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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.02.2018

Männer und Gefühle

Die Herzen der Männer
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Butler wagt sich bei diesem Buch an die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, Rollenverteilung und Sexismus. Missbrauch, sowohl emotional als auch körperlich, spielt in dem Buch eine zentrale Rolle. Das ...

Butler wagt sich bei diesem Buch an die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, Rollenverteilung und Sexismus. Missbrauch, sowohl emotional als auch körperlich, spielt in dem Buch eine zentrale Rolle. Das Buch ist grob in 3 Abschnitte geteilt: 1962 im Camp Chippewa in Wisconsin, 1996 im Stardust Supper Club und schliesslich 2019 im Whiteside Pfadfinder Reservat, wie das Camp Chippewa mittlerweile genannt wird. Nelson Doughty ist der zentrale Protagonist des Buches. Als wir ihn kennenlernen ist er dreizehn, ein Pfadfinder und der Signaltrompeter im Camp Chippewa. Er ist ernst, zielstrebig und hat klare Moralvorstellungen. Leider ist er auch eher unbeliebt, wird von den anderen gehänselt und hat keine Freunde. Oder, wie ihm selbst im Laufe des ersten Abschnitts klar wird, die einzige Person die es mit ihm je gut gemeint hat war seine Mutter. Sein Vater ist ein frustrierter Mann der die Familie nach Jahren des Missbrauchs schliesslich verlässt.

Die Erzählung springt ins Jahr 1996, wo wir Nelson eher als stillen Zuschauer wiedersehen. Über Umwege erfahren wir, was seitdem mit Nelson passiert ist. Im Stardust Supper Club trifft sich Nelson mit einem alten Bekannten Jonathan und dessen Sohn Trevor. Die Beziehung von Trevor und seinem Vater ist in vielerlei Hinsicht ähnlich zu der von Nelson und seinem Vater. Nelson scheint sich in Trevor wiederzuerkennen, da beide ähnliche Moralvorstellungen haben. Und so scheint Trevor schliesslich Nelson und seiner militärischen Karriere nachzueifern.

In 2019 erzählt letztlich Sarah, Trevors Frau, als alleinerziehende Mutter ihre Sicht der Dinge. Sie fährt mit ihrem Sohn Thomas zurück ins Pfadfinderlager, wo Nelson mittlerweile als Leiter fungiert. Hier schliesst sich der Kreis. Die Themen sind nun aktueller denn je: Waffen, Sexismus, Patriotismus und Ausländerfeindlichkeit katapultieren uns direkt ins Amerika des 21. Jahrhunderts. Sehr interessant ist der Standpunkt einer Frau auf diese Dinge. Sarah hat es als einzige Frau im Camp nicht unbedingt einfach.

Butler hat einen sehr interessanten Zugang zu diesem Thema gefunden. Mir gefällt, wie er es schafft, Nelsons Geschichte über 3 verschiedene Zeitpunkte so komplett zu erzählen. Ohne es wirklich anzusprechen behandelt er die Beziehung zwischen Vater und Sohn, zwischen Männern als Freunden und die Rolle des Mannes in unserer Gesellschaft. Ein sehr gut geschriebenes und wichtiges Buch, dessen Themen aktueller nicht sein könnten.

Veröffentlicht am 03.02.2018

Wunderschön und sehr traurig

All die Jahre
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„Manchmal verging zwischen einem Tag und dem nächsten ein ganzes Leben.“

Es ist 1957, als die einundzwanzigjährige Nora Flynn und ihre jüngere Schwester Theresa Irland verlassen und mit dem Schiff nach ...

„Manchmal verging zwischen einem Tag und dem nächsten ein ganzes Leben.“

Es ist 1957, als die einundzwanzigjährige Nora Flynn und ihre jüngere Schwester Theresa Irland verlassen und mit dem Schiff nach Boston auswandern. Dort wartet Charlie, Noras Verlobte, der schon vorher nach Boston ist, um alles vorzubereiten. In Irland gibt es keine Optionen mehr für sie – und so machen sie sich hoffnungsvoll auf zu einem neuen Leben. Theresa möchte Lehrerin werden und Nora wünscht sich nichts mehr, als ihr diesen Traum zu erfüllen – koste es, was es wolle. Doch Theresa macht einen folgenschweren Fehler. Sie wird schwanger. Nora trifft eine Entscheidung, die ihr und Theresas Leben für immer verändern wird.

Fünfzig Jahre später trifft sich die ganze Familie bei einer Beerdigung wieder. Auch Theresa, die inzwischen im Kloster lebt, trifft Nora seit Jahren zum ersten Mal wieder. Hier müssen sie endlich aufarbeiten, was in den Jahren seit der Einreise in Amerika passiert ist.

Sullivans Schreibstil ist außerordentlich; ruhig und flüssig. Die Charaktere sind stark, die Geschichte unendlich realistisch – ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen. Nora und Theresa sind zwei starke Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jede versucht, auf ihre Art mit der Entscheidung zurechtzukommen. Die Kapitel spielen abwechselnd in 1957/1958 und 2009, und Sullivan schafft es auf brillante Weise, so alle relevanten Treffen und Briefwechsel über 50 Jahre zu beschreiben. Ein außerordentliches Buch, das nachdenklich und traurig macht, aber auch eine wunderschöne Erzählung.

Veröffentlicht am 31.01.2018

Ein Muss für den informierten Patienten

Gesundheit!
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Natalie Grams ist approbierte Ärztin und ehemalige Homöopathin. Mittlerweile ist sie (endlich!) von der Homöopathie abgekommen. In ihrem neuen Buch erklärt sie empathisch und verständlich, was gemeint ...

Natalie Grams ist approbierte Ärztin und ehemalige Homöopathin. Mittlerweile ist sie (endlich!) von der Homöopathie abgekommen. In ihrem neuen Buch erklärt sie empathisch und verständlich, was gemeint ist, wenn wir von „Wissenschaft“ sprechen und worum es sich bei der EBM, der sogenannten „evidence based medicine“ handelt. Ein Großteil des Buches handelt von der Evidenz – welche Evidenz gibt es, dass Therapie X wirkt? Wie suchen Ärzte eine Therapie aus? Sie veranschaulicht den Unterschied zwischen Pseudowissenschaft und Wissenschaft.

Natalie Grams ist mit diesem Buch ein sehr wichtiges Werk gelungen: eine Erklärung für Patienten, wie die Schulmedizin tickt, wann man auf sie zurückgreifen sollte und für welche Situationen Alternativen ausreichen. Sie erklärt, was es mit Pharmafirmen auf sich hat und wie Medikamente entwickelt werden. Auch das Thema Impfungen wird sehr anschaulich behandelt. Ausführlich erklärt sie verschiedene alternativmedizinsche Methoden und zeigt auf, ob diese in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich belegt sind. Jede ihrer Aussagen ist mit der jeweiligen Quelle versehen, die Literaturangaben finden sich stets am Ende jedes Kapitels. Das Kapitel Prävention kommt für mich im Buch etwas zu kurz, eine weitere Ausführung würde aber vermutlich den Rahmen sprengen. Ich hoffe aber, dass dies eventuell ein Thema für das nächste Buch wird.

Insgesamt ein ausgezeichnet recherchiertes Buch, hinter dem viel Arbeit steckt. Teils ist es trocken zu lesen, was aufgrund des Themas auch schwer anders möglich wäre. Ein Muss für jeden, der ein informierter Patient sein will!

Veröffentlicht am 31.01.2018

Keine 0815 Liebesgeschichte

Träume, die ich uns stehle
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Die neunzehnjährige Lara landet nach einem Autounfall in der Psychiatrie. Sie kann sich an die vergangenen zwei Jahre nicht erinnern. Außerdem kann sie nicht aufhören zu reden. Was ist passiert? Und wieso ...

Die neunzehnjährige Lara landet nach einem Autounfall in der Psychiatrie. Sie kann sich an die vergangenen zwei Jahre nicht erinnern. Außerdem kann sie nicht aufhören zu reden. Was ist passiert? Und wieso hört ihr niemand zu? Dann lernt sie Thomas kennen. Besser gesagt, sie findet ihn. Auf der Intensivstation. Denn Thomas liegt nach einem Unfall im Koma. Seltsamerweise reagiert Thomas nur auf Laras Stimme. Und so beginnt Lara, Thomas Geschichten zu erzählen…

Nach einem etwas langatmigen Einstieg konnte ich das Buch nicht mehr beiseitelegen. Lily Oliver hat einen einzigartigen Schreibstil. Lara erzählt ihre Geschichte, man taucht richtiggehend ein in ihre Gedankenwelt. Irgendwann wird klar, dass nicht alles, was Lara erzählt, auch stimmen kann. Zwischendurch erzählt Thomas von den Träumen, die er im Koma hat. Dialoge zwischen den beiden gibt es keine. Durch das Buch begleiten wir Lara auf ihrem Weg, ihre Erinnerungen wiederzufinden. Das Buch hat mich wirklich überrascht, es ist völlig anders als ich erwartet habe. Lily Oliver ist mit diesem Buch eine sehr berührende, tiefgründige Geschichte gelungen. Definitiv keine klassische Liebesgeschichte, sondern viel mehr. Realistisch, traurig aber auch wunderschön.

Veröffentlicht am 21.01.2018

Nichts Besonderes…

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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„Hangman“ ist die Fortsetzung von „Ragdoll“ von Daniel Cole. Eineinhalb Jahre nach dem ersten Fall gibt es erneut Morde, die an den Ragdoll Fall erinnern. Aufgehängt an der Brooklyn Bridge in New York ...

„Hangman“ ist die Fortsetzung von „Ragdoll“ von Daniel Cole. Eineinhalb Jahre nach dem ersten Fall gibt es erneut Morde, die an den Ragdoll Fall erinnern. Aufgehängt an der Brooklyn Bridge in New York City wird ein Toter gefunden, dem das Wort „Köder“ in seine Brust geritzt wurde. Chief Inspector Emily Baxter wird aus London nach New York geholt, um das dortige Team zu unterstützen. So ermittelt sie zusammen mit der CIA und dem FBI in New York City. Jedoch gibt es inzwischen auch in London Morde. Und immer haben die Toten das Wort „Köder“ oder „Puppe“ in die Brust geritzt…

Ich fand das Buch nicht sonderlich aufregend. Baxter ist ganz offensichtlich noch von dem Ragdoll Fall tief traumatisiert. Sie ist Alkoholikerin und schafft es nicht mehr, ihren Mitmenschen und Kollegen zu vertrauen. In der ersten Hälfte des Buches ging es eher langsam voran, dann nahm das Geschehen Fahrt auf und wurde ein bisschen spannender. Am Schluss fühlte man sich teilweise wie in einem Action Film, mit unzähligen Toten, teils auf schlimmste Art verstümmelt, die aber alle nicht sonderlich viel bedeuteten. Auch das Motiv für die Tat war nicht unbedingt kreativ. Und plötzlich ist das ganze so schnell wie es begonnen hatte auch wieder vorbei. Hier hätte ich mir noch ein bisschen mehr Erklärung gewünscht. Insgesamt nicht unbedingt mein Fall, es fehlt das gewisse Etwas.