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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2024

Eine nachhallende Lektüre

Als Versprechen dieser Zeit
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Raoul Eiseles „Als Versprechen dieser Zeit“ lässt sich schwerlich kategorisieren, weshalb ich im Folgenden bewusst den Begriff „Buch“ nutze. Denn: Obwohl sich romanhafte wie lyrische Texte finden, geht ...

Raoul Eiseles „Als Versprechen dieser Zeit“ lässt sich schwerlich kategorisieren, weshalb ich im Folgenden bewusst den Begriff „Buch“ nutze. Denn: Obwohl sich romanhafte wie lyrische Texte finden, geht „Als Versprechen dieser Zeit“ in keiner der beiden Kategorien vollständig auf. Inhaltlich besitzt das Buch den Anspruch, so Eisele in seiner Vorbemerkung, „Einsamkeit als Grundproblem der menschlichen Existenz zu verringern“. Dementsprechend spielen Gefühle (und die damit verbundenen Alltagsszenen) eine große Rolle in den abgedruckten Texten: Die in Versen geschriebenen Texte thematisieren das Erwachsenwerden, die Beziehung zu den Eltern (insbesondere der Mutter), das „Erzogenwerden“, das Verhältnis von Ich und Welt, Gefühle in Bezug auf den eigenen Körper, Erinnerungen an die Kindheit und romantische Beziehungen. Daneben finden sich außerdem in gesonderten Prosa-Texten Gedanken zu den Grenzen des Schreibens/Erzählens, der Wesenheit der Liebe, dem Nachempfinden von Gefühlen oder der eigenen Identität. Alle diese Texte/Gefühle/Szenen werden mit einem kritischen Nachdenken über die Konventionen unserer gegenwärtigen Gesellschaft verknüpft. Der Ton der Texte ist nachdenklich sowie melancholisch, teilweise auch sehnsüchtig. Die Wortwahl und die Gestaltung ist dabei experimentell, teilweise metaphorisch-lyrisch, teilweise prosaisch-lakonisch, immer unkonventionell und messerscharf zum Nachdenken anregend. Insgesamt ist „Als Versprechen dieser Zeit“ eine reflexive, inhaltsreiche wie -schwere Lektüre – nichts für zwischendurch, aber definitiv nachhallend.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Ein spannender Kurzkrimi für zwischendurch

Ene mene muh, und tot bist du
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„Ene mene muh, und tot bist du“ ist ein Kurzkrimi von Mel Wallis de Vries (Lesezeit: ca. 45 bis 60 Minuten). Der Krimi setzt sich aus zwei, sich abwechselnden Handlungssträngen zu-sammen, die jeweils aus ...

„Ene mene muh, und tot bist du“ ist ein Kurzkrimi von Mel Wallis de Vries (Lesezeit: ca. 45 bis 60 Minuten). Der Krimi setzt sich aus zwei, sich abwechselnden Handlungssträngen zu-sammen, die jeweils aus einer Ich-Perspektive erzählt werden. Im ersten Handlungsstrang be-gleiten die Lesenden einen jungen Polizisten, der zu einem Tatort gerufen wird. Der zweite Handlungsstrang wird aus der Perspektive von Tyra, einer Jugendlichen, erzählt, die sich plötzlich in einem kühlen Raum wiederfindet. Mehr möchte ich wegen der Kürze des Krimis zur Handlung auch gar nicht vorwegnehmen. Nur eins noch: Der Krimi endet mit einem tollen Twist. Der Schreibstil von de Vries ist gewohnt flüssig zu lesen und anschaulich. Insgesamt ist „Ene meine muh, und tot bist du“ ein fesselnder Krimi für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Ein fesselnder Island-Thriller

Wintersturm
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Inhalt: Ostern steht an. Ari Arason, Polizeiinspektor in Siglufjörður, freut sich, das verlängerte Wochenende gemeinsam mit seinem Sohn, den er viel zu selten sieht, zu verbringen. Doch Gründonnerstag ...

Inhalt: Ostern steht an. Ari Arason, Polizeiinspektor in Siglufjörður, freut sich, das verlängerte Wochenende gemeinsam mit seinem Sohn, den er viel zu selten sieht, zu verbringen. Doch Gründonnerstag erfolgt ein Notruf: Eine junge Frau ist von einem Dach gestürzt und verstor-ben; scheinbar ein tragischer Unfall, doch Ari ist sich dessen nicht so sicher, sodass er in eine Zwickmühle gerät: Soll er seinem Gefühl folgen und weiterermitteln oder den Fall als Unfall abstempeln und Zeit mit seinem Sohn verbringen?

Persönliche Meinung: „Wintersturm“ ist ein Thriller von Ragnar Jónasson. Es ist der 6. Band der Dark-Iceland-Reihe, die sich um den isländischen Polizeiinspektor Ari Arason dreht. Der Fall, der im 6. Band thematisiert wird, ist in sich abgeschlossen, sodass der Thriller auch ohne Kenntnis der Vorgänger gelesen werden kann. Da allerdings auch das Privatleben Aris eine große Rolle innerhalb des Thrillers spielt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll (Aris Privatle-ben verändert sich von Band zu Band, sodass man die Entwicklungen in Band 6 besser ein-ordnen kann, kennt man die Vorgänger). Erzählt wird „Winterstum“ aus der personalen Per-spektive von Ari. Spannung entsteht innerhalb der Handlung insbesondere durch die Frage, ob es sich bei dem Tod um einen Unfall, einen Selbstmord oder eine vorsätzliche Tat handelt. Denn: Für alle drei Varianten gibt es schlüssige Ansatzpunkte; die Indizien sind allerdings ambivalent. Die Auflösung des Falls ist dementsprechend überraschend, wobei erst aus der Retrospektive offenbar wird, wie komplex der Fall eigentlich ist. Thrill-Momente entstehen dabei insbesondere durch einzelne suspekte Figuren, die Bedrohung durch Schneefälle sowie den nüchternen, fast lakonischen Schreibstil von Ragnar Jónasson. Insgesamt ist „Winter-sturm“ ein fesselnder Thriller mit überraschendem Ende. Kurz: Auch im 6. Band um Ari A-rason kommt keine Langeweile auf.

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Veröffentlicht am 19.08.2024

Ein schöner Muminband

Die Mumins (5). Sturm im Mumintal
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Inhalt: Eine Sturmflut überschwemmt das Mumintal. Auch im Haus der Muminfamilie steht das Wasser bis zum Dach, sodass sie wohl oder übel ihre Heimat verlassen müssen. Als unvermittelt ein verlassenes Haus ...

Inhalt: Eine Sturmflut überschwemmt das Mumintal. Auch im Haus der Muminfamilie steht das Wasser bis zum Dach, sodass sie wohl oder übel ihre Heimat verlassen müssen. Als unvermittelt ein verlassenes Haus an ihnen vorbeischwimmt, entscheiden sie sich kurzerhand für den Umzug. Doch schnell erfahren Mumin und seine Freunde: Das Haus ist nicht so verlassen, wie es zunächst den Anschein hatte…

Persönliche Meinung: „Sturm im Mumintal“ ist Tove Janssons fünftes Kinderbuch um die Mumintrolle. Die Handlung des Buches ist in sich abgeschlossen, sodass man die Reihe nicht zwangsläufig in chronologischer Reihenfolge lesen muss. Erzählt wird die Handlung von einer allwissenden Erzählinstanz, die meist in die Perspektive der Figuren schlüpft, sich allerdings auch zwischendurch direkt an die Lesenden richtet. Wie schon in den vorherigen Bänden treten neben Mumin und seinen Eltern erneut Snorkfräulein, der Schnupferich und die kleine Mü auf (ein besonderes Highlight war für mich die kleine Mü, die einige freche Sprüche auf Lager hat und dadurch für den ein oder anderen Lacher sorgt). Wie das Cover von „Sturm im Mumintal“ bereits andeutet, ist ein großes Thema des Buches das Theater. Ohne zu viel verraten zu wollen: Innerhalb der Handlung kommt es zu einer Parodie einer Tragödie, die wirklich witzig ist. Der Schreibstil von Tove Jansson ist anschaulich und orientiert sich an der intendierten Zielgruppe; zugleich findet sich aber immer ein Erzählen mit Augenzwinkern, eine leichte Ironie, sodass auch erwachsene Lesende ihre Freude an dem „Kinderbuch“ haben werden.

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Veröffentlicht am 18.08.2024

Ein skurriler Mix aus Krimi und Sci-Fi

Hotel Zum verunglückten Bergsteiger
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Inhalt: Polizeiinspektor Glebski wollte eigentlich einen entspannten Urlaub im bekannten Hotel „Zum verunglückten Bergsteiger“ verbringen. Doch Wirt wie Gäste des Hotels sind in Aufruhr: Gegenstände verschwinden, ...

Inhalt: Polizeiinspektor Glebski wollte eigentlich einen entspannten Urlaub im bekannten Hotel „Zum verunglückten Bergsteiger“ verbringen. Doch Wirt wie Gäste des Hotels sind in Aufruhr: Gegenstände verschwinden, einzelne Gäste fühlen sich beobachtet und ins Nichts führende Fußabdrücke erscheinen auf dem Boden. Der Wirt ist sich sicher: Der Geist des namensgebenden, ehemals verunglückten Bergsteigers ist zurück. Als dann auch noch ein Mord geschieht, muss sich Glebski wohl oder übel eingestehen, dass sein Urlaub vorüber ist…

Persönliche Meinung: „Hotel Zum verunglückten Bergsteiger“ ist ein Kriminalroman mit Science-Fiction-Elementen von Arkadi und Boris Strugatzki. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive von Inspektor Glebski. Das Figurenpersonal des Romans kommt skurril daher: So treten – um nur ein paar Figuren zu nennen – ein alternder Zauberkünstler, ein melodramatischer Wirt, ein unter dem Radar fliegender Millionär sowie ein Physiker, der zugleich Kletterkünstler ist, auf. So absonderlich die Figuren sind, so kauzig sind auch die Gespräche, die diese Figuren miteinander führen. Tatsächlich nehmen die – z. T. albernen – Zusammenkünfte und Dialoge der Figuren einen breiten Raum innerhalb des Romans ein; eine wirkliche Ermittlungsarbeit kommt erst am Ende des Romans zustande. Denn: Viele Lösungen der Mysterien des Hotels fliegen Glebski eher zu. Daneben finden sich auch einzelne Sci-Fi-Elemente innerhalb der Handlung, die ich aber hier nicht verraten möchte, da dies das Ende zu sehr spoilern würde. Der Schreibstil der Strugatzki-Brüder ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Hotel Zum verunglückten Bergsteiger“ ein skurriler Mix aus Krimi und Sci-Fi, der zudem sehr bizarre Figuren besitzt. Für mich kam er allerdings stellenweise zu klamaukig daher.

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