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Veröffentlicht am 21.06.2021

Tiefgründig

Letzte Ehre
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Fariza Nasri ist in München im Referat 101 für Tötungsdelikte. Zu Beginn geht es um eine verschwundene Schülerin, aber die Befürchtung liegt nahe, dass das Mädchen nicht mehr lebt. Die Befragungen des ...

Fariza Nasri ist in München im Referat 101 für Tötungsdelikte. Zu Beginn geht es um eine verschwundene Schülerin, aber die Befürchtung liegt nahe, dass das Mädchen nicht mehr lebt. Die Befragungen des Umfelds sind sehr schwierig und sie kommt mit ihrem Team nicht richtig vorwärts. Aber manchmal hilft Beharrlichkeit und auch der Zufall ist auf Seiten der Polizei. In Verbindung mit diesem Fall wird Fariza auch mit einem alten Fall konfrontiert, der noch nicht aufgeklärt worden ist. Doch zwischen diesen beiden gibt es eine Verbindung, die die Kommissarin nach und nach aufdeckt. Dann kommt da noch ihre Freundin Catrin mit einem Gespräch dazwischen, die dann auch noch schwerverletzt aufgefunden wird. Trotz aller Widerstände bleibt Fariza beharrlich und nach und nach werden die Fälle aufgerollt.
Friedrich Ani hat mit dem Roman Letzte Ehre wieder mal einen tiefgründigen Krimi geschrieben. Er hat mehrere Stories miteinander verknüpft, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben, aber doch alle an einem gemeinsamen Faden verbunden sind. Es handelt sich um Frauen, die eine schwierige Geschichte mit sich tragen. Die verschwundene Schülerin, die einen Stiefvater hat, der mit seinen Freunden ein Prostituierte vergewaltigt hat. Der Verdacht liegt für Fariza nahe, dass er etwas mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun hat. Während sie den Fall bearbeitet, taucht eine weitere Frau, die auch in diesem Fall eine Rolle spielt. Ani schafft es sehr gut eine Verbindung zwischen den einzelnen Fällen herzustellen, mehr zufällig wie es scheint, aber es steckt doch immer eine tiefgehende Geschichte dahinter, die die Abgründe von Menschen verdeutlicht. Auch die Hauptakteurin Fariza hat eine schwierige Vergangenheit, die sie immer wieder verfolgt. Auch ihre Freundinnen sind es, die in diese Story geschickt mit eingebunden werden. Mir kommt es immer wieder vor, als wenn Friedrich Anis Spezialität originelle Fälle sind, die Figuren am Rande der Gesellschaft betrifft. Das trifft auch für die Ermittlerin Fariza zu, die diese Fälle anzuziehen scheint. Aufgeteilt ist dieses Buch in drei Kapitel, die auch drei Fälle betrachten und die Verbindungen sind sehr geschickt gemacht. Doch über allem gibt es noch eine Verbindung die sehr überraschend daherkommt.
Friedrich Ani ist ein Meister seines Fachs und er schreibt wieder über eine Ermittlerin, die etwas besonderes ist, ähnlich wie bei ihren Vorgängern. Ich mag diese Art des Schreibens und auch die Figuren sind immer etwas Besonderes. Ich finde es wieder ein typisches Buch dieses Autors, der mich immer wieder überzeugt.

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Veröffentlicht am 14.06.2021

Der Inselpolizist

Wattenmeermord
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Jan ehemaliger Kommissar aus Essen lebt mit seiner Frau Laura, ebenfalls ehemalige Kommissarin, auf Pellworm und arbeitet als Inselpolizist. Seine Frau Laura, die bei ihrem letzten Einsatz schwerverletzt ...

Jan ehemaliger Kommissar aus Essen lebt mit seiner Frau Laura, ebenfalls ehemalige Kommissarin, auf Pellworm und arbeitet als Inselpolizist. Seine Frau Laura, die bei ihrem letzten Einsatz schwerverletzt wurde, Führt einen Hof mit einer kleinen Pension. Recht beschaulich ist das Leben hier auf der Insel, bis ein Toter auf einer Bank auf dem Deich gefunden wird. Schnell stellt sich heraus, dass der Tote keines natürlichen Todes gestorben ist. Es handelt sich um den ehemaligen Chirurgen Hoffmann, der dort gefunden wurde. Tamme, der den Toten auf Betreiben seiner Vermieterin Rieke Jan meldet, ist auch gleichzeitig an der Aufklärung sehr interessiert. Es passiert halt nicht so viel auf der Insel. Jan meldet diesen Mord dann auch nach Flensburg und von dort kommt dann auch ein Ermittlerteam. Doch natürlich können Jan und Laura das Ermitteln nicht lassen und so entspannt sich ein Wettlauf, wer die Tat am Ende aufklärt.
Ich mag Krimis wie diesen, wo es scheint, als wenn die Zeit stehen bleibt. So entspannt kommt diese Story daher, Und auch ihre Hauptdarsteller Jan und Laura, aber auch der typische Inselbewohner Tamme, der natürlich gerne etwas Farbe in seinen Alltag bringen möchte, deshalb ist er auch so erpicht an den Ermittlungen teilzunehmen. Der Umgang von Laura und Jan zueinander wird als sehr liebevoll beschrieben und wenn da nicht ein Toter wäre, könnte man von einer Inselidylle sprechen. Doch es gibt sie nun mal diese Leiche und die Ermittlungen erweisen sich als sehr zäh und es gibt ein paar Hinweise, aber irgendwie lange keinen Durchbruch. Natürlich kommt eine Ermittlerteam aus Flensburg, da Jan ja nur als Inselpolizist gesehen wird, der Strafzettel verteilen und Streitereien schlichten darf. Aber die beiden Festlandspolizisten sind doch eher Fremdkörper in diesem Fall, auch wenn nicht beide gleich unsympathisch sind. Natürlich macht sich am Ende die Routine, Jan war ja auch mal Kommissar, und die Kenntnisse der Insel bezahlt. Die Spannung in diesem Krimi wird lange aufrecht gehalten und das zeichnet diesen Roman aus. Interessant in diesem Inselkrimi die Rolle der Tiere, die auch ihr Eigenleben entwickeln, wie Lauras Katze und Hund, sowie die am Tatort neugierig umherstreifenden Schafe.
Ich mag diesen entschleunigten Pellworm Krimi mit seinen liebevoll beschriebenen Einwohnern, inklusiver der Tiere, und diese herrliche Sprache, die sich durch das ganze Buch zieht, Ich kann diesen Krimi von Herzen empfehlen.

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Veröffentlicht am 04.06.2021

Verlorene Kinder

Verhängnisvolles Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 7)
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Ein neuer Fall für die Polizei in Le Lavandou und den Rechtsmediziner Leon Ritter. Am Strand wird ein kleines Kind tot aufgefunden, das brutal misshandelt und ermordet wurde. Dieser Fall geht Leon stark ...

Ein neuer Fall für die Polizei in Le Lavandou und den Rechtsmediziner Leon Ritter. Am Strand wird ein kleines Kind tot aufgefunden, das brutal misshandelt und ermordet wurde. Dieser Fall geht Leon stark an die Nieren, da es sich um Kinder dreht. Die Polizei steht vor einem Rätsel, aber es steht ein Verdächtiger bereit, der neue Arzt Baladouer, der Kontakt zu dem toten Jungen hatte. Leon und Isabelle sind nicht von seiner Schuld überzeugt, aber der Polizeichef Zerna braucht Ergebnisse. Dann wird ein Unternehmer tot aufgefunden und es sieht nach einem Unfall aus. Doch Leon ist da anderer Meinung, da die Untersuchungen von einem Mord ausgehen. Zur gleichen Zeit steht der Dekan, der zum Bischof von Toulon, ernannt werden soll vor einer wichtigen Entscheidung. Er hat 300000€ Schulden und lässt sich auf einen gefährlichen Deal ein. Die Polizei ist in ihren Ermittlungen sehr begrenzt und findet keinen Hinweis, der sie weiterbringt. Doch Leon lässt das tote Kind nicht zur Ruhe kommen und er sucht nach weiteren Leichen, die er auch findet. Doch bringt die Polizei diese Funde weiter? Doch langsam, aber sicher reihen sich die Spuren aneinander, doch es wird noch weitere Tote geben, bis der Täter endlich gefasst wird.
Ein Mordfall in einer tollen Urlaubsregion und das ist die Stärke dieses Krimis, er verquickt einen sehr spannenden Kriminalfall in einer sehr schönen Landschaft. Das ist Kino für den Kopf vom Feinsten. Auch die Story dieses Krimis ist sehr aktuell und sehr brutal. Mord und Missbrauch ist sehr aktuell und immer wieder in den Schlagzeilen und auch der Missbrauch in katholischen Einrichtungen ist gerade in aller Munde. Das es hier auch die Täter trifft ist ein weiteres Spannungselement. Ansonsten ist in Le Lavandou alles beim Alten. Das Cafe mit seinen Beteiligten wälzen ihre Alltagsprobleme und haben immer wieder Zeit für einen Rose und ein Spielchen Boule unter Freunden oder mit den Touristen. Auch die bei der Polizei ist alles wie immer. Zerna, der möglichst schnelle Ergebnisse will, um gut dazustehen. Masclau der mit seinem Machotum und seiner Fremdenfeindlichkeit auch einen Durchschnittspolizisten abgibt. Isabelle kämpft um ihre Reputation und mit ihrer Tochter Lilou, die mal wieder ihre eigenen Wege geht und Leon, den die toten Kinder nicht in Ruhe lassen und deshalb auch gerne wieder die Polizei unterstützt. Alles in allem ist hier auch wieder ein guter Spannungsbogen erzeugt, der viele Möglichkeiten des Miträtselns lässt, aber zum Ende doch wieder ein, vielleicht vorhersehbare Lösung bietet. Der Prolog bildet auf jeden Fall einen Teil einer interessanten Klammer.
Ich liebe die Krimiserie aus der Provence mit ihren sehr sympathischen Hauptdarstellern. Deshalb kann ich auch dieses Buch mit sehr gutem Gewissen empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.06.2021

Mord nach Zahlen

Aachener Abrechnung
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Britta Sander ist gerade von einer Schussverletzung genesen, da übernimmt sie für ein Kollegin eine Beschattung auf einer Party. Doch zu der Überprüfung des Ehemanns kommt es nicht. Ein Toter wird in einer ...

Britta Sander ist gerade von einer Schussverletzung genesen, da übernimmt sie für ein Kollegin eine Beschattung auf einer Party. Doch zu der Überprüfung des Ehemanns kommt es nicht. Ein Toter wird in einer Suite aufgefunden, bestialisch ermordet. Auf der Leiche findet die Polizei die römische Zahl V in den Körper eingeritzt. Der Tote ist der sehr unbeliebte Personalchef Bodensohn. Das Ermittlerteam bekommt einen Hinweis und hat auch den Täter bald gefunden, der auch die Tat gesteht. Fall abgeschlossen? Nein, denn es wird ein zweiter Toter gefunden und die Rätsel des Ermittlerteams sind wieder da, obwohl sie alle Kräfte bündeln. Außerdem ist da noch der Gerichtsprozess um den Tod des Postkartenmörders, der Britta schwer verletzt hat und Tom unschädlich gemacht hat. Der Staatsanwalt will Tom unbedingt verurteilen. Das Team um Britta und Körber sind unterwegs und untersuchen viele Spuren, doch irgendwie kommen sie nicht weiter. Doch dann gibt es auch noch einen dritten Toten und langsam wird es für das Team klarer und sie sind dem Täter auf der Spur.
Der Krimi Aachener Abrechnung von Ingrid Davis zeigt eine interessante Kooperation zwischen Polizei und Detektei auf, die die Ergebnisse bei der Aufklärung deutlich verbessern. Natürlich sind die Beziehungen untereinander sehr ungewöhnlich, doch hier können verschiedene Kompetenzen gebündelt werden. Ergänzend sind auch die Wege, die von dem Team beschritten werden. Die Spannung wird lange hochgehalten und die Aufklärung geschieht erst ganz zum Schluss. Auch Motiv und Täter bleiben lange im Dunkeln, was für diesen Krimi spricht. Die handelnden Personen werden sehr gut beschrieben und es ist auch ganz einfach diese zu Identifizieren. Obwohl es sich hier um den 6. Fall mit Britta Sander handelt. Manchmal ist der IT-Experte Tahir mit seinem französischen Akzent schwer zu lesen, es hilft die Passagen laut zu lesen. Für Kenner der Reihe ist es natürlich gut, dass es eine Anschlusshandlung gibt, wenn der Gerichtsprozess gegen den Mörder des Postkartenmörders, Tom, zu einem guten Ende geführt wird. Natürlich am Ende dann der Hinweis (!) auf die sicherlich geplante Fortsetzung.
Der hier vorliegende Krimi aus Aachen ist sehr interessant und unterhaltsam geschrieben, mit einer sich steigernden Spannung, die ich für eine Voraussetzung halte, um ein Buch flüssig zu lesen. Das ist hier der Fall und deshalb halte ich ihn für sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 31.05.2021

Die Dorfgemeinschaft

Adria mortale - Bittersüßer Tod
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Elke und Sonja verreisen Ende der 50er Jahre auf ihrem Roller nach Italien und stranden in einem kleinen Ort in der Nähe der Adria. Ihr erstes Abenteuer wollen sie so richtig auskosten. Da ihr Roller einen ...

Elke und Sonja verreisen Ende der 50er Jahre auf ihrem Roller nach Italien und stranden in einem kleinen Ort in der Nähe der Adria. Ihr erstes Abenteuer wollen sie so richtig auskosten. Da ihr Roller einen Platten hatte mussten sie sich eine Unterkunft suchen. Auf diesem Weg treffen sie Mimo, der auf ihren Roller aufpassen und den Sonja, eine der Beiden, sehr interessant findet. Untern am Strand treffen sie auf zwei deutsche Touristen und den Lehrer Rossi, der gleich mit Elke, den anderen der jungen Deutschen, flirtet ihnen aber auch ein Unterkunftsmöglichkeit anbietet. Die Pension wird von der jungen Witwe Federica geleitet, die ihnen ein Zimmer anbieten kann. Der Lehrer Rossi ist im Ort und bei den Frauen sehr bekannt. Eines Nachmittags wird er im Aprikosenhain tot aufgefunden und von den Dorfbewohnern in die Pension gebracht. Federica findet die Aufmerksamkeit der Dorfbewohner sehr seltsam und ruft die Polizei in Pesaro an, um den Tod aufzuklären. Commissario Garibaldi findet erst einmal nichts Verdächtiges nimmt aber trotzdem die Ermittlungen auf. Doch die Dorfbewohner sind verschwiegen, aber trotzdem wird getratscht und so tappt der Commissario im Dunkeln, bis ein neuer Mord geschieht.
Ein sehr interessantes Bild der Zeit Ende der 50er Jahre in Italien, wird in diesem Krimi aufgezeichnet. Italien der Traum für junge und alte Menschen aus Mitteleuropa und so ist es kein Wunder, das unsere beiden jungen Frauen in diesem Ort auf Landsleute treffe. Gut die Motivation dieser beiden Paare ist durchaus unterschiedlich. Elke und Sonja erwarten hier Sonne, Strand und vielleicht ein bisschen Amore, deshalb haben sie auch die Reise mit dem Motorroller auf sich genommen. Doch dieses italienische Dorf, Pesaro del Monte picolo Cattolica, wird als typisches italienisches Dorf in dieser Zeit dargestellt. Eine Gemeinschaft, die alle Fremden argwöhnisch beäugt, die mit der Befana eine weitere spirituelle Instanz, neben der Kirche besitzt und die ansonsten alles Neue sehr schnell durch das Dorf getragen wird. Der Tote ist ein Frauenheld, der mit seinem Aussehen alle Frauen in seinen Bann zieht. Natürlich werden hier auch typische Vorurteile für Italien verarbeitet. Sehr interessant wird die Arbeit der Polizei beschrieben und natürlich gibt es auch hier eine Helferin, die sich nicht abschütteln lässt. Es ist Federica, eine gutaussehende Witwe, in deren Pension der Tote lebte. Die Story hat sicherlich im Mittelteil einige Längen, doch ist es nicht typisch das sich Ermittlungen auch mal sehr zäh gestalten, gerade wenn sich Dorfbewohner nicht kooperativ gestalten. Aber gelungen ist die Auflösung dieser Fälle, die des Spannungsbogen sehr deutlich nach oben trägt. Sehr gelungen sind der Prolog und das Ende mit der Beschreibung aus der Perspektive eines Vogels.
Ich finde diesen Krimi Adria Mortale schon sehr interessant, zwar nicht zu vergleichen mit manchen Romanen, die auf höchster Spannung beruhen. Hier in der Beschaulichkeit der italienischen Provinz wird eher auf das Gesamtgebilde diese Krimis geschaut. Die Situation der beteiligten Menschen und die Beziehungen untereinander. Interessant auf jeden Fall die Atmosphäre, die hier gezeichnet wird, die tolle Bilder im Kopf auslösen.

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