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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2026

Den trockenen Humor möchte ich haben!

Hope Joanna
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Allein der Anfang trieft vor trockenen und schwarzen Humor. Warum geht frau zur Polizei? Um Olympionikin zu werden. Dann bleibt sie auch gleich dabei, bei der Polizei, in Ermangelung von was Besserem, ...

Allein der Anfang trieft vor trockenen und schwarzen Humor. Warum geht frau zur Polizei? Um Olympionikin zu werden. Dann bleibt sie auch gleich dabei, bei der Polizei, in Ermangelung von was Besserem, nachdem Ihre Karriere als aktive Sportlerin altersbedingt vorbei ist. Meistens lesen wir von Polizeibeamten, die mit Leib und Seele Polizisten sind, die ihre Berufung bei der Polizei finden. Aber Hope Joanna gibt ehrlich zu, sie ist einfach bei der Polizei geblieben, mangels einer besseren Alternative. Dass es ihr mittlerweile gefällt, dass sie mit Kollegen und dem ganzen drumherum gut klarkommt, ist ein großes Plus und spricht für sie.
Wie kann ein Polizist auf eine Leiche fallen, nachdem er schon weiß, dass dies ein Tatort ist?!?! Auch wie diese Tatort Kontaminierung anschließend behoben wird, ist filmreif. Dabei ist der “gefallene” Polizist eigentlich intelligent, findet gute Lösungsansätze und bringt sich gut ins Dreierteam ein.
Slapstick Szenen lösen sich mit hollywoodreifen Actionszenen ab. So die Pressekonferenz, bei der alles aus dem Ruder läuft und die Kampfszene auf dem Dach um und im riesengroßen Mercedes-Stern.
Was auf dem Gelände der Bierbrauerei Walhalla geschieht, das Pseudo-Gottesurteil das letztendlich doch zu einem richtigen Gottesurteil wird, der Pseudo-Baron, der sich Gottgleich über allem erhebt nur um seine Strafe danach zu erhalten. Das lässt uns an ausgleichende Gerechtigkeit glauben. Wie der Pseudobaron die Tatsachen verdreht, wie sie ihm am besten ins Konzept passen, da musste ich an so manch einem Politiker denken.
In diesem Buch kommt eine neue und sehr originelle Tatwaffe zum Einsatz, die ich so noch nie erlebt habe in einem Buch oder Film: ein Caduceus, der mittels Schlangengift tötet. Der Caduceus entstammt der althebräischen Mythologie (geht auf Moses zurück), und vom anfänglichen Heilungssymbol wird er im Buch zur tödlichen Waffe. Im Buch kommt auch ein mysteriöser Orden vor, der “Ordo Mercatorum Umbrae”, der die Abwicklung zwielichtiger Geschäfte ermöglicht. Die Ordensmitglieder bezeichnen sich als “Notare der Dunkelheit….Eine jahrhundertealte unbestechliche Institution” (S. 174)
Die Morde werden durch ein sagenumwobenes Elixir aus Hitlers Nachlass angeblich, ausgelöst. Das Elixir soll Riesenkräfte verleihen und unbesiegbar machen. Kein Wunder, dass rechtsradikale Fanatiker dieses Elixir in ihren Besitz bringen wollen. Letztendlich werden die Fälle lückenlos geklärt und das Buch endet im wohlverdienten Wohlklang und lässt gleichzeitig auf eine Fortsetzung hoffen.
Die Dialoge sind wunderbar, locker und spritzig. Bitte mehr davon!
Ein Wort noch über die Protagonistin: Hope Joanna Marlow. Sie kann nichts für diesen Namen. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt war das der Hit, der in Dauerschleife auf allen Radiosendern lief und ihre Eltern liebten den Song. Was die Eltern damit für das Mädchen anrichteten, haben sie sich vorher nicht überlegt. Aber uns, den Lesern, lieferten sie dadurch manche Gelegenheit zum Schmunzeln und auch das Kind zu bedauern.

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Veröffentlicht am 18.06.2026

Bleibt hinter Wilde Schwäne zurück

Fliegt, Wilde Schwäne
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Nicht schlecht geschrieben, erreicht aber nicht die Höhe des Vorgängerromans Wilde Schwäne. Der neue Roman Fliegt, wilde Schwäne ist sehr emotional geschrieben, handelt aber mehr von der Autorin und ihrer ...

Nicht schlecht geschrieben, erreicht aber nicht die Höhe des Vorgängerromans Wilde Schwäne. Der neue Roman Fliegt, wilde Schwäne ist sehr emotional geschrieben, handelt aber mehr von der Autorin und ihrer Familie als vom Schicksal Chinas. Und eine Familie, sei sie noch so groß oder bedeutend, kann nicht stellvertretend für eine Milliarde Menschen sein.

In beiden Büchern war ich erschüttert von Maos “Langem Marsch” durch das riesige Reich, gefolgt von Würdenträgern und einfachem Volk. Mao hatte ihn zwar als Fußmarsch angeordnet, aber er und seine ausgewählten Würden- und Wasserträger sind nur am Anfang und am Ende tatsächlich zu Fuß gegangen, während alle anderen zu Fuß gehen mussten, inklusive der schwangeren Frau eines der begünstigten Würdenträger. Die Frau, die Mutter der Autorin, verlor ihr erstgeborenes Baby.
Auch in diesem Buch geht es oft um Vergünstigungen, die der Vater der Autorin, ein lange Zeit überzeugter dogmatischer Kommunist, nicht gewährte oder sích sogar gegen den Bittsteller aussprach, weil es um Familienangehörige ging und er wollte nicht seine eigene Familie bevorteilen.

Interessant fand ich Jung Changs Recherchearbeiten zu dem Buch über Mao und anderen ihrer Werke, was für Verbrechen sie dadurch zu Tage förderte. Verbrechen, die der große Vorsitzende persönlich beging oder anordnete. Aber einiges davon war schon in Wilde Schwäne ersichtlich. Man denke nur an den Langen Marsch.
Ebenso fand ich faszinierend, wie Jung Interviews mit Ehefrauen ehemaliger Potentaten führt und was für interessante Einzelheiten sie über die recherchierten Personen dadurch erfährt.
Etwas ist allen Diktaturen gemeinsam: Auflockerung der Zensur und Öffnungen Richtung Freiheit und Demokratie sind immer nur kurzfristig und zum Schein. Im Hintergrund lauert immer der übermächtige Polizeiapparat als Werkzeug des Staates und der Partei.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Bad Boy & Upper Class Girl

Liars all around me
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Das war ein spannendes Buch. Vielleicht (aber nur ein ganz kleines Vielleicht), wurden die sozialen Stereotypen etwas zu sehr betont, zumindest zu Anfang.
Avery, die Tochter der Bürgermeisterin muss immer ...

Das war ein spannendes Buch. Vielleicht (aber nur ein ganz kleines Vielleicht), wurden die sozialen Stereotypen etwas zu sehr betont, zumindest zu Anfang.
Avery, die Tochter der Bürgermeisterin muss immer perfekt, freundlich, liebenswürdig sein und die besten Noten haben. Wenigstens lebt Ryle, Bad Boy, der schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, nicht im Trailerpark am Stadtrand. Sonst wäre das Klischee perfekt.
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich Ryle als sehr empathisch, intelligent, bereit zu helfen und zu beschützen.Deshalb willigt er ein, Avery bei den Mordermittlungen zu unterstützen. Von der Polizei ist keine große Hilfe zu erwarten.
Avery verlangt von ihm, ihr eine Pistole zu beschaffen, Ryle weigert sich. Als ein paar Tage später Averys Erzrivalin und Schulfeindin tot aufgefunden wird, verlangt Ryle von Avery eine Erklärung. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Und nun entfaltet sich Clara Blais Erzähltalent: Wir erfahren, dass so ziemlich jeder in dieser reichen Kleinstadt Dreck am Stecken hat, etwas verbergen muss. So rutschen abwechselnd verschiedene Personen in den Fokus als Verdächtige in diesem Mordfall, nur um nachher entlastet zu werden und jemand anderes rückt nach. Clara Blais legt diverse falschen aber brisante Fährten auf, bis zum Schluss der Mord geklärt wird.
Das Thema ist interessant. Eine Kleinstadt, die doch nicht so idyllisch und rechtschaffen zu sein scheint, die ihre Funktion als Postkartenstädtchen so treuherzig erfüllen möchte, aber irgendwie, sobald man genauer hinschaut, entdeckt man die Risse in der Fassade. Das Ausweiten von einem kleinen Schuldrama auf einen richtigen Mord und Stadtskandal macht den Plot zum faszinierenden Pageturner.

Blais lässt Avery zu Wort kommen, alternierend mit Ryle. Dadurch haben die Lesenden das Gefühl, direkt involviert zu sein und mehr zu wissen, was in den Protagonisten vor sich geht. Dazu der direkte Stil, die natürlich wirkenden Dialoge, so dass wir uns schnell in der Kleinstadt und in der Handlung zurechtfinden.
Von mir eine klare Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Hurra, ein neuer Fantasy am Horizont

Dire Bound
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Das Buch hat mich richtig geflasht. Spannend und abwechslungsreich, werden wir gleich auf den ersten Seiten in die Thematik des Buches eingeführt. Vampire "Nabbers" die Kinder entführen und die Menschen ...

Das Buch hat mich richtig geflasht. Spannend und abwechslungsreich, werden wir gleich auf den ersten Seiten in die Thematik des Buches eingeführt. Vampire "Nabbers" die Kinder entführen und die Menschen und deren Kinder lernen nun sich zur Wehr zu setzen. Dazu kommen noch starke soziale Unterschiede zwischen den einzelnen Vierteln der Stadt. Da kommen leicht Erinnerungen an die Distrikte in Die Tribute von Panem auf. Aber das schadet dem Buch nicht, es hilft uns, uns leichter zurechtzufinden. Auch die Einteilung im Trainingslager in unterschiedlichen Gruppen weckt Erinnerungen an Hogwarts, auch nicht zum Schaden dieses Buches.
Schön langsam werden wir in diese neue Welt eingeführt. Dieser Prozess des Worldbuilding geschieht sehr logisch und konsequent.
Die Gestalten des Buches sind, wie meistens, einige von Anfang an sympathisch (Ich bin vorbehaltlos Team Meryn), andere, da fällen wir erst im Verlauf der ERzählung unser Urteil ob sympathisch oder abscheulich, andere sind vom ersten Auftreten an einfach nur abstoßend.
Neu (für mich) ist dieses Bonding zwischen Mensch und Schattenwolf. Dabei hatte ich das Gefühl, Meryn, dieser Teufelsbraten, Tausendsassa und Straßenkatze steht sich manchmal selbst im Weg, wenn es um die Bindung zu ihrem Schattenwolf Anassa geht. Erst als es schon fast zu spät ist, gelingt die Symbiose zwischen magischem Tier und Mensch.
Der Rhythmus des Buches ist von Anfang an forsch, hetzend, reißend. Keine Momente zur Ruhe zu kommen. Sable Sorensen treiben uns von einem Höhepunkt zum nächsten, hinter jeder Seite könnte wieder eine Battle kommen, ob verbal mit realen oder imaginären Gegnern, oder richtige Kämpfe, mit Messer, Schwertern, und was es da für Kampfwaffen noch gibt. Leichte Entgleisungen ins Triviale sind fast unvermeidlich: die Guten oder die scheinbar Bösen sind alle wunderschön anzusehen, die anderen haben irgendeinen Makel, der ihren Charakter nur unterstreicht.
Einziges Manko in meinen Augen ist der riesige Cliffhanger, in dem dieses erste Buch endet. Deswegen auch nur vier Punkte. Ich hoffe der zweite Teil lässt nicht allzu lange auf sich warten.

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Veröffentlicht am 21.05.2026

Ein Buch voller Sonnenschein und Mirabellenmarmelade

Mirabellentage
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Das Buch beginnt sehr bedeutungsvoll: der katholische Pfarrer stirbt plötzlich und das Fräulein Pfarrköchin muss sich um alles kümmern. Sie meistert das mit Ernst und Umsicht. Sie regelt das den Wünschen ...

Das Buch beginnt sehr bedeutungsvoll: der katholische Pfarrer stirbt plötzlich und das Fräulein Pfarrköchin muss sich um alles kümmern. Sie meistert das mit Ernst und Umsicht. Sie regelt das den Wünschen des verstorbenen Pfarrers entsprechend und unter Beachtung der konservativen Gepflogenheiten des Dorfes Blumfeld.
Aber Anna ist kein “Fräulein Pfarrköchin”, wie wir sie aus Ludwig Thomas Briefen von Josef Filser kennen. Eigentlich kommt während der Lektüre des Buches kein einziger “schmuddeliger Gedanke” an Promiskuität oder Erotik auf. Anna ist viel mehr als die Pfarrköchin. Sie betreut fast alle Vereine und Zirkel im Dorf, ist immer da für alt und jung, sie hilft dem Pfarrer bei den Predigten und, bei Bedarf, steigt sie sogar selbst auf die Kanzel oder nimmt einem Mann die Beichte ab. Nun, das mag wohl in einem Roman angehen, aber im echten Leben leider undenkbar. Da würde der Papst eher zum Rabbi werden, ehe eine Frau das Wort Gottes vor der Gemeinde verkünden oder die Beichte abnehmen dürfte.
Martina Bogdahn hat ein paar herrliche Szenen in ihrem Buch geschaffen, die die Tendenz zum Kopfkino in sich tragen: Ministranten, die während des Gottesdienstes über ihren Gewändern auch noch einen Fahrradhelm tragen müssen, ist solch eine Szene. Oder der neue Pfarrer, aus dem absoluten Norden Deutschlands stammend - eigentlich dort, wo man die Landkarte schon an die Wand hängt, also von einer Hallig, spricht Plattdeutsch, für einen Franken komplett unverständig. Anna hilft dem neuen Pfarrer, indem sie ihm vorschlägt, die Predigt auf Latein zu halten. Doch Fridtjof ist der Kirchensprache nicht mächtig. Kein Problem, Anna bietet ihm ihr italienisches Kochbuch an, daraus liest er dann bei seiner ersten Predigt das Minestrone-Rezept vor. Sonntags darauf hält er eine Auberginen-Predigt. Die einzige, die ihn versteht, freut sich: endlich Predigten, die sie perfekt nachkochen kann. Oder die Männer in Rollstühlen vor dem Supermarkt, die lieber die Säcke Blumenerde kaufen, weil das immer noch billiger sei, als ein Platz im Altersheim. Noch ein Kopfkino gefällig? Martinsgans im August! Es sind solche kleinen Szenen, die das Buch zu einem Feeling Good Roman werden lassen.
In Blumfeld und Umgebung gibt es keine Kirchenaustritte. Der einzige, der gerne ausgetreten wäre, ist der verstorbene Pfarrer. Aber sein Versprechen an seine Mutter, sein Pflichtbewusstsein und seine Jugendfreundin Anna hielten ihn davor zurück. Obwohl er so gerne etwas von der großen weiten Welt gesehen hätte.
Und immer wieder tauchen die reifen Mirabellen auf, die zu Marmelade eingekocht werden und nur in diesem Jahr werden sie zu Schnaps gebrannt. Das Bild vom Baum voll von reifen goldgelben süßen Mirabellen wird immer wieder heraufbeschworen. (So nebenbei, Mirabellenbäume blühen so wunderschön im Frühling, werden aber kein einziges Mal erwähnt) Seit Generationen verteilen die jeweiligen Haushälterinnen des Pfarrhauses Mirabellenmarmelade an die Dorfbewohner. Mirabellenmarmelade im Sommer gehört zu Blumfeld dazu. Das leuchtende Titelbild beschwört auch Erinnerungen an meine Kindheit herauf, bei uns wurden die Mirabellen auch eingekocht.Heutzutage verarbeite ich sie aber zu Gelee. Geht einfacher.

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