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Veröffentlicht am 19.12.2021

Schöne Botschaft, aber ein penetrant moralischer Roman mit zu viel Monotonie und unpassenden Fantasyelementen.

Zeit deines Lebens
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Ein Junge wirft aus Wut auf die neue Familie seines Vaters an Heiligabend mit einem gefrorenen Truthahn die Fensterscheibe ihres Wohnzimmers ein und verletzt damit fast seine kleinen Halbgeschwister. Er ...

Ein Junge wirft aus Wut auf die neue Familie seines Vaters an Heiligabend mit einem gefrorenen Truthahn die Fensterscheibe ihres Wohnzimmers ein und verletzt damit fast seine kleinen Halbgeschwister. Er gelangt vorläufig in Gewahrsam, wo ihm der diensthabende Polizist die Geschichte von Lou Suffern erzählt.
Lou Suffern ist seit zehn Jahren mit seiner Frau Ruth verheiratet, hat zwei Kinder, kümmert sich aber vielmehr um seine Karriere als seine Familie. Seine Ehefrau hat er bereits mehrfach betrogen, zu seinen Kindern hat er keine Bindung und den 70. Geburtstag seines Vaters lässt er von seiner Sekretärin organisieren.
Eines Tages begegnet er vor dem Bürogebäude, in dem er arbeitet, einem Obdachlosen und spendiert ihm einen Kaffee. Wenig später verhilft er ihm sogar zu einer Arbeitsstelle in seiner Firma. Seit diesem Zeitpunkt ist Gabe wie ein Schatten an seiner Seite und wirkt auf ihn ein. Er gibt ihm zudem eine Pille, durch die Lou sich selbst mit anderen Augen sieht und beginnt, sich und sein eigenes Verhalten zu reflektieren.

Die zu vermittelnde Botschaft des Romans springt einem schon auf den ersten Seiten derart plakativ ins Auge, dass der Verlauf des Romans vorhersehbar und langweilig ist.
Selbst wenn man in Betracht zieht, dass die Geschichte wie ein Gleichnis einem fehlgeleitetem Teenager erzählt wird und der Roman zur Weihnachtszeit spielt, wirkt das Geschehen aufgesetzt.
Gerade der Hauptcharakter Lou ist keine authentische Figur, denn es ist nicht klar, warum er dem Obdachlosen plötzlich hilft und warum er sich ihm gegenüber geradezu menschlich verhält. Auch benimmt er sich bei der Arbeit so unsouverän, dass man kaum nachvollziehen kann, wie er so Karriere machen konnte.
Gabe, der stets aus dem Nichts auftaucht und Lou offensichtlich auf den rechten Weg führen möchte, erscheint wie eine Märchenfigur. Würden ihn andere nicht sehen, könnte man glatt meinen, dass er nur in Lous Einbildung existiert. Der Kniff mit Gabes Pille und deren Auswirkungen ist dann jedoch noch abwegiger, dass die fragwürdige Rolle Gabes in den Hintergrund tritt.

Die Botschaft des Romans, die richtigen Prioritäten zu setzen, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, weniger Wert auf Karriere und materielle Dinge zu legen, ist unstrittig moralisch korrekt und vorbildhaft. Wie diese jedoch vermittelt wird, ist mir jedoch nicht nur zu penetrant und monoton sondern auch zu fantasievoll. Wendungen und glaubwürdige Charaktere sowie mehr Symbolik statt einer Moralkeule hätten dem Roman gutgetan.

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Veröffentlicht am 18.12.2021

Nach einem originellen Einstieg entwickelt sich die Geschichte arg seicht und vorhersehbar. Es ist ein reiner Unterhaltungsroman, der am Ende an Tiefgang und Glaubwürdigkeit vermissen lässt.

Ist für immer nicht viel schlimmer?
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Naomi bekommt wenige Monate vor ihrer geplanten Hochzeit Bedenken, ob sie ihren Verlobten Nicholas noch heiraten möchte. Die Hochzeitsvorbereitungen hat die Schwiegermutter in spe an sich gerissen, so ...

Naomi bekommt wenige Monate vor ihrer geplanten Hochzeit Bedenken, ob sie ihren Verlobten Nicholas noch heiraten möchte. Die Hochzeitsvorbereitungen hat die Schwiegermutter in spe an sich gerissen, so dass weder Nicholas noch Naomi große Einflussmöglichkeiten bleiben. Darüber hinaus findet Naomi, dass Nicholas sich viel zu sehr von seiner Mutter einnehmen lässt und ihr im Gegensatz dazu zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Als sie zu der Überzeugung kommt, Nicholas maximal noch "vierzig Prozent" zu lieben, versucht sie die Hochzeit zu sabotieren, indem sie sich so schlecht benimmt, dass Nicholas nur die Möglichkeit bleibt, die Hochzeit abzusagen. Selbst möchte sie sich die Blöße nicht geben und auch nicht mit den bereits getätigten Ausgaben belastet werden.
Naomi und Nicholas schikanieren sich gegenseitig und inszenieren einen regelrechten Rosenkrieg, bis sie merken, dass es doch noch Dinge gibt, die sie beide vereinen.

"Ist für immer nicht viel schlimmer?" ist ein Liebesroman der anderen Art. Naomi und Nicholas stehen vor ihrer Hochzeit, aber auf dem Weg vom Kennenlernen bis zur Verlobung und den Hochzeitsvorbereitungen ist die Liebe erloschen oder zumindest auf der Strecke geblieben. Insbesondere Naomi, aus deren Sicht der Roman geschildert ist, fühlt sich ungeliebt und ungerecht behandelt. Dies ist zunächst auch nachvollziehbar, da es sich bei Nicholas auf den ersten Blick tatsächlich um ein Muttersöhnchen handelt, der sich nicht von seinem Elternhaus abnabeln kann.
Im weiteren Verlauf wandelt sich das Bild. Naomi agiert derart kindisch und entwickelt sich zu einem kleinen Monster, so dass die Sympathien unweigerlich zu Nicholas wechseln, der besonnener und erwachsener agiert und dem offensichtlich etwas an der Beziehung zu Naomi zu liegen scheint.

Die Geschichte ist überspitzt dargestellt. Naomi und Nicholas provozieren sich gegenseitig und machen sich das Leben schwer, so dass man kaum nachvollziehen kann, warum sie sich jemals verlobten. Die Reibereien und Schlagabtauschs sind witzig, ermüden jedoch ein wenig im Verlauf der Erzählung. Eine Trennung könnte eigentlich so einfach sein, bis ist es zu einer unerwarteten Wendung kommt, die doch noch Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft macht. Dieser Wechsel, der dem Roman eine 180 °-Wendung gibt, kommt jedoch so abrupt, und ohne nachvollziehbare Gründe, dass der Verlauf der Geschichte nicht mehr glaubhaft ist. Die Protagonisten agieren auch nach ihrer Einsicht übertrieben, eine Aussprache oder vernünftige Kommunikation findet nicht statt - weder zwischen Naomi und Nicholas, noch zwischen dem Paar und den Eltern bzw. Schwiegereltern.

Turbulent, voller Sarkasmus und wenig romantisch beginnt diese Liebesgeschichte, bevor sie an Originalität verliert und im letzten Drittel des Romans arg seicht wird und sich zu vorhersehbar entwickelt. Die Protagonistin, die sich selbst als Opfer sieht, ist keine Sympathieträgerin oder gar eine Identifikationsfigur, was den Roman schwerfällig macht und am Verhalten von Nicholas zweifeln lässt. Die Geschichte stellt rein auf Unterhaltung und einen fragwürdigen Humor ab und lässt dabei an Tiefgang und Glaubwürdigkeit vermissen.

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Veröffentlicht am 17.12.2021

Zäher Handlungsverlauf mit schwerfälligen Ermittlungen. Erst am Ende spannend und annähernd wie ein Thriller.

Teufelsnetz
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An einem eisigen Strand bei Helsinki wird die Leiche einer jungen Frau angespült, die wie ein Manga-Mädchen gekleidet ist. Sie war offenbar illegal aus der Ukraine eingereist. Zeitgleich verschwinden zwei ...

An einem eisigen Strand bei Helsinki wird die Leiche einer jungen Frau angespült, die wie ein Manga-Mädchen gekleidet ist. Sie war offenbar illegal aus der Ukraine eingereist. Zeitgleich verschwinden zwei Blogger, Lisa Yamamoto, eine junge Finnin mit japanischen Wurzeln, und ihr Exfreund Jason Nervander. Während Jason einen Fetisch für Sado-Maso hatte, interessierte sich Lisa künstlerisch für den Mangakult.
Die Ermittlungen ergeben eine Verbindung zwischen der Leiche und den Bloggern. Lisa hatte in ihren Socialmedia-Profilen für Kambo geworben, ein Froschgift, das in den sozialen Netzwerken als alternatives Heilmittel gepriesen wird und mit dem das Manga-Mädchen behandelt wurde.

"Teufelsnetz" ist nach "Hexenjäger" der zweite Band aus der Reihe um Hauptmeisterin Jessica Niemi, der ungefähr sechs Monate später handelt. Es ist nicht unbedingt nötig, den Vorgänger zu kennen, hilft jedoch weiter um den persönlichen Hintergrund von Jessica besser zu verstehen. In diesem Band gibt es weitere Andeutungen auf ihre Vergangenheit, die sie nicht nur persönlich durch Albträume von ihrer toten Mutter, ihres toten Bruders und ihres toten Mentors Enre belasten, sondern auch berufliche Konsequenzen haben könnten. Ihre neue Vorgesetzte Helena Lappi begegnet Jessica mit großem Misstrauen und ist bestrebt, sie aus dem Polizeidienst zu entfernen.

Der Schreibstil ist wie in Band 1 sehr dynamisch. Der Fall ist aus wechselnden Perspektiven einer großen Anzahl von Protagonisten geschildert. Die Kapitel sind kurz und handeln nicht nur von der Aufklärung des komplexen Falles, bei dem es nur wenig handfeste Beweise und Indizien gibt, sondern auch von den persönlichen Befindlichkeiten der handelnden Ermittler.

"Teufelsnetz" ist meiner Meinung nach mehr Kriminalroman als Thriller, da die Ermittlungen und die Polizeiarbeit im Vordergrund stehen und weniger der Nervenkitzel um die vermeintlich entführten Blogger. Zu ihren persönlichen Hintergründen erfährt man dafür auch zu wenig, um um ihr Schicksal zu bangen. Oft sind es Zufallsfunde, die die Ermittler auf neuen Spuren aufmerksam machen. Der Roman ist modern und am Puls der Zeit, denn ohne Zweifel stehen bei der Fallaufklärung fast ausschließlich die sozialen Medien, Blogs, Instagram, Nutzung von Fake-Accounts, Verschleierung von IP-Adressen, Löschung und Wiederherstellung von Beiträgen und Bildern im Fokus der Ermittlungen.
Nach einem interessanten Einstieg entwickelt sich die Handlung zäh und wenig ereignisreich. Die Ermittlungen der Polizei sind schwerfällig und wirken unbeholfen. Der Leser wird bewusst auf falsche Fährten gebracht, ein Tatmotiv ist schwer zu erahnen, worunter die Spannung leidet.
Der Roman ist auf den letzten Seiten ohne Frage wendungsreich und entwickelt sogar noch Nervenkitzel, was aber nicht über die lange Durststrecke hinweghelfen kann, zumal am Ende auch wiederum der Zufall und weniger das Können der Ermittler entscheidend zur Aufklärung des verworrenen Falls beiträgt, bei dem der Leser keine Chance hat, die Hintergründe frühzeitig zu durchblicken.

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Veröffentlicht am 15.12.2021

Dramatische Geschichte auf zwei Erzählebenen, hinter der viel mehr Gefühl und Tiefgang steckt, als der Klappentext und das etwas kitschige Cover vermuten lassen.

Wir zwei in diesem Augenblick
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Auf einer Party lernen sich die pflichtbewusste BWL-Studentin Anna und der vor kurzem von München nach Bamberg gezogene Fotograf und Mitarbeiter einer Werbeagentur, Max, kennen. Sie verbringen den Abend ...

Auf einer Party lernen sich die pflichtbewusste BWL-Studentin Anna und der vor kurzem von München nach Bamberg gezogene Fotograf und Mitarbeiter einer Werbeagentur, Max, kennen. Sie verbringen den Abend gemeinsam mit dem Spiel "Wahrheit oder Pflicht" und verlieben sich nach mehreren anschließenden Treffen ineinander.
Während Max spontan und voller Ideen ist und Anna damit mitreißt, hat diese immer wieder Bedenken, ob Max der richtige Partner für sie ist. Sie ist festgefahren in ihren Gewohnheiten und bürdet sich selbst eine Vielzahl an Pflichten auf, möchte ihr Studium bestmöglich abschließen, in der Firma ihres Vaters Verantwortung übernehmen und die perfekte Tochter sein. Durch Max lernt sie eine neue Seite an sich kennen, die ihr Angst macht und sie innerlich zu zerreißen droht.

Der Klappentext klingt nach einer dramatischen Young Adult-Liebesgeschichte, bietet jedoch unerwartet so viel mehr. Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen und schildert nicht nur die Romanze von Anna und Max in der Gegenwart in Bamberg, sondern auch eine scheinbar eigenständige Geschichte in der Vergangenheit, beginnend im Jahr 1989. Darin zieht die Galeristin Charlotte mit ihrem Ehemann Thomas aufs Land und wird in ein in ihren Augen spießiges Leben gedrängt, das ihr nicht behagt. Als Hausfrau und Mutter wechselt sie zwischen Über- und Unterforderung, der Dorfklatsch ist ihr zuwider. Mit dem Versuch, ein Stück ihrer Freiheit wiederzuerlangen und aus der Tristesse auszubrechen, beginnt sie ein gefährliches Spiel, bevor das Schicksal brutal zuschlägt.

Die Erzählebenen wechseln in kurzer Abfolge und sind empathisch aus unterschiedlichen Perspektiven der handelnden Personen geschildert. Es fällt leicht, sich in Anna und Charlotte hineinzuversetzen und in ihre Rollen, in die sie sich gedrängt fühlen. Ihre Hintergründe sind aufschlussreich, während es in Bezug auf Max und ein Unglück in seiner Familie zunächst nur vage Andeutungen gibt.

Vergangenheit als auch Gegenwart fesseln gleichermaßen, denn sowohl die noch junge Liebe von Anna und Max als auch die Ehe von Charlotte und Thomas bergen Konfliktpotenzial und sind brüchig.
Mindestens genauso spannend ist jedoch zu erfahren, was hinter dem traurigen Prolog steckt und in welchem Zusammenhang die beiden Erzählebenen stehen, denn weder die Namen noch die Handlungen geben unmittelbar Aufschluss und lassen den/ die Leser*in eigene Vermutungen anstellen. Die Tragödie, die die Protagonisten miteinander verbindet, ist dann so einschneidend, dass sie sich Jahre später noch, zerfressen von Trauer und Schuldgefühlen, selbst und ihrem Glück im Wege stehen.

"Wir zwei in diesem Augenblick" ist eine dramatische Geschichte, hinter der viel mehr Gefühl und Tiefgang steckt, als der Klappentext und das etwas kitschige Cover vermuten lassen. Die Geschichte ist einfühlsam und lebendig geschildert und erzeugt durch die Undurchschaubarkeit und die Geheimnisse, die die glaubwürdig und individuell gezeichneten Protagonisten bergen, eine Sogwirkung. Romantik, Drama, Vergangenheitsbewältigung und Selbstfindung sind die Themen, die auf beiden Erzählebenen auf ihre Art berühren und für einen spannenden und dynamischen Handlungsverlauf sorgen.

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Veröffentlicht am 13.12.2021

Mal amüsanter, mal traurig und nachdenklich stimmender Roman, der alle Höhen und Tiefen eines Familienlebens beschreibt.

Der größte Spaß, den wir je hatten
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Marilyn und David Sorenson sind seit vierzig Jahren verheiratet und Eltern von vier inzwischen erwachsenen Töchtern. Die älteste Wendy hat ihren Mann früh verloren und tröstet sich mit wechselnden Liebschaften ...

Marilyn und David Sorenson sind seit vierzig Jahren verheiratet und Eltern von vier inzwischen erwachsenen Töchtern. Die älteste Wendy hat ihren Mann früh verloren und tröstet sich mit wechselnden Liebschaften und erhöhtem Alkoholkonsum. Die wenig jüngere Violet ist verheiratet, Anwältin, aber vorwiegend Mutter von zwei Kindern. Liza ist schwanger, jedoch aufgrund ihrer Beziehung zu dem depressiven Ryan unsicher, was die Zukunft betrifft. Nesthäkchen Grace fühlt sich ein wenig außen vor und hat Angst, mit ihren Schwestern nicht mithalten zu können. Alle vier Mädchen blicken neiderfüllt auf ihre Eltern, die ihnen eine vorbildhafte Beziehung vorlebten und immer noch so glücklich miteinander sind.
Als Wendy Violets ersten Sohn auftut, den diese ohne das Wissen des Rests der Familie zur Welt gebracht und zur Adoption frei gegeben hatte, wird das Leben der Familie durcheinandergewirbelt.

"Der größte Spaß, den wir je hatten" ist eine epische Familiengeschichte, die in der Gegenwart die Probleme der vier unterschiedlichen Töchter der Familie beschreibt. Kapitelweise wird man als Leser durch Rückblenden zurück in die Vergangenheit versetzt, als sich Marilyn und David Ende der 1970er-Jahre in einander verliebten und sehr schnell ungewollt zwei Töchter unmittelbar nacheinander in die Welt setzten. Fünf Jahre später folgte Liza und weitere zehn Jahre später Wunschkind Grace. Marilyn brach ihr Studium ab und verzichtete der Kinder zuliebe auf eine Karriere, während David als Arzt in einer Klinik arbeiten konnte. Den Mädchen fehlte es an nichts - weder in materieller noch emotionaler Hinsicht.
In chronologischer Abfolge wird deutlich, dass auch Marilyn und David Probleme hatten, überfordert von der Erziehung von vier Töchtern waren und sich dabei zeitweise von einander entfremdeten. Das Familienleben war nicht nur eitel Sonnenschein, auch wenn ihre Töchter dies überwiegend so empfanden.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten aufgrund der Vielzahl der Personen und der schnell aufeinanderfolgenden Perspektivenwechsel habe ich gut in die Geschichte hineingefunden. Sie ist abwechslungsreich und unterhaltsam und wird vor allem von den individuell gezeichneten Charakteren getragen, die alle nicht ganz so durchschaubar sind, wie sie zunächst scheinen. Jede Figur hat ihre Ecken und Kanten und größere oder kleinere Geheimnisse zu verbergen.
Auch wenn der Einzug von Jonah, Violets Sohn der Geschichte einen Aufhänger gibt, dreht sie sich doch um die Sorgen und Probleme aller Protagonisten. Interessant ist zu sehen, wie die Töchter, unabhängig ihres Alters, immer wieder Halt bei ihren starken Eltern suchen und finden.

Es ist ein mal amüsanter, mal traurig oder nachdenklich stimmender Roman, der alle Höhen und Tiefen eines Familienlebens beschreibt und dabei vor allem auf die Beziehung der Eltern zu ihren unterschiedlichen Kindern Bezug nimmt. Der Roman handelt von der andauernden Sorge der Eltern um ihre auch erwachsenen Kinder und vom Streben nach Vorbildern und einer Sehnsucht nach Glück und Erfüllung.
Die Geschichte wirkt dabei authentisch, denn auch wenn nach außen die gut situierte Familie Sorenson mit wohl geratenen Töchtern perfekt erscheint, gab es über die Jahre hinweg auch Dramen und Streit hinter der perfekten Fassade. Kinder kriegen und groß ziehen war nicht immer ein großer Spaß und die Sorgen um sie hören nie auf - ein aus dem Leben gegriffene Erzählung mit Problemen, die es in jeder Familie geben könnte.

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