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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2026

Befiehl du deine Wege

Du, meine Seele, singe
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Das Jahr 2026 gilt als Gedenkjahr Paul Gerhardts, der im Jahr 1676, also vor 350 Jahren, gestorben ist. Zahlreiche bekannte Lieder dieses deutschen Dichters sind in evangelischen wie auch in katholischen ...

Das Jahr 2026 gilt als Gedenkjahr Paul Gerhardts, der im Jahr 1676, also vor 350 Jahren, gestorben ist. Zahlreiche bekannte Lieder dieses deutschen Dichters sind in evangelischen wie auch in katholischen Gesangbüchern abgedruckt. Es ist erstaunlich, wie Worte, die vor Jahrhunderten in einer völlig anderen Zeit geschrieben wurden, noch immer das Herz berühren und die Seele zu Gott hinziehen.

Das Leben im 17. Jahrhundert ist hart und von vielen Entbehrungen geprägt: Der Dreißigjährige Krieg, die Pest und andere Seuchen sowie eine hohe Sterblichkeit machen das Leben schwer.

In dieser Zeit lebt und wirkt Paul Gerhardt. Nach einer kirchlichen Ausbildung arbeitet er als Lehrer und Geistlicher, und dichtet daneben hunderte von Liedern. Gewiss sind seine vertrauensvollen Worte von der Not gezeichnet, die auch er erleben muss.

Dieses Buch spurt seinen Lebensweg nach. Das Lesen wirkt wie ein Spaziergang durch ein Museum, das diesem interessanten Dichter gewidmet ist. Die Erzählung verweilt lange bei dem Ringen um das rechte Bekenntnis – reformiert oder lutherisch. Der Gewissenskonflikt Paul Gerhardts in dieser Frage wird sehr gut wiedergegeben.

Wer einen Roman erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, denn dieses Buch ist ein wissenschaftliches Werk, das auf zahlreiche Quellen beruht. Viele davon werden im Original zitiert, und wo es hilfreich ist, zusätzlich erklärt. Die Auswahl zeigt, welche Informationen damals wichtig genug waren, um dokumentiert zu werden. So erhalte ich beim Lesen einen interessanten und sehr guten Eindruck von dieser längst vergangenen Zeit. Besonders wertvoll finde ich die gehaltvollen Interpretationen der abgedruckten Lieder am Ende des Buches.

Fazit: Eine faszinierende Biografie über eine wichtige geistliche Persönlichkeit des 17. Jahrhunderts. Besonders empfehlenswert für Leser, die sich für evangelische Kirchengeschichte interessieren!

Veröffentlicht am 14.03.2026

Echtheitsprüfung

Entdeckungen in der Einsamkeit
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Mein Leben als Christ – ist das etwas Echtes, Lebendiges oder eher eine einmal getroffene Entscheidung, die wenig mit meinem alltäglichen Leben zu tun hat?

Um solche Fragen geht es in diesem wertvollen ...

Mein Leben als Christ – ist das etwas Echtes, Lebendiges oder eher eine einmal getroffene Entscheidung, die wenig mit meinem alltäglichen Leben zu tun hat?

Um solche Fragen geht es in diesem wertvollen Buch von Peter Strauch, Theologe, ehemaliger Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden und Liederdichter.

Erstmals 1982 erschienen, schreibt Peter Strauch in diesem Buch über seine Erfahrungen in einer tiefen seelischen und gesundheitlichen Krise. Als nichts mehr geht, zieht er sich in die Einsamkeit der holländischen Küste zurück, um sein Leben in der Gegenwart Gottes zu überdenken.

Inzwischen sind 45 Jahre vergangen, doch seine Gedanken sind noch immer aktuell. Neben den ursprünglichen dreizehn Kapiteln, die seine Überlegungen in dieser herausfordernden Zeit beschreiben, ergänzt der inzwischen 83jährige in sieben weiteren Abschnitten Erkenntnisse aus seinem langen Leben als Christ. Am Ende jeden Kapitels bieten Reflexionsfragen, passende Bibelstellen oder Denkanstöße die Möglichkeit, das Gelesene auf das eigene Leben anzuwenden.

Im Zentrum der Überlegungen steht die Echtheit der Gottesbeziehung. Die Gedanken des Autors sind klug und gut reflektiert. Als Leser fühle ich mich ermutigt, in der Tiefe über meinen eigenen Glauben nachzudenken.

Besonders wertvoll ist der ehrliche Blick des Autors auf eigene Fehler und Schwächen, die er konkret benennt. Er beschreibt, wie er teilweise innerlich mit dem, was Gott ihm in der Stille sagt, ringt, und erzählt auch von Entscheidungen, die ihm helfen, zukünftig einen besseren Weg einzuschlagen. Dabei stützt er sich auf Worte und Geschichten der Bibel und zitiert geistliche Vorbilder. Das alles fordert beim Lesen heraus eigene Schritte zu gehen.

Fazit: Dieses persönlich geschriebene Buch ist eine wertvolle Hilfe, um über das eigene Glaubensleben nachzudenken und Gott besser kennenzulernen. Es ist besonders empfehlenswert für Leiter, engagierte Christen und Menschen, die sich nach mehr Tiefe und Echtheit in ihrem Glaubensleben sehnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein Blick ins Schlafzimmer

Sexualität und Glaube
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Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist für mich herausfordernd, denn ich ringe selbst um Antworten auf Fragen, die hier angesprochen werden. Dabei wundere ich mich, wie ethische Maßstäbe, die ...

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist für mich herausfordernd, denn ich ringe selbst um Antworten auf Fragen, die hier angesprochen werden. Dabei wundere ich mich, wie ethische Maßstäbe, die für mich als Christ schon lange klar sind, zunehmend in Gemeinden an Bedeutung verlieren.

Dieses Buch ist sehr darum bemüht, wissenschaftlich fundierte Antworten auf Fragen rund um das Erleben von Sexualität zu geben. In verschiedenen Medien wurden Christen aufgerufen, anonym über ihre Erfahrungen Auskunft zu geben. Über 10.000 Menschen sind es, die hier Einblick in ihre zutiefst persönlichen Gedanken und Erlebnisse geben.

Die Ergebnisse werden in verschiedene Themenfelder gegliedert und ausgewertet, beispielsweise Sexualität als Single, Paarsexualität, Sex und Gewalt oder sexuelle Vielfalt. Jedes Kapitel endet mit interessanten Kommentaren von Fachleuten zu den vorangestellten Auswertungen.

Das Buch ist gut lesbar, und auch das Layout mit den vielen Grafiken der Auswertungsergebnissen überzeugt. Die Themen sind sinnvoll gewählt und interessant. Es ist grundsätzlich sehr wertvoll, dass es ein solches Buch als Gesprächsgrundlage gibt.

Beim Lesen habe ich aber das Gefühl, dass nicht wirklich objektiv an dieses Thema herangegangen wird. Es scheint ein Unterton mitzuschwingen: Wer an einer veralteten Sexualethik festhält, ist zu bedauern und gefährdet andere. Das wird nicht ausdrücklich so gesagt, klingt aber an vielen Stellen durch.

Natürlich ist es gut und notwendig, eigene Überzeugungen immer wieder zu prüfen und zu hinterfragen. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass alles, was vor zwanzig Jahren gelehrt wurde, automatisch überholt ist. Manchmal scheint es mir, dass Christen gerne den Trends um sich herum folgen, einfach einige Jahre später.

Ein Beispiel dafür sehe ich im Kapitel über Pornographie. Dort wird vor allem die Inkongruenz im Leben gläubiger Menschen thematisiert: Viele Christen lehnen Pornographie ab, konsumieren sie jedoch selbst. In diesem Buch wird dabei besonders hervorgehoben, wie belastend die damit verbundenen Schuldgefühle sein können. Erwähnt wird jedoch nicht, dass solche Schuldgefühle nicht nur Überreste einer strengen christlichen Prägung sein müssen, sondern auch ein wertvoller Hinweis des Gewissens sein können.

Anstatt nur von Komplexen zu reden, könnte auch über die andere Seite informiert werden: Frauen werden ausgebeutet, um pornografische Inhalte herzustellen. Dazu zeigen zahlreiche Studien, wie sich das Gehirn der Konsumenten verändert, wodurch echte Intimität immer weniger möglich wird. Pornokonsum wird außerdem leicht zu einer Sucht, die nach immer stärkeren Reizen sucht. Eine Verharmlosung der Pornographie wird zudem unseren Kindern schweren Schaden zufügen.

Ähnliche Bedenken habe ich auch bei anderen Themen in diesem Buch. Ich finde die Idee ausgezeichnet, über den Zusammenhang von Glauben und Sexualität zu forschen, finde aber, dass die Auswertungen in diesem Buch zu einseitig sind. Schade! Ich hätte mir ein deutschsprachiges Buch gewünscht, das eher dem amerikanischen Bestseller, „The Great Sex Rescue“ ähnelt.

Fazit: Dieses Buch wertet eine groß angelegte Studie unter Christen zum Thema Glauben und Sexualität aus. Die Teilnehmer stammen aus der katholischen und evangelischen Kirche sowie aus Freikirchen und anderen christlichen Denominationen. Die Idee hinter dem Projekt ist hervorragend, und viele Aspekte des Buches sind gelungen. Kritisch sehe ich jedoch die teilweise einseitige Interpretation der Ergebnisse.

Veröffentlicht am 07.03.2026

Versuch einer Diskussionsgrundlage

Unsere Geschichte mit Sex
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Oft herrscht in christlichen Kreisen eine zwiespältige Beziehung zum Thema Sexualität. Teilweise wird das Thema gänzlich ausgeklammert, andererseits können moralische Maßstäbe stark propagiert werden und ...

Oft herrscht in christlichen Kreisen eine zwiespältige Beziehung zum Thema Sexualität. Teilweise wird das Thema gänzlich ausgeklammert, andererseits können moralische Maßstäbe stark propagiert werden und zum Ausschluss aus Gemeinde und gar Familie führen.

Dieses Buch möchte als Hilfe zum Gespräch über kontroverse Themen verschiedene Perspektiven von Christen nebeneinanderstellen. Dazu werden mehrere Ratgeber zum Thema Ehe und Sexualität untersucht, ergänzt durch aktuelle Meinungen von christlichen Influencern. Daneben stehen Erfahrungen von vierzehn Interviewpartnern, die in Familie und Gemeinde unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Sexualität gemacht haben.

Im Mittelpunkt stehen Themen wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, Pornokonsum und Masturbation, Geschlechtsidentität, Homosexualität oder Missbrauch. Auch wenn das genannte Anliegen eine neutrale Untersuchung von Meinungen ist, ist eine Wertung zu erkennen. Maßstab ist nicht in erster Linie die Bibel, sondern ein verantwortungsvolles zwischenmenschliches Miteinander.

Nach Aussage des Autorenquartetts verfolgt das Buch folgende Anliegen: „ehrliche Antworten zur Sexualität“, „dass das gegenseitige Verurteilen aufhört“, „konstruktive Gespräche und Debatten anregen“, „dass Menschen ermutigt werden, für die Wahrung ihrer eigenen Grenzen einzustehen“

Diese Anliegen sind gut und dringend notwendig. Die Umsetzung enttäuscht jedoch teilweise. Die Gendersternchen fallen vermutlich als Erstes ins Auge. Ich kann damit leben, finde aber, dass sie den Lesefluss stören und die Sprache verunstalten. Als Frau fühle ich mich auch ohne sie angesprochen. Für mich ist das kein großes Thema, doch ich kenne einige, für die das bereits ein Grund wäre, das Buch abzulehnen.

Das Buch zeigt anhand von Beispielen, wie konservative Einstellungen, wie kein Sex vor der Ehe oder kein Ausleben von Homosexualität, zu starken Verletzungen führen können, sodass Menschen sich sogar ganz vom Glauben abwenden. Diskussionen über solche Themen sind sehr wichtig. Wie schön wäre es, wenn Christen lernen würden, sich trotz gegensätzlicher Meinungen anzunehmen. Dafür wäre es allerdings hilfreich, einen ausgewogenen Text als Diskussionsgrundlage anzubieten und etwas behutsamer mit dem Thema umzugehen, damit konservative Christen nicht von vornherein abgestoßen werden.

Fazit: Eine interessante Diskussionsgrundlage über aktuelle Erfahrungen von Christen mit dem Thema Sexualität. Dabei geht es weniger um den normalen Alltag in einer Ehe, sondern eher um kontroverse Themen. Positiv hervorzuheben ist, dass unterschiedliche Denkweisen nebeneinandergestellt werden. Konservative Christen werden sich jedoch vermutlich nicht mit dem Inhalt dieses Buches identifizieren können und es eher als Angriff auf einen schriftgemäßen Glauben sehen.

Veröffentlicht am 04.03.2026

Die neue Währung: Daten

Der Unsichtbare
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Der Firmenname Palantir ist in Deutschland vielleicht weniger bekannt, doch auch hier wird die Software dieses Unternehmens eingesetzt. Vor allem die Polizei mancher Bundesländer nutzt Palantir zur Analyse ...

Der Firmenname Palantir ist in Deutschland vielleicht weniger bekannt, doch auch hier wird die Software dieses Unternehmens eingesetzt. Vor allem die Polizei mancher Bundesländer nutzt Palantir zur Analyse großer Datenmengen.

Dieses interessante Buch erzählt die Geschichte dieser Firma von ihren unscheinbaren Anfängen bis hin zu ihrer heutigen Bedeutung. Dabei ist es besonders spannend, dass der Autor den Firmengründer, Alex Karp, persönlich kennt und für dieses Buch viele Interviews mit ihm führt.

Gerade die Lebensläufe von Karp und seinem Mitgründer Peter Thiel sind faszinierend und teilweise überraschend. Die beiden Männer sind sehr unterschiedlich, sowohl was ihre Persönlichkeit betrifft als auch in ihren politischen Ansichten. Es ist aufschlussreich, ihre unterschiedlichen Entwicklungen mitzuverfolgen und zu sehen, wie sie sich ergänzen.

Die Entwicklung Palantirs wird weitgehend chronologisch erzählt. Dabei spielen weltpolitische Ereignisse eine große Rolle, zum Beispiel der 11. September 2001 oder die Covid-Pandemie. Das Buch zeigt anschaulich, wie Krisen das Wachstum des Unternehmens beschleunigen.

Dieses Buch ist gut lesbar und verständlich geschrieben. Ich hatte allerdings erwartet, dass die Problematik des Überwachungsstaates stärker im Mittelpunkt stehen würde. Dieses Thema wird zwar angesprochen, steht aber nicht im Mittelpunkt. Trotzdem ist das Buch definitiv lesenswert, vor allem, um besser zu verstehen, welche Macht Daten in unserer heutigen Zeit besitzen und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Fazit: Ein aktuelles Buch über ein wichtiges Unternehmen unserer Zeit. Empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für Zeitgeschehen und Technologie interessieren!