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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.05.2026

Bad Boy & Upper Class Girl

Liars all around me
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Das war ein spannendes Buch. Vielleicht (aber nur ein ganz kleines Vielleicht), wurden die sozialen Stereotypen etwas zu sehr betont, zumindest zu Anfang.
Avery, die Tochter der Bürgermeisterin muss immer ...

Das war ein spannendes Buch. Vielleicht (aber nur ein ganz kleines Vielleicht), wurden die sozialen Stereotypen etwas zu sehr betont, zumindest zu Anfang.
Avery, die Tochter der Bürgermeisterin muss immer perfekt, freundlich, liebenswürdig sein und die besten Noten haben. Wenigstens lebt Ryle, Bad Boy, der schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, nicht im Trailerpark am Stadtrand. Sonst wäre das Klischee perfekt.
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich Ryle als sehr empathisch, intelligent, bereit zu helfen und zu beschützen.Deshalb willigt er ein, Avery bei den Mordermittlungen zu unterstützen. Von der Polizei ist keine große Hilfe zu erwarten.
Avery verlangt von ihm, ihr eine Pistole zu beschaffen, Ryle weigert sich. Als ein paar Tage später Averys Erzrivalin und Schulfeindin tot aufgefunden wird, verlangt Ryle von Avery eine Erklärung. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Und nun entfaltet sich Clara Blais Erzähltalent: Wir erfahren, dass so ziemlich jeder in dieser reichen Kleinstadt Dreck am Stecken hat, etwas verbergen muss. So rutschen abwechselnd verschiedene Personen in den Fokus als Verdächtige in diesem Mordfall, nur um nachher entlastet zu werden und jemand anderes rückt nach. Clara Blais legt diverse falschen aber brisante Fährten auf, bis zum Schluss der Mord geklärt wird.
Das Thema ist interessant. Eine Kleinstadt, die doch nicht so idyllisch und rechtschaffen zu sein scheint, die ihre Funktion als Postkartenstädtchen so treuherzig erfüllen möchte, aber irgendwie, sobald man genauer hinschaut, entdeckt man die Risse in der Fassade. Das Ausweiten von einem kleinen Schuldrama auf einen richtigen Mord und Stadtskandal macht den Plot zum faszinierenden Pageturner.

Blais lässt Avery zu Wort kommen, alternierend mit Ryle. Dadurch haben die Lesenden das Gefühl, direkt involviert zu sein und mehr zu wissen, was in den Protagonisten vor sich geht. Dazu der direkte Stil, die natürlich wirkenden Dialoge, so dass wir uns schnell in der Kleinstadt und in der Handlung zurechtfinden.
Von mir eine klare Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Hurra, ein neuer Fantasy am Horizont

Dire Bound
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Das Buch hat mich richtig geflasht. Spannend und abwechslungsreich, werden wir gleich auf den ersten Seiten in die Thematik des Buches eingeführt. Vampire "Nabbers" die Kinder entführen und die Menschen ...

Das Buch hat mich richtig geflasht. Spannend und abwechslungsreich, werden wir gleich auf den ersten Seiten in die Thematik des Buches eingeführt. Vampire "Nabbers" die Kinder entführen und die Menschen und deren Kinder lernen nun sich zur Wehr zu setzen. Dazu kommen noch starke soziale Unterschiede zwischen den einzelnen Vierteln der Stadt. Da kommen leicht Erinnerungen an die Distrikte in Die Tribute von Panem auf. Aber das schadet dem Buch nicht, es hilft uns, uns leichter zurechtzufinden. Auch die Einteilung im Trainingslager in unterschiedlichen Gruppen weckt Erinnerungen an Hogwarts, auch nicht zum Schaden dieses Buches.
Schön langsam werden wir in diese neue Welt eingeführt. Dieser Prozess des Worldbuilding geschieht sehr logisch und konsequent.
Die Gestalten des Buches sind, wie meistens, einige von Anfang an sympathisch (Ich bin vorbehaltlos Team Meryn), andere, da fällen wir erst im Verlauf der ERzählung unser Urteil ob sympathisch oder abscheulich, andere sind vom ersten Auftreten an einfach nur abstoßend.
Neu (für mich) ist dieses Bonding zwischen Mensch und Schattenwolf. Dabei hatte ich das Gefühl, Meryn, dieser Teufelsbraten, Tausendsassa und Straßenkatze steht sich manchmal selbst im Weg, wenn es um die Bindung zu ihrem Schattenwolf Anassa geht. Erst als es schon fast zu spät ist, gelingt die Symbiose zwischen magischem Tier und Mensch.
Der Rhythmus des Buches ist von Anfang an forsch, hetzend, reißend. Keine Momente zur Ruhe zu kommen. Sable Sorensen treiben uns von einem Höhepunkt zum nächsten, hinter jeder Seite könnte wieder eine Battle kommen, ob verbal mit realen oder imaginären Gegnern, oder richtige Kämpfe, mit Messer, Schwertern, und was es da für Kampfwaffen noch gibt. Leichte Entgleisungen ins Triviale sind fast unvermeidlich: die Guten oder die scheinbar Bösen sind alle wunderschön anzusehen, die anderen haben irgendeinen Makel, der ihren Charakter nur unterstreicht.
Einziges Manko in meinen Augen ist der riesige Cliffhanger, in dem dieses erste Buch endet. Deswegen auch nur vier Punkte. Ich hoffe der zweite Teil lässt nicht allzu lange auf sich warten.

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Veröffentlicht am 21.05.2026

Ein Buch voller Sonnenschein und Mirabellenmarmelade

Mirabellentage
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Das Buch beginnt sehr bedeutungsvoll: der katholische Pfarrer stirbt plötzlich und das Fräulein Pfarrköchin muss sich um alles kümmern. Sie meistert das mit Ernst und Umsicht. Sie regelt das den Wünschen ...

Das Buch beginnt sehr bedeutungsvoll: der katholische Pfarrer stirbt plötzlich und das Fräulein Pfarrköchin muss sich um alles kümmern. Sie meistert das mit Ernst und Umsicht. Sie regelt das den Wünschen des verstorbenen Pfarrers entsprechend und unter Beachtung der konservativen Gepflogenheiten des Dorfes Blumfeld.
Aber Anna ist kein “Fräulein Pfarrköchin”, wie wir sie aus Ludwig Thomas Briefen von Josef Filser kennen. Eigentlich kommt während der Lektüre des Buches kein einziger “schmuddeliger Gedanke” an Promiskuität oder Erotik auf. Anna ist viel mehr als die Pfarrköchin. Sie betreut fast alle Vereine und Zirkel im Dorf, ist immer da für alt und jung, sie hilft dem Pfarrer bei den Predigten und, bei Bedarf, steigt sie sogar selbst auf die Kanzel oder nimmt einem Mann die Beichte ab. Nun, das mag wohl in einem Roman angehen, aber im echten Leben leider undenkbar. Da würde der Papst eher zum Rabbi werden, ehe eine Frau das Wort Gottes vor der Gemeinde verkünden oder die Beichte abnehmen dürfte.
Martina Bogdahn hat ein paar herrliche Szenen in ihrem Buch geschaffen, die die Tendenz zum Kopfkino in sich tragen: Ministranten, die während des Gottesdienstes über ihren Gewändern auch noch einen Fahrradhelm tragen müssen, ist solch eine Szene. Oder der neue Pfarrer, aus dem absoluten Norden Deutschlands stammend - eigentlich dort, wo man die Landkarte schon an die Wand hängt, also von einer Hallig, spricht Plattdeutsch, für einen Franken komplett unverständig. Anna hilft dem neuen Pfarrer, indem sie ihm vorschlägt, die Predigt auf Latein zu halten. Doch Fridtjof ist der Kirchensprache nicht mächtig. Kein Problem, Anna bietet ihm ihr italienisches Kochbuch an, daraus liest er dann bei seiner ersten Predigt das Minestrone-Rezept vor. Sonntags darauf hält er eine Auberginen-Predigt. Die einzige, die ihn versteht, freut sich: endlich Predigten, die sie perfekt nachkochen kann. Oder die Männer in Rollstühlen vor dem Supermarkt, die lieber die Säcke Blumenerde kaufen, weil das immer noch billiger sei, als ein Platz im Altersheim. Noch ein Kopfkino gefällig? Martinsgans im August! Es sind solche kleinen Szenen, die das Buch zu einem Feeling Good Roman werden lassen.
In Blumfeld und Umgebung gibt es keine Kirchenaustritte. Der einzige, der gerne ausgetreten wäre, ist der verstorbene Pfarrer. Aber sein Versprechen an seine Mutter, sein Pflichtbewusstsein und seine Jugendfreundin Anna hielten ihn davor zurück. Obwohl er so gerne etwas von der großen weiten Welt gesehen hätte.
Und immer wieder tauchen die reifen Mirabellen auf, die zu Marmelade eingekocht werden und nur in diesem Jahr werden sie zu Schnaps gebrannt. Das Bild vom Baum voll von reifen goldgelben süßen Mirabellen wird immer wieder heraufbeschworen. (So nebenbei, Mirabellenbäume blühen so wunderschön im Frühling, werden aber kein einziges Mal erwähnt) Seit Generationen verteilen die jeweiligen Haushälterinnen des Pfarrhauses Mirabellenmarmelade an die Dorfbewohner. Mirabellenmarmelade im Sommer gehört zu Blumfeld dazu. Das leuchtende Titelbild beschwört auch Erinnerungen an meine Kindheit herauf, bei uns wurden die Mirabellen auch eingekocht.Heutzutage verarbeite ich sie aber zu Gelee. Geht einfacher.

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Veröffentlicht am 18.05.2026

Liebe und Verrat - so nah beieinander

Firewatch
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Colin Hadler schreibt sehr spannend, er macht das Buch zu einem richtigen Page Turner. Dabei steigert sich das Geschriebene zu einem richtigen Crescendo, bis alles buchstäblich in Flammen aufgeht.
Ein ...

Colin Hadler schreibt sehr spannend, er macht das Buch zu einem richtigen Page Turner. Dabei steigert sich das Geschriebene zu einem richtigen Crescendo, bis alles buchstäblich in Flammen aufgeht.
Ein paar humorvolle Einlagen gibt es auch, so habe ich nicht gewusst, wofür Männer Tannenzapfen noch verwenden können. Wirklich Jungs? Mein nächster Waldspaziergang werde ich die Nadelbäume mit Hintergedanken umarmen.
Spaß beiseite. Diese Leichtigkeit, das Spritzige der ersten Kapitel, verliert sich im Laufe des Romans, die Geschichte entwickelt sich rasant zu einem waschechten Krimi, wobei der vermeintliche Mörder beim Leser bald erste Zweifel weckt, ob er wirklich der Täter ist. Dabei scheint er zu sehr von eigenen Dämonen verfolgt zu werden.
Zwei Freunde wollen den Mörder ihres dritten Freundes, Aaron, überführen. Doch Kian, der Schriftsteller ist es dann doch nicht. Hadler legt mehrere falsche Spuren aus, Jack, Aarons Bruder oder Bella, seine Ex-Freundin rücken kurzzeitig in den Fokus, um dann wieder zu verschwinden, anderen Verdächtigen oder Spekulationen Raum zu machen. Es müssen fünf Menschen sterben, bis das Gemetzel ein Ende findet.
Colin Hadler wechselt die Schauplätze, mal das Naturschutzgebiet, dann die Straßen der Kleinstadt, das Theater, Kians Haus und Robins Wohnung, alle mit einer eigenen Aura, eigenem Charakter. Das Buch beginnt und endet im Naturreservat mit Aarons Ankunft und Tod im Wald. Der Kreis schließt sich.

Alles in allem, ein durchtriebenes Spiel um Tod, Liebe, Zuversicht und Verrat. Wobei bis gegen Ende nicht klar ist, wer der echte Schuldige ist.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Ich liebe die Theufels

Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen
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Ich liebe die Theufels
Familie Theufel und das türkise Klugscheißerchen sind wieder da. Dieses Mal gibt es eine prisante Ferstärkung. Ihr seht, es ist hoch ansteggend schon beim durchbläddern des Buches.
Beim ...

Ich liebe die Theufels
Familie Theufel und das türkise Klugscheißerchen sind wieder da. Dieses Mal gibt es eine prisante Ferstärkung. Ihr seht, es ist hoch ansteggend schon beim durchbläddern des Buches.
Beim Lesen des Klappentextes musste ich an Ludwig Thomas berühmte Briefe von Josef Filser denken. Ich bin begeistert! Doch dann nahm das Buch eine andere Richtung. Bei Marc-Uwe Kling nicht anders zu erwarten. Ein Feuerwerk an Buchstabenverdreher entfaltet sich vor unseren Augen. Das Karussell der verbuchselten Wechstaben dreht sich im Buch, das Vehlerteufelchen bringt immer neue Bonmots her, während das arme Klugscheißerchen verliebt und außer Puste dem roten Teufel hinterherjagt. Wuckerzatte, Partoffelkuffer, Sraubentaft frisch aus dem Schühlkrank, Muhkilch und Limbeerhimonade, sind wieder einmal der Hit. wer würde da nicht zugreifen?
Die Idee, dass in jeder Schrundgule solch ein Vehlerdeufelchen wohnt, ist irgendwie selbstverständlich. Und ich muss sagen: hoffentlich nur einer pro Schule.
Dieses Buch ist eher zum Selbstlesen gedacht, als zum Vorlesen. Es müssten Kinder sein, die schon in der Lage sind, die verschiedenen Laute und Buchstaben in Wörtern zu erkennen. Sonst wären sie schnell überfordert und der Esprit des Vehlerteufelchens würde sie nicht erreichen.
Die Illustrationen von Astrid Henn unterstreichen den Text: so hat das Fehlerteufelchen (hoppla, jetzt habe ich es aus Servehen korrekt geschrieben) zum Beispiel einen Pferdehuf. Es ist direkt niedlich zu sehen, wie Vehlerteufelchen und Klugscheißerchen den Schülern auf den Schultern sitzen und ihnen falsche und richtige Antworten einzuflüstern versuchen. Es ist diese Visualisierung des Textes, die ich an guten Kinderbüchern so mag.
Tja, und wenn Erwachsene an diesen Büchern auch mögen, dann haben sie ihr Ziel erreicht.

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