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Veröffentlicht am 03.07.2020

Fettnäpfchen sind was Feines, wenn andere in sie hineinstampfen

Fettnäpfchenführer China
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In diesem Buch werden mögliche Fettnäpfchen beschrieben, in die Europäer treten können, wenn sie China außerhalb der touristischen Pfade besuchen und mit den Chinesen in Verbindung treten.
Als man in ...

In diesem Buch werden mögliche Fettnäpfchen beschrieben, in die Europäer treten können, wenn sie China außerhalb der touristischen Pfade besuchen und mit den Chinesen in Verbindung treten.
Als man in Europa noch quasi auf den Bäumen lebte, blühte die wunderbare Zivilisation Chinas schon auf. Wer auf eine solch alte Kultur und Tradition zurückblickt, hat natürlich auch die entsprechenden Regeln des Zusammenlebens entwickelt. Europäer übertreten oft ungewollt und für Chinesen peinlich bis schmerzhaft diese Regeln. Zum Beispiel gleich beim ersten Kennenlernen einen Menschen umarmen, oder gelbe Tulpen einer Frau schenken – das sind „Todesblumen“, die schenkt man nie und nimmer der Mutter seiner Angebetenen. Gleichermaßen ungehörig ist es eine Visitenkarte, die man von einem Chinesen erhält, achtlos in die Tasche zu stecken. Und bei einer Karaoke Party muss gesungen werden, egal ob die Gläser dabei zerspringen.
Interessant fand ich das Auftreten der sogenannten Nachbarschaftskomitees, die sich in das Privatleben aller einmischen können. Wer ihnen nicht bereitwillig die oft indiskreten Fragen beantwortet, macht sich verdächtig und kann sogar den Behörden gemeldet werden.
Außer den Faux Pas spricht das Buch aber auch ernste Probleme Chinas an: die ein-Kind-Politik und seine demografischen und politischen Folgen, die Versorgung der Bevölkerung, die fehlende soziale Absicherung, die Korruption, Mangel an bezahlbaren Wohnungen, die Landflucht. Dadurch gewinnt das Buch einen ernsten Hintergrund, auch wenn vordergründig viele Anekdoten erzählt werden. So durften z.B. nach der Inbetriebnahme 1969 der ersten U-Bahn in Peking lange Jahre nur die Parteifunktionäre und Staatsbedienstete die U-Bahn benützen. Das gemeine Volk erst 1977.
Fazit: ein unterhaltsames Buch das uns eine fremde Welt näher bringt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.07.2020

Was ist dies? Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Lost in Fuseta
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Portugal, Algarve, blaues Meer, blauer Himmel, eine Polizeitruppe die Morde und Attentate aufklärt. Herzstück der Ermittler sind Graciana Rosado und Carlos Esteves. Ein portugiesischer Polizist, Rui Aviola ...

Portugal, Algarve, blaues Meer, blauer Himmel, eine Polizeitruppe die Morde und Attentate aufklärt. Herzstück der Ermittler sind Graciana Rosado und Carlos Esteves. Ein portugiesischer Polizist, Rui Aviola soll für ein Jahr nach Hamburg, als Austauschpolizist und im Gegenzug kommt ein deutscher Polizist, Leander Lost aus Hamburg an die Algarve. AberLeander Lost ist ein ganz besonderer Polizist. Er ist ein „Sheldon“, wenn ihr versteht was ich meine. Und genau wie Sheldon sorgt er für ungewollte Komik, sei es situationsbedingt oder durch seine Fragen, Antworten, Schlussfolgerungen. Trotzdem, innerhalb kürzester Zeit verschafft er sich den Respekt der Truppe und trägt in großem Maße zur Aufklärung diverser Mordfälle bei. Die portugiesischen Polizisten tun das, was die Hamburger Fischköpp nicht geschafft haben: Wenn Leander seine Überlegungen zu den Fällen laut äußert, hören sie zu, ermutigen ihn, entwickeln seine Gedanken und Schlussfolgerungen weiter, finden gemeinsam ein Ziel. Das nenne ich Teamarbeit. Aber vielleicht sind die Portugiesen, bedingt durch den übermächtigen Nachbarn im Osten und den ewig rauschenden Ozean im Westen, durch den Wein und die Fado-Musik, auch eher bereit, Menschen die ein wenig anders sind, zu akzeptieren, in ihrer Mitte zu integrieren.
Flüssiger schnörkelloser Stil, ab und zu herrlich witzige Passagen, vor allem wenn es um die verbalen Schlagabtausche zwischen Graciana und Carlos einerseits und dem spanischen Polizisten Miguel Duarte geht und natürlich, Leander Losts unfreiwillige Komik.
Das Titelbild ist auch so, wie wir uns eine Stadt am Meer vorstellen: eine schmale Straße die direkt zum Wasser führt, darüber blauer Himmel mit ein paar Schäferwökchen. Direkt zum an die Algarve träumen.
Und ich wiederhole meine Frage: Was ist dies? Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Portugal, den Menschen dort, ihre Art zu leben, zu lieben, ihr Land und ihre Küche zu genießen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.06.2020

Hochspannung mit kleinen Abstrichen

Der Knochengarten
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Ein Krimi, Thriller und Psychodrama zugleich. Hoch spannend, noch bevor wir in der eigentlichen Handlung drin sind. Die beiden Hauptermittler getrennt und aus dem Polizeidienst ausgetreten, die Mitarbeiter ...

Ein Krimi, Thriller und Psychodrama zugleich. Hoch spannend, noch bevor wir in der eigentlichen Handlung drin sind. Die beiden Hauptermittler getrennt und aus dem Polizeidienst ausgetreten, die Mitarbeiter ihres Teams bei der Polizei verunsichert, und da rollt, laut Klappentext ein schwerer Fall auf die Ermittler zu.
Dabei wird dies zum Krimi auf mehreren Ebenen: erstens einmal die Mädchenleichen im Klostergarten, dann werden in der Nähe andere Leichen gefunden. Nicht gerade einfach für das Major Incident Team das nun unter neuer (und nicht gerade hochkompetenter Führung) die Ermittlungen aufnehmen muss. Die nächste Ebene des Buches handelt um Carol Jordan die ihr Alkoholproblem bekämpft und einem Anlagenbetrüger auf die Spur kommt. So ganz nebenbei hilft sie auch einen unschuldig Verurteilten aus dem Gefängnis zu befreien. Die nächste Ebene ist Tony Hill, der brillante Profiler, der zu 4 Jahren Haft verurteilt wurde und nun seine Haftstrafe absitzt, an seinem Buch schreibt und versucht im Gefängnis seinen Mithäftlingen nützlich zu sein. Dass er nicht einmal im Knast Ruhe vor seiner grässlichen Mutter hat, ist sein Pech.
Das Buch ist spannend und zügig geschrieben. Als kleinen Störfaktor empfand ich allerdings zu Anfang jeden Kapitels die Zitate aus Tony Hills Buch, die nicht immer zum darauffolgenden Kapitel zu passen schienen.
Und gegen Ende flachte das Buch gewaltig ab. Als ob die Luft raus wäre oder McDermid nur eine bestimmte Zahl von Seiten schreiben durfte und das Pensum ist nun erfüllt. Zwischen Carol und Tony herrscht lauter Friede Freude Eierkuchen, obwohl wir nicht wissen wer und warum Tony im gefängnis so lebensgefährlich verletzt hat; Paula wird vom Dienst im Major Incident Team suspendiert, obwohl sie den Fall eigentlich gelöst hat und ohne Aussicht zu dieser Truppe zurückkehren zu dürfen.
Highly unsatisfactory, I must say.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.06.2020

Wiedersehen mit Leander Lost

Schwarzer August
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Ich habe nachgeprüft: 2011 hatte Fuseta unter 2.000 Einwohner. Heute, neun Jahre später, wird der Ort hoffentlich 2.000 Einwohner überschritten haben. Wie kann ein so kleiner Ort so brisante und interessante ...

Ich habe nachgeprüft: 2011 hatte Fuseta unter 2.000 Einwohner. Heute, neun Jahre später, wird der Ort hoffentlich 2.000 Einwohner überschritten haben. Wie kann ein so kleiner Ort so brisante und interessante Kriminalfälle generieren? Und gleich mehrere Kriminalpolizisten in Vollzeit beschäftigen? Nicht dass es mich stören würde, ganz im Gegenteil. Denn die Morde, die in Fuseta geschehen, in Gil Ribeiros Büchern, sind würdig einer großen Metropole.
Oder ist genau eine Kleinstadt wie Fuseta, ein Ort in der jeder jeden kennt, an dem man sich abends vor der Haustür auf der Gasse trifft und sich über Gott und die Welt austauscht, gemeinsam leckere Häppchen und einen guten Wein genießt, geeignet der Schauplatz explodierender Bomben aller Art zu sein? Vielleicht auch will Ribeiro uns verdeutlichen, egal ob die Favelas von Rio, die Slums von Johannesburg, das Diamantenviertel von Amsterdam, die Skyline von Chicago oder solch ein idyllisches Städtchen wie Fuseta, das Böse kann jederzeit zuschlagen. Denn die Gier der Menschen kennt keine Grenzen. Und um Gier geht es in diesem vierten Band von „Lost in Fuseta“. Es ist eine zerstörerische Gier die Natur und Umwelt und Menschen bedroht, der in diesem Buch ein Einzelner versucht Einhalt zu gebieten. Unsere wackere Polizeitruppe von Fuseta, uns nur zu gut aus den Vorgängerromanen vertraut, arbeitet fieberhaft daran, dem Bombenleger das Handwerk zu legen. Und Leander Lost mittendrin. Mittlerweile schätzen ihn seine Kollegen, hören auf ihn, beraten sich mit ihm bei der Lösung des Falls. Das bedeutet, er ist nicht mehr der Außenseiter, er wird nicht nur toleriert, sondern ist voll integriert in der Polizeitruppe und in Fuseta. Durch seine brillante Kombinationsgabe und sein fotografisches Gedächtnis bringt er immer wieder die nötigen Eingaben, um den Fall voran zu treiben.
Dies ist kein gewöhnlicher Krimi. Es kommen keine Menschen um, obwohl kleinere Verletzungen sich nicht vermeiden lassen. Und gegen Ende wird uns der Bombenleger selbst sympathisch, als wir seine Beweggründe kennen- und verstehen lernen.
Die Sprache Ribeiros ist herrlich. Vor allem wenn es um Leander Losts Interpretation der Taten und Aussagen seiner Mitmenschen geht. Oder um die Beschreibung der gemütlichen Abende vor dem Haus der Eltern von Graciana und Soraya, wo die ganze Nachbarschaft zusammen kommt und gemeinsam die Ereignisse des Tages Revue passieren lässt.
Das Titelbild ist ein typisches Fusetakrimi Bild: eine wunderschöne Aufnahme eines Ortes am Meer durch die ein breiter Riss geht in dem Autor und Titel gedruckt sind. Quasi als Warnung, Ferienidylle aber unter Vorbehalt.
Ich gestehe, ich bin definitiv ein Gil Ribeiro Fan geworden.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 10.06.2020

Nette Urlaubslektüre. Am besten zwischen Dünen am Strand.

Die Liebe fällt nicht weit vom Strand
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Franziska Jebens hat uns hier eine ganz nette und anmutige Strandlektüre geliefert. Aschenbrödel macht zuerst Karriere in einer Filmproduktionsfirma um dann ihren Traumberuf als Foodtruckerin zu ergreifen. ...

Franziska Jebens hat uns hier eine ganz nette und anmutige Strandlektüre geliefert. Aschenbrödel macht zuerst Karriere in einer Filmproduktionsfirma um dann ihren Traumberuf als Foodtruckerin zu ergreifen. Und den richtigen Traumprinzen kriegt sie auch noch, nachdem sie dem Fakeprinzen endlich den Laufpass gibt. Ata Girl!
Am besten gefiel mir wie Sophie nach und nach anfängt, nicht mehr nur das zu tun was ihrem Vater oder Freund gefällt, oder andere von ihr erwarten, sondern immer mehr ihren Kopf durchsetzt und ihren Lebenstraum verwirklicht. Wobei ihr Vater nun weniger in sie drängt. Er ist schon mit Ihrer Arbeit im Filmgeschäft zufrieden. Dafür aber hat ihr Freund die Oberhand. Irgendwie scheint sie es ihm nie richtig recht zu machen. Aber wie gesagt, letzten Endes trennt sie sich von diesem Fake-Prinzen und findet den Weg zum Mann, der sie versteht und sie so mag, wie sie ist.
Die Sprache ist flott und beschwingt, bei den inneren Monologen leicht flapsig, aber alles in allem stimmig.
Es ist ein gute Laune Buch, ohne viel Tiefgang, braucht es auch nicht. Für den Strandkorb in den Dünen taugt es auf jeden Fall.

  • Cover
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