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Veröffentlicht am 23.02.2022

Eine spannende Lovecraft-Reminiszenz

Winter des Wahnsinns
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Inhalt: Oxford, 19. Dezember. Durch einen befreundeten Buchhändler erhält Charles Ward, ein junger Dozent für englische Literatur am Merton College, ein kommentiertes Exemplar eines seltenen und uralten ...

Inhalt: Oxford, 19. Dezember. Durch einen befreundeten Buchhändler erhält Charles Ward, ein junger Dozent für englische Literatur am Merton College, ein kommentiertes Exemplar eines seltenen und uralten Schottland-Reiseführers. Der Reiseführer handelt von der sagenumwobenen Gegend um Bannockburn; jenem Ort, an dem 1314 eine Schlacht um die schottische Unabhängigkeit ausgefochten wurde. Dort soll, so der Reiseführer, ein Geheimnis schlummern, das sich am Julfest – also in zwei Tagen – offenbart. Als Ward erfährt, dass sein Lehrauftrag vermutlich nicht verlängert wird, da er bisher zu wenig veröffentlicht hat, fasst er einen Entschluss: Er reist kurzfristig nach Bannockburn, um dem Geheimnis eine Monographie widmen zu können. Eine Reise, die nicht folgenlos sein wird…

Persönliche Meinung: „Winter des Wahnsinns“ ist ein Kurzroman von Veit Etzold. Er ist in der Reihe „Eiskalte Kurzthriller“ erschienen, in der sechs kurze, unabhängig voneinander lesbare Romane verschiedener Autor*innen veröffentlicht worden sind (neben Etzold u.a. Ursula Poznanski und Michael Tsokos). Die Handlung von „Winter des Wahnsinns“ teilt sich in zwei Erzählstränge, die auf verschiedenen Zeitebenen spielen. In der Gegenwart begleiten wir Ward bei seinen Nachforschungen; der zweite Strang spielt „vor langer Zeit“. Im Fokus steht hier der „schwarze Prinz“, ein schottischer Krieger. Erzählt wird der Kurzroman jeweils aus den personalen Erzählperspektiven beider Protagonisten. „Winter des Wahnsinns“ ist kein typischer Thriller – das muss man im Hinterkopf behalten. Denn: Wenn man einen Thriller à la „Clara Vidalis“ erwartet, wird man enttäuscht. Es gibt zwar einzelne Thrill-Momente, allerdings keine typische Thrillerhandlung. „Winter des Wahnsinns“ ist eher ein phantastischer Horrorroman, der ein behutsames Tempo aufweist. So finden sich einerseits „klassische“ Horrormotive (ein seltsames Buch, ein geheimnisumwobener Ort und ein dunkles Ritual), andererseits ist „Winter des Wahnsinns“ eine Reminiszenz an H. P. Lovecraft (das „Necronomicon“ spielt eine größere Rolle; auch Cthulhu hat einen kurzen „Cameo“). Neben Lovecraft fließen – in Zitatform – auch andere Werke der Weltliteratur in „Winter des Wahnsinns“ ein (wie „Die Toten“ von James Joyce oder die „Canterbury Tales“). Zusätzlich dazu ist der „Braveheart“-Stoff für die Handlung wichtig. Die Handlung ist dementsprechend komplex – gerade für einen Kurzroman. Vermutlich aufgrund der Kürze des Romans sind auch einige Dinge vergleichsweise schnell abgehandelt worden, was ich teilweise etwas schade fand (Ich hätte z.B. gerne noch etwas mehr zu dem Reiseführer und seinen Kommentatoren erfahren). Aber das tat dem Spaß bei der Lektüre insgesamt keinen großen Abbruch. „Winter des Wahnsinns“ gefiel mir trotzdem sehr gut, weil es viele literarische Verweisstrukturen enthält. Insgesamt ist „Winter des Wahnsinns“ eine spannende Reminiszenz an Lovecraft, die verschiedene literarische Stoffe/Motive aufgreift und in einer kurzweiligen Horrorgeschichte miteinander verknüpft.

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Veröffentlicht am 17.02.2022

Ein spannender Krimi mit authentischen Figuren und einer schönen Portion Lokalkolorit

Gaußberg
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Inhalt: Der Hannoveraner Kommissar Wim Schneider befindet sich beruflich gerade auf dem Abstellgleis: Von der Mordkommission ist er abgezogen worden, um – sehr zu seinem Leidwesen – im Einbruchsdezernat ...

Inhalt: Der Hannoveraner Kommissar Wim Schneider befindet sich beruflich gerade auf dem Abstellgleis: Von der Mordkommission ist er abgezogen worden, um – sehr zu seinem Leidwesen – im Einbruchsdezernat auszuhelfen. Doch als die Leiche einer Frau im Mittellandkanal gefunden wird, ändert sich das schlagartig: Bei der Leiche handelt es sich um eine vermisste Braunschweigerin, sodass Schneider, als gebürtiger Braunschweiger, wieder zur Mordkommission zurückbeordert wird – gewissermaßen zur „Völkerverständigung“ zwischen den beiden rivalisierten Städten. Die Ermittlungen führen das Team um Schneider zu einer alten Villa am Gaußberg, in der ein seit Jahrzehnten gehütetes Geheimnis schlummert…

Persönliche Meinung: „Gaußberg“ ist ein Regionalkrimi von Mario Bekeschus, der in Hannover und Braunschweig spielt. Erzählt wird der Krimi aus unterschiedlichen Perspektiven jeweils von einer personalen Erzählinstanz. So werden neben der Hauptperspektive von Wim Schneider u.a. die Perspektiven einzelner Braunschweiger Kolleg*innen eingenommen. Auch der Blickwinkel eines Immobilienmaklers, der die geheimnisumwitterte Gaußberg-Villa veräußern soll, spielt eine größere Rolle. Durch die häufigen Perspektivwechsel wird der Krimi vergleichsweise temporeich erzählt. Die Handlung setzt sich außerdem aus mehreren Strängen zusammen, sodass ein schöner und vielfältiger Spannungsbogen entsteht. Wie die einzelnen Handlungsstränge zusammenhängen, bleibt bis zum Ende offen; die Auflösung erfolgt dabei mit einem stimmigen und überraschenden Twist. Abgerundet wird „Gaußberg“ zudem durch eine gehörige Portion Lokalkolorit: Hannover und Braunschweig werden bildhaft beschrieben und auch die Rivalität zwischen beiden Städten wird oftmals von den Figuren in einem frotzelnden Ton thematisiert. Die Figuren, die in „Gaußberg“ auftreten, sind lebensnah gestaltet: Jede Figur wirkt menschlich, hat – neben dem Beruf – kleinere oder größere Privatprobleme, wodurch sie an Tiefe gewinnt. Hierbei sticht besonders Wim Schneider heraus. Scheider ist eine spezielle, sehr individuell gestaltete Figur, die Züge eines Antihelden besitzt. Er zeichnet sich durch einen trockenen Humor aus, ist oftmals ruppig und steht mit technisch-digitalen Neuerungen auf Kriegsfuß. Seine Vergangenheit war nicht gerade rosig. Außerdem wird er während der Handlung von „Gaußberg“ von einer Krankheit geplagt, die ihm viel abverlangt. Der Schreibstil von Mario Bekeschus ist eingängig, abwechslungsreich und lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Gaußberg“ ein spannender Regionalkrimi mit lebensnahen Figuren und einer schönen Portion Lokalkolorit.

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Veröffentlicht am 15.02.2022

Ein abenteuerlicher Kinderbuchklassiker mit einzelnen problematischen Szenen

Hugh Lofting, Doktor Dolittle und seine Tiere
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Inhalt: Dr. Dolittle ist ein ausgesprochener Tierfreund – sehr zum Leidwesen seiner menschlichen Patienten. Diese haben es satt, in der Praxis ständig auf Tiere zu treffen, und suchen sich deshalb nach ...

Inhalt: Dr. Dolittle ist ein ausgesprochener Tierfreund – sehr zum Leidwesen seiner menschlichen Patienten. Diese haben es satt, in der Praxis ständig auf Tiere zu treffen, und suchen sich deshalb nach und nach einen neuen Arzt. Daher beschließt Dr. Dolittle umzusatteln: Er möchte jetzt ausschließlich Tiere behandeln. Unterstützt wird er dabei von seiner Papageiendame Polynesia, die Dr. Dolittle die Tiersprache beibringt, sodass er immer genau weiß, was seinen tierischen Patienten fehlt. Schnell spricht sich Dr. Dolittles Fähigkeit im Tierreich herum, sodass ihn ein Notruf aus Afrika erreicht, wo viele Affen unter einer schlimmen Krankheit leiden…

Persönliche Meinung: „Doktor Dolittle und seine Tiere“ ist ein Kinderbuchklassiker von Hugh Lofting. Das Buch erschien zuerst 1920 und ist der Auftakt der mehrbändigen „Doktor Dolittle“-Reihe. Bebildert ist die Ausgabe des Anaconda Verlags mit Originalillustrationen Loftings. Das Kinderbuch wird aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers erzählt. Die Handlung dreht sich um Doktor Dolittle, der, gemeinsam mit einigen seiner Tiere, nach Afrika reist, um dort die erkrankten Affen zu kurieren. Auf ihrer Reise bestehen die ungleichen Gefährten einige Abenteuer. Besonders gut gelungen sind die Szenen mit den Tieren, in denen sie mal menschliche (Haushalts-)Aufgaben übernehmen, teilweise unbedarft auftreten, oft aber klüger als die menschlichen Figuren sind. Erzählt wird dabei meist mit einem humorvollen Augenzwinkern, bei dem die menschlichen Figuren – abgesehen von Dr. Dolittle – selten gut wegkommen. Häufig sorgt dies für lustige Szenen. Die Szenen in Afrika, in denen ein indigener „König“ und ein „Prinz“ auftreten, fand ich allerdings problematisch. Hier zeigt sich Lofting als Kind seiner Zeit und nutzt (implizit) rassistische Stereotype: Der König erscheint als „Wilder“; der Prinz als dümmlich-naiv und mit seiner Hautfarbe unzufrieden (Der Doktor fängt die Szene mit dem Prinzen zwar insofern auf, als dass er abschließend sagt, wahre Schönheit habe nichts mit Äußerlichkeiten zu tun, sondern mit einem guten Herzen – und dieses habe der Prinz auf jeden Fall. Ein negativer Beigeschmack bleibt aber. Z.T. sind diese Szenen in anderen Ausgaben weggelassen worden). Insgesamt ist „Doktor Dolittle und seine Tiere“ ein Abenteuerroman, der v.a. durch die sprechenden, menschlich agierenden Tiere viele witzige Momente besitzt. Die ansonsten leichte und abenteuerliche Geschichte wird allerdings durch einzelne Passagen getrübt, in denen rassistische Stereotype genutzt werden. Diese Passagen sollten kritisch und reflektiert gelesen und – besonders, wenn man „Dr. Dolittle“ mit Kindern liest – nicht einfach so stehen gelassen werden.

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Veröffentlicht am 07.02.2022

Elf Kurzgeschichten voller Grusel, Mystery und Atmosphäre

Derrière La Porte
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„Derrière La Porte“ ist ein Kurzgeschichtenband von Michael Leuchtenberger. Der Schwerpunkt des Bandes liegt auf Horror-/Gruselgeschichten; es finden sich allerdings auch Erzählungen anderer Genres. Jeder ...

„Derrière La Porte“ ist ein Kurzgeschichtenband von Michael Leuchtenberger. Der Schwerpunkt des Bandes liegt auf Horror-/Gruselgeschichten; es finden sich allerdings auch Erzählungen anderer Genres. Jeder Geschichte ist außerdem ein kleiner Text vorangestellt, in dem Michael Leuchtenberger Einblicke in den Entstehungsprozess der jeweiligen Erzählungen gibt. Insgesamt bestechen die Kurzgeschichten durch eine hohe atmosphärische Dichte: Die jeweiligen Handlungen entfalten sich meist behutsam, sodass sich oft eine latente Spannung/ein subtiler Grusel durch die Geschichten zieht. Zudem lassen sich die Kurzgeschichten sehr flüssig lesen. Damit man sich ein besseres Bild von dem Sammelband machen kann, stelle ich im Folgenden jede Geschichte kurz und spoilerfrei vor.

1. Den Beginn von „Derrière La Porte“ macht „Das Archiv“. Erzählt wird die Geschichte in Briefform von Johannes Meerbusch, der, als Mitarbeiter eines hochschulischen Zentralen Prüfungsamtes, die Aufgabe hat, die Dokumente eines lang verschlossenen Kellerraumes zu sortieren. Schnell erkennt er, dass der Kellerraum nicht umsonst abgeschlossen war. „Das Archiv“ ist eine sehr atmosphärische Gruselgeschichte mit einem unheimlichen Setting. Der Grusel breitet sich innerhalb der Handlung schön sanft aus, wodurch die Erzählung einen besonderen Sog auswirkt.

2. „Lampionfest“, eine Geschichte über die Mitglieder eines Campingvereins, ist keine paranormale Erzählung. Im Gegenteil: Sie könnte sich genauso in unserer Welt abspielen, da sie sich mit einem gesellschaftlich relevanten Problem auseinandersetzt. Auch „Lampionfest“ besticht durch einen behutsamen Aufbau, wodurch das Ende umso eindrücklicher wird.

3. „Die schwarzen Augen“ ist eine Horrorgeschichte, die im 18. Jahrhundert in Frankreich spielt. Der Plot dreht sich um zwei junge Liebende, deren Glück jäh unterbrochen wird.

4. „Zwei Inseln“ ist die kürzeste Geschichte des Bandes. Sie spielt in einer dystopischen Zukunft, in der das Klima vollends gekippt und die Klimakatastrophe Realität geworden ist.

5. „Marie Marais“ handelt von einem Reisenden und seiner schaurigen Tante. Auch diese Geschichte ist wieder dem Horrorgenre zuzuordnen. Besonders gut hat mir die eindrückliche Beschreibung des Verhaltens der Tante gefallen.

6. „Dein Name an der Tür“, in deren Mittelpunkt ein ruinöses Haus steht, zeichnet sich durch eine große Vagheit aus, die in eine träumerische Richtung geht. Durchzogen ist die Erzählung von einem melancholischen Ton.

7. In „Das schwarze Bild“ spielen erneut paranormale Elemente eine große Rolle. Sie handelt von einer Freundschaft, die in Hass umschlägt. Die Geschichte hat eher einen prologartigen Charakter, sodass am Ende nicht alle Fragen geklärt werden.

8. „Radegundes Kamm oder Die unverhoffte Flucht“ ist eine interessante Mischung aus Märchenmotiven und Science-Fiction-Elementen. Zu Beginn erinnert die Geschichte an „Rapunzel“, allerdings wendet sie sich schnell in Richtung Sci-Fi: Radegundes Kamm ist nämlich ein Smart Device, das mit der Zeit gelernt hat, Mitleid zu empfinden. „Radegundes Kamm“ ist aufgrund dieser Ausgangslage für mich die außergewöhnlichste Geschichte der Kurzgeschichtensammlung und – neben „Das Archiv“ – eine meiner Lieblingsgeschichten.

9. „Geisternetz“ ist eine Horrorgeschichte, die von einer Gruppe Umweltschützer handelt, die Geisternetze aus dem Ozean beseitigen. Eines dieser Geisternetze besitzt aber ein Eigenleben, sodass die Gruppe selbst in eine unvorhersehbar gefährliche Situation gerät. „Geisternetz“ hat eine schöne Spannungskurve, die sich schrittweise steigert.

10. „Der Despot“ ist wieder in unserer Welt angesiedelt. Die Erzählung handelt von einer Figur, die ihr despotisches Verhalten immer weiter steigert - bis zu einem fulminanten Ende, das fassungslos zurücklässt.

11. „Derrière La Porte“ schließt mit „Blauglas“, einer Fantasygeschichte, in der ein besonderes Artefakt gesucht wird. Die Handlungswelt besitzt leicht dystopische Züge; auch subtiler Grusel kommt in der Handlung vor. An dieser Geschichte hat mir besonders die Direktheit des Endes gefallen.

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Veröffentlicht am 06.02.2022

Ein spannender Thriller mit interessanten Figuren

Bis in den Tod hinein
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Inhalt: Eine Mordserie erschüttert Berlin: Innerhalb kürzester Zeit wird das LKA-Team um Kommissar Severin Boesherz zu drei verschiedenen Tatorten gerufen. Dabei gleicht keine Tat der anderen: Jeder Mord ...

Inhalt: Eine Mordserie erschüttert Berlin: Innerhalb kürzester Zeit wird das LKA-Team um Kommissar Severin Boesherz zu drei verschiedenen Tatorten gerufen. Dabei gleicht keine Tat der anderen: Jeder Mord ist auf das jeweilige Opfer zugeschnitten. Einziges Bindeglied: Eine bestimmte Zahl, die bei jeder Leiche gefunden wird und deren genaue Bedeutung Rätsel aufgibt. Zeitgleich zu den Morden verschwindet zudem ein Topmodel, das eigentlich in der nahen Zukunft für eine Casting-Show vor der Kamera stehen sollte. Ist sie ebenfalls ein Opfer des Serienkillers? Oder hat ihr Verschwinden eine ganz andere Bedeutung?

Persönliche Meinung: „Bis in den Tod hinein“ ist ein Thriller von Vincent Kliesch. Der Thriller erschien bereits 2013 im Blanvalet Verlag und ist jetzt von Droemer Knaur neu aufgelegt worden. Es handelt sich um den ersten Band der Bösherz-Dilogie. Erzählt wird der Thriller hauptsächlich aus den personalen Erzählperspektiven Boesherz‘ und des Täters. Beide sind auf ihre Art interessante Figuren. Boesherz ist ein Ermittler, der seinen eigenen Kopf hat und zwischendurch auch unkonventionelle Wege geht, um sein Ziel zu erreichen. Er tritt eher forsch auf – mal charmant, mal arrogant – und ist in „Bis in den Tod hinein“ noch nicht so eine nachdenkliche, zurückgezogen lebende und gebrochene Figur wie später in „Im Auge des Zebras“. Auch die Täterfigur, in deren Psyche man tiefe Einblicke erhält, wird eindrücklich gezeichnet: Der Täter ist stark neurotisch, penibel und zwanghaft; zugleich besitzt er eine gesteigerte Liebe zur deutschen Sprache. Dementsprechend individuell und speziell ist auch sein Motiv für die Morde (Um Spoiler zu vermeiden, gehe ich auf das Motiv nicht näher ein. Ich fand es aber sehr originell und stimmig). Die Identität des Täters wird im Vergleich zu anderen Thrillern/Krimis bereits recht früh offenbart, aber das nimmt der Handlung nicht die Spannung. Denn: Der Fall ist komplexer und hintergründiger, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Außerdem fährt die Handlung zweigleisig, indem sie – zusätzlich zu den Mordfällen – einen weiteren Fall behandelt: Das Verschwinden des Topmodels, bei dem nicht Boesherz, sondern Dennis Baum, ein Kollege Boesherz‘, ermittelt. Zur Handlung selbst möchte ich nicht zu viel verraten. Nur: Sie ist insgesamt sehr gut durchdacht, schön aufgebaut und besitzt mehrere überraschende Wendungen. Durch die kurzen Kapitel wird sie außerdem temporeich erzählt. Insgesamt ist „Bis in den Tod hinein“ ein fesselnder Thriller mit einer wendungsreichen Handlung und interessanten Figuren.

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