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Veröffentlicht am 25.04.2019

Diese bewegende Familiensaga aus dem Alten Land hat mich von Anfang bis Ende gefesselt.

Der Gutshof im Alten Land
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Im Frühling 1919 liegt der Gutshofbesitzer Edzard von Voss im Sterben. Da seine Söhne wahrscheinlich im Krieg gefallen sind, versucht sein raffgieriger Neffe Roland, den Hof durch eine Hochzeit mit Edzards ...

Im Frühling 1919 liegt der Gutshofbesitzer Edzard von Voss im Sterben. Da seine Söhne wahrscheinlich im Krieg gefallen sind, versucht sein raffgieriger Neffe Roland, den Hof durch eine Hochzeit mit Edzards Tochter Finja in seinen Besitz zu bringen. Doch plötzlich taucht Clemens auf, ein Bekannter und optischer Doppelgänger von Finjas Bruder Lennart. Caroline von Voss nutzt diese Chance und gibt Clemens als ihren Sohn aus. Was zunächst wie eine rettende Idee aussieht, ist aber in Wahrheit ein Lügengebilde, welches mehrfach aufzufliegen droht. Kann diese Scharade aufrechterhalten werden?


Micaela Jary versetzt ihre Leser in ihren Romanen gern ins vergangene Jahrhundert, dieser historische Roman führt auf einen Gutshof im Alten Land.

Zu diesem Roman gibt es die Vorgeschichte der Familie von Voss als Ebook, für das bessere Verständnis der Charaktere empfehle ich es sehr, es ist aber nicht zwingend erforderlich.



Die Geschichte dreht sich um die Familie von Voss. Der Hoferbe Lennart ist im Krieg verschollen, sein Bruder Gerrit ist als Journalist nach Amerika ausgewandert. Weil ihr Vater und Gutsbesitzer im Sterben liegt, versucht seine Frau alles zu unternehmen, um das Gut in der Familie zu halten. Dafür ist sie sogar bereit zu einer Lüge. Diese sorgt für dauerhafte Spannung und Dramatik, weil sie immer wieder zu verschiedenen Gelegenheiten aufzufliegen droht. Lennarts Doppelgänger Clemens ist kriegsmüde und macht das Spiel mit, diese neue Heimat nimmt er gern an. Besonders spannend macht es die Tatsache, dass sich beide Männer zwar ähnlich sehen, aber beide völlig unterschiedliche Charaktere haben.


In diesem Roman erlebt man mit den hervorragend und sehr unterschiedlich gezeichneten Charakteren deren Lebensumstände, Wünsche, Träume und Nöte mit und nimmt daran gefesselt teil.

Finja, die statt einer Heirat eher eine Laufbahn als Tierärztin anstrebt, fällt zur damaligen Zeit schon einmal völlig aus dem gewohnten Rahmen. Und auch die Humanmedizinerin Christine, ist eine Frauenfigur, die die Emanzipation im Roman aufzeigt. Finjas Mutter Caroline sieht eher die gesellschaftliche Stellung als Maß aller Dinge und ist dafür sogar zu einer Lüge bereit. Andere Frauen wünschen sich ebenfalls gesellschaftlichen Aufstieg, zu welchem Preis erfährt man im Verlauf der Geschichte.


Die Autorin schreibt in einem sehr einnehmenden und flüssigen Erzählstil, sie baut ständig kleine Cliffhanger ein, die mich gezwungen haben, weiter zu lesen. Die Kulisse des Alten Landes erlebt man ebenso wie das Leben in Hamburg zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Dort gab es schon mehr Reichtum als im Alten Land, die Kleidung der Frauen war eher schick als praktisch.



Im Handlungsverlauf kommt es mehrfach zu kleinen Überraschungen, sodass man wirklich gut unterhalten wird.


Diese sehr lebendig erzählte Familiensaga lässt am Ende noch einige Dinge offen, vielleicht kann man daraus schließen, dass es einen Folgeband geben wird.



"Der Gutshof im Alten Land" hat mich gefesselt, bildhaft in diese besondere Zeit und Gegend hineinversetzt und dazu noch wunderbar unterhalten. Was will man mehr von einem historischen Roman?


Veröffentlicht am 24.04.2019

Ein herzerwärmender Inselroman, der Sehnsuchtsgefühle nach Föhr weckt.

Schäfchenwolkenhimmel
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In ihrem neuen Roman "Schäfchenwolkenhimmel" entführt uns die Autorin Gabriella Engelmann auf eine Insel in der Nordsee, nach Föhr. Der Roman erscheint im April 2019 Im Knaur Verlag.


Minnie wird beruflich ...

In ihrem neuen Roman "Schäfchenwolkenhimmel" entführt uns die Autorin Gabriella Engelmann auf eine Insel in der Nordsee, nach Föhr. Der Roman erscheint im April 2019 Im Knaur Verlag.


Minnie wird beruflich auf eine Recherchereise nach Föhr geschickt, sie soll für eine TV Sendung über die Veränderungen auf der Insel Informationen und Interviewpartner gewinnen. Kaum riecht sie die herrlich salzige Seeluft und erlebt das sommerliche Inselflair, kommen wunderschöne Erinnerungen an ihre Kindheit bei ihrer verstorbenen Großmutter Rieke hoch. Als ihr der Zufall ein kleines Lämmchen in die Arme spielt, hängt sie ihr Herz nicht nur an die Insel. Wird sie diesen Sehnsuchtsort ohne Wehmut wieder verlassen können?

Dieser Sommerroman spielt auf der Nordseeinsel Föhr. Minnie kehrt nach langer Zeit endlich mal wieder zurück nach Föhr, die Heimat ihrer Großmutter und Minnies Traumziel ihrer Kindheit. Ihr Arbeitgeber Travel TV plant eine Sendung über die veränderten Bedingungen auf dieser Urlaubsinsel und Minnie soll vorab Drehgenehmigungen und Interviewpartner festmachen. Sofort fühlt sie sich wieder wohl und heimisch auf der Insel und bekommt neben vielen menschlichen Kontakten zufällig auch ein kleines wolliges Lämmchen als Begleiter. Diese zuckersüße Freundschaft bindet Minnie noch mehr an Föhr, denn das Lämmchen sieht Minnie als Mutter an.

Mit ihrer warmherzigen und liebevoll erzählten Geschichte bringt Gabriella Engelmann ihre Leserinnen in Inselstimmung. Gemeinsam mit Minnie streift man über die Insel, erlebt die Wolken am blauen Himmel, die kreischenden Möwen und fühlt förmlich den Sand unter den Füßen. Auch das süße Lämmchen möchte man sofort auf den Arm nehmen. Es gibt auch eine Liebesgeschichte, eine Reise in die Familienvergangenheit und einen Neubeginn in Sachen Lebensplanung.

Auch wenn ich Föhr überhaupt nicht kenne, so habe ich mich auch gleich ein bißchen in diese zauberhafte Nordseeinsel verliebt. Ich erlebe die weiten Marschen, die kreischenden Möwen und die bodenständigen Tee trinkenden Menschen. Sie leben ihre Traditionen, sprechen noch Fering, das Föhrer Friesisch und tragen beim Maibaumfest stolz ihre hübschen Friesentrachten. Die ländliche Insel-Idylle bekommt jedoch durch die vielen Urlauber und Spekulationsgeschäfte auch ihre Risse. Wie auf Sylt finden Einheimische auf Föhr kaum noch bezahlbaren Wohnraum.

Auch das Haus von Minnies Großmutter wurde nach ihrem Tod verkauft, nun versuchen die neuen Besitzer daraus einen Spekulationsgewinn zu erwirtschaften. Minnie trauert diesem Friesenhäuschen sehr hinterher, es hängen doch viele Erinnerungen daran.

Es ist ein Wohlfühlbuch mit viel sommerlicher Nordsee-Stimmung, die Figuren sind gut gelungen und auch wenn die Geschichte ziemlich vorhersehbar ist, konnte sie mich doch wunderbar unterhalten. Am Ende verlocken noch einige friesische Backrezepte zum Ausprobieren, den Butterkuchen von Dörte möchte ich unbedingt auch mal backen.


Dieser Inselroman ist eine absolute Wohlfühlgeschichte und zeigt neben dem Inselcharme Föhrs auch den Mut einer jungen Frau, sich von ihren Gefühlen leiten zu lassen und einen Neubeginn zu starten. Schöne Sommerunterhaltung für den Strandkorb!

Veröffentlicht am 23.04.2019

Hochkarätige und atemberaubende Landschafts- und Tierfotos

PumaLand
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In seinem Bildband "PumaLand" führt uns der Naturfotograf Ingo Arndt nach Südamerika in den Torres del Paine Nationalpark in Chile. Das wunderschön bebilderte Sachbuch erscheint im Februar 2019 im Knesebeck ...

In seinem Bildband "PumaLand" führt uns der Naturfotograf Ingo Arndt nach Südamerika in den Torres del Paine Nationalpark in Chile. Das wunderschön bebilderte Sachbuch erscheint im Februar 2019 im Knesebeck Verlag.

Mehrere abenteuerliche Expeditionen in den chilenischen Nationalpark Torres del Paine in Südamerika waren nötig, damit der Naturfotografen Ingo Arndt genügend Fotomaterial für sein Projekt "PumaLand" zusammen hatte. Dort in freier Wildbahn war er umherstreifenden Pumas auf der Spur, beobachtete sie bei auf der Jagd nach Guanakos, bei der Paarung und Aufzucht ihrer Jungen. Es entstanden nie vorher gesehene Aufnahmen wie beim Paarungsakt und durch die Beobachtung wurde auch das Verhalten der Pumas näher erforscht. Dieser Bildband zeigt nicht nur eindrucksvolle Bilder der "Löwen der Anden", sondern auch diese einzigartige Landschaft im rauhen und unwirtlichen Patagonien.

Stundenlanges Ansitzen ist der Preis für diese hochkarätigen und atemberaubenden Landschafts- und Tierfotos

Der Nationalpark Torres del Paine liegt im chilenischen Teil Patagoniens und ist ungefähr 1800 Quadratkilometer groß. Als Namensgeber fungieren 3 hohe Berge, Granittürme, die zwischen 2600 und 2850 m hoch sind. Neben den hoch aufragenden schneebedeckten Bergen gibt es weite Grassteppen (Pampas), die den seltenen lamaähnlichen Guanakos Heimat bieten. In dieser Gegend ist also genügend Nahrung für den Puma, der sich in dieser von Wind und Wetter beeinflussten kargen Landschaft einen Lebensplatz gesucht hat.


Ingo Arndt wurde vom Sportartikelhersteller PUMA für seine Expeditionen unterstützt, er hatte die einmalige Gelegenheit, zwei Weibchen bei der Aufzucht ihres Nachwuchses fotografieren zu können.

Der Preis für Ingo Arndts anstrengende und entbehrungsreiche Aufenthalte unter extremen Wetterbedingungen sind die einzigartigen Momente der Beobachtung von wilden Berglöwen und dank seiner wunderschönen Fotos erlebt man das in "PumaLand" eindrucksvoll mit.

Der Nationalpark ist auf bestimmten Wegen auch Touristen zugänglich, Ingo Arndt schlug allerdings mit mehreren Fährtenlesern andere Strecken ein, es führte ihn auch in schwer zugängliches Gelände.

Weibchen bleiben bei der Aufzucht ihrer Jungen oft ortstreu, deshalb konzentrierte sich Arndt hauptsächlich auf zwei Puma-Familien. Ein Weibchen bekam den Namen Sarmiento und das andere nannte Arndt Colmillo. Beiden Familien kam er recht nah und wurde so auch zu einem aufmerksamen Beobachter des Verhaltens der Tiere und erlebte das Spiel der jungen Pumas mit. Ihre leuchtend blauen Augen verlieren sich später zu einem intensiv ockerfarbenen. Das ist auf den Fotos sehr gut zu sehen.
Außerdem zeichen die Bilder wunderbar die geschmeidige Bewegung der Tiere auf, das Anschleichen auf die Beute, die kräftezehrende Jagd, es sind bis zu fünf Versuche nötig, um auf der Jagd Erfolg zu haben.

Eine Jagdszene auf einen Guanako-Hengst kann man im Buch bewundern. Dort hatte das Guanako einen Trick auf Lager, um sich seines Fressfeindes erfolgreich zu erwehren.
Sogar Paarungsszenen der scheuen Tiere wurden von Arndt erstmalig fotografisch festgehalten.


Wenn man die Bilder ansieht, kann man sich nur vorstellen, wieviele Wanderungen, Fährtenverfolgungen und Ansitze nötig sind, um genügend und wirklich geeignetes Bildmaterial schießen zu können. Nicht selten machen die Witterungsverhältnisse dem Fotografen einen Strich durch die Rechnung. Starke Regenfälle, flimmernde Hitze und dunstige Nebelschwaden sorgen selbst bei exklusiver Fotoausrüstung für unbrauchbare und unscharfe Bilder. Pumas sind scheue Tiere, sehr nah kommt man an sie nicht heran, es ist stets ein Teleobjektiv nötig. Zur verwendeten Fotoausrüstung gibt es übrigens detaillierte Informationen am Ende des Buches.

Neben den schönen Fotos der Pumas in der Wildnis, bei Nacht und im Gegenlicht gibt dieses Buch auch Einblick in die faszinierene Natur und Tierwelt Patagoniens. Die Fotos zeigen die Gegend zu allen Jahreszeiten und man bekommt einen deutlichen Eindruck von dieser unwirtlichen Landschaft.

Ob schneebedeckt oder farbenfroh, hier kann man außergewöhnliche Landschaftsaufnahmen von Bergen, Gletschern, Wolkengebilden mit blauem Himmel, bei Eis und Schnee oder bei herbstlich gefärbten Gegenden bewundern.

Nicht nur Pumas und Guanakos sieht man im Buch, auch andere dort ansässige Tiere hat Arndt in wunderbaren Fotos festgehalten, wie den Sperlingskauz, grauen Andenfuchs und Andenkondor.

Diese wilde und atemberaubend schöne Gegend ist auch Touristen zugänglich. Nach Arndts Auffassung sollte das aber eher nicht so sein, um die Natur unbeschadet erhalten zu können. In seinem Nachwort erklärt er, wie aus Profitgier Wandergruppen auch die empfindliche Vegetation zerstören können.

Mir reicht dieses einzigartige Buch über die wilden Pumas und die Landschaft Patagoniens.


Ingo Arndts faszinierender Bildband über Pumas präsentiert nicht nur außergewöhnliche Fotos dieser scheuen Tiere, er präsentiert auch Patagoniens Wildnis in voller Schönheit zu allen Jahreszeiten.
Es ist ein Schmuckstück von Sachbuch und einfach herrlich anzuschauen.

Veröffentlicht am 20.04.2019

Eine anrührende Geschichte über den Club der einsamen Herzen

Die Bücherinsel
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Der Roman "Die Bücherinsel" von Janne Mommsen erscheint im Rowohlt Polaris Verlag.

Sandra Malien ist vor ihrem alten Leben auf eine Insel geflohen und lebt in einem kleinen Haus am Strand. Mit dem Schaustellerleben ...

Der Roman "Die Bücherinsel" von Janne Mommsen erscheint im Rowohlt Polaris Verlag.

Sandra Malien ist vor ihrem alten Leben auf eine Insel geflohen und lebt in einem kleinen Haus am Strand. Mit dem Schaustellerleben ihrer Eltern konnte sie auf Dauer nichts anfangen, da nimmt sie lieber eine Putzstelle an und genießt die Natur und das Leben auf der Insel. Der Zufall führt sie in den Lesekreis der Inselbuchhandlung. Wer sich für Bücher interessiert und nicht allein vor dem Fernseher sitzen möchte, kommt gern hierher. Sandra liebt Geschichten und Hörbücher, doch sie hat ein Problem: Sie kann weder lesen noch schreiben. Noch ahnt davon niemand etwas.

Nachdem wir in "Die kleine Inselbuchhandlung" bereits Greta mit ihrem Laden kennen gelernt haben, geht es dieses Mal um Sandra. Sie liebt die Natur auf der Insel und kann sich gar nicht satt sehen an den schönen Ausblicken aufs Meer, an den Farben des Wassers und des Himmels. Oft sitzt sie an ihrer Lieblingsstelle am Strand und dann trifft sie dort ausgerechnet auf den sympathischen Leiter der Grundschule Björn. Nach einem wunderschönen gemeinsamen Nachmittag verliebt sie sich nin ihn, doch kann sie vor ihm ihr Problem verbergen? Als Kind von Schaustellern hat sie nie richtig lesen und schreiben gelernt, doch das kann sie in ihrer Putzstelle gut verbergen.

Dieser Roman hat mich mit den atmosphärischen Beschreibungen der Insel und den Naturschönheiten sofort in Urlaubsstimmung versetzt. Besonders die bildhafte Schilderung des Farbenspiels am Meer hat mir gut gefallen. Es fällt auf, dass die Zustände vom Wetter und der Landschaftsbilder auch in direkter Verbindung mit der jeweiligen Stimmung von Sandra stehen. Das unterstreicht das Kopfkino noch umso mehr.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht, man sieht sofort die Welt aus Sandras Augen, erfährt ihre Gedanken und Ängste und ist bei ihren Ausflügen auf der Insel immer dabei.

Janne Mommsen rückt in diesem Roman das Thema Analphabetismus in den Mittelpunkt. Es hat mich immer gewundert, wie Menschen ohne diese Schreib- und Lese-Kenntnisse unbemerkt durchs Leben kommen. Hier werden einige Hilfsmittel und Kniffe aufgezeigt. Ich kann mir gut vorstellen, wie jemand in dieser Situation in Schamgefühl versinkt und dann nicht offen zu dieser Wissenslücke steht. In diesem Fall hat Sandra eine hilfsbereite Lehrerin gefunden und hat auch den Mut, diese Schwäche endlich entschieden zu überwinden.

Die romantische Liebesgeschichte zwischen Sandra und Björn habe ich gerne mitverfolgt, allerdings fand ich es nicht sehr spannend, die Story plätscherte etwas vor sich hin. Da hätte man vielleicht etwas mehr draus machen können.
Eine Wendung im Buch führt Sandra wieder in ihre Sackgasse zurück, das nahm dem Roman leider auch etwas an Fahrt.

Durch die unterschiedlichen und recht liebenswürdigen Charaktere kommt direkt eine Wohlfühlstimmung auf. Man kann mit ihnen mitfühlen und erkennt ihre Wünsche und Sorgen.

Sandra wird als willenstarke und eifrige Frau mit einer großen Auffassungsgabe und Beobachtungssinn gezeigt, dank der sie besonders die Stimmungen der Landschaft wunderbar beschreiben kann. Weil sie nicht schreiben kann, erzählt sie ihre Geschichten und findet schnell begeisterte Zuhörer.

Mit diesem Roman erlebt man einen kleinen Kurzurlaub am Meer und deshalb ist es die geeignete Lektüre für den Strandkorb.

Veröffentlicht am 19.04.2019

Mordslustiger Heimatkrimi mit Schweinebraten und Knödel

Sau am Brett
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"Sau am Brett" ist der zweite Fall der Krimireihe von Oliver Kern um Berthold Fellinger, den Lebensmittelkontolleur im Bayrischen Wald. Der Krimi erscheint im Heyne Verlag.

Das Sautrogrennen ist eine ...

"Sau am Brett" ist der zweite Fall der Krimireihe von Oliver Kern um Berthold Fellinger, den Lebensmittelkontolleur im Bayrischen Wald. Der Krimi erscheint im Heyne Verlag.

Das Sautrogrennen ist eine legendäre Veranstaltung am Freudensee im Bayerischen Wald. Als der Lebensmittelkontrolleur Fellinger sein Feierabend-Bier trinkt, wird er Zeuge, wie ein Tourist aus Hamburg mit dem Gesicht in sein Essen, Schweinebraten mit Knödeln, fällt und stirbt. Das ist für Fellinger ein im wahrsten Sinne des Wortes gefundenes Fressen und sein Hobbyermittler-Instinkt bahnt sich seinen Weg.

Fellinger ist ein spezieller Typ, ein Grantler, etwas verschroben und doch hat man ihn gern. Er ist Anfang vierzig, lebt allein in der Stadt und schwärmt noch immer für seine alte Jugendliebe, die Ärztin Franziska Höllmüller. Gern vergleicht er sich mit Batman, weil er ja auch mit seinen Ermittlungen Gutes tut und mit seiner Hygienekontrolle erst recht.

Im vorliegenden Fall wird schnell klar, dass der Tote im Schweinebraten keines natürlichen Todes starb, es war Mord. Wie die Polizei herausfindet, war er eine Hamburger Kiezgröße. Was hatte der im tiefsten Bayern zu suchen? Geht es hier um Drogenaufträge in der Provinz oder gibt es einen anderen Grund?

Fellinger lässt der Fall keine Ruhe und er beginnt, sich einzumischen. Selbst als auf ihn Anschläge verübt werden, scheint ihn das nur noch mehr anzuspornen. Gleichzeitig bandelt er mit der schönen Mila an, die beim Landgasthof als neue Bedienung arbeitet. Doch sie verschwindet, ehe sich da etwas zwischen ihnen entwickeln kann. Schade eigentlich! Schade auch, dass ein Gast ihn beobachtet hat, wie er Geld vom Gastwirt angenommen hat. Es besteht der Verdacht der Bestechung, dabei waren es doch nur Spielschulden. Für Fellinger sieht es nicht gut aus.

Oliver Kern hat auch in diesem Krimi nicht an Komik und lebendiger Ansicht seines Protagonisten gespart. Man freut sich über diesen merkwürdigen Fellinger, genießt seine Gedanken, seine Sprüche und seine Angewohnheit, beim Anblick von schönen Frauen nicht mehr ganz klar zu ticken. Da setzt dann etwas der Verstand aus.

Rein sprachlich kann man diesem Buch auch als Norddeutsche Leserin gut folgen, ein angehängtes Glossar übersetzt solche Begriffe wie Schnointreiber (Zuhälter), Bierdimpfl (Biersäufer) und Viahaxerter (sowas wie der Yeti). Gerade diese Begriffe verleihen dem Krimi seinen unvergleichlichen Charme, man kann häufig lachen und das nicht zuletzt wegen des tollpatschigen Fellingers. Der nennt übrigens Tätowierungen als "Epidermis-Collage des Schreckens", worüber ich mich köstlich amüsiert habe.


"Sau am Brett" war für mich ein amüsantes und auch spannendes Lesevergnügen, ich kann mir gut vorstellen, dass der Fellinger ein Verwandter vom Franz Eberhofer sein könnte. Die Reihe werde ich auf alle Fälle weiter verfolgen.