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Veröffentlicht am 14.02.2022

Fantastische Idee, aber wenig gelungene Umsetzung: öde Aufenthalte in Parallelwelt, Logikfehler und flache Charaktere. Die Geschichte wirkte am Ende wenig durchdacht.

Wir zwei für alle Zeit
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Nachdem sich ihr Freund Mike nach fünf Jahren Beziehung überraschend von ihr getrennt hat, lernt Erica den einfühlsamen Daniel kennen. Doch am Tag der Trennung passiert Erica das, was ihr erstmals als ...

Nachdem sich ihr Freund Mike nach fünf Jahren Beziehung überraschend von ihr getrennt hat, lernt Erica den einfühlsamen Daniel kennen. Doch am Tag der Trennung passiert Erica das, was ihr erstmals als Zwölfjährige passiert ist. Sie verlässt Zeit und Raum und landet in einer Parallelwelt. Nun sieht sie eine andere Erica vor sich, die selbstbewusster und reiselustig ist und ein ganz anderes, unbeschwertes Leben führt. Sie ist hin- und hergerissen, ob sie diese Erica sein möchte oder einem Leben mit Daniel eine Chance geben möchte. Sie erzählt ihm von ihrer Gabe, die er nicht weiter hinterfragt und sie so akzeptiert, wie sie ist. Erica entschließt sich deshalb, ein bodenständiges Leben zu führen, erleidet jedoch einen schrecklichen Verlust, der sie ihre Entscheidung hinterfragen lässt. Sie sehnt sich nach einem anderen, besseren Leben und versucht auch Daniel in dieses andere Leben zu integrieren.

Der Roman mutet durchweg melancholisch an. Selbst als Erica eigentlich glücklich sein sollte, herrscht eine traurige Stimmung vor, denn Erica lebt in permanenter Angst, den Halt zu verlieren und ungewollt für unbestimmte Zeit in ein anderes Leben abzudriften.

Diese Aufenthalte in ihrer Parallelwelt sind jedoch augenscheinlich nur von kurzer Dauer und Erica verbleibt darin in einer rein beobachtenden Position. Sie kann sich nicht bewegen und sieht nur ihr alternatives Leben, das anders, vermeintlich besser ist.

Für diese Quantensprünge wird nach keiner Erklärung gesucht, sondern als Ericas Besonderheit, die sie mit Daniel und ihrer Familie teilt, hingenommen. Ihre "Zeitreisen" sind wenig erkenntnisreich und ihr reale Alltag eher belanglos. Selbst die Beziehung mit Daniel, die als lebensverändernd bezeichnet wird, ist vergleichsweise lieb- und leidenschaftslos geschildert.

Die Geschichte dümpelt vor sich hin, bis etwas Tragisches passiert, das in Erica die Sehnsucht weckt, aus ihrem bisherigen Leben zu fliehen. Sie möchte jedoch auch nicht auf Daniel verzichten. Je mehr sie sich hineinsteigert, desto egoistischer wirkt ihr Wunsch. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass Erica verstört ist und trauert, macht ihr Bedürfnis, alles haben zu wollen und das Schicksal nicht akzeptieren zu können, sie nicht wirklich sympathisch. Erst ein weiteres tragisches Ereignis führt sie wieder zur Besinnung. Es ist nicht ihre eigene Entscheidung, sondern eine Folge der äußeren Umstände, weshalb das glückliche Ende einen wahrhaft faden Beigeschmack hat.

Die etwas fantastische Idee für den Roman hat mir gut gefallen, die Umsetzung der Geschichte ist leider nicht gelungen. Ich konnte mich weder für die flachen Charaktere erwärmen, noch war der Umstand der Reisen in eine Parallelwelt wirklich schlüssig, enthielt Logikfehler und ließ viel zu viele Fragen offen.

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Veröffentlicht am 12.02.2022

Kein sonderlich komplexer Kriminalfall, jedoch weiß der Thriller durch seine interessanten Figuren und deren geheimnisvolle Vergangenheit zu überzeugen

Dunkle Seele
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Nach dem Hinweis einer Nachbarin wird Gregor Franks, ein angeblich alleinstehender Mann, bewusstlos mit einer schweren Kopfverletzung in seiner Badewanne aufgefunden. Ob es sich um einen Unfall oder um ...

Nach dem Hinweis einer Nachbarin wird Gregor Franks, ein angeblich alleinstehender Mann, bewusstlos mit einer schweren Kopfverletzung in seiner Badewanne aufgefunden. Ob es sich um einen Unfall oder um Fremdeinwirkung handelt, ist zunächst unklar. Im Treppenhaus wurde eine Frau mit einem kleinen Kind gesehen, die das Haus an dem Tag auffällig überstürzt verlassen hat. Detective Sergeant Joanna Harper beginnt mit den Ermittlungen, nimmt den Hinweis auf und fahndet als einzigen Anhaltspunkt nach der Frau. Über Videoabgleiche an öffentlichen Plätzen stellt sich heraus, dass es sich um zwei Frauen handelt, die identisch gekleidet offenbar mit einem Kind auf der Flucht sind. Zu ihrem eigenen Entsetzen erkennt Joanna eine der Frauen, unterschlägt diese Tatsache jedoch, um den Sachverhalt eigenmächtig zu klären und nicht wegen Befangenheit von dem Fall eines möglicherweise versuchten Mordes abgezogen zu werden.
"Dunkle Seele" ist der zweite Band einer Reihe um Detective Sergeant Joanna Harper. Die Bücher können jedoch problemlos unabhängig voneinander gelesen werden.
Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen: wenige Tage vor Weihnachten, als der bewusstlose Mann aufgefunden wird und mehrere Monate davor, die eine Erklärung zu den beiden gesuchten Frauen liefern. Als Leser*in ist man dem Ermittlerteam um DS Harper deshalb mit einem Wissensvorsprung voraus. Aufgrund der Vorgeschichte ist bald zu erahnen, was in der Wohnung geschehen sein mag, weshalb ein Teil der Spannung eingebüßt wird. Letztlich bleibt der Fall jedoch verwirrend und erhält insbesondere durch die Bezüge zur schottischen Mystik einer der beiden gesuchten Frauen eine geheimnisvolle, nicht durchschaubare Komponente. Auch die persönliche Involvierung Joannas und ihre ungewöhnliche Familienkonstellation tragen dazu bei, dass die Aufklärung des Verbrechens und die Suche nach Opfern und Tätern trotz eines eindeutigen Verdachts fesselnd bleibt.
Im letzten Drittel spitzt sich die Lage zunehmend zu, die Perspektiven wechseln schneller und enden mit Mini-Cliffhangern. Die drohende Gefahr ist allgegenwärtig und es wird immer rätselhafter, bei wem es sich um den Mann aus der Badewanne handelt. Umso enttäuschender ist dann, dass seine Rolle nach meinem Empfinden nur unzureichend aufgeklärt wird.
Der Fall und die Hintergründe der Tat sind dabei nicht sonderlich komplex oder außergewöhnlich. Der Thriller weiß vielmehr durch seine interessanten Figuren, deren geheimnisvolle Vergangenheit und die Frage, wer Opfer und wer Täter ist, zu überzeugen. Es ist ein vielschichtiger Roman mit märchenhaften, mythologischen Elementen, der ein großes Augenmerk auf die Beziehungen zwischen Mutter und Kind legt, die hier auf beiden Erzählebenen nachvollziehbar und eindringlich geschildert werden.

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Veröffentlicht am 11.02.2022

Zwei fesselnde Handlungsstränge voller Dynamik und überraschender Wendungen. Gelungene Mischung aus Krimi und Thriller als Auftakt der Buchreihe um Detective Sergeant Kate Linville.

Die Betrogene
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Nach dem Tod ihres Vaters Richard, einem pensionierten Polizisten, ist Kate Linville auf sich alleingestellt. Sie selbst ist Polizistin bei Scotland Yard und kehrt nun in ihr Elternhaus nach Scalby in ...

Nach dem Tod ihres Vaters Richard, einem pensionierten Polizisten, ist Kate Linville auf sich alleingestellt. Sie selbst ist Polizistin bei Scotland Yard und kehrt nun in ihr Elternhaus nach Scalby in North Yorkshire zurück, um mehr über die Hintergrund des brutalen Mordes in Erfahrung zu bringen und den Täter aufzuspüren. Mit ihrem Verhalten eckt sie bei dem ermittelnden Beamten der Yorkshire Police, Caleb Hale an, der sich bei der Tätersuche auf einen Verdächtigen fixiert hat, den Linville vor Jahren ins Gefängnis gebracht hat. Da während der Ermittlungen auf weitere ermordete Personen aus dem Umfeld von Richard Linville gestoßen wird, wird immer unwahrscheinlicher, dass es sich bei dem flüchtigen Straftäter, der bei seiner Verurteilung geschworen hatte, Rache an Linville zu nehmen, um den gesuchten Mörder handelt.
Jonas Crane ist Drehbuchautor und steht aufgrund des finanziellen Drucks, der auf ihm lastet, vor einem Burnout. Zusammen mit seiner Ehefrau Stella und seinem fünfjährigen Adoptivsohn Sammy nimmt er sich eine Auszeit um in den Hochmooren im Norden Englands in aller Abgeschiedenheit zur Ruhe zu kommen. Die selbst gewählte Einsamkeit der alten Farm wird der Familie zum Verhängnis, als der gewalttätige Freund der leiblichen Mutter ihres Adoptivsohnes sie als Geiseln nimmt.
"Die Betrogene" ist der erste Band der Krimireihe um Detective Sergeant Kate Linville. Diese ist ein einsamer Mensch ohne soziale Kontakte und Rückhalt bei Scotland Yard. Sie hat nur wenig Selbstvertrauen und fühlt sich in ihrer Haut unwohl. Es erscheint kaum vorstellbar, wie diese unscheinbare, verunsicherte Frau bei der Metropolitan Police eine Anstellung finden konnte, doch dann beweist sie bei ihren privaten Recherchen zum Tod ihres Vaters unerwartetes polizeiliches Gespür und ist den Beamten vor Ort unfreiwillig stets einen Schritt voraus.
Detective Chief Inspector Caleb Hale ist Alkoholiker, der denkt, zusammen mit dem Alkohol auch seinen Polizeiinstinkt verloren zu haben. Er und sein Team tappen bei den Ermittlungen zum Mord an ihrem ehemaligen Kollegen lange Zeit im Dunkeln und werden durch Kate auf neue Spuren aufmerksam.
Der Roman ist aus zwei Handlungssträngen aufgebaut, die lange parallel verlaufen und sich selbst immer weiter verzweigen. Beide Erzählebenen, die sich zeitgleich ereignen, sind für sich spannend geschildert. Während die Aufklärung des Mordes an Richard Linville ein klassischer Kriminalroman ist, mutet die Geschichte um den Drehbuchautor und seine Familie wie ein Thriller an.
Der Roman ist dynamisch und voller raffinierter Wendungen. Bereits jeder Handlungsstrang für sich fesselt, bis auf wenige Längen, die sich vor allem aus den Unsicherheiten und persönlichen Gedanken von Kate und Caleb ergeben. Ungleich spannender ist, in welchem Ausmaß die beiden Erzählstränge und der tragische Prolog in einem Zusammenhang stehen und für welche Taten sich der Mörder an Richard Linville rächen möchte.
Es ist ein gelungener Reihenauftakt mit interessanten Charakteren, die Potenzial zur Weiterentwicklung haben. Der Kriminalfall ist undurchsichtig, weshalb es kaum möglich ist, einen Täter und sein Motiv frühzeitig zu erahnen. Die Schilderungen sind authentisch, auf übertriebene Dramatik wird verzichtet, ohne dass die Emotionen von Ermittlern, Tätern und Opfern zu kurz kommen.

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Veröffentlicht am 08.02.2022

Kurzweiliger Wohlfühlkrimi, jedoch ohne wirklich detektivisches Gespür der Hauptfigur.

The Maid
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Molly Gray ist 25 Jahre alt und arbeitet als Zimmermädchen in einem luxuriösen Hotel in London. Ordnung und Hygiene sind für sie das Maß aller Dinge, weshalb sie ihrem Beruf mit Leidenschaft nachgeht und ...

Molly Gray ist 25 Jahre alt und arbeitet als Zimmermädchen in einem luxuriösen Hotel in London. Ordnung und Hygiene sind für sie das Maß aller Dinge, weshalb sie ihrem Beruf mit Leidenschaft nachgeht und unter den Stammgästen aufgrund ihres Fleißes und ihrer Diskretion beliebt ist. Ihre Routine gerät aus den Fugen, als sie eines nachmittags einen der Stammgäste, einen reichen Immobilienmagnaten, des ehrbaren Hotels tot in seinem Bett auffindet. Ermittlungen ergeben, dass Mr Black keines natürlichen Todes gestorben ist und Molly gerät durch ihr unbeholfenes Verhalten im Umgang mit andern Menschen unter Mordverdacht.

Molly ist eine junge Frau, die von ihrer Großmutter aufgezogen wurde, die vor wenigen Monaten an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben ist. Von ihr hat sie das Faible zum Reinemachen und den Hang zur Perfektion übernommen. Sie lebt in festgefahrenen Strukturen, hat außerhalb des Hotels keine sozialen Kontakte und einige ihrer KollegInnen nehmen sie nicht ernst, denn Molly ist anders. Sie hat Probleme damit, Gesichtsausdrücke und Körpersprache zu deuten und Ironie zu verstehen. Offenbar hat sie leicht autistische Züge, weshalb ihr der Umgang mit anderen Menschen schwerfällt. Diese Einschränkung und ihr ungewöhnlich enger Kontakt zur Ehefrau des Toten werden ihr bei einer Befragung durch die Polizei zum Verhängnis.

Der Roman wird vom Verlag als Cosy Krimi beschrieben. Er ist tatsächlich "cosy", denn es handelt sich nicht um einen brutalen Kriminalroman mit klassischen Ermittlungen zur Aufklärung eines Mordfalls. Der Roman ist nicht dem Genre üblich humorvoll, aber gemütlich, denn die Atmosphäre in dem vornehmen Grandhotel, in dem der Gast noch König ist, sorgt für Behaglichkeit. Durch die lange Einführung und detaillierte Beschreibung von Molly als Person, ihre Rückblenden in die Vergangenheit und das Kennenlernen ihrer Eigenheiten gerät die Krimihandlung in den Hintergrund, weshalb die Geschichte auch keine wesentliche Spannung aufbauen kann. Dafür sind die verdächtigen Personen für die/ den LeserIn auch zu offensichtlich. Auf Werte wie Freundschaft, Vertrauen, Solidarität und Zusammenhalt wird ein größerer Fokus gelegt als auf die Aufklärung des Mordfalls.

Es ist durchaus unterhaltsam, wie sich Molly hilflos weiter verstrickt, andererseits empfindet man auch Mitgefühl für sie, denn sie ist eine Person mit dem Herz auf dem rechten Fleck. So hofft man, dass sie ihre wahren Freunde im Hotel erkennen und sich aus den Mordermittlungen herauslavieren kann.

Wer aufgrund der Beschreibung einen Krimi à la Miss Marple oder Inspektor Columbo erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein, denn so viel detektivisches Gespür hat Molly nicht. Deshalb passt auch der Unterteil "Ein Zimmermädchen ermittelt" nicht. Dennoch ist der Roman schon aufgrund Mollys eigenwilliger Persönlichkeit und ihrem "Talent" sich immer weiter in Schwierigkeiten zu bringen, kurzweilig und unterhaltsam und hat seinen eigenen Charme. Es ist letztlich ein Kriminalroman zum Wohlfühlen statt mit Nervenkitzel, bei dem man davon ausgehen kann, dass am Ende alles gut wird und Gut über Böse bzw. die Gerechtigkeit siegen wird.

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Veröffentlicht am 07.02.2022

Lebendige und unterhaltsame Geschichte mit einem ungewöhnlichen Setting, der es für mich allerdings an Tiefgang und Emotionen mangelt.

Liebe beginnt, wo Pläne enden
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Als Kristin herausfindet, dass ihr Ehemann Carsten eine Affäre hat, spricht sie ihn zunächst nicht darauf an. Der gemeinsame Sommerurlaub auf Rügen wird von Carsten aus vorgeblich beruflichen Gründen abgesagt. ...

Als Kristin herausfindet, dass ihr Ehemann Carsten eine Affäre hat, spricht sie ihn zunächst nicht darauf an. Der gemeinsame Sommerurlaub auf Rügen wird von Carsten aus vorgeblich beruflichen Gründen abgesagt. Kristin beschließt daraufhin, mit ihren Töchtern an einem "Living History"-Projekt teilzunehmen. Sechs Wochen werden sie in einem Freilichtmuseum in der Eifel auf einem Hof aus dem Jahr 1756 leben und auf jeglichen Komfort der Gegenwart verzichten. Kristin möchte sich in dieser Zeit Gedanken um ihre Ehe machen und eine Entscheidung treffen, wie es am Ende für sie und ihre Familie weitergehen wird.
Die drei schlüpfen in ihre Rollen und fühlen sich trotz der Anstrengungen unerwartet wohl. Mit den anderen Teilnehmern werden sie zu einer festen Gemeinschaft, lernen sich immer besser kennen und schließen Freundschaften.
Kristin lernt während ihres Aufenthalts zudem Max kennen. Dieser ist frisch von seiner Ehefrau getrennt, die ihn nach einer Affäre vor die Tür gesetzt hat. Kristin findet Max deshalb alles andere als sympathisch und projiziert ihre gesamte Wut von Carsten auf Max. Dabei merkt sie bald, dass ihr Herz ganz andere Meinung ist als ihr Verstand und kann sich der Anziehung von Max kaum erwehren.
"Liebe beginnt, wo Pläne enden" ist eine lebendige und unterhaltsame Geschichte mit einem ungewöhnlichen Setting. Es ist interessant zu lesen, wie die Teilnehmer des "Living History"-Projekts in ihre Rollen als Magd, Knecht, Bauernsohn oder Gutsherr schlüpfen und dass es ihnen gar nicht einmal so schwer fällt, auf die Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts zu verzichten und sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Kristin wohnt neben ihren Töchtern mit sieben ihr bislang unbekannten Personen zusammen. Durch das gemeinsame Projekt und die Aufgaben, die sie zu bewältigen Haben, um im Alltag von 1756 zurecht zu kommen, schließen sich bald Freundschaften und die selbst zu Beginn unsympathisch wirkenden Teilnehmer werden nahbarer und zeigen ihre guten Seiten. Als verschworene Gemeinschaft wird auch gern geschummelt, die ein oder andere Flasche Wein getrunken oder ein heimlicher Ausflug nach Köln unternommen, was für Abwechslung sorgt.
Jeder Charakter macht für sich eine Entwicklung durch, die am Ende auch authentisch wirkt. Sie bewegen sich aus ihrem Schneckenhaus oder ihrer Komfortzone und nehmen von dem Aufenthalt etwas für die Zukunft mit.
Phasenweise hätte ich mir etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht. Gerade am Anfang waren mir die Dialoge zu gewollt komisch, die Sprache zu derb und so manche spätere Anekdote zu albern. Auch fand ich es schade, dass die Charaktere so oberflächlich beschrieben blieben. Mir fehlten Erklärungen, warum sich der einzelne für eine Auszeit "back to the roots" entschieden hatte. Zudem lösten sich die Probleme der handelnden Figuren recht einfach ohne große Auseinandersetzungen.
"Liebe beginnt, wo Pläne enden" ist ein reiner Unterhaltungsroman mit einer schönen Idee als Rahmenhandlung, der undramatisch und ohne große Emotionen erzählt wird. Zu keinem Zeitpunkt ergibt sich das Gefühl, mit den Protagonisten zu leiden, ihre Probleme zu teilen oder auf ein Happy End zu hoffen. Auch wenn ich keine tiefgängige Geschichte erwartet hatte, hätte ich mir zumindest in Bezug auf Kristins persönliche Geschichte mehr Gefühlsregungen gewünscht.

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