Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2025

Ein wehmütiger Abschied, der aber auch Hoffnung zurücklässt

Die Mumins (9). Herbst im Mumintal
0

Inhalt: Der Herbst ist im Mumintal eingezogen - doch das Tal selbst ist seltsam verlassen. Die Mumins sind verreist. Doch: Andere schicken sich an, das Mumintal zu besuchen: Toft, ein junger Homsa, möchte ...

Inhalt: Der Herbst ist im Mumintal eingezogen - doch das Tal selbst ist seltsam verlassen. Die Mumins sind verreist. Doch: Andere schicken sich an, das Mumintal zu besuchen: Toft, ein junger Homsa, möchte sich mit der Reise ins Mumintal einen Traum erfüllen; die Filifjonka möchte nach einer lebensgefährlichen Situation alte Freunde besuchen; die Mymla möchte Klein Mü sehen, der Schnupferich eine Melodie wiederfinden; der Hemul sein Leben umkrempeln und der selbsternannte “Onkelschrompel” Erinnerungen auffrischen. So ist das Mumintal schnell wieder bewohnt, doch die Neuankömmlinge müssen sich erst aufeinander abstimmen…

Persönliche Meinung: “Herbst im Mumintal” ist der 9. Mumin-Band von Tove Jansson. Zusammen mit dem parallel spielenden 8. Band (“Mumins wundersame Inselabenteuer”) bildet er den Abschluss der Mumin-Reihe. Die Besonderheit von “Herbst im Mumintal” ist, dass zum ersten Mal nicht die Mumins die Protagonisten sind. Andere z. T. bereits bekannte (Neben-)Figuren mit ihren ganz eigenen Charakterzügen rücken ins Rampenlicht. Um nur einen kurzen Überblick zu geben: Die ordnungsliebende Filifjonka trifft auf den schusseligen “Onkelschrompel”, der eher einzelgängerische Schnupferich auf den Homsa, der für alle das Leben organisieren möchte. Diese unterschiedlichen Charaktere versuchen nun, ihr Leben im Mumintal neu zu koordinieren - was zu einigen witzigen Konflikten/Missverständnissen führt. Gleichzeitig sind die Figuren auf einer Sinnsuche: Sie sind - abgesehen von der Mymla und dem Schnupferich - mit ihrem bisherigen Leben nicht zufrieden und suchen sich durch den Besuch des Mumintals zu verändern (was mal mehr, mal weniger gelingt). Schön gemacht ist auch, dass die Mumins, obwohl sie fort sind, irgendwie doch im Mumintal nachhallen: Die neuen Bewohner des Tals finden mehrfach Spuren der Mumins, überlegen, wie sich die Muminfamilie in bestimmten Situationen verhalten würde, und bereiten alles für eine potentielle Rückkehr der Mumins vor. Insgesamt wird so der letzte Band der Reihe für die Lesenden ein wehmütiger Abschied von den Mumins, der gleichzeitig aber auch Hoffnung zurücklässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.08.2025

Ein fesselnder und tiefgründiger Thriller

Himmelerdenblau
0

Inhalt: Theo kann es nicht fassen. Seine Demenz ist so weit fortgeschritten, dass er kurzzeitig den Tod seiner Frau Vera vergessen hat. Nun ist er in Sorge, sich in Zukunft auch nicht mehr an seine Tochter ...

Inhalt: Theo kann es nicht fassen. Seine Demenz ist so weit fortgeschritten, dass er kurzzeitig den Tod seiner Frau Vera vergessen hat. Nun ist er in Sorge, sich in Zukunft auch nicht mehr an seine Tochter Julie erinnern zu können, die vor zwanzig Jahren spurlos verschwand - womit gleichzeitig die Möglichkeit einer Rettung Julies verloren gehen würde. Denn: Theo ist sich sicher, dass Julie noch lebt. In der jungen True-Crime-Podcasterin Liv, die ein Interview mit ihm über den Vermisstenfall führen möchte, findet Theo eine Verbündete, die ihn bei der Suche nach Julie unterstützt - insbesondere dann, wenn Theo wieder vergisst…

Persönliche Meinung: “Himmelerdenblau” ist ein Thriller von Romy Hausmann. Eine Besonderheit des Thrillers sind seine dreidimensional und tiefenscharf gezeichneten Figuren. Hier sticht insbesondere der an Demenz erkrankte Theo hervor: Je nach geistiger Fitness ist er wütend, traurig, orientierungslos und schwach, andere Male ist er hoffnungsfroh, voller Tatendrang und den anderen Figuren gegenüber liebevoll. Diese Bandbreite stellt Romy Hausmann wirklich eindrücklich dar. Auch seine Demenzerkrankung wird im Thriller mithilfe von Wortfindungsstörungen, Wiederholungen und Erinnerungslücken in der Ich-Perspektive nahbar wie authentisch aufgezeigt. Eine weitere Stärke der Figurenzeichnung in “Himmelerdenblau” ist, dass die Figuren selten nur “gut” oder nur “böse” sind. Im Gegenteil: Es finden sich häufig Schattierungen, sodass man - auch wenn man bestimmte Verhaltensweisen nicht zwangsläufig gutheißen kann - die Figuren oft (mindestens) ein Stück weit verstehen kann. Um nur ein Beispiel zu nennen: Liv wirkt in ihrem True-Crime-Podcast zu Beginn der Handlung reißerisch, allein auf den eigenen Profit bedacht. Im Laufe der Handlung werden aber Livs ursprüngliche (positive) Gründe, die sie mit dem Podcast verfolgte, offenbart; auch besinnt sie sich mehr und mehr auf diese Ursprungsgedanken, was auch u. a. ein Grund dafür ist, warum sie Theo bei der Suche nach Julie helfen möchte. Bei aller Detailliebe zu den Figuren kommt aber auch die Handlung nicht zu kurz. Neben den Perspektiven von Theo und Liv, die gemeinsam im Fall der verschwundenen Julie ermitteln, wird auch die von Daniel, dem damals unter Verdacht stehenden Ex-Freund Julies, eingenommen. So entsteht einerseits ein fesselndes Erzähltempo mit vielen Cliffhangern, andererseits erhält man einen differenzierten Blick auf den Fall. Später kommen noch weitere Perspektiven hinzu, die ich hier aber nicht spoilern möchte, wodurch die Handlung an Spannung und Komplexität gewinnt. Daneben ist die Handlung ungemein wendungsreich, überraschend (bis zum großen Finale) und sehr durchdacht. Der Schreibstil von Romy Hausmann ist anschaulich, flüssig zu lesen und - wo nötig - sensibel. Insgesamt ist “Himmelerdenblau” ein tiefgründiger wie fesselnder Thriller mit sehr lebendigen Figuren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2025

Ein fesselnder Reihenauftakt mit lebendigen Figuren

Rachesommer
0

Inhalt: Die junge Anwältin Evelyn Meyers hat es mit einem seltsamen Fall zu tun: Ein Mann hat die Absperrungen einer Baustelle überwunden, ist dort in einen Kanalschacht gekrochen, steckengeblieben und ...

Inhalt: Die junge Anwältin Evelyn Meyers hat es mit einem seltsamen Fall zu tun: Ein Mann hat die Absperrungen einer Baustelle überwunden, ist dort in einen Kanalschacht gekrochen, steckengeblieben und letztendlich ertrunken - weshalb seine Ehefrau nun Evelyns Klienten wegen Fahrlässigkeit verklagt hat. Während ihrer Recherchen stößt Evelyn überraschend auf ähnlich irritierende Todesfälle… In Leipzig wird Kommissar Walter Pulaski in eine psychiatrische Klinik gerufen. Eine Patientin soll Selbstmord begangen haben. Doch als Pulaski sich die Leiche näher anschaut, erkennt er Unstimmigkeiten…

Persönliche Meinung: “Rachesommer” ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es handelt sich um den Auftakt der Quadrologie um Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den personalen Perspektiven der beiden Protagonisten. Während Meyers und Pulaski zunächst unabhängig voneinander ermitteln, finden sich, je weiter die Handlung voranschreitet, immer mehr Überschneidungen, ehe sie den Fall gemeinsam aufklären. Sowohl Meyers als auch Pulaski sind sehr dreidimensionale Protagonisten: Beide hatten keine leichte Vergangenheit. Beispielsweise ist Pulaski zu einem Zyniker geworden, nachdem seine Frau gestorben ist (die Vergangenheit von Meyers möchte ich hier nicht spoilern; da müsst ihr schon selbst lesen (subtiler Kaufhinweis Ende 🙃)). Trotz aller Ecken und Kanten haben beide Protagonisten das Herz am rechten Fleck und lassen sich nicht von Anderen von dem Gefühl, das “Richtige” tun zu wollen, abbringen. Die Handlung ist aufgrund der beiden (zunächst) getrennten Ermittlungen sehr abwechslungsreich und fesselnd: Mehrfach finden sich in beiden Ermittlungen Merkwürdigkeiten und Figuren, deren genaue Intention man bis zur Auflösung nicht wirklich einschätzen kann (Die Ermittlungen laufen dabei in einem schönen Tempo, sodass der Thriller trotz seiner 400 Seiten sehr kurzweilig ist!). Auch die Auflösung konnte mich überzeugen, da sie, obwohl man mit der Zeit ahnt, in welche Richtung es ungefähr geht, trotzdem einige Überraschungen bereithält. Der Schreibstil von Andreas Gruber ist anschaulich und sehr flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Rachesommer” ein fesselnder Reihenauftakt mit lebendigen Protagonisten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2025

Eine würdige und stimmige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen

Der Doppelmord in der Rue Morgue
0

“Der Doppelmord in der Rue Morgue und andere Kriminalgeschichten” versammelt sechs Kriminalgeschichten (im weiteren Sinne) von Edgar Allan Poe. Den Auftakt macht die Kurzgeschichte “Der Goldkäfer”, die ...

“Der Doppelmord in der Rue Morgue und andere Kriminalgeschichten” versammelt sechs Kriminalgeschichten (im weiteren Sinne) von Edgar Allan Poe. Den Auftakt macht die Kurzgeschichte “Der Goldkäfer”, die als rätselhafte Abenteuergeschichte beginnt: Der Freund des Ich-Erzählers scheint nach dem Fund eines bisher unbekannten Käfers von krankhaften Vorstellungen geleitet zu werden. Spannend an dieser Geschichte ist, dass man sich permanent fragt, warum der Freund so handelt, wie er handelt; die Auflösung, die bereits auf das deduzierende Denken, das in den folgenden Geschichten prominent vertreten ist, verweist, ist dabei interessant wie aufschlussreich. Es folgt “Du bist der Mörder!”, in dem der Mord eines reichen Mannes thematisiert wird. Zwar ist die Auflösung (mit heutigen Leseerfahrungen) recht vorhersehbar. Wie sie erfolgt, ist hingegen außergewöhnlich, wodurch sie an Poes Schauergeschichten erinnert. Die dritte Geschichte “Der Mann in der Menge” ist eine prosaische physiognomische Studie, in der ein Ich-Erzähler einen ihm auffälligen Mann näher betrachtet. Die drei folgenden Geschichten sind Poes berühmte "Kommissar Dupin”-Detektivgeschichten. Die bekannteste, “Der Doppelmord in der Rue Morgue”, ist ein meisterhaft konstruierter Locked-Room-Krimi mit einer (eigentlich) überraschenden Auflösung (Da diese Geschichte tief in der Populärkultur verankert ist, weiß man vermutlich - ohne die Geschichte jemals gelesen zu haben - wie sie endet. Trotzdem ist sie außerordentlich lesenswert, da hier das Prinzip der Deduktion literarisch für folgende Generationen implementiert wird). Die zweite Dupin-Geschichte ist “Das Geheimnis um Marie Rogêt”. Spannend ist hieran, dass sie auf dem realen, ungeklärten Mordfall der Mary Rogers basiert, quasi True Crime im 19. Jahrhundert. Innerhalb der Erzählung wird dieser reale Fall zunächst mit Zeitungsartikeln rekonstruiert; in einem zweiten Schritt dekonstruiert Dupin die Inhalte der Artikel und gibt Hinweise, welche Schritte erfolgen müssen, um den Täter zu fassen. Den Abschluss bildet “Der entwendete Brief”. Die Geschichte dreht sich, wie der Titel schon sagt, um einen gestohlenen Brief, den Dupin auffindbar macht. Sie lässt sich in zwei Teile unterteilen: Im ersten Teil wird Dupin von dem Verschwinden des Briefes sowie erfolglosen Wiederbeschaffungsversuche erzählt, im zweiten Teil berichtet Dupin, wie er den Brief gefunden hat. Insgesamt also keine übermäßig spannungsgeladene, raffinierte oder spektakuläre Handlung, weshalb sie für mich auch die schwächste Dupin-Geschichte ist. Hervorzuheben an der Ausgabe des Coppenrath Verlags ist auch die grandiose Aufmachung des Buches: Hardcover in Lederoptik, Lesebändchen, Farbschnitt und viele zum Inhalt der jeweiligen Kurzgeschichte passende Schmuckseiten im Schauerstil. Zudem finden sich zwischen den Seiten immer mal wieder schöne Beilagen. Dabei handelt es sich um Hintergründe zu den Geschichten (ursprüngliche Fassungen, zeitgenössische Darstellungen zu behandelten Themen), überblicksartige Sachinformationen (zum Schatz des Captain Kidd oder den Beginn modernen Polizeiarbeit) oder kleine Eastereggs, die auf die jeweilige Geschichte verweisen (bspw. Rätsel oder fiktive Zeitungsartikel). Den Abschluss des Bandes bildet ein kurzes Nachwort, das die langfristige Wirkmächtigkeit von Poes Kriminalgeschichten beleuchtet. Kurz: Eine würdige und stimmige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen, an dem Poe sicherlich seine Freude gehabt hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2025

Die kleine Schwester von "Herz der Finsternis"

Jugend. Erzählung
0

“Jugend” ist eine Kurzgeschichte von Joseph Conrad. Aufgeteilt ist sie in eine Rahmen- und eine Binnenerzählung: In dem nur wenige Seiten umfassenden Rahmen führt ein namenloser Ich-Erzähler in ein Treffen ...

“Jugend” ist eine Kurzgeschichte von Joseph Conrad. Aufgeteilt ist sie in eine Rahmen- und eine Binnenerzählung: In dem nur wenige Seiten umfassenden Rahmen führt ein namenloser Ich-Erzähler in ein Treffen zwischen ehemaligen Seefahrern ein. Einer dieser Seefahrer ist Kapitän Marlow, der in mehreren Erzählungen von Joseph Conrad auftaucht (u.a. “Herz der Finsternis”). Marlow berichtet in der Binnenerzählung von seinen Abenteuern auf der “Judea”, einem Handelsschiff, das ursprünglich von London nach Bangkok reisen sollte. Geschildert werden hier - mit retardierenden Momenten sowie kleineren und größeren Höhepunkten - die Gefahren der Seefahrt. Dies geschieht auch in plastischer und atmosphärischer Weise. Allerdings war es für mich etwas zu langatmig: Trotz aller Abenteuer plätscherte die Handlung für mich eher ziellos dahin, sodass ich mich etwas zwingen musste, am Ball zu bleiben. Vielleicht lag es daran, dass man Ähnliches auch in “Herz der Finsternis” findet, vielleicht war es auch dem Umstand geschuldet, dass Schifffahrten, Nautik und die Meere der Welt nicht zu meinen Steckenpferden gehören - ich kann es nicht genau festmachen, da die Geschichte handwerklich durchaus gelungen ist. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein kurzes Nachwort, das in Leben und Werk Joseph Conrads einführt, der als Polnischstämmiger erst relativ spät Englisch lernte und zeitlebens mit dem Finden passender englischer Worte haderte. Daneben wird die wiederholt auftretende Figur “Marlow” in den verschiedenen Werken Conrads beleuchtet. Insgesamt ist “Jugend” eine atmosphärische kleine Schwester von “Herz der Finsternis”, die sich besonders für Liebhaber*innen von nautischen Geschichten eignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere