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Veröffentlicht am 12.06.2026

Ein schwer zu bewertender Krimi

Doppelspiel
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Inhalt: Der Bestseller-Autor Tom Borg kämpft mit einer Schreibblockade. Zwar hat er schon eine Idee für die Ausgangslage seines neuen Krimis - ein Mord in einem Jacuzzi -, doch für den Rest fehlt die Inspiration. ...

Inhalt: Der Bestseller-Autor Tom Borg kämpft mit einer Schreibblockade. Zwar hat er schon eine Idee für die Ausgangslage seines neuen Krimis - ein Mord in einem Jacuzzi -, doch für den Rest fehlt die Inspiration. Auf der Suche nach dieser begibt Tom sich in einen zwielichtigen Club in Stockholm - und findet sich plötzlich an einem Tatort wieder, der dem aus seinem Krimi ähnelt. Aufgrund der Indizienlage ist Tom Hauptverdächtiger, weshalb er vom Tatort flüchtet und sich vor der Polizei versteckt. Um seine Unschuld zu beweisen, ermittelt er auf eigene Faust - getrieben von der Frage, woher die Täter seinen Krimi-Mord kennen…

Persönliche Meinung: “Doppelspiel” ist ein Skandi-Krimi von Arne Dahl und Jonas Moström. Es handelt sich um den Auftakt einer Trilogie, die sich um den Krimi-Autor Tom Borg dreht. Erzählt wird die Handlung aus mehreren Perspektiven, wobei Tom und die Ermittlerin Olivia Woolf die Hauptperspektiven bilden. Tatsächlich war Olivia für mich sogar die interessantere der beiden Figuren, weil sie komplexer als Tom angelegt ist: Sie fühlt sich mit ihrem Mann nicht mehr auf einer Wellenlänge, weshalb sie sich von ihm trennen möchte, es aber nicht kann, da sie ihn immer noch - ein Stück weit - liebt; mit ihrem Job bei der Polizei ist sie ebenfalls nicht ganz im Reinen, da in ihrer Wahrnehmung die Täter oft nicht das bekommen, was sie verdienen. Zudem trägt sie ein Geheimnis, das nach und nach offenbart wird, mit sich herum. Die Handlung wird spannend erzählt - im Kleinen wie im Großen. So finden sich einerseits erzählerisch schön austarierte Spannungsmomente, andererseits wird der Mordfall immer vertrackter. Für besondere Brisanz sorgt, dass Tom und Olivia sich durch ihre Kinder persönlich kennen, sodass das Versteckspiel von Tom nervenaufreibender wird. Vor dem Hintergrund dieses starken Spannungsaufbaus flacht die Auflösung (wenn man sie überhaupt so nennen kann) stark ab: Wichtige Fragen, deren Antwort man gerne erfahren hätte, werden hier offengelassen. Vermutlich werden diese in den Folgebänden beantwortet, doch jetzt - wo diese Bände noch nicht vorliegen -, bleibt man etwas ratlos zurück. Dadurch fällt es mir schwer, “Doppelspiel” abschließend zu beurteilen. Es ist für mich eher ein großangelegter Prolog, der retrospektiv - nach der Lektüre der gesamten Reihe - potentiell positiv bilanziert werden könnte; allein für sich betrachtet, war er für mich eher enttäuschend, da nach dem Anheizen der Spannungskurve zu viele Fragen offen blieben.

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Eine facettenreiche Frühlingsanthologie mit tiefsinnigen Gedichten

Ein Frühlingstag mit Heinrich Heine
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“Ein Frühlingstag mit Heinrich Heine” ist eine Anthologie mit frühlingshaften Texten (meist Gedichten) von Heinrich Heine. Den Auftakt macht das Kapitel “Wenn es Frühling wird”, in dem sich Gedichte befinden, ...

“Ein Frühlingstag mit Heinrich Heine” ist eine Anthologie mit frühlingshaften Texten (meist Gedichten) von Heinrich Heine. Den Auftakt macht das Kapitel “Wenn es Frühling wird”, in dem sich Gedichte befinden, die die Natur beschreiben (wie das bissige “Wahrhaftig”, in dem zuerst eine idyllische Frühlingsszenerie entworfen wird, die jäh bricht, oder “Verliebt in die Blumen”, in der das Aufkeimen der Natur dargelegt wird). Im Mittelpunkt des folgenden Kapitels “Maisonne” steht der Wonnemonat. Hier findet sich u.a. ein Auszug aus der “Harzreise”: eine idyllisch beschriebene Wanderung durch das Ilsetal, bei der das erzählende Ich eine Blume aus Kindheitstagen entdeckt. Auch finden sich hier Gedichte, in denen die schön beschriebene Natur mit dem Inneren des lyrischen Ichs in Konflikt steht (“Es wurde Mai” oder “Gekommen ist der Maie”). Im dritten Kapitel “Frühlingsgesänge der Nachtigall” sind - man ahnt es schon - Gedichte abgedruckt, in denen Nachtigallen auftreten (wie “Das Lied der Nachtigall” (ein sehnsüchtiges Liebesgedicht), “Gesang der Nachtigall” oder “Rosen und Nachtigallen”). Im nächsten Kapitel “Ein Frühlingstraum” finden sich Gedichte, die in eine Traumwelt abdriften - so bspw. “Träumerei”, ein Liebesgedicht mit Brüchen, “Blühendes Zauberland”, in dem es um ein Traumland geht, das dem lyrischen Ich verwehrt bleibt, und “Frühlingswünsche”, ein Was-wäre-wenn-Gedicht. Nachdem die Liebe bereits teilweise in den vorherigen Kapiteln angeklungen ist, wird sie im vorletzten Kapitel “Der Frühling und die Liebe” mit Gedichten wie “Mein schönes Liebchen” oder “Blümlein der Ruh” direkt angesprochen. Eindrücklich, weil schaurig, ist hier besonders “Die Heimführung”, das eine einseitige Liebe thematisiert. Das letzte Kapitel “Blütenpracht” nimmt wiederum - mit Gedichten wie “Gartenspaziergang” oder “Veilchen und Rose” - die aufkeimende Pflanzenwelt in den Blick. In Bezug auf die Gedichte gilt häufig, dass Heine mit den Erwartungen der Lesenden spielt: Meist wird zunächst eine idyllische, harmonische Landschaft beschrieben, die dann aber plötzlich - in den letzten Versen des Gedichts - ins Negative kippt, wodurch die Gedichte eine interessante Ambivalenz erhalten. Insgesamt ist “Ein Frühlingstag mit Heinrich Heine” eine facettenreiche Frühlingsanthologie mit tiefsinnigen Gedichten.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Ein informatives Sachbüchlein

»Bruder Konrad«
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“Bruder Konrad” ist ein Sachbüchlein von Carsten Sick, das sich mit dem Aufenthalt von Konrad Adenauer in Maria Laach 1933/34 beschäftigt. Dabei werden unterschiedliche Facetten des Aufenthaltes beleuchtet. ...

“Bruder Konrad” ist ein Sachbüchlein von Carsten Sick, das sich mit dem Aufenthalt von Konrad Adenauer in Maria Laach 1933/34 beschäftigt. Dabei werden unterschiedliche Facetten des Aufenthaltes beleuchtet. Den Auftakt macht eine Beleuchtung der Gründe, weshalb Adenauer sich nach Maria Laach zurückzog: Adenauer stand im Dissens zu Adolf Hitler (u.a. ließ Adenauer als Kölner Oberbürgermeister während des Wahlkampfes Hakenkreuzflaggen an der Deutzer Brücke entfernen), sodass er - als Hitler an die Macht kam - aus dem Dienst enthoben wurde und persönliche Drohungen erhielt. Schutz suchte er in Maria Laach, das ein alter Schulfreund leitete. Ursprünglich war der Aufenthalt nur übergangsweise für 1 bis 2 Monate geplant, letztlich erstreckte er sich über ein Jahr. Anschaulich schildert Sick das Leben Adenauers in Maria Laach, über das es nur wenige Quellen gibt. So wird dargelegt, in welchem Zimmer Adenauer (vermutlich) wohnte, wie sein Tagesablauf aussah (Gebete und Spaziergänge), welche Lektüren er aus der Klosterbibliothek entlieh, welche (auch hochrangigen) Besucher er empfing und wie er dort ein Weihnachtsfest beging, das bis in die Bundeskanzlerzeit nachhallte. Sick gelingt es eindrücklich, die Ambivalenz, die Adenauer während des Aufenthaltes prägte, darzulegen: Einerseits war es für Adenauer eine der schwersten Zeiten seines Lebens, oft war er niedergeschlagen, andererseits zeugen die Briefe, die Adenauer schrieb, aber auch von einer gewissen Ausgelassenheit, die vermutlich in der erdenden Abgeschiedenheit von Maria Laach zu begründen ist. In einem Schlusskapitel führt Sick aus, inwiefern Adenauer auch nach seinem Aufenthalt Maria Laach verbunden blieb (z. B. durch die Stiftung eines Kirchenfensters). Ergänzt wird der Text durch zahlreiche Fotografien; außerdem finden sich mehrfach Zitationen aus Adenauers Briefen, sodass man ihn im O-Ton lesen kann. Insgesamt ist “Bruder Konrad” ein informatives, anschaulich geschriebenes Sachbüchlein über eine kurze, aber wichtige Lebensphase Konrad Adenauers.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Eine eindrückliche Reiseerzählung, die man unbedingt lesen sollte, wenn man die Moselregion bereits bereist hat

Die Moselreise
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“Die Moselreise” ist eine autobiografische Erzählung von Hanns-Josef Ortheil, die auf einer Reise basiert, die der Autor gemeinsam mit seinem Vater im Jahr 1963 unternahm (nach eigenen Angaben schrieb ...

“Die Moselreise” ist eine autobiografische Erzählung von Hanns-Josef Ortheil, die auf einer Reise basiert, die der Autor gemeinsam mit seinem Vater im Jahr 1963 unternahm (nach eigenen Angaben schrieb er unmittelbar nach der Reise auf Grundlage seiner Notizen die vorliegende Erzählung, weshalb “Die Moselreise” auch den Untertitel “Roman eines Kindes” trägt). Erzählt wird die Reise dementsprechend von einem Ich, dem kindlichen Reisenden. Die Reise führt Vater und Sohn, beginnend mit Koblenz, über Kobern-Gondorf, Burg Eltz, Cochem, Beilstein, Ediger-Eller, Bullay und Bernkastel-Kues bis nach Trier. Im Mittelpunkt stehen dabei einerseits Mikroabenteuer, die das Ich erlebt: die erste Übersetzung mit einer Fähre (ganz allein), eine Katze, die ihn nicht aus den Augen lässt, ein funkelndes Beilstein mit Tänzen, eine (langatmige) Führung durch Burg Eltz, das Rutschen über den Domstein in Trier oder auch das Fußballspielen mit anderen Kindern, die er auf der Reise trifft. Andererseits finden sich auch Reflexionen von Geschichte und Gegenwart: So philosophieren die beiden Protagonisten u.a. über die römische Geschichte der Moselregion, den Weinanbau und das gerade stattfindende Zweite Vatikanische Konzil. Ergänzt wird beides durch Beschreibungen der besuchten Städte, wobei insbesondere die Burg Eltz, Beilstein und Bernkastel-Kues atmosphärisch herausstechen. Interessant ist auch der erzählerische Aufbau der Reiseerzählung. Durchbrochen wird der Haupttext, die eigentliche Reise von Vater und Sohn, durch zwei Arten von Nebentexten: Postkarten, die der Ich-Erzähler an die daheimgebliebene Mutter schrieb, sowie kurze Überlegungen über Unterschiedlichstes (z. B. das Braunwerden, die Farben der Mosel, Heimweh, bleibende Erinnerungen oder die Planungsweise des Vaters). Der Ton der Erzählung ist eher kindlich, in einfachen Satzstrukturen; der Inhalt ist aber keineswegs naiv, sondern vergleichsweise tiefgehend. Eingeklammert wird “Die Moselreise” durch ein aufschlussreiches Vorwort und ein nicht minder erhellendes Nachwort. Im Vorwort schildert Ortheil die Entstehung “Der Moselreise”: Grund der Reise sei Ortheils zeitweises Verstummen gewesen, das mit familiären Verlusten einherging; die entschleunigende Reise mit seinem Vater sollte dazu beitragen, dass Ortheil wieder mehr auf Menschen zugehen konnte. Im Nachwort geht Ortheil u.a. darauf ein, wie wichtig, ja geradezu therapeutisch es für ihn sei, bereits bekannte Orte erneut zu besuchen. So auch in Bezug auf die Moselreise: Nach dem Tod seines Vaters wiederholte er die Reise so genau wie möglich, um den Tod zu verarbeiten. Insgesamt ist “Die Moselreise” eine eindrückliche Erzählung, in der Reisebeschreibungen, Betrachtungen über die damalige Weltlage und Vater-Sohn-Beziehung miteinander vermengt werden. Durch den Blick auf Moselland und Leute in den 1960ern ist der Text zudem eine kleine Zeitkapsel, die man unbedingt lesen sollte, wenn man die Moselregion bereits bereist hat

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Ein Horrorroman mit interessanten Ansätzen, der aber aufgebläht wirkt

Das gierige Haus
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Inhalt: Chicago, Mitte der 90er. Seit Jahren steht das alte McIntyre-Haus leer. In den 70ern geschah dort Grausames, doch die Erinnerung daran ist heute weitgehend verblasst, sodass das Haus für Mutproben ...

Inhalt: Chicago, Mitte der 90er. Seit Jahren steht das alte McIntyre-Haus leer. In den 70ern geschah dort Grausames, doch die Erinnerung daran ist heute weitgehend verblasst, sodass das Haus für Mutproben der Jugendlichen herhalten muss. So auch für die 13-jährige Jessie, die ihren kleinen Bruder Paul herausfordert, das Haus zu betreten. Doch: Die Mutprobe geht schief, Paul kehrt nicht aus dem Haus zurück und bleibt spurlos verschwunden. Das Haus wiederum scheint aus einem Schlaf erwacht…

Persönliche Meinung: “Das gierige Haus” ist ein Horrorroman von Christina Henry, in deren Mittelpunkt ein “Haunted House” steht. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive der (zu Beginn) jugendlichen Jessie, die nach dem Verschwinden ihres Bruders versucht, dem Geheimnis des Hauses auf die Spur zu kommen. Die Handlung des Romans verlief für mich eher durchwachsen: Nach einem starken Beginn, in dem von dem Verschwinden Pauls (und dessen Folgen für Jessies Familie) erzählt wird, flacht die Handlung zunehmend ab: Es gibt immer wieder mal seismographische Ausschläge (weitere Schicksalsschläge für Jessie; Vermisstenfälle, die mit dem Haus zusammenhängen), doch diese wirkten auf mich eher additiv und brachten - bis auf einzelne Ausnahmen - die Handlung wenig voran. Recht früh wird auch das Geheimnis des Hauses offenbart, sodass für mich auch in dieser Hinsicht die Spannung abflachte. Zwar wird dieses Geheimnis im zweiten Teil noch etwas aufgefächert, allerdings kam dies für mich handlungstechnisch etwas zu unvorbereitet - ein Umstand, der sich für mich durch den Roman zog. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Gerade im Finale finden sich einzelne (eigentlich überraschende) Wendungen, die allerdings konträr zum zuvor Gelesenen verlaufen - ohne dass die Lücke erklärt wird. Vieles passiert “einfach”. Gefallen wiederum hat mir die Ausgestaltung der Figurenbeziehungen innerhalb des Romans. Lebendig, weil schmerzhaft, ist gerade die Beziehung zwischen Jessie und ihrer Mutter, die nach dem Verschwinden von Paul nie mehr dieselbe sein wird. Ein anderes Beispiel: Im zweiten Teil bildet Jessie mit ein paar anderen alten Nachbarn eine verschworene, von Wertschätzung geprägte Gemeinschaft, die sich als Wächter des Hauses verstehen. Da sich die Handlung bis in das Jahr 2006 weiterspinnt, finden sich in Bezug auf Jessie auch einzelne Coming of Age-Elemente (wie die erste Liebe). Schön akzentuiert sind dabei insbesondere die Episoden, in denen Jessie sich aus dem überkommenen gesellschaftlichen Frauenbild zu befreien sucht. Der Schreibstil von Christina Henry ist anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man durch die Seiten des Romans fließt. Insgesamt ist “Das gierige Haus” ein Horrorroman mit interessanten Ansätzen, dessen Handlung für mich allerdings zu unmotiviert erzählt wurde und dadurch aufgebläht wirkte.

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