Profilbild von strickleserl

strickleserl

Lesejury Star
offline

strickleserl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit strickleserl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.05.2026

Ein Leben unter den Ärmsten

Das Flüstern seiner Gnade
0

Rosalyn sieht keinen anderen Ausweg – sie muss schnell weg, verschwinden, ihr Elternhaus verlassen. So schwer das auch ist, sie freut sich auf ein neues, selbstständiges Leben – und auf die Liebe. Die ...

Rosalyn sieht keinen anderen Ausweg – sie muss schnell weg, verschwinden, ihr Elternhaus verlassen. So schwer das auch ist, sie freut sich auf ein neues, selbstständiges Leben – und auf die Liebe. Die Kutschenfahrt nach London ist unbequem und unangenehm, doch schließlich steht sie auf einem geschäftigen Marktplatz der Stadt. Sehnsüchtig erwartet sie den jungen Mann, der ihr so viel bedeutet.

Die nächsten Wochen sind für Rosalyn beschwerlich. Zu ihrem neuen Leben gehört der Dienst in einem Kinderheim. Die Kleinen wachsen ihr zwar schnell ans Herz, doch die adlige junge Dame kennt sich gar nicht mit den haushälterischen Aufgaben aus, die zu ihrem neuen Leben gehören. So vieles ist anders als erwartet. Rosalyn fühlt sich fehl am Platz und fragt sich, ob sie die falsche Entscheidung getroffen hat. Ob ihre Familie sie vermisst und sucht?

Dieser spannende Roman zeichnet die Entwicklung von Rosalyn nach. Die Herausforderungen ihres neuen Lebens tragen zur Veränderung ihrer Sichtweise und ihres Charakters bei. Sie kann von Vorbildern lernen und kommt vor allem dem Vaterherzen Gottes näher. Die vertrauensvolle Beziehung zu Gott ist ein wichtiges Thema in diesem Buch. Dazu kommt die Erkenntnis, dass man sich Gottes Liebe nicht verdienen kann.

Die Gedanken und Kämpfe Rosalyns werden gut wiedergegeben. Spannung entsteht vor allem durch mehrere ungelöste Fragen. Manche Antworten sind unerwartet, andere jedoch vorhersehbar und darum etwas enttäuschend.

Besonders interessant ist es, die methodistische Bewegung am Anfang ihrer Wirkungsgeschichte kennenzulernen und nachzuempfinden, welche Schicksale Frauen und Kinder im neunzehnten Jahrhundert erleiden mussten. Besonders empfehlenswert ist dieses Buch für alle, die historische Erzählungen und Coming-of-Age-Geschichten lieben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 10.05.2026

Das Vermögen der Witwe

Das Vermächtnis
0

Simon ist Anwalt in einer Kleinstadt. Von den hohen Honoraren im nahen Washington kann er nur träumen. Seine Klienten brauchen seine Hilfe meistens nur, wenn es um ein Testament oder eine Insolvenz geht. ...

Simon ist Anwalt in einer Kleinstadt. Von den hohen Honoraren im nahen Washington kann er nur träumen. Seine Klienten brauchen seine Hilfe meistens nur, wenn es um ein Testament oder eine Insolvenz geht. Mit solchen Aufträgen verdient er gerade genug, um seine laufenden Kosten zu begleichen.

Sein Leben ist alles andere als vollkommen. Seine Ehe ist zerrüttet. Er sehnt sich nach einer besseren Beziehung zu seinen Kindern. Dazu kommt eine ungute Gewohnheit, die ihn viel Geld kostet. Als eine ältere Dame ihn aufsucht, um ein neues Testament aufzusetzen, scheint es zunächst um ein schnelles, gewöhnliches Erbe zu gehen. Doch dann berichtet sie ihm von ihrem geheimen Vermögen. Simon sieht schon die Dollarzeichen vor seinen Augen. Das erwartete Honorar scheint die Lösung all seiner Probleme zu sein. Doch er muss erbittert feststellen, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint.

Dieser Grisham-Roman ist wegen seiner unvorhersehbaren Handlung spannend. Nachdem die Werke dieses Bestsellerautors in den letzten Jahren nicht an seine ersten Bücher heranreichen konnten, ist dies wieder ein Top-Titel. Der Protagonist hat seine Probleme und Laster, und doch wächst er dem Leser mit seiner sympathischen Art von Seite zu Seite immer mehr ans Herz. Der Leser bangt mit, als sein Ruf und gar sein Leben bedroht sind.

Die Lösung des Rätsels ist unerwartet und am Ende des Buches wird deutlich, dass Grisham auf ein großes Unrecht hinweisen will. Das verleiht der Erzählung Stärke und gibt das Gefühl nicht nur zum Zeitvertrieb oder zur Entspannung zu lesen, sondern dabei gleichzeitig über ein wichtiges Thema informiert zu werden.

Fazit: Die Handlung ist bis zum Schluss mitreißend. Nach mehreren mittelmäßigen Büchern kann dieser packende Justizthriller mit den ersten Werken Grishams mithalten. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 02.05.2026

Bleibender Schmerz

Gott hat meinen Schmerz vergoldet
0

Es ist ein ganz normaler Sommertag. Melanie Oetting denkt noch über die vergangenen Tage nach, über eine erfüllte Zeit auf einer christlichen Konferenz. Da stürmen ihr Exmann, zwei ihrer Kinder, Polizeibeamte ...

Es ist ein ganz normaler Sommertag. Melanie Oetting denkt noch über die vergangenen Tage nach, über eine erfüllte Zeit auf einer christlichen Konferenz. Da stürmen ihr Exmann, zwei ihrer Kinder, Polizeibeamte und ein Kriseninterventionsteam in ihr Wohnzimmer. Was sie sich dann anhören muss, gehört zum Schlimmsten, was eine Mutter erleben kann: Sie erfährt, dass ihr Sohn Severin tödlich verunglückt ist.

Das Erleben der Autorin angesichts dieses schweren Schicksalsschlags ist eingebettet in eine ehrliche, interessante Erzählung über ihr Leben insgesamt. Sie berichtet von ihrer Kindheit und Jugend, von Ehe und Scheidung, von Krisen und von ihrem wachsenden Glauben. Dabei erlebt sie innere Heilung und Versöhnung. Freuden und Schmerz liegen auf ihrem Lebensweg eng beieinander. In allem richtet die Autorin ihren Blick bewusst auf ihren himmlischen Vater, den sie als liebevoll und fürsorglich erlebt. Sie bemüht sich seiner Führung zu folgen; vor allem aber lernt sie, seinen Trost anzunehmen und weiterzugeben.

Trotz des schweren Themas ist das Buch äußerlich ansprechend gestaltet. Das goldene Herz auf dem Cover fällt sofort ins Auge. Das beiliegende Lesezeichen ist ein schönes Extra, und die Familienfotos bereichern den Inhalt.

Diese authentische Lebensgeschichte ist spannend zu lesen und in vielen Aspekten gut nachvollziehbar. Allerdings überrascht, wie wenig Raum der verstorbene Sohn selbst einnimmt. Stattdessen stehen die Eheprobleme und die Scheidung stärker im Mittelpunkt. Auch die anderen Kinder bleiben eher im Hintergrund und wirken stellenweise wie schemenhafte Randfiguren. Das ist verständlich, lässt aber den Wunsch offen, sie besser kennenzulernen.

Die Autorin ist überzeugte Katholikin. Einige ihrer Überzeugungen bleiben mir als protestantische Christin fremd, wie der Wunsch nach einer Annullierung ihrer Ehe oder ihre Gedanken zum ewigen Schicksal ihres Sohnes. Trotzdem ist es wertvoll und ermutigend zu lesen, wie sie in jeder neuen Krise Halt bei Gott findet.

Fazit: Ein ehrlicher und bewegender Lebensbericht über Verlust, Ehe und Glauben. Das Buch überzeugt durch persönliche und authentische Gedanken und ist besonders für Leser empfehlenswert, die sich für Lebensberichte interessieren und die nach Trost und Orientierung im Glauben suchen.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Zur Ruhe kommen

Träume sind wie Segel, Erinnerungen wie Ruder
0

Der schwedische Pastor und Autor Tomas Sjödin ist bekannt für seine hilfreichen Werke über Stille und Achtsamkeit. Dazu schreibt er schon seit vierzig Jahren kurze Zeitungskolumnen. In diesem Band sind ...

Der schwedische Pastor und Autor Tomas Sjödin ist bekannt für seine hilfreichen Werke über Stille und Achtsamkeit. Dazu schreibt er schon seit vierzig Jahren kurze Zeitungskolumnen. In diesem Band sind achtzig von ihnen abgedruckt, die von Herbst 2019 bis Frühjahr 2024 erschienen sind.

Die Texte spiegeln Gedanken und Überlegungen des Autors wider, vor allem über Alltägliches und gewöhnliche Kleinigkeiten des Lebens, wie Erinnerungen an die Eltern, nächtliche Wachstunden, Begegnungen oder Reisen. Aktuelle Themen tauchen jedoch auch auf, zum Beispiel die Covid-Krise und der Krieg in der Ukraine. Sein Glaube an einen guten Gott ist wie ein leiser Unterton, der stets mitschwingt, sich aber nicht aufdrängt. Über sein Anliegen schreibt er: „Ich habe ein Motto für meine Texte: ehrlich über das Leben zu reden und dabei immer zu versuchen, ein Stückchen Hoffnung zu vermitteln.“

Jedes Kapitel umfasst zwei bis drei Seiten und lässt sich in wenigen Minuten lesen. Die Betrachtungen eignen sich gut für eine tägliche kleine Pause. Das Lesebändchen ist hilfreich und das schön gestaltete Cover macht beim Betrachten Freude.

Immer wieder geht es in den hoffnungsvollen Texten um Ruhe und um die Freude daran, nicht alles tun und erleben zu müssen – zu entschleunigen, sich an einem langsameren Lebenstempo zu freuen, sich Zeit für Stille zu nehmen.

Mein persönlicher Favorit ist die Kolumne „Tiefseetaucher“. Sjödin schreibt dort: „Genau das ist das große Geheimnis der Sprache, dass sie ein Zufluchtsort werden kann, dass man in der Sprache eines anderen seine eigene finden kann.“ Und über Schriftsteller, dass sie: „… an meiner Statt in die Tiefe getaucht waren und eine Sprache heraufgeholt hatten, die meiner Situation Worte gab, und ich begriff, dass ich nicht allein war.“

Und genau das macht Sjödin selbst auf ausgezeichnete Weise. Er versteht es mit wenigen Worten Gedanken in Bewegung zu bringen.

Fazit: Dieses sehr empfehlenswerte Buch ist eine Einladung, sich täglich für einige Minuten zurückzuziehen, um über die Bedeutung von Stille, Achtsamkeit und Gottes Wirken in meinem Leben nachzudenken.

Veröffentlicht am 16.04.2026

Vom iranischen Militär zum Verfolgten

Krieger Gottes
0

Abdull soll in den Fußstapfen seines Großvaters treten, der ein einflussreicher Ayatollah ist. Schon als kleines Kind wird ein schmerzhaftes Initiationsritual an ihm vollzogen, ohne dass er vorher etwas ...

Abdull soll in den Fußstapfen seines Großvaters treten, der ein einflussreicher Ayatollah ist. Schon als kleines Kind wird ein schmerzhaftes Initiationsritual an ihm vollzogen, ohne dass er vorher etwas davon ahnt. Er wird dann auf eine Koranschule geschickt, in der die Schüler streng diszipliniert werden. Als Jugendlicher entscheidet er sich einen anderen Weg einzuschlagen. Er will Soldat werden. Trotz des Widerstands seiner Familie setzt Abdull sich durch.

Bereits mit 13 Jahren beginnt seine harte militärische Ausbildung. Bald dient der ausgezeichnete Krieger in einer geheimen Spezialeinheit. Mit dem Sturz des Schahs steht er jedoch plötzlich auf der Seite des Feindes.

Neben seiner militärischen Karriere spielt der Glaube eine große Rolle in seinem Leben. Er sehnt sich nach Allahs Wohlgefallen. Es müsste doch ganz einfach sein, überlegt er, Christen vom Islam zu überzeugen und damit bei Allah zu punkten. Zielstrebig verfolgt er seinen Plan.

Dieses spannende Buch erzählt die Geschichte eines iranischen Soldaten auf der Suche nach einem erfüllenden Glauben. Die Ereignisse liegen zwar Jahrzehnte zurück, doch die Geschichte ist höchst aktuell und hilft den jetzigen Irankonflikt besser zu verstehen und für die Menschen im Land zu beten.

Das Buch erklärt verständlich, was Muslime glauben und wie sich das vom Christentum unterscheidet. Es zeigt außerdem, wie gefährlich es für einen Christen in einem muslimischen Land sein kann. Das Ende ist etwas enttäuschend, da die Geschichte recht abrupt endet. Es wäre interessant gewesen, mehr aus Abdulls Leben zu erfahren.

Fazit: Ein bewegendes und herausforderndes Glaubenszeugnis aus dem Iran. Die Schilderungen militärischer Einsätze und einiger brutaler Szenen machen das Buch stellenweise schwer zu lesen. Dennoch lohnt sich dieser eindringliche Blick in ein geheimnisumgebenes Land. Sehr empfehlenswert!