Tessa Hennig hat uns einen charmanten und humorvollen kleinen Roman vorgelegt. Spritzig, mit witzigen Dialogen und einem Showdown, nein, nicht Hollywoodreif, eher Bavaria-Studios, ist dies alles in allem ...
Tessa Hennig hat uns einen charmanten und humorvollen kleinen Roman vorgelegt. Spritzig, mit witzigen Dialogen und einem Showdown, nein, nicht Hollywoodreif, eher Bavaria-Studios, ist dies alles in allem eine unterhaltsame Lektüre.
Manche Sachen sind etwas überspitzt dargestellt, wie das Backpulver, das in kleinen Tütchen gekauft und dann mühselig in große Pakete umverpackt wurde, ist unglaubwürdig. Jeder Großmarkt hat auch Großpackungen von Backpulver im Angebot. Aber zur friedlichen Lösung des vermeintlichen Konflikts und der möglichen Bedrohung bestens geeignet.
Am Ende löst sich alles in Friede Freude Eierkuchen auf.
Die Algarve wird zur neuen Heimat für die Auswanderer. Finn will in Faro ein Auslandssemester studieren und wieder Fußball spielen, seine Mutter will ein kleines Transportunternehmen an der Algarve gründen, die Großeltern sind schon da, genauso wie Zach, der Nachbar oder Alexander, der Hundetrainer. Ende gut, alles gut.
Es ist die perfekte Lektüre zum Ent- und Ausspannen.
Wie die Siebenbürger Sachsen nach Siebenbürgen kamen, ist halbwegs bekannt, wie sie das Land urbar gemacht haben, wie und weshalb sie ihre wehrhaften Kirchen Burgen gebaut haben, wie ihr Leben in den Gemeinschaften ...
Wie die Siebenbürger Sachsen nach Siebenbürgen kamen, ist halbwegs bekannt, wie sie das Land urbar gemacht haben, wie und weshalb sie ihre wehrhaften Kirchen Burgen gebaut haben, wie ihr Leben in den Gemeinschaften strukturiert war, alles da. Von der deutschen Besiedlung des Banats hat man weniger gewusst. Betty Boras, die Autorin dieses wunderbaren Buches, lässt sich auf dieses Thema ein. Und was sie erzählt, ließ mich innehalten. Die Siebenbürger kamen aus freien Willen, mit dem Versprechen auf Freiheit und eigene Hofstatt, eigenen Grund und Boden. Bei den Banater verlief es anscheinend nicht immer so. Einige kamen in der Tat freiwillig, um der Armut in der Heimat zu entgehen und dem Versprechen von Werbern vertrauten. Es waren Versprechen, die aufgingen. Hof, Grund, sogar Tiere wurden ihnen gegeben. Aber andere kamen keineswegs freiwillig. Die allerkatholischste christliche und gnädigste Majestät Maria Theresia machte es wie die Engländer. Die Engländer zwangsdeportierten ihre Sträflinge nach Australien, die den Kontinent besiedeln mussten. Sehr zum Nachsehen der Aborigines und der australischen Flora und Fauna. Auf Geheiß Maria Theresias wurden der Hurerei bezichtigte Frauen, Diebe und Mörder entlang der Donau ins Banat verschleppt. Da mussten sie in Arbeitslagern arbeiten, bis eine kirchliche Kommission sie für würdig befand, entlassen zu werden, oder bis sie starben. (Ja, die Nazis waren nicht die ersten, die Zwangslager errichteten. Aber sie brachten sie erst zur Perfektion.
Das Banat, heute im äußersten Südwesten Rumäniens gelegen, aufgeteilt zwischen Rumänien, Serbien und Ungarn, war ein Sumpfland, karg und arm. Und die Banater Schwaben schafften innerhalb weniger Generationen, dieses Land zum Blühen zu bringen. Sümpfe wurden trockengelegt, Äcker und Gärten und Obstbäume, Dörfer und daraus Städte gebaut. “Der Erste hat den Tod, der Zweite hat die Not, der Dritte das Brot”. (S. 100) Dieser Spruch beschreibt wie kein anderer, wie sich die Banater Schwaben emporgearbeitet haben. Die erste Generation fand inmitten der harten Arbeit schnell den Tod. Die zweite Generation konnte knapp überleben, entbehrungsreich und arm, aber mit besseren Aussichten. Die dritte Generation und die folgenden schließlich hatten das Land gezähmt, gerodet, bebaut und fruchtbar gemacht und das tägliche Brot war gesichert.
Schon vom Anfang verwebt Betty Boras in ihrem Buch verschiedene Erzählperspektiven: mal ein kleines Mädchen in den 80er Jahren in Rumänien, mal eine junge Frau in der Gegenwart in Deutschland. Im Verlauf des Romans werden wir feststellen, dass das kleine Mädchen in Rumänien und die junge Frau und später die Mutter, eine und dieselbe Person in verschiedenen Etappen ihres Lebens ist. Dann geht Boras zurück in die Zeit, etwa 250 Jahre, zu Theresia, der Urahnin von Vios Familie. Beeindruckend für mich: Betty Boras lässt die Banater Erde selbst zu Wort kommen. Im Wechsel mit Kapitel über das Leben von Theresia und Vio erzählt die Erde selbst von ihrem Schicksal, ihrem Werden, ihrem Verhältnis zu den Deutschen, die sie bewohnen und die sie nun verlassen.
Ach Caruso, warum hast Du den Schnösel nicht sterben lassen? Ein kleiner Diktator weniger! Im Laufe des Romans aber merken wir, der reiche Russe dient nur als Ablenkungsmanöver, um uns, die Krimifans ...
Ach Caruso, warum hast Du den Schnösel nicht sterben lassen? Ein kleiner Diktator weniger! Im Laufe des Romans aber merken wir, der reiche Russe dient nur als Ablenkungsmanöver, um uns, die Krimifans auf falsche Fährten zu locken.
Daniel Faßbender hat einen sehr spannenden Roman geliefert. Die Ich-Perspektive lässt den Leser direkt am Geschehen teilhaben und die trockenen Kommentare sind die Würze dazu.
Ich war richtig beeindruckt vom Fachjargon des Surfens. Für mich, als Fernsehzuschauerin, war Surfen schön anzusehen, sonst nichts. Ob der Autor selbst surft? Die Termini klingen hinreißend sportlich und faszinierend: Bottom-Turn, Kurvenmanöver, Weißwasserwalzen, Pop up!, Wellenschulter, schräg eine Welle reiten, und so weiter. Ist das nicht schön? Beim nächsten Longdrink an der Strandbar kann ich mit solchen Begriffen um mich werfen!
Der Krimi an sich ist routiniert erzählt, mit einigen 180° Wendungen, die Guten werden zu Bösen, die anderen zu Guten, der vermeintliche Sunnyboy wollte groß ins Drogengeschäft einsteigen, die unwahrscheinlichsten Charaktere im Buch tun sich zusammen. Das macht die Geschichte so spannend. Die typischen Showdowns finden auch statt, Verhaftungen, Befreiungen, nichts, was ein Hollywood Thriller nicht auch könnte, aber hier kommt noch die exotische Kulisse auf einer kleinen philippinischen Insel hinzu. Und es ist alles da: heiße Bräute, Umweltaktivisten, Polizei, mal mehr, mal weniger korrupt, Drogendealer-Rentner, ich meine, richtige Rentner, die das Drogendealen aufgegeben haben und nun sogar in Schulen auf ihre Art vor Kindern auftreten und sie vor diesem dreckigen Geschäft warnen. Pädagogisch völlig am Ziel vorbei, zur Verzweiflung der Lehrer, aber für die Kinder wirksam, Neo- und Altnazis, wirklich alles da. Das macht das Buch so interessant und fesselnd.
Einige Worte noch zum Titelbild: Danke Diogenes Verlag! Für einen Krimi, der im Surfer-Milieu spielt, ist es das richtige Bild. Ich frage mich, was der Surfer dort tut? Einen Bottom-Turn, reitet er schräg die Welle? Fährt er einen Tunnel entlang? Egal, das Bild ist hinreißend.Ich frage mich auch, wo der Fotograf wohl stand? Der war ja wohl auch in dieser gleichen Welle, musste sich auf dem Brett halten und fotografieren. Wessen Leistung ist größer?
Bezauberndes Buch
Siebenbürgen ist eine uralte Kulturlandschaft. Eingebettet zwischen den Karpaten, war es lange Zeit ein Spielball der Geschichte. Ungarische, türkische, Habsburgische und rumänische Oberhoheiten ...
Bezauberndes Buch
Siebenbürgen ist eine uralte Kulturlandschaft. Eingebettet zwischen den Karpaten, war es lange Zeit ein Spielball der Geschichte. Ungarische, türkische, Habsburgische und rumänische Oberhoheiten haben hier gewechselt, Die Deutschen kamen vor etwa 800 Jahren in dieses Gebiet, zur Urbarmachung aber auch um das Eindringen der Mongolen, der Tataren und anderer Reitervölker zu verzögern, um den westlich gelegenen Ländern Zeit zu verschaffen, ihre Abwehr zu organisieren. Den Blutzoll haben die Deutschen in Siebenbürgen bezahlt. So kam es, dass alle deutschen Dörfer in diesem Landstrich Kirchenburgen bauten, um sich, wenn neue Einfälle aus den Steppen im Süden und Osten drohten, sich hier zurückziehen zu können und die Belagerung auszuhalten.
Iris Wolff schreibt mit viel Verständnis und Zartgefühl darüber, vermittelt profunde Kenntnisse über das Land, seine Geschichte und Bewohner, dass man sich im Buch schnell heimisch fühlt. Es geht um eine Heimkehr, um eine Beerdigung, um eine Begegnung mit der Kindheit, mit dem Freund aus der Kindheit, um Fragen zur Familiengeschichte, um Wiederannäherung an den Vater, dem sich Sine im Laufe der Jahre in Deutschland entfremdet hatte. Der Kindheitsfreund hat auf sie gewartet, die Nähe und Wärme sind schnell wiederhergestellt, nun kommt auch Liebe hinzu, aber diese Liebe bleibt offen. Er ist in Rumänien, sie lebt in Deutschland, kann eine Fernbeziehung Bestand haben?
Ich kenne die Orte, die im Roman beschrieben wurden, habe dort für kurze aber prägende Zeit gelebt. Die Spaziergänge durch Hermannstadt haben mich an die vergangenen Zeiten denken lassen, die Sehnsucht in mir geweckt, mal wieder hin zu fliegen. Sines Spaziergang durch die Stadt wurde zu meinem eigenen Spaziergang.
Der Titel des Buches - Halber Stein - ist ein großer Felsen am Ufer des Silberbachs, am Rande von Michelsberg, dem Heimatort von Sines Vater. Um diesen Felsen ranken sich Geschichten und Legenden, Sine zieht sich manchmal hierher zurück, wenn sie nachdenken will, wenn sie zu sich selbst finden will.
Die Ranunkeln auf dem Titelbild sind nicht nur hier, in Deutschland, beliebte Gartenblumen, sondern auch in Siebenbürgen. So finde ich die Wahl des Titelbildes gelungen. Es mutet wie ein Brückenschlag zwischen alter und neuer Heimat an.
Das Ende des Buches fand ich bezeichnend. Der Pfarrer ist nicht mehr nur Seelsorger sondern auch Hausverwahrer. Die Bewohner ziehen in den Westen, kommen nur noch als “Sommersachsen” (sehr treffender Begriff aus dem Buch) zurück, in der Zwischenzeit muss der Pfarrer neben drei oder vier zusätzlichen Gemeinden, die er seelsorgerisch betreut, auch eine wachsende Zahl von Häusern im Auge behalten, nach dem Rechten sehen, vor dem Verfall bewahren und ja, diese verlassenen Häuser brauchen auch einen Seelsorger.. Aber bevor die Verbindung zur alten Heimat komplett reißt, lieber auch nur für den Sommer zurückkehren.
Die Sprache des Buches hat mich magisch angezogen. Wolffs Stil ist unverkennbar, ihr eigener, poetisch und prägend. Ein Innenhof in Hermannstadt wird zu einem Traumort: “Ich ging einige Schritte in den Hof hinein. Es war. als würde man unter Wasser hinauf zu den Wellen schauen, so überflutete das Dach aus Weinranken den Innenhof. Nur das Rascheln der Blätter war zu hören…” (S. 248) Hand aufs Herz, wer würde nicht gern in solch einem Haus wohnen?
Der dramatische Anfang des Buches gewährt uns sogleich das Setting, die zwei Hauptgestalten und ihre Beweggründe für ihre Handlungen. Die Kämpfe mit sichtbaren und unsichtbaren Gegnern, Dämonen oder Menschen, ...
Der dramatische Anfang des Buches gewährt uns sogleich das Setting, die zwei Hauptgestalten und ihre Beweggründe für ihre Handlungen. Die Kämpfe mit sichtbaren und unsichtbaren Gegnern, Dämonen oder Menschen, die unglaublichen Fähigkeiten die Ivy Iversonbesitzt, machen das Ganze so spannend. Dabei ist Ivy eine Killerin und Sklavin des Königs. Sie tötet in seinem Auftrag bei Nacht als eine Assassinin und am Tag ist sie die folgsame liebevolle Gespielin des Königs. Der geheimnisvolle Halsreif, den nur Baylor, der König, je nach Lust und Laune manövrieren kann, hat mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Und es hat mich an die modernen elektronischen Fußfesseln erinnert. Die tun zwar nicht weh (hoffentlich) aber das Prinzip ist das gleiche. Ivy kann dem König nicht entkommen. Sie ist viel zu wichtig, als dass er ihr die Freiheit gewähren könnte.
Ivys Gegenspieler ist der undurchsichtige Thorne, der auch über magische Fähigkeiten und Tiere verfügt.
Das Thema der Berührungen, hinlänglich bekannt aus 50SOG, taucht hier auch auf, aber mit magischen Hintergründen. Auch dies eine interessante Entwicklung der Handlung.
Die Handlung ist ausgereift und lässt auf richtig gute Verwicklungen schließen. Die Lesenden werden nicht enttäuscht. Feinde die zu Liebhabern werden, Show Downs, gefährliche Kämpfe, überraschende Kehrtwendungen, spritzige, freche Dialoge, heiße Sexszenen, alles da, um die Lesenden bei Laune zu halten und was ein moderner Young Adult Roman enthalten sollte.
Falls dieses Buch eine Fortsetzung haben sollte, I’m in for it.