Eine interessante Kriminalerzählung für zwischendurch
Der ErdspiegelInhalt: Regendorf, ein kleiner Ort nahe Regensburg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die junge Katharina wünscht sich nichts sehnlicher, als den Hof, den sie mit ihren beiden Schwestern bewirtschaftet, ...
Inhalt: Regendorf, ein kleiner Ort nahe Regensburg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die junge Katharina wünscht sich nichts sehnlicher, als den Hof, den sie mit ihren beiden Schwestern bewirtschaftet, verlassen zu können. Deshalb ist sie auf dem Weg zu Andreas Bichel, einem wortgewandten Viehhändler, den jeder im Dorf mag. Dieser hatte Katharina versprochen, sie in seinen Erdspiegel schauen zu lassen, welcher die Macht habe, Katharinas zukünftigen Ehemann zu zeigen. Doch beim Bichel erwartet sie nicht die erhoffte Offenbarung…
Persönliche Meinung: “Der Erdspiegel” ist ein historischer Krimi von Andrea Maria Schenkel. Wie bereits ihr Erfolgsroman “Tannöd” sowie “Finsterau” und “Der Täuscher” basiert auch “Der Erdspiegel” auf einem realen Mordfall. Dieser trug sich nahe Regensburg zu und wurde von dem Rechtsgelehrten Paul Johann Anselm von Feuerbach festgehalten (quasi der “True-Crime”-Autor des frühen 18. Jahrhunderts). Tatsächlich erzählt Schenkel auch in der Tradition Feuerbachs: “Der Erdspiegel” ist eine synthetisch-linear erzählte Kriminalgeschichte, kein analytisch erzählter Kriminalroman/Thriller nach modernem Muster, in dem Ermittlerfiguren einen Fall aufklären. Dementsprechend steht der Täter in “Der Erdspiegel” bereits nach Kapitel 1 fest. Spannung entsteht nicht durch ein Ratespiel, sondern durch die Frage, auf welche Weise (und nach wie vielen Morden) der Täter gestellt werden kann. Dieser Weg wird von einem allwissenden Erzähler aus mehreren Perspektiven geschildert. So kommen (potentielle) Opfer, Familienmitglieder der Opfer sowie Bedienstete der Juristerei zu Wort. Der Erzählstil von Andrea Maria Schenkel ist parataktisch, stellenweise lakonisch und besitzt einen düsteren Ton. Für mich konnte “Der Erdspiegel” nicht ganz an “Tannöd” heranreichen (insbesondere, da es keine wirklichen Überraschungsmomente gibt), aber unterm Strich ist es eine flüssig zu lesende, interessante Kriminalerzählung für zwischendurch.