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Veröffentlicht am 25.11.2017

Ist Selbstoptimierung der Weg zum Glück?

Rette mich, wer kann
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Der Roman "Rette mich, wer kann" ist ein Gemeinschaftsprojekt zweier Autorinnen unter dem Pseudonym Jule Maiwald. Das Buch erscheint 2017 im Rowohlt Verlag.

Jettes Mann hat sie verlassen, nun steht ...

Der Roman "Rette mich, wer kann" ist ein Gemeinschaftsprojekt zweier Autorinnen unter dem Pseudonym Jule Maiwald. Das Buch erscheint 2017 im Rowohlt Verlag.

Jettes Mann hat sie verlassen, nun steht sie ohne Job und Zuhause da. Sie findet Zuflucht in einer Wohngruppe, die aus frisch Getrennten besteht. Dort kann Jette 12 Wochen bleiben und erhält Starthilfe für einen Neubeginn. Jette startet ihren Selbstoptimierungsplan und ihre Mitbewohner unterstützen sie nach allen Kräften. Nur Nick glaubt nicht an den Plan, über die Strategien aus Unternehmungsführung, persönliches Glück erreichen zu können.

Die Handlung beginnt mit einem Paukenschlag. Jette ist Moderatorin einer Radiosendung und verteilt Ratschläge und Lebenshilfetipps an unsichere und verzweifelte Menschen.
Plötzlich steht sie selbst im Fokus des Geschehens und erfährt vor den Ohren der Öffentlichkeit vom Doppelleben ihres Mannes. Von einem Moment auf den anderen bricht ihr bisheriges Leben auseinander.
Mit unverhofftem Glück im Unglück bekommt sie ein Zimmer in einer ganz besonderen Wohngruppe. Dort leben lauter frisch Getrennte, die sich gegenseitig umeinander kümmern und aufbauen.
Jette beginnt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und will erst einmal neuen Job finden. Dabei erlebt sie im Jobcenter eher Ablehnung als Hilfe. Denn ohne Ausbildung sehen ihre Karten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt schlecht aus. Bei dieser Szene habe ich mich schon köstlich amüsiert.
Als sie jedoch ihr Leben mit Selbstoptimierung in den Griff kriegen will, geht das Chaos los. Fast schon zwanghaft geht Jette ihre Selbstfindung an und beginnt mit dem äußeren Erscheinungsbild. Immer mehr verbessert sie auch ihr Image schlechthin und vergrault damit ihren neuen Freund Nick.

Mir hat es gut gefallen wie hier dieses Trendwort aus der Unternehmensführung in die Handlung eingebaut wurde. Schliesslich glauben viele Menschen, dass Perfektion zu einem besseren Leben führen kann, sie kann aber auch selbstzerstörerisch wirken und zum Burn-out führen.

Man erlebt mit Jette eine authentisch wirkende Figur, die aus ihrer Situation das Beste macht und auch für ihre neuen Freunde eine Hilfe sein möchte. Dabei wird nicht nur mit humorvollen, sondern auch mit ernsthaften Szenen gut unterhalten und man fühlt automatisch mit den Charakteren mit.

Der Schreibstil ist angenehm und zeigt viel Lebensnähe, auch wenn die Thematik natürlich ein wenig übertrieben ist.

Ein unterhaltsamer Frauenroman mit Humor und der Thematik der Selbstoptimierung. Glück und Erfolg gehen nicht immer die geplanten Wege.

Veröffentlicht am 24.11.2017

Langatmige Geschichte und fehlende Emotionen

Der Buchliebhaber
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Bei diesem Roman hat mich der historische Hintergrund um König Artus und den Heiligen Gral interessiert und ich erhoffte mir ein spannenden Einblick in die Suche nach einem kirchlichen Artefakt, in diesem ...

Bei diesem Roman hat mich der historische Hintergrund um König Artus und den Heiligen Gral interessiert und ich erhoffte mir ein spannenden Einblick in die Suche nach einem kirchlichen Artefakt, in diesem Fall das Buch der Ewolda.

"Der Buchliebhaber" ist ein Buch, das wie aus der Zeit gefallen wirkt. Ein Sprachstil mit Niveau und die Beschreibungen von Kirchgebäuden wie Hochaltar und Kreuzgang machen es zu etwas ganz besonderem. Und dennoch konnte es mich nicht überzeugen.

Der Autor hat den Roman in Kapitel eingeteilt, die eingeleitet werden durch Beschreibung von Teilen einer mittelalterlichen Kathedrale, wie Kreuzgang, Turm, Chor und weitere.

Charlie Lovett hat gut recherchiert, schreibt inhaltlich nachvollziehbar und flüssig und er lässt seine Liebesgeschichte zwischen Arthur und Bethany vor der Suche nach dem Buch der Ewolda entstehen und aufblühen.

Arthur ist ein trockener Bücherwurm, mittlerweile 40 Jahre alt und Single. Er wühlt sich durch die alten Manuskripte und lebt und arbeitet für die Bibliothek der Kathedrale von Barchester, sie ersetzt ihm Frau und Familie. Als Bethany, eine junge Amerikanerin, auftaucht, bringt sie Arthurs ruhiges Leben durcheinander. Sie möchte Teile der Bibliothek digitalisieren und sie damit der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das ist für Arthur ein Ding der Unmöglichkeit. Doch Bethany vermag ihn immer mehr zu überzeugen und genau diese Szenen mochte ich am liebsten lesen. Als schöne Liebesgeschichte mit Emotionen und gefühlvollem Tiefgang vermag der Roman nicht zu punkten. Es wird eher Wert auf die historischen Hintergründe gelegt und nicht auf die Figuren.

Durch Rückblenden erfahren wir vom damaligen Leben und Wirken in der Kathedrale im Mittelalter. Und so reiht sich Erkenntnis um Erkenntnis und das Rätsel Ewoldas wird Stück um Stück durch die Protagonisten Arthur und Bethany aufgeklärt. Das nimmt dem Buch allerdings die Spannung, denn diese Aufzählungen und Untersuchungen ziehen sich unheimlich in die Länge.

Auch wenn ich den Erzählstil mochte und die eingeschobenen Infos über Kirchengewerke interessiert verfolgt habe, so konnte mich das Buch nicht ohne Ermüdung unterhalten.


Trotz des interessanten Inhalts hat mir hier die Spannung gefehlt und die Emotionslosigkeit der Figuren hat mich gestört.

Veröffentlicht am 20.11.2017

Oberflächlich, zu viel Drama und wenig Weihnachtsstimmung!

Winterhochzeit
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Nach "Winterglanz"und "Inselwinter" vervollständigt "Winterhochzeit" die Reihe von Elin Hilderbrand. Alle Romane verbindet die Familie Quinn, die sich in der kleinen Pension "Winter Street Inn" auf der ...

Nach "Winterglanz"und "Inselwinter" vervollständigt "Winterhochzeit" die Reihe von Elin Hilderbrand. Alle Romane verbindet die Familie Quinn, die sich in der kleinen Pension "Winter Street Inn" auf der Insel Nantucket zur Weihnachtszeit einfinden.


Das Buch wird kapitelweise aus der Sicht von verschiedenen Personen geschildert und jeder der Familie Quinn kommt zu Wort, egal, ob ehemalige Ehefrau oder neue Freunde. Das klingt interessant und birgt die Möglichkeit, jede Figur mit ihren persönlichen Wünschen, Stimmungen und Vorstellungen näher kennen zu lernen. Das hat aber leider nicht geklappt, zu viele Sorgen, Nöte und Partnerschaftswirrungen machen mir diese Familie nicht unbedingt sympathisch. Ich hatte keine Personenprobleme durch die Menge, eher vom Inhaltlichen her sagen sie mir nicht zu.
Ich mag Charaktere, die normal sind, kleine Ecken und Kanten haben und nicht zu übertrieben dargestellt werden. Hier wird Wert gelegt auf das Besondere und auf das Äußere. Ein Beispiel möchte ich nicht vorenthalten: da geht Ava zu einem Bewerbungsgespräch für einen Job, sie möchte Karriere machen, dazu trägt sie ein Kleid von Diane Fürstenberg und ein paar Manolo Blahniks. Ihre Mutter hat gerade ein Interview bei Ellen DeGeneres, eine der bekanntesten Fernsehmoderatorinnen Amerikas. Alles ist sehr oberflächlich gehalten und inhaltliche Themen gehen nicht in die Tiefe. Da ist die Kleidung wichtiger.


Bei diesem Buch hatte ich auf eine schöne, weihnachtlich angehauchte Geschichte gehofft. Leider konnten mich die vielen problembeladenen und sehr oberflächlichen Personen nicht erreichen. Viel Drama, seichte amerikanische Soapfiguren und ein Schneesturm, der ein wenig für Winterchaos sorgte. Mehr war es für mich leider nicht. Ich bin schlicht und einfach enttäuscht von der Handlung und den nichtssagenden Figuren. Allen Personen haften zuviele Dramen und Leid an, Tablettensucht, Gefängnisstrafe wegen Betrugs und der verschollene Sohn im Afghanistan-Krieg. Und eine Tochter, die gleichzeitig zwei Freunde hat, sich nicht entscheiden kann und schließlich den neu hinzugekommenen Freund mit offenen Armen empfängt. Keine Dokusoap würde ohne diese Dramen auskommen und es ist traurig, wenn sie jetzt auch schon in Büchern angelangt sind.


Wenn ein so kleines Buch mit so vielen Hauptfiguren überfrachtet wird, die reine Normalität nur durch die Erwähnung von Designer-Kleidung und Markenlabels zur Sprache kommt, Dekoration mit Stimmung verwechselt wird, dann bleibt mir nur ein Kopfschütteln übrig.

Reine Emotionen habe ich vermisst und auf einen Zugang zu den Charakteren habe ich vergeblich gehofft. Allein Margarets beruflicher Erfolg beim Fernsehen ist wohl allen zu Kopf gestiegen. Das einzige Positive was mir an dieser Familie gefallen hat, ist der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl. So nimmt das Ende denn auch einen guten Ausgang, natürlich gerade zu Weihnachten.


Für mich war das leider ein sehr enttäuschendes Buch. Weniger Personen und weniger Probleme wären schön gewesen. Die aufwändige Brautparty und die Traumhochzeitsvorstellungen überspannen die Normalität und passen nicht zu den grundsätzlichen Problemen und der Heile-Welt-Haltung überein. Die Charaktere erscheinen mir unpersönlich und flach, mehr als 2 Sterne kann ich leider nicht vergeben, sonst würde ich andere Autoren mit ihren Werken nicht genügend wertschätzen.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Ein geniales literarisches Erlebnis!

Nussschale
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Ian McEwan hat mich mit diesem Buch völlig überrascht. Ich habe eine Dreiecksgeschichte nach dem klassischen Vorbild von Hamlet erwartet und fand mich im Uterus einer Schwangeren wieder, aus der ihr Fötus, ...

Ian McEwan hat mich mit diesem Buch völlig überrascht. Ich habe eine Dreiecksgeschichte nach dem klassischen Vorbild von Hamlet erwartet und fand mich im Uterus einer Schwangeren wieder, aus der ihr Fötus, ein hochintelligenter Knabe, seine Umwelt schon vor seiner Geburt durchschaut. Er spielt sozusagen den Hamlet nach Shakespearescher Machart und erzählt seine Geschichte, sieht den geplanten Mord am eigenen Vater und versucht sogar ihn zu verhindern. Das Ganze gibt McEwan mit herrlich trockenem Humor zum Besten und dichtet dem Fötus lakonische Bemerkungen unter, die mit Weisheit und geistiger Intelligenz beeindrucken.
Der Knabe ist hochintelligent und schon mit enormer Sprachfähigkeit ausgestattet, er ist ein fundierter Weinkenner, dank seiner trinkfreudigen Mutter kam er schon früh und oft in den Genuss einiger guter Tropfen. Er vergleicht seinen leiblichen Vater John, ein Genie der Dichtkunst, mit seinem Ziehvater und gleichzeitigem Onkel Claude, den er als dumm und sexbesessen beschreibt. Seine Mutter Trudy liebt er, wie eben Kinder ihre Mütter lieben.

Die Handlung ist so voller Überraschung, Weisheit und Witz, man liest gebannt und ist beeindruckt und hinterfragt gar nicht die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte.

Sprachlich gelingt MacEwan ein Paradestück, er erwähnt sogar den Brexit und Europas Krise und dann gleitet der Roman in die Tiefen der Poesie durch die Gedichte von Vater John.
Was jedoch als kriminalistische Tat abläuft, ist von Innen heraus betrachtet unabwendbar, jedenfalls für den Knaben.
Dieser betrachtet nämlich schon vor seiner Geburt voller Sorge die Welt außerhalb seines Mutterbauches. Doch der entwickelt schon seine Rachepläne vor der eigenen Geburt.





Nussschale ist ein sehr eindringlicher, klug geschriebener Roman, bei
dem ein wenig britischer Humor hervorblitzt und der mit seinem
ungeborenen Erzähler punktet. Hier wird philosophiert, bissig bemerkt
und gesellschaftliche Kritik geübt. Ein wenig "Hamlet to go"!

Veröffentlicht am 19.11.2017

Tolle Grundidee, der Klappentext nimmt vieles vorweg und die eigentliche Handlung beginnt erst ab der Hälfte des Buches.

Das tote Herz
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Der Thriller "Das tote Herz" ist eine spannende Reise in die schreckliche Vorstellung, durch eine Organspende auch die Neigungen des Spenders übernommen zu haben. Kann eine Organspende den Empfänger derart ...

Der Thriller "Das tote Herz" ist eine spannende Reise in die schreckliche Vorstellung, durch eine Organspende auch die Neigungen des Spenders übernommen zu haben. Kann eine Organspende den Empfänger derart verändern? Übernimmt die Psyche des Empfängers wirklich Eigenarten und Art des Spenders?

Dieser Thriller hat mit der Transplantation eines Herzens eine wirklich spannende und gruselige Grundidee. Wer möchte schon gern ein Organ von einem Serienmörder übertragen bekommen.

Im Fall des Protagonisten Kober beginnt diese Veränderung schleichend. Er trinkt auf einmal Orangensaft, ganz entgegen seiner bisherigen Gewohnheiten. Auch seine Ehefrau wird ihm zunehmend fremder und er empfindet keine großen Gefühle mehr für sie und seine Tochter. Eine interessante, aber gleichzeitig grauenvolle Vorstellung.

Die Umsetzung des Themas hat aber so seine Schwächen. Einerseits ist der Inhalt durch den Klappentext schon vorweggenommen und andererseits entwickelt sich die Hauptidee erst nach dem ersten Drittel des Buches.
Mich hat aber leider die Ausführung des Thrillers nicht überzeugt, auch wenn ich mich auf die gruselige Thematik eingelassen habe. Die Situation des Kennenlernens von Kober und Solveig wird fast in einem Nebensatz abgehandelt, sie verlieben sich sofort und dass, obwohl Solveig durch ihr traumatisches Erlebnis Männern gegenüber völlig misstrauisch und ablehnend gegenüber stehen müsste. Solche Grundgedanken passen nicht schlüssig zur Thematik.

Der knapp und präzise gehaltene Schreibstil passt gut zu einem Thriller und durch die kurzen Kapitel wird eine solide Grundspannung aufgebaut.

Aber mich hat der vorhersehbare Inhalt doch am meisten gestört. Wenn man den Klappentext gelesen hat, weiß man schon fast die gesamte Handlung. So etwas stört mich wirklich und darf einfach nicht sein.
Auch die Darstellung der Charaktere hat mich nicht überzeugt, sie erscheinen nicht echt und natürlich, sondern wie künstliche Wesen.

Wenn man der Grundidee des Buches nachgeht und im Internet recherchiert, so erfährt man, dass zwischen Spenderorgan-Empfänger und Spender durchaus übereinstimmende Vorlieben existieren können. Doch die Auswirkungen in diesem Thriller sind zu gewalttätigt und damit zu überzogen, um noch realistisch wirken zu können.

Dieser Thriller befasst sich mit einer interessanten Grundidee, die Umsetzung ist jedoch sehr vorhersehbar. Dennoch hat mich die Lektüre gefesselt und ich denke, dass Thrillerleser ebenso empfinden.