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Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein spannender dritter Fall

Rachewinter
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Inhalt: Die Wiener Anwältin Evelyn Meyer erhält einen neuen, brisanten Fall: Ihre Mandantin wird des Mordes verdächtigt, wurde anscheinend sogar während der Tat gefilmt, beteuert aber ihre Unschuld. Als ...

Inhalt: Die Wiener Anwältin Evelyn Meyer erhält einen neuen, brisanten Fall: Ihre Mandantin wird des Mordes verdächtigt, wurde anscheinend sogar während der Tat gefilmt, beteuert aber ihre Unschuld. Als Evelyn den Tatort genauer unter die Lupe nimmt, fallen weitere Unstimmigkeiten auf: Es finden sich keine Fingerabdrücke der Verdächtigen… Zeitgleich wird in Leipzig ein vermögender Mann tot aufgefunden; die Ermittlungen werden schnell eingestellt, scheint doch alles auf einen Unfall hinzudeuten. Kommissar Walter Pulaski lässt aus persönlichen Gründen nicht locker - und bald werden Parallelen zum Fall in Wien offenbar…

Persönliche Meinung: “Rachewinter” ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es ist der dritte Fall um die Ermittlerfiguren Evelyn Meyer und Walter Pulaski. Zwar ist der Fall in sich abgeschlossen, allerdings finden sich kleinere Spoiler zur Handlung der vorherigen Bände, sodass ein chronologisches Lesen sinnvoll ist. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus den personalen Perspektiven der beiden Ermittlerfiguren. Weitere PoVs nehmen u.a. Flo, der neue Assistent Evelyns, sowie Nina, die Tochter Walters, ein, wobei insbesondere letztere für ein latentes Konfliktpotential sorgt, da sie eigenständig im Fall ermittelt. Die Handlung des Thrillers ist recht rasant; die Taktung der Morde ist hoch, wodurch sich eine schöne Spannungskurve ergibt. Zudem finden sich zwei überraschende Wendungen im Thriller - eine mittig, eine am Ende -, die für zusätzliche Spannung sorgen. Setting der Handlung ist ein klirrend kalter März, der insbesondere im fulminanten letzten Akt atmosphärisch zu seiner vollen Geltung kommt. Ein Thema, das in “Rachewinter” eine wichtige Rolle spielt, ist diese Transsexualität: Diesem Thema nähert sich Gruber bedacht und auf Augenhöhe, allerdings wirken einzelne Fragen, die manche Protagonist*innen zum Thema stellen, aus heutiger Perspektive “angestaubt” (Der Thriller erschien bereits 2018; die Fragen wurden vermutlich genutzt, um das Thema “Transsexualität” der Leserschaft näher zu bringen). Der Schreibstil von Andreas Gruber ist sehr anschaulich, lebendig und flüssig zu lesen, sodass der Thriller trotz seiner knapp 600 Seiten kurzweilig ist. Allein das Finale kam mir eine Spur zu lang vor, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Insgesamt ist “Rachewinter” ein spannender dritter Teil mit einem interessanten Fall, aber auch kleineren Längen.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Sehr schön zum Vorlesen!

Gespensterjäger auf eisiger Spur
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Inhalt: Als Tom Orangensaft aus dem Keller holt, begegnet ihm Schauriges: Ein wahrhaftiges Gespenst schaut ihn mit giftgrünen Augen an und will ihn mit seinen Eisfingern packen. Blitzschnell nimmt Tom ...

Inhalt: Als Tom Orangensaft aus dem Keller holt, begegnet ihm Schauriges: Ein wahrhaftiges Gespenst schaut ihn mit giftgrünen Augen an und will ihn mit seinen Eisfingern packen. Blitzschnell nimmt Tom Reißaus - und hat nun ein handfestes Problem: Wie soll er jemals wieder den Keller betreten, wenn dort ein Gespenst haust? Wie gut, dass es Hedwig Kümmelsaft - eine Freundin seiner Oma und selbsternannte Geisterjägerin - gibt…

Persönliche Meinung: “Gespensterjäger auf eisiger Spur” ist ein Kinderbuchklassiker von Cornelia Funke. Es handelt sich um den ersten Band der “Gespensterjäger”-Reihe. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist in die Perspektive von Tom schlüpft, der das Alter der intendierten Zielgruppe (ca. 10 Jahre) hat. Die Handlung folgt derjenigen eines Abenteuerromans: Tom versucht gemeinsam mit Frau Kümmelsaft das Kellergespenst zu verjagen, wobei sich schnell herausstellt, dass Hugo (so heißt das Gespenst), eher harmlos ist: Hugo hat im Keller Zuflucht gesucht, da sein bisheriger Spukort von einem sog. UEG (= unheimlich ekelhaftes Gespenst) besetzt was - was natürlich ungleich schwieriger zu verjagen ist als Hugo. Sehr hat mir auch die Atmosphäre des Romans gefallen: Cornelia Funke erzählt bildhaft und dicht, sodass ein schauerlicher Hauch durch den Roman weht, ohne dass es allzu gruselig wird. Für Lacher sorgt dabei die eigenwillige Wortwahl/Aussprache der Gespensterwesen. Hugo beispielsweise benutzt statt i-Lauten ü-Laute, wodurch seine Aussprache breit und gedehnt ist (was beim Vorlesen sowohl bei Lesenden als auch bei Zuhörenden für einige Lacher sorgt). In “Gespensterjäger auf eisiger Spur” finden sich zudem zahlreiche schwarz-weiß Illustrationen der Autorin. Insgesamt ist “Gespensterjäger auf eisiger Spur” ein atmosphärisches Kinderbuch, das auch über 30 Jahre nach Veröffentlichung die Zielgruppe zu begeistern weiß. Sehr schön zum Vorlesen!

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Eine schöne Sammlung humorvoller Geschichten mit Tiefgang - nicht nur zu Ostern

Kleiner Hase Baldrian und andere Hasengeschichten
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“Kleiner Hase Baldrian” versammelt vier Hasengeschichten von Janosch. Den Auftakt macht dabei die titelgebende Geschichte “Kleiner Hase Baldrian”: Ein wilder Hund hat das Karnickeldorf am Fluss unterjocht ...

“Kleiner Hase Baldrian” versammelt vier Hasengeschichten von Janosch. Den Auftakt macht dabei die titelgebende Geschichte “Kleiner Hase Baldrian”: Ein wilder Hund hat das Karnickeldorf am Fluss unterjocht und es zur gesetzlosen Zone erklärt. Spaßeshalber will er den gutmütigen Hasen Baldrian zum König erklären, doch die “Herrschaft” des Baldrian verläuft ganz anders, als der wilde Hund ahnt… “Kleiner Hase Baldrian” ist das Highlight des Bandes: ein modernes Märchen über die Kraft von Genüg- und Geruhsamkeit, fein erzählt. Die zweite Geschichte “Als Schnuddel einen Hasen fing”, in der Baldrian ebenfalls eine Nebenrolle spielt, ist eine Variation des Musters “Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein”. Sentenzartig geht es in dem kurzen Text “Der Hase und die Maus” zu, in dem eine ungewöhnliche Beziehung thematisiert wird. Den Abschluss bildet “Wo ist Jochen Gummibär?”, in dem ein furchtloses Häschen auftritt. Jede Geschichte ist ansprechend und reichlich mit Aquarellen im typischen Janosch-Stil versehen. Im Anhang findet sich abschließend ein Nachwort des Cartoonisten Peter Gaymann, in dem dieser über den persönlichen Kontakt zu Janosch berichtet, die (Nicht)Logik in dessen Texten anspricht und den Zeichenstil von Janosch beleuchtet. Insgesamt ist “Kleiner Hase Baldrian” eine schöne Sammlung humorvoller Geschichten mit Tiefgang - eine lohnende Lektüre, nicht nur zu Ostern.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Eine schöne Einstimmung auf das Weihnachtsfest

Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz
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“Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” ist eine Sammlung von Gedichten, Balladen, Briefe und Kurzgeschichten mit weihnachtlichem Bezug aus der Feder von J. Ringelnatz. Gruppiert sind die Texte in ...

“Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” ist eine Sammlung von Gedichten, Balladen, Briefe und Kurzgeschichten mit weihnachtlichem Bezug aus der Feder von J. Ringelnatz. Gruppiert sind die Texte in sieben thematische Kapitel. So versammelt “In Schnee und Eis” Texte, die die winterliche Natur einfangen - sei es mithilfe eines Spaziergangs (z. B. “Bist du nie durch verschneite Nächte gegangen” (sehr stimmungsvoll!) oder “Stille Winterstraße” (eher düster)), in Betrachtung winterlicher Tiere (das lautmalerische “Pinguine”) oder durch den Wintersport (die humorvollen Gedichte “Ruf zum Sport” und “Eis-Hockey”). Der zweite thematische Komplex “Der Zauber der Vorweihnachtszeit” beinhaltet zwei heimelige Texte, in denen der Tannenbaum (Kinder-)Augen zum Leuchten bringt (“Vorfreude auf Weihnachten”, “Der Weihnachtsbaum”). Das dritte Kapitel, “Das Fest der Seligkeit”, thematisiert Weihnachtsfeierlichkeiten - mal in Gesellschaft (“Weihnachten”), mal allein (“Einsiedler heiliger Abend”). “Kostbare Gaben”, der vierte Abschnitt, versammelt Gedichte, die sich rund um das Schenken an Heiligabend drehen. In “Weihnachten in weiter Ferne” wird ein Perspektivwechsel vorgenommen: Weihnachten wird durch den Blick eines fernab der Heimat stationierten Soldaten wahrgenommen. So spürt Ringelnatz in gleichnamigem Text dem Gefühl “Heimweh” nach und thematisiert Weihnachtsfeste auf hoher See (u.a. mit der Figur Kuttel Dadeldu). Besonders eindrucksvoll ist “Lichter im Schnee”, in dem die Vorweihnachtszeit mit den Schrecken des Kriegs (in Form einer Fronterfahrung) verknüpft wird. Die Thematik “Heimweh” wird im folgenden Kapitel “Weihnachtsgrüße” weitergeführt, in dem sich Briefe und Gedichte von Ringelnatz finden, die er an seine Familie daheim schickte. Den Abschluss des Bändchens bildet “Ein neues Jahr bricht an”. Hier finden sich vordergründig Gedichte, die die Bedeutung von Silvester als “Neustart” hinterfragen (insbesondere sozialkritisch in “Silvester I + II”). Insgesamt versammelt “Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” sowohl humorvolle als auch nachdenklich stimmende Texte. Besonders eindrucksvoll sind dabei diejenigen, die beides - z. T. mit einem kontrastierenden Bruch - thematisieren.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Eine feinsinnige Erzählung mit tragischer Note

Der Bücherfreund
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“Der Bücherfreund” ist eine Erzählung von Monika Helfer, in deren Mittelpunkt eine Vater-Tochter-Beziehung steht. Die namenlos bleibende Tochter erzählt hier (als Ich-Erzählerin) die Geschichte ihres Vaters: ...

“Der Bücherfreund” ist eine Erzählung von Monika Helfer, in deren Mittelpunkt eine Vater-Tochter-Beziehung steht. Die namenlos bleibende Tochter erzählt hier (als Ich-Erzählerin) die Geschichte ihres Vaters: Der kriegsversehrte Vater führt nach dem Krieg gemeinsam mit seiner Ehefrau ein Erholungsheim. Unverhofft erhält das Erholungsheim eine große Büchersammlung geschenkt, die der Vater wie seinen Augapfel hütet. Bücher begleiten ihn im Folgenden durch seinen ganzen weiteren Lebenslauf - mit all den noch kommenden Schicksalsschlägen. Die Handlung beginnt eher behutsam: Das Erholungsheim erscheint für die junge Ich-Erzählerin als Idyll (und wird auch atmosphärisch als solches beschrieben). Je weiter die Handlung voranschreitet, desto höher ist allerdings die Taktung der Momente, die das Idyll einbrechen lassen. "Der Bücherfreund” wird so eine tragische Erzählung, die gleichzeitig aber auch mit der Hoffnung angereichert ist, dass es immer etwas gibt, wofür es sich zu leben, weiterzumachen lohnt. Illustriert wurde die Erzählung von Kat Menschik mit blau-weißen Bildern, in denen auf schöne Weise mehrere Erzählsequenzen verschmelzen. Interessant ist dabei, dass es immer weiße Flecken gibt - z. B. Buchrücken, die nicht ausgefüllt werden; eine Reihe Kriegsversehrter, die weiße Schemen bleiben -, wodurch die Betrachtenden dazu aufgefordert werden, diese Lücken selbst zu füllen. Insgesamt ist “Der Bücherfreund” eine feinsinnige Erzählung mit tragischer Note.

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