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Veröffentlicht am 18.04.2022

Anrührende Geschichte über den Tod und das Leben, die am Ende zwar tröstlich ist, aber in Bezug auf die beiden Lebensgeschichten und die Freundschaft zwischen Lenni und Margot nur oberflächlich bleibt

Die hundert Jahre von Lenni und Margot
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Lenni ist erst 17 Jahre alt und todkrank. Sie befindet sich in einem Krankenhaus in Glasgow und obwohl sie nicht gläubig ist, sucht sie täglich die Krankenhauskapelle auf, um mit Pater Arthur zu sprechen. ...

Lenni ist erst 17 Jahre alt und todkrank. Sie befindet sich in einem Krankenhaus in Glasgow und obwohl sie nicht gläubig ist, sucht sie täglich die Krankenhauskapelle auf, um mit Pater Arthur zu sprechen. Lenni hat das Gefühl, dass ihre Zeit noch nicht abgelaufen ist und möchte wissen, warum sie sterben muss. Auch wenn ihr der Priester ihre drängenden Fragen nicht zufriedenstellend beantworten kann, tun ihr die Gespräche in dem eintönigen Alltag gut.
Auf der Krankenstation wird Lenni während eines peinlichen Moments auf die ältere Dame Margot aufmerksam. Die beiden begegnen sich in einem Malkurs wieder und Lenni besteht sodann darauf, den Kurs für die Ü 80-Jährigen belegen zu dürfen. Lenni und Margot, die wegen einer Herzerkrankung ebenfalls nicht mehr lange zu leben hat, stellen fest, dass sie zusammen 100 Jahre alt sind und beschließen, für jedes Jahr ihres Lebens ein Bild zu malen. Sie möchten die Welt nicht ohne etwas zu hinterlassen, verlassen. Während des Zeichnens erzählen sie sich gegenseitige ihre Geschichten dazu, wobei Margot aufgrund ihres Lebensalters naturgemäß viel mehr zu berichten hat, als Lenni. Neben den Besuchen in der Kapelle werden auch die Malstunden für Lenni zu einer festen Größe, die sie trotz des fortschreitenden Verlaufs ihrer Krankheit versöhnlicher stimmen.

"Die hundert Jahre von Lenni und Margot" ist ein Buch über den Tod, aber auch über das Leben. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Monate in einem Glasgower Krankenhaus und nur durch die Erzählungen und Rückblenden in die Vergangenheit von Lenni und Margot wird man an andere Orte versetzt.
Lenni ist ein ambivalentes Mädchen. Einerseits wirkt sie mit ihrem Kuscheltier und ihrem rosa Schlafanzug wie ein kleines Kind, andererseits zeigt sie sich in vielen Gesprächen so reif wie eine erwachsene Frau. Mit dem Tod kann sie sich nicht wirklich abfinden und hat deshalb viele Fragen. Ihre Wut ist spürbar, denn oft ist sie frech und ungehalten, aber ihr unvergleichbarer Charme macht vieles wett. Ohne Besuche von draußen ist sie im Krankenhaus ganz allein und freundet sich deshalb nicht nur mit dem Priester und Margot, sondern auch mit einem Teil des Pflegepersonals und dem Hausmeister an.

Auch wenn die Geschichte in einem Krankenhaus handelt und der Tod gegenwärtig ist, spielen die Krankheiten und deren Behandlung keine wesentliche Rolle. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Beziehungen, die Lenni aufbaut. Dabei hatte ich mir von der Entwicklung der Freundschaft zwischen ihr und Margot mehr erwartet. Ihr Kontakt beschränkt sich auf die Erzählungen Margots, eine Interaktion zwischen den beiden findet kaum statt. Dabei hätten sowohl Lennis Erlebnisse aus ihrer Kindheit als auch Margots schicksalhafte Episoden die Chance für Rückfragen und tiefergehende Gespräche gelassen. Es ist spürbar, dass die beiden sich in der Nähe der anderen wohlfühlen, aber eine Freundschaft bedeutet noch mehr.

Die Geschichte liest sich leicht und schnell möchte man mehr über Margots bewegtes Leben und die Gründe für Lennis einsamen Aufenthalt im Krankenhaus erfahren. Ihre Erzählungen bleiben jedoch im luftleeren Raum stehen, die Vergangenheit erhält keinen Bezug zur Gegenwart. Die Idee mit den Bildern und den zugehörigen Lebensgeschichten hat Symbolkraft, bleibt aber wie die Freundschaft der beiden Hauptfiguren zu oberflächlich.

Das Buch ist allein schon angesichts des drohenden viel zu frühen Todes von Lenni anrührend und auch ihre kurze Lebensgeschichte hat wenig Positives. Dennoch konnte mich die Geschichte emotional nicht so mitreißen, wie ich es mir erhofft hatte. Die Botschaft von einer generationenübergreifenden Freundschaft und die Tatsache, dass Lenni in ihren letzten Lebensmonaten im Krankenhaus Halt und Frieden finde, stimmen nichtsdestotrotz versöhnlich und tröstlich.

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Veröffentlicht am 16.04.2022

Bewegende Geschichte über ein Mädchen aus armen Verhältnissen, das Gewalt und Willkür ausgesetzt ist, aber nie die Hoffnung und ihre "lauterne" Stimme verliert.

Das Mädchen mit der lauternen Stimme
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Nach dem Tod ihrer Mutter durfte Adunni nicht mehr zur Schule gehen. Dabei hatte diese ihrer Tochter stets gepredigt, das Bildung die einzige Chance für eine bessere Zukunft ist. Stattdessen verkauft ihr ...

Nach dem Tod ihrer Mutter durfte Adunni nicht mehr zur Schule gehen. Dabei hatte diese ihrer Tochter stets gepredigt, das Bildung die einzige Chance für eine bessere Zukunft ist. Stattdessen verkauft ihr Vater Adunni im Alter von 14 Jahren als Drittfrau an einen deutlich älteren Mann. In seinem Haus freundet sie sich zwar mit der Zweitfrau von Morufu an, leidet jedoch unter den Schikanen der Erstfrau und der Gewalt und den Übergriffen ihres Ehemanns, der unbedingt einen männlichen Nachkommen möchte.
Nach einem schrecklichen Ereignis flieht Adunni nach Lagos, wo sie eine Anstellung als Hausmädchen bei Big Madam bekommt. Doch auch dort gehen die Schikanen weiter und Adunni ist der Gewalt der tyrannischen Hausherrin ausgesetzt. Unerschütterlich hält Adunni jedoch an ihrem Vorhaben fest, zur Schule gehen und Lehrerin werden zu können, um allen Kindern die Chance auf Bildung zu ermöglichen.

Adunni ist ein Mädchen vom Stamm der Yoruba aus dem Dorf Ikati im Südwesten Nigerias Sie ist einerseits ein intelligentes, ehrgeiziges Mädchen, andererseits aber auch erschreckend naiv, da sie bis zu ihrer Flucht in die Großstadt Lagos nur das Dorf Ikati kannte, das von Armut geprägt ist. Adunni Gedanken sind in einer einfachen Sprache verfasst. Die Autorin verwendet auch grammatikalische Fehler in Adunnis Ausdrucksweise, um ihren mangelnden Bildungsstand zu verdeutlichen. Dabei übertreibt sie nicht - das Buch ist ohne Probleme lesbar, auch afrikanische Worte oder Wortneubildungen von Adunni erschließen sich aus dem Kontext.

Adunnis Geschichte ist bewegend, denn sie ist nur eine von vielen. Der Roman zeigt deutlich auf, welchen Stand die Frauen insbesondere in den ärmeren Gegenden in der nigerianischen Gesellschaft haben und wie enorm der Unterschied zwischen Arm und Reich ist. Geschickt baut die Autorin durch Adunnis Wissbegier Fakten über Nigeria ein, die interessante Hintergründe liefern und zum Verständnis der Geschichte beitragen.
Es ist erschreckend zu lesen, dass Nigeria eines der reichsten Länder in Afrika ist und dass dennoch so viele Menschen in Armut und Dreck leben. Die Beschreibungen von sanitären Einrichtungen und der mangelnden Hygiene sind dabei sehr bildhaft und eindrücklich. Auch der Aberglaube, der unter den Menschen herrscht, wirkt wie aus einer vergangenen Zeit und nicht wie Leben im Jahr 2015.

Die Geschichte ist voller Brutalität, Gewalt und psychischen und physischen Misshandlungen und oft wünscht man sich, Adunni würde den Mund halten, um in ihrer Einfalt nicht noch mehr Schläge zu provozieren. Doch Adunni behält ihre "lauterne" Stimme und verliert ihr Ziel, sich weiterzubilden und zur Schule zu gehen, nicht aus den Augen.

Trotz der schwierigen Ausgangslage und der Chancenlosigkeit durch Zwangsheirat und Arbeit, die an Sklaverei grenzt, macht die Geschichte Mut und zeigt, dass ein Ausweg möglich ist, wenn man genügend Kraft hat, nicht aufzugeben. Adunni hat Glück und findet immer ein wenig Unterstützung, so dass sich neue Wege aufzeigen. Auch in Nigeria ist die Welt nicht Schwarz-Weiß. Unter den reichen Menschen in Lagos sind auch Menschen, die ihr Personal anständig behandeln und sich für Chancengleichheit und Gerechtigkeit einsetzen, was der Geschichte einen Hoffnungsschimmer gibt, genauso wie Adunnis grenzenloser Optimismus, dass der morgige Tag ein besserer wird.

Adunnis Geschichte ist fiktiv. Sie steht jedoch stellvertretend für alle Mädchen in Nigeria, die aus armen Verhältnissen stammen, Gewalt und Willkür ausgesetzt sind und ohne Schule oder den Einfluss andere gebildeter Frauen, nie auch nur begreifen können, welche Rechte ihnen zustehen und welche Möglichkeiten sich ihnen durch Lesen, Schreiben und kulturelle Bildung ihnen offenstehen.
Es ist ein Buch, das das Augenmerk auf die Situation von Mädchen Frauen in Nigeria lenkt und die Botschaft verbreitet, die Stimme zu erheben - denn Bildung ist ein Fundament für eine bessere Zukunft und der wirksamste Weg gegen Armut und davon sollte eine Hälfte der Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden.

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Dramatische Geschichte über Mutterschaft und Kinderwunsch, die zu Herzen rührt und die lebensnah und glaubwürdig erzählt wird. Ein trauriges, aber auch hoffnungsvolles Buch.

Warten auf ein Wunder
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Nach vielen erfolglosen Kinderwunschbehandlungen muss Caroline sich damit auseinandersetzen, dass sie nie ein eigenes Kind bekommen wird. Ihre Ehe ist an ihren Anstrengungen zerbrochen und auch zu ihren ...

Nach vielen erfolglosen Kinderwunschbehandlungen muss Caroline sich damit auseinandersetzen, dass sie nie ein eigenes Kind bekommen wird. Ihre Ehe ist an ihren Anstrengungen zerbrochen und auch zu ihren Schwestern, die problemlos Kinder in die Welt setzen können, hat sie den Kontakt verloren. Halt gibt ihr eine Selbsthilfegruppe mit Frauen, die wie sie ungewollt kinderlos sind. Janet hatte bereits zahlreiche Fehlgeburten und die Befürchtung, dass ihr Ehemann sie betrügt. Natalie möchte unbedingt ein Kind, hat jedoch nicht damit gerechnet, dass ihre Freundin gar keinen Kinderwunsch verspürt. Ronnie ist mutter- und kinderlos und hat für sie alle ein offenes Ohr, kann jedoch nicht über ihre eigene Geschichte sprechen.
Knapp 35 Jahre zuvor ist die 16-jährige Catherine schwanger und wird gezwungen, ihr Baby in einem von Nonnen geführten Mutter-Kind-Heim zur Welt zu bringen. Sie darf ihr Kind nicht behalten und wird von ihren Eltern verstoßen. In Dublin baut sie sich ungebrochen ein neues Leben auf und hält unverdrossen an ihrem Plan fest, ihre kleine Daisy wiederzufinden.
"Warten auf ein Wunder" ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen handelt. In den 1970er-Jahren ist er aus der Perspektive von Catherine geschrieben, die mit viel Glück und einem faszinierenden Kampfgeist einem Mutter-Kind-Heim entkommen konnte, in dem sie ausgerechnet von Nonnen körperlich und seelisch drangsaliert wurde und der ihr ihr geliebtes Baby entrissen wurde.
In der Gegenwart im Jahr 2010 wechseln die Perspektiven zwischen Caroline, Janet und Natalie, die sich in einer Selbsthilfegruppe in Dublin kennenlernen. Sie alle verbindet ein unerfüllter Kinderwunsch, was die Frauen inklusive der geheimnisvollen Ronnie zu Freundinnen werden lässt.
Ohne sich in zu vielen medizinischen Details zu verlieren, sind die Schicksale der Frauen authentisch geschildert. Die seelischen und körperlichen Leiden sind spürbar und auch die Auswirkungen der Strapazen einer (erfolglosen) Kinderwunschbehandlung auf Beziehungen, Freundschaften, Familie, Selbstbewusstsein und die Rolle als Frau sind einfühlsam und nachvollziehbar dargestellt. Die Frauen der Selbsthilfegruppe haben alle dasselbe Ziel, aber unterschiedliche Hintergründe und Ausgangspositionen, was die Geschichte abwechslungsreich gestaltet. Bewegend ist zu lesen, unter welchen Belastungen sie leiden und wie der Kinderwunsch zur Besessenheit werden und das ganze Leben einnehmen kann. Gleichzeitig ist verständlich, dass sie trotz gescheiterter Versuche nie die Hoffnung aufgeben und jede auch noch so kleine Chance nutzen möchten, ihren Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Was sie sich und anderen damit antun, merken sie damit oft viel zu spät.
Eine ganz andere Geschichte ist die von Catherine, die jedoch auch an einem schier aussichtslosen Wunsch festhält und damit ihr Leben stark einschränkt. Es ist faszinierend, wie schnell das Schweinebauernmädchen zu einer jungen Frau heranreift und wie viel Kraft und Ehrgeiz sie mobilisieren kann. Ihr drängendster Wunsch schwelt stets im Hintergrund, während sie ihr neues Leben in Dublin aufbaut. Dabei ist die Reise in die 1970er-Jahre sehr unterhaltsam, was auch an den bunten Figuren liegt, die Catherine kennenlernt und die sie warmherzig aufnehmen.
Mir ist schleierhaft, warum der Roman im englischsprachigen Raum als "funny novel" beworben wird, denn diese Beschreibung trifft es nicht wirklich. Dazu beschreibt die Geschichte viel zu viele bewegende Schicksale und zu viele traurige Ereignisse. Durch den einfühlsamen Schreibstil, die liebevollen Beschreibungen der Charaktere, die Freundschaften und der Zusammenhalt, die sich auf jeweils auf beiden Zeitebenen entwickeln, ist der Roman jedoch auch nicht deprimierend, sondern hoffnungsvoll. Es ist eine dramatische Geschichte, die zu Herzen rührt und die lebensnah und glaubwürdig erzählt wird. Jedes der Schicksale ist auf seine Weise einnehmend und erhält in dem Roman genügend Raum zur Entfaltung.
Auch wenn Catherine im Vergleich zu anderen Büchern, die ich bereits über irische Mutter-Kind-Heime gelesen habe, viel Glück hatte, finanzielle Probleme bei den Kinderwunschbehandlungen komplett ausgeklammert wurden und die Verbindung der beiden Handlungsstränge für meinen Geschmack zu offensichtlich war, hat mir der Roman aufgrund seiner Authentizität und der sehr realistischen Darstellung von Wunsch und Wirklichkeit von Kinderwunschbehandlungen sehr gut gefallen. Auch das Ende, das ohne rührselige Happy-End-Momente auskommt, ist stimmig und passt zu der lebensechten Geschichte, in der die Autorin sicher auch ihre eigenen Erlebnisse verarbeitet hat.

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Veröffentlicht am 13.04.2022

Ein Mädchen mit der Chance auf einen Neuanfang, wobei eine dramatische Liebesgeschichte Wesentliches zu ihr in den Hintergrund rückt.

Summer of Hearts and Souls
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Beyah ist in einem Trailerpark in Kentucky bei ihrer drogensüchtigen Mutter aufgewachsen. Als diese an einer Überdosis stirbt, kontaktiert Beyah ihren Vater, den sie kaum kennt. Sie zieht über den Sommer ...

Beyah ist in einem Trailerpark in Kentucky bei ihrer drogensüchtigen Mutter aufgewachsen. Als diese an einer Überdosis stirbt, kontaktiert Beyah ihren Vater, den sie kaum kennt. Sie zieht über den Sommer zu ihm nach Texas um die Zeit bis zur Aufnahme im College zu überbrücken.

Schon auf der Überfahrt auf die Halbinsel lernt sie den Nachbarn ihrer Eltern, Samson, kennen, der sie als armes Mädchen offenbar bemitleidet und helfen möchte. Ihr ist die Begegnung peinlich und sie missversteht ihn, doch schon bald nähern sie sich an, da sie beide eine grundsätzliche Traurigkeit umgibt, wodurch sie auf einer Wellenlänge sind. Samson birgt jedoch Geheimnisse und ist offenbar nicht der reiche Sunnyboy, der er vorgibt zu sein. Beyah, die inzwischen Gefühle für ihn entwickelt hat, kann nicht glauben, dass sie sich so in ihm getäuscht haben könnte.


"Summer of Hearts and Souls" ist ein Jugendroman, denn die Protagonisten wirken in ihrem Verhalten jünger als sie sind. Die Geschichte beginnt in dem heruntergekommenen Trailerpark, wo Beyah ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, wo sie vernachlässigt wurde und Hunger leiden musste.

Die Strandhaussiedlung bei ihrem Vater dazu ein extremer Gegensatz. Beyah trifft neben ihrem Vater auf seine neue Frau Alana und deren Tochter Sara. Beide nehmen sie herzlich und ohne Vorbehalte auf. Beyah ist zunächst misstrauisch ob der Fürsorge, die sie nicht kennt, fühlt sie jedoch bald wohl und verbringt wunderschöne Sommertage am Strand, wo sie Nachbar Samson immer näher kommt.

Die beiden wissen, dass ihnen nur ein Sommer bleibt, bevor sich ihre Wege trennen und die möchten sie nutzen. Beide haben eine Vergangenheit hinter sich, die sie geprägt hat und die sie von den anderen Menschen um sie herum unterscheidet, die bisher nur Sonnenschein erfahren haben. Samson bleibt jedoch verschlossen und möchte Beyah erst am Ende des Sommers offenbare, welche düstere Geheimnisse er birgt.


Die Geschichte hatte viel Potenzial und der Anfang hat mir gut gefallen. Sie trat jedoch lange auf der Stelle und entwickelte sich nur zögerlich weiter. Die Handlung war im Mittelteil zu wenig ereignisreich und stellte mehr auf die etwas belanglose Freizeitgestaltung der jungen Erwachsenen ab. Es ist damit zwar mit Tagen am Strand, Feuerwerk, Schwimmen, Relaxen und des sorgenfreien Reichtums ein schönes Sommerbuch, aber auch etwas eintönig. Zudem sind die Nebencharaktere eindimensional und tragen zur Handlung nicht viel bei.

In Bezug auf Beyahs Vergangenheit findet keine Aufarbeitung statt, sie wird nach ihrer Ankunft in Texas völlig in den Hintergrund gedrängt. Im Vordergrund steht die Beziehung zu Samson und das Mysterium, das ihn umgibt. Das verleiht den Buch eine gewisse Spannung, war mir aber insgesamt zu wenig. Statt sich Problemen zu widmen, die die jungen Menschen beschäftigen und die sie so sehr beschädigt haben, gibt es für den Hauch Erotik ein paar Sexszenen, auf die ich hätte verzichten können. Die Liebesgeschichte entwickelt sich schnell, bleibt aber durch das gemeinsame Schicksal von Beyah und Samson erklärbar, denn beide verbindet mehr, als sie denken.

Bei aller Kritik an der etwas flachen Handlung, bleibt aber schön zu sehen, wie Beyah zum ersten Mal in ihrem Leben sieht, was eine Familie aufmacht und selbst ein Stück Geborgenheit, Wertschätzung und Liebe zu erfahren.

"Summer of Hearts and Souls" ist ein Buch über ein Mädchen, das die Chance auf einen Neuanfang erhält und ist besonders für jugendliche Leser*innen geeignet, die dramatische Liebesgeschichten mögen.

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Veröffentlicht am 11.04.2022

Spannend und wendungsreich, aber am Ende langatmig und kaum durchschaubar. Ein blutiger Thriller, der von zu viel unrealistischem Heldentum der Charaktere geprägt ist.

Der Augenjäger
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"Der Augenjäger" ist Band 2 der "Augen-Reihe" und schließt unmittelbar an "Der Augensammler" an, der mit einem ungewissen Ende um den Sohn des ehemaligen Polizeipsychologen Alexander Zorbach ende. Vorkenntnisse ...

"Der Augenjäger" ist Band 2 der "Augen-Reihe" und schließt unmittelbar an "Der Augensammler" an, der mit einem ungewissen Ende um den Sohn des ehemaligen Polizeipsychologen Alexander Zorbach ende. Vorkenntnisse des ersten Bandes sind deshalb sehr hilfreich, worauf auch Sebastian Fitzek in einem Vorwort hinweist.

Der Thriller beginnt eher gemächlich und gliedert sich dann bald in zwei Erzählstränge. Denn einerseits wurde der Augensammler bisher nicht gefasst und Zorbach sinnt nach Vergeltung, andererseits gibt es mit dem Augenjäger einen weiteren Psychopathen, der es auf Alina Gregoriev abgesehen hat, das Medium, das Zorbach in Band 1 unterstützt hat.
Beide Perspektiven sind zunächst spannend und gefährlich für die Hauptfiguren, werden aber mit der Zeit langatmig erzählt, denn sie stagnieren und es gibt wenig neue Begebenheiten.
Wie von Fitzek gewohnt, ist der Plot blutrünstig, wirkt aber auch ein wenig trashig und mutet nach Effekthascherei an. Dieser Band ist ruhiger erzählt, da insgesamt weniger Bewegung ist, erscheint aber realistischer als Band 1, da mir dort die Rolle des Mediums zu weit hergeholt war und in Band 2 mehr auf die Motive der Täter eingegangen wurde. Als Leser hat man jedoch keine Chance, die Zusammenhänge zu durchschauen und die Täter zu überführen, was einen etwas bitteren Nachgeschmack hinterlässt.
Letztlich ist spannend, wie die beiden Erzählstränge zusammenhängen und ob Augensammler und Augenjäger überführt werden. Dafür sollte man jedoch "Playlist" noch nicht gelesen haben.
Insgesamt ist es ein solider Psychothriller, aber alles in allem etwas übertrieben blutig und am Ende zieht sich die Handlung arg dahin. Die zahlreichen Wendungen waren für meinen Geschmack sowie die stetigen Cliffhanger am Ende der Kapitel, die den Lesefluss immer wieder unterbrachen, als zwischen den Perspektiven gewechselt wurde, zu viel des Guten. Zudem störte mich auch bei dem Nachfolger, dass die Hauptcharaktere schon fast Übermenschliches leisten müssen und zu heldenhaft wirken, während die Täter als überlegene, skrupellose Psychopathen dargestellt werden. Wer den ironisch-blutrünstigen Schreibstil von Fitzek mag und die kreativen Abgründe der Wahnsinnigen spannend findet, wird an diesem Roman seine Freude haben.

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