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Veröffentlicht am 06.03.2022

Familiendrama voller tragischer Ereignisse - spannend konstruiert und erzählt. Eine emotionale Zeitreise in die Vergangenheit mit immer neuen, erschütternden Offenbarungen.

Ein ganzes Leben lang
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Emma und Leo kennen sich seit zehn Jahren, sind seit sieben Jahren verheiratet und haben eine dreijährige Tochter. Emma ist eine bekannte Meeresbiologen und hatte früher auch Auftritte im Fernsehen. Leo ...

Emma und Leo kennen sich seit zehn Jahren, sind seit sieben Jahren verheiratet und haben eine dreijährige Tochter. Emma ist eine bekannte Meeresbiologen und hatte früher auch Auftritte im Fernsehen. Leo ist Journalist und schreibt Nachrufe auf prominente Persönlichkeiten. Emma hat bereits eine Krebserkrankung überstanden, aber als sie wieder zu einer Untersuchung muss, da der Krebs zurückgekehrt sein könnte, wird Leo gebeten, einen Nachruf vorzubereiten. Als er merkt, dass er gar nicht so viel über seine Frau weiß, beginnt er zu recherchieren und wird auf Ungereimtheiten in ihrer Vergangenheit aufmerksam. Auf Nachfragen reagiert sie abweisend und mit fadenscheinigen Erklärungen. Beide verstricken sich in Heimlichkeiten und Lügen, bis Emma vor einer geplanten Aussprache plötzlich verschwindet und Leo noch tiefer in ihre Vergangenheit eintauchen muss, um eine Erklärung für ihre Verhalten zu finden.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Leo und Emma geschildert. Als Leserin begleitet man Leo bei seinen Recherchen und kann sein wachsendes Misstrauen gegenüber Emma nachvollziehen und dass er nach der Aufdeckung von offensichtlichen Lügen Grenzen überschreitet, um die ganze Wahrheit zu erfahren, die sein eigenes Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Emma hat dagegen ein schlechtes Gewissen und verstrickt sich weiter in ihr Lügengerüst. Sie hat Angst, Leo die Wahrheit über ihre Vergangenheit zu sagen, möchte ihn jedoch nicht verlieren und macht durch ihre Ausreden alles noch schlimmer.
Der Vertrauensbruch ist groß und alles Leser
in fällt es zunächst schwer, nachzuvollziehen, warum die beiden, denen so viel an ihrer Ehe und ihrer Familie liegt, nicht offen miteinander sprechen. Was kann schon so schlimm sein, dass Emma regelrecht panisch reagiert, wenn es um ihre Vergangenheit geht?
Die/ der Leser*in wird lange auf die Folter gespannt, bis durch Leos indiskrete Recherchen und Rückblicke in Emmas Vergangenheit immer mehr Puzzleteile aufgedeckt werden, die am Ende ein Gesamtbild ergeben. Die Hintergründe zu Leo und Emma, das, was sie in der Vergangenheit geprägt hat, was sie erlebt und durchlebt haben, liefern schlüssige Erklärungen für ihre eigenartigen Verhaltensweisen und ihr offensichtliches Kommunikationsproblem. Und selbst als man glaubt, alle Wahrheiten zu kennen, wird die Spannung durch Emmas unerklärliches Verschwinden weiter aufrecht erhalten.

"Ein ganzes Leben lang" ist, anders als das Cover suggeriert, keine Liebesgeschichte. Es ist ein Familiendrama voller tragischer Ereignisse, das spannend konstruiert und erzählt wird. Es ist eine emotionale Reise in eine Vergangenheit, die nicht verarbeitet wurde und durch Trigger in der Gegenwart ans Licht kommt und die Betroffenen überfordert. Die Geschichte ist packend und wendungsreich und überrascht mehrfach durch neue erschütternde Offenbarungen. Es ist keine leichte Lektüre, auch wenn die Hoffnung mitschwingt, dass nach der Aufdeckung aller Geheimnisse eine Versöhnung möglich erscheint.

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Veröffentlicht am 05.03.2022

Liebesgeschichte aus der Perspektive des Mannes - humorvoll und ungeschönt, mittendrin etwas behäbig und erst am Ende emotional. Nichts für Freunde romantischer Liebesgeschichten.

Zwei für immer
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Ivy und Fisher kennen sich noch nicht lange, verbringen ein paar leidenschaftliche Nächte miteinander und dann ist Ivy schwanger. Ohne lang zu diskutieren, ob sie beide das Kind möchten, ob sie überhaupt ...

Ivy und Fisher kennen sich noch nicht lange, verbringen ein paar leidenschaftliche Nächte miteinander und dann ist Ivy schwanger. Ohne lang zu diskutieren, ob sie beide das Kind möchten, ob sie überhaupt eine Beziehung haben und das Kind gemeinsam großziehen möchten, übernimmt Fisher Verantwortung und zieht kurzerhand bei Ivy ein.
Fisher ist verliebt in die knapp zehn Jahre ältere Ivy, ist sich ihrer Gefühle jedoch nicht so sicher. Die beiden müssen sich erst richtig kennenlernen, um herauszufinden, ob sie mehr verbindet als das gemeinsame Kind, was nicht ohne Reibereien vonstatten geht.

"Zwei für immer" ist eine Liebesgeschichte, die aus der Perspektive des Mannes, Fisher, geschrieben ist, was für mich schon einmal eine Abwechslung zu vielen anderen ähnlichen Romane darstellt. Es fällt leicht, sich in ihn und seine Gedanken hineinzuversetzen. Seine Unsicherheit in Bezug auf Ivys Gefühle und auch in Bezug auf die Rolle, die er in ihrem Leben und dem der Kinder (es sind Zwillinge) einnehmen wird, sind spürbar.

Der Roman ist humorvoll geschrieben, wiederholt sich jedoch im Mittelteil in ermüdenden Alkoholexzessen, was die Geschichte etwas in die Länge zieht. Es ist keine romantische Liebesgeschichte, denn wirklich schöne gemeinsame Momente zwischen Ivy und Fisher gibt es am Anfang kaum. Es fehlt eine Nähe, was vor allem der Distanziertheit Ivys geschuldet ist. Es ist eine ungleiche Paarbeziehung, die unter Druck entstanden ist und sich zunächst nicht merklich weiter entwickelt. Lange hat man als Leser*in hat man das Gefühl, dass die beiden keine Chance nutzen, sich anzunähern, für den anderen Interesse zu zeigen oder sich bewusst um eine gemeinsame Zukunft Gedanken machen. Erst als die Schwangerschaft voranschreitet und die beiden am Ende mit einem Unglück konfrontiert werden, dass sie nur gemeinsam bewältigen können, wird die Geschichte emotionaler und kann den etwas behäbigen Mittelteil ausgleichen.

Es ist ein Beziehungsroman aus der Sicht eines Mannes, den man zunächst mehr bemitleiden, als beglückwünschen möchte. Am Ende ist trotz der Zurückhaltung Ivys aber dennoch eine emotionale Basis spürbar, die auf eine Zukunft des Paares als Familie hoffen lässt. Diese ungeschönte Art der Paarbeziehung hat mir an dem Roman gut gefallen.

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Veröffentlicht am 04.03.2022

Spannender, undurchsichtiger Fall, dem es etwas an Dynamik mangelt, der dafür aber mit einer schönen Urlaubskulisse aufwarten kann und ohne Blutvergießen für heimelige Lesestunden sorgt.

Nordwesttod
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Kriminalkommissarin Anna Wagner ist nach ihrer Scheidung von München nach Kiel gezogen, um im dortigen Landeskriminalamt eine Einheit für Vermisstenfälle aufzubauen. Ihr erster Fall führt sie nach St. ...

Kriminalkommissarin Anna Wagner ist nach ihrer Scheidung von München nach Kiel gezogen, um im dortigen Landeskriminalamt eine Einheit für Vermisstenfälle aufzubauen. Ihr erster Fall führt sie nach St. Peter-Ording, wo Nina Brechtmann, engagierte Umweltschützerin und Tochter einer reichen Hoteliersfamilie, vermisst wird.
Doch nicht nur Anna ist "die Neue". An der Polizeidienststelle in St. Peter-Ording kam es zu einem Führungswechsel. Hendrik Norberg hat sich nach dem Tod seiner Ehefrau an den Familienwohnsitz versetzen und sich damit vom Kriminalisten zum Schutzpolizisten in Uniform degradieren lassen. Er unterstützt Anna bei ihren Ermittlungen, denn die Zeit bei Vermisstenfällen drängt. Als Nina Brechtmanns Auto mit Blutspuren im Kofferraum gefunden wird, stellt sich die Frage, ob Nina Opfer eines Verbrechens geworden ist und überhaupt noch lebt. Widersprüchliche Zeugenaussagen und offensichtliche Lügen ihrer eigenen Familie machen es den Ermittlern nicht leichter.

"Nordwesttod" ist ein Kriminalroman mit ganz viel Lokalkolorit, in dem zwar ein Kriminalfall im Fokus steht, jedoch auch das Privatleben, die Schwierigkeiten und Entwicklungen diverser handelnder Personen eine größere Rolle spielen. Anna muss im Norden Fuß fassen und zu Beginn allein an dem komplexen Vermisstenfall ermitteln. Hendrik muss sich damit abfinden, "nur" noch Schutzpolizist zu sein und als frischer alleinerziehender Vater Zeit für seine Söhne aufbringen, die beide auf unterschiedliche Art und Weise um ihre vor Kurzem verstorbene Mutter trauern. Zudem muss er eine Polizeidienststelle leiten, die in ihren Strukturen eingefahren ist und in der nicht jeder teamfähig ist.

Durch weitere Perspektiven erhält man kurze Einblicke in das Leben der Angehörigen und Bekannten des Opfers, die scheinbar alle etwas zu verbergen haben. Im Laufe der Ermittlungen wird immer weniger wahrscheinlich, dass Nina freiwillig verschwunden oder gart entführt worden ist, um ihre reiche Familie zu erpressen, die ihr aufgrund ihrer Kritik an den Expansionsabsichten ihrer Hotelkette alles andere als wohlgesonnen ist.

Der undurchsichtige Fall ist spannend geschildert und ein vielversprechender Auftakt der Krimireihe um die SoKo St. Peter-Ording. Durch die vielen Perspektivenwechsel und zahlreichen Nebenschauplätze, die eröffnet werden, zieht sich die Fallaufklärung ein wenig in die Länge und rückt den Fokus immer wieder weg von den eigentlichen Ermittlungen. Gleichzeitig lassen die Details aus dem Privatleben die Ermittler menschlich wirken und hauchen der Kriminalgeschichte mehr Leben ein.

"Nordwesttod" ist ein Kriminalroman, dem es etwas an Dynamik mangelt, der dafür aber mit vielen interessanten Haupt- und Nebenfiguren sowie einer wunderschönen Urlaubskulisse aufwarten kann und ohne Blutvergießen gewaltfrei für heimelige Lesestunden sorgt.

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Veröffentlicht am 02.03.2022

Biografischer Roman - ein größerer Fokus auf Renates Persönlichkeit, ihre Ambitionen und noch mehr Flair vom Filmset hätten ihn für mich noch runder gemacht.

Ich bin ja heut so glücklich
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Renate Müller hat schon als Kind davon geträumt, zum Film zu gehen. In der Schule konnte sie kaum still sitzen und der Lateinunterricht war ihr ein Gräuel. Um ihren Vater, den Chefredakteur einer Münchner ...

Renate Müller hat schon als Kind davon geträumt, zum Film zu gehen. In der Schule konnte sie kaum still sitzen und der Lateinunterricht war ihr ein Gräuel. Um ihren Vater, den Chefredakteur einer Münchner und später einer Danziger Tageszeitung, nicht zu enttäuschen, hat sie sich jedoch stets bemüht und selbst unter Druck gesetzt. Ohne Abschluss und mit der Unterstützung ihrer Familie zieht sie 1924 nach Berlin, hat mehrere Rollen und Stummfilmen und ihren Durchbruch mit "Die Privatsekretärin", einem Tonfilm, in dem sie den Schlager "Ich bin ja heut so glücklich" trällerte. Der Film, der ein Stück heile Welt zeigte, passte wie Renate Müller als Typ "Mädchen von nebenan" in die Zeit, die von Inflation, Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und sozialen Unruhen geprägt war. Bei der Premiere zu "Die Privatsekretärin", die sie überforderte und vorzeitig verließ, verliebte sie sich in den jüdischen Bankierssohn Georg Deutsch, was dem Reichspropagandaleiter Goebbels ein Dorn im Auge war. Goebbels, der Renates leichtgläubigen Kindheitsfreund Werner Lohse als seinen Chauffeur einstellte, setzte diesen auf Renate an und machte sie persönlich mit Adolf Hitler bekannt.

"Ich bin ja heut so glücklich" ist keine Biografie, sondern ein biografischer Roman über die Schauspielerin der 1930er-Jahre Renate Müller und damit sehr nah an ihrem Leben dran. Der Roman erzählt ihr Leben nicht trocken nach, sondern beleuchtet ihre Persönlichkeit. Sehr authentisch wird Renates Leben von der verträumten Zwölfjährigen, über die unsichere, pummlige Nachwuchsschauspielerin bis zur bekannten und gefeierten UFA-Darstellerin beschrieben. Der Zeitgeist mit seinen politischen Umständen wird durch die zeitgenössische Sprache und das Verhalten der Charaktere passend eingefangen. Hier spürt man die akribische Recherche und die langjährige Erfahrung der Literaturwissenschaftlerin als Autorin historischer Romane.

Der Roman wird - anders als man es vermuten mag - in wechselnden Perspektiven erzählt. Überwiegend ist es die Sicht der Hauptfigur Renate, daneben erhält man jedoch auch Einblicke in die damalige Zeit durch ihren Kindheitsfreund Werner Lohse, dem sie über Jahre freundschaftlich verbunden war und durch die exzentrische Schauspielerin Sybille Schmitz, die wie Werner für Renate schwärmte. Dadurch erhält der Roman zwar einerseits mehr Tiefe, andererseits fragt man sich, ob Renate als Persönlichkeit für einen biografischen Roman nicht eigentlich hätte ausreichen müssen, insbesondere da für mich Fragen offen geblieben sind. Mir wurde nicht wirklich begreiflich, warum Renate als unscheinbares, schüchternes Mädchen, das nicht gern im Mittelpunkt stand, unbedingt Schauspielerin werden wollte. Faszination für den Film ja, aber die große Bühne und das Rampenlicht? Dieser Traum passte für mich nicht ganz für das liebenswerte Pummelchen, das so häuslich und familiär verbunden war.

Dennoch schafft es die Autorin der früh verstorbenen und für mich gänzlich unbekannten Schauspielerin Renate Müller Leben einzuhauchen und hat mich neugierig gemacht, mehr über sie, ihre Filme und ihren mysteriösen Tod zu erfahren. Es ist keine faktenorientierte Nacherzählung eines viel zu kurzen Lebens über eine junge Frau, die den Menschen mit ihren Filmen immer nur eine Freude machen sollte, sondern eine lebendige und authentische Geschichte, die die/ den Leser*in anschaulich in die Zeit der 1920er- und 1930er-Jahre hineinversetzt. Wie dabei der Film gezielt als Propagandainstrument der NSDAP eingesetzt wurde und welchen Druck das für Renate aufgrund ihrer unerschütterlichen Liebe zu Georg Deutsch bedeutete, verleiht der Erzählung etwas Spannung und Dramatik, denn ohne ihn kann sie nicht das "Fräulein Glücklich" sein.
Im Vergleich zum Beginn des Romans, der vor allem in Bezug auf Werners Ambitionen ausschweifend und detailliert erzählt wurde, empfand ich das viel interessantere Ende dann etwas sehr kurz gefasst.
Ein größerer Fokus auf Renates Persönlichkeit, ihre Ambitionen und noch mehr Flair vom Filmset hätten den biografischen Roman für mich noch runder gemacht.

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Veröffentlicht am 28.02.2022

Atmosphärisches Drama über Schuld, Liebe, Lügen und Verrat, das die Spannung stetig anwachsen lässt - inspiriert von einem wahren Ereignis, das bis heute ein Mysterium ist.

Die Leuchtturmwärter
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Im Dezember 1972 verschwinden die diensthabenden Leuchtturmwärter von Maiden Rock spurlos. Die Tür des Leuchtturms ist von innen verschlossen, der Tisch für zwei Personen gedeckt, die Uhren sind stehengeblieben, ...

Im Dezember 1972 verschwinden die diensthabenden Leuchtturmwärter von Maiden Rock spurlos. Die Tür des Leuchtturms ist von innen verschlossen, der Tisch für zwei Personen gedeckt, die Uhren sind stehengeblieben, aber die Laterne leuchtet noch. Niemand weiß, was passiert ist, Verschwörungstheorien kommen auf, Verdächtigungen werden ausgesprochen. Insbesondere der junge Hilfswärter Vincent Bourne, der erst 1970 aus dem Gefängnis entlassen worden war, gerät in Verdacht, an dem Verschwinden Schuld zu sein. Die verantwortliche Leuchtfeuerverwaltung Trinity House hält im Frühjahr 1973 eine Abschiedszeremonie ab und übrig bleiben drei Frauen, die ohne ihre Männer und im Unklaren über ihren Verbleib weiterleben müssen.
20 Jahre später möchte der bekannte Autor Dan Sharp ein Buch über das Mysterium schreiben und den Frauen die Chance geben, Gehör zu finden. Doch nur Helen, die Frau des Oberwärters Arthur Black, ist wirklich bereit, sich zu öffnen.
"Die Leuchtturmwärter" ist inspiriert von einem realen Ereignis. Der Flannan-Isles-Leuchtturm bei Schottland erlangte traurige Berühmtheit durch das Verschwinden dreier Wärter im Jahr 1900, das nie vollständig aufgeklärt wurde.
Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und schildert die Ereignisse im Dezember 1972 aus Sicht der drei Leuchtturmwärter Arthur Black, Bill Walker und Vince Bourne. Arthur ist der Oberwärter, Bill ein erfahrener Kollege, Vince ein neuer Hilfswärter. Jeder von ihnen hat einen anderen Bezug zum Meer und zum Leuchtturm sowie einen unterschiedlichen Beweggrund, dieser besonderen Tätigkeit, bei der sie über Wochen von der übrigen Zivilisation getrennt und nur sich selbst überlassen sind, nachzugehen.
1992 sind es die hinterbliebenen Frauen Helen, Jenny und Michelle, die sich durch die Recherchen des Autors noch einmal den Geistern der Vergangenheit stellen müssen, wobei der Autor als Person keine Rolle spielt. Die Interviews werden passiv ohne wörtliche Rede wiedergegeben.
Durch den Wechsel der Perspektiven, der Offenheit Helens und den Rückblenden in die Vergangenheit ist es möglich, sich seine eigenen Gedanken zu dem mysteriösen Verschwinden der Leuchtturmwärter zu machen und über die Ereignisse von Silvester 1972 zu spekulieren. Während Menschen wie Helen an eine übersinnliche Macht glauben, beschuldigen andere den aus dem Gefängnis entlassenen Hilfswärter. Tatsächlich ergibt sich durch die Erzählungen ein Geflecht aus Lügen und Geheimnissen, die durch massive zwischenmenschliche Differenzen Arthur und Bill in einem anderen Licht dastehen lassen. Auch was sich unmittelbar vor der Silvesternacht abspielte, ob es tatsächlich Besuch von einem Mechaniker gab und wer der ominöse silberne Mann ist, der von verschiedenen Menschen gesehen wurde, erscheinen undurchsichtig und wirken verdächtig.
"Die Leuchtturmwärter" ist ein atmosphärisches Drama über Schuld, Liebe, Lügen und Verrat, das die Spannung stetig anwachsen lässt.
Im Fokus des Romans steht nicht die Aufklärung eines Verbrechens, eines Unfalls oder eines Aberglaubens, sondern die Figuren, ihre Motivation, der einsame Arbeitsalltag auf einem Leuchtturm und die Folgen für die Arbeiter, aber insbesondere auch für ihre Familien, mit einem ebenso einsamen und rastlosen Leben zurechtkommen müssen.
Geschickt schafft es die Autorin, verschiedene Theorien über das unerklärliche Verschwinden der drei Leuchtturmwärter aufzustellen und ein Konglomerat als Lösung erscheinen zu lassen. Dennoch bleiben nicht nur für die hinterbliebenen Frauen Fragen offen, so dass das Mysterium aufrechterhalten bleibt und die Grenze zwischen Realität und Einbildung verschwimmen.

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