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Veröffentlicht am 08.06.2018

Eine thematische Abhandlung von positiven und negativen Erlebnissen als Kellnerin! Der Humor kam zu kurz!

Are you finished? - No, we are from Norway
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Die Autorin beschreibt ihren Arbeitsalltag in einem Touristenlokal in München. Sie serviert tpische bayrische Kost wie Schweinshaxe, Weißwürstel, Sauerbraten, Knödel und Rotkohl. Dazu stemmt sie schwere ...

Die Autorin beschreibt ihren Arbeitsalltag in einem Touristenlokal in München. Sie serviert tpische bayrische Kost wie Schweinshaxe, Weißwürstel, Sauerbraten, Knödel und Rotkohl. Dazu stemmt sie schwere Bierkrüge und muss stets freundlich, höflich und zuvorkommend sein. Wie ihr die Gäste begegnen, ist recht unterschiedlich, aber dieses Buch gibt einen Überblick über absurde, athentische, lustige und auch ärgerliche Erlebnisse bei ihrer Arbeit.


Dieses Buch wirbt mit der Aussicht auf humorvolle Unterhaltung, ist aber bei näherer Betrachtung eher eine thematisch geordnete Auflistung von positiven und negativen Erlebnissen der Autorin.

Die Kapitel enden jeweils mit einer Top-Five-Liste ( broken English, Dates, Vips und Männer und Frauen) und die Anekdoten sind zwar unterhaltsam, aber doch auch Dauer zu langatmig und nicht so lustig, wie ich es mir vorgestellt hatte.


Der Job als Kellner/-in ist auf alle Fälle ein Knochenjob, der körperlich und sicherlich auch nervlich anstrengend ist. Die Autorin schildert neben den Erfahrungen mit Gästen auch die mit Kollegen, Köchen und Chefs. Man gewinnt einen Einblick in die Arbeit und erkennt schnell, wie zuvorkommende Servicekräfte auf Bemerkungen von Gästen gekonnt eingehen. Sicherlich gibt es bei den Gästen viele schwarze Schafe, die sich unerhört aufführen, aber auch viele nette, die die Arbeit der Bedienungen zu schätzen wissen.

Mich hat es gestört, dass hier im Buch viel über Trinkgelder genörgelt wurde. Es ist selbstverständlich, dass man Beträge aufrundet und die Arbeit damit honoriert, aber zwingend sind die Tipps nicht. Anders ist das in Amerika, dort gibt es ein sehr geringes Grundgehalt und die Angestellten sind auf Trinkgelder angewiesen.

Die Kapitel über Touristenverhalten, typisches Frauen und Männer-Verhalten und über Kinder in Restaurants haben mir gut gefallen. Hier erfährt man auch, dass Japaner immer winken und angeblich kein Trinkgeld geben. Das kann ich so nicht beurteilen, aber warum sollten Touristen im Ausland alle Gegebenheiten kennen? Sie wissen doch sicherlich auch nicht, dass die Brezeln auf den Tischen berechnet werden, anders als das kostenlose Brot in den meisten griechischen, türkischen, spanischen, italienischen Gaststätten in Deutschland.

Insgesamt habe ich nicht so viel Humorvolles gelesen und ich sehe die Hauptaussage des Buches darin, dass man als Servicekraft täglich alle Arten von menschlichem Verhalten vor Augen hat und sich nicht negativ darüber äußern darf, jedenfalls während des Dienstes. Das ist nun einmal der Job! Auch ich habe mal gekellnert, empfand es aber als Arbeit und nicht als Aufgabe, die Menschen psychologisch zu beurteilen.
Ein Einblick in das Alltagsgeschäft einer Kellnerin, der mich nun nicht so ganz mitgerissen hat. Kurzweilige Episoden, aber als ganzes Buch etwas zu viel!

Veröffentlicht am 08.06.2018

Fesselnd bis zum Schluss und literarisch ein Genuss!

Die Prinzessin von Arborio
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Elisabetta Zorzi ist Italienerin und führt erfolgreich in Wien ein eigenes Restaurant. Sie ist attraktiv und die Männer fliegen auf sie, aber sie möchte eigentlich nur ihren Traummann finden und eine Familie ...

Elisabetta Zorzi ist Italienerin und führt erfolgreich in Wien ein eigenes Restaurant. Sie ist attraktiv und die Männer fliegen auf sie, aber sie möchte eigentlich nur ihren Traummann finden und eine Familie gründen. Wie ihre Liebschaften ablaufen bzw. enden, zeigt dieser Roman in einer Mischung aus Krimi und unterhaltender Liebesgeschichte.

Bettina Balàka ist wirklich eine begnadete Autorin. Ihr neuer Roman zeigt eine Frau auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück und führt den Leser in eine Welt der Liebe, Gefühle, Psychologie und letztendlich auch hinter Gitter.
Dabei bedient sich die Autorin eines intelligenten Erzählstils, der scheinbar beiläufig beschreibt und in einem eher sachlich wirkenden Tonfall die Handlung begleitet. Die Geschichte nimmt im Verlauf an Brisanz zu und gipfelt in einzelnen spannenden Höhepunkten, die entsetzen, erheitern und überraschen. Gefesselt liest man dem Ende entgegen.

Doch noch einmal von vorn:
Gemeinsam mit dem Polizeipsychologen Arnold Körber geht man auf eine Art Ermittlungsreise und lernt die charmante Zorzi kennen.
Ihr Wunsch nach einer harmonischen Beziehung erfüllt ihr Denken und sie fällt immer auf einen besonderen Typ Mann herein, groß, stark und dominant. Zorzis Gefühl von Himmelhochjauchzen geht einige Zeit lang gut, dann ordnet sie sich der großen Liebe wegen unter, erträgt die Demütigungen scheinbar klaglos und irgendwann beendet sie die Liaison auf ihre eigene Art und Weise.
Dabei ist sie kein männermordender Vamp, eher eine intelligente kleine, verletzlich wirkende Frau, hinter deren hübscher Fassade eine kalte Seele steckt. Ihr ist die Liebe heilig und die Mittel zum Zweck ebenfalls.
Ihre Denkart ist so detailliert beschrieben, dass man Verständnis für Zorzi aufbringt.
So ergeht es auch Körber. Langsam aber sicher verfällt er ihr zunehmend und wie wir im Roman erfahren, nennt man das "Hybristophilie".
Normalerweise befällt die Liebe zu Schwerverbrechern eher Frauen. Aber das Interessante ist in Körbers Fall, dass er auch noch Psychologe ist.

"Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - heißt es auf Seite 201 treffend.

Es entwickelt sich eine Tragikomödie mit schwarzem Humor, die nebenbei eine Menge über Forensik von Meerleichen und Psychologie im Allgemeinen informiert und den Strafvollzug aus nächster Nähe betrachten lässt.

Der Autorin ist ein außergewöhnlicher Roman gelungen, der ein gelungener Mix aus Krimi und Liebesgeschichte ist, Einblicke in die Denkstrukturen einer Serienmörderin gibt und für wunderbare Lesestunden sorgt.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Unterhaltsame Lektüre, die in walisische Mythen entführt und ein Familiengeheimnis aufdeckt!

Sturm über dem Meer
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Ein Auftrag führt die Archäologin Dr. Samantha Goodwin an die irische See nach Wales. Sie hofft dort auf Funde, die das vor 2000 Jahren versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod nachweisen lassen. Die Legende ...

Ein Auftrag führt die Archäologin Dr. Samantha Goodwin an die irische See nach Wales. Sie hofft dort auf Funde, die das vor 2000 Jahren versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod nachweisen lassen. Die Legende darüber fasziniert Sam schon seit ihrer Kindheit, denn im nahegelegenen Fischerdorf Borth lebt Sams Großmutter Gwen. Bei den Untersuchungen entdeckt Sam ein altes Skelett, es gehört ihrem verschollenen Großvater und ein lange gehütetes Geheimnis wird endlich gelüftet. Durch die Nachforschungen begibt sich Sam in Gefahr.


Constanze Wilken liebt Wales und das bringt sie auch in ihrem Roman zum Ausdruck. Stimmungsvoll erzählt sie von alten Mythen und Legenden rund um das versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod und zeigt die Kraft und die Gefahr, die hier von der rauen See ausgeht. Man wird unweigerlich Augenzeuge von Stürmen, die einigen Seeleuten und Fischern das Leben gekostet haben.

Die Geschichte spielt in zwei Handlungssträngen, die Nachkriegszeit aus dem Lieben von Sams Großmutter Gwen und die Gegenwart, die Sams Erlebnissen schildert. Dadurch verbinden sich zwei Lebensgeschichten miteinander, die die Frauen mit ihrer gemeinsamen Gabe bei Sturm das geheimnisvolle Glockenläuten von Cantre'r Gwaelod zu hören, noch näher zusammen schweißt. Auch die Liebe der Frauen wird zum Hauptthema, dass beide verbindet.

Es dreht sich in der Handlung um eine Liebesgeschichte, die eigentlich vorhersehbar ist, aber das Geheimnis, das sich um den verstorbenen Großvater rankt, steht im Vordergrund. Doch wer hat hier etwas gegen Sam? Es muss eine Verbindung zwischen dem Leichenfund und der Vergangenheit bestehen.

Die Protagonisten sind sehr anschaulich beschrieben, besonders Gwens Charakter ist hier zu nennen. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Nebenfiguren, die die Geschichte in die Länge ziehen. Denn diese Figuren erscheinen ziemlich blass und wirken farblos. Im Mittelteil zieht sich die Handlung dadurch in die Länge und verliert an Spannung und Interesse.

Die Auflösung klingt zwar logisch, erfolgt aber im Nachhinein und da hatte ich mehr erwartet. Das Motiv des Täters passt so gar nicht zu den Legende und den schwierigen Umständen, die Gwens Leben ausgemacht haben.

Wer sich für Wales interessiert und einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen möchte, hat sicherlich an diesem Roman seine Freude. Der Schreibstil der Autorin sorgt für unterhaltende Lesestunden.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Bunte Krimimischung mit bayrischem Charme

Hugo & Leberkäs
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Eine Anthologie mit fünf Kriminalgeschichten – alle spielen in der bayerischen Provinz!
Was hier in ländlicher Idylle so alles passieren kann, wird hier mit einem Augenzwinkern beschrieben. Denn es gibt ...

Eine Anthologie mit fünf Kriminalgeschichten – alle spielen in der bayerischen Provinz!
Was hier in ländlicher Idylle so alles passieren kann, wird hier mit einem Augenzwinkern beschrieben. Denn es gibt menschliche Abgründe zu entdecken, brutale Übergriffe von krimineller Energie zu bestaunen und harmlose Frauen entwickeln sich zu bösen Charakteren.


Im ersten Titel "Hugo und Leberkäs" beschreibt Veronika Lackerbauer einen Kurzkrimi, bei dem ein Mordfall die ländliche Polizei in Aufregung versetzt. Die Ermittlungen bringen Licht ins Dunkel und decken schwierige Familienverhältnisse auf, die man so nicht erwartet hat. Es bestätigt sich die Regel, dass die engsten Familienmitglieder doch häufig Tatverdächtige sind.
Hier wird mal der Spieß umgedreht und der Leser kennt den Täter sehr früh, Hauptaugenmerk legt die Autorin dabei auf die Beschreibung der Gründe des Täters für die Morde.


Beim Titel "Kriminalistischer Nachmittag" steht ein neugierige Frau im Mittelpunkt, die sich in eine Sache einmischt, bei der sie Glück hat, nicht selbst ein Opfer von Gewalt zu werden. Diese Geschichte ist allerdings schon recht überspitzt zu sehen.


"Sturm im Wasserglas" hat einen aktuellen Bezug zum Zeitgeschehen. Hier wird die Tat an einem Asylsuchenden in den Krimi eingebaut. Schnell werden klischeemäßig die Mitbewohner, aber auch die befeindete Rockerbande verdächtigt und zum Täterkreis gezählt. Doch der Fall liegt ganz und gar anders. Man sollte sich also mit Vorurteilen zurückhalten und stets objektiv urteilen. Zeigt sich auch in diesem Fall sehr deutlich und mit bayrischem Sprachbild bestens beschrieben.


Bei "Tödliche Begierde" geht es um die junge Paula, die Besuch von der angeblichen Ehefrau ihres vermeintlichen Mannes bekommt. Was als Standpauke beginnt, steigert sich in eine hintertriebende Tat mit mörderischem Ende und endet wirklich überraschend.
Dieser perfide Krimi ist sehr spannend gemacht und für mich die beste Geschichte der Anthologie.
Besonders angesichts der Tatsache, dass sich Paula ganz und gar in einer harmonischen Beziehung glaubte, kann einem Angst und Bange werden.


"Rendezvous mit Mord" ist eine überzeugende Story über eine Frau, die Groschenromane schreibt, davon aber nicht leben kann. Ihr Geld verdient sie daher als Auftragskillerin. Was hier abgeht, kommt einer Slapstick-Komödie sehr nah.
Beim Aufeinandertreffen von Ganoven, Geburtstagsgästen und einer vermeintlich harmlosen Tochter kommt es zu Verstrickungen, die sich immer mehr ineinander verflechten. Humor ist hier garantiert. Dieses Stück kann ich mir gut auf einer Theaterbühne vorstellen. Denn so bildhaft beschrieben sieht man den üblen Mafioso, den schwergewichtigen Russen mit Glatze und die resolute Mutter während des Lesens vor Augen.
Eine tolle Geschichte, der diese Prise Klamauk gut steht.


Dieser Kurzgeschichtenband enthält eine bunte Mischung von Kurzkrimis, die je nach Inhalt erheitern, erschrecken oder auch in menschliche Abgründe schauen lassen.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Fesselnder Ostseekrimi, der mit Kälte und Dunkelheit spielt und Geheimnisse aus der DDR Zeit aufdeckt!

Stumme Wasser
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Der Kunsthistoriker Richard Gruben fährt auf die Bitte seines alten Kunst-Freundes Friedrich Semmering hin nach Fahrenende an die Ostsee in Mecklenburg-Vorpomemrn. Es geht um ein Gemälde, bei der der Sachverstand ...

Der Kunsthistoriker Richard Gruben fährt auf die Bitte seines alten Kunst-Freundes Friedrich Semmering hin nach Fahrenende an die Ostsee in Mecklenburg-Vorpomemrn. Es geht um ein Gemälde, bei der der Sachverstand des Professors gefragt ist. Als Gruben in dem verschlafenen Ostseedorf ankommt, findet er seinen Freund tot vor. Die Enkelin Johanna beginnt mit Gruber zu ermitteln und dabei kommen sie einem Familiengeheimnis auf die Spur...


Dieses Buch beginnt schon vom dramatischen Prolog an mit einer bildhaften Stimmungsbeschreibung der nebelig kalten Ostsee, der man sich als Leser im Verlauf des Buches nicht entziehen kann. Das sorgt für ein authentisches Bild mit dauerhaftem Frösteln und verleiht dem Krimi so einen Gruseleffekt. Auch weil die Situation des Prologs einen offenen Ausgang zeigt, gewinnt die Spannung sofort die Oberhand.

Eine Beziehungspause mit seiner Freundin über die Weihnachtstage nutzt Richard Gruben für seinen Besuch in Fahrenende. Dort erwartet er frohes ein Wiedersehen mit einem alten Freund. Stattdessen findet er einen Toten vor und steht einer verschlossenen Dorfgemeinschaft gegenüber, die ihm als Fremden nicht gerade wohlgesonnen ist. Doch was steckt hinter dem rätselhaften Tod des Malers? Die Antwort greift weit in die Vergangenheit hinein und zeigt Republikflucht, Gemäldefälschung und ein düsteres Familiengeheimnis, das die Dorfbewohner verschweigen.


Ein harmonischer, einfach zu lesender Schreibstil führt durch das Buch und besonders die Landschaftsbeschreibungen sind Anja Behn gut gelungen.
Die Handlung ist logisch aufgebaut und wird stetig komplexer, da sich die Informationen über die Personen und Zusammenhänge immer mehr verdichten. Es gibt einige Tatmotive, die man aber nicht unbedingt einem Täter zuordnen kann und so bleibt das Rätsel um den Mord und das Familiengeheimnis bis zum Schluss fraglich. Die Spannungskurve steigt am Ende noch einmal enorm an und gibt die Auflösung der Konflikte und Tatverbindungen frei. Dabei hat mich die Person des Richard Gruben noch einmal überrascht, allerdings nicht im positiven Sinn.

Bei den Charakteren blieben mir einige trotz detaillierter Beschreibung merkwürdig fremd und undurchsichtig. Während Tante Waltraut und der Polizist sofort sympathisch erschienen. Die verschlossene Art einiger Figuren hat mich vielleicht auch gleich auf Abwehrhaltung gebracht. Der Familienklüngel brachte interessante Einblicke und zeigte aber leider auch die Probleme, die sich durch die Situation der Vergangenheit in der DDR entwickelten.


Dieser Krimi zeigt eine spannende Handlung, weckt Interesse für die beschriebene Familie und zeigt eine atemberaubend schöne winterliche Ostsee. Ein empfehlenswerter Regionalkrimi, dessen Autorin sicher noch von sich hören lässt.