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Veröffentlicht am 21.07.2025

Zwangsverschickung der Kinder

Der Sommer am Ende der Welt
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Hanna und ihre 16jährige Tochter wollen auf Borkum Urlaub machen. Dabei wird Hanna Pflicht mit Erholung verbinden. Die renommierte Journalistin will mehr über die Kinderverschickungen in den 60er Jahren ...

Hanna und ihre 16jährige Tochter wollen auf Borkum Urlaub machen. Dabei wird Hanna Pflicht mit Erholung verbinden. Die renommierte Journalistin will mehr über die Kinderverschickungen in den 60er Jahren herausfinden. Sie hat ein persönliches Interesse daran: Ihre Mutter war als 5jährige dabei, kann sich aber kaum an etwas erinnern.

Die Tochter ist zunächst bockig, lieber wäre sie daheim geblieben. Doch schon am ersten Tag trifft sie einen Jungen, der sie begeistert. Gleichzeitig findet ihre geschiedene Mutter in dem Dorfarzt einen Seelenfreund. Ob das mehr ist als ein Urlaubsflirt?

Hanna und ihre Tochter entdecken Tag für Tag mehr grauenvolle Geheimnisse der Vergangenheit. Ein altes Tagebuch taucht auf. Eine Karte mit Koordinaten. Dazu führt Hanna täglich Interviews mit einer Frau, die gleichzeitig mit ihrer Mutter auf der Insel war. Doch nicht jeder möchte, dass die Vergangenheit aufgedeckt wird. Hanna und ihre Tochter haben sich schnell Feinde geschaffen.

Der Anfang dieses Romans zieht sich etwas und wirkt vorhersehbar, doch sobald die dunkle Vergangenheit ins Spiel kommt, fällt es schwer das Buch aus der Hand zu lassen. Schicht um Schicht der vergangenen Ereignisse wird aufgedeckt.

Diese Geschichte beruht auf wahre Geschehnisse und es ist wohl das persönlichste Buch der Autorin, da auch zwei ihrer Geschwister verschickt wurden. Die Berichte über das Erleben der Kinder macht betroffen. Es ist gut und wichtig, dass diese Geschichte erzählt wird.

Die Erzählung in der heutigen Zeit hingegen ist etwas enttäuschend. Mutter und Tochter verlieben sich gleich am ersten Abend auf der Insel. Diese Schnelle wirkt etwas unglaubwürdig. Persönlich störe ich mich auch daran, wie unverbindlich die geschlechtliche Liebe dargestellt wird.

Fazit: Ein spannender Roman über ein dunkles Kapitel der Geschichte. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 12.07.2025

Selbstständigkeit aufgeben

Und plötzlich sind sie alt
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Es ist nicht immer leicht, die eigenen Eltern im Alter zu begleiten. Kinder möchten für ihre Eltern da sein und gut für sie sorgen, doch sie stoßen dabei nicht selten an Grenzen und wundern sich manchmal ...

Es ist nicht immer leicht, die eigenen Eltern im Alter zu begleiten. Kinder möchten für ihre Eltern da sein und gut für sie sorgen, doch sie stoßen dabei nicht selten an Grenzen und wundern sich manchmal über den Eigensinn der älter werdenden Generation.

Die Autorin dieses Buches ist Sterbebegleiterin und kennt durch ihre Seminararbeit auch die Perspektive und Herausforderungen der Angehörigen sehr gut. Sie lässt ihre Leser an einem reichen Erfahrungsschatz teilhaben und vermittelt in acht klar gegliederten Kapiteln Wissen, Rat und Verständnis.

Die Themen reichen von den Veränderungen im Alter über Verluste und Konflikte, bis hin zu ganz praktischen Hilfestellungen in der letzten Lebensphase und der Zeit danach. Ein zentrales Anliegen der Autorin ist es, ein versöhntes Verhältnis zwischen den Generationen zu fördern – auch über den Tod hinaus.

Die einzelnen Themen werden eher knapp behandelt, was aber eine große Bandbreite an Aspekten ermöglicht. Besonders hervorzuheben ist die empathische Haltung der Autorin, die immer wieder zu mehr Verständnis zwischen Eltern und Kindern aufruft.

Hilfreich sind vor allem die psychologischen und zwischenmenschlichen Einsichten, die auf langjähriger Erfahrung beruhen. Die Autorin warnt vor möglichen Konflikten, spricht offen über die Nachwirkungen von Kriegserfahrungen in der Elterngeneration und gibt alltagstaugliche, praxisnahe Ratschläge zur Konfliktbewältigung.

Der christliche Glaube wird zwar gelegentlich angesprochen, spielt insgesamt jedoch eine untergeordnete Rolle – was das Buch sowohl für gläubige als auch für kirchenferne Menschen zugänglich macht. Dank der zahlreichen Fallbeispiele und Erfahrungen aus ihrer Seminararbeit wirkt das Buch authentisch, lebensnah und gut lesbar.

Fazit: Ein wertvoller Ratgeber für alle, die sich mit den Herausforderungen rund um das Älterwerden der Eltern auseinandersetzen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 10.07.2025

Familiengeheimnisse

Was wir für wahr gehalten haben
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November 1969: Mattie ist auf dem Weg nach Hause. Ein ganzes Jahr lang wollte sie nichts mit ihrer Familie zu tun haben – zu groß war der Schmerz nach dem Tod ihres Zwillingsbruders im Vietnamkrieg. Doch ...

November 1969: Mattie ist auf dem Weg nach Hause. Ein ganzes Jahr lang wollte sie nichts mit ihrer Familie zu tun haben – zu groß war der Schmerz nach dem Tod ihres Zwillingsbruders im Vietnamkrieg. Doch nun ist ihre Mutter schwer krank und könnte bald sterben. Wie wird es Mattie nach dieser langen Zeit in der Ferne zuhause ergehen? Kann sie mit ihrem Vater Frieden schließen?

Januar 1942: Auch Ava muss mit einem schweren Verlust zurechtkommen. Mit nur 21 Jahren ist sie plötzlich verwitwet – ihr Mann, der in Pearl Harbor diente, überlebt den Angriff nicht. Nun lebt Ava allein mit ihrer feindseligen Schwiegermutter im Elternhaus ihres Mannes. Eine Anstellung auf einem nahegelegenen Militärstützpunkt bietet ihr die willkommene Gelegenheit, dem Alltag zu entkommen.

Dezember 1941: Der deutsche Student Gunther wird festgenommen. Er versteht nicht, weshalb man ihn der Spionage verdächtigt. Er ist kein Nazi – im Gegenteil: Er lebt in Amerika, weil er dem Nazi-Regime entfliehen wollte. Doch die Beamten glauben ihm nicht. Gunther wird in ein Internierungslager gebracht.

Abwechselnd wird die Geschichte dieser drei Menschen erzählt – bei den beiden Frauen in der Ich-Form, bei Gunther in der dritten Person.

Es ist interessant, aus unterschiedlichen Perspektiven über den berüchtigten Vietnamkrieg zu lesen. Neu für mich waren die Passagen über die Internierung deutscher Staatsangehöriger in den USA während des Zweiten Weltkriegs.

Spannend ist, wie sich die verschiedenen Erzählstränge miteinander verbinden. Alte Briefe offenbaren ein verborgenes Familiengeheimnis. Allerdings lässt sich manches beim Lesen frühzeitig erahnen.

Am Ende des Buches bleiben einige wichtige Fragen unbeantwortet, was etwas enttäuschend ist. Die Charaktere sind sympathisch, wirken jedoch stellenweise etwas zu stereotyp. Dieser christliche Roman enthält einige Hinweise auf den Glauben, doch die Gottesfrage bleibt eher im Hintergrund.

Fazit: Ein spannender Liebesroman, der auf zwei Zeitebenen spielt. Vor dem Hintergrund zweier bedeutender Kriege werden Familiengeheimnisse aufgedeckt und es wird die Frage gestellt, wie Menschen mit schweren Schicksalsschlägen umgehen können.

Veröffentlicht am 09.07.2025

Eine ansprechende Bibel für O’Bros Fans

Hoffnung für alle. Die Bibel – O'Bros-Edition
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Die O’Bros Bibel ist richtig gut gemacht. Sie ist grau mit einem schlichten, holografischen Kreuz in der Mitte und dem Schriftzug „to be honest.“ auf der Rückseite – das ist auch der Titel ihres neuen ...

Die O’Bros Bibel ist richtig gut gemacht. Sie ist grau mit einem schlichten, holografischen Kreuz in der Mitte und dem Schriftzug „to be honest.“ auf der Rückseite – das ist auch der Titel ihres neuen Albums. Es ist ein einfaches, aber modernes Design. Die Bibel ist klein, liegt gut in der Hand und lässt sich dadurch super überall mitnehmen. Die Seiten sind wie bei jeder anderen Bibel, man kann gut Dinge markieren und Notizen machen. Inhaltlich ist sie eine ganz normale Bibel, aber in der „Hoffnung für alle“-Übersetzung, was ich mega gut finde, weil sie leicht verständlich ist. Gerade wenn man sich zum ersten Mal richtig mit der Bibel beschäftigt, hilft das total. Die Bibel startet mit ermutigenden Worten: „Die Bibel hat die Welt verändert – und sie kann auch dein Leben verändern.“ Auf der nächsten Seite wird man mit den sieben Lieblingsfakten der O’Bros über die Bibel begrüßt. Ich finde das richtig cool, weil es persönlich wirkt, aber auch total hilfreich ist für Leute, die vielleicht noch gar nichts über die Bibel wissen. Selbst für mich als Gläubige war da noch was Neues dabei. Am Ende gibt’s noch eine Message von den O’Bros, die vor allem an neue Gläubige gerichtet ist, aber auch mich nochmal voll ermutigt hat. Sie teilen „ein paar Gedanken zum Abschluss“ und erklären nochmal mehr darüber, wie man die Bibel lesen kann. Man merkt, dass sie besonders an neue Christen gedacht haben – es gibt sogar ein Start-Gebet, mit dem Ungläubige direkt Jesus annehmen können. Die Bibel endet mit den Worten: „Egal, wo du gerade stehst – Gott ist da.“ Ich höre schon lange die Musik von den O’Bros und fand schon immer, dass ihre Texte richtig bedeutsam sind – sie passen irgendwie immer genau zu meiner Situation. Und ich finde, genau das haben sie mit dieser Bibel wieder geschafft. Weil ich auch ein Fan bin, hab ich mich mega über die Bibel gefreut. Aber ich finde, sie ist nicht nur für Leute gemacht, die die O’Bros kennen. Sie passt für alle – der Inhalt spricht für sich.
Jasmina, 16 Jahre

Veröffentlicht am 07.07.2025

Als Mutter versagt?

Sunbirds
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Anne sucht seit Jahren nach ihrem Sohn. Nach dem Schulabschluss reiste er von einer kleinen schottischen Insel nach Indien, auf der Suche nach etwas – er weiß wohl selbst nicht genau was.

Plötzlich bricht ...

Anne sucht seit Jahren nach ihrem Sohn. Nach dem Schulabschluss reiste er von einer kleinen schottischen Insel nach Indien, auf der Suche nach etwas – er weiß wohl selbst nicht genau was.

Plötzlich bricht der Kontakt ab. Kein Lebenszeichen mehr von Torran. Die meisten seiner Sachen liegen noch in seinem Hotelzimmer in Indien, doch der Junge ist verschwunden.

Die alarmierten Eltern reisen nach Indien, verfolgen jeden Hinweis und suchen überall verzweifelt nach ihrem Sohn. Nach sieben Jahren ist der Vater überzeugt, dass Torran nicht mehr lebt. Doch die Mutter klammert sich an jede Hoffnung und lebt inzwischen selbst in Indien. Jede freie Minute nutzt sie, um weiter nach ihm zu suchen.

Eines Tages reist ihre Nichte zu ihr, denn es gibt eine neue Spur. Obwohl die beiden Frauen sich nicht gut verstehen, machen sie sich gemeinsam auf die Suche.

Die Geschichte wird in vielen kurzen Kapiteln erzählt, wobei in jedem Kapitel eine andere Person im Mittelpunkt steht. Obwohl es in erster Linie um die Geschichte einer Mutter geht, wird sie aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Die Beschreibungen der Landschaft und Vogelwelt Indiens sind faszinierend. Das Buch weckt die Sehnsucht, selbst in den Himalaya zu reisen. Die Einblicke in die Aussteigerkultur Indiens sind überraschend und aufschlussreich. Einige der Randfiguren sind sehr sympathisch und wachsen einem schnell ans Herz.

Obwohl ich als gläubige Christin mit der beschriebenen religiösen Welt Indiens wenig anfangen kann, hat mich dieser Roman tief berührt. Im Zentrum steht Annes Suche nach Antworten – zunächst nach dem Verbleib ihres Sohnes, doch im Verlauf der Geschichte erweitert sich ihr Blickwinkel. Sie beginnt, ihre eigene Vergangenheit zu reflektieren, ihre Lebensentscheidungen zu überdenken und ihre Fehler zu erkennen. Das Buch endet anders, als erwartet, doch der Schluss fühlt sich genau richtig an.


Fazit: Ein bewegender Roman über die Suche einer Mutter nach ihrem Sohn und nach Antworten auf wichtige Lebensfragen. Sehr empfehlenswert, vor allem für Leser, die gerne durch einen Roman über tiefe Fragen nachdenken.