Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Eine schöne Sammlung humorvoller Geschichten mit Tiefgang - nicht nur zu Ostern

Kleiner Hase Baldrian und andere Hasengeschichten
0

“Kleiner Hase Baldrian” versammelt vier Hasengeschichten von Janosch. Den Auftakt macht dabei die titelgebende Geschichte “Kleiner Hase Baldrian”: Ein wilder Hund hat das Karnickeldorf am Fluss unterjocht ...

“Kleiner Hase Baldrian” versammelt vier Hasengeschichten von Janosch. Den Auftakt macht dabei die titelgebende Geschichte “Kleiner Hase Baldrian”: Ein wilder Hund hat das Karnickeldorf am Fluss unterjocht und es zur gesetzlosen Zone erklärt. Spaßeshalber will er den gutmütigen Hasen Baldrian zum König erklären, doch die “Herrschaft” des Baldrian verläuft ganz anders, als der wilde Hund ahnt… “Kleiner Hase Baldrian” ist das Highlight des Bandes: ein modernes Märchen über die Kraft von Genüg- und Geruhsamkeit, fein erzählt. Die zweite Geschichte “Als Schnuddel einen Hasen fing”, in der Baldrian ebenfalls eine Nebenrolle spielt, ist eine Variation des Musters “Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein”. Sentenzartig geht es in dem kurzen Text “Der Hase und die Maus” zu, in dem eine ungewöhnliche Beziehung thematisiert wird. Den Abschluss bildet “Wo ist Jochen Gummibär?”, in dem ein furchtloses Häschen auftritt. Jede Geschichte ist ansprechend und reichlich mit Aquarellen im typischen Janosch-Stil versehen. Im Anhang findet sich abschließend ein Nachwort des Cartoonisten Peter Gaymann, in dem dieser über den persönlichen Kontakt zu Janosch berichtet, die (Nicht)Logik in dessen Texten anspricht und den Zeichenstil von Janosch beleuchtet. Insgesamt ist “Kleiner Hase Baldrian” eine schöne Sammlung humorvoller Geschichten mit Tiefgang - eine lohnende Lektüre, nicht nur zu Ostern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2026

Eine schöne Einstimmung auf das Weihnachtsfest

Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz
0

“Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” ist eine Sammlung von Gedichten, Balladen, Briefe und Kurzgeschichten mit weihnachtlichem Bezug aus der Feder von J. Ringelnatz. Gruppiert sind die Texte in ...

“Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” ist eine Sammlung von Gedichten, Balladen, Briefe und Kurzgeschichten mit weihnachtlichem Bezug aus der Feder von J. Ringelnatz. Gruppiert sind die Texte in sieben thematische Kapitel. So versammelt “In Schnee und Eis” Texte, die die winterliche Natur einfangen - sei es mithilfe eines Spaziergangs (z. B. “Bist du nie durch verschneite Nächte gegangen” (sehr stimmungsvoll!) oder “Stille Winterstraße” (eher düster)), in Betrachtung winterlicher Tiere (das lautmalerische “Pinguine”) oder durch den Wintersport (die humorvollen Gedichte “Ruf zum Sport” und “Eis-Hockey”). Der zweite thematische Komplex “Der Zauber der Vorweihnachtszeit” beinhaltet zwei heimelige Texte, in denen der Tannenbaum (Kinder-)Augen zum Leuchten bringt (“Vorfreude auf Weihnachten”, “Der Weihnachtsbaum”). Das dritte Kapitel, “Das Fest der Seligkeit”, thematisiert Weihnachtsfeierlichkeiten - mal in Gesellschaft (“Weihnachten”), mal allein (“Einsiedler heiliger Abend”). “Kostbare Gaben”, der vierte Abschnitt, versammelt Gedichte, die sich rund um das Schenken an Heiligabend drehen. In “Weihnachten in weiter Ferne” wird ein Perspektivwechsel vorgenommen: Weihnachten wird durch den Blick eines fernab der Heimat stationierten Soldaten wahrgenommen. So spürt Ringelnatz in gleichnamigem Text dem Gefühl “Heimweh” nach und thematisiert Weihnachtsfeste auf hoher See (u.a. mit der Figur Kuttel Dadeldu). Besonders eindrucksvoll ist “Lichter im Schnee”, in dem die Vorweihnachtszeit mit den Schrecken des Kriegs (in Form einer Fronterfahrung) verknüpft wird. Die Thematik “Heimweh” wird im folgenden Kapitel “Weihnachtsgrüße” weitergeführt, in dem sich Briefe und Gedichte von Ringelnatz finden, die er an seine Familie daheim schickte. Den Abschluss des Bändchens bildet “Ein neues Jahr bricht an”. Hier finden sich vordergründig Gedichte, die die Bedeutung von Silvester als “Neustart” hinterfragen (insbesondere sozialkritisch in “Silvester I + II”). Insgesamt versammelt “Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” sowohl humorvolle als auch nachdenklich stimmende Texte. Besonders eindrucksvoll sind dabei diejenigen, die beides - z. T. mit einem kontrastierenden Bruch - thematisieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Eine feinsinnige Erzählung mit tragischer Note

Der Bücherfreund
0

“Der Bücherfreund” ist eine Erzählung von Monika Helfer, in deren Mittelpunkt eine Vater-Tochter-Beziehung steht. Die namenlos bleibende Tochter erzählt hier (als Ich-Erzählerin) die Geschichte ihres Vaters: ...

“Der Bücherfreund” ist eine Erzählung von Monika Helfer, in deren Mittelpunkt eine Vater-Tochter-Beziehung steht. Die namenlos bleibende Tochter erzählt hier (als Ich-Erzählerin) die Geschichte ihres Vaters: Der kriegsversehrte Vater führt nach dem Krieg gemeinsam mit seiner Ehefrau ein Erholungsheim. Unverhofft erhält das Erholungsheim eine große Büchersammlung geschenkt, die der Vater wie seinen Augapfel hütet. Bücher begleiten ihn im Folgenden durch seinen ganzen weiteren Lebenslauf - mit all den noch kommenden Schicksalsschlägen. Die Handlung beginnt eher behutsam: Das Erholungsheim erscheint für die junge Ich-Erzählerin als Idyll (und wird auch atmosphärisch als solches beschrieben). Je weiter die Handlung voranschreitet, desto höher ist allerdings die Taktung der Momente, die das Idyll einbrechen lassen. "Der Bücherfreund” wird so eine tragische Erzählung, die gleichzeitig aber auch mit der Hoffnung angereichert ist, dass es immer etwas gibt, wofür es sich zu leben, weiterzumachen lohnt. Illustriert wurde die Erzählung von Kat Menschik mit blau-weißen Bildern, in denen auf schöne Weise mehrere Erzählsequenzen verschmelzen. Interessant ist dabei, dass es immer weiße Flecken gibt - z. B. Buchrücken, die nicht ausgefüllt werden; eine Reihe Kriegsversehrter, die weiße Schemen bleiben -, wodurch die Betrachtenden dazu aufgefordert werden, diese Lücken selbst zu füllen. Insgesamt ist “Der Bücherfreund” eine feinsinnige Erzählung mit tragischer Note.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Eine schöne Mischung aus Romantik und Spannung

Emma Bell
0

Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die ...

Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die beiden sich näher kommen und sich schließlich küssen, passiert das Schlimmstmögliche: Ruths Mutter ertappt sie, entlässt das Hausmädchen und schickt Ruth aufs Land zu ihrem Onkel. Dort begegnet sie der geheimnisvollen Emma, der Ehefrau ihres Mannes, zu der sie sich sofort angezogen fühlt…

Persönliche Meinung: “Emma Bell” ist ein viktorianischer Thriller von Josephine Ashford (aka Josephine Katharina Groß). Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Ruth, einer einfühlsamen jungen Frau, die in der Welt, in der sie lebt, nicht akzeptiert wird und sich daher in sich zurückgezogen hat. Ähnlich erging es nach eigenem Bekunden der zweiten Protagonistin: der titelgebenden Emma. In einer kurzen Binnenerzählung beschreibt Emma, wie sie - nach dem Tod ihres Vaters - von Stiefmutter und -bruder heftig drangsaliert wurde (diese Szenen werden von Josephine Ashford sehr eindrücklich und intensiv geschildert, sodass man unweigerlich mit Emma fühlt). Die Handlung von “Emma Bell” lässt sich in zwei Teile gliedern. Die erste Hälfte des Romans dreht sich um das Kennenlernen von Ruth und Emma: Gemeinsam machen sie Ausflüge, erleben Weihnachten und offenbaren sich ihre tiefsten Geheimnisse, aus Freundschaft entwickelt sich eine zarte Liebe. Zur zweiten Hälfte des Romans möchte ich wegen großer Spoilergefahr gar nicht zu viel sagen. Nur: Sie beginnt mit einem überraschenden Twist und die Dramatik der Handlung steigt stark. Der Schreibstil von Josephine Ashford ist anschaulich und lässt sich sehr flüssig lesen. Eine weitere Besonderheit von “Emma Bell” ist, dass der Roman umfangreich illustriert ist: Es finden sich sehr viele detaillierte Zeichnungen der Autorin, die die Handlung schön bebildern. Insgesamt ist “Emma Bell” ein queerer Roman im viktorianischen Gewand mit einer schönen Mischung aus Romantik und Spannung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Ein entschleunigender Roman

Mathilde und Marie
0

Inhalt: Die junge Französin Marie will einfach nur weg - aus dem lärmenden Paris und ihrem bisherigen Leben. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, der sie sich - entgegen ihrem eigentlichen Naturell ...

Inhalt: Die junge Französin Marie will einfach nur weg - aus dem lärmenden Paris und ihrem bisherigen Leben. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, der sie sich - entgegen ihrem eigentlichen Naturell - öffnet. Jónína lädt sie ein, sie nach Redu, dem Bücherdorf in den Ardennen, zu begleiten, um dort zur Ruhe zu kommen. Marie stimmt nach kurzem Überlegen zu - und trifft auf einen Ort, in dem die Zeit anders tickt, eine Gemeinschaft, die zusammenhält, und einen Wald, in dem man Natur erleben kann. Ein Idyll - wäre da nicht die mürrische Mathilde, die durch irgendetwas bedrückt zu sein scheint…

Persönliche Meinung: “Mathilde und Marie” ist ein Roman von Torsten Woywod. Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden titelgebenden Protagonistinnen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: Während Marie empfind- und einfühlsam und gerade auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben ist, lebt die (scheinbar) harte und schroffe Mathilde zurückgezogen; mit dem Leben scheint sie abgeschlossen zu haben. Neben diesen beiden Perspektiven tritt mit Jónína eine weitere wichtige Figur mit eigenen PoV-Kapiteln auf, die gewissermaßen eine Vermittlerposition zwischen den beiden titelgebenden Protagonistinnen einnimmt. Alle drei Figuren eint, dass sie es in der jüngsten Vergangenheit nicht leicht hatten. Für eine latente Spannung sorgt dabei, dass erst nach und nach offenbart wird, was die jeweilige Figur belastet/bedrückt (besonders bei Mathilde ist der Spannungsaufbau dabei sehr gelungen). Mit ihren Eigenheiten, Ecken und Kanten sind die Figuren sehr lebendig und dreidimensional gezeichnet. Generell ist “Mathilde und Marie” ein erdender, entschleunigender Roman: Das Kennenlernen der Figuren und des Handlungsortes Redu erfolgt behutsam, es finden sich mehrfach idyllische Landschaftsbilder und die Bewohner von Redu zeigen eine alternative, nahezu auf Digitales verzichtende Lebensweise auf, die eher im Gleichklang mit der Natur erfolgt. Der Schreibstil von Torsten Woywod ist anschaulich und eingängig zu lesen. Insgesamt ist “Mathilde und Marie” ein Roman mit sehr lebendigen Figuren, der sich besonders für Lesende eignet, die eine erdende Auszeit vom stressigen Alltag suchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere