Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2022

Sehr schönes Buch über Leben und Werke Klimts

Klimt
0

"KLIMT" von Angela Wenzel erscheint in der Paperback-Reihe "Große Meister der Kunst" vom Prestel Verlag.

Gustav Klimt (1862–1918) prägte den Wiener Jugendstil, sein Ruhm erstrahlt im Glanz seiner goldenen ...

"KLIMT" von Angela Wenzel erscheint in der Paperback-Reihe "Große Meister der Kunst" vom Prestel Verlag.

Gustav Klimt (1862–1918) prägte den Wiener Jugendstil, sein Ruhm erstrahlt im Glanz seiner goldenen Phase, aus der seine berühmtesten Werke stammen, wie beispielsweise »Der Kuss«(1908/09) oder »Adele Bloch-Bauer I« (1907). Und gerade mit seinen ornamentalen Bildern hat er sich einen Namen gemacht, dazu gehören »Bauerngarten mit Sonnenblumen« oder »Tod und Leben«. Durch seine provokanten Werke war er umstritten, doch sie machten ihn zu einem Erneuerer der Wiener Malerei.

In der Einleitung dieses Paperbacks verfasst die Autorin einen treffenden Eindruck über das Werk des österreichischen Malers. Dann folgen Informationen zum Leben, dem privaten und politischen Umfeld während der K.-u.-k.-Monarchie, sowie die Beziehungen zu Künstlern seiner Zeit, wie Egon Schiele und Koloman Moser. Das anschließende Kapitel zeigt eine ausgesuchte Vorstellung seiner Werke, die in guter Qualität abgebildet werden. Dieses Buch bringt Klimts Vielseitigkeit zum Ausdruck. Er fertigte große Wand- und Deckengemälde in Wien und Österreich-Ungarn, erstellte den Beethovenfries im Ausstellungsgebäude der Wiener Secession, die Klimt mitbegründete und malte diverse Frauenporträts und Landschaftsbilder.

Die gezeigten Werke werden mit zeitlichem und künstlerischem Bezug erklärt, sie sind chronologisch angeordnet und verdeutlichen die künstlerische Entwicklung Klimts.
Seine Gemälde, Wandmalereien oder Friese zeichnen sich durch schimmernde und brillante Farben, florale und mosaikartige Muster aus und er befasste sich mit den Themen: Liebe, weibliche Schönheit, Alter und Tod. Bei seinen Porträts stellte er Emotionen dar, was im Wiener Bürgertum als provokant und tabu angesehen wurde.

Dieses toll bebilderte und sehr umfassend informierende Buch bietet einen guten Überblick über Klimts Lebenswerk mit Erfolgen, Skandalen und Affären. Für Kunstliebhaber eine gelungene Einführung in Gustav Klimts Werk!

Veröffentlicht am 20.07.2022

Gut erzählte Erfolgsgeschichte der Unternehmerin der Steiff-Tiere

Fräulein Steiff
0

Im Goldmann Verlag erscheint der biografische Roman "Fräulein Steiff" von Maren Gottschalk.

Margarete Steiff wird 1847 in Giengen (Schwaben) als eines von vier Kindern geboren, sie erkrankt an Kinderlähmung ...

Im Goldmann Verlag erscheint der biografische Roman "Fräulein Steiff" von Maren Gottschalk.

Margarete Steiff wird 1847 in Giengen (Schwaben) als eines von vier Kindern geboren, sie erkrankt an Kinderlähmung und bleibt zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt. Mit viel Willensstärke und Lebensmut kämpft sie darum, selbständig und unabhängig zu sein. Zunächst wird sie Schneiderin, später eröffnet sie ein Filzgeschäft. Die zündende Idee für Plüschtiere kommt ihr, als sie ein Nadelkissen in Form eines Elefanten näht, den ihr kleiner Neffen sofort ins Herz schließt: Das Elefäntle.

Das "Elefäntle", zuerst noch als Nadelkissen gedacht, war das erste weich gestopfte Spieltier welches Margarete Steiff kreierte. Es ist der Beginn eines noch heute florierenden Unternehmens in dem Margaretes Motto "Für Kinder ist nur das Beste gut genug" (Zitat Seite 302) immer noch gilt.

Margarete Steiff trotzte ihrem Handicap und wurde erfolgreiche Unternehmerin und Mutter aller Teddybären.

Die Autorin erzählt in zwei Zeitebenen aus dem Leben der Margarete Steiff und schafft damit eine Art von Spannungsaufbau. Detaillierte Erlebnisse aus der Kindheit wechseln sich mit den Vorgängen von Gretes Firmengründung ab. So kommt man der Person Margarete Steiff sehr nah, erkennt ihre schwierige, aufgrund der Lähmung auch isolierte Situation in der Kindheit, erlebt ihre vielen Arztbesuche und fühlt, wie sie sich ihren Platz im Leben schafft und als Unternehmerin sich auch um ihre Mitabeiterinnen sorgt.

Der fiktive Roman ist gegründet auf biografischen Fakten, er lässt uns auf lebendige Weise teilhaben, wenn Gretle ständig auf Hilfe angewiesen ist und getragen werden muss und wie sie unvergessliche Wochen in der Kinder-Klinik erlebte. Die Geschichte wird aber auch angereichert mit interessanten Schritten im Schneiderhandwerk bis hin zu ihrer Firmengründung und dem Bau des Jungfrauenaquariums. So zeichnet Maren Gottschalk ein umfassendes und mitreißendes Bild dieser bemerkenswerten und mutigen Frau, deren Kuscheltiere mit dem Knopf im Ohr über Deutschlands Grenzen hinaus berühmt wurden und heute noch hergestellt werden.

Das ausgewogen dargestellte Verhältnis zwischen Alltagsleben und Freundschaften und der informativen Gründungsgeschichte hat mir gut gefallen. So bekommt man einen umfassenden Eindruck der damaligen Zeit und von der Person Margarethe Steiff.

Ein interessanter und unterhaltsamer Roman um eine beeindruckende Frau, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg ging und ein Familienunternehmen von Weltruf gründete.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2022

Wunderschön erzählter Roman über Amore und Dolce Vita

Villa Amalfi
0

Der Roman "Villa Amalfi- Träume über dem Meer" von Giulia Romanelli ist der erste Band der Amalfi-Reihe und erscheint im Lübbe Verlag.


Idas gewalttätiger Vater will sie an einen älteren, unangenehmen ...

Der Roman "Villa Amalfi- Träume über dem Meer" von Giulia Romanelli ist der erste Band der Amalfi-Reihe und erscheint im Lübbe Verlag.


Idas gewalttätiger Vater will sie an einen älteren, unangenehmen Mann verheiraten, um der Sache zu entgehen, rät ihre Mutter ihr zur Flucht aus dem kleinen italienischen Bergdorf Tramonti und schickt sie zu ihrer Schwester. Das Glück ist auf Idas Seite, sie bekommt eine Anstellung im Hotel Villa Amalfi, wo sie mit ihrer fleißigen und liebenswürdigen Art vom Eigentümerpaar und den Gästen gern gesehen ist. Sie freundet sich mit Margherita an, die im Hotel mit Söhnchen Piero Urlaub macht. Die wunderschöne Amalfi-Küste mit ihrem azurblauen Wasser bezaubert Ida immer mehr und sie genießt ihr Leben. Doch das Glück hat einen Haken, denn sie wird ständig von Guendalina, der Tochter der Eigentümer, schikaniert. Und als sich beide in denselben jungen Mann verlieben, beginnt ein erbitterter Kampf.

"Jedem Menschen widerfährt früher oder später im Leben Schlimmes - das lässt sich nicht vermeiden. Wichtig ist, wie man damit umgeht." Zitat Seite 21

Der Roman spielt in den 50er Jahren, als die Amalfi-Küste allmählich von Touristen als Urlaubsgegend entdeckt wurde. Ida flieht vor ihrem Vater und nutzt ihre Chance im wunderschönen und gastfreundlichen Hotel Villa Amalfi. Mit Fleiß und ihrer offenen, angenehmen Art gewinnt sie die Herzen der Gäste und der Eigentümer. Sie verliebt sich in Reiseleiter Ranieri und könnte kaum glücklicher sein, würden ihr nicht die Intrigen von Guendalina das Leben schwer machen.

Die hervorragend erzählte Geschichte lässt sich wunderbar lesen, das italienische Flair im familiengeführten Hotel weckt Sehnsucht auf einen eigenen Urlaub und Idas erlittenes Leid durch den Vater lässt mich von Anfang auf einen glücklichen Anfang in Amalfi hoffen. Ida macht sich schnell beliebt, was der verwöhnten Guendalina ein Dorn im Auge ist, sie piesackt Ida und wird in die Schranken verwiesen. Manche Hürden in Idas Leben ebnen sich zu leicht, auch wenn ich es ihr von Herzen gegönnt habe. Guendas Verhalten fand ich etwas zu aufgesetzt und auch mit Idas Liebe zu Ranieri konnte es nicht gut gehen. Es gibt einige liebenswerte Figuren, die ich gern begleitet habe, manche Handlungen haben mich verwundert und überrascht, aber der Geschichte ein versöhnendes Ende geschenkt.

Der schöne Erzählstil liest sich ganz wunderbar, die Szenerie der 50er Jahre hat Giulia Romanelli authentisch mit Modestil, Musik und Lebensart bildhaft schön beschrieben und die Figuren sprühen voller Leben, sodaß man mit Lesen kaum aufhören kann. Dieser Roman erzählt von italienischer Urlaubskultur und spritziger Lebensfreude, von leckerer Pasta, einem liebenswerten Hotelteam und einer starken Protagonistin, die sich nicht unterkriegen lässt.

Villa Amalfi versetzte mich sofort in Urlaubslaune, die Autorin gibt die zauberhafte Szenerie der Amalfi-Küste auf atmosphärische Weise in bildhaften Szenen mit bunten Farben und Stimmungen wieder. Ich bin schon sehr neugierig auf den Folgeband und wäre gern wieder in der Villa zu Gast.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2022

Lockere Krimiunterhaltung mit 50er-Jahre Flair

Frisch ermittelt: Der Fall Vera Malottke
0

Der Auftaktband der "Heißmangel-Reihe" lautet "Frisch ermittelt: Der Fall Vera Malottke". Der Krimi wurde geschrieben von Christiane Franke und Cornelia Kuhnert und erscheint im Rowohlt Verlag.

Leer ...

Der Auftaktband der "Heißmangel-Reihe" lautet "Frisch ermittelt: Der Fall Vera Malottke". Der Krimi wurde geschrieben von Christiane Franke und Cornelia Kuhnert und erscheint im Rowohlt Verlag.

Leer 1958: Martha Frisch ist Witwe, Mitte Fünfzig und recht patent. In ihrer Heißmangelstube erfährt sie den neusten Tratsch der Stadt und als ihre Kundin, die Edelprostituierte Vera Malottke, tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, kursieren die wildesten Gerüchte. Die Polizei zeigt wenig Interesse und schießt sich schnell auf einen entlassenen Straftäter ein, den die Tote getroffen hatte. Es scheint so, als wolle Kommissar Ludger Onnen bestimmte, einflussreiche Männer, die bei Vera ein und aus gingen, vor Verdächtigungen schützen. Doch da hat niemand mit Martha gerechnet, sie findet diese Doppelmoral schrecklich und geht der Sache gemeinsam mit ihrem Neffen, dem Wachtmeister Hans Frisch, und ihrer Enkelin Annemieke nach.

Dieser Krimiauftakt spielt in den 50er Jahren, Heißmangelbetreiberin Martha Frisch stellt sich uns als neue Hobbyermittlerin vor. Ihre ungewöhnliche Art, sich in die Ermittlungen einzumischen, macht einfach Spaß. Inhaltlich erinnert der Fall an den authentischen Fall der ermordeten Rosemarie Nitribitt und zeigt mit dem Umfeld, wie die Gerüchteküche kocht und die Polizei bei ihren Mordermittlungen bewusst einige einflussreiche Herren bzw. Kunden ausklammert und sich auf einen aus dem Gefängnis entlassenen Mann stürzt. Martha schätzte Vera Malottke als treue Kundin und sie hält nichts von Voruteilen, deshalb geht sie dem Fall auf den Grund, hört sich den Klatsch an und findet dank eigener Spekulation heraus, wer Vera zum Schweigen bringen wollte. Da gibt es einige Verdächtige, die ihre Besuche bei Vera am liebsten verschweigen möchten. Neben dem zeitlich passenden Rahmen sorgen ein paar Wendungen bei diesem unblutigen und grundsoliden Krimi für die Möglichkeit, mitzurätseln.

Wer den Schreibstil der Autorinnen kennt, darf sich freuen, dass er sich auf gewohnt lockere, humorvolle und absolut flüssige Unterhaltung einstellen kann. Durch die kurzen Kapitel mit ständig wechselnden Perspektiven lässt sich die Geschichte auch sehr flott lesen. Der Fall gestaltet sich durch die Ermittlungen der interessanten Figuren sehr abwechslungsreich und man kann gut miträtseln.

Bei den Charakteren punktet in erster Linie die toughe Martha, die immer wieder Hinweise findet, die der Lösung des Falls dienlich sind. Doch auch ihr Neffe Hans, Enkelin Annemieke und der Anwalt Hugo von Mühlbach bringen frischen Wind in die Handlung. Einige unsympathische Figuren sorgen mit ihren altbackenen Ansichten für das typische prüde Standardbild der damaligen Zeit. Außerdem hängen noch einige Nazigedanken in der Luft, was bei mir einen etwas negativen Eindruck hinterlässt und mich deshalb von der Formulierung eines Wohlfühlkrimis abhält. Ein wenig mehr Spannung hätte ich mir gewünscht, aber dafür finde ich die Atmosphäre der 50er-Jahre durch Musikstil, Mode und auch sprachliche Geflogenheiten sehr passend dargestellt und fühlte mich absolut in die Zeit versetzt.

Die Heißmangelreihe hat mich mit diesem lockeren Krimiauftakt und dem eingefangenen Zeitgeist gut unterhalten und ich freue mich auf eine Fortsetzung nach bekanntem Strickmuster.

Veröffentlicht am 11.07.2022

Emotionale und überaus rührselige Geschichte

Nach dem Sturm kommt das Licht
0

Amanda Prowse ist die Autorin von "Nach dem Sturm kommt das Licht" der bei Tinte & Feder erscheint.

Merrin lebt in Port Charles an der zauberhaft schönen Küste Cornwalls. Sie erhält einen Heiratsantrag ...

Amanda Prowse ist die Autorin von "Nach dem Sturm kommt das Licht" der bei Tinte & Feder erscheint.

Merrin lebt in Port Charles an der zauberhaft schönen Küste Cornwalls. Sie erhält einen Heiratsantrag ihres Freundes Digby und plant mit ihrer Familie ihre Hochzeitsfeier. Doch dann hebt ein Ereignis Merrins Welt aus den Angeln und sie wird zum Mittelpunkt des Geredes in Port Charles, wo jeder jeden kennt. Sie beginnt einen Neuanfang und kehrt nach Jahren wieder in die Heimat zurück. Da muss sie sich wieder dem Erlebten stellen.

In diesem Coming-of-Age-Roman treffen wir Merrin, eine sympathische Protagonistin, die zunächst das größte Glück erlebt und dann von einem auf den anderen Moment eine schmerzhafte Erfahrung machen muss. Bis es zu diesem Punkt kommt, ist aber schon ein Viertel des Buches erreicht.
Danach geht es um die Aufarbeitung innerhalb ihrer Familie und einen Wohnortwechsel, denn Merrin möchte dem Klatsch in ihrem Fischerdort entfliehen und ohne die Erinnerung an das Ereignis leben.
Nach einigen Jahren sorgt eine Familientragödie dafür, dass Merrin wieder zurück in ihre Heimat kehrt und die familiäre Bande bewirkt, dass sie sich dort wieder wohl fühlen kann.

Die sprachliche Fähigkeit Amanda Prowse liegt darin, auf leichte und recht schöne, bildhafte Weise nicht nur die herrliche Landschaft zu beschreiben, sondern auch die Gefühle der Figuren nachfühlbar und lebendig darzustellen. Ich konnte mir die Gegend und die Emotionen der Figuren wunderbar vorstellen und hatte das Gefühl mit dabei zu sein.
Allerdings sind diese Beschreibungen auch ein wenig übertrieben, denn es wird sehr in die Gefühlskiste gegriffen und die Themen Liebe, Selbstzweifel und Demütigung, sowie zahlreiche endlose Gespräche versetzen mich als Leserin in eine Flut von Emotionen, was auf Dauer für mich definitiv zuviel des Guten ist. Ich konnte Merrins Enttäuschung und ihre verletzten Gefühle verstehen, doch die Verarbeitung des Erlebten verkommt zu einer endlose Spirale an Gefühlsduselei. Dieses Gefühlstrauma ist überhaupt nicht mein Fall.

Generell ist die Geschichte nicht schlecht geschrieben und die Charaktere auch sehr emotional und lebendig, aber zuviele Dialoge, immer wieder Fragen über die verpasste Liebe und klischeehafte Figuren haben mich gestört und auf Dauer war es sehr ermüdend zu lesen, welche Beziehungen in der Familie stattfinden und wie alter Zwist aufgearbeitet wird.

Dieser emotionale Roman war leider nicht mein Fall. Doch ich denke schon, dass er seine Fangemeinde erreichen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere