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Veröffentlicht am 12.02.2024

Kurzweilig und unterhaltsam geht die Reihe weiter

Faule Fische fängt man nicht
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"Faule Fische fängt man nicht" ist der 11. Band der Ostfriesen-Krimi-Reihe von Christiane Franke und Cornelia Kuhnert, die im Rowohlt Verlag erscheint.

Frühling in Neuharlingersiel: Übernachtung mit ...

"Faule Fische fängt man nicht" ist der 11. Band der Ostfriesen-Krimi-Reihe von Christiane Franke und Cornelia Kuhnert, die im Rowohlt Verlag erscheint.

Frühling in Neuharlingersiel: Übernachtung mit Frühstück, kombiniert mit einem Malkurs, das ist das neue Angebort auf dem Steffens-Hof . Als die Teilnehmer ihr Lieblingsbild vorstellen, zeigt das Bild von Karin Müller viel Ähnlichkeit mit einem Gemälde von Van Gogh. Es gehört Karins betagter Oma und die ist keine Kunstsammlerin. Doch Kursleiter Conrad hält das Bild für ein Original. Am nächsten Tag ist Karin tot, sie wurde ermordet und als auch Conrad stirbt, schrillen bei Rosa, Rudi und Henner die Alarmglocken. Das kann kein Zufall sein.

Eingefleischte Fans dieser Krimireihe wissen, das hier ein charmantes Ermittlungs-Trio sein "Unwesen" treibt. Henner erfährt als Postbote viel Tratsch und Rosa erfährt durch die Frauen vom Häkelclub oder beim Friseur jede Menge Klatsch. Da findet sich häufig eine Spur zu ihren Ermittlungen, an die Dorfpolizist Rudi nicht so offiziell gerät. Gemeinsam kombinieren sie die Hintergründe, vor ihnen ist kein Täter sicher. Das weiß auch Schnepel, der sich mit seiner unangenehmen Art mal wieder überall unbeliebt macht.

Der Erzählstil ist leicht und locker und immer wieder mit einer Prise Humor gewürzt. Und das pfiffige Trio sorgt mit seinem Handeln immer wieder für Wohlfühlmomente beim Tee trinken nach ostfriesischer Art, aber auch für spannende Ermittlungs-Hinweise, die der Fallaufklärung dienen. Und so finden sie doch mehr über die Tatverdächtigen heraus, als denen lieb ist.

Wie gewohnt ist Mudder Steffens Küche wieder der gesellige Treffpunkt für viele Gespräche, aber auch für die Gäste des Malkurses. Man kann sich dort nur wohl fühlen, denn die Stimmung ist wunderbar familiär, kulinarisch und voller lebensnaher Atmosphäre. Am liebsten würde ich auch einen Malkurs mit Frühstück buchen und den Rosinenzopf mit Orangenmarmelade probieren. Mudder Steffens legendäre Gerichte werden in allen Bänden immer wieder appetitmachend erwähnt, sei es Brathering und Bratkartoffeln oder Glühweinbraten mit polnischen Klössen. Am Ende des Buches gibt es einige Rezepte zum Nachkochen/-backen.

Der Täter wurde dann meiner Meinung nach dann etwas zu unerwartet aus dem Hut gezaubert, daher ziehe ich einen Stern ab. Die kurzweilige Lektüre hat mich mit dem interessanten Fall rund um das Thema Kunst - Original oder Fälschung wieder gut unterhalten. Das liebenswerte Trio ist für mich schon lange Kult und auch die Rezepte für lokale Spezialitäten gehören einfach zum Krimi dazu.


Ein kurzweiliger Regionalkrimi mit ostfriesischem Charme, viel Ratespaß und jeder Menge kulinarischen Appetitmachern.

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Veröffentlicht am 11.02.2024

Wenn aus Liebe Hass wird

Geordnete Verhältnisse
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In ihrem Gesellschaftsroman "Geordnete Verhältnisse" beschreibt Lana Lux eine toxische Beziehung, der Roman erscheint bei Hanser Berlin.

Philipp wächst bei seiner Tante auf und als er in die Schule ...

In ihrem Gesellschaftsroman "Geordnete Verhältnisse" beschreibt Lana Lux eine toxische Beziehung, der Roman erscheint bei Hanser Berlin.

Philipp wächst bei seiner Tante auf und als er in die Schule kommt, lebt er wieder bei seiner alkoholkranken Mutter. In der Schule ist der aufbrausende, rothaarige Junge ein Außenseiter und hatte nie Freunde, denn er wird schnell wütend, ist inkontinent und mag lieber Pflanzen als andere Menschen. Dann kommt Faina aus der Ukraine in seine Klasse, sie hat ebenfalls rote Haare, wird neben Philipp gesetzt und er bringt ihr Deutsch bei. Beide verbindet eine Freundschaft, die irgendwann erlischt.

Jahre später steht Faina verschuldet und schwanger wieder vor Philipps Tür, auf ihn ist Verlass, beide ziehen zusammen. Doch die Zukunft ist nicht so schön und geordnet, wie sie es sich ausmalen.


Lana Lux lenkt schonungslos und ohne Schnörkel den Blick auf die menschliche Psyche und beschreibt in ihrem Roman in eindringlicher und bedrückender Weise, was schlechte Erfahrungen in der Kindheit mit einem Menschen machen können.

In der Story entwickelt sich aus einer Kindheitsfreundschaft eine toxische Beziehung, die nicht gut ausgehen kann. Denn Philipp kann mit Gefühlen nicht richtig umgehen, er ist besessen von dem Gedanken, Faina zu kontrollieren und Faina ist lange Zeit nicht in der Lage, sich aus dieser Beziehung zu befreien. Sie ist etwas naiv und sieht in Philipp immer noch das Gute, das Hilfsbereite und den Versorger und entschuldigt häufig sein Verhalten. Als sie endlich den Schritt in die Unabhängigkeit wagt, ist es leider zu spät.

Durch die einfache, aber sehr eingängige Erzählweise wird das Leben der Hauptfiguren aus nächster Nähe beleuchtet. Viele Erlebnisse schockieren, man leidet mit den Personen und kann sich dem Ganzen einfach nicht entziehen. Insgesamt liest sich die Geschichte größtenteils düster und bedrückend, weil immer wieder bestimmte Vorgänge für Entsetzen sorgen. Das muss man aushalten können.


Dieses Psychogramm ist schonungslos, erschütternd, ergreifend und packend zugleich und hallt noch lange nach. Hier wird gezeigt, zu was Menschen fähig sind, wenn aus Liebe Hass wird.

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Veröffentlicht am 10.02.2024

Bewegend erzählter Roman um eine mutige Frau

Sturmmädchen
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Der historische Roman "Sturmmädchen" von Lilly Bernstein erscheint im Ullstein Verlag.

Elli, Margot und Käthe sind Freundinnen seit ihrer Kindheit, sie leben in der Eifel an der belgischen Grenze. Als ...

Der historische Roman "Sturmmädchen" von Lilly Bernstein erscheint im Ullstein Verlag.

Elli, Margot und Käthe sind Freundinnen seit ihrer Kindheit, sie leben in der Eifel an der belgischen Grenze. Als die Nationalsozialisten die Macht übernehmen, wird ihre Freundschaft jäh auseinander gerissen, denn Käthe fühlt sich von der neuen Ideologie angezogen, während die Jüdin Margot um ihr Leben fürchten muss. In dieser Zeit verliebt sich Elli, doch ihr großes Ziel ist es, Margot zu helfen, selbst wenn sie damit auch ihre Liebe verlieren sollte.

Lilly Bernsteins Roman spielt in den späten 30er-Jahren, als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen und mit ihrer Ideologie ganz Deutschland vergifteten. Und wie man es von der Autorin gewohnt ist, hat sie auch dieses Mal wieder hervorragend recherchiert und erzählt in flüssigem und einnehmendem Schreibstil eine spannende Geschichte. Handlungsort ist ein Dorf nahe der belgischen Grenze in der Eifel, wo der Schwarzmarkt blühte. Mit bildhaft schönen Beschreibungen lässt Lilly Bernstein die landschaftlichen Schönheiten dieser Gegend sichtbar werden und beschreibt besonders idyllisch die unbeschwerten Kindertage der drei Freundinnen. Aber die Zeiten ändern sich, die Nazis kommen an die Macht und die Freundschaft der Mädchen bricht auseinander.

Käthe lebt mit Vater und Brüdern zusammen und muss ihre Alkohollaunen ertagen, außerdem kümmert sie sich um das uneheliche Kind ihrer Schwester. Sie hofft, mit ihrer Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Frauenschaft ihrem Elend entfliehen zu können. Elli, die mit ihrer Gehbehinderung als Hinkemädchen verschrien ist, lebt in ärmlichen Verhältnissen mit ihrer Mutter, die als Hebamme tätig ist. Margot ist Jüdin, Tochter aus gutem Hause, doch mit der Machtübernahme muss sie um ihr Leben bangen. Aber Elli hat ein großes Herz und hält zu ihr, dabei ist auch sie durch ihr Handicap nicht vor den Nazis sicher.

In diesem Roman taucht man in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte ab und erlebt sehr authentisch die Verhältnisse der einzelnen Menschen und die bedrohliche Einflussnahme der Nazis.

Die Charaktere werden mit emotionaler Tiefe ausgelotet, Elli ist die Hauptfigur, die in dieser Geschichte eine starke Entwicklung durchmacht. Von einem ausgegrenzten Mädchen wird sie zu einer mutigen Heldin, die ihrer jüdischen Freundin hilft und mit ihrem Verhalten über sich hinaus wächst und sich damit auch selbst in Gefahr bringt. Sehr ans Herz gewachsen ist mir auch der kleine Friedrich, der ein mutiger und intelligenter kleiner Kerl ist. Auf seine Person darf man gespannt sein.

Anhand der drei Schicksale der Freundinnen erlebt man die ganze Bandbreite am Umfeld der Frauen und dem politischen Geschehen und wird in eine packende Geschichte hinein gezogen, die mit grauenvollen Erlebnissen, Verlust, Leid und Bedrohung, vielen Emotionen und verlorener Liebe zu überzeugen weiß.

Doch wie dramatisch die Szenen auch sein mögen, der Roman macht deutlich, wie Liebe und Freundschaft die Kraft gibt, um mutig und bewusst gegen das Böse anzukämpfen.

Eine bewegende, nachdenklich stimmende Lektüre, die sehr lebendig durch die handelnden Figuren ein dunkles Kapitel sichtbar macht.

Veröffentlicht am 09.02.2024

Eine magisch schöne Bilderbuchreise, die Hinweise auf Naturschutz enthält!

Hinter der Elfentür
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Bei Prestel Junior erscheint das Bilderbuch "Hinter der Elfentür" von Gabby Dawnay mit Illustrationen von Lars van de Goor.

In dem kleinen Dorf, wo Lilly wohnt, sind die Bewohner ständig hektisch und ...

Bei Prestel Junior erscheint das Bilderbuch "Hinter der Elfentür" von Gabby Dawnay mit Illustrationen von Lars van de Goor.

In dem kleinen Dorf, wo Lilly wohnt, sind die Bewohner ständig hektisch und dadurch unachtsam unterwegs. Doch Lilly hat einen Blick für die kleinen Dinge in der Natur und so gelangt sie mit Hilfe eines kleinen Vogels zu einer geheimen Elfentür, die in einen magischen Wald führt. Dort leben winzige Elfen, die mit dem Kreislauf der Natur leben und so ihren Zauberwald beschützen. Von ihnen lernt Lilly, dass Veränderungen klein beginnen und dass jeder Mensch dazu beitragen kann, unsere Natur und damit die Erde zu schützen.

"Wir sähen Samen früh am Morgen, was daraus wächst, ist noch verborgen." Zitat

Als Lilly im Zauberwald ankommt, entdeckt sie winzige Elfen, die sich um den Kreislauf der Natur kümmern und im Einklang mit der Natur leben. Im Zauberwald befindet sich eine üppige Naturden, da blühen Bäume, Pflanzen und Pusteblumen, es gibt Hasen, Bienen, Schmetterlinge und Bären. Und die Natur ändert sich entsprechend der Jahreszeiten. Wer diese schönen Bilder ansieht, dem geht einfach das Herz auf.

Wirklich großartig und absolut natürlich wirken die wunderschönen, bildähnlichen Fotografien des Künstlers Lars van de Goor, die den Betrachter mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten nehmen und damit für die Jahreszeiten begeistern.

Die Botschaft dieses Buches lautet: Niemand ist zu klein, um etwas im Umweltschutz zu bewirken. Es wird Kindern damit ans Herz gelegt, selbst die Natur bewusst zu erleben, achtsam zu sein und wenn möglich, die Natur selbst zu schützen. Dieses Buch zeigt praktische Hinweise, wie Kinder Naturschutz betreiben können. Allerdings beschränkt sich das auf Samen verteilen und Pflanzen zu gießen. Das ist zwar schon ein Anfang, aber man hätte auch auf die Vermeidung von Müll in der Natur hinweisen können oder darauf, Pflanzen nicht sinnlos zu zertreten oder abzureißen.
Trotzdem hilft dieses Buch, dass Kinder die Natur zu schätzen wissen, die Jahreszeiten kennen lernen und sich darüber Gedanken machen, wie sie achtsam mit der Natur umgehen können. Etwas Mithilfe der Eltern ist da sicherlich ein entscheidender Schritt, um aus Kindern achtsame Menschen zu machen.

Die Texte sind einfach zu verstehen und durch einige Reime auch sehr eingängig vorzulesen. Das verstehen schon die Kleinsten und verstehen, dass sie selbst ein Teil eines großen Ganzen sind - unserer Erde!

Diese wunderschöne Bilderbuchreise durch die Jahreszeiten unserer Natur weist auf die Wichtigkeit von Umweltschutz hin!

Veröffentlicht am 08.02.2024

Die Teichnixe und ihre Freunde

Lily und der Herzenszauber
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Bei Penguin Junior erscheint Lucy Flemings Bilderbuch "Lily und der Herzenszauber".

Teiche sind wunderschöne Plätze in der Natur und es wäre denkbar, dass dort inmitten von Fröschen und Fischen, Schmetterlingen ...

Bei Penguin Junior erscheint Lucy Flemings Bilderbuch "Lily und der Herzenszauber".

Teiche sind wunderschöne Plätze in der Natur und es wäre denkbar, dass dort inmitten von Fröschen und Fischen, Schmetterlingen und Libellen auch eine kleine Teichnixe lebt - so wie Lily! Diese kleine Nixe kümmert sich um die Teichbewohner und sorgt dafür, dass sich dort alle beschützt und geborgen fühlen. Aber als ein heftiger Sturm über den Teich hinweg fegt, liegt alles voller Äste und sieht ziemlich verwüstet aus. Lily ist verzweifelt, denn wie soll sie dieses Chaos beseitigen, damit der Teich wieder für alle ein lebenswerter Ort ist?



In diesem zauberhaft bebilderten Buch erleben Kinder eine Geschichte, die die Idylle eines Teiches zeigt und die gute Seele Lily vorstellt. Sie ist eine herzensgute kleine Nixe und hilft allen Bewohnern, spricht ihnen Mut zu und sorgt sich, das sich alle im Teich wohl fühlen.

Als dann aber ein Gewitter mit Sturm aufzieht und für ein heilloses Durcheinander von Ästen, Blättern und Zweigen sorgt, verzweifelt Lily, denn sie merkt, dass sie dagegen nicht allein ankommen kann. Sie braucht Hilfe und wendet sich an ihre Freunde, die helfen sofort und gemeinsam können sie das Chaos auch beseitigen. Man sollte immer das Gespräch miteinander suchen und auch anderen gegenüber mal seine Schwächen oder Sorgen anvertrauen. Denn dazu sind Freunde da!

Dem Buch entnehme ich die Botschaft, dass man gemeinsam mehr schaffen kann als alleine. Und dass die Freundschaft uns auch in schwierigen Zeiten hilft und trägt.

Es ist lobenswert, wie engagiert und hilfsbereit Lily den Müll aus dem Teich sammelt, um die Teichbewohner davor zu schützen. Allerdings muss man schon etwas Fantasie aufbringen, zu glauben, dass Lily den Fröschen hilft, als sie deren Behausung gegen eindringenden Regen abdichtet. Frösche können unter Wasser leben und ihnen macht die Feuchtigkeit nichts aus.

Und das Durcheinander nach dem Sturm von Zweigen und Blättern empfinden wir Menschen als Problem, Tiere dagegen wohl eher nicht.

Ein wunderschön bebildertes Buch für Kinder mit der Botschaft von Freundschaft, dem gemeinsamen Miteinander und einer sauberen Natur.

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