Bad Boy & Upper Class Girl
Das war ein spannendes Buch. Vielleicht (aber nur ein ganz kleines Vielleicht), wurden die sozialen Stereotypen etwas zu sehr betont, zumindest zu Anfang.
Avery, die Tochter der Bürgermeisterin muss immer ...
Das war ein spannendes Buch. Vielleicht (aber nur ein ganz kleines Vielleicht), wurden die sozialen Stereotypen etwas zu sehr betont, zumindest zu Anfang.
Avery, die Tochter der Bürgermeisterin muss immer perfekt, freundlich, liebenswürdig sein und die besten Noten haben. Wenigstens lebt Ryle, Bad Boy, der schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, nicht im Trailerpark am Stadtrand. Sonst wäre das Klischee perfekt.
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich Ryle als sehr empathisch, intelligent, bereit zu helfen und zu beschützen.Deshalb willigt er ein, Avery bei den Mordermittlungen zu unterstützen. Von der Polizei ist keine große Hilfe zu erwarten.
Avery verlangt von ihm, ihr eine Pistole zu beschaffen, Ryle weigert sich. Als ein paar Tage später Averys Erzrivalin und Schulfeindin tot aufgefunden wird, verlangt Ryle von Avery eine Erklärung. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Und nun entfaltet sich Clara Blais Erzähltalent: Wir erfahren, dass so ziemlich jeder in dieser reichen Kleinstadt Dreck am Stecken hat, etwas verbergen muss. So rutschen abwechselnd verschiedene Personen in den Fokus als Verdächtige in diesem Mordfall, nur um nachher entlastet zu werden und jemand anderes rückt nach. Clara Blais legt diverse falschen aber brisante Fährten auf, bis zum Schluss der Mord geklärt wird.
Das Thema ist interessant. Eine Kleinstadt, die doch nicht so idyllisch und rechtschaffen zu sein scheint, die ihre Funktion als Postkartenstädtchen so treuherzig erfüllen möchte, aber irgendwie, sobald man genauer hinschaut, entdeckt man die Risse in der Fassade. Das Ausweiten von einem kleinen Schuldrama auf einen richtigen Mord und Stadtskandal macht den Plot zum faszinierenden Pageturner.
Blais lässt Avery zu Wort kommen, alternierend mit Ryle. Dadurch haben die Lesenden das Gefühl, direkt involviert zu sein und mehr zu wissen, was in den Protagonisten vor sich geht. Dazu der direkte Stil, die natürlich wirkenden Dialoge, so dass wir uns schnell in der Kleinstadt und in der Handlung zurechtfinden.
Von mir eine klare Leseempfehlung