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Veröffentlicht am 08.02.2022

Was war damals wirklich geschehen?

Nebelopfer
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„Nebelopfer“ von Romy Fölck, der fünfte Fall für Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn von der Kripo Itzehoe, habe ich mit Freude gelesen. Die Autorin geht gleich in medias res: Ein verlassener Hof. Wer ...


„Nebelopfer“ von Romy Fölck, der fünfte Fall für Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn von der Kripo Itzehoe, habe ich mit Freude gelesen. Die Autorin geht gleich in medias res: Ein verlassener Hof. Wer wird dort gefangen gehalten, gefesselt an einen Käfig - und warum?
Danach gibt es ein Wiedersehen mit Frida, Bjarne & Co. Das ist immer wie nach Hause kommen. Lauter alte Bekannte und gute Freunde, die mir ans Herz gewachsen sind. Doch dann werden die Ermittler zu einem Tatort gerufen: Henk Visser hängt tot an einem alten Galgenbaum. Er hatte vor vielen Jahren im Mordprozess Johannsen gegen den Angeklagten ausgesagt.
Während sich Frida in den damaligen Fall verbeißt und neu aufrollt - obwohl ihr Chef dagegen ist, ermitteln ihre Kollegen im aktuellen Mordfall. Weitere Zeugen sterben. Wer will den Johannsen-Fall noch einmal in die Öffentlichkeit rücken?
Romy Fölck hat eine spannende Geschichte geschrieben, die quasi in Echtzeit im Februar 2022 spielt. Mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Der flüssig zu lesende, sprachlich gewandte Schreibstil gefällt mir. Und so habe ich das Buch in zwei Tagen verschlungen.
Das Privatleben der Protagonisten nimmt viel Raum ein. Neu dabei, Leonard Bootz, ein Ex-SEK-Mann und Sonja Berger von der Polizeidirektion Flensburg. Während Frida und Leonard sich erst zusammenraufen müssen, klappt es mit Bjarne und Sonja auf Anhieb. Aber Frida und ihr Kinderwunsch, das war mir dann doch „too much“. Es handelt sich schließlich um einen Krimi.

Fazit: Band 5 der „Elbmarsch-Krimi“-Reihe. Gut, aber zu viel Privatgedöns.

Veröffentlicht am 05.02.2022

Mord im Watt

Gezeitenmord
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„Gezeitenmord“ von Dennis Jürgensen ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die im deutsch-dänischen Grenzgebiet verortet ist. Worum geht es?
Bei einer Wattwanderung machen der Lehrer Lasse und sein ...


„Gezeitenmord“ von Dennis Jürgensen ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die im deutsch-dänischen Grenzgebiet verortet ist. Worum geht es?
Bei einer Wattwanderung machen der Lehrer Lasse und sein elfjähriger Schüler Villads im dichten Nebel einen grausigen Fund: Im festen Sand des Meeresgrundes steckt die Leiche eines Mannes. Lasse wird von einem Unbekannten niedergeschlagen und Villads ist seitdem spurlos verschwunden. Er ist nicht das erste vermisste Kind im Dorf.
Lykke Teit aus Kopenhagen ermittelt. Sie kannte den Toten. Da die Leiche im Watt auf der Grenze zwischen Dänemark und Deutschland gefunden wurde, wird ihr Rudi Lehmann aus Flensburg zur Seite gestellt. Gibt es womöglich eine Verbindung zwischen dem aktuellen Fall und dem Cold Case? Gibt es einen Trittbrettfahrer, einen Nachahmer?
Die Idee ist nicht neu. Ermittlungen in deutsch-dänischen, deutsch-holländischen, deutsch-österreichischen Grenzgebiet gibt es inzwischen einige. Wenn eine Geschichte spannend ist, braucht der Leser zudem keine effektheischenden Anspielungen, wie Nekrophilie und Kannibalismus, um am Ball zu bleiben.
Nichtsdestotrotz werde ich die Fortsetzung lesen, so es denn eine geben wird. Denn Lykke und Rudi sind mir ans Herz gewachsen, auch, wenn beide ihr Päckchen zu tragen haben.

Fazit: Der erste Fall für Lykke Teit und Rudi Lehmann. Gute Unterhaltung, aber mit viel Luft nach oben.

Veröffentlicht am 02.02.2022

Interessantes Psychospiel

Vertrauen
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„Vertrauen“, der vierte Fall für den israelischen Inspektor Avi Avraham, habe ich mit großer Freude gelesen. Worum geht es?
In einem Vorort von Tel Aviv wird vor einem Krankenhaus ein Baby gefunden. Am ...

„Vertrauen“, der vierte Fall für den israelischen Inspektor Avi Avraham, habe ich mit großer Freude gelesen. Worum geht es?
In einem Vorort von Tel Aviv wird vor einem Krankenhaus ein Baby gefunden. Am selben Tag verschwindet ein Tourist und lässt sein Gepäck im Hotelzimmer zurück. Während sich Avi in den Vermisstenfall verbeißt, ermittelt seine Kollegin Esthi Wahabe im Fall des ausgesetzten Mädchens.
Die Romane von Dror Mishani sind für mich immer etwas Besonderes. Denn so viele Krimis, die in Israel verortet sind, gibt es ja nicht. Der Leser lernt viel über Land und Leute, der ewige Konflikt zwischen Juden und Arabern und auch der Mossad spielt natürlich eine Rolle.
„Vertrauen“ ist ein sehr ruhig angelegter Roman, der sich ausführlich dem Seelenleben seiner Protagonisten widmet und punktet mit einem langsamen, aber intensiven Erzählstil. Dror Mishanis Krimis verknüpfen Spannung nicht mit unbändiger Action, sondern mit psychologischer Tiefe.
Über das Wiedersehen mit Avi und seiner Frau Marianka habe ich mich sehr gefreut. Denn Avi hat viel Empathie und eine Vorliebe für vermisste Personen. Auch, wenn am Ende ein paar Fragen offenbleiben, eine schöne Überraschung hält der Autor für seine Leser noch bereit.

Fazit: Fall Nr. 4 für Avi Avraham. Große Literatur!

Veröffentlicht am 01.02.2022

Das Böse in allen Facetten

Eine Zelle für Clete
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„Eine Zelle für Clete“ von James Lee Burke ist der 18. Band der Reihe. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Detective ...


„Eine Zelle für Clete“ von James Lee Burke ist der 18. Band der Reihe. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Detective Dave Robicheaux und sein Freund Clete Purcel ermitteln diesmal in einem Cold Case: sieben junge Frauen wurden brutal ermordet. Steckt der Zuhälter Herman Stanga dahinter? Während Robicheaux es mit Worten versucht, lässt Clete Taten sprechen.
Als wäre das nicht schon genug, muss sich Robicheaux auch noch mit Kermit Abelard, dem Freund seiner Tochter Alafair, und dessen Freund Robert Weingart auseinandersetzen. Als der Zuhälter ermordet wird, geraten Robicheaux und Clete unter Druck...
James Lee Burke hat seinen Krimi spannend und actionreich in Szene gesetzt. Man bekommt einen guten Eindruck von Land und Leuten. Den Gerüchen und Geräuschen der Bayous von Louisiana. Aber es ist auch ein typisch amerikanisches Buch: zu viele Waffen, Testosteron und Gewalt. Zu viele Verräter, die für Geld alles tun.
Über das Wiedersehen mit Robicheaux, seiner Frau Molly, Adoptivtochter Alafair und Clete habe ich mich gefreut. Ich mag Robicheaux, auch, wenn ich nicht alle Bände gelesen habe. Es gefällt mir, dass Alafair hier wieder eine größere Rolle spielt. Im Vorgänger in Montana war sie nicht dabei.
Alles in allem hat mir das Buch gefallen. Ein flüssig zu lesender, sprachlich gewandter Schreibstil. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Robicheaux. Spannend, keine Frage. Aber ohne große Überraschungen.

Fazit: Fall Nr. 18 für Dave Robicheaux. Gut, für mich aber nicht das beste Buch der Reihe.

Veröffentlicht am 27.01.2022

Ein Leben für ein Leben

Gott aus Stroh
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Um es vorweg zu nehmen, „Gott aus Stroh“ von Frank Dommel ist der Hammer! Nicht einfach nur Krimi, sondern Sex and Drugs and Rock and Roll - und Hoffnung auf ein Happy End, Eine verschwundene Tochter. ...


Um es vorweg zu nehmen, „Gott aus Stroh“ von Frank Dommel ist der Hammer! Nicht einfach nur Krimi, sondern Sex and Drugs and Rock and Roll - und Hoffnung auf ein Happy End, Eine verschwundene Tochter. Ein verzweifelter Vater.
Kommissar Falk Sebastiani erschießt in München drei Terroristen. Nicht ganz freiwillig nimmt er sich eine Auszeit und reist nach Norwegen. Doch die Idylle der Finnmark ist trügerisch. Zudem kann Falk seine Tochter Hannah nicht erreichen. Wurde sie entführt?
In einem anderen Handlungsstrang begegnen wir einem syrischen Flüchtling. Er kam auf der »Arktisroute« illegal ins Land. Auch Haidar ist auf der Suche. Nach seiner Frau und seinem Sohn, die ihm auf der Flucht „abhanden“ gekommen sind.
Eine Katastrophe kündigt sich an. Wer wird überleben und zu welchem Preis?
„Gott aus Stroh“ ist hart und brutal, herausfordernd und anspruchsvoll. Blut und Schmerz treiben die Geschichte voran. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik.
Frank Dommel bricht brachial in die Postkartenidylle der Norwegen-Touristen ein. Ein Land der Widersprüche, wunderschön und gnadenlos.
Auch die Figurendarstellung überzeugt. Falk, der Antiheld, ist quasi „unkaputtbar“ und der Polizei immer einen Schritt voraus. Grenzen von Gut und Böse verschwimmen.
Zum Schluss hin überrascht der Autor mit vielen Twists und jeder Menge Action. Beendet seinen Kriminalroman dann aber doch auf eine sehr berührende, nachdenklich machende Art.

Fazit: Ein Muss für jeden Krimi und Thriller-Fan, nicht nur für Norwegen-Urlauber.