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Veröffentlicht am 04.09.2021

Abwechslungsreicher und spannender Kriminalroman, in dem es vor allem die rätselhafte Frage des Motivs des Täters aufzuklären gilt.

SCHULD! SEID! IHR!
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In der Lüneburger Heide wird ein Obdachloser tot im Wald aufgefunden. Er ist an einer Überdosis Strychnin verstorben. Wenig später verstirbt ein pensionierter Polizist im Krankenhaus an einem Herzinfarkt. ...

In der Lüneburger Heide wird ein Obdachloser tot im Wald aufgefunden. Er ist an einer Überdosis Strychnin verstorben. Wenig später verstirbt ein pensionierter Polizist im Krankenhaus an einem Herzinfarkt. Auch er hatte eine totbringende Dosis des Gifts in seinem Körper.
Hauptkommissar Rolf Degenhardt, der den getöteten Polizisten persönlich kannte, übernimmt die Ermittlungen und muss sich dabei mit einem neuen Vorgesetzten auseinandersetzen, der ihm von Anbeginn unsympathisch ist.
Fraglich ist, ob und was die beiden Opfer miteinander verbindet und welche Bedeutung die Tarotkarte des "Gehängten" hat, die an beiden Tatorten gefunden wird.

"Schuld! Seid! Ihr!" ist der zweite Band der Krimireihe um Hauptkommissar Degenhardt, die ohne Verständnisprobleme unabhängig voneinander gelesen werden können.
Der Kriminalroman ist wie ein Theaterstück in sechs Akte aufgebaut und aus zwei Perspektiven beschrieben, die des Täters, des "Gehängten", und die der "anderen". Darüber hinaus wechselt die Geschichte zwischen Gegenwart und der Vergangenheit vor 19 Jahren.
Schon durch Titel und Klappentext ist klar, dass es dem Täter um Rache geht, was zusätzlich durch dessen Perspektive deutlich wird, wodurch der/ die Leser*in den Ermittlern einige Schritte voraus ist. Unklar ist jedoch, um wen es bei dem technisch sehr versierten "Gehängten" handelt und was der Obdachlose, ein ehemaliger Mitarbeiter einer Ölplattform, und der pensionierte Polizist dem Täter in der Vergangenheit angetan haben und warum er zum gegenwärtigen Zeitpunkt Rache nimmt.
Der Täter ist intelligent und setzt seine Pläne der Abrechnung versiert und akribisch um und seine beiden ersten Opfer werden nicht die letzten sein.

Die Kapitel sind sehr kurz, die Perspektiven wechseln deshalb häufig, was dem Roman Dynamik verleiht und ihn durch die Sicht von Täter, Opfer und Ermittler abwechslungsreich gestaltet. Durch die genauen Zeit- und Ortsangaben fällt es leicht, der Handlung zu folgen.
Der Roman ist durch die sechs Akte, die jeweils mit einer Erklärung zum Tarot beginnen, interessant aufgebaut und durchgängig spannend erzählt. Sowohl die Handlungen des Täters als auch die Ermittlungen in den Mordfällen im Raum Nordlüneburg sind fesselnd. Darüber hinaus sind die Charaktere authentisch und insbesondere Kommissar Degenhardt, der es seinem Vorgesetzten nicht leicht macht und keine Konflikte scheut, sorgt für Lebendigkeit. Dabei ist er alles andere als perfekt. In seinem Privatleben bereitet ihm seine heranwachsende Tochter Probleme und beruflich scheint er aus einem früheren Fall etwas zu verbergen zu haben.

"Schuld! Seid! Ihr!" ist ein abwechslungsreicher und spannender Kriminalroman, in dem es vor allem die rätselhafte Frage des Motivs des Täters aufzuklären gilt. Durch seine interessanten Figuren bietet er zudem Potenzial für weitere vielversprechende Bände der Reihe.

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Veröffentlicht am 03.09.2021

Geschichte der leisen Töne über Familienbande, Verantwortung, Geschwisterliebe und inneren Zusammenhalt - monoton und spannungsarm erzählt.

Die letzten Romantiker
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Im Jahr 2079 hält die Schriftstellerin Fiona Skinner eine Lesung und wird dabei von einer jungen Frau namens Luna zu einem ihrer Gedichte befragt, nach deren Protagonistin sie benannt ist. Fiona erinnert ...


Im Jahr 2079 hält die Schriftstellerin Fiona Skinner eine Lesung und wird dabei von einer jungen Frau namens Luna zu einem ihrer Gedichte befragt, nach deren Protagonistin sie benannt ist. Fiona erinnert sich daraufhin an ihre Kindheit in den 1980er-Jahren und beginnt zu erzählen.
1981 starb der Vater der vier Geschwister Renee, Caroline, Joe und Fiona und ihre Mutter fiel daraufhin in ein tiefes Loch, aus dem sie erst drei Jahre später wieder erwachte. Die Geschwister kümmerten sich in der "Großen Pause" um sich selbst und schweißten eng zusammen. Auch wenn sich ihre Weg später trennten, hielt das Band fest und in schwierigen Situationen waren sie stets für einander da. 20 Jahre nach dem Verlust des Vaters ereignet sich jedoch eine weitere Tragödie, die ihre Bindung auf eine harte Probe stellt und die Geschwister endgültig zu trennen droht.
Der Roman wird überwiegend aus der Perspektive der über 100-jährigen Fiona geschildert, die auf ihr Leben zurückblickt. Bei dem Wechsel in die Vergangenheit wechseln die Sichtweisen häufig und abrupt, so dass man Einblicke in die Leben aller vier Geschwister erhält, selbst als jedes seiner eigenen Wege geht.
Das Buch ist in vier Abschnitte untergliedert, wobei der erste Teil, als die Geschwister heranwachsen und unter der Vernachlässigung der Mutter leiden, am eindringlichsten geschildert ist. Anschließend ereignet sich nicht viel und durch die in kurzen Abständen aufeinanderfolgenden Perspektivwechsel ist es schwierig, den Romanfiguren nahe zu kommen. Es ist offensichtlich, dass die Geschwister gelitten haben und von dem Verlust und der Einsamkeit in ihrer Kindheit geprägt sind und deshalb auch als Erwachsene mit Schwierigkeiten zu kämpfen habe, aber ihre persönlichen Wege bleiben sehr vage. Erst nach einem weiteren einschneidenden Erlebnis für die ganze Familie, wird der Roman nach einem zähen Mittelteil wieder interessanter.
Erzählt wird eine knapp 100-jährige Familiengeschichte, die überwiegend von negativen Gefühlen wie Angst, Wut, Trauer, Einsamkeit und Enttäuschungen geprägt ist, weshalb die Atmosphäre durchweg melancholisch ist. Eindrücklich wird geschildert, dass durch ein fehlendes Glied alles ins Wanken gerät. Es ist eine Geschichte der leisen Töne über Familienbande, Verantwortung, Geschwisterliebe und inneren Zusammenhalt. Der Schatten der Vergangenheit ist dabei allgegenwärtig und stellt die Liebe untereinander immer wieder auf eine harte Probe. Die Charaktere bleiben auf Distanz und nicht wirklich greifbar, die Geschichte verläuft insgesamt zu monoton und spannungsarm. Schade fand ich zudem, dass ein Roman, der so weit in die Zukunft reicht, für die dystopische, bedrohliche Stimmung im Jahr 2079 keine Erklärung liefert. Am Ende bleibt nur die (unromantische) These, dass das Schönste an der Liebe die Vorstellung davon ist und die Realität ganz anders aussieht.

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Veröffentlicht am 01.09.2021

Der schwierige Weg der ersten Avon-Beraterin vor dem Hintergrund von Kriegstraumata, Eifersucht und Emanzipation.

Ein Koffer voller Schönheit
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Lüneburg, 1959: Anne Jensen ist Mitte 30, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Ihr Ehemann Benno ist Tischler und hat sich gerade zusammen mit einem Freund mit einem Möbelhaus selbstständig gemacht. Der ...

Lüneburg, 1959: Anne Jensen ist Mitte 30, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Ihr Ehemann Benno ist Tischler und hat sich gerade zusammen mit einem Freund mit einem Möbelhaus selbstständig gemacht. Der Krieg ist bereits einige Jahre vorbei, aber belastet sowohl Benno noch, der an der Ostfront kämpfen musste, als auch Anne, die ihren Bruder Fritz verloren hat. Ihre Eltern haben den Verlust noch weniger verkraftet und gerade um ihre Mutter, die psychisch angeschlagen ist, macht sich Anne Sorgen.
Die Zwillinge sind inzwischen 13 Jahre alt und brauchen Anne nicht mehr so sehr wie früher. Ihre Schwiegermutter Margarethe, die seit Jahren als selbstständige Friseurin arbeitet, unterbreitet ihr deshalb den Vorschlag, als Avon-Beraterin zu arbeiten. Die amerikanische Kosmetikmarke möchte ihren Markt nach Deutschland ausweiten und sucht Vertreterinnen. Anne ist zunächst skeptisch und traut sich die Tätigkeit nicht zu. Zudem fehlt ihr auch das Einverständnis ihres Ehemannes, der aus persönlichem Stolz nicht möchte, dass seine Frau arbeitet. Am Ende gibt "Holzkopp" Benno klein bei, doch ihre Ehe leidet darunter und die Familie droht an den wiederkehrenden Konfrontationen zu zerbrechen.

Der Roman handelt im Zeitraum von zwei Jahren, von 1959 bis 1961, und befasst sich mit einer Bandbreite an Themen, dass die Tätigkeit einer Avon-Beraterin, Kosmetik und Schminktipps fast ein wenig zu kurz kommt. Er geht auf die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges ein, auf Kriegstraumata und finanzielle Schwierigkeiten trotz Wirtschaftsaufschwungs, aber auch auf die Rolle der Frau, die ersten Schritte der Emanzipation und die persönliche Ehekrise von Anne und Benno.
Die Geschichte ist abwechslungsreich und fängt den Zeitgeist der damaligen Zeit durch die anschaulichen Beschreibungen der Lebensverhältnisse bildhaft ein. Auch die Charaktere wirken authentisch, wobei der Nebencharakter der Schwiegermutter Margarethe durch ihre resolute und einmalige Art neben der etwas blassen Anne zur eigentlichen Heldin der Geschichte mutiert.

Mir war die Themenvielfalt des Romans etwas zu viel, weil damit jedes nur oberflächlich bleiben konnte. Nichtsdestotrotz ist es schön zu lesen, wie es Anne schafft, nicht mehr "unsichtbar" zu sein und sich gegenüber ihrem Ehemann, in einer Zeit in der die Rollen noch ganz klassisch verteilt waren, durchzusetzen. Die Handlung ist lebensnah beschrieben und versetzt die Leserin unter Einbeziehung des historischen Kontexts anschaulich in die Jahre 1959 bis 1961.

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Veröffentlicht am 30.08.2021

Abwechslungsreche, spannende und berührende Geschichte weit über die Theorie der Parthenogenese hinaus. Ein Buch über Freundschaft, Liebe, Tugendhaftigkeit und Begehren in den späten 1950er-Jahren.

Kleine Freuden
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Die 39-jährige Jean Swinney arbeitet bei einer lokalen Tageszeitung in einem Vorort von London und ist dort für die Kolumne für Haushalts. und Gartentipps zuständig. Als sich eine junge Frau nach einem ...

Die 39-jährige Jean Swinney arbeitet bei einer lokalen Tageszeitung in einem Vorort von London und ist dort für die Kolumne für Haushalts. und Gartentipps zuständig. Als sich eine junge Frau nach einem Zeitungsartikel über das Phänomen der Parthenogenese - der Jungfernzeugung - meldet und behauptet, dass ihre inzwischen zehnjährige Tochter das Ergebnis einer solchen unbefleckten Empfängnis ist, ist Jean, die nur auf eine Gelegenheit gewartet hat, anspruchsvollere Texte zu schreiben. bereit zu recherchieren und Gretchen Tilbury zu interviewen.
Die junge Frau macht einen bodenständigen und vernünftigen Eindruck, ihre Tochter Margaret ist ganz entzückend und auch ihr besonnener Ehemann Howard zeigt sich offen für Fragen und zweifelt nicht an der Behauptung seiner Ehefrau. Weitere Recherchen Jeans und Interviews mit Bekannten Gretchens zum Zeitpunkt der Zeugung sowie diverse Untersuchungen von Medizinern können die These nicht widerlegen. Es gibt keine Zweifel an der Aufrichtigkeit Gretchens, die mit ihrer Geschichte weder an die Öffentlichkeit drängt, noch Geld verdienen möchte, aber eine seriöse Beweisführung ist dennoch schwierig und langwierig.
Jean freundet sich in den Monaten ihrer Recherche mit der Familie an und kommt ihr emotional näher, als gut für sie und die Objektivität des Artikels ist. Dass Gretchen aufgrund der Aufarbeitung ihrer Geschichte eine unerwartete Entscheidung trifft, führt zu weiteren Schwierigkeiten und einem Gewissenkonflikt von Jean.

Der Roman handelt im Jahr 1957, weshalb die Möglichkeit genetischer Tests noch stark eingeschränkt ist. Dennoch - oder gerade deshalb - ist es spannend, mit welchen Vergleichstests zwischen Mutter und Tochter die Ärzte zu belegen versuchen, dass an der Zeugung keine weitere Person außer Gretchen beteiligt war.
Die Untersuchungen, die die Geduld von Gretchen strapazieren, geraten im Verlauf des Romans in den Hintergrund. Vordergründig ist vielmehr Jeans Leben, das durch ihre widerspenstige und unbeholfene Mutter derart eingeschränkt ist, dass sie kaum ein eigenes Leben führen kann. Mit den Tilbury freundet sich sich jedoch derart an, dass ihre Mutter zurückstecken muss. Mit Gretchen, die liebenswürdig und hilfsbereit ist, knüpft sie zarte Bande der Freundschaft, für Margaret wird Jean zu einer Tante, mit der sie Ausflüge unternimmt und zu dem sympathischen, integren Howard entwickelt sie Gefühle, die sie sich am liebsten verbieten würde.

"Kleine Freuden" ist eine abwechslungsreche, spannende und berührende Geschichte, die sich weg von der Theorie und Beweisführung der Parthenogenese unerwartet entwickelt. Sie handelt von Freundschaft, Verantwortung für die Familie, von Pflichtbewusstsein, Tugendhaftigkeit, Begehren und unerlaubter Liebe. Die liebevoll gezeichneten Charaktere tragen die Erzählung und machen sie zu etwas ganz Besonderem.
Bewegend wird geschildert, mit welchen inneren Konflikten die Figuren zu kämpfen haben und wie rücksichtsvoll und zurückhaltend sie auf sie reagieren und ihr eigenes Glück hintanstellen.
Die Atmosphäre der späten 1950er-Jahre ist dabei deutlich spürbar und durch Details aus dem Alltagsleben der Protagonisten und den Ausschnitten aus Jeans Kolumne bildhaft beschrieben. Fragen von Anstand und Moral werden noch traditioneller beantwortet und gesellschaftliche Konventionen spielen eine größere, das Individuum einschränkende, Rolle.

Sowohl der wissenschaftliche als auch der emotionale Erzählstrang ist so fesselnd beschrieben, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt und sich der Hoffnung hingibt, dass die Geschichte für alle Beteiligten, denen man ihre Gefühle nicht zum Vorwurf machen kann, glücklich ausgehen wird. Es ist ein Buch voller Charme, Nostalgie und unterdrückter Gefühle, das mir aufgrund seiner Warmherzigkeit und Vielschichtigkeit fesselnde Lesestunden bereitet hat.

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Veröffentlicht am 28.08.2021

Etwas langatmige Geschichte mit gedrückter Stimmung, von der ich mir eine größere Rolle und mehr Magie um das Notizbuch gewünscht hätte.

Für immer und ein Wort
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Bei einem Kurzurlaub im magischen Dartmoor findet Annie in einer Letterbox ein Buch mit Notizen eines Unbekannten. Die poetischen, nachdenklichen und ehrlichen Worte berühren sie, denn sie fühlt mit dem ...

Bei einem Kurzurlaub im magischen Dartmoor findet Annie in einer Letterbox ein Buch mit Notizen eines Unbekannten. Die poetischen, nachdenklichen und ehrlichen Worte berühren sie, denn sie fühlt mit dem Verfasser mit und fühlt sich auch von ihm verstanden. Annie ist geschieden und hat die Trennung von ihrem Ex-Mann Finley, der gerade erneut geheiratet hat, noch nicht verwunden. Ihre Eltern, die hohe Ansprüche an eine beruflich und privat erfolgreiche Tochter haben, machen sie für die Scheidung verantwortlich und sind zudem enttäuscht, dass Annie nicht promoviert hat. Ihre beste Freundin Hoola ist dagegen an ihrer Seite und versucht Annie zu helfen, endlich über Finley hinweg zu kommen. Als Annie herausfindet, wem das Notizbuch gehört, bringt sie es ihm zurück, denn sie möchte den Verfasser unbedingt persönlich kennenlernen. Der erste Eindruck ist allerdings enttäuschend. Jack ist im Umgang mit gesprochenen Worten ganz anders als mit geschriebenen, doch je näher sie Jack kennenlernt, desto angenehmer findet sie seine Gesellschaft und kann es sogar genießen, zusammen mit ihm zu schweigen. Sie ahnt allerdings nicht, dass Jack ihr gegenüber nicht ganz ehrlich ist und immer mehr Hemmungen entwickelt, ihr die Wahrheit über das Notizbuch zu sagen.

Der Roman beginnt mit dem Fund des Buches, als sich Annie in einer seelischen Ausnahmesituation befindet. Die Worte, die sie liest, sind voller Emotionen, voller Liebe, Wut, Enttäuschung und Melancholie und berühren sie deshalb sehr. Auch als Leserin ist dies nachvollziehbar, denn der Verfasser hat ein Talent, mit Worten umzugehen und mit kurzen und prägnanten Sätzen zum Nachdenken anzuregen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich Annie in die Worte verliebt und den Verfasser kennenlernen möchte.

Die Perspektive wechselt zwischen Annie und Jack, so dass man auch in Jacks verwundete Seele blicken kann. Sein Bruder ist vor kurzem an einer Erbkrankheit gestorben und seine Ex-Frau hat gerade die Entscheidung getroffen, mit der gemeinsamen Tochter ins 200 km entfernte Bath zu ziehen.

Durch die Rückgabe des Notizbuches lernen sich die beiden kennen. Im weiteren Verlauf des Romans findet der Inhalt des Büchleins und der Hintergrund, warum es geschrieben und ausgerechnet in einer Letterbox versteckt wurde, kaum mehr Beachtung. Im Fokus steht vielmehr das (Selbstmit-)leid der beiden Protagonisten. Während Annie durch den Fund des Notizbuches jedoch ein wenig aufblüht und ihr Leben neu anpackt, ist die Stimmung bei Jack weiterhin düster. Dass er ihr lange die Wahrheit verschweigt, sorgt zwar für eine gewisse Spannung, dabei ist jedoch absehbar, dass Annie sich früher oder später enttäuscht von ihm abwenden wird.
Der Roman ist durch die Briefe und Nachrichten sowie die Ausschnitte aus dem Notizbuch abwechslungsreich gestaltet, die Hauptfiguren bleiben allerdings unnahbar und distanziert. Bis auf die Enttäuschungen, die sie in ihren Leben mitgemacht haben, erfährt man wenig über sie und ihren Alltag. Dass die beiden sich aufgrund erlebter Verletzungen und ähnlicher Situationen annähern, ist nachvollziehbar, romantische Gefühle sind allerdings kaum spürbar.

Ich hatte andere Erwartungen an den Roman, hatte mir eine größere Rolle des geheimnisvollen Notizbuches und mehr Magie davon erhofft und fand es sehr schade, so wenig über den Verfasser zu erfahren. Auch konnte mich die Liebesgeschichte aufgrund der durchgehend gedrückten Stimmung nicht ganz überzeugen. Die Geschichte trat mir zu lange auf der Stelle. Erst als Jack es schafft, sich zu öffnen und endlich Worte findet, wurde der Roman wieder so schön emotional wie zu Beginn und sorgte durch eine unerwartete Wendung sogar noch für Spannung in Bezug auf Annies Liebesleben und die Fragen: Kann man sich in Worte verlieben? Kann man sich in die Vorstellung einer Person verlieben? Und wie viel Verletzungen kann eine Liebe aushalten?

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