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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Gutes tun

Die Apotheke der Hoffnung
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Was mache ich, wenn schreckliche Gräueltaten vor meiner Haustür geschehen? Sehe ich weg, wenn meine Nachbarn bedroht sind, um mich nicht selbst in Gefahr zu bringen? Das fragt sich die junge Witwe Zosia, ...

Was mache ich, wenn schreckliche Gräueltaten vor meiner Haustür geschehen? Sehe ich weg, wenn meine Nachbarn bedroht sind, um mich nicht selbst in Gefahr zu bringen? Das fragt sich die junge Witwe Zosia, als eine befreundete Familie aus ihrem Krakauer Wohnhaus vertrieben wird. Zusammen mit den anderen Juden in der Stadt muss sie in ein heruntergekommenes Ghetto.

Komischerweise darf die Apotheke im Elendsviertel weiterhin betrieben werden. Dort findet Zosia Arbeit und nutzt die Gelegenheit, um ihre jüdischen Freunde so gut es geht zu unterstützen. Es bedrückt sie, dass die junge Hania ihre Träume begraben muss. Denn das Leben der Juden wird mehr und mehr von den deutschen Besatzern eingeschränkt.

Diese berührende Geschichte erzählt abwechselnd aus der Perspektive von Zosia und Hania. Beide Erzählstränge greifen immer wieder ineinander über, um sich dann wieder zu trennen, weil die Umstände die beiden Frauen auseinanderbringen. Während Zosia aus Gewissengründen helfen möchte, wo sie nur kann, kämpft Hania hartnäckig ums Überleben. Beide Sichtweisen auf diese schrecklichen Jahre sind wertvoll und ergänzen sich.

Die dargestellten Menschen mit ihren Höhen und Tiefen werden schnell zu Freunden. Ihre Beweggründe und Entscheidungen sind nachvollziehbar. Das Schlimme, das sie erleben, bewegt zutiefst.

Der Roman ist fesselnd geschrieben und lässt sich kaum aus der Hand legen. Gleichzeitig ist er stellenweise schwer zu ertragen, da Gewalt und Unmenschlichkeit eindrücklich geschildert werden. Das ist umso schlimmer, weil die dargestellten Ereignisse auf historische Tatsachen beruhen.

Wichtige Fragen, wie die Frage nach dem Leid, werden angesprochen, doch nicht vollständig beantwortet. Das wirkt authentisch, denn es gibt im Leben oft keine leichten Antworten. Dafür wird der Leser herausgefordert sich bewusst dafür zu entscheiden, Gutes zu tun, selbst wenn es scheint, als könne es nie genug sein.

Fazit: Eine eindrückliche Erzählung über die Hilfsbereitschaft einer kleinen Schar von Menschen im Dritten Reich, die nicht wegsehen wollen, wenn Unrecht in ihrer Umgebung geschieht. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die historische Romane mit Tiefgang lieben.

Veröffentlicht am 02.04.2026

Mutig einen neuen Weg gehen

Das Wagnis der Wäscherin
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Wäscherin in einem Gasthaus: Das scheint alles andere als eine lukrative Arbeitsstelle zu sein. Doch es ist genau das, was Sara will. Im Hinterhof der Wirtschaft kann sie in Ruhe ihre Arbeit machen. Dort ...

Wäscherin in einem Gasthaus: Das scheint alles andere als eine lukrative Arbeitsstelle zu sein. Doch es ist genau das, was Sara will. Im Hinterhof der Wirtschaft kann sie in Ruhe ihre Arbeit machen. Dort fühlt sie sich sicher vor den Menschen, denen sie nie mehr begegnen will.

Ein Mädchen aus der Nachbarschaft ist tagsüber im selben Gasthof. Zusammen mit den Töchtern der Wirtin soll Evie dort die Schulbank drücken. Sie ist zwar nicht gerne da, doch ihr verwitweter Vater scheut sich vor der Alternative, das junge Mädchen auf ein Internat zu schicken. Wann immer sie kann, schlüpft Evie aus dem ungeliebten Klassenzimmer, um bei Sara zu sein.

Dieser historische Roman spielt in Toronto im Jahr 1837. Die kanadische Stadt ist zu dieser Zeit noch klein und doch bestehen große Unterschiede zwischen Arm und Reich. Die Wohlhabenden in dieser britischen Kolonie sind zufrieden mit der Regierung, doch die Benachteiligten versprechen sich von einem unabhängigen Land mehr Chancengleichheit.

Im Hintergrund bewegt ebendieser Konflikt die Charaktere. Dazu schildert der Roman auf anschauliche Weise das Stadtleben in den Anfangsjahren Kanadas. Neben eindrücklichen Beschreibungen, ist die Geschichte auch sehr spannend, denn erst nach und nach wird klar, welche Geheimnisse die Charaktere mit sich tragen.

Sara, Evie und ihr Vater stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Sie sind sympathisch gezeichnet. Ihre Selbstzweifel und Sorgen werden ebenso deutlich wie ihr Mitgefühl für andere und ihre Bereitschaft für andere da zu sein.

Wie bei jeder spannenden Erzählung enthält die Geschichte natürlich auch Schurken. Dazu kommt jede Menge prickelnde Romantik. Die Liebesgeschichte ist einerseits etwas vorhersehbar, enthält aber auch unerwartete Wendungen. Der Glaube ist in der Erzählung präsent, bleibt aber im Hintergrund. Thematisiert wird vor allem die Frage, ob Gott trotz Leid und unerhörter Gebete vertrauenswürdig ist.

Fazit: Eine spannende und gefühlvolle romantische Erzählung, die einen kleinen Einblick in die Geschichte Kanadas bietet. Einmal angefangen, fällt es schwer, mit dem Lesen aufzuhören, da die Charaktere schnell ans Herz wachsen. Sehr empfehlenswert, vor allem für Frauen, die außergewöhnliche historische und romantische Romane lieben.

Veröffentlicht am 28.03.2026

Befiehl du deine Wege

Du, meine Seele, singe
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Das Jahr 2026 gilt als Gedenkjahr Paul Gerhardts, der im Jahr 1676, also vor 350 Jahren, gestorben ist. Zahlreiche bekannte Lieder dieses deutschen Dichters sind in evangelischen wie auch in katholischen ...

Das Jahr 2026 gilt als Gedenkjahr Paul Gerhardts, der im Jahr 1676, also vor 350 Jahren, gestorben ist. Zahlreiche bekannte Lieder dieses deutschen Dichters sind in evangelischen wie auch in katholischen Gesangbüchern abgedruckt. Es ist erstaunlich, wie Worte, die vor Jahrhunderten in einer völlig anderen Zeit geschrieben wurden, noch immer das Herz berühren und die Seele zu Gott hinziehen.

Das Leben im 17. Jahrhundert ist hart und von vielen Entbehrungen geprägt: Der Dreißigjährige Krieg, die Pest und andere Seuchen sowie eine hohe Sterblichkeit machen das Leben schwer.

In dieser Zeit lebt und wirkt Paul Gerhardt. Nach einer kirchlichen Ausbildung arbeitet er als Lehrer und Geistlicher, und dichtet daneben hunderte von Liedern. Gewiss sind seine vertrauensvollen Worte von der Not gezeichnet, die auch er erleben muss.

Dieses Buch spurt seinen Lebensweg nach. Das Lesen wirkt wie ein Spaziergang durch ein Museum, das diesem interessanten Dichter gewidmet ist. Die Erzählung verweilt lange bei dem Ringen um das rechte Bekenntnis – reformiert oder lutherisch. Der Gewissenskonflikt Paul Gerhardts in dieser Frage wird sehr gut wiedergegeben.

Wer einen Roman erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, denn dieses Buch ist ein wissenschaftliches Werk, das auf zahlreiche Quellen beruht. Viele davon werden im Original zitiert, und wo es hilfreich ist, zusätzlich erklärt. Die Auswahl zeigt, welche Informationen damals wichtig genug waren, um dokumentiert zu werden. So erhalte ich beim Lesen einen interessanten und sehr guten Eindruck von dieser längst vergangenen Zeit. Besonders wertvoll finde ich die gehaltvollen Interpretationen der abgedruckten Lieder am Ende des Buches.

Fazit: Eine faszinierende Biografie über eine wichtige geistliche Persönlichkeit des 17. Jahrhunderts. Besonders empfehlenswert für Leser, die sich für evangelische Kirchengeschichte interessieren!

Veröffentlicht am 14.03.2026

Echtheitsprüfung

Entdeckungen in der Einsamkeit
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Mein Leben als Christ – ist das etwas Echtes, Lebendiges oder eher eine einmal getroffene Entscheidung, die wenig mit meinem alltäglichen Leben zu tun hat?

Um solche Fragen geht es in diesem wertvollen ...

Mein Leben als Christ – ist das etwas Echtes, Lebendiges oder eher eine einmal getroffene Entscheidung, die wenig mit meinem alltäglichen Leben zu tun hat?

Um solche Fragen geht es in diesem wertvollen Buch von Peter Strauch, Theologe, ehemaliger Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden und Liederdichter.

Erstmals 1982 erschienen, schreibt Peter Strauch in diesem Buch über seine Erfahrungen in einer tiefen seelischen und gesundheitlichen Krise. Als nichts mehr geht, zieht er sich in die Einsamkeit der holländischen Küste zurück, um sein Leben in der Gegenwart Gottes zu überdenken.

Inzwischen sind 45 Jahre vergangen, doch seine Gedanken sind noch immer aktuell. Neben den ursprünglichen dreizehn Kapiteln, die seine Überlegungen in dieser herausfordernden Zeit beschreiben, ergänzt der inzwischen 83jährige in sieben weiteren Abschnitten Erkenntnisse aus seinem langen Leben als Christ. Am Ende jeden Kapitels bieten Reflexionsfragen, passende Bibelstellen oder Denkanstöße die Möglichkeit, das Gelesene auf das eigene Leben anzuwenden.

Im Zentrum der Überlegungen steht die Echtheit der Gottesbeziehung. Die Gedanken des Autors sind klug und gut reflektiert. Als Leser fühle ich mich ermutigt, in der Tiefe über meinen eigenen Glauben nachzudenken.

Besonders wertvoll ist der ehrliche Blick des Autors auf eigene Fehler und Schwächen, die er konkret benennt. Er beschreibt, wie er teilweise innerlich mit dem, was Gott ihm in der Stille sagt, ringt, und erzählt auch von Entscheidungen, die ihm helfen, zukünftig einen besseren Weg einzuschlagen. Dabei stützt er sich auf Worte und Geschichten der Bibel und zitiert geistliche Vorbilder. Das alles fordert beim Lesen heraus eigene Schritte zu gehen.

Fazit: Dieses persönlich geschriebene Buch ist eine wertvolle Hilfe, um über das eigene Glaubensleben nachzudenken und Gott besser kennenzulernen. Es ist besonders empfehlenswert für Leiter, engagierte Christen und Menschen, die sich nach mehr Tiefe und Echtheit in ihrem Glaubensleben sehnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein Blick ins Schlafzimmer

Sexualität und Glaube
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Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist für mich herausfordernd, denn ich ringe selbst um Antworten auf Fragen, die hier angesprochen werden. Dabei wundere ich mich, wie ethische Maßstäbe, die ...

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist für mich herausfordernd, denn ich ringe selbst um Antworten auf Fragen, die hier angesprochen werden. Dabei wundere ich mich, wie ethische Maßstäbe, die für mich als Christ schon lange klar sind, zunehmend in Gemeinden an Bedeutung verlieren.

Dieses Buch ist sehr darum bemüht, wissenschaftlich fundierte Antworten auf Fragen rund um das Erleben von Sexualität zu geben. In verschiedenen Medien wurden Christen aufgerufen, anonym über ihre Erfahrungen Auskunft zu geben. Über 10.000 Menschen sind es, die hier Einblick in ihre zutiefst persönlichen Gedanken und Erlebnisse geben.

Die Ergebnisse werden in verschiedene Themenfelder gegliedert und ausgewertet, beispielsweise Sexualität als Single, Paarsexualität, Sex und Gewalt oder sexuelle Vielfalt. Jedes Kapitel endet mit interessanten Kommentaren von Fachleuten zu den vorangestellten Auswertungen.

Das Buch ist gut lesbar, und auch das Layout mit den vielen Grafiken der Auswertungsergebnissen überzeugt. Die Themen sind sinnvoll gewählt und interessant. Es ist grundsätzlich sehr wertvoll, dass es ein solches Buch als Gesprächsgrundlage gibt.

Beim Lesen habe ich aber das Gefühl, dass nicht wirklich objektiv an dieses Thema herangegangen wird. Es scheint ein Unterton mitzuschwingen: Wer an einer veralteten Sexualethik festhält, ist zu bedauern und gefährdet andere. Das wird nicht ausdrücklich so gesagt, klingt aber an vielen Stellen durch.

Natürlich ist es gut und notwendig, eigene Überzeugungen immer wieder zu prüfen und zu hinterfragen. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass alles, was vor zwanzig Jahren gelehrt wurde, automatisch überholt ist. Manchmal scheint es mir, dass Christen gerne den Trends um sich herum folgen, einfach einige Jahre später.

Ein Beispiel dafür sehe ich im Kapitel über Pornographie. Dort wird vor allem die Inkongruenz im Leben gläubiger Menschen thematisiert: Viele Christen lehnen Pornographie ab, konsumieren sie jedoch selbst. In diesem Buch wird dabei besonders hervorgehoben, wie belastend die damit verbundenen Schuldgefühle sein können. Erwähnt wird jedoch nicht, dass solche Schuldgefühle nicht nur Überreste einer strengen christlichen Prägung sein müssen, sondern auch ein wertvoller Hinweis des Gewissens sein können.

Anstatt nur von Komplexen zu reden, könnte auch über die andere Seite informiert werden: Frauen werden ausgebeutet, um pornografische Inhalte herzustellen. Dazu zeigen zahlreiche Studien, wie sich das Gehirn der Konsumenten verändert, wodurch echte Intimität immer weniger möglich wird. Pornokonsum wird außerdem leicht zu einer Sucht, die nach immer stärkeren Reizen sucht. Eine Verharmlosung der Pornographie wird zudem unseren Kindern schweren Schaden zufügen.

Ähnliche Bedenken habe ich auch bei anderen Themen in diesem Buch. Ich finde die Idee ausgezeichnet, über den Zusammenhang von Glauben und Sexualität zu forschen, finde aber, dass die Auswertungen in diesem Buch zu einseitig sind. Schade! Ich hätte mir ein deutschsprachiges Buch gewünscht, das eher dem amerikanischen Bestseller, „The Great Sex Rescue“ ähnelt.

Fazit: Dieses Buch wertet eine groß angelegte Studie unter Christen zum Thema Glauben und Sexualität aus. Die Teilnehmer stammen aus der katholischen und evangelischen Kirche sowie aus Freikirchen und anderen christlichen Denominationen. Die Idee hinter dem Projekt ist hervorragend, und viele Aspekte des Buches sind gelungen. Kritisch sehe ich jedoch die teilweise einseitige Interpretation der Ergebnisse.