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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2018

Liebenswert und einfallsreich

Ziemlich beste Schwestern – Quatsch mit Soße (Ziemlich beste Schwestern 1)
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Ob sie Mäuse als Untermieter in ihr Puppenhaus einquartieren oder gar mit Cousin Mats einen Gartenteich für ein Babynilpferd ausbuddeln - Mimi und Flo stecken voller originelle oder gar verrückte Einfälle. ...

Ob sie Mäuse als Untermieter in ihr Puppenhaus einquartieren oder gar mit Cousin Mats einen Gartenteich für ein Babynilpferd ausbuddeln - Mimi und Flo stecken voller originelle oder gar verrückte Einfälle. Da brauchen die Eltern der beiden 7 und 5 Jahre alten Mädchen schon eine gehörige Portion Verständnis und Humor!
In kleinen abgeschlossenen Geschichten, die sich wegen ihrer Kürze gut zum Vorlesen vor dem Zubettgehen eignen, stellt Sarah Welk ihren jungen Lesern die einfallsreichen Schwestern Mimi und Florentine vor. Sie lässt die siebenjährige Mimi selbst zu Wort kommen und ihre Sicht der Dinge schildern, die sich in der Familie im Haus am Brückenweg zutragen. Natürlich geht es nicht immer friedlich zu bei den Geschwistern, doch wenn eine von ihnen eine spannende Idee hat, sind beide mit Eifer dabei, sie spontan in die Tat umzusetzen. Was dabei herauskommt, erzählt die Autorin in klaren, deutlichen Sätzen und altersgerechter Sprache, augenzwinkernd und mit viel Empathie für die Kinder.
Mimis und Flos „Abenteuer“ sind in einer großen klaren Schrift gedruckt, von der besonders Estleser profitieren.
Zahlreiche liebevolle, teils ganzseitige Bilder ergänzen den Text und vervollständigen das Buch auf farbig-fröhliche Weise. Die englische Kinderbuchillustratorin Sharon Harmer übernimmt dabei den liebevollen, humorigen Stil der Autorin in ihre Zeichnungen. Mein Fazit: ein lustiges, lesenswertes, nicht allzu braves Buch zum Vor- und Selberlesen ab 7 Jahren

Veröffentlicht am 20.02.2018

Das Ende?

Die Geschichte des verlorenen Kindes
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Von vielen sehnlichst erwartet, liegt nun der vierte und letzte Teil der „Neapel-Saga“ vor.
Aus den beiden kleinen Mädchen Lenù und Lila, die in dem neapolitanischen Arbeiterviertel Rione aufwuchsen, ...


Von vielen sehnlichst erwartet, liegt nun der vierte und letzte Teil der „Neapel-Saga“ vor.
Aus den beiden kleinen Mädchen Lenù und Lila, die in dem neapolitanischen Arbeiterviertel Rione aufwuchsen, sind nun selbstbewusste Frauen und Mütter geworden, die sich im Berufsleben durchsetzen und als recht erfolgreich erweisen. Elena Ferrante erzählt aus der Sicht ihres Alter Ego Lenù von wichtigen Ereignissen und dramatischen Situationen aus weiteren dreißig Lebensjahren der Freundinnen, deren Verhältnis zueinander sehr schwierig und widersprüchlich ist.
Damit bringt Elena zu einem Abschluss, was sie im ersten Teil ihrer Tetralogie bereits angekündigt hat: sie will die Geschichte ihrer komplizierten Freundschaft mit Raffaela, genannt Lila, für die Nachwelt festhalten. Lila, die angekündigt hatte, sie wolle „sich in Luft auflösen … nichts von ihr sollte mehr zu finden sein“, ist im Alter von 60 Jahren tatsächlich spurlos verschwunden - genauso, wie viele Jahre zuvor ihre kleine Tochter Tina. Was ist mit Tina passiert? Wird jetzt vielleicht das Geheimnis um Lilas Verschwinden gelüftet?
In ihrem bildhaften, leicht lesbaren Stil thematisiert Ferrante den Prozess des Sich-Lösens ihrer Protagonistinnen von einem traditionellen, aber überkommenen Frauenbild. Sehr realistisch und intensiv schildert sie ihre Emanzipationsbestrebungen und die damit verbundenen Probleme.
Während jedoch in den ersten Teilen der „Neapel-Saga“ die historischen Gegebenheiten und politischen Bedingungen einen hohen Anteil in Ferrantes Roman ausmachen, wird der geschichtliche Hintergrund in diesem letzten Band leider etwas vernachlässigt. Hier nimmt Lenùs persönliches Schicksal, verbunden mit dem ihrer Freundin Lila, den größten Raum ein. Auch die südlich-turbulente Atmosphäre Neapels wirkte meines Erachtens in den ersten Büchern der Serie viel lebendiger und unmittelbarer. Dennoch: mit der „Geschichte des verlorenen Kindes“ ist Ferrante wiederum ein sehr unterhaltsames und interessantes Buch gelungen.

Veröffentlicht am 19.02.2018

Die letzten Monate eines Dramatikers

Wiesenstein
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„Bewunderung, die man erfährt, macht klein, Geringschätzung groß.“
Der Dramatiker Gerhart Hauptmann war allerdings der Bewunderung durchaus nicht abgeneigt, auch wenn sein Zitat anderes vermuten lässt. ...

„Bewunderung, die man erfährt, macht klein, Geringschätzung groß.“
Der Dramatiker Gerhart Hauptmann war allerdings der Bewunderung durchaus nicht abgeneigt, auch wenn sein Zitat anderes vermuten lässt. Hans Pleschinski holt den umstrittenen Literaturnobelpreisträger (1912) von seinem „Dichtersockel“ und zeigt ihn mit all seinen menschlichen Vorzügen, aber auch Schwächen.
Sehr ausführlich schildert er Hauptmanns letztes Lebensjahr vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkrieges und seinem Ende. Nach dem furchtbaren Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 kehrt Hauptmann schwer krank aus dem Sanatorium des Dr. Weidner in seine geliebte Villa Wiesenstein im schlesischen Riesengebirge zurück und verbringt hier, liebevoll umsorgt von seiner Frau Margarete und etlichen treuen Bediensteten, die ihm noch verbleibenden Monate.
In literarisch anspruchsvollem Schreibstil erzählt Pleschinski recht eindrücklich von den Bemühungen des alten Ehepaares, inmitten von Chaos und Zusammenbruch seinen gewohnten Lebensstil so gut wie möglich aufrecht zu erhalten, und zeigt gleichzeitig die schreckliche Realität von Vertreibung und Mord außerhalb des noch immer privilegierten Wiesenstein.
Aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet der Autor die Person Gerhart Hauptmanns, erwähnt Erinnerungen und flicht Tagebucheinträge Margarete Hauptmanns ebenso in seinen Roman ein wie Zitate von Biographen und Auszüge aus Werken des Dramatikers. Eine recht umfangreiche Recherchearbeit, die Pleschinski geleistet hat!
Ob und inwieweit Hauptmann eine Mitschuld am Regime trifft, mag der Leser selbst entscheiden. Hat er mit den Mächtigen des Dritten Reiches kollaboriert oder sich nur in eine sichere Nische geflüchtet und aller offenen Kritik enthalten?
Ein sehr anspruchsvoller, vielschichtiger Roman!

Veröffentlicht am 15.02.2018

Beeindruckende Familiengeschichte

Nachsommer
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Ein schlichter Titel, ein schlichtes Buchcover - nichts lässt erahnen, welch eine dramatische Familiengeschichte sich dahinter verbirgt! Die Brüder Olof und Carl, rein äußerlich und auch charakterlich ...

Ein schlichter Titel, ein schlichtes Buchcover - nichts lässt erahnen, welch eine dramatische Familiengeschichte sich dahinter verbirgt! Die Brüder Olof und Carl, rein äußerlich und auch charakterlich grundverschieden, sehen sich nach vielen Jahren der Trennung erst am Bett der todkranken Mutter wieder. Verdrängte Erinnerungen kommen an die Oberfläche und altes Konkurrenzdenken bricht zwischen den Geschwistern wieder auf. Während Carl sein Leben erfolgreich meistert, hadert Olof mit vertanen Chancen.
In sachlichem Ton und knappen Sätzen schildert Johan Bargum in der Rolle seines Alter Ego Olof eindrucksvoll die aufgeladene Atmosphäre im Elternhaus der Brüder. Recht nüchtern erzählt er von Olofs Affaire mit Klara, Carls Ehefrau, die ihm eigentlich mehr bedeutet als nur eine vorübergehende Liebelei, und von dem Aufenthalt der Familie Carls im Haus der Mutter am Meer. Überzeugend gelingt es dem Autor, die Melancholie zu veranschaulichen, die nicht nur über diesem Spätsommer auf der Insel schwebt, sondern auch über der auseinander gebrochenen Familie liegt und Olofs Gemüt verdüstert. Erinnerungen und Ereignisse bleiben vage; Bargum macht etliche Andeutungen und überlässt es dem Leser, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.
Mit dem Satz „Weiß man eigentlich jemals, was vor sich geht?“ beginnt Bargum / Olof seinen Roman. Diese Frage stellt sich auch der Leser während der Lektüre immer wieder, und sie lässt ihm auch später, nach Beendigung des Romans keine Ruhe.
Ob Olof es schafft, „sich noch einmal an die Startlinie zu stellen“ , einen Neuanfang für sich zu wagen?
"Nachsommer" ist eine dicht und eng gewobene Erzählung über das komplizierte Geflecht familiärer Beziehungen und seine weitreichenden Folgen, geschrieben von einem der renommiertesten finnland-schwedischen Schriftsteller!

Veröffentlicht am 08.02.2018

Das Ende einer Liebe?

Ein schönes Paar
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Nur wenige Fotos zeugen von dem „schönen Paar“ , das Herta und Georg Karst in jungen Jahren abgaben. Als sie kurz nacheinander sterben und ihr Sohn Philipp das Pflegezimmer, in dem seine Mutter ihre letzten ...

Nur wenige Fotos zeugen von dem „schönen Paar“ , das Herta und Georg Karst in jungen Jahren abgaben. Als sie kurz nacheinander sterben und ihr Sohn Philipp das Pflegezimmer, in dem seine Mutter ihre letzten Jahre verbrachte, und den Bungalow seines Vaters ausräumen muss, wird er noch einmal mit der Geschichte ihrer Ehe und späteren Trennung konfrontiert.
Philipp spürt der Vergangenheit seiner Eltern nach; erzählt von ihrem Kennenlernen kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges, ihrer Zeit als junge Eltern in der Sowjetischen Besatzungszone, dem Neuanfang nach ihrer Flucht in den Westen. Dann kam es zu einer plötzlichen Trennung. Gab es dennoch eine Art Beziehung oder Verbundenheit zwischen ihnen, die sie nicht zugeben konnten?
In ruhiger, sensibler Sprache schildert Loschütz die Geschichte einer Liebesbeziehung und die Bemühungen des erwachsenen Sohnes, die Konflikte seiner Eltern zu verstehen; denn deren unbewältigte Probleme zeigen Auswirkungen bis in Philipps gegenwärtiges Leben. Einige Szenen erstehen dabei detailreich und stimmungsvoll, andere Situationen wiederum erscheinen vage, wie es bei Kindheitserinnerungen, die lange zurückliegen, der Fall ist; im kindlichen Gedächtnis abgespeichert, aber nicht wirklich begriffen. Diese Unschärfe macht den Reiz der Geschichte aus und spannend für die Leser: Kann doch jeder nachfühlen, wie schwierig es ist, sich über Fragen, die einen zutiefst beschäftigen, Klarheit zu verschaffen, wenn da niemand ist, der Antworten geben kann - oder will.
Sachlich, ohne Pathos, verfolgt Philipp die Lebensspuren des „schönen Paars“, trägt eigene Kindheitserinnerungen und „erwachsene“ Erkenntnisse zusammen und muss am Ende doch feststellen: nicht alle Motive, die Herta und Georg bewegt haben, lassen sich klären; sie haben manches Geheimnis mit ins Grab genommen.
Ein menschliches, kluges Buch, das tief berührt!