ihrem Verhalten in der Gesellschaft aneckt, ist ihre Lebensgeschichte langweilig geschrieben und gibt zu wenig Preis aus ihrem Leben als berufstätiger Frau und den Spannungen, die sich daraus ergeben.
Lange sorgt einzig der Handlungsstrang "Dr. Joni Lanka vs. Unbekannt" für Interesse, der Einsichten von Dritten über Joni zeigt und dessen Hintergrund erst später bekannt wird. Dieser von Rechtspopulismus und Rassismus geprägte Konflikt ist eine Folge der Flüchtlingskrise 2015/2016 und nicht Ausprägung von Jonis Lebensentwurf, weshalb er zum Rest der Handlung nicht wirklich passen mochte und wie alle anderen Facetten des Romans nur oberflächlich bleibt.
Der Klappentext weckt mit "mitreißende Geschichte einer willensstarken, unkonventionellen Frau, die stets auf dem Drahtseil zwischen Unabhängigkeit und Eingebundensein balanciert" hohe Erwartungen, die jedoch weder mit der Art der Erzählweise noch mit Jonis Persönlichkeit erfüllt werden.

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Veröffentlicht am 19.10.2022

Dramatische und spannende Geschichte über Freundschaft und die Suche nach Glück im Jahr 1913. Gelungene Fortsetzung und Abschluss der Dilogie um die Hamburger Auswandererstadt

Das Tor zur Welt: Hoffnung
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Nachdem Ava von ihrer Freundin Claire hintergangen wurde und deshalb nicht ihren Plan in die Tat umsetzen konnte, nach Amerika auszuwandern, fängt sie wieder ganz von vorn an. Sie arbeitet weiterhin unermüdlich ...

Nachdem Ava von ihrer Freundin Claire hintergangen wurde und deshalb nicht ihren Plan in die Tat umsetzen konnte, nach Amerika auszuwandern, fängt sie wieder ganz von vorn an. Sie arbeitet weiterhin unermüdlich in der Auswandererstadt und versorgt die Ausreisewilligen auf ihrer letzten Station auf dem Weg nach Übersee in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Neuen Welt. Trotz allem was ihr Claire angetan hat, sorgt sie sich um ihre Freundin, von der es kein Lebenszeichen gibt.
Claire wurde die Einreise nach Amerika verwehrt und kehrt schwer gezeichnet nach Hamburg zurück. Enttäuscht von ihrem Geliebten Magnus und verängstigt von dem vertrauten Arzt ihrer Mutter, der sie in eine psychiatrische Einrichtung einweisen möchte, weiß sie nicht, was sie dort erwarten wird.

"Das Tor zur Welt: Hoffnung" ist der zweite Band der "Auswandererstadt"-Dilogie um die beiden unterschiedlichen Frauen Ava de Buur und Claire Conrad, die im ersten Band in der Auswandererstadt zu Freundinnen wurden. Nachdem der erste Teil mit fiesen Cliffhangern endete, setzt der zweite Teil die Handlung nahtlos fort. Neben dem Treiben in Hamburg im Jahr 1912, gibt es Rückblenden in das späte 19. Jahrhundert aus dem ländlichen Raum und einen spannenden Erzählstrang auf dem Auswandererschiff "Imperator".
Nicht nur der Wechsel der Zeitstränge, auch der stetige und schnelle Wechsel der Perspektiven erfordert die Aufmerksamkeit des Lesers. Im Gegensatz zum Klappentext, der rein auf Ava und Claire abzielt, wird die Geschichte aus vielen verschiedenen Sichten von Personen erzählt, die man überwiegend schon aus dem ersten Band kennt.
Die Erzählung ist dadurch abwechslungsreich und lebendig. Die Gefühlswelten der Charaktere, die alle mit den schweren Umständen der damaligen Zeit zu kämpfen haben, sind eindringlich und nachvollziehbar geschildert. Es fällt leicht sich in jede Figur, die alle Ecken und Kanten haben und nicht ausschließlich gut oder böse sind, hineinzuversetzen. Zudem wird der Zeitgeist so authentisch dargestellt, dass man sich unmittelbar über hundert Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt.
Die Schicksale, nicht nur von Ava und Claire, die nicht allein im Mittelpunkt der Handlung stehen, bewegen. Armut, Krankheit, der Traum von einem sorgenfreieren Leben, die Unterschiede zwischen Arm und Reich und die Suche nach Liebe und Glück sind wie schon im ersten Band zentrale Themen und werden durch Lügen und Intrigen packend in Szene gesetzt.
Dramatisch und spannend bleibt, wie viel Freundschaft alles ertragen kann, ob Ava und Claire wieder zu einander finden können und wo und mit wem sie letztlich ihr Glück finden werden.
Der Abschluss der Dilogie klärt alle noch offenen Fragen des ersten Bandes und ist ein facettenreicher historischer Roman mit Romantik- und Krimielementen, der nicht nur mit zwei spannenden Frauenschicksalen sondern auch mit einer bildhaften Sprache überzeugt, die die Geschichte, ihre Handlungsorte und Charaktere greifbar machen.

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Veröffentlicht am 17.10.2022

Nach einem packenden Einstieg zu verwirrend, nicht plausibel und vor allem zu spannungsarm.

Pretty Girls
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Am 4. März 1991 verschwindet die 19-jährige Julia spurlos, die Ermittlungen bleiben ergebnislos, eine Leiche wird nicht gefunden. Weder die Eltern noch die beiden Schwestern Lydia und Claire haben den ...

Am 4. März 1991 verschwindet die 19-jährige Julia spurlos, die Ermittlungen bleiben ergebnislos, eine Leiche wird nicht gefunden. Weder die Eltern noch die beiden Schwestern Lydia und Claire haben den Verlust verkraftet. Die Familie zerbrach an der Tragödie.
24 Jahre später wird der Ehemann Paul von Claire vor ihren Augen brutal ermordet. Nach der Beerdigung und einem Einbruch in ihrem Haus findet Claire verstörende Videos, Snuff-Pornos, auf einer externen Festplatte in Pauls Garage. Entsetzt übergibt Claire das Videomaterial der Polizei, die ihr versichert, dass die Filme nicht echt sind. Claire wendet sich hilfesuchend an ihre Schwester Lydia, die vor 18 Jahren behauptet hatte, Paul hätte versucht, sie zu vergewaltigen. Zusammen versuchen sie zu recherchieren, wer Paul wirklich war und was er mit den Morden vor laufender Kamera zu tun gehabt haben könnte. Was sie dann - ohne Vertrauen auf Polizei und FBI entdecken, führt sie noch weiter zurück in die Vergangenheit.

"Pretty Girls" ist in der Gegenwart abwechselnd aus der Perspektive von Lydia und Claire geschrieben, die beide noch als Erwachsene vom Verlust ihrer Schwester Julia traumatisiert sind. Eine dritte Sicht ist die des Vaters Sam, der sich in der Vergangenheit an seine vermisste Tochter richtet.

Es ist ein Thriller, der viele brutale und widerliche Szenen enthält, die so explizit nicht unbedingt nötig gewesen wären.
Das Buch beginnt spannend mit dem Mord an Claires Ehemann und dem anschließenden Fund der gewalttätigen Videos. Die Aufklärung, wie Paul damit in Zusammenhang steht, verläuft jedoch sehr zäh. Die Charaktere und ihre Motivation - egal ob von staatlicher Seite, von Opfer oder Täter - sind sehr undurchsichtig. Die Geschichte kommt trotz des vielversprechenden Szenarios nicht in Fahrt und langweilt durch Wiederholungen und Szenen, in denen zu wenig passiert. Einige Details, vom plötzlichen Auftreten der Mutter über das problemlose Knacken von Passwörtern durch die bisher eher naive Claire bis hin zu ihrem Alleingang in der Aufklärung einer jahrzehntelangen Mordserie wirkten arg konstruiert. Dazu kommt, dass es - wie so häufig in Thrillern - keinen sympathischen Protagonisten gibt, mit dem man mitfühlen könnte.
"Pretty Girls" war mir nach einem packenden Einstieg zu verwirrend, nicht plausibel und vor allem zu spannungsarm.

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Veröffentlicht am 15.10.2022

Spannend, aber mit zu vielen Ungereimtheiten, eigenartigen Verhaltensweisen der Protagonisten und einer sehr abenteuerlichen Auflösung der Morde.

Das Nebelhaus
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Während der "Blutnacht auf Hiddensee" sind drei Menschen getötet worden, die mutmaßliche Täterin liegt noch nach zwei Jahren schwer verletzt im Koma.
Die Journalistin Doro Kagel hat den Auftrag erhalten ...

Während der "Blutnacht auf Hiddensee" sind drei Menschen getötet worden, die mutmaßliche Täterin liegt noch nach zwei Jahren schwer verletzt im Koma.
Die Journalistin Doro Kagel hat den Auftrag erhalten anlässlich des zweijährigen Jubiläums der Amoktat zu berichten. Sie nimmt deshalb Kontakt mit den Angehörigen der Opfer auf, um die Hintergründe der Tat zu erhellen, denn das Motiv ist unklar und die Komapatientin wird allein aufgrund von Indizien als Täterin beschuldigt.
"Das Nebelhaus" ist der Auftakt einer Krimireihe um die Berliner Journalistin Doro Kagel. Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und schildert in der Gegenwart die Recherchen der Journalistin, während in Rückblenden die Ereignisse vor der Blutnacht im September 2010 erzählt werden.
Der Architekt Philipp Lothringer hat Freunde aus seiner Jugend, zu denen der Kontakt eingeschlafen seit fünfzehn Jahren eingeschlafen ist, in sein Haus nach Hiddensee eingeladen. Mit dabei ist der brotlose Autor Timo, die psychisch labile Kindergärtnerin Leonie und die alternative Esoterikerin Yasmin. Warum sie sich überhaupt und ausgerechnet jetzt auf Hiddensee treffen möchten, bleibt offen. Die Stimmung untereinander ist wenig herzlich und geradezu angespannt. Timo hat ein Auge auf die frustrierte Ehefrau von Philipp geworfen und Leonie macht alle wegen ihrer Waffe nervös, die sie seit einem Überfall in ihrer Handtasche bei sich trägt.
Offen bleibt ungewöhnlich lange, wer die Blutnacht überlebt hat. Als Opfer ist zunächst nur die kambodschanische Hausangestellte Nian Nan bekannt. Diese Aussparung sowie die Zweifel an der Schuld von Leonie, die sich aufdrängen, sorgen für eine gewisse Grundspannung.
Wenig authentisch wirken hingegen die Charaktere und ihre Handlungen. Die Freunde sind schon fast slapstickartig stereotyp gezeichnet und auch die Hauptfigur Doro Kagel wirkt reichlich seltsam. Ähnlich wie viele Kriminalkommissare in Büchern hat auch sie ein Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen. Den Verlust, den sie erleiden musste, erscheint jedoch nach dreißig Jahren als zu präsent. Zudem erschließt sich nicht ganz, warum sie eigentlich gar nicht über den Amoklauf schreiben möchte, obwohl sie als Journalistin auf derart heikle und brutale Themen spezialisiert ist.
So wundert man sich auf beiden Handlungsebenen über zahlreiche Ungereimtheiten, Widersprüche und eigenartige Verhaltensweisen der beteiligten Personen, was das Lesevergnügen trübt und die Morde in den Hintergrund rücken lässt. Auch die künstlichen und hölzernen Dialoge lenken ungut vom eigentlichen Geschehen ab.
Die Auflösung des Mordfalls ist so enttäuschend wie die Zeichnung der Charaktere. Die Aufklärung ist überraschend, aber nur weil sie arg konstruiert ist und sich nicht wirklich schlüssig aus der Handlung heraus ergibt.
Die Hauptfigur Doro Kagel kann zudem weder mit einer sympathischen Persönlichkeit noch mit Empathie, einer Entschlossenheit oder einer raffinierten Arbeitsweise überzeugen und ist las Journalistin schlicht unglaubwürdig, weshalb ich diese Buchreihe nicht weiter verfolgen werde.

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Veröffentlicht am 14.10.2022

Romantische Geschichte mit Familiengeheimnissen - herzerwärmender letzter Teil der Trilogie

Sehnsucht nach Whale Island
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Die deutsche Weltenbummlerin Viola reist allein durch Kanada und wird auf ihrer letzten Etappe von einem Elch gestoppt. Bei dem Ausweichmanöver ins Unterholz kommt sie widererwarten glimpflich davon, denn ...

Die deutsche Weltenbummlerin Viola reist allein durch Kanada und wird auf ihrer letzten Etappe von einem Elch gestoppt. Bei dem Ausweichmanöver ins Unterholz kommt sie widererwarten glimpflich davon, denn eigentlich hatte Viola nicht damit gerechnet, das 35. Lebensjahr zu erreichen. Die letzten Generationen der Frauen ihrer Familie sind alle im Alter von 34 Jahren gestorben und auch Viola hat eine Wahrsagerin vor Jahren prophezeit, dass sie das Schicksal ihrer Vorfahrinnen teilen würde. Aus diesem Grund hat sich Viola nie Gedanken um eine ferne Zukunft gemacht, keine Ausbildung abgeschlossen und keine Liebe zugelassen.
In Kanada beginnt ihr Leben neu und so nimmt sie gern das Angebot der sympathischen Krankenschwester Skye an, sich auf Whale Island zu erholen, wo Violas Reise ursprünglich enden sollte. So lernt sie auch Skyes jüngeren Bruder Glenn näher kennen, der mit seinem erfolglosen Schriftstellerdasein hadert. Viola fühlt sich zu dem unnahbaren Mann hingezogen und findet bald noch einen weiteren Grund, der sie überlegen lässt, auf Whale Island zu bleiben.

"Sehnsucht nach Whale Island" ist der dritte Band der Whale Island-Trilogie um die drei Brüder Duncan, Aidan und Glenn Cameron, deren Eltern ein Ferienresort auf Whale Island führen.

Das Setting auf der fiktiven Insel bei Nova Scotia ist erneut malerisch beschrieben. Es wird bald Herbst auf Whale Island und man kann sich bildhaft vorstellen, wie sich die Ahornblätter allmählich verfärben und wie sich immer wieder die Wale vor der Insel im rauen Nordatlantik zeigen.

Wie alle Bände zuvor handelt es sich bei dem dritten Teil um eine Liebesgeschichte und es scheint so, als würde auch Glenn Cameron wie schon seine Brüder zuvor die Liebe bei einer Deutschen finden. Bis zum erwarteten Happy End muss jedoch so manche Hürde genommen werden, denn Viola geht davon aus, dass der sensible Glenn homosexuell ist und malt sich deshalb keine Chancen bei ihm aus. Beiden fällt es schwer, sich ihre Gefühle einzustehen und offen zu zeigen. Insbesondere Viola leidet aufgrund der Erfahrungen ihrer Mutter unter Verlust- und Bindungsängsten.
Weitaus spannender ist Violas Familiengeschichte, die sie unerwartet auf Whale Island ergründen kann. Auch wenn hier der Zufall eine sehr große Rolle spielt, passt die Entwicklung der Geschichte zu den Vorgängerbänden, denn auch dort schwang stets ein Hauch Magie durch die Vorhersagen der fahrenden Bibliothekarin Rae MacLaughlin mit.
Glenns Perspektive wird in weniger Kapiteln geschildert, aber dennoch erfährt man einiges über sein Leben und was ihn bislang daran gehindert hat, auf Whale Island Fuß zu fassen. Durch Viola, die in gewisser Weise zu seiner Muse mutiert, ändert sich seine Sichtweise und Konflikte beginnen sich zu lösen.
Überhaupt ist das herzliche Wiedersehen mit den bekannten Protagonisten schön, denn diese werden mit mehr oder weniger großen Anteilen gelungen mit dem Plot um Viola verbunden. Etwas anstrengend ist am Ende jedoch die Vielzahl an verliebten Pärchen, die sich mit heftiger Knutscherei und anzüglichen Bemerkungen wie Teenager verhalten und kaum noch aus den Betten (oder wahlweise anderen Örtlichkeiten) zu kommen scheinen.

"Sehnsucht nach Whale Island" ist eine romantische Geschichte mit Familiengeheimnissen, die herzerwärmend geschrieben ist. Es ist vergleichbar mit den ersten beiden Romanen der Buchreihe eine Geschichte, die zum Träumen von einer Insel mit unberührter Natur einlädt und die erneut zeigt, dass Zuhause da ist, wo das Herz ist, dass Neuanfänge möglich sind und dass es sich lohnt, mutig zu sein und sich für die Liebe zu öffnen.

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