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Veröffentlicht am 24.03.2021

Ein Krimi mit einer außergewöhnlichen Thematik

Die Komplizen des Todes
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Inhalt: Bei einer Massenkarambolage erwartet die Polizisten ein schrecklicher Fund: 48 Leichen in einem Lastwagen-Container. Der Fahrer ist verschwunden, die Leichen, scheinbar mit einer hochansteckenden ...

Inhalt: Bei einer Massenkarambolage erwartet die Polizisten ein schrecklicher Fund: 48 Leichen in einem Lastwagen-Container. Der Fahrer ist verschwunden, die Leichen, scheinbar mit einer hochansteckenden Krankheit infiziert, ohne Ausweis oder sonstige Papiere. Doch damit nicht genug: Die Lüftungen des Containers sind mit Klebeband versiegelt worden, sodass nicht mehr von Unfalltoten die Rede sein kann.

Persönliche Meinung: „Die Komplizen des Todes“ ist der dritte Band der Krimi-Reihe um die Kommissarin Laura Braun und die Gerichtsmedizinerin Elena Salonis (zugleich ist „Die Komplizen des Todes“ auch der erste im Kirschbuch Verlag erschiene Band der Reihe). Auch wenn man die vorherigen Bände nicht kennt, kommt man zügig in die Handlung und kann die Beziehungen der Figuren untereinander nachvollziehen. Der Fall ist außerdem in sich abgeschlossen. Inhaltlich dreht sich „Die Komplizen des Todes“ um ein außergewöhnliches Thema: die Nutzung bzw. den Handel von und mit menschlichen Leichen. Atmosphärisch dicht sind dabei besonders die Szenen, die in einer Ausstellung spielen, die an „Körperwelten“ erinnern. Erzählt wird die Handlung abwechselnd aus der Perspektive von Laura Braun und Elena Salonis (dritte Person), die eine nicht reibungslose Freundschaft teilen. Der Schreibstil von Kirsten Sawatzki ist insgesamt sehr eingängig und flüssig zu lesen, was den Krimi zu einer angenehmen Lektüre macht. Die Konstruktion des Falls hätte für mich allerdings noch etwas undurchsichtiger und verworrener sein können. Zwar sind die Täteridentität und das Ende überraschend, allerdings war mir die Fallaufklärung insgesamt etwas zu gradlinig, wodurch falsche Fährten zu kurz kamen. Insgesamt ist „Die Komplizen des Todes“ ein angenehm geschriebener, spannender Schmöker, der in Sachen Komplexität etwas hätte zulegen können.

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Veröffentlicht am 17.03.2021

Noch besser als der "Blaubär"

Rumo & die Wunder im Dunkeln
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Inhalt: Gerade als Rumo erahnt, dass er kein normaler Wolpertinger ist, ist sein behagliches Leben vorbei: Einäugige Riesen marodieren den Fhernhachenhof, auf dem der kleine Wolpertinger lebt, und verschleppen ...

Inhalt: Gerade als Rumo erahnt, dass er kein normaler Wolpertinger ist, ist sein behagliches Leben vorbei: Einäugige Riesen marodieren den Fhernhachenhof, auf dem der kleine Wolpertinger lebt, und verschleppen die Bewohner auf die Wandernden Teufelsfelsen. Gefangen in der Vorratskammer der Riesen beginnt der Kampf ums Überleben, den er nur gemeinsam mit der Haifischmade Volzotan Smeik überleben kann. Doch die Wandernden Teufelsfelsen sind erst der Anfang eines großen Abenteuers...

Persönliche Meinung: "Rumo & Die Wunder im Dunkeln" ist der dritte Roman des Zamonien-Zyklus. Neben Rumo, dem Protagonisten des Romans, treten unterschiedliche Figuren auf, die man bereits aus "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" kennt, sodass man sich auf das ein oder andere Wiedersehen - in den unerwartbarsten Situationen - freuen kann. (Besonders Rumo und Smeik sind in "Rumo" sympathischer charakterisiert als im "Blaubär", sodass man sich rückwirkend fragt, inwiefern der Lügengladiator Blaubär im "Blaubär" überhaupt seine Erlebnisse glaubwürdig geschildert hat.) Unterteilt ist Rumo in die Bücher "Obenwelt" und "Untenwelt", wodurch ein zweifacher Cursus entsteht, der strukturell an die Aventiurefahrten der mittelalterlichen Artusepik erinnert. Der erste Teil "Obenwelt" besitzt zudem leichte Tendenzen eines Entwicklungsromans. Rumo reift körperlich und geistig heran, erlernt Fertigkeiten, findet eine Heimat und verliebt sich. Besonders gut gefallen hat mir auch das umfangreiche Worldbuilding, das im Vergleich zum "Blaubär" noch verfeinert worden ist. So besucht Rumo die unterschiedlichsten - z.T. gegensätzlichsten - Orte, trifft verschiedenste Lebewesen und besteht mannigfaltige Abenteuer, wodurch eine Welt mit gigantischen Ausmaßen entsteht. Dabei hat Moers es wie schon im "Blaubär" geschafft, eine äußerst stimmige Handlung zu kreieren: Zwar dreht und wendet sich die Handlung auf den ersten Blick willkürlich, aber (scheinbar) lose Enden werden immer wieder aufgegriffen, sodass insgesamt eine runde Handlung mit einigen überraschenden Auftritten und Aufdeckungen entsteht. Neben Leidenschaft steckt auch viel Fleiß in "Rumo". Bei Moers muss man sich allerdings darauf einstellen, dass er häufig abschweift und immer mal wieder Mikroerzählungen in die Handlung einpflegt (Hintergrundgeschichten zu bestimmten Figuren etc.), wodurch der Erzähl- und Handlungsfluss kurzzeitig durchbrochen wird. In "Obenwelt" funktioniert das ganz gut und ist nicht hemmend; in "Untenwelt" wird das Abschweifen allerdings ein wenig exzessiv, sodass sich die Handlung in eher unwichtige Detailfragen zu verlieren droht. Das ist aber insgesamt nur ein vergleichsweise kurzer Moment, der sich schnell wieder legt. Ansonsten ist "Rumo" eine schöne, spaßige Geschichte, die man gerne liest - mit gewohnt viel Ideenreichtum, Wortwitz und Referenzen. Mir hat "Rumo" sogar noch besser gefallen als "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär".

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Veröffentlicht am 13.03.2021

Geschichten über den Schulweg nach Hause

Asphalthelden
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Inhalt: Ein Junge läuft mit einem Besenhund durch die Schule. Ein Mädchen schreibt alles auf, was auf ihrem Schulweg passiert. Gleichbleibendes wie Abweichendes. Ein Opa ist sanft wie Cinderella aber auch ...

Inhalt: Ein Junge läuft mit einem Besenhund durch die Schule. Ein Mädchen schreibt alles auf, was auf ihrem Schulweg passiert. Gleichbleibendes wie Abweichendes. Ein Opa ist sanft wie Cinderella aber auch hart wie ein Sinterstein. Eine Gang klaut – aber nur Pennys. Ein Skateboard geht zu Bruch. Und: Immer mal wieder fällt ein Bus vom Himmel.

Persönliche Meinung: „Asphalthelden“ ist ein Kinder- und Jugendbuch des US-amerikanischen Schriftstellers Jason Reynolds und versammelt 10 Erzählungen. Thematisch drehen sich die Erzählungen um einen Gang (oder Fahrt), den wir alle kennen: den Heimweg von der Schule nach Hause. Die titelgebenden Asphalthelden sind meist Kinder mit einem tragischen Hintergrund. Familienangehörige sind krank oder tot, die Kinder haben einen Unfall miterlebt oder werden gemobbt. Jason Reynolds schafft es allerdings trotz der Ernsthaftigkeit und Tiefründigkeit der Thematiken, einfühlsame Geschichten zu erzählen, die mit einer Prise Humor gewürzt sind (Nur die erste Geschichte „Wasser, Popel, Bären“ wirkt zu albern, da hier viel über Popel geredet wird, was die Ernsthaftigkeit der Geschichte in den Hintergrund rückt). Oft ist es bei den Erzählungen so, dass sie sich langsam aufbauen und ihr wahrer Gehalt erst im letzten Abschnitt offenbart wird. Dabei ist das Ende zwischendurch auch mal offener, aber stimmig und versöhnlich. Unabhängig davon, wie schlimm die Situation ist, existiert immer ein kleiner Hoffnungsschimmer. Auf den ersten Blick erscheinen die einzelnen Geschichten losgelöst voneinander. Doch mit der Zeit erkennt man, dass sie miteinander verflochten sind und in einem Häuserblock spielen. Einzelne Kinder haben gewissermaßen Cameo-Auftritte, Gegenstände sind als Easter Eggs versteckt und Straßenzüge bzw. Geschäfte werden passiert, sodass sich ein Netzwerk aus Querverweisen ergibt. Interessant ist dabei, dass bestimmte Stellen erst nach der Lektüre einer späteren Geschichte Sinn machen und dadurch „von hinten motiviert“ sind. (Um nur ein Beispiel zu nennen: In einer Geschichte umarmt ein Protagonist die Schülerlotsin. Was der Grund dafür ist, erfahren die Leser*innen erst in einer späteren Geschichte). Besonders hat mir dabei gefallen, dass die Querverweise subtil sind: Wie nebenbei, meist in einem Nebensatz, werden Figuren, Gegenstände oder Orte aus anderen Erzählungen in die aktuelle miteinbezogen, ohne dass dies großartig erläutert wird. So wird das Gefühl erzeugt, man lese Mosaikstücke aus dem Leben eines Häuserblocks. Insgesamt ist „Asphalthelden“ eine schöne Sammlung mit einfühlsamen Geschichten, die immer irgendwie zusammenhängen.

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Veröffentlicht am 13.03.2021

Eine Weihnachtssatire

Die Falle
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Inhalt: Herr Lemm sucht einen Weihnachtsmann für seine Kinder. Beim Studentenwerk wird er fündig. Doch der studentische Weihnachtsmann ist so ganz anders, als die Familie Lemm vermutet hat. Die Falle ist ...

Inhalt: Herr Lemm sucht einen Weihnachtsmann für seine Kinder. Beim Studentenwerk wird er fündig. Doch der studentische Weihnachtsmann ist so ganz anders, als die Familie Lemm vermutet hat. Die Falle ist zugeschnappt.

Persönliche Meinung: „Die Falle“ ist eine Satire von Robert Gernhardt, die zu Weihnachten spielt. Sie erschien zuerst 1966 und steht damit im Windschatten der 1968er-Bewegung, was man ihrem Figurenrepertoire auch anmerkt: Familie Lemm ist gutbürgerlich und der studentische Weihnachtsmann hat anarchistische und anti-autoritäre Tendenzen. Besonders am Ende der Geschichte werden sowohl die kapitalistische Marktwirtschaft als auch die Ideen der 68er-Bewegung aufs Korn genommen. Sie ist weniger eine heimelige Weihnachtsgeschichte, sondern zeigt, wie Weihnachten aus der Perspektive der 68er-Generation aufgefasst werden konnte: als verkrustetes Fest der Altvordern und des Kapitalismus. Bebildert ist die Ausgabe vom Verfasser selbst. Man sollte allerdings keinen Roman und keine Novelle erwarten: Es handelt sich bei „Die Falle“ um eine kurze, humorvolle Geschichte, die man – bei einem gemächlichen Tempo – vermutlich in 30 Minuten gelesen hat.

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Veröffentlicht am 13.03.2021

Der Papst: Ein Schlitzohr

Ostergeschichte
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Inhalt: Ein evangelischer Journalist sitzt am Ostersonntag mutterseelenallein in einer Kneipe in Rom. Gerade will er gehen, doch gleichzeitig betritt ein neuer Gast die Bar. Zuerst glaubt der Journalist ...

Inhalt: Ein evangelischer Journalist sitzt am Ostersonntag mutterseelenallein in einer Kneipe in Rom. Gerade will er gehen, doch gleichzeitig betritt ein neuer Gast die Bar. Zuerst glaubt der Journalist seinen Augen nicht – denn der Gast entpuppt sich als Karol Wojtyla und der ist so ganz anders, als man sich den Papst eigentlich vorstellt.

Persönliche Meinung: „Ostergeschichte“ ist eine Kurzgeschichte von Robert Gernhardt, die zuerst 1986 erschien. Inhaltlich dreht sich „Ostergeschichte“ um das Gespräch zwischen dem Journalisten Peter Maski und dem Papst. Karikatureske Züge erhält die Kurzgeschichte durch den Hintergrund der Gesprächspartner. Auf der einen Seite findet sich das Oberhaupt der katholischen Kirche, auf der anderen Seite ein evangelischer Journalist, der – gezwungenermaßen – an Ostersonntag in Rom ist, bei der Ostermesse aber gar nicht richtig zugehört hat, weil es ihn wenig interessierte. Nun sieht er sich in der Bredouille, weil der Papst wissen möchte, wie ihm die Messe gefallen hat. Der Papst spricht dabei völlig ungezwungen: Ihn stört das Zwanghafte des katholischen Ritus, das schmeichlerische Verhalten der Kardinäle und der Umstand, dass ihn keiner aus seinem näheren Umkreis auf seine persönlichen Fehler hinweist. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und vergreift sich mit seiner Wortwahl auch ein, zweimal im Ton. Besonders die Pointe der Geschichte (Stichwort: Schlitzohr) hat mir gut gefallen. Insgesamt ist „Ostergeschichte“ eine humorvolle Kurzgeschichte über eine unerhörte Begegnung.

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