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Veröffentlicht am 03.01.2026

Ein Krimi nach klassische Format mit weihnachtlicher Stimmung

Mord im Christmas Express
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Inhalt: Einen Tag vor Weihnachten muss die frisch pensionierte Polizeibeamtin Roz den Nachtzug von London ins schottische Fort William nehmen - um dort rechtzeitig ihre Tochter bei der Geburt der Enkelin ...

Inhalt: Einen Tag vor Weihnachten muss die frisch pensionierte Polizeibeamtin Roz den Nachtzug von London ins schottische Fort William nehmen - um dort rechtzeitig ihre Tochter bei der Geburt der Enkelin unterstützen zu können. Doch mitten in den schottischen Highlands setzt starkes Schneetreiben ein, der Zug entgleist. Als Roz gemeinsam mit dem Bahnpersonal überprüft, ob es allen der 18 Passagiere gut geht, stoßen sie auf eine grausam entstellte Leiche. Ein Mörder scheint im Zug umzugehen…

Persönliche Meinung: “Mord im Christmas Express” ist ein Kriminalroman von Alexandra Benedict. Der Roman wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Hauptperspektive ist Roz, die als Ermittlerfigur auftritt. Roz hatte keine unbeschwerte Vergangenheit: Als junge Frau ist sie vergewaltigt worden, der Kontakt zu ihrer Tochter war nicht immer gut, jetzt - wo sie Großmutter wird - will sie Vieles anders machen. Daneben findet sich die Perspektive von Meg, einer Influencerin, die in einer toxischen Beziehung (die plastisch beschrieben wird) feststeckt. Zuletzt wird stellenweise unter dem Pseudonym “Killa” die Täterperspektive eingenommen. Die Handlung von “Mord im Christmas Express” hat mich insgesamt zweigespalten zurückgelassen. Positiv hervorheben möchte ich das interessante Setting (Looked Room-Muster in einem Zugabteil), die Figur Roz mit ihrer tragischen Hintergrundgeschichte sowie die Spannungserzeugung auf mehreren Ebenen. Letztere entsteht einerseits durch die Frage nach der Mörderidentität, weitere Spannungsmomente finden sich in der Vergangenheit von Roz sowie im Verlauf der Geburt der Enkelin, die nicht komplikationslos verläuft. Auf der anderen Seite fiel mir allerdings der Überblick über die auftretenden Figuren schwer: Viele bleiben eher Scherenschnitte, sodass man gerade zu Beginn nicht genau wusste, wer jetzt wer ist. Auch braucht der Krimi etwas, um in Fahrt zu kommen. Erst ab ca. der Hälfte wird es spannend, davor wird sich mit den einzelnen Figuren beschäftigt (ohne dass diese allerdings Tiefenscharf werden). Dennoch kann ich den Krimi unterm Strich weiterempfehlen: Die Auflösung des Falls, die zuletzt mit mehreren überraschenden Wendungen auftrumpft, hat für mich zu einem versöhnlichen Ende geführt. Insgesamt ist “Mord im Christmas Express” ein Krimi nach klassischem Muster, für den man einen längeren Atem bedarf. Letztlich wird man allerdings für das Durchhalten belohnt.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Ein wendungsreicher Krimi nach klassischem Format, im Mittelteil allerdings mit Längen

Hercule Poirots Weihnachten
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Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür. Simeon Lee, ein umtriebiger Unternehmer im Ruhestand, lädt seine gesamte Verwandtschaft zum Fest ein. Eigentlich eine schöne Geste, wäre Lee nicht der patriarchale ...

Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür. Simeon Lee, ein umtriebiger Unternehmer im Ruhestand, lädt seine gesamte Verwandtschaft zum Fest ein. Eigentlich eine schöne Geste, wäre Lee nicht der patriarchale Familientyrann, der keine Gelegenheit auslässt, seinen Söhnen (und deren Ehefrauen) zu zeigen, wie sehr er sie verabscheut. Als Lee am 24. Dezember ermordet aufgefunden wird, steht Hercule Poirot daher vor einer besonderen Aufgabe: Jedes Familienmitglied hatte gute Gründe den Mord zu begehen; das Identifizieren des Täters gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen…

Persönliche Meinung: “Hercule Poirots Weihnachten” ist der 17. Kriminalroman rund um die Ermittlerfigur Poirot. Erzählt wird die Handlung von einem auktorialen Erzähler, der in eine Vielzahl von Figuren schlüpft. So werden die Perspektiven von mehreren Familienmitgliedern, von Personen aus der Dienerschaft sowie natürlich von Poirot eingenommen, sodass man einen sehr umfangreichen Blick auf den Fall erhält. Stark gemacht ist insbesondere die Zeichnung des tyrannischen Lee: Er wird als Unsympath schlechthin charakterisiert, der vorurteilsbeladen denkt, illoyal handelt und beleidigend auftritt. Die Handlung selbst beginnt behutsam. Ehe nach circa einem Drittel der Handlung der Mord geschieht, lernen wir die Familie Lee kennen, können uns ein Bild von den Gepflogenheiten sowie dem (späteren) Mordopfer machen. Der Mord selbst ist spannend konstruiert: Er ist gewaltsam und blutig, findet aber in einem “verschlossenen Raum” statt, wobei mehrere Personen versichern können, dass niemand außer Lee im Raum war (wie das alles “funktioniert”, offenbart Poirot stimmig zum Schluss). Nach dem Mord - mit dem Poirots Auftritt einhergeht - plätschert die Handlung allerdings eher dahin, da der Fokus auf die Befragung der Familienmitglieder gerichtet wird. Dies mag für Poirot sinnvoll sein, da er die Familienmitglieder nun zum ersten Mal kennenlernt; für die Lesenden hingegen wird diese Befragungsrunde redundant, da es sich hauptsächlich um bereits bekannte, in der Vorstellung der Familie benannte Informationen handelt. Vieles wird - salopp formuliert - lediglich wiedergekäut, wodurch das Tempo der Handlung verloren geht. Hingegen voll überzeugen konnte mich die Auflösung der Handlung. Einerseits werden hier einige wahre Intentionen mehrerer Figuren aufgedeckt, die man nicht unbedingt ahnen konnte, andererseits war die Identität der Täterfigur für mich vollkommen überraschend. Insgesamt ist “Hercule Poirots Weihnachten” ein wendungsreicher Krimi nach klassischem Format, für den man allerdings gerade im Mittelteil etwas Durchhaltevermögen braucht.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Eine stimmungsvolle Lektüre, die auch die melancholische Seite der besinnlichen Zeit hervorhebt

Ein Weihnachtsabend mit Hans Christian Andersen
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“Ein Weihnachtsabend mit Hans Christian Andersen” ist eine weihnachtliche Anthologie, in der Kunstmärchen, Briefe und Balladen/Gedichte mit weihnachtlichem Bezug von Andersen versammelt sind. Den Auftakt ...

“Ein Weihnachtsabend mit Hans Christian Andersen” ist eine weihnachtliche Anthologie, in der Kunstmärchen, Briefe und Balladen/Gedichte mit weihnachtlichem Bezug von Andersen versammelt sind. Den Auftakt im Reigen der Kunstmärchen bildet “Der Schneemann”, in dem der titelgebende Schneemann eine seltsame Sehnsucht verspürt, die sich an das Heim seiner Erbauer richtet. Insbesondere die sehr atmosphärische Darstellung des Winters hat mir hier gefallen. Es folgt “Der letzte Traum der alten Eiche”, ein stimmungsvolles, nachdenklich stimmendes Märchen über Leben und Tod. Festlich wie melancholisch geht es in “Der Tannenbaum” zu: Ein kleiner Tannenbaum möchte unbedingt den Wald verlassen, was gelingt, als eine Familie ihn zum Weihnachtsbaum erwählt (Das Weihnachtsfest der Familie wird dabei sehr stimmungsvoll beschrieben). Doch als das Weihnachtsfest vorüber ist, wünscht sich der Tannenbaum in den Wald zurück… Daneben findet sich eine schaurige dänische Volkssage über eine nahezu ewig lebende Frau; “Die Geschichte einer Mutter”, in der eine namenlose Mutter das Leben ihres Kindes retten möchte; sowie einzelne Auszüge aus “Die Schneekönigin”. Abgedruckt sind außerdem drei Briefe Andersens, in denen er seine Weihnachtsstimmung ausdrückt sowie über ein scherzhaftes Weihnachtsfest in Rom und ein einsamen Fest in Berlin berichtet. Als Gedichte/Balladen finden sich “Graues Wetter”, “Die Geschichte des alten Steuermannes” (über eine trauernde Nixe), “Die Schneekönigin” und “Das Kind vor der Kirche”. Insgesamt ist “Ein Weihnachtsabend mit Hans Christian Andersen” eine stimmungsvolle Weihnachtslektüre, die auch die melancholische Seite der besinnlichen Zeit hervorhebt.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Eine humorvolle Lektüre, mit der man die Adventszeit schön auflockern kann

Reclams heiterer Adventskalender. Weihnachten mit Witz und Wunderkerzen
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“Reclams heiterer Adventskalender” ist ein literarischer Adventskalender, in dem sich humorvolle Bildergeschichten, Gedichte, Kurzgeschichten und Rezepte finden. Da ein Adventskalender von Vorfreude und ...

“Reclams heiterer Adventskalender” ist ein literarischer Adventskalender, in dem sich humorvolle Bildergeschichten, Gedichte, Kurzgeschichten und Rezepte finden. Da ein Adventskalender von Vorfreude und Überraschung lebt, werde ich im Folgenden etwas vage bleiben und keine konkreten Texte/Bildergeschichten benennen, die im Kalender abgedruckt sind. Ich mache daher nur einzelne Andeutungen und benenne thematische Schwerpunkte, einzelne Autoren sowie generelle Tendenzen des Adventskalenders. Inhaltlich dreht sich der Adventskalender um winterlich-weihnachtliche Themen, die immer einen humorvollen Turn besitzen. So lesen wir u.a. von Unfällen beim Schlittschuhlaufen, unkonventionellen Wünschen an den Weihnachtsmann, einem Aufstand der Schokonikoläuse sowie einem Weihnachtsbaumkauf mit Hindernissen. Häufig findet sich in den Texten/Bildergeschichten zudem - bei allem Humor - eine Kritik an dem exzessiven Konsumrausch, der das Weihnachtsfest mehr und mehr umgibt. In Bezug auf die Entstehungszeit der Texte/Bildergeschichten bilden das 20. und 21. Jahrhundert die Schwerpunkte - so finden sich bspw. Beiträge von Kriegundfreitag, E. O. Plauen, Christine Nöstlinger und Janosch. Vereinzelt werden - z. B. mit Johann Wolfgang von Goethe - auch Stippvisiten ins 19. Jahrhundert gemacht. Die einzelnen Beiträge des Adventskalenders haben eine vergleichsweise geringe Seitenlänge, sodass man in den seltensten Fällen mehr als fünf Minuten pro “Türchen” benötigt (Dementsprechend ist der Adventskalender insbesondere für Lesende geeignet, die in der - auch mal stressigen - Adventszeit wenig Luft für literarische Adventskalender haben). Hervorheben möchte ich außerdem, dass die Bildergeschichten - sofern dies im Original der Fall sind - hochauflösend farbig abgedruckt sind. Insgesamt ist “Reclams heiterer Adventskalender” eine humorvolle Lektüre, mit der man die Adventszeit schön auflockern kann.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

eine abwechslungsreiche Anthologie, der es kurzweilig gelingt, das Warten auf das Fest zu verkürzen

Reclams klassischer Adventskalender. "Was kümmert uns die kalte Nacht?"
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“Reclams klassischer Adventskalender”, hrsg. von Karl-Heinz Göttert, ist ein literarischer Adventskalender, in dem sich Kurzgeschichten, Textauszüge aus bekannten Klassikern, Briefe und Gedichte abwechseln. ...

“Reclams klassischer Adventskalender”, hrsg. von Karl-Heinz Göttert, ist ein literarischer Adventskalender, in dem sich Kurzgeschichten, Textauszüge aus bekannten Klassikern, Briefe und Gedichte abwechseln. Da ein Adventskalender von Vorfreude, Überraschung und Ungewissheit lebt, wäre es nicht sinnvoll, die einzelnen abgedruckten Texte ausführlich zu besprechen. Im Folgenden mache ich daher nur einzelne Andeutungen und benenne thematische Schwerpunkte, einzelne Autoren sowie generelle Tendenzen des Adventskalenders; konkrete Texte nenne ich nicht, um die adventliche Lesefreude nicht zu trüben. Inhaltlich drehen sich die Texte - wie könnte es anders sein - um Weihnachten: So bestaunen wir u.a. den Christbaum, finden uns in schneereichen Landschaften wieder, lauschen weihnachtlichem Glockenklang und verleben das Weihnachtsfest mit Figuren der Weltliteratur. Autoren, deren Texte im “klassischen Adventskalender” abgedruckt sind, sind u.a. Thomas Mann, Adalbert Stifter und Berthold Brecht (Man merkt an dieser kurzen Aufzählung schon: Der Schwerpunkt der Anthologie liegt im 19./20. Jahrhundert). Ansonsten finden sich aber auch einige Autor*innen, die man nicht unbedingt in Bezug auf weihnachtliche Texte auf dem Schirm hat, sodass man auch viel Neues entdeckt. Die jeweilige Textlänge eignet sich sehr gut für die tägliche Lektüre: Zwei Texte sind acht Seiten lang, was allerdings die Ausnahme ist. Die Kurzgeschichten/Auszüge aus Romanen umfassen meist vier bis fünf Seiten, die Briefe/Gedichte ein bis zwei Seiten. Insgesamt ist “Reclams klassischer Adventskalender” eine abwechslungsreiche Anthologie weihnachtlicher Texte, der es kurzweilig gelingt, das Warten auf das Fest zu verkürzen.

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