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Veröffentlicht am 07.02.2024

Biologische Verjüngung um jeden Preis?

Wir werden jung sein
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Im KiWi Verlag erscheint Maxim Leos neuer Roman "Wir werden jung sein".

Wegen bedrohlicher Herzerkrankungen werden vier Probanden in einer medizinischen Studie der Berliner Charité mit einem neuen Medikament ...

Im KiWi Verlag erscheint Maxim Leos neuer Roman "Wir werden jung sein".

Wegen bedrohlicher Herzerkrankungen werden vier Probanden in einer medizinischen Studie der Berliner Charité mit einem neuen Medikament behandelt. Im Laufe der Behandlung beobachtet man unerwartete Nebenwirkungen, es kommt zur biologischen Verjüngung sämtlicher Zellen. Damit gerät ihr Leben in einen Strudel unerwarteter Ereignisse.

"Wer hätte die Kraft, ein unbegrenztes Leben mit Sinn zu füllen und dann auch noch mit reifer Einsicht der eigenen Existenz ein Ende zu setzen?" Zitat Seite 205

Jakob ist gerade mal sechzehn Jahre alt und zum ersten Mal verliebt. Die Schwimmerin und Olympia-Gold-Gewinnerin Verena startet viele Jahre nach ihrem Erfolg wieder zu einem Schwimm-Wettbewerb. Jenny wünscht sich schon lange vergeblich ein Kind, keine Behandlung hat bisher Erfolg gehabt, doch plötzlich geschieht das Unerwartete. Der schwerkranke Immobilien-Geschäftsmann Wenger feiert seinen 80. Geburtstag und verabschiedet sich von seinem Leben. Doch dann folgt die Verjüngung.

Das Medikament verändert das Leben dieser Probanden, aber ist eine Verjüngung immer positiv und kommen die Menschen mit den Konsequenzen zurecht?

Diese Lektüre hat mich in ein denkbares Zukunftsszenario eintauchen lassen, bei dem das Altern per Medikament gestoppt wird und sich zu einem Verjüngungs-Prozess hin entwickelt. Das Altern der Gesellschaft könnte aufgehalten werden, aber das wirft nicht nur ethische Probleme auf. Wer wird dann noch in Würde altern? Was hat die Menschheit von jünger werdenden Menschen und wie enden sie?

Maxim Leos Schreibstil ist lebendig, scharfsinnig und mit Humor gewürzt und so vermittelt er glaubwürdig und spannend das ethisch schwierige Thema wunderbar verständlich an die Leserschaft seines Romans weiter.

Der Menschheitstraum von der ewigen Jugend wird zum Spielball der Politik, der Geldgierigen und der Einflussnahme auf Menschen, die ihr Leben vielleicht ganz anders leben wollten. Anhand der gezeigten Probanden erlebt man ihre gesundheitlichen Probleme und bekommt Einblick in ihre Wünsche und Lebenssituationen. Es werden Themen wie Kinderwunschbehandlung, Leistungssport und die Entwicklung in der Molekularbiologie angesprochen, die medizinisch und gesellschaftlich vom Autor gut recherchiert und in einen glaubwürdigen Kontext gebracht wurden.

Dieses Buch hat mir spannende Lesezeit geschenkt und mich nachdenklich gemacht. Was soll die ewige Jugend bringen, wenn wir nicht in Würde altern und sterben können?

Dieser Roman stellt das denkbare Szenario einer nicht alternden Gesellschaft vor und lässt die Vor- und Nachteile sichtbar werden.

Maxim Leo ist ein anregender, spannender und intelligenter Roman um den Menschheitstraum "forever young" gelungen, der zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 04.02.2024

Ein abwechslungsreicher und unterhaltsamer Familienroman

Töchter des Glücks
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"Töchter des Glücks" ist der zweite Teil der Bodensee-Saga von Maria Nikolai, die im Penguin Verlag erscheint.

1918: Lilly ist die zweitälteste Tochter der Familie Lindner und hat mit 18 Jahren ihre Liebe ...

"Töchter des Glücks" ist der zweite Teil der Bodensee-Saga von Maria Nikolai, die im Penguin Verlag erscheint.

1918: Lilly ist die zweitälteste Tochter der Familie Lindner und hat mit 18 Jahren ihre Liebe Arno Reichle, den jungen Erben einer Stuttgarter Seifenfabrik, geheiratet. Sie zieht von Meersburg nach Esslingen, doch dann zieht Arno in den Krieg. In dieser Zeit führt Onkel Fritz die Leitung der Fabrik und weiht Lilly in die wichtigsten Grundlagen der Geschäfte ein. In dieser Zeit plant Lilly eine eigene Kosmetiklinie mit Luxusseifen, doch dann zerbricht ihr Glück jäh, als Arno nach dem Krieg vermisst wird. Sie stellt sich mutig der Aufgabe, Arnos Familienbetrieb weiter zu führen. In der Fabrik lernt sie auch den geheimnisvollen Felix Benthin kennen und verliebt sich in ihn. Aber noch wartet sie auf Arno.
In diesem Band habe ich Lilly Lindner über einen Zeitraum von gerade mal zwei Jahren begleitet und erlebe, wie sie sich von einer zurückhaltenden, jungen Frau zu einer selbstbewussten und starken Persönlichkeit entwickelt und auch in ihrer Mutterrolle Verantwortung übernimmt. Und gerade als sie die Seifenfabrik wieder zum Laufen gebracht hat und auch ihre Pläne mit einem Schönheitssalon vorangetrieben hat, taucht ihr Ehemann wieder auf und erwartet von Lilly, dass sie wieder einen Schritt zurück tritt und ihm die Führungsrolle überlässt. Lilly fällt es schwer, mit Arno die gewohnte Beziehung weiter zu führen, denn der Krieg hat ihn verwandelt, er ist gefühllos und egoistisch.

Maria Nikolai erzählt gewohnt unterhaltsam und lässt den Zeitgeist und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten zeitgemäß einfließen. Sehr authentisch erweckt sie die Charaktere zum Leben und stattet diese Geschichte abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail aus. Auf anschauliche Weise schildert Maria Nikolai, wie das Leben der Frauen in dieser Zeit üblicherweise ablief und welche Pflegeprodukte damals schon verwendet wurden und wie sich der Markt in der Kosmetik weiter entwickelte. Und auch die kurzen Einblicke in Spionageakte haben dem Roman Spannung verliehen und die historische Entwicklung verdeutlicht.

Der geschichtliche Hintergrund wird interessant erzählt und fügt sich stimmig in die Geschichte mit ein. Ich bin in die lebendigen und bildhaften Beschreibungen in Lillys Leben mit ihren Ängsten, Sorgen und Gefühlen eingetaucht und habe die ganze Atmosphäre mitfühlen können. Es gibt einige etwas vorhersehbare Wendungen, die aber die Story in die gewünschte Bahn lenken. So müssen historische Romane erzählt werden, um die Leser in die Geschichte hinein zu ziehen.

Wer bei den vielen Figuren nicht den Überblick behält, kann sich im Personenverzeichnis am Ende des Buches orientieren und erhält einen chronologischen Ablauf der geschichtlichen Vorgänge.

Dieser Roman ist ein unterhaltsamer Wohlfühlroman, bei dem sich der Zeitgeist und die fiktive Geschichte wunderbar stimmig verbinden.

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Veröffentlicht am 01.02.2024

Mord zwischen Yoga und niederländischer Idylle

Tod in Zeeland
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Im Emons Verlag erschien 2021 Carla Capellmanns Krimi "Tod in Zeeland".

Freddie möchte über die Beziehung zu ihrem Freund Jan nachdenken, und obwohl sie von Yoga nicht viel hält, nimmt sie mit Freundin ...

Im Emons Verlag erschien 2021 Carla Capellmanns Krimi "Tod in Zeeland".

Freddie möchte über die Beziehung zu ihrem Freund Jan nachdenken, und obwohl sie von Yoga nicht viel hält, nimmt sie mit Freundin Miriam an einem Yogaseminar in Zeeland teil. Aber schon am ersten Abend entdeckt Freddie höchstpersönlich eine Leiche, sie ist zufällig die Bekannte von Jan. Ist das nun Zufall oder Schicksal? Natürlich fällt der Verdacht schnell auf Jan und Freddie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Carla Capellmanns Erzählstil ist locker und mit Humor gewürzt, bildhaft beschreibend und lässt sich flüssig lesen. Die Handlung zeigt immer wieder Einblicke in diesen Landstrich und damit kann man sich das landlandschaftliche Setting gut vorstellen. Durch die eingebauten niederländischen Ausdrücke bekommt die Story einen regionalen Anstrich, was mir gut gefällt. Nebenbei gesagt, man muss hier kein Niederländisch sprechen können, denn die Begriffe werden im Anhang übersetzt.

Die Story wird sehr unterhaltsam aus Freddies Sicht erzählt, sie lässt uns an ihrer Recherche und ihren Überlegungen im Mordfall teilhaben und berichtet von ihrer Erkundung der Halbinsel Walcheren. Auch in Bezug auf die eingefleischten Yoganer und ihre Übungen macht sich Freddie immer wieder so ihre Gedanken und mit manchen Yoga-Ansichten hat sie mich zum Schmunzeln gebracht. Die häufigen Mantras fand ich dagegen dann doch etwas übertrieben. Auch mit Miriam wurde ich nicht so recht warm, ich hatte von ihr mehr Unterstützung gegenüber Freddie erwartet.

Die Krimistory fängt recht interessant an und ist nicht so leicht zu durchschauen, leider blieb die Spannung durch die recht häufig eingebauten Yoga-Übungen besonders im Mittelteil dann doch etwas auf der Strecke. Erst zum Ende legt die Story wieder an Tempo zu, leider hat mir der übergreifende Spannungsbogen doch sehr gefehlt.

Eine unterhaltsame Krimistory mit reichlich Yoga-Content und viel Zeeland-Flair, aber zu wenig Spannung!

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Veröffentlicht am 28.01.2024

Zeitbeschreibende Familiengeschichte einer Kino-Dynastie

Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung
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München, 1926: In den Goldenen Zwanziger Jahren ist die Zeit der Filme und Kinos. Auch der mondäne Lichtspielpalast der gefeierten Theater-Schauspielerin Elsa Donaubauer und ihrem Mann Karl läuft gut und ...

München, 1926: In den Goldenen Zwanziger Jahren ist die Zeit der Filme und Kinos. Auch der mondäne Lichtspielpalast der gefeierten Theater-Schauspielerin Elsa Donaubauer und ihrem Mann Karl läuft gut und ist weit über Münchens Grenzen hinaus bekannt. Elsa bekommt das großartige Angebot einer Hauptrolle im Film von Alfred Hitchcock, doch dann verlässt sie ihr Mann für eine Revue-Tänzerin und Elsa muss sich als Kino-Besitzerin mit anderen Dingen beschäftigen. Das ist als Frau nicht einfach und sie muss sich auch noch gegen ihre Schwiegermutter behaupten, die ebenfalls bestimmte Vorstellungen an den Kinobetrieb hat.
Als der Nationalsozialismus schließlich ihre Propaganda in Filmen und Kinos präsentieren, ist der Kinobetrieb gefährdet. Kann Elsa sich behaupten und wie wird ihr Leben ohne Karl verlaufen?


Auf interessante und bildhaft beschreibende Weise erzählt Heidi Rehn vom Leben in den Zwanziger Jahren und bringt uns anschaulich und mit vielen Filmbeispielen und Schauspieler:innen diese Zeit der Kinowelt näher. Wenn man den Roman liest, bekommt man einen authentischen Eindruck vom Zeitgeschehen und vom Leben der Menschen in München, das sich in der Vorkriegszeit durch den aufkommenden Nationalsozialismus gefährlich gewandelt hat. Die Kinos wurden zu Propagandazwecken genutzt, doch das war Menschen wie Elsa überhaupt nicht recht. Sie wollte ihrem Publikum eher eine gute Auswahl an Unterhaltungsfilmen und vor allem politisch unbeeinflussten Filmen auf ihren Kinoleinwänden zeigen.

Die Familie der Donaubauer-Kinodynastie besteht aus Zenzi, Mutter von Karl, dessen Frau Elsa und den Töchtern Sidonie und Jette, Zenzis Tochter Ulla und deren Mann Heinrich.

Als sich Heinrich immer mehr in den Vordergrund drängt und Einfluss auf den Betrieb des Kinopalasts nehmen will, sorgt das natürlich für spannende Szenen, die mit einigen Intrigen gespickt sind.

Heidi Rehn hat ihre Charaktere mit vielseitigen Eigenschaften ausgestattet und zeigt mit Elsa eine starke Frau, die sich nach dem Verschwinden Karls für den Betrieb ihres Lichtspielpalasts aufreibt. Später muss sie sich Gedanken machen, wie sie ihr Kino vor dem politischen Hintergrund vor Propaganda bewahrt. Dabei hat sie die erfolgreichen Kinos in Berlin vor Augen und versucht, auch in München die großen Regisseure und Filme in ihr Programm zu bekommen. Zudem hat sie mit ihrer Schwiegermutter Zenzi auch noch Gegenwind, aber mit der Zeit erkennt man, was Zenzi wirklich wichtig ist.

Obwohl ich Elsa als pfiffige Geschäftsfrau bewundert habe, erscheint sie mir etwas distanziert dargestellt und ich wurde mit ihr nicht so recht warm. Dabei ist sie auf ihre Weise sympathisch, sehr ehrgeizig und ich habe ihren Lebensweg gern verfolgt und mich für ihr persönliches Glück gefreut. Zenzi war meine Lieblingsfigur im Roman, sie hat mich mit ihren Ecken und Kanten überrascht.

Allerdings konnte mich die Geschichte um die zahlreichen Figuren nicht durchgängig von Anfang bis Ende packen. Zu Beginn habe ich noch alles sehr gespannt verfolgt, konnte mit den Personen mitfiebern, doch später wurden einige Szenen ziemlich auserzählt und die Handlung verlief manchmal recht zögerlich.

Absolut positiv ist aber, das dieser Roman die Kinowelt nach 1926 beschreibt und besonders Cineasten zu empfehlen ist. Es wird viel über Filme, Schauspieler und Regisseure der damaligen Zeit gesprochen und darüber, welche Bedeutung und welchen Einfluss Filme und Kino auf die Menschen hatte.

Besonders gut hat mir die große Auswahl an erwähnten Filmen gefallen, sie sind alle im Nachspann mit genauen Angaben aufgelistet.


Ein interessanter Einblick in die Kinowelt der Zwanziger Jahre auf der Grundlage einer unterhaltsamen Familiengeschichte!

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Veröffentlicht am 24.01.2024

Eine unterhaltsame Geschichte für zwischendurch

Die Eisfischerin vom Helgasjön
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Frieda Lambertis Roman "Die Eisfischerin vom Helgasjön" erscheint im Harper Collins Verlag.

Rieke und Marco sind seit sieben Jahren ein Paar und machen zum ersten Mal getrennt Urlaub. Wegen einer Knieverletzung ...

Frieda Lambertis Roman "Die Eisfischerin vom Helgasjön" erscheint im Harper Collins Verlag.

Rieke und Marco sind seit sieben Jahren ein Paar und machen zum ersten Mal getrennt Urlaub. Wegen einer Knieverletzung kann Rieke den geplanten Skiurlaub nicht mitmachen, Marco fährt mit Freunden in die Berge. Doch durch einen glücklichen Zufall hat Rieke Glück im Unglück, sie erfüllt sich ihren Kindheitstraum und reist nach Lappland. Zufällig trifft sie dort auf ihren ehemaligen Studienkollegen Theo, was ihre Gefühle ins Wanken bringt. Hat die Beziehung mit Marco noch eine Zukunft?

Rieke reist nach Lappland, dem Ziel ihrer Kindheitsträume. Sie genießt die langschaftliche Schönheit und trifft unverhofft auf Theo, für den sie Gefühle entwickelt, aber sie muss trotzdem immer noch an Marco denken.

Mit Rieke wurde ich nicht so recht warm, weil ich ihre teilweise naive Art nicht so recht einschätzen konnte. Und Marco wird als Unsympath dargestellt, der Rieke nach der Verletzung im Stich lässt und allein wegfährt. Da habe ich mich schon gefragt, wenn er wirklich so mies ist, warum war Rieke dann so lange mit ihm zusammen. Natürlich ist Theo aus ganz anderem Holz geschnitzt, er umsorgt Rieke, sie entwickelt Gefühle für Theo, aber er hat Frau und Kinder und die Lappland Reise endet schneller als erwartet.

Der flüssige und unterhaltsame Erzählstil Frieda Lambertis hat Zugkraft und ich habe trotz einiger Vorahnungen den Roman gespannt bis zum auflösenden Ende gelesen. Doch die Handlung ist mir teilweise einfach nicht packend genug, es fehlt an Tiefgang und die Geheimnisse einiger Charaktere sind irgendwie zu konstruiert und für mich nicht so recht nachvollziehbar.

Angefixt vom Buchtitel hatte ich mich sehr auf das Leben in Lappland und speziell aufs Eisfischen gefreut. Leider erlebt Rieke diese Aktion nur ein einziges Mal. Warum sie gleich mehrere Fische angelt, aber keinen einzigen davon ausnehmen kann, hat mich enttäuscht. Das sollte man sich doch vorher überlegen. Dafür bin ich genüsslich in das Setting dieser schwedischen Landschaft eingetaucht und habe mir die Polarlichter beim Lesen vorgestellt.

Dieser Roman zeigt eine junge Frau in ihrer Selbstfindungsphase, es ist eine unterhaltsame Geschichte für zwischendurch mit ein wenig skandinavischem Flair.