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Veröffentlicht am 15.08.2018

Sex quergedacht – Möglichkeiten und Gefahren

Scharfstellung
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Die Münchner Paar- und Sextherapeutin Heike Melzer weiß, wo es heute brennt. In ihrem Praxisalltag wird sie mit vielen verschiedenen Problemfeldern konfrontiert. Vieles lässt sich auf die Überreizung der ...

Die Münchner Paar- und Sextherapeutin Heike Melzer weiß, wo es heute brennt. In ihrem Praxisalltag wird sie mit vielen verschiedenen Problemfeldern konfrontiert. Vieles lässt sich auf die Überreizung der Menschen heute durch die jederzeit verfügbaren Angebote des Internets zurückführen.

Ausführlich geht sie der Frage nach, wie das Internet die sexuellen Gewohnheiten und Vorlieben der Menschen heute verändert hat. Ob es um Pornographie, Spielzeug, Selbstbefriedigung oder den käuflichen Sex geht, Sexualität lässt sich auch ohne konkretes Gegenüber verwirklichen. Obwohl es anfangs leichter erscheinen kann lustvolle Gefühle zu erleben, ohne Rücksicht auf einen Partner zu nehmen, führt Solo-Sex in den meisten Fällen langfristig zu Problemen.

In den ersten Kapiteln geht Heike Melzer auf die Veränderung der Sexualität durch das Internet ein. Mit vielen Details beschreibt sie aktuelle Praktiken, die oft durch Erlebnisse aus ihrer Praxis ergänzt werden. Auch Verweise auf die entsprechenden Seiten im Internet fehlen nicht.

In der zweiten Hälfte schreibt Heike Melzer über sexuelle Funktionsstörungen, die momentan stark zunehmen. Sexualität, losgelöst aus einer liebevollen Beziehung, führt zu einer Überreizung der Sinne, die schließlich mit einer lebenszerstörenden Sexsucht oder mit Potenzstörungen enden kann.

Heike Melzer kennt sich aus, denn alltäglich begegnet sie diesen Problemen in ihrer Praxis. Die Hinweise auf Störungen sind notwendig und wichtig. Der Schreibstil des Buchs ist angenehm, und stellenweise gibt es auch lustige Anekdoten. Trotzdem werden wohl viele Leser sich mit diesem Buch nicht anfreunden. Die zwei Hälften sind einfach zu unterschiedlich. Wer mit einem voyeuristischen Interesse liest, und gerne mehr über aktuelle Trends wissen will, wird das erste Teil gerne lesen und den zweiten Teil zu sachlich finden. Wer mehr über die Gefahren der heutigen Zeit wissen will, stört sich vermutlich an den ausführlichen Beschreibungen in der ersten Hälfte, und ist dankbar für die Hinweise in der zweiten Hälfte.

Fazit: Informativ, mit vielen Details, warnt dieses Buch vor der Übersexualisierung unserer heutigen Zeit durch das Internet.

Veröffentlicht am 31.03.2018

Das Leben eines Geheimagenten

Der falsche Amerikaner
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Jack Barsky, oder besser gesagt Albrecht Dittrich, wächst nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland auf. Von klein auf lernt er die Sowjetunion als Freund und Helfer zu sehen. Der ehrgeizige und intelligente ...

Jack Barsky, oder besser gesagt Albrecht Dittrich, wächst nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland auf. Von klein auf lernt er die Sowjetunion als Freund und Helfer zu sehen. Der ehrgeizige und intelligente Schüler möchte sich für den Kommunismus einsetzen, denn ihm wird gesagt, dass die kapitalistischen Länder korrupt und faschistisch sind.

Er studiert mit Auszeichnung Chemie, und eigentlich möchte er an seiner geliebten Universität bleiben und unterrichten. Eines Tages sucht ihn jedoch ein geheimnisvoller Mann auf, und im Laufe der Zeit merkt Albrecht, dass er als Spion angeworben werden soll. Wegen seinen hervorragenden Leistungen ist er der KGB aufgefallen. Nun erlernt er über mehrere Jahre das Handwerk eines Agenten.

Da er schnell Fremdsprachen lernt, steht seine Aufgabe schließlich fest. Er soll als geheimer Agent in den Vereinigten Staaten leben. Dazu muss er lernen akzentfrei Englisch zu sprechen. Als er soweit ist, nimmt er die Identität eines Jungens an, der mit elf Jahren gestorben ist, Jack Barsky. So hat er einen Namen, und zusammen mit der KGB, baut er sich eine neue Identität auf.

Er reist auf Umwegen in den USA ein, und nach und nach kann er seine neue Identität festigen. Mit einer echten Geburtsurkunde kann er andere Papiere beantragen und auch mit Erfolg ein Studium im IT-Bereich absolvieren. In dieser Zeit des Kalten Kriegs steht er immer in Kontakt mit dem KGB, der er Geheimbotschaften weitergibt. Alle paar Jahre besucht er seine Familie in Deutschland, die nichts von seinem wahren Aufenthaltsort ahnt. Nur seine Frau weiß, dass er als Spion arbeitet.

Mit der Zeit verändert sich Jack. Er fühlt sich in seiner neuen Heimat sehr wohl, auch wenn er oft einsam ist. Diese Einsamkeit führt dazu, dass er in den USA eine neue Familie gründet. Er hat zwei völlig verschiedene Identitäten, und nun auch zwei Familien auf zwei Kontinenten. Eine Zeitlang geht das gut, aber dann befiehlt ihm sein Auftraggeber zurückzukommen. Für welches Land und für welche Familie soll er sich entscheiden? Und kann er es riskieren diesen Befehl zu ignorieren?

Dieses dicke 400 Seiten Buch ist zum größten Teil sehr spannend geschrieben. Es geht weniger um die Details eines Lebens als Spion, sondern mehr um die Frage, wie ein Mensch dazu kommt eine solche Aufgabe anzunehmen. Albrechts Kindheit in Ostdeutschland wird ausführlich beschrieben, und der Leser erfährt wie sein Weltbild vom Kommunismus geprägt wird. Das beeinflusst natürlich seine Entscheidungen. Als er jedoch das Leben im Westen kennenlernt, verändert sich langsam sein Denken. Dazu gehört auch schließlich die Hinwendung dieses atheistisch geprägten Mannes zum Glauben.

Fazit: Ein spannender Bericht über das innere Leben eines Agenten aus Russland, der sich ein neues Leben im Land des Feindes aufbaut.

Veröffentlicht am 17.11.2018

Aus Liebe zum Sauerteig

Ca. 750 g Glück – Das kleine Buch über die große Lust sein eigenes Sauerteigbrot zu backen
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Deutschland ist ja bekannt für gutes, leckeres, duftendes Brot. Eine wichtige Zutat bei vielen dieser Brotarten ist Sauerteig. Was aber ist Sauerteig, und wie kann man ihn selbst herstellen? Aber nicht ...

Deutschland ist ja bekannt für gutes, leckeres, duftendes Brot. Eine wichtige Zutat bei vielen dieser Brotarten ist Sauerteig. Was aber ist Sauerteig, und wie kann man ihn selbst herstellen? Aber nicht nur das, wie wirkt sich die Zubereitung von Sauerteig und der Vorgang des Backens auf die Seele aus? Und was haben Konzentration, Glück, Geduld und Sinnlichkeit mit Sauerteig zu tun? Um all das geht es in diesem Buch.

Wer eine Rezeptsammlung sucht, wird von diesem Buch enttäuscht sein. Neben einer ausführlichen Erklärung zur Sauerteigherstellung, und genaue Hinweise zur Teigbereitung und dem Backen des Brots, gibt es in diesem Buch keine weiteren Rezepte mit Variationen des Grundrezepts. Und für den, der noch keine Erfahrungen mit der Herstellung von Sauerteig gemacht hat, bleiben bei aller Ausführlichkeit noch Fragen offen. Dafür gibt es aber jede Menge besinnliche Gedanken über Sauerteig und über die Vorteile des Selbstbackens, und mehrere künstlerisch ansprechende Bilder.

Das Cover dieses Buchs ist eher schlicht gehalten, und erinnert an Backbücher aus früheren Zeiten. Die philosophierenden Texte klingen wie ein Plädoyer über den Wert des Sauerteigs. Sicher ist das humorvoll gemeint, aber manchen Lesern wird das zu weit gehen, ebenso wie einige gar zu phantasievolle Beschreibungen. So heißt es z.B., beim Sauerteig spielen sich wahre Orgien ab. „In der Schüssel findet ein einziges, unanständiges, pausenloses Kopulieren, Fressen, Pupsen und Verdauen statt.“

Der Autor gibt selbst Backkurse, darauf wird mehrmals hingewiesen, vielleicht zu oft. Die Erklärungen über das Brotbacken als Hobby sind überzeugend, denn es muss kaum etwas angeschafft werden, und der Knet- und Backvorgang hat etwas Meditatives an sich. Außerdem dauert es nicht lang; rechnet man die einzelnen Arbeitsschritte zusammen, kommt man auf nur wenige Minuten. Der Großteil der Zeit beim Backen mit Sauerteig ist Wartezeit. So ist vieles an diesem Buch überzeugend, wenn auch überraschend und gewöhnungsbedürftig.

Fazit: Wer Sauerteig liebt oder lieben lernen will, wird dieses Buch sehr schätzen. Wer eher auf der Suche nach einer Fülle von Rezepten ist, wird vermutlich von diesem Buch enttäuscht sein. Ein interessanter, ungewöhnlicher Zugang zum Backen, der aber nicht jeden ansprechen wird.

Veröffentlicht am 14.11.2018

… damit so etwas nie wieder passiert!

Marion, für immer 13
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Die Autorin, Nora Fraisse, liebt ihre drei Kinder über alles. Ihre älteste Tochter, Marion, ist nicht glücklich in ihrer Klasse. Die Mutter wendet sich an die Schulleitung und bittet darum, dass ihre Tochter ...

Die Autorin, Nora Fraisse, liebt ihre drei Kinder über alles. Ihre älteste Tochter, Marion, ist nicht glücklich in ihrer Klasse. Die Mutter wendet sich an die Schulleitung und bittet darum, dass ihre Tochter in eine andere Klasse kommt, aber sie wird nur vertröstet.

Am Tag vor dem verhängnisvollen Tag macht Marion nach der Schule einen kranken Eindruck, am nächsten Tag bleibt sie von der Schule daheim. Die Mutter ist unterwegs, um einige Besorgungen zu erledigen. Als sie zurückkommt, hat sie ein ungutes Gefühl. Schnell will sie nach ihrer Tochter sehen, aber die Zimmertür ist verschlossen. Als sie schließlich hineingelangt, sieht sie, dass ihre Tochter sich erhängt hat. Jede Hilfe kommt zu spät.

Nora möchte verstehen, was ihre noch so junge Tochter zu diesem Schritt getrieben hat. Sie durchforstet ihr Telefon, ihre Facebook-Nachrichten und ihre Schulsachen. Wie ein Puzzle, setzt sie nach und nach Teile aus dem traurigen Leben ihrer Tochter zusammen. Sie entdeckt gemeine Nachrichten von Marions Schulkameraden, und Hinweise auf schweres Mobbing, vor allem an Marions letztem Schultag. Vergeblich hofft sie auf die Unterstützung der Schule bei ihrer Recherche. Sie vergräbt sich in ihrer Suche, und vernachlässigt dadurch zeitweise ihre anderen beiden Kinder. Einige Fragen lassen sie einfach nicht los. Wer ist am Tod ihrer Tochter schuld? Wie kann man verhindern, dass Kinder sich wegen Mobbing das Leben nehmen?

Dieses bewegende Buch ist in Form eines langen Briefes geschrieben; Nora schreibt an ihre geliebte Tochter. Sie spricht alles aus, was sie ihrer Tochter so gerne noch gesagt hätte. Sie beschäftigt sich sehr mit der Schuldfrage, sie ist wütend auf die vermeintliche Schuldige, und sie setzt sich in der Öffentlichkeit dafür ein, dass Kinder in Schulen besser geschützt werden.

Der Leser fiebert mit, bei dem Rätsel, warum ein junges Mädchen einen solch radikalen Schritt geht, darum ist das Buch größtenteils sehr gut lesbar und spannend. Gegen Ende häufen sich gelegentlich Wiederholungen, und die Spannung lässt bei den Berichten über den Einsatz der Mutter etwas nach. Trotzdem ist dieses Buch sehr empfehlenswert, vor allem für alle, die mit Jugendlichen zu tun haben.

Fazit: Ein bewegendes Buch zu einem wichtigen Thema, das über ein schreckliches Ereignis berichtet, und dem Leser damit die Augen dafür öffnet, welche schwerwiegende Folgen Mobbing unter Jugendlichen haben kann.

Veröffentlicht am 11.11.2018

Gottes Stimme hören und folgen

Gott, die Wolke und ich
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Obwohl er noch recht jung ist, ist John Stickl Pastor einer schnellwachsenden Gemeinde, mit vielen Tochtergemeinden, in Texas. Dabei wollte er eigentlich gar nicht Pastor werden. Aber wichtiger als seine ...

Obwohl er noch recht jung ist, ist John Stickl Pastor einer schnellwachsenden Gemeinde, mit vielen Tochtergemeinden, in Texas. Dabei wollte er eigentlich gar nicht Pastor werden. Aber wichtiger als seine eigenen Pläne war es für ihn Gottes Anweisung zu befolgen.

Der englische Titel dieses Buchs ist „Follow the Cloud“, was so viel heißt wie „Folge der Wolke“. Warum aber sollte jemand einer Wolke folgen? Der Titel spielt auf eine Geschichte aus dem Alten Testament an. Als das Volk der Israeliten aus der Sklaverei befreit wurden, mussten sie einen weiten Weg durch die Wüste gehen, bis sie in das verheißene Land kamen. Dabei führte Gott sie mit einer Wolke am Tag, und einer Feuersäule in der Nacht. Wo die Wolke stehen blieb, lagerte sich das Volk. Wenn die sich Wolke weiterbewegte, folgte ihr das Volk.

Anhand von diesem Bild zeigt der Autor wie das Leben eines Menschen, der Jesus nachfolgt, aussehen sollte. Wenn Gott uns sagt, dass wir etwas tun sollen, dann sollen wir es tun. Wenn Gott uns warten lässt, oder uns bewegt in eine bestimmte Richtung zu gehen, oder etwas von uns erwartet, dass wir uns nicht zutrauen, ist es wichtig, dass wir gehorchen.

Es geht in diesem Buch über Nachfolge um drei Themen: unsere Identität, unsere Gottesbeziehung, und unser Auftrag. Alles beginnt mit unserer Identität. So wie die Israeliten lernen mussten als freie Menschen und nicht mehr als Sklaven zu denken, müssen wir lernen uns nicht als Sünder zu sehen, sondern als Gottes geliebte Kinder. Eine lebendige Beziehung zu Gott ist die Voraussetzung dafür, dass wir seine Stimme hören können. Und wenn wir wissen wer wir sind, und in einer Beziehung mit Gott leben, können wir in guter Weise auf unsere Umgebung einwirken, und so Gottes Reich ausbreiten.

Das Besondere an diesem Buch sind die vielen Beispiele aus John Stickls Leben. Dadurch lässt sich dieses Sachbuch sehr gut lesen, und das Gesagte wird viel anschaulicher. John Stickl scheut sich auch nicht über peinliche Erlebnisse zu berichten, und gerade anhand von diesen Beispielen erfährt der Leser viel darüber, wie das Leben in der Nachfolge aussieht. Hilfreich sind auch die Fragen nach jedem Kapitel, die das Gelesene vertiefen.

Die Gedanken im letzten Teil des Buchs sind aus Bill Johnsons Büchern schon bekannt; es geht darum das Reich Gottes auf der Erde auszubreiten. Diese Vorstellung ist unter Christen umstritten, ebenso wie die Vorstellung, dass Jesus auf Erden seine Göttlichkeit ganz abgelegt hat, und dass wir darum über die gleiche Kraft verfügen wie er, und somit alles tun können, was Jesus getan hat. Problematisch ist nicht nur, dass hier wenig eigenes Gedankengut des Autors zu finden ist, auch theologisch gesehen, sind manche Aussagen bedenklich. Jesus selbst sagte, sein Reich ist nicht von dieser Erde.

Herausragend an diesem Buch sind aber vor allem zwei andere Gedanken. Zum einen sagt der Autor, dass es nicht um unsere Kraft geht, sondern allein um Gottes Kraft. Und das Zweite, John Stickl betont immer wieder, dass wenn wir Gottes Stimme nicht hören können, es vielleicht daran liegt, dass wir das Letzte, was wir tun sollten, noch nicht getan haben. Leider erklärt er aber nicht, wie wir wissen können, ob das was wir hören, tatsächlich von Gott kommt. Da kommt aber wohl die Beziehung ins Spiel, denn je vertrauter wir mit Gott sind, desto sicherer können wir sein, dass er es ist, der spricht.

Fazit: Ein gut geschriebenes und leicht zu lesendes Buch, mit vielen wertvollen Beispielen und Hinweisen, wie Nachfolger Christi Gottes Stimme hören und folgen können.