Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.12.2021

Historischer Roman, der Fiktion und historische Fakten verbindet. Mir vermittelte der Roman zu wenig Gefühl für das Zeitgeschehen und konnte auch nicht mit den Charakteren überzeugen.

Der Stoff der Träume
0

Miriam Dassin zieht im Frühjahr 1947 von Paris nach London, um ihre Vergangenheit und die schrecklichen Kriegsereignisse hinter sich zu lassen. Dank einer Empfehlung erhält sie eine Anstellung bei dem ...

Miriam Dassin zieht im Frühjahr 1947 von Paris nach London, um ihre Vergangenheit und die schrecklichen Kriegsereignisse hinter sich zu lassen. Dank einer Empfehlung erhält sie eine Anstellung bei dem berühmten Modeschöpfer Norman Hartnell als Stickerin. Dort lernt sie Ann Hughes kennen und freundet sich mit ihr an. Die beiden sind die talentiertesten Arbeiterinnen und werden dafür ausgewählt, das Hochzeitskleid von Prinzessin Elizabeth mit Blüten zu besticken. Während sie mit Stolz ihrer Arbeit nachgehen, sind sie auch auf der Suche nach ihrem privaten Glück.
Knapp 70 Jahre später erbt Heather Mackenzie von ihrer verstorbenen Großmutter Ann Musterstücke kostbarer Stickereien, die dem Blumenmuster des Hochzeitskleids von Queen Elizabeth entsprechen. Heather hatte eine enge Bindung zu ihrer Nan und kann nicht verstehen, warum sie ihr von ihrer Tätigkeit als Stickerin und der Ehre, an dem Hochzeitskleid der Queen mitzuwirken, nie etwas erzählt hat. Sie reist von Toronto nach England, um sich auf Spurensuche zu begeben.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen, ist in der Vergangenheit abwechselnd aus der Perspektive von Ann beziehungsweise Miriam geschildert, während die Gegenwart aus Sicht von Heather erzählt wird. Die Erzählstimmen unterscheiden sich dabei kaum, was es vor allem im Vergangenheitsstrang erschwert die beiden jungen Frauen auseinanderzuhalten. Auch die Erzählungen über die drei Frauen ähneln sich zu Beginn arg, denn alle lernen im Verlauf der Geschichte einen Mann kennen, der jeweils empathisch und hilfsbereit ist und jede bei ihren kleineren oder größeren Problemen unterstützt.
Das Setting in London kurze Zeit nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges ist anschaulich geschildert. Die Bevölkerung leidet nach wie vor an Rationierungen und Entbehrungen und es erscheint nachvollziehbar, dass sich alle auf die royale Hochzeit als Großereignis freuen. Die Autorin schafft es jedoch nicht, diese euphorische Stimmung oder auch einen möglichen Neid in der Bevölkerung wegen des Prunks zu vermitteln.

Die mühsame Tätigkeit der Stickerinnen wird detailliert beschrieben, während die Charakterzeichnung eher schwach ist. Keine der Haupt- oder Nebenakteure hat herausragende Eigenschaften, sie blieben blass und leblos. Die Schicksale der Frauen berühren deshalb auch nicht so, wie sie könnten. Auch der Aufbruch Anns nach Kanada wirkte auf mich zu abrupt und problemlos.
Die Schilderung der royalen Hochzeit ist dagegen gelungen. Authentisch wird diese aus Sicht von Miriam und Ann beschrieben, von denen eine am Gottesdienst in Westminster Abbey teilnehmen durfte, während die andere im Hintergrund für letzte Verbesserungen an den Kleidern des Hofstaats im Buckingham Palace zur Verfügung stehen durfte.

Der Strang in der Gegenwart trägt nicht viel zur Geschichte bei, da das Wesentliche über Ann in der Vergangenheit erzählt wird. Allerdings fragt man sich natürlich, was passiert sein mag, dass Ann nie über ihr Leben und ihre Tätigkeit bei dem berühmten Modeschöpfer Norman Hartnell mit ihrer Familie gesprochen hat, was somit auf beiden Zeitebenen für ein wenig Spannung sorgt. Die Liebesgeschichte von Heather entwickelte sich zu vorhersehbar und zu schnell und hätte die Geschichte auch nicht benötigt.
Letztlich hatte ich mir von dem Historienanteil mehr Gefühl für das Zeitgeschehen und von der angekündigten Dramatik der Geschichte mehr erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2021

Weniger ein Weihnachtsroman, sondern vielmehr ein Roman über Mutter-Tochter-Beziehungen. Das Verhältnis von Problemen und Weihnachtsatmosphäre war mir zu wenig ausgewogen.

Das Fest der Weihnachtsschwestern
0

Gayle Mitchell ist ein Workaholic, Leiterin eines florierenden Unternehmens und Bestsellerautorin für Lebensratgeber. Als sie während eines Interviews einen Unfall erleidet, stellt sie fest, dass Arbeit ...

Gayle Mitchell ist ein Workaholic, Leiterin eines florierenden Unternehmens und Bestsellerautorin für Lebensratgeber. Als sie während eines Interviews einen Unfall erleidet, stellt sie fest, dass Arbeit nicht alles ist und dass sie sich nach ihren beiden Töchtern Samantha und Ella sehnt. Seit fünf Jahren hat sie ihre Töchter nicht mehr gesehen. Nach einem verheerenden Streit ist eine Kluft entstanden, die nun schier unüberwindbar erscheint.
Als Samantha und Ella ihre Mutter im Krankenhaus besuchen, sehen sie zum ersten Mal eine verletzliche Seite ihrer taffen Mutter. Ihrem Wunsch, Weihnachten in diesem Jahr gemeinsam zu verbringen, stehen sie misstrauisch gegenüber. Sie wünschen sich ein friedliches Fest ohne Streit und ohne eine Mutter, die hohe Erwartungen an ihre Töchter hat. Dennoch geben sie sich als Familie eine Chance und reisen gemeinsam in die schottischen Highlands, wo Samantha als Inhaberin eines Reisebüros einen Auftrag zum Test einer abgelegenen Lodge hat.

Der Roman ist abwechselnd aus den Perspektiven der unterschiedlichen Frauen geschildert. Die Kapitel sind verhältnismäßig lang, was einem ermöglicht, tief in die Charaktere einzutauschen. Gayle ist vordergründig ein diszipliniertes Arbeitstier, verbirgt jedoch ein Trauma, das ihre strenge Art und den Druck, den sie auf ihre Töchter ausübte, erklärt. Samantha ist beruflich erfolgreich, sehnt sich jedoch nach einer romantischen Liebesbeziehung, wie sie sie bisher nur aus Romanen kennt. Ella ist verheiratet und Mutter einer fünfjährigen Tochter und geht in dieser Rolle voll auf. Die weiblichen Charaktere wirken mit ihren Stärken und Schwächen menschlich und authentisch. Die Männer bleiben dabei nur Statisten und insbesondere der Inhaber der Lodge Brodie McIntyre wirkt als sexy, intelligent, empathisch und fürsorglich allzu perfekt.

Auch das Setting in den verschneiten schottischen Highlands, die abgelegene Lodge am See mit Rentieren ist anschaulich und passt gut zu einem Weihnachtsroman.
Aufgrund der gedrückten Stimmung, der Missverständnisse und Probleme, die gewälzt werden, mag sich jedoch trotz Schneemannbauens und Plätzchenbackens keine richtige (vor-)weihnachtliche Stimmung einstellen. Der ungelöste Konflikt, der zwischen den beiden Töchtern und ihrer Mutter steht, schwelt lange, während die Protagonisten sich fremden Menschen gegenüber öffnen, aber nicht mit den eigentlich Betroffenen offen sprechen. Diese retardierenden Momente ziehen den Roman ungemein in die Länge, zumal auch nicht so richtig klar wird, was vor fünf Jahren zu diesem gravierenden Zerwürfnis geführt hat.

"Das Fest der Weihnachtsschwestern" ist weniger ein Weihnachtsroman, sondern vielmehr ein Roman über Mutter-Tochter-Beziehungen. Die Geschichte schildert anschaulich den den Wert der Familie - nicht nur zu Weihnachten - und dass es nie zu spät für eine Veränderung und Versöhnung ist. Die Liebesgeschichte ist vorhersehbar, steht jedoch nicht im Vordergrund, weshalb die verlässliche Aussicht auf ein romantische Happy End nicht gestört hat. Ich hätte mir ein ausgewogeneres Verhältnis aus Problemen und Weihnachtsatmosphäre gewünscht. Zudem fand ich, dass die Konflikte nach der langen Zeit des Schweigens zu beiläufig gelöst worden sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.12.2021

Ein Thriller ohne Nervenkitzel und Spannung, mehr ein Whodunit-Krimi mit Einblicken in das Leben der Mormonen.

Drei Witwen
0

Der Polygamist Blake Nelson wird tot und verstümmelt auf seinem Anwesen in der Wüste Utahs aufgefunden. Des Mordes verdächtigt werden seine drei Frauen. Die erste Ehefrau ist Rachel, die in einer Sekte ...

Der Polygamist Blake Nelson wird tot und verstümmelt auf seinem Anwesen in der Wüste Utahs aufgefunden. Des Mordes verdächtigt werden seine drei Frauen. Die erste Ehefrau ist Rachel, die in einer Sekte aufgewachsen ist und sich mütterlich um Blake und die anderen Frauen gekümmert hat. Schwesterfrau Tina ist eine ehemalige Prostituierte, die Blake für seine sexuellen Vorlieben nutzte. Zweite Schwesterfrau ist Emily, die noch blutjung und unschuldig ist und Halt sucht, nachdem sie von ihrer Familie verstoßen wurde.
Jede von den drei Frauen hätte ein Motiv gehabt, ihren Ehemann zu töten, aber Rachel erscheint zu gottesfürchtig, Tina zu ausgebufft und Emily zu schwach. Sie misstrauen sich gegenseitig, aber als Emily überraschend ein Geständnis ablegt und die Polizei damit eine Täterin hat, beginnen Rachel und Tina gemeinsam nachzuforschen, was Blake vor seinem Tod getan hat und ob er sich damit Feinde gemacht hat.

Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive der drei Frauen geschrieben, wobei sich die Erzählstimme kaum unterscheidet, so dass das Lesen Konzentration erfordert. Dennoch kann man sich in jede von ihnen hineinversetzen und nachvollziehen, in welchem Verhältnis sie zu ihrem Ehemann standen. Durch die diversen Traumata, mit denen jede von ihnen zu kämpfen hat, erhält man zudem eine Vorstellung davon, warum sie sich überhaupt auf ein Leben in einer Vielehe mit einem streng religiösen Mormonen einließen. Wer die Mörderin sein könnte, erfährt man dadurch jedoch nicht, so dass die Tätersuche und das Mordmotiv durchgehend spannend bleiben.
Der Weg bis zur Auflösung ist jedoch zäh. Die Ermittlungen der Polizei schreiten kaum voran und das eigenmächtige Vorgehen von Rachel und Tina ist langatmig geschildert.
Details aus dem Zusammenleben der vier erfährt man kaum, auch wenn bestimmte Verhaltensweisen und Riten von Mormonen Erwähnung finden.

Die Geschichte ist meiner Meinung nach kein Thriller, denn dafür fehlt ihr der Nervenkitzel. Es geht um die Aufklärung eines Mordes und die Schuldfrage, während man einen Einblick in das Leben von Mormonen erhält, das durch die Auslegung Blakes noch extremer und rückwärtsgewandter und abstoßender wirkt, als man vermuten konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.12.2021

Ein Roman über Versöhnung und den Mut, Fehler zuzugeben, denn dafür ist es nie zu spät, ergänzt durch eine zarte Liebesgeschichte.

Nur einen Horizont entfernt
0

Hannah Farr ist 34 Jahre alt und Fernsehmoderatorin in New Orleans mit einer eigenen Talkshow. Vor zwei Jahren hat sie einen Brief ihrer Mitschülerin Fiona Knowles erhalten, die sie gemobbt hatte und wofür ...

Hannah Farr ist 34 Jahre alt und Fernsehmoderatorin in New Orleans mit einer eigenen Talkshow. Vor zwei Jahren hat sie einen Brief ihrer Mitschülerin Fiona Knowles erhalten, die sie gemobbt hatte und wofür sie sich entschuldigen möchte. In dem Brief waren zwei Steine gelegt - einer als Symbol der Entschuldigung und einer um einen weitern Menschen um Vergebung bitten zu können.
Fiona Knowles hat inzwischen ein Buch über ihre Erfahrungen mit den Steinen des Vergebens geschrieben und ist in Hannahs Sendung eingeladen worden. Nachdem sie ihr bisher nicht verziehen und den Stein zurückgesendet hat, muss sie sich nun mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und steht nicht nur vor der Entscheidung, ihrer Mitschülerin zu verzeihen sondern auch vor dem Versuch, sich nach über zwanzig Jahren Funkstille mit ihrer Mutter zu versöhnen.

Die Geschichte liest sich leicht und die Symbolik mit den Steinen, um einen ersten Schritt auf einen Menschen zuzugehen und um Verzeihung zu bitten, ist eine schöne Idee. Die Thematik um Reue, Vergebung und Schuldeingeständnisse durchzieht den Roman wie ein roter Faden.
In Bezug auf Hannah handelt der Roman weniger um das Mobbing als Schülerin und die Vergebung der Mitschülerin, sondern vielmehr darum, sich mit ihrer Familiengeschichte und insbesondere mit der Beziehung zu ihrer über Tausend Meilen entfernt wohnenden Mutter auseinanderzusetzen. Hannah konnte mich dabei als Charakter nicht rundum überzeugen, denn statt als toughe Fernsehmoderatorin wirkt sie eher verunsichert und wenig souverän. In ihrem Sender kann sie ihre Meinung kaum durchsetzen und sich selbst vertreten. Auch die Beziehung zu ihrem Freund, dem Bürgermeister der Stadt, ist nicht auf Augenhöhe.

Das Setting des Romans ist dagegen gelungen. Sowohl Hannahs Arbeitsplatz mit Intrigen von Kollegen und dem Druck der Quote als auch der Schauplatz in Michigan, wo Hannahs Mutter wohnt und wo sie den Weinbauern RJ kennenlernt, ist anschaulich und in Bezug auf die Landschaft malerisch geschildert.
Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter empfand ich jedoch als sehr oberflächlich und simpel, selbst wenn man in Betracht zieht, dass beide Seiten Fehler gemacht haben. Auch dass am Ende der Vorfall mit ihrem Stiefvater nicht aufgeklärt und letztlich verharmlost wird, hat einen faden Beigeschmack.

Die Botschaft um Versöhnung und den Mut, Fehler zuzugeben ist vordergründig, es werden jedoch noch weitere Missverständnisse und Geheimnisse aufgedeckt und eine zarte Liebesgeschichte entwickelt, so dass die Geschichte nicht langweilig wird. Hannah muss sich mit sich selbst und ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und geht dabei einen holprigen, aber nachvollziehbaren Weg.
Der Roman beweist, dass es nie zu spät ist, andere um Entschuldigung zu bitten, aber auch selbst die Größe zu besitzen, verzeihen zu können, um eine Last abzuschütteln, die das weitere Vorankommen behindert. Dabei wird jedoch auch deutlich, dass eine Entschuldigung allein in manchen Fällen nicht ausreicht und bestimmte Fehler unverzeihlich sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2021

Provokanter Titel für eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Kultur - ein unterhaltsamer Aufruf zu mehr Toleranz und Respekt

Englischer Harem
0

Nachdem Tracy Pringle ihre Arbeitsstelle als Kassiererin in einem Supermarkt verloren hat, erhält sie die Chance, als Kellnerin in einem persischen Restaurant zu arbeiten. Tracy ist schnell angetan von ...

Nachdem Tracy Pringle ihre Arbeitsstelle als Kassiererin in einem Supermarkt verloren hat, erhält sie die Chance, als Kellnerin in einem persischen Restaurant zu arbeiten. Tracy ist schnell angetan von der Atmosphäre in dem Restaurant, von dem Inhaber Saaman Sahar und seiner Ehefrau Yvette. Sie bemüht sich und kennt bald die Speisekarte auswendig und versucht sich auch in Bezug auf das Land Iran und den Islam weiterzubilden. Saaman bewundert die junge Frau und ihren Eifer. Während ihrer Gespräche über den Islam und die persische Kultur kommen sich die beiden näher.
Als die beiden ihre Beziehung besiegeln und vor Gott heiraten möchten, regt sich Widerstand bei Tracys Eltern und auch Saamans Eltern sind mit der Beziehung zu der deutlich jüngeren Engländerin nicht einverstanden. Saaman ehelicht Tracy dennoch nach islamischem Recht. Tracy ist damit neben Yvette und Firouzeh Saamans dritte Ehefrau. Vor Allah darf Saaman bis zu vier Frauen haben, solange er sich gleich behandelt und da mit keiner standesamtlich verheiratet ist, verstößt er auch nicht gegen britisches Recht. Dennoch schaltet sich das Jugendamt ein, um zu prüfen, ob die vier Kinder unter der ungewöhnlichen Familienkonstellation leiden. Unterschwellig schwingt der Vorwurf eines Sittenverfalls mit, weshalb Saaman empört die Zusammenarbeit mit den Behörden verweigert und damit alles nur noch schlimmer macht.
"Englischer Harem" ist ein provokanter Titel für eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Kultur. Durch Neugier, Faszination am Fremden und Bewunderung kommen sich der Perser Saaman Sahar und die Britin Tracy Pringle näher. Ihre Beziehung stößt jedoch auf wenig Verständnis, nachdem Saaman bereits mit zwei anderen Frauen verheiratet ist. Tatsächlich ist Saaman jedoch ein ehrenwerter Mann, der sich bereitwillig an die britischen Gesetze hält und der nur zu Tracy eine Liebesbeziehung pflegt. Erst- und Zweitfrau hat er vielmehr aus Fürsorgegründen geheiratet. Ihre beiden Familien sind dennoch misstrauisch und fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Auch die britischen Behörden unterziehen Saamans Haushalt nach einem anonymen Hinweis einer eingehenden Prüfung.
Die Geschichte ist abwechslungsreich und unterhaltsam geschildert, auch wenn sie vereinzelte Längen aufweist und sich in Bezug auf Saamans für Außenstehende irritierendes Zusammenleben mit drei Frauen widerholt. So ist vor allem der Beginn des Romans mit der Annäherung von Saaman und Tracy interessant, da man durch ihre Neugier selbst viele interessante Details über den Iran und den Islam erhält. Nachvollziehbar sind jedoch auch das Misstrauen von Familien und Behörden dargestellt, die keinen klaren Einblick in das familiäre Zusammenleben haben und auch nicht wirklich haben möchten. Vorurteile sind allgegenwärtig und auch die Angst vor dem Fremden, Intoleranz bis hin zu Rassismus werden deutlich.
Die Geschichte ist trotz des ernsten Hintergrunds humorvoll geschildert und treibt Klischees auf gewitzte Art und Weise an die Spitze. Dieser satirische Stil stimmt nachdenklich, wobei man in Betracht ziehen muss, dass die Geschichte Anfang der 2000er-Jahre handelt und ein derartiges Zusammenleben gegenwärtig weniger argwöhnisch betrachtet und eher als Patchwork-Familie bezeichnet werden würde.
Das Buch ist weniger eine romantische Liebesgeschichte als vielmehr ein Aufruf zu Toleranz und Respekt und dem Verzicht auf vorschnelle Verurteilungen von Umständen und Wertvorstellungen, die man nicht kennt oder versteht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere