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Veröffentlicht am 26.02.2019

Ein Wunsch und seine Folgen

Das Wunschbüro der Lilith Faramay
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Der mächtige, aber etwas undurchsichtige Dschinnenfürst Samir Abadin Hanadi der Dritte höchstpersönlich erzählt die Geschichte einer „Kollegin“, der Dschinna Lilith. Die Magierin hat ihr Wunschbüro für ...

Der mächtige, aber etwas undurchsichtige Dschinnenfürst Samir Abadin Hanadi der Dritte höchstpersönlich erzählt die Geschichte einer „Kollegin“, der Dschinna Lilith. Die Magierin hat ihr Wunschbüro für Zauberei, mit der sie eine „schnelle Lösung Ihrer Probleme“ verspricht, derzeit in dem Ort Hintermondheim, in dem auch der 14jährige Rupert mit seinem Vormund lebt. Da Hartmut von Klauberstein seinem Schützling allerdings das Leben zur Hölle macht, beschließt Rupert eines Tages, die Dschinna aufzusuchen. Ob sie ihn von dem bösen Vormund befreien kann? Doch jeder Mensch hat nur einen einzigen Wunsch frei und der hat seinen Preis…
Spannend und humorvoll zugleich präsentiert Jutta Ehmke diese phantasievolle Geschichte für Kinder ab 10 Jahren. Ihr Stil ist dem Lesealter angepasst; sie bedient sich einer gepflegten Sprache, die sich frisch und zeitgemäß liest. Geschickt verpackt die Autorin die Themen Eigennutz und Gemeinwohl in eine zauberhafte Erzählung. Warmherzig behandelt sie das Problem unbedachter Wünsche und deren möglicher Folgen. Immer wieder gibt es auch unerwartete Wendungen in der Geschichte, die den jungen Leser überraschen.
Wer auf der Suche nach einem spannenden, magischen Kinderbuch ist, trifft mit dem „Wunschbüro der Lilith Faramay“ sicher eine gute Wahl.

Veröffentlicht am 23.02.2019

Gärtnern im Wohlfühlmodus

Wühl dich glücklich
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„Ich gärtnere, also bin ich“ lautet Andrea Heistingers Gartenphilosophie, und so bringt sie auch das Thema Gartenwelt ihren Lesern nahe. Denn vor allem sollte der Garten dem Lebensgefühl seines Besitzers ...

„Ich gärtnere, also bin ich“ lautet Andrea Heistingers Gartenphilosophie, und so bringt sie auch das Thema Gartenwelt ihren Lesern nahe. Denn vor allem sollte der Garten dem Lebensgefühl seines Besitzers entsprechen und ihm als Rückzugsort Möglichkeiten zur Entfaltung seiner Kreativität bieten. Er soll in erster Linie als Oase für Ruhe, Entspannung und Abschalten sorgen, erst an zweiter Stelle steht der Ertrag. Dass beide Arten der Nutzung bestens vereinbar sind und gleichermaßen hervorragend funktionieren können, erklärt die Autorin in ihrem Buch.
Wunderschön gestaltet, mit fröhlichen und informativen Illustrationen versehen, macht es Lust darauf, sich sofort an die Arbeit zu begeben. Die zahlreichen Fotografien und Zeichnungen verdeutlichen und ergänzen Heistingers Erläuterungen.
Gut strukturiert bietet das Buch einen Überblick über verschiedene Themen, wobei der Fokus auf dem Nutzgarten liegt. Den Einstieg bieten Kapitel zu grundsätzlichen Fragen der Beetgestaltung und –Bepflanzung. Auf gut verständliche und doch humorvolle Weise erklärt die Autorin die effektive Bodenbearbeitung, naturbelassenes Düngen, richtiges Gießen und beschreibt gute und schlechte Pflanzennachbarschaften. Auch ein kurzes Kapitel über Nützlinge im Garten und ein Ausflug in die Welt der Stauden und Blumen erwarten uns. Zusätzliche „grüne“ Extratipps, speziell hervorgehoben auf farbigem Untergrund, geben weiterführende Anregungen und Informationen. Ein alphabethisches Register, ein Glossar der verwendeten gärtnerischen Fachbegriffe und eine Liste von Bezugsquellen runden das Buch ab.
Vor allem ermuntert die Autorin ihre Leser immer wieder, den Garten nicht nur als Speisekammer zu betrachten, sondern ihn mit allen Sinnen zu genießen. Gärtnern im Wohlfühlmodus!

Veröffentlicht am 10.02.2019

Auf der Suche

Die Leben danach
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Buchcover und auch Titel des Debütromans von Thomas Pierce erscheinen zunächst sehr rätselhaft - geometrische Formen, die wie Fenster Ausblicke auf Auschnitte einer Landschaft gewähren; Rahmen, die ...

Buchcover und auch Titel des Debütromans von Thomas Pierce erscheinen zunächst sehr rätselhaft - geometrische Formen, die wie Fenster Ausblicke auf Auschnitte einer Landschaft gewähren; Rahmen, die weder Anfang noch Ende aufweisen und nur Teilspekte eines Hundes zeigen. Doch während des Lesens wird die Intention deutlich: der Autor beschäftigt sich mit der Thematik von Tod und der Möglichkeit einer Existenz nach dem Ableben.
Pierces Protagonist Jim Byrd ist nach einem Herzstillstand reanimiert worden und sucht nun nach mehr Sinn in seinem Leben. Sein Job in der kleinstädtischen Bank in Shula erscheint ihm ebenso belanglos und überflüssig wie viele Gewohnheiten der Menschen seiner Umgebung. Jim bemüht sich, sein Leben nicht zu vertrödeln, und als er seine ehemalige Schulfreundin Annie trifft, scheint es ihm endlich zu gelingen, sein zweites Leben als Chance für einen gemeinsamen Neuanfang zu nutzen. Zur gleichen Zeit hört er von Clara Lennox, die (obwohl sie bereits lange tot ist) mit ihrem Hund die Treppe des Restaurants Su Casa Siempre unsicher machen soll. Jim will es wissen: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und wenn, wie mag es aussehen?
Mit viel Empathie und Humor beschreibt der Autor aus der Sicht seines 33jährigen Protagonisten dessen Suche nach Antworten. Neben physikalischen Fragen wie der nach der Einheit von Raum und Zeit, Technik und (medizinischem) Fortschritt spielen auch die Themen Glaube und Religiosität eine Rolle. Dabei setzt Pierce auch schon einmal Stilmittel wie Ironie ein. Womöglich wird Jesus eines Tages als künstliche Intelligenz in Form eines Hologramms wieder erschaffen, als ReJesus?
Die Leben danach - ein Roman, des warmherzig erzählt wird, aber auch bissig ist, in jedem Fall durchaus lesenswert!

Veröffentlicht am 18.12.2018

Ein weiblicher Clown?

Die dumme Augustine
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Augustine lebt mit Mann und drei Kindern in einem Zirkuswagen. Während ihr Ehemann, der dumme August, mit viel Freude seine Auftritte als Zirkusclown absolviert, kümmert sie sich um die Kinder und all ...


Augustine lebt mit Mann und drei Kindern in einem Zirkuswagen. Während ihr Ehemann, der dumme August, mit viel Freude seine Auftritte als Zirkusclown absolviert, kümmert sie sich um die Kinder und all die Arbeiten, die im Haushalt anfallen. Ihr sehnlichster Wunsch, auch einmal in der Manege auftreten zu können, scheint sich nicht zu erfüllen, bis dem August eines Tages Zahnweh zu schaffen macht …
Heute kaum noch vorstellbar ist die Meinung des dummen August „Ich bin der Mann, ich muss Geld verdienen - und du bist eine Frau, du gehörst ins Haus, an die Töpfe und zu den Kindern.“ Doch Preußlers Buch erschien im Jahr 1972, da war eine berufstätige Mutter noch nicht so selbstverständlich wie heute. Schön, wie der erfolgreiche Kinderbuchautor das Dilemma der dummen Augustine (die eigentlich ganz clever ist) zur Zufriedenheit aller auflöst und somit den kleinen Lesern eine Vorstellung davon gibt, wie gleichberechtigte Partnerschaft funktionieren kann.
Herbert Lentz hat Preußlers Text wunderschön illustriert. Großformatige Bilder in fröhlichen Farben geben Einblick in die Zirkuswelt und begeistern Jung und Alt.

Veröffentlicht am 09.12.2018

Zeus sei Dank ...

Mythos
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… dass es Autoren gibt wie Stephen Fry! Sonst wären die griechischen Mythen nur halb so amüsant zu lesen. Denn der englische Autor und Komiker versteht es großartig, die sagenhaften Geschichten, die viele ...

… dass es Autoren gibt wie Stephen Fry! Sonst wären die griechischen Mythen nur halb so amüsant zu lesen. Denn der englische Autor und Komiker versteht es großartig, die sagenhaften Geschichten, die viele von uns aus dem klassischen „Schwab“ kennen, in eine moderne, frische Form zu transformieren. Gewissermaßen im lockeren Plauderton bringt uns Fry die griechische Mythologie nahe, vom Chaos zur Entstehung des Kosmos, vom Kampf der Titanen mit den Göttern bis hin zu deren Interaktionen mit ihren menschlichen Geschöpfen.
Nicht ohne Ironie macht Fry dabei deutlich, dass göttliche Wesen nicht nur Tugenden, sondern auch menschlich anmutende Schwächen haben. Er holt sie von ihrem Sockel und lässt sie in moderner Umgangssprache kommunizieren, so dass die Leser mühelos erfahren, „Was uns die Götter heute sagen“. Doch es steckt mehr in den Nacherzählungen und witzigen Kommentaren. Der Schriftsteller belässt es nicht nur beim Nacherzählen, sondern liefert eine Vielzahl an Hintergrundinformationen, von geschichtlichen Ereignissen bis zu ethymologischen Worterklärungen. Das gelingt ihm stets auf humorvolle Weise, nie fällt er in einen belehrenden Ton.
Stephen Frys Adoption der griechischen Mythologie ist eine Neuauflage fantastischer Erzählungen, in eine frische, unterhaltsame Fassung gebracht.