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Veröffentlicht am 12.11.2021

Weihnachtliche Advents-Vorlese-Geschichte, die Vorfreude weckt

Trine sucht den Schnee
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Weihnachten ist nicht mehr weit und Trine, die Tochter von Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau ist ganz aufgeregt, denn dieses Jahr darf sie mit ihrem Vater die Weihnachtsgeschenke verteilen. Aber Trine ...

Weihnachten ist nicht mehr weit und Trine, die Tochter von Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau ist ganz aufgeregt, denn dieses Jahr darf sie mit ihrem Vater die Weihnachtsgeschenke verteilen. Aber Trine bemerkt, dass die Menschen noch gar in der gewohnten Weihnachtsstimmung sind, weil Eis und Schnee fehlen. Hoffentlich fällt jetzt nicht Weihnachten aus!

Gemeinsam mit Trine erlebt man die Welt bei der Familie Weihnachtsmann und bekommt bei den schönen Bildern voller Lebkuchen, verschneiten Waldbildern und besonderen Weihnachts- und Märchenfiguren richtig Lust und Vorfreude auf Weihnachten.

Hoffentlich fällt nicht Weihnachten aus, doch ihre Oma tröstet sie und erzählt Trine Geschichten bei Lebkuchen und Kaminfeuer und schon hebt sich Trines Stimmung. Doch solange in der Menschenwelt kein Schnee liegt, kann doch gar nicht Weihnachten sein. Wo stecken denn nur ihre Onkel Frost und Schnee, die für das entsprechende Wetter sorgen sollen? Trine macht sich mit Rentier Sternschnuppe auf eine besondere Reise durch den Winterwald.

Trine kann man gleich ins Herz schließen, denn sie ist ein mutiges und herzliches Weihnachts-Mädchen. Man mag gar nicht glauben, dass sie schon 111 Jahre alt ist. Jetzt endlich darf sie mit ihrem Vater auf dem Schlitten die Geschenke für die Kinder verteilen. Wenn es doch nur endlich schneien würde und die Eisblumen an den Fenstern der Menschen die Welt winterlich schmücken würden. Sonst fällt Weihnachten womöglich noch aus. Sie muss ihre Onkel Frost und Schnee suchen, wo stecken die beiden bloß? Sie müssen doch ihre Arbeit machen. Mit ihrem Rentier macht sie sich auf eine abenteuerliche Reise zum magischen Eisplatz. Von dort kann Trine auf die Erde sehen und sie sieht Menschen, die vor Langeweile oder Stress einfach nur müde sind und keine Vorweihnachtsfreude in sich spüren. Das muss sie ändern, aber wie? Sie bekommt ein wenig Hilfe vom Schneemann, von einer Märchenprinzessin und sogar vom "Geist der Weihnacht".

Der Erzählstil ist einfach, jedoch mit recht verschachtelten Sätzen nicht ganz verständlich. Aber mit Hilfe der Eltern werden Kinder alles verstehen und können in eine abwechslungreiche Geschichte eintauchen, die zeigt was an Weihnachten wirklich wichtig ist. Mit den bunten Figuren zieht die Welt des Weihnachtswunders mit fantasievollen Szenen an uns vorüber, es gibt winterlichem Spaß und besondere Unternehmungen, die die Illustrationen auf eine wunderschöne Weise verdeutlichen. Bei den Bildern kann man nur ins Schwärmen kommen, so zauberhaft schön untermalen sie die Geschichte.

Beim Lesen dieser 24 Kapitel macht sich eine glücksseelige Stimmung breit, die die Vorfreude auf Weihnachten mit einem wärmenden Gefühl begleitet. Am Ende feiern alle ein tolles Weihnachtsfest und nicht nur Trine ist glücklich, wir Leser:innen und die Kinder auf der Erde aber auch.

Diese Geschichte verbreitet eine winterliche Weihnachtsatmosphäre und zeigt, was Weihnachtsfreude ausmacht. Mit dem Adventskalenderbuch verkürzt man die Zeit vor Weihnachten und macht Vorfreude. Gemeinsame Vorlesezeit ist im Advent einfach unverzichtbarer Teil der Weihnachtsfreude.

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Veröffentlicht am 11.11.2021

Unterhaltsame Krimireise mit viel Hannover-Flair

Uhlenbrock
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Der Hannover-Krimi "Uhlenbrock" von Claudia Rimkus ist der dritte Fall für Charlotte Stern. Die Reihe erscheint im Gmeiner Verlag.

Die ehemalige Leiterin des Kriminalarchivs Charlotte Stern wohnt in ...

Der Hannover-Krimi "Uhlenbrock" von Claudia Rimkus ist der dritte Fall für Charlotte Stern. Die Reihe erscheint im Gmeiner Verlag.

Die ehemalige Leiterin des Kriminalarchivs Charlotte Stern wohnt in einer Senioren-WG in Hannover. Als von Mitarbeitern der Straßenreinigung eine Leiche entdeckt wird, ist das erst der Beginn einer Mordserie. Es fällt auf, dass die Getöteten Verbindungen zu Heimkindern hatten. Als Charlotte von ihrer Freundin Anneliese erfährt, dass sie die Opfer kannte, schaltet sich Charlottes Ermittlungseifer ein, denn auch ihre Freundin könnte ein mögliches Opfer sein. Eine mögliche Verbindung könnte im Umfeld der Psychiatrischen Klinik Uhlenbrock zu finden sein. Charlotte und Anneliese machen sich auf die Suche nach dem Täter und kommen ihm sehr nahe.

Dieser Cosy-Krimi sorgt mit seinen umtriebigen Protagonisten im Seniorenalter und fesselnden, aber unblutigen Szenen für gute Unterhaltung.

Die Leinemetropole Hannover ist der Schauplatz für die Reihe um Charlotte Stein. Claudia Rimkus hat mit "Uhlenbrock" eine spannende Krimihandlung erdacht, bei der Morde und die Entführung von Charlottes Freundin für Aufregung sorgen. Natürlich mischt sich Charlotte in die Ermittlungen ein und als Leserin wird man an ihrer Seite kreuz und quer durch die Stadt geführt. Wir erleben lokale Örtlichkeiten wie den Georgengarten, die Aegidienkirche, den Schützenplatz und andere markante Plätze und so erlebt man Hannover mal aus Krimisicht. Dieser örtliche Bezug macht den Krimi natürlich besonders für Hanoveraner:innen interessant.

Die Suche nach dem Täter gestaltet sich mit einigen fesselnden Szenen auf einem mittleren Spannungslevel. Denn Claudia Rimkus lässt auch Charlottes Privatleben unterhaltsam einfließen und baut auch humorvolle Vorgänge mit in die Handlung ein. Dieser Krimi ist nicht blutig, er zeigt vielmehr, wie sich ein Mensch durch fehlende Liebe und Verständnis zu einem psychisch Kranken entwickeln kann. Besonders intensiv erlebte ich die Szenen mit, in der man den Erinnerungen des Mörders an seine Kindheit und seine aktuellen Rachegedanken miterleben kann. Er nennt sich übrigens Regisseur und drapiert seine Leichen alle mit gutüberlegten Beigaben an markanten Punkten in der Stadt.

Claudia Rimkus flüssiger Erzählstil führt abwechslungsreich durch das Buch, die klar charakterisierten Figuren wirken authentisch und man kann auch der schlüssigen Krimihandlung wunderbar folgen.

Dieser Krimi schenkte mir eine abwechslungsreiche Lesezeit und ich durfte einmal meine Heimatstadt per Buch bereisen und miterleben. Solche Regionalkrimis machen immer wieder Spaß!

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Bewegend, dramatisch und ein klares Plädoyer gegen den Krieg

Die Klänge der Freiheit
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Der historische Roman "Die Klänge der Freiheit" von Tara Haigh" (Tessa Hennig) erscheint bei Tinte & Feder.

Nürnberg, 1943: Inge Gerner zieht es hinaus in die weite Welt. Sie lässt sich gegen den Willen ...

Der historische Roman "Die Klänge der Freiheit" von Tara Haigh" (Tessa Hennig) erscheint bei Tinte & Feder.

Nürnberg, 1943: Inge Gerner zieht es hinaus in die weite Welt. Sie lässt sich gegen den Willen ihres Vaters zur Rotkreuzschwester ausbilden und muss zu ihrem ersten Einsatz in ein Lazarett in Charkow an der Ostfront. Die Arbeit mit den Verletzten verlangt ihr einiges ab, es fehlt an Verbandsmaterial und die Verletzungen machen ihr die Grauen des Krieges deutlich. Gleichzeitig rückt die Rote Armee immer näher und als ihr Oberstleutnant Heinrich Preuss die Chance bietet, dieser Hölle zu entkommen, begleitet sie ihn nach Italien zu einem Einsatz in Montecassino. Kann sie ihm trauen, einem Mann, der ein Nationalsozialist ist?

Inge Gerner landet als DRK Schwester an der Ostfront inmitten der erschreckenden Wirklichkeit des Krieges. Dort versucht sie, die Leiden der verletzten Soldaten zu mindern, was aber leider oft vergeblich ist. Durch diese Lebenserfahrung reift Inge vom jungen behüteten Mädchen zur Frau und setzt sich voller Enthusiasmus für die Verletzten ein. Als ihr die Chance geboten wird, Charkow an der Seite von Oberstleutnant Heinrich Preuss zu verlassen, ringt sie schwer mit sich. Denn sie kann sich ausmalen, was den Zurückbleibenden durch die anrückende Rote Armee blüht. Getrieben vom Willen zu Überleben entscheidet sie sich für die Reise nach Italien. Dort in Montecassino erlebt sie an der Seite von Preuss viele Dinge und sie erlebt die erste Liebe zu dem Italiener Lorenzo.

An Inges Seite konnte ich hautnah ihr neues Umfeld und den schwierigen Alltag im Lazarett miterleben, wo mir die Schrecken des Krieges durch die vielen schwerverletzten Soldaten dringlich vor Augen gehalten werden. Allerdings ist es Tara Haigh gelungen, trotz aller Dramatik nicht zu drastische Beschreibungen zu liefern. Nicht alle DRK Kolleginnen von Inge schaffen die ihnen auferlegte Aufgabe, den Soldaten zu helfen, während Inge daran reift und erwachsen wird. Von ihrer anfänglichen Überzeugung des nationalsozialisitschen Gedankenguts bleibt nicht mehr viel übrig. Die Schrecken der Zeit halten ihr die Gräueltaten im Lazarett vor Augen.
Ich habe aufgrund der anrückenden Roten Armee mit Inges Schicksal mitgefiebert und war bei ihrer Entscheidung, nach Italien zu gehen, sehr erleichtert. Dort hat sie Einblicke in das Leben der italienischen Partisanen und wird zu einer mutigen Frau, die Menschen in Not hilft und zum ersten Mal in ihrem Leben die Liebe erlebt.
Der bildhafte und flüssige Schreibstil von Tara Haigh führt mit geschickt eingefügten historischen Hintergründen unterhaltsam und abwechslungsreich durch das Buch. Sie führt ihrer Leserschaft spannende Szenen aus der Hölle um Charkow vor und bringt uns auch die Ziele der Partisanen von Montecassino näher.

Der Roman lebt nicht nur von Inges spannender Geschichte, auch die gezeigte Dramatik des Krieges und die Nebenfiguren bringen besondere Geheimnisse mit sich, sorgen als lebendige Zeitzeugen für zeitgemäße Vorgänge und erklären uns die Hintergründe dieser Zeit.


Dieser bildhaft geschriebene Roman fesselt mit seiner fiktiven Geschichte, die sich vor einen authentisch gezeigten geschichtlichen Hintergrund abspielt und die dramatischen Folgen des Krieges einmal mehr als abschreckende Wirkung zeigt. Ein interessanter Roman gegen das Vergessen.

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Veröffentlicht am 06.11.2021

Alles was man für eine Afternoon-Tea-Einladung braucht!

Modern Tea Time
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Im Südwest Verlag erscheint das Genussbuch "Modern Tea Time" von Marco D´Andrea, dem Pâtissier des Jahres 2020. Unter dem Motto "Süße und genussvolle Rezepte für genussvolle Momente" stellt er viele Köstlichkeiten ...

Im Südwest Verlag erscheint das Genussbuch "Modern Tea Time" von Marco D´Andrea, dem Pâtissier des Jahres 2020. Unter dem Motto "Süße und genussvolle Rezepte für genussvolle Momente" stellt er viele Köstlichkeiten für die traditionelle und moderne Tea Time vor. Seit 2017 ist er Chef der Pâtisserie im Hamburger Luxushotel "The Fontenay".

Marco D´Andrea besitzt als prämierter Pâtissier des Jahres viel Erfahrung und kreiert ständig neue Ideen süßer oder herzhafter Natur für die erlesene Teetafel.

In der britischen Teekultur reicht man zum Afternoon-Tea verschiedene pikante Häppchen, Scones und süße und herzhafte Gebäckspeisen. Und auch hierzulande bürgert sich diese Tradition immer mehr ein.

Das Buch startet mit einer Einführung zur Geschichte der Tea Time, erklärt die verschiedenen Teesorten und die Art und Weise der Zubereitung und gibt einen Überblick über nützliche Utensilien zum Kochen und Backen.

Dann folgen die mit perfekten Fotos und übersichtlichen Anleitungen versehenen Rezepte. Den Anfang macht der Klassiker Scones mit Clotted Cream, weiter geht es mit Konfitüren, Curds und der leckeren Zitrusfrucht-Marmelade. Unter Süßkram laufen Alba-Trüffel, Cake-Pops Schwarzwälder-Kirsch und Churros, die wie kleine Kunstwerke aussehen. Aber auch ein New York Cheescake, der schnell mal in einer Schüssel angerichtet wird. Im nächsten Kapitel werden verschiedene Macarons vorgestellt. Hier gibt es besondere Hinweise zur perfekten Zubereitung.

Die Abteilung Kuchen ist ein eigenes Kapitel: Guglhupf-Banane mit Schokolade und Walnüssen ist extrem lecker. Ich habe mich nur über die Angabe der Eier gewundert, 220 g Eier werden benötigt. Da hätte ich mir ganz einfach die Anzahl gewünscht.

Cup Cake Karotte, Lemon Curd und der Zitronenkuchen mit Ingwer und Zitronentymian sind unvergleichlich gut und passen perfekt zu einem Schwarztee.

Es geht weiter mit Tartelettes und Torten. Zitronen-Himbeertorte, Kürbistorte und Friesentorte sehen einfach nur verführerisch aus.

Dann folgen die herzhaften Snacks, den Chicorée mit Orange, Walnüssen und Parmesan kann ich nur empfehlen. Und Fjord-Forelle, Kalbstatar und Thunfisch-Sashimi sind exquisit und eignen sich auch als tolle Vorspeisen für die festliche Tafel.

Sandwiches sind unverzichtbarer Bestandteil einer Tee-Time. Ich mag am liebsten Gurken-Sandwiches und mit Lachs und Frischkäse, wie ich sie aus England kenne und häufig auf den Tisch bringe. Dieses Kapitel enthält auch Rezepte für Roggenbrot und Focacchia.

Als moderne Richtung gehört Frozen (Eiscreme) dazu und die Drinks (Eierlikör, Rhabarberschorle) bilden den Abschluß. Champagner oder Sherry kann ja jeder.

Marco D´Andreas Kreationen sehen auch wie Kunstwerke und bieten für jeden Gaumen den passenden Genuß. Auch in Deutschland kann sich diese britische Tradition mit diesen Rezepten behaupten.

Mir gefällt besonders gut, dass es raffinierte und ausgefallene Rezepte unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade gibt, die man unbedingt ausprobieren und zum Tee anbieten möchte. Marcos Teatime bietet traditionelle, raffinierte und ausgefallene Rezepte zum Tee.

Wunderschön fotografiert, professionelle Rezepte - Teefreunde und Anhänger der britischen Teekultur dürfen sich freuen. Ein wunderschönes Buch zum Backen und Genießen für Profis und Anfänger, das schon beim Ansehen Freude macht und den Appetit anregt. Auch als Geschenkidee zu Weihnachten eine tolle Idee!

Veröffentlicht am 05.11.2021

"Das Geheimnis" konnte mich nicht so packen wie die anderen Bücher der Autorin

Das Geheimnis
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Im Penguin Verlag erscheint der neue Spannungsroman "Das Geheimnis" von Ellen Sandberg.

München, 2020: Ulla hatte keine leichte Kindheit, sie wurde mit gerade mal neun Jahren von ihrer Mutter Helga verlassen ...

Im Penguin Verlag erscheint der neue Spannungsroman "Das Geheimnis" von Ellen Sandberg.

München, 2020: Ulla hatte keine leichte Kindheit, sie wurde mit gerade mal neun Jahren von ihrer Mutter Helga verlassen und lebte bei ihrem Vater. Die Gründe dafür hat sie nie erfahren. Als sie auf den Moarhof am Chiemsee zurückkehrt, um das Haus ihrer Mutter zu verkaufen, findet sie Antworten auf ihre Fragen.

1975 starb Helga unter mysteriösen Umständen in Mossleitn am Chiemsee. Dort lebte sie als Künstlerin in einer Kommune auf einem Bauernhof. Ihre Bilder sind düstere Werke, die etwas verbergen, was nur Helga sehen kann. Darin verarbeitet sie die sie quälenden Erinnerungen an Ereignisse in ihrem Leben, die sie nicht vergessen kann. Sie hat einen Fehler gemacht, den sie heute sehr bereut.

"Das Geheimnis" zeigt eine düstere Familiengeschichte, die ihren Ursprung darin hat, dass Helga 1969 den Kontakt zu ihrer neunjährigen Tochter Ulla beendete und sich als verrückte Künstlerin ihre Gefühle in düsteren Bildern vom Leib malte. Doch was hat sie zu diesem Verhalten getrieben?

2020 will Ulla das Haus ihrer verstorbenen Mutter verkaufen und stößt dabei auf Kassetten, die sie ihr hinterlassen hat. Welche Gründe könnte ihre Mutter gehabt haben, Ulla aus ihrem Leben zu verbannen? Ulla ist jetzt 59 und gerade selbst in einer Lebenskrise, ihr Mann hat sich von ihr getrennt und zu ihrer Tochter Sandra hat sie ein schwieriges Verhältnis, weil Sandra sich von Ulla nicht verstanden fühlt.

Im ersten Drittel plätschert der Roman so vor sich hin, dann kommt als Erzählfigur Luise hinzu, die Helga kannte und auch in Mosleitn wohnt. Von diesem Moment an wartet man auf die näheren Zusammenhänge, die das Geheimnis lösen könnten. Doch es folgen weitere etwas sehr ausführlich erzählte Szenen wie beispielsweise über Ullas Jugend oder mit ihrer Tochter Sandra. Das liest sich zwar unterhaltsam, mindert aber die Spannung ungemein. Und erst die Inhalte der alten von Helga besprochenen Kassetten bringen wieder neuen Schwung in die Geschichte und es wird ein dramatisches Ereignis freigelegt, das das Leben all dieser Frauen beeinflusst hat. Es kristallisiert sich ein Fehler heraus, der Helga zeitlebens quälte und den sie sich nicht verzeihen konnte.

Bei dieser Geschichte haben mich die ständig wechselnden Erzählstränge Ulla, Helga und Luise in meinen Lesefluss gestört. Und auch die Erzählzeit springt häufig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Ich konnte zwar die Handlung nachvollziehen, aber diese häufigen Wechsel haben doch den Spannungsbogen stark beeinträchtigt.

Ellen Sandberg verarbeitet in diesem Buch die Themen Mutterschaft, Schuld und Vergebung, die den Weg in ein neues Leben freimachen könnten. Doch diese Charaktere sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um miteinander zu reden oder sie vergraben sich in ihr schlechtes Gewissen, um nicht noch mehr Schuld auf sich laden zu müssen, indem Mitwisser sie zusätzlich belasten. Mit den Figuren konnte ich dieses Mal nicht warm werden, obwohl sie vielfältig gezeichnet werden und alle ihre Ecken und Kanten besitzen. Das Verhältnis zwischen Sandra und Ulla wirkte zu aufgesetzt, so als habe die schlechte Beziehung zwischen Mutter und Tochter in dieser Familie Tradition. Ich fand die Personen alle ein wenig gefühlskalt und leider auch nicht sympathisch.

Schade, denn die anderen Bücher Ellen Sandbergs habe ich alle verschlungen, hier musste ich mich leider etwas durchkämpfen. Aber es kann ja nicht jedes Buch überzeugen.

Eine ruhig erzählte und doch tragische Geschichte, die die Schicksale mehrerer Frauen negativ beeinflusst.

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