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Veröffentlicht am 09.09.2019

Ratgeber über Missbrauch im frommen Gewand

Das Unfassbare begreifen
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Immer wieder hört man von Missbrauch in christlichen Kreisen. Das scheint unmöglich zu sein, denn in Gemeinden und Kirchen erwartet man, dass die Menschen dort Jesus nachfolgen wollen. Leider kommt jedoch ...

Immer wieder hört man von Missbrauch in christlichen Kreisen. Das scheint unmöglich zu sein, denn in Gemeinden und Kirchen erwartet man, dass die Menschen dort Jesus nachfolgen wollen. Leider kommt jedoch sowohl körperlicher als auch seelischer Missbrauch viel zu oft in christlichen Gruppen vor.

Die Autorin dieses Ratgebers möchte Betroffenen und ihren Begleitern helfen. Sie hat selbst negative Erfahrungen mit geistlichem Missbrauch gemacht, doch sie hält trotzdem an dem Gott der Bibel fest.

Komplexe Sachverhalte werden mit einfachen Worten erklärt. So erfährt der Leser, dass ein Trauma wie eine seelische Wunde ist. Manche Verletzungen werden vergessen, weil der Umgang damit zu schmerzhaft wäre. Bei besonders schmerzhaften Erfahrungen spaltet sich gar ein Teil der Persönlichkeit ab, was zu einer dissoziativen Identität führt, einer gespaltenen Persönlichkeit.

Eine wichtige Ursache für Trauma ist rituelle Gewalt. Die Autorin hat einige Opfer dieser schrecklichen Form von Gewalt kennengelernt. Auch wenn die Autorin weiß, was diese Menschen durchmachen mussten, scheinen ihre Geschichten so unfassbar tragisch zu sein, dass nur bruchstückhaft davon erzählt wird.

Neben der Aufklärung über Grundlagen und Formen und Folgen der Gewalt, liegt ein Schwerpunkt des Buchs auf Hilfen für Betroffene. Die Hilfen sind auch nützlich für Menschen, die mit betroffene Menschen arbeiten. Es geht dabei um Themen wie Umdenken, Ressourcen und Vergebung.

Ein kurzes Kapitel wendet sich an Täter. Dabei ist besonders traurig, dass gerade bei der rituellen Gewalt Opfer zu Tätern gemacht werden. Abschließend wird aufgezeigt, wie eine heile Gemeinde aussehen sollte, und der Leser wird daran erinnert mit dem Unfassbaren zu rechnen, das sich vielleicht hinter den Kulissen einer heilen Gemeinde verbirgt.

Dieses Buch enthält viele gute Gedanken und Anhaltspunkte für Menschen, die sich mit den Themen Glaube und Missbrauch auseinandersetzen. Es geht dabei nicht nur um sexuellen Missbrauch, auch geistlicher Missbrauch und fromme Manipulation spielen eine große Rolle.

Psychologische Inhalte werden größtenteils laiengerecht erklärt. Viele Beispiele aus dem Alltag helfen dem Leser sich das Gesagte vorzustellen.

Eine große Rolle spielt das Problem der rituellen Gewalt, die zu einer dissoziativen Identität führen kann. Die Autorin schreibt, „Ich habe dieses Buch mit der Motivation geschrieben, die Informationen, die mir gefehlt hatten, zur Verfügung zu stellen. Sie finden in dieser Lektüre das, was ich mir als Vorbereitung auf den Kontakt mit Überlebenden schlimmster Gewalt gewünscht hätte. Diese Zeilen sind von meiner Hoffnung begleitet, dass Sie besser vorbereitet sind, als ich es war, wenn Sie in die Abgründe menschlicher Gebundenheit und seelischer Qualen schauen.“

Bei der Erklärung dieser Inhalte fällt es teilweise schwer der Autorin zu folgen. Da die Aufdeckung dieser Taten, die meistens im Rahmen von organisiertem Verbrechen stattfinden, gefährlich ist, scheint die Autorin nicht zu viel sagen zu wollen. Die Erklärungen sind vielleicht hilfreich für Betroffene, aber jemand der damit keine Erfahrung hat ist nach dem Lesen nicht viel klüger.

Fazit: Dieser Ratgeber ist weniger hilfreich für Menschen, die erste Informationen über das Thema Kirche und Missbrauch suchen. Es richtet sich eher an Helfende und Betroffene, die mit dem Thema rituelle Gewalt konfrontiert sind. Die Erklärungen sind einfach und praktisch anwendbar, allerdings findet der Nichteingeweihte in diesem Buch nicht zu jedem Thema das nötige Hintergrundwissen.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Mehr als ein Sprachratgeber

My Pleasure!
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Dieses Buch ist eine große Hilfe für denjenigen, der sich schon gut auf Englisch verständigen kann, aber typische Fehler eines Ausländers vermeiden möchte. Manche Wörter klingen ja so englisch, wie „handy“ ...

Dieses Buch ist eine große Hilfe für denjenigen, der sich schon gut auf Englisch verständigen kann, aber typische Fehler eines Ausländers vermeiden möchte. Manche Wörter klingen ja so englisch, wie „handy“ oder „toilet“. Warum man sie aber trotzdem nicht benutzen sollte, erklärt dieses Buch.

Man stelle sich vor, der deutsche Leser verbringt einige Tage mit der Autorin in London. Sie erklärt ihrem Besucher diese faszinierende Stadt und lässt ihn an der Geschichte des Landes teilhaben.

Gemeinsam werden Restaurants und Sehenswürdigkeiten besucht und danach wird bei einer Tasse Tee geplaudert; so kann man sich dieses Buch vorstellen. Der Leser unterhält sich mit der Autorin, dabei werden Sprache, Land und Bewohner erklärt. Das Gespräch wird mal auf Deutsch, mal auf Englisch geführt und viele Ausdrücke werden gleich zweimal gesagt, auf Englisch und auf Deutsch.

Der Leser erfährt viel Wissenswertes über England, sowohl Aktuelles, als auch Geschichtliches. Warum ist eine Oyster Card günstiger als eine Tageskarte und warum heißt diese Fahrkarte überhaupt so? Wo genießt man die schönste Aussicht über London und was kostet das? Wie ist die Untergrundbahn entstanden und wie war es früher bei öffentlichen Hinrichtungen? Welche Rolle spielt die Religion bei der Thronfolge? Welche Sitten und Gebräuche sind zur Weihnachtszeit üblich?

Neben allerlei kuriosen Fakten, ist es besonders hilfreich, dass auf typische Fehler von deutschen Muttersprachlern hingewiesen wird. So ist ein „menue“ nicht ein „Menü“, und „Gift“ etwas ganz anderes als das englische „gift“.

Zum Abschluss von jedem Kapitel findet sich ein kurzer Test. Dabei geht es meistens um Übersetzungsaufgaben. Die Begriffe wurden teilweise im vorhergehenden Kapitel besprochen, aber nicht immer. Besonders hilfreich ist die ausführliche Auflistung der Vokabeln jedes Kapitels am Ende des Buchs.

Die Dialoge sind teilweise witzig und interessant. Manchmal verwirrt jedoch der ungewohnte Dialog-Schreibstil und für den Leser, der bereits gute englische Grundkenntnisse besitzt, könnte die Wiederholung von vielen Aussagen in beiden Sprachen störend wirken.


Fazit: Wer seine Englischkenntnisse auf unterhaltsame Weise verfeinern will, findet in diesem Buch viel Wissenswertes. Der Leser erfährt nicht nur viele neue Begriffe, sondern bekommt auch ein Gefühl für die typische britische Lebensweise. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 04.09.2019

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Wir essen Opa. Schmökern, schmunzeln und verstehen: Rechtschreibung & Satzzeichen
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Schon die deutsche Rechtschreibung ist nicht immer einfach. Wenn dann noch Groß- und Kleinschreibung und Zeichensetzung dazu kommt, wird es richtig kompliziert. In diesem überschaubaren Buch werden die ...

Schon die deutsche Rechtschreibung ist nicht immer einfach. Wenn dann noch Groß- und Kleinschreibung und Zeichensetzung dazu kommt, wird es richtig kompliziert. In diesem überschaubaren Buch werden die wichtigsten Regeln der deutschen Sprache leicht verständlich erklärt.

Das Buch ist in vier Teile untergliedert: Satzzeichen, Großschreibung, Rechtschreibung und Bedeutung. Die Abschnitte über Satzzeichen und Rechtschreibung sind am ausführlichsten. Wie wichtig die richtige Kommasetzung ist, wird schon am Titel deutlich. Bei der Großschreibung geht es vor allem um Wörter, die ja nach Zusammenhang groß oder klein geschrieben werden. Bei der Rechtschreibung werden viele Beispiele der Getrenntschreibung erklärt, kein Wunder bei den vielen zusammengesetzten Wörtern in der deutschen Sprache. In dem Abschnitt über Bedeutung werden vor allem Wörter erklärt, die oft in ihrer Bedeutung verwechselt werden, wie zum Beispiel „als“ und „wie“ oder „dasselbe“ und Das Gleiche“. Im Glossar finden sich noch einmal Stichwörter zu den besprochenen Inhalten.

Die Informationen sind kurz und knapp, doch oft humorvoll geschrieben. Sehr hilfreich sind die vielen Beispiele, die die Regeln veranschaulichen. Während auf der linken Buchseite jeweils Regeln und Ausnahmen erklärt werden, findet sich auf der rechten Seite Verschiedenes, um das Gelernte aufzulockern, oder eine Hilfe zum Einprägen. Oft sind es Gedichte, die helfen sich das Gelernte zu merken, manchmal auch Zeichnungen, Dialoge, Rätsel oder Skizzen.

Es ist schwierig einzuordnen, an wen sich dieses Buch richtet. Erwachsene, die einen schnellen Überblick wollen, werden sich an den Regeln freuen, die Gedichte sind eher für ältere Grundschulkinder geeignet. Aber auch Jugendliche und Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, profitieren mit Sicherheit von diesem Buch.

Die Auswahl an Themen und Fragen ist gelungen. So lernt der Leser, wie man wissen kann, ob es „dass“ oder „das“ heißen muss, oder in welchen Fällen ein Komma gesetzt werden muss. Vermutlich wird jeder Leser einiges lernen können. Dieses Buch ist besonders gut geeignet, um immer wieder etwas nachzuschlagen oder einfach darin zu stöbern.


Fazit: Schnell gelesen, bietet dieses Buch viele Informationen über die deutsche Rechtschreibung und Zeichensetzung. Sehr zu empfehlen für jeden, der einen schnellen und kurzweiligen Überblick über die wichtigsten Regeln sucht.

Veröffentlicht am 03.09.2019

Mit Terroristen befreundet, um der Welt ihre Motivation zu erklären

Nur wenn du allein kommst
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Die Journalistin Souad Mekhennet kommt als Kind von Gastarbeitern in Deutschland zur Welt. In ihrer Familie vermischen sich Völker und Glaubensüberzeugungen; ihre Mutter stammt aus der Türkei und ist Schiitin, ...

Die Journalistin Souad Mekhennet kommt als Kind von Gastarbeitern in Deutschland zur Welt. In ihrer Familie vermischen sich Völker und Glaubensüberzeugungen; ihre Mutter stammt aus der Türkei und ist Schiitin, ihr Vater ein marokkanischer Sunnit.

Ihre ersten Lebensjahre verbringt sie bei der Großmutter in Marokko. Diese starke selbstbewusste Frau wird ihr zum Vorbild. Von ihrem Großvater lernt sie, wie wichtig die Geschichtenerzähler der Welt sind. Später entschließt sie sich Journalistin zu werden, weil sie überzeugt ist mit ihren Geschichten etwas bewegen und verändern zu können.

Schon während ihres Studiums ist die Autorin freiberuflich für verschiedene Zeitungen tätig. Sie interessiert sich vor allem für den zunehmenden Terrorismus und seinen religiösen Wurzeln. Viele, die in den Dschihad ziehen sind, wie sie, Migrantenkinder. Immer wieder stellt sie sich die Frage, ob sie sich in eine ähnliche Richtung entwickelt hätte, wenn ihre Ausgangssituation nicht so günstig gewesen wäre.

Der Kreis ihrer Informanten und Freunde wächst. Als Frau, Muslimin und Kind von Einwandern findet sie in den unterschiedlichsten Kreisen schnell Vertrauen. Bei einigen brisanten Interviews begibt sie sich in Lebensgefahr. Auch wenn sie große Angst hat, lässt sie sich nicht davon abhalten, denn sie ist von dem Wunsch getrieben, die Motive von Terroristen und Attentätern herauszufinden.

Das Buch folgt ihrer Biographie und nimmt den Leser mit in viele Länder des Nahen Ostens, und immer wieder zurück nach Europa. Souad Mekhennet ist immer da zu finden, wo es brennt: im von USA besetzten Irak, in Ägypten beim Arabischen Frühling, in Syrien und der Türkei beim Entstehen vom IS, und dann wieder nach Terrorakten in den betroffenen Städten Europas.

Neben Lebensgeschichten von Terroristen erfährt der Leser warum sich so viele junge Menschen aus Europa aufmachen, um den islamischen Krieg zu unterstützen. Ein wichtiges Thema des Buchs sind die Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten, denn das ist die Ursache von vielen Konflikten.

Dieses ausführliche Buch ist sehr spannend und liest sich wie ein Krimi. Die Autorin berichtet ehrlich von dem, was sie antreibt, und ebenso von Ängsten und persönlichen Krisen. Es könnte manchmal stören, dass die Autorin mehrmals von ihren exklusiven Interviews berichtet, und den lebensgefährlichen Situationen, in denen sie entstanden sind, aber sie stellt sich selbst dabei nicht heraus. Die Mischung aus einer Berichterstattung über aktuelle politische Ereignisse und der persönlichen Auseinandersetzung einer gemäßigten Muslimin mit den Hintergründen dieser Taten ist sehr aufschlussreich.


Fazit: Ein spannender Bericht über eine mutige Frau und ihren vielfältigen Begegnungen, die selbst in die inneren Zirkel von Dschihadisten reichen. Die Autorin versteht es auf bewundernswerte Weise einfach und sachkundig von aktuellen Ereignissen in der islamischen Welt zu berichten.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Leben nach dem Geld

Letzte Rettung: Paris
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Die 65jährige Frances Price ist schon lange verwitwet. Unerwartet wird sie mit der schrecklichen Nachricht konfrontiert, dass ihr riesiges Vermögen aufgebraucht ist. Sie hatte zwar mit vollen Händen Geld ...

Die 65jährige Frances Price ist schon lange verwitwet. Unerwartet wird sie mit der schrecklichen Nachricht konfrontiert, dass ihr riesiges Vermögen aufgebraucht ist. Sie hatte zwar mit vollen Händen Geld verschwendet, aber eigentlich geplant tot zu sein, bevor ihre Mittel aufgebraucht sind.

Alle Immobilien werden verkauft, um die Schulden zu bezahlen. Ihr bleibt nur ein größerer Geldbetrag, den sie mit nach Paris nimmt. Dort kann sie in dem ungenutzten Apartment einer Freundin unterkommen.

Sie wird von ihrem erwachsenen Sohn und ihrer Katze begleitet. Sohn Malcolm ist teilnahmslos und passiv. Er lässt sein Leben von seiner Mutter leben. Daran scheitert auch die Beziehung zu seiner Verlobten. Er kann sich weder den Wünschen seiner Mutter widersetzen, noch selbst etwas genug wollen, um selbstständig zu handeln.

In der Katze lebt, nach Ansicht von Mutter und Sohn, der Geist des verstorbenen Familienoberhaupts. Dieser rücksichtslose Mann ist nun, als Kater, recht hilflos. Als er in Paris verschwindet, werden viele Bekannte in der Suche eingebunden. Durch alle Turbulenzen hindurch werden Fremde zu Freunden. Nach einer gemeinsamen Party findet Frances‘ großer Plan seine Vollendung.

Diese Geschichte ist gut erzählt. Die skurrilen Charaktere und zufällige Begegnungen erinnern an die Geschichten vom hundertjährigen Mann. Was aber bei dieser Geschichte fehlt, ist ein überzeugender Handlungsstrang.

Die merkwürdige Verbindung zwischen Mutter und Sohn bietet Stoff zum Nachdenken. So ist es für die Mutter, die sich in den ersten Lebensjahren ihres Sohnes gar nicht um ihn gekümmert hat, selbstverständlich, dass sie selbst im selben Haus lebend, abendliche Telefonate mit ihrem Sohn führt. Seine Passivität und Gleichgültigkeit lassen fragen, warum er so geworden ist.

Der Charakter von Frances verändert sich im Laufe der Geschichte, sie wird verständnisvoller und freundlicher. Immer wieder gibt es Rückblenden, die den Leser teilhaben lassen an ihrer und Malcolms Kindheit und Familienjahre.

Die Szenen mit dem Geist der Katze sind äußerst merkwürdig und lassen einige Fragen offen. Ein wiederkehrendes Thema ist der Freitod. Insgesamt ist es ein Buch, das vielleicht für ein paar unterhaltsame Stunden sorgt, aber mit seinem Nihilismus keine Hoffnung bietet.


Fazit: Gute Ansätze, die aber nicht überzeugen. Die Familienkonstellation bietet Stoff zum Nachdenken, der Erzählstil ist interessant, aber die Handlung, und vor allem das Ende, enttäuschen und lassen den Leser unbefriedigt zurück.