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Veröffentlicht am 27.10.2022

Keine überraschende Liebesgeschichte, aber ein wunderschönes Setting in einem charmanten Dorf

Das kleine Bücherdorf: Winterglitzern
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Viktoria Lambach ist Kunsthändlerin und arbeitet im väterlichen Auktionshaus in München. Als sie auf ein Foto eines trauernden Jungen aus Schottland stößt, der darauf mit einer wertvollen "Alice im Wunderland"-Ausgabe ...

Viktoria Lambach ist Kunsthändlerin und arbeitet im väterlichen Auktionshaus in München. Als sie auf ein Foto eines trauernden Jungen aus Schottland stößt, der darauf mit einer wertvollen "Alice im Wunderland"-Ausgabe zu sehen ist, wird Vicky von ihrem Vater beauftragt, diese zu erwerben. Sie reist nach Swinton-on-Sea, wo der Vater des Jungen ein Antiquariat führt.
Vicky ist schnell verzaubert von dem Dorf in der Vorweihnachtszeit, das für seine zahlreichen Buchhandlungen bekannt ist, aber auch Finlay und sein Vater berühren ihr Herz. Mehrfach verpasst Vicky die Gelegenheit Graham auf das Buch anzusprechen und fängt stattdessen als Aushilfe in seinem "Fuchsbau" an. Sie nähern sich einander an, weshalb es für Vicky immer schwieriger wird, Graham den wahren Grund für ihre Reise zu nennen. Als er es durch einen Zufall erfährt, ist er vor den Kopf gestoßen und zweifelt an allem, was sich zwischen ihnen entwickelte hatte.

"Das kleine Bücherdorf - Winterglitzern" ist der erste Band einer Buchreihe um das schottische Dorf Swinton-on-Sea. Das Dorf ist ein Kleinod mit pastellfarbenen Häusern und hübschen Geschäften in einem Winterwunderland. Die vorweihnachtliche Stimmung wird durch die Kulisse und Aktivitäten anschaulich eingefangen. Vicky, die eigentlich nur einen Tag bleiben wollte, wird von den Einwohnern direkt vereinnahmt und nimmt am Schlittenfahren und Eisbaden teil, besucht den Weihnachtsmarkt und mimt sogar den Weihnachtsmann. Ihre Strategie geht auf und sie kommt Graham näher, geht jedoch weiter als für eine Geschäftsbeziehung üblich. Vicky, die sich bewusst wird, wie einsam sie in München ist, genießt die familiäre Atmosphäre, leidet gleichzeitig jedoch an ihrem schlechten Gewissen, Graham weiter zu belügen.

Die Geschichte besticht vor allem durch das interessante Dorf und die vielfältigen Bewohner, die neugierig auf die weiteren Bände der Reihe machen.
Die Liebesgeschichte entwickelt sich nicht weiter überraschend und die Liebesbekundungen wirken für die kurze Zeit des Kennenlernens etwas übereilt. Auch kann Vicky als Hauptfigur nur bedingt überzeugen. Als studierte Frau, die international berufstätig war, erscheint sie zu unbeholfen und macht es sich mit ihrem Auftrag unnötig schwer. Die innere Zerrissenheit der Charaktere zwischen Trauer und Neuanfang, Ehrlichkeit und Kampf um Anerkennung sind dagegen nachvollziehbar dargestellt.
Das Bücherdorf wird lebendig, die Figuren mit ihren Eigenarten wachsen ans Herz. Die Geschichte ist unterhaltsam, zeigt den Winter mit all seinen schönen Facetten und stimmt durch die heimelige Atmosphäre auf die Weihnachtszeit ein.

Der zweite Band der Reihe "Das kleine Bücherdorf: Frühlingsfunkeln" wird dein Wiedersehen mit den Nebencharakteren, die dann in den Vordergrund rücken und erscheint am 14. Februar 2023.

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Veröffentlicht am 26.10.2022

China, Taiwan, USA - Berührende Geschichte über einen Überlebenskampf, über Heimat, das enge Band der Familie und die Suche nach Glück.

Der Pfirsichgarten
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Während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs verliert Dao Meilin früh ihren Ehemann und flieht mit ihrem vierjährigen Sohn Renshu 1938 an der Seite ihres Schwagers und seiner Familie. Sie fliehen ...

Während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs verliert Dao Meilin früh ihren Ehemann und flieht mit ihrem vierjährigen Sohn Renshu 1938 an der Seite ihres Schwagers und seiner Familie. Sie fliehen vor den Bomben der Japaner von West nach Ost bis sie in Shanghai und schließlich in Taiwan ankommen und zum ersten Mal seit langen Jahren wieder in Sicherheit sind. Auf dem Weg dorthin müssen sie schwere Verluste ertragen, wobei sie Halt in den Geschichten Meilins finden, die sie anhand einer seidenen Schriftrolle mit feinen Kalligraphien erzählt. Meilin gibt niemals auf, findet immer irgendwo ein Angestelltenverhältnis und eine Unterkunft für sich und ihren Sohn. Dieser entwickelt einen unumstößlichen Ehrgeiz in der Aussicht auf ein besseres Leben, lernt fleißig und verdient sich damit einen Studienplatz in den USA. Bisher hatten sich Meilin und Renshu gegenseitig Halt gegeben und müssen 1960 Abschied nehmen. Als Henry Dao leidet Renshu noch als Student unter Flashbacks und fürchtet auch später noch den Einfluss der pro-chinesischen Partei Taiwans. Er hält sich deshalb fern von anderen Migranten und baut sich ein neues Leben auf, heiratet und bekommt eine Tochter, die neugierig auf ihre familiären Wurzeln ist. Doch Henry möchte sich nicht mit den schmerzhaften Erinnerungen seiner Kindheit und Jugend befassen und hat zudem Angst um seine Mutter, die trotz aller Bemühungen, sie in die USA zu holen, in Taiwan geblieben ist und hält deshalb auch seine Tochter lange davon ab, mehr über die chinesische Kultur zu erfahren und Kontakte zu knüpfen.
"Der Pfirsichgarten" erstreckt sich über gut 60 Jahre und erzählt die Geschichte von drei Generationen einer chinesischen Familie - inspiriert von der eigenen Familiengeschichte der Autorin. Anders als in vielen historischen Romanen wird die Geschichte nicht aus der Perspektive der Gegenwart und mit Rückblenden, sondern stringent chronologisch erzählt. Nachdem ich schon viele Bücher über den Zweiten Weltkrieg in Europa gelesen habe, fand ich es sehr interessant eine Geschichte über die Kriegsereignisse in Asien zu lesen, die nicht minder erschütternd sind.
Meilin ist eine starke, aber gleichzeitig leise, sanftmütige Frau, die alles dafür gibt, ihren Sohn und sich in Sicherheit zu bringen. Mit Hilfe ihrer Fabeln schaffen sie es, die Hoffnung auf Frieden und ein neues Zuhause nicht aufzugeben und in Verlust und Zerstörung noch etwas Gutes zu erkennen. Denn auf all ihren Wegen begegnen ihnen Freundschaft und Zusammenhalt. Die Rolle des Schwagers, der ihr Zeit seines Lebens Unterstützung bot, bleibt dabei vage.
Renshu ist ein aufgeweckter Junge, der zurückhaltend, fleißig und bescheiden ist und den Mut entwickelt, nach Amerika zu emigrieren. Die politischen und kulturellen Unterschiede sind groß und das Gefühl nirgendwo eine Heimat zu haben, ist nur allzu verständlich. Seine Angst vor dem Einfluss der kommunistischen Partei, vor Bespitzelung und davor, als unpatriotisch denunziert zu werden, ist selbst als amerikanischer Staatsbürger noch groß, weshalb er sich unauffällig verhält und keine intensiven Kontakte anderen Migranten pflegt. Seine Ehefrau und insbesondere seine Tochter, die neugierig auf ihre Wurzeln ist, haben Schwierigkeiten, Henry zu verstehen und seine Befürchtungen zu teilen.
Die Geschichte wird bildhaft und empathisch erzählt. Die Handlungsorte sind vorstellbar, auch wenn ich mir eine Landkarte im Buch gewünscht hätte, um Meilins und Renshus Weg besser nachvollziehen zu können. Es fällt leicht, sich in Meilin, Renshu und auch Lily hineinzuversetzen, die unterschiedliche Sorgen und Nöte teilen. Bei Meilin ging es um den nackten Kampf ums Überleben, Henry steckt zwischen zwei Kulturen, vermisst seine Heimat, traut sich in den USA jedoch nicht, seine Kultur und Kontakte zu anderen Chinesen zu pflegen. Lily möchte als "Mischlingskind" je älter sie wird mehr über ihre Wurzeln und ihre Familiengeschichte väterlicherseits erfahren, ist begeistert von der chinesischen Sprache und Kultur, wird jedoch in ihrer Euphorie von ihrem Vater gebremst.
Die Geschichte von Meilin und Renshu/ Henry ist eine ereignisreiche und bewegende Erzählung über Generationen und Kontinente hinweg, die trotz allem Leid, das den Protagonisten widerfährt, hoffnungsvoll und erbaulich ist. Neben Schmerz gibt es Glück, neben dem Verlust der Heimat ein neues Zuhause. Es ist eine berührende Geschichte über einen Überlebenskampf, über Heimat, das enge Band der Familie und die Suche nach Glück, die durch den realen Hintergrund authentisch und lebendig ist und deshalb besonders zu Herzen geht.

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Veröffentlicht am 24.10.2022

Spannender Roman über Liebe, Freundschaft, Familie, Eifersucht, Manipulation und Verrat

Das Jahr der Schatten
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Nach einem schrecklichen Verlust fällt Lila in eine Depression, aus der ihr auch ihr verständnisvoller Ehemann Tom nicht heraushelfen kann. Überraschend erbt sie fast zeitgleich ein altes Cottage in einer ...

Nach einem schrecklichen Verlust fällt Lila in eine Depression, aus der ihr auch ihr verständnisvoller Ehemann Tom nicht heraushelfen kann. Überraschend erbt sie fast zeitgleich ein altes Cottage in einer einsamen Gegend im Peak District und beschließt, sich eine Auszeit von London zu nehmen, um das Cottage herzurichten. In der Einsamkeit hat sie Albträume und fühlt sich beobachtet. Sie fragt sich, wer zuletzt in dem heruntergekommenen Häuschen gewohnt hat und warum es letztlich verlassen wurde.

Dreißig Jahre zuvor haben sich fünf Studenten vor dem Hintergrund von Arbeitslosigkeit und Rezession entschieden, auszusteigen und ein Jahr in einem verlassenen Cottage zu verbringen. Ganz auf sich allein gestellt, wollten Simon, Kat, das Pärchen Carla und Ben sowie Mac sich abseits der Zivilisation selbst versorgen und zu sich selbst finden. Was in den Sommermonaten noch wie ein Urlaub in der freien Natur anmutete, wird im Winter deutlich anstrengender und unbequemer. Hunger und Krankheiten drücken die Stimmung und das plötzliche Erscheinen von Kats Schwester schürt die Eifersucht und sorgt zunehmend für eine gereizte Stimmung.

Das Buch handelt auf zwei Zeitebenen und erzählt zwei zunächst von einander unabhängige Geschichten, die jedoch beide an demselben Ort stattfinden, dem Cottage in Peak District, von dem niemand weiß, wer der Eigentümer ist.

Beide Erzählstränge sind spannend und atmosphärisch geschildert. Die Studenten bemühen sich um ein autarkes Leben back to the roots, sammeln Obst und Nüsse, jagen Wild und Fischen und richten sich in dem Haus so gemütlich wie möglich ein. Was anfangs im Juli und in bierseliger Laune ein großer Spaß ist, wird in den Wintermonaten deutlich ernster. Die Freunde sind hungrig, streiten sich immer häufiger und sind von ihrem selbst ernannten Anführer Simon genervt. Kat, die ihn schon seit Jahren heimlich anhimmelt und gehofft hat, durch diese Auszeit ihm endlich näher zu kommen, ist eifersüchtig auf ihre Schwester Freya, die plötzlich vor der Tür steht und sich dazugesellt. Die Gruppendynamik verändert sich, gegenseitiges Misstrauen macht sich breit und es ist zu ahnen, dass der Aufenthalt aufgrund der Spannungen untereinander in einer Katastrophe enden wird.

Dreißig Jahre später versucht Lila in dem Cottage einen Schicksalsschlag zu verarbeiten und verliebt sich schon bald in den Charme des einsamen Cottages. Dabei entfremdet sie sich weiter von ihrem Ehemann und quält sich in ihren Träumen mit Erinnerungen, die sie nicht einordnen kann.

"Das Jahr der Schatten" ist ein Roman über Liebe, Freundschaft, Familie, Eifersucht, Manipulation und Verrat, der durch die beiden Erzählebenen spannend aufgebaut ist. Es bleibt lange unklar, wie die beiden unabhängig von einander erzählten Geschichten zusammenhängen und was Lila mit dem Cottage verbindet. Sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart fesseln gleichermaßen, da beide Erzählstrenge Rätsel aufgeben, wobei die Erzählung, die 1980/1981 handelt wendungsreicher ist. Was wird mit den Studenten passieren und wer hat Lila das Haus vermacht und macht so ein Geheimnis daraus? Mit fortschreitender Handlung bekommt man eine Ahnung und wartet gebannt darauf zu erfahren, wie sich beide Handlungsebenen mit einander verbinden werden und das Mysterium um das verlassene Cottage lösen.

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Veröffentlicht am 22.10.2022

Roman über Liebe und Freundschaft, Neuanfänge und Selbstfindung, der durch Herzblut, Kreativität und Witz überzeugt.

Zimmer gesucht, Liebe gefunden
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Am Tag, als Emma mit ihrem Freund Leon zusammenziehen möchte, bittet er sie um eine Beziehungsauszeit. Für Emma kommt dieser Wunsch nach einer Pause völlig unerwartet und auch ihre Eltern haben ihr Zimmer ...

Am Tag, als Emma mit ihrem Freund Leon zusammenziehen möchte, bittet er sie um eine Beziehungsauszeit. Für Emma kommt dieser Wunsch nach einer Pause völlig unerwartet und auch ihre Eltern haben ihr Zimmer schon neu als Yogaraum verplant. Emmas beste Freundin Pepper, die noch nie von Leon begeistert war, vermittelt Emma ein WG-Zimmer bei einem Bekannten. Dirk ist ein Nerd, der lieber an Robotern bastelt, als sich mit Menschen auseinanderzusetzen. Er sucht nur eine(n) Mitbewohner(i), um sich die Miete zu teilen und jemanden zu haben, der unerwünschte Spinnen beseitigt. Während Emma noch Leon nachtrauert, Peppers Verkupplungsversuchen zu entgehen versucht und einen neuen Praktikumsplatz antritt, freundet sie sich allmählich mit Dirk an und findet auch den Mut, an ihrem Roman weiterzuarbeiten.
"Zimmer gesucht, Liebe gefunden" ist eine humorvolle Geschichte über eine Mittzwanzigerin, deren Leben nach der Trennung von ihrer großen Liebe, die sie zu allem Übel auch noch öffentlich auf Instagram romantisch in Szene gesetzt hat, aus den Fugen gerät. Es dauert bis Emma das Beziehungsaus akzeptiert und sie wieder nach vorne blicken kann. Eine Stütze ist ihre beste Freundin Pepper, auch wenn diese in ihrer Fürsorge um Emma etwas übereifrig und übergriffig reagiert. Ihre Gedanken und ihren Kummer vertraut Emma zusätzlich ihrem "Disaster Diary" an.
Der Roman ist durch Emmas, Turbulenzen, das Liebesaus, den Umzug, denen neuen Praktikumsplatz, die enge Beziehung zu ihren Eltern, Treffen mit Studienkollegen und Freunden abwechslungsreich und unterhaltsam. Emma, mit ihren bunten, ausgetretenen Chucks und der Vorliebe, mit Pflanzen zu sprechen, ist eine liebenswerte Figur und auch die zahlreichen Nebencharaktere haben so manche sonderbare Eigenschaft, die der Geschichte Impulse geben.
Das Buch ist flüssig geschrieben, spielt mit Klischees und Schubladendenken und trifft damit immer den richtigen erfrischend witzigen Ton, ohne albern zu werden.
Trotz des Liebesdramas überwiegt der Humor der Geschichte. Die Nebencharaktere mögen an mancher Stelle e twas überzeichnet sein und Emma braucht einen Tick zu lang, um Leons wahres Gesucht zu erkennen und sich von ihm zu lösen.
Es ist keine romantische Liebesgeschichte, die vor Emotionen trieft. Wesentlich ist Emmas Entwicklung, wie sie aus ihrem Tief kommt, offen für Neues wird und dabei wieder zu sich selbst findet und den Mut aufbringt, an ihre Talente zu glauben.
"Zimmer gesucht, Liebe gefunden" ist ein Roman über Liebe und Freundschaft, Neuanfänge und Selbstfindung, der durch Herzblut Kreativität und Witz überzeugt.

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Langweilige Geschichte ohne tiefergehende Auseinandersetzung mit den Problemstellungen

Frau in den Wellen
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Joni wird Mitte der 1960er-Jahre in Österreich als Tochter unkonventioneller Eltern geboren, die ihr Kind weitestgehend in der Obhut der Tante aufwachsen lassen. Sie heiratet früh den Diplomaten Dr. Georg ...

Joni wird Mitte der 1960er-Jahre in Österreich als Tochter unkonventioneller Eltern geboren, die ihr Kind weitestgehend in der Obhut der Tante aufwachsen lassen. Sie heiratet früh den Diplomaten Dr. Georg Lauba, wird schwanger und zieht mit ihm nach Ostberlin. Sie selbst macht Karriere als Wissenschaftlerin und Soziologin und trennt sich nach dem Fall der Mauer von ihrem Ehemann. Ihre Tochter Stefanie wächst beim Vater auf, während Joni wie eine Nomadin durch die Welt reist und nirgendwo ein festes Zuhause hat. Sie hat viele Freunde und Affären, kehrt jedoch zur Jahrtausendwende kurzzeitig zu Georg zurück und wird erneut schwanger. Auch der Sohn vermag die beiden nicht stärker zu verbinden, Joni bleibt rastlos und verlässt ihren Exmann abermals. Die beiden pflegen ein gutes Verhältnis, auch als Georg erneut heiratet, die Kinder empfängt Joni in Hotels oder bei ihren Freunden weltweit.
Trotz ihrer Bekanntheit als wissenschaftliche Beraterin hält sich Joni in der Öffentlichkeit zurück und geht Kritiken an ihrem Lebensstil als berufstätiger Frau, die ihre Kinder dem Mann überlässt, aus dem Weg. Doch als ein Foto von ihr zusammen mit einem Mann veröffentlicht wird und Wellen schlägt, muss sie sich mit ganz anderen unschönen und geradezu feindseligen Kommentaren auseinandersetzen und bekommt zu spüren, dass sie als Mutter gebraucht wird.

"Frau in den Wellen" ist die Lebensgeschichte einer Frau, angefangen von ihrer Kindheit in Österreich in den 1960er-Jahren, bis als erwachsene Frau mit Anfang 50 Jahren im Jahr 2018. Auch wenn ihre Geschichte im Wesentlichen chronologisch erzählt wird, gibt es innerhalb der Kapitel zahlreiche Zeitsprünge in Form von Erinnerungen - bruchstückhafte Gedanken oder Episoden über Treffen mit ihren Freunden und Aufenthalte in verschiedenen Ländern - die ein flüssiges Lesen erschweren.

Der Schreibstil ist nüchtern und distanziert, eher berichtend statt erzählend. So fällt es schwer, sich in Joni, die als so charismatisch und königlich beschrieben wird, hineinzuversetzen oder gar zu bewundern. Auch ihre beruflichen Erfolge und was sie umtreibt, bleiben vage.
Der Handlungsstrang wird durch kursive Texte unterbrochen - mehrere Briefe über die Jahre hinweg, die an Joni gerichtet sind und wie eine Art Rechtfertigung zu lesen sind und eigentlich nur von ihr selbst stammen können.

Die Geschichte plätschert dahin, ohne dass sie wirkliches Interesse für Joni oder ihr Leben wecken kann. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Dasein zwischen Beruf und Mutter findet nicht statt. Joni zeigt wenig Empathie für ihre Familie und Freude, kümmert sich nur halbherzig um sie. Es ist dabei nicht so, dass ihr Beruf so erdrückend ist oder im Vordergrund steht - Joni kann es einfach nicht besser. Sie wirkt rastlos, heimatlos und getrieben.

Auch wenn Joni als Frau, die sich scheiden lässt und die Erziehung der Kinder ihrem Exmann überlässt, nicht dem klassischen Rollenbild entspricht, in den 1990er-Jahren als Ausnahme gelten mochte und mit ihrem Verhalten in der Gesellschaft aneckt, ist ihre Lebensgeschichte langweilig geschrieben und gibt zu wenig Preis aus ihrem Leben als berufstätiger Frau und den Spannungen, die sich daraus ergeben.
Lange sorgt einzig der Handlungsstrang "Dr. Joni Lanka vs. Unbekannt" für Interesse, der Einsichten von Dritten über Joni zeigt und dessen Hintergrund erst später bekannt wird. Dieser von Rechtspopulismus und Rassismus geprägte Konflikt ist eine Folge der Flüchtlingskrise 2015/2016 und nicht Ausprägung von Jonis Lebensentwurf, weshalb er zum Rest der Handlung nicht wirklich passen mochte und wie alle anderen Facetten des Romans nur oberflächlich bleibt.
Der Klappentext weckt mit "mitreißende Geschichte einer willensstarken, unkonventionellen Frau, die stets auf dem Drahtseil zwischen Unabhängigkeit und Eingebundensein balanciert" hohe Erwartungen, die jedoch weder mit der Art der Erzählweise noch mit Jonis Persönlichkeit erfüllt werden.

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