Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2024

Eine entsetzliche Familientragödie mit schwieriger Beweislage

Wintermord
0

Im Aufbau Taschenbuch Verlag erscheint mit Wintermord der 13. Band der Rügen-Krimi-Reihe um Romy Beccare von Katharina Peters.

Anfang Dezember wird die Leiche des 20-jährigen Benjamin Koller im Jasmund ...

Im Aufbau Taschenbuch Verlag erscheint mit Wintermord der 13. Band der Rügen-Krimi-Reihe um Romy Beccare von Katharina Peters.

Anfang Dezember wird die Leiche des 20-jährigen Benjamin Koller im Jasmund gefunden. Er lehnt wie schlafend an einem Baum, doch der Schein trügt, denn wie sich herausstellt, wurde er getötet. Als Hauptkommissarin Romy Beccare und ihr Team die Ermittlungen aufnehmen, finden sie heraus, dass die Familie von recht vielen Schicksalsschlägen heimgesucht wurde. Vor einigen Jahren verschwand zunächst der Großvater spurlos, dann starb die Mutter bei einem Autounfall, der Vater nahm sich kurz darauf das Leben und nun, nach Benjamins Tod bleibt nur noch der jüngere Bruder, der 18-jährige Jakob, allein zurück. Bei den Ermittlungen fällt der Name Koller in Verbindung mit dem Cold Case eines achtjährigen Mädchens auf, die von den Kreidefelsen in den Tod gestürzt war. Benjamin Koller hatte auf das Mädchen aufgepasst. Gibt es zwischen den Fällen eine Verbindung?


Diesem Krimi liegt eine Familie zugrunde, die fast komplett ausgelöscht wurde. Die Schicksalsschläge überleben nur die Großmutter, die weit entfernt wohnt und der hochintelligente 18-jährige Jakob. Wie kann Jakob mit diesen Verlusten umgehen?

Der Todesfall von Benjamin bringt die Ermittlungen von Romy Becare und ihrem Team ins Rollen. Sie untersuchen den Fall vom verschwundenen Großvater und finden heraus, dass der Tod der Mutter ein Unfall war und kein Fremdverschulden vorlag. Aber dann führt sie Benjamins Name zu einem Cold Case und neue Fakten bringen den Stein der Wahrheit ins Rollen. Der alte Fall wird wieder aufgenommen und bringt erstaunliche Hintergründe ans Tageslicht.

Die Handlung birgt viele Fragen zu den Tathergängen, auch wenn offensichtliche Tatsachen gefunden werden. Es gibt immer wieder raffinierte Schachzüge der Ermittler, bei denen ich gehofft habe, dass sich der Täter nun doch endlich verrät. Aber diesem kniffligen Fall lässt sich nur mit zufälligen Fakten und reichlich Recherchearbeit beikommen. Man ahnt, wer der Täter ist, fragt sich nach den Gründen, aber lange Zeit sind stichfeste Beweise einfach nicht vorhanden.

Die Insel Rügen wird mit regionalen Schauplätzen bildhaft ins Spiel gebracht, man kann sich die winterliche Stimmung dort gut vorstellen und die Todesfälle sorgen zusätzlich für Gänsehautgefühle.

Der Erzählstil von Katharina Peters ist flüssig, wunderbar situationsbeschreibend und sie hat mich mit diesem raffiniert ausgeklügelten Krimi von Anfang bis zum Ende gepackt. Hier kann man gut miträtseln, hat einen Verdacht und weiß trotzdem nicht, warum und wieso genau dieser Täter hätte zuschlagen sollen. Das Ende hat mich dann von meiner anhaltenden Spannung erlöst und ich konnte das Buch mit ruhigem Gewissen zuschlagen.

Es gibt einige fragwürdige und verwirrende Indizien und wage Vermutungen zum Täter, die man einfach nicht glauben mag. Romy wird durch die pensionierte Ruth Kranold unterstützt und sie hat den engagierten und fachlich schlau agierenden Finn Maurer an ihrer Seite, der zwar recht jung ist, aber dennoch den Fall mit seinen Entdeckungen und entscheidenden Befragungen in die entscheidende Richtung manövriert.


Ein fesselnder und interessant aufgebauter Krimi, bei dem die Beweisführung die entscheidende Rolle spielt. Für alle Fans der Reihe unbedingt zu empfehlen und auch Quereinsteiger können diesen Band ohne Vorkenntnisse lesen.

Veröffentlicht am 22.02.2024

Spannende Fortsetzung der Reihe

Blutrot
0

Der Island-Krimi "Blutrot" von Lilja Sigurðardóttir ist der zweite Band der Áróra-Reihe, die im Dumont Verlag erscheint.

Der reiche Unternehmer Flosi kehrt abends in sein Haus zurück, es ist alles durchwühlt ...

Der Island-Krimi "Blutrot" von Lilja Sigurðardóttir ist der zweite Band der Áróra-Reihe, die im Dumont Verlag erscheint.

Der reiche Unternehmer Flosi kehrt abends in sein Haus zurück, es ist alles durchwühlt und verwüstet, seine Frau Gudrun ist verschwunden, ein Schreiben mit einer Lösegeldforderung deutet auf eine Entführung hin. Da er die Polizei nicht einschalten darf, meldet er sich bei Áróra, die sich um Fälle von Wirtschaftskriminalität kümmert. Gemeinsam mit dem befreundeten Kriminalkommissar Daniel übernimmt sie inoffiziell die Ermittlung im Entführungsfall Gudruns.

Der zweite Band der Krimi-Reihe startet mit einem Entführungsfall, bei dem Flosi, der Mann der entführten Gudrun, eine hohe Lösegeldsumme eines Auslandskontos von seinem Vermögensverwalter anfordert. Für den grenzüberschreitenden Transport des Geldes ist Finanzermittlerin Áróra zuständig, die zuvor in England gelebt hat und nach der vergeblichen Suche nach ihrer verschollenen Schwester auf Island geblieben ist.

Sigurdardottir schafft es mit einem kniffligen Fall und spannend geschilderten Ermittlungen mit zahlreichen Wendungen, ihre Leser in die Aufklärung der Entführung mitzunehmen und mitraten zu lassen. Mit kurzen Kapitel und häufigen Szenenwechseln wird zusätzlich Spannung erzeugt. Der Schreibstil ist recht sachlich und prägnant gehalten und wirkt insgesamt eher düster, was ich bei Krimis sehr schätze. Allerdings kommt das Setting der nordischen Landschaft Islands in diesem Band nicht groß rüber, die Handlung konzentriert sich mehr auf die allgemeine Spurensuche, die Beziehungen der Figuren miteinander und speziell auf Flosis Unternehmen und seine Finanzen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, dieses Mal gibt es mehrere potentielle Verdächtige, es werden private und geschäftliche Verstrickungen aufgedeckt, bei denen man als Leser gut miträtseln kann.

Die Darstellung der Charaktere empfinde ich durchgängig als authentisch, Áróra wirkt sehr selbstbewusst und äußerlich hart, sie beherrscht Selbstverteidigung und neigt zu unüberlegten Reaktionen. Das macht sie nicht gerade sympathisch, aber interessant. Dagegen erscheint Daniel aufgrund seiner menschlichen Art sofort sympathisch und bei beiden bahnt sich eine Beziehung an, die sicher noch weiter vertieft wird. Auch Helena wird nun durch ihr Outing besser greifbar und ich bin gespannt, welche Aufgabe ihr im nächsten Band zugedacht wird.

Aufgrund der personellen Entwicklung und Hintergründe sollte man die Reihe von Beginn an lesen.

Dieser Fall wurde fesselnd dargestellt und schlüssig gelöst, das Rätsel um die verschwundene Schwester wird offensichtlich auf den Folgeband verschoben. Man darf gespannt sein, denn diese Autorin schafft es, aktuelle und spannende Themen in ihre Krimis einzubauen.

Veröffentlicht am 20.02.2024

Hauptsache man hat Spaß!

Weitsprung mit Schwein
0

Henrike Wilsons Bilderbuch "Weitsprung mit Schwein" ist für Kinder ab vier Jahren und erscheint bei DTV.

Die Tiere veranstalten einen Wettkampf, das läuft genauso ab wie bei den Menschen. Sie laufen, ...

Henrike Wilsons Bilderbuch "Weitsprung mit Schwein" ist für Kinder ab vier Jahren und erscheint bei DTV.

Die Tiere veranstalten einen Wettkampf, das läuft genauso ab wie bei den Menschen. Sie laufen, springen, werfen, klettern und schwimmen um die Wette. Beim Laufen hat die Ente mit ihren kurzen Watschelbeinchen keine Chance gegen die anderen und der Hase gewinnt ganz klar das Rennen. Prompt lachen alle die Ente aus, dabei kann sie doch nichts für ihre kurzen Beine. Danach ist der Weitsprung an der Reihe und hier versagt das Schwein, denn es stolpert über seine Hufe. Wieder lachen alle, nur die Ente und das Schwein nicht. Und so geht es weiter, es gibt immer wieder Disziplinen, bei denen ein Tier nicht so perfekt abschneidet. Aber ist das denn überhaupt wichtig? Jeder hat doch seine persönlichen Stärken und über die Schwächen sollte man einfach nicht lachen. Das ist echt uncool! Viel wichtiger ist doch, das man gemeinsam Sport macht, dabei Spaß hat und sich gemeinsam freuen kann, wenn alle mitmachen.


Dieses Buch lässt sich durch die lebensnahen Textzeilen super vorlesen, man hat dabei das Gefühl, hier berichtet ein Sportreporter, der die Tiere bei ihrem Wettkampf begleitet. Man kann super bei den Disziplinen mitfiebern und über die Fehlversuche lachen, die aussagestarken Bilder sind klasse anzusehen und unterstreichen die Geschichte auf humorvolle Art. Denn mal hängt den Tieren die Zunge vor Anstrengung aus dem Hals oder man schwitzt vor Anstrengung förmlich mit, als das kleine Eichhörnchen versucht, einen Medizinball zu werfen. Ausnahmsweise verrate ich mal, es schafft nur ein paar Zentimeterchen. Aber das ist nicht schlimm, trotzdem sollte man es immer versuchen und mit den anderen gemeinsam Freude an der Bewegung und am Wettkampf haben. Dieses Buch möchten meine Lesekinder sich immer wieder ansehen und vorlesen lassen.

Henrike Wilsons hinreißendes Bilderbuch enthält eine großartige Botschaft. Es ist etwas für Kinder, die vielleicht im Sport keine großen Erfolge erzielen, aber trotzdem gerne dabei mitmachen und richtig viel Spaß mit ihren Freunden haben.


Einer kann richtig weit werfen, jemand anderes wirft sogar rückwärts und alle lachen. Es ist egal, Hauptsache, man hat Spaß! Dabeisein ist alles!

Veröffentlicht am 20.02.2024

Ein entzückender Vorlesespaß mit Spieleffekten

So wunderbare Ostern! – Mein Pop-up-Überraschungsbuch
0

Im Penguin Junior Verlag erscheint Olga Strobels Pop-up-Bilderbuch "So wunderbare Ostern" für Kinder ab 2,5 Jahren.

Dieses Jahr ist es endlich soweit, Osterhase Ben darf zum ersten Mal Ostereier verteilen! ...

Im Penguin Junior Verlag erscheint Olga Strobels Pop-up-Bilderbuch "So wunderbare Ostern" für Kinder ab 2,5 Jahren.

Dieses Jahr ist es endlich soweit, Osterhase Ben darf zum ersten Mal Ostereier verteilen! Er nimmt den gefüllten Korb und hüpft fröhlich los. Was gibt es da nicht alles in der Natur zu sehen! Unterwegs trifft Ben ein paar Freunde, denen er schnell mal hilft. Nur leider verliert Ben dabei alle Ostereier. Aber seine Freunde sind zur Stelle und helfen ihm, das Osterfest zu retten. Nun wird gemeinsam Ostern gefeiert.

Dieses stabile Papp-Bilderbuch ist auch schon etwas für die Kleinkinder. Der Text wird in lustigen Reimen erzählt und Kleinkinder verstehen schon gut, was dort in der Geschichte passiert. Die bunten und fröhlichen Bilder zeigen entzückende Tiere und Pflanzen, die im Frühling zu neuem Leben erwachen. Und der Anblick der bunten Ostereier in Bens Körbchen lässt auch bei den Kindern die Vorfreude auf das Osterfest wachsen. Da werden Blumen gegossen, Haustüren mit Osterkränzen geschmückt und Ben füttert die Ferkel mit Möhren. Und weil Ben alle Eier verloren hat, helfen ihm seine Freunde, denn sie alle wollen Ostern feiern.

Doch das Großartige in diesem Buch sind die tollen und überraschenden Effekte durch Schieber und Pop-up-Effekte. Den Hasen Ben mal eben hüpfen zu lassen, macht richtig Spaß. Das verleitet Kinder zum Mitmachen und Erzählen, schult dabei die Motorik und fördert die Sprachentwicklung.

Es ist ein entzückender Vorlesespaß, bei dem sich Kinder aktiv durch die Pop-up-Effekte beteiligen können und selbst erzählen, was dort gerade geschieht. Für Ostern meine Buch-Empfehlung fürs Osternest!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2024

Dunkle Spuren der Vergangenheit

Rügentod
0

Der Krimi "Rügentod" von Sylvia Frank erscheint im Aufbau Verlag. Der Name gehört dem Autorenehepaar Sylvia Vandermeer und Frank Meierewert.

Rügen in den zwanziger Jahren: Dorothee von Stresow ist erfolgreiche ...

Der Krimi "Rügentod" von Sylvia Frank erscheint im Aufbau Verlag. Der Name gehört dem Autorenehepaar Sylvia Vandermeer und Frank Meierewert.

Rügen in den zwanziger Jahren: Dorothee von Stresow ist erfolgreiche Krimiautorin und lebt in Berlin. Nun kehrt sie anlässlich einer Schulfeier zurück auf die Insel Rügen, seit dem Tod ihrer Eltern beim Brand auf ihrem Gutshof war Dorothee nicht mehr hier. Sie trifft ihre alte Schulfreundin Margarethe, die ihr am nächsten Tag neue Erkenntnisse über den damaligen Brand mitteilen möchte. Doch bevor es dazu kommt, stirbt Margarethe durch einen Anschlag. Hier möchte jemand verhindern, dass Dorothee etwas über die Brandnacht erfährt. Doch Dorothee lässt sich nicht einschüchtern und nimmt mit dem Tierarzt Albert Badrow die Ermittlungen auf. Dabei genießt sie die Zeit mit dem Sohn ihres früheren Verwalters, weil sie schon als Mädchen in ihn verliebt war.

Die Geschichte spielt in den 20er Jahren, damals war Rügen bereits ein mondänes Seebad und die Gesellschaft in unterschiedliche Klassen aufgeteilt. Dorothee ist eine selbstbewusste Frau mit einem klaren Verstand, sie fährt Auto und ist für ihre Zeit ziemlich emanzipiert. Nun möchte sie endlich das Rätsel um den Tod ihrer Eltern lösen dieser Verlust und die Unaufgeklärtheit der Umstände lasten ihr schon lange auf der Seele. Sie mischt sich ungefragt in die Ermittlungen, was der Kommissar häufig einfach so hinnimmt.

Der Erzählstil wirkte auf mich nicht sehr flüssig und die Dialoge recht steif, womit vielleicht versucht wurde, die Sprache der Zeit nachzuempfinden. Außerdem läuft die Handlung ohne große Überraschungen und mit häufigen Situationsbeschreibungen ab, wobei die Täterverfolgung etwas in den Hintergrund tritt und dem Krimi dadurch die Spannung nimmt.

Die Charaktere werden insgesamt recht grob beschrieben, aber Dorothee bekommt mehr Facetten und scheint als Frau weit ihrer Zeit voraus zu sein. Denn sie ist unverheiratet und recht forsch, fährt Auto und bringt die Ermittlungen auf eigene Faust voran, ohne irgendwo anzuecken. Das wirkt etwas übertrieben und sehr emanzipiert. Durch dieses Verhalten und den fehlenden Einblick in ihre Gedanken kam sie mir nicht sehr nahe.

Ich fand es ungewöhnlich, dass Handlungen der Jagd und etwas über Wölfe in die Story eingebunden wurden. Doch das hat die Geschichte für mich auch nicht spannender gemacht, ganz im Gegenteil. Die einzelnen Ermittlungsteile fügen sich am Ende stimmig zu einem Ganzen, aber mich konnte die Handlung nicht überzeugen.

Insgesamt eher ein durchwachsener Krimi, der mich nicht vollständig überzeugen konnte und von dem ich mehr Spannung erwartet habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere