Profilbild von subechto

subechto

Lesejury Star
offline

subechto ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit subechto über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2018

Geht im Sligo General ein Todesengel um?

Schweigegelübde (Ein Emma-Vaughan-Krimi 2)
0


„Lügenmauer“ von Barbara Bierach hatte mich begeistert. „Schweigegelübde“, der zweite Fall für Inspector Emma Vaughan von der Mordkommission in Sligo, an der Nordwestküste Irlands, stand deshalb schon ...


„Lügenmauer“ von Barbara Bierach hatte mich begeistert. „Schweigegelübde“, der zweite Fall für Inspector Emma Vaughan von der Mordkommission in Sligo, an der Nordwestküste Irlands, stand deshalb schon lange auf meiner Wunschliste. Und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Emma wurde in die Abteilung „Häusliche Gewalt“ versetzt. Außerdem soll sie wegen ihres hohen Tablettenkonsums zu einer medizinischen Untersuchung ins Krankenhaus. Dort begegnet ihr Dr. Michael McCaffrey, der Ehemann ihrer Freundin Laura. Er bittet Emma um Hilfe. Denn in seiner Abteilung sterben in letzter Zeit auffällig viele Patienten an Herzversagen. Emma ermittelt…
Emma ist Protestantin und alleinerziehende Mutter eines 15-jährigen Sohnes. Jetzt muss sie sich um einen Verteidiger kümmern, damit ihr Ex-Mann Paul, der wegen Machenschaften in der IRA in Untersuchungshaft sitzt, nicht verurteilt wird und Stevie nicht seinen Vater verliert. Last but not least kämpft Emma mit den Dämonen der Vergangenheit. Hatte sie bei ihrem letzten Fall einen Fehler gemacht? Hat der Mörder von damals wieder zugeschlagen?
Barbara Bierach hat ihren Krimi erneut sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Zwischendurch sind Abschnitte in Kursivschrift eingestreut - aus Tätersicht? Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgänger. Selbst wenn der Leser Emma immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten.
Über das Wiedersehen mit Emma habe ich mich sehr gefreut. Auch Kollege James Quinn, den Emma sehr attraktiv findet, ist wieder mit dabei. Der scheint aber mehr an Rezeptionistin Aoife Leonard interessiert zu sein. Emma findet Trost bei Anwalt Andrew Shannon.
Nicht so gut gefallen hat mir, dass der Todesengel bereits nach zwei Dritteln entlarvt ist. Im letzten Drittel geht es dann ‚nur‘ noch um den alten Fall. Die Auflösung ist überraschend, aber absolut stimmig. Und so freue ich mich schon heute auf Band 3.

Fazit: Gut, aber nicht so gut wie Band 1. Krimi-Spannung aus Irland!

Veröffentlicht am 06.03.2018

Nichts Neues unter der Sonne

Sturmfeuer
0


„Sturmfeuer“ von Tim Erzberg ist nach „Hell-Go-Land“ der zweite Fall für die junge Polizistin Anna Krüger und erneut auf Helgoland verortet. Worum geht es?
Der kleine Nils verschwindet bei der diesjährigen ...


„Sturmfeuer“ von Tim Erzberg ist nach „Hell-Go-Land“ der zweite Fall für die junge Polizistin Anna Krüger und erneut auf Helgoland verortet. Worum geht es?
Der kleine Nils verschwindet bei der diesjährigen Segelregatta kurz vor dem Ziel aus seinem Boot. Nur das Boot und seine Rettungsweste tauchen wieder auf. Kurz darauf ist auch sein Vater tot. Ein Unglück kommt selten allein? Anna glaubt nicht an Zufälle. Ohne ihren Vorgesetzten Paul und ihre neue Kollegin Saskia ermittelt Anna im Alleingang weiter.
Rückblicke in die Vergangenheit schildern dramatische Szenen aus den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs im April 1945. Eine Gruppe Widerstandskämpfer wollte sich den Briten ergeben, um die Insel und ihre Bewohner zu retten. Ein alter Mann, der die schrecklichen Ereignisse als Kind miterlebt hatte, scheint noch immer traumatisiert.
Was haben beide Handlungsstränge miteinander zu tun?
Anna leidet noch immer unter Migräne, die sie Stalin nennt. Und sie hat nichts dazu gelernt. Wie schon im Vorgänger, agiert sie noch immer unvernünftig und unprofessionell. Nix Essen, außer Tabletten. Wieder kostet ein Alleingang sie fast das Leben. Wieder drehen sich die Ermittlungen im Kreis. Und wieder geht es um Folter und Rache. Last but not least zieht auch diesmal ein Sturm auf…
Nichts Neues unter der Sonne. Tim Erzberg ist das Pseudonym des Literaturagenten Thomas Montasser. Er hat seine Sache zweifellos gut gedacht, aber eben nicht gut gemacht. Unsympathische Protagonisten und zu viele Wiederholungen gehen zu Lasten der Spannung. Mich konnte „Sturmfeuer“ leider nicht fesseln. Gut gefallen haben mir lediglich die historischen Passagen.

Fazit: Gut, aber nicht so gut wie Band 1. Ein Krimi, den man lesen kann, aber nicht muss.

Veröffentlicht am 06.03.2018

Das Leben eines Taxifahrers gerät aus den Fugen

Taxi nach Rügen
0


Rainer Wittkamps Krimis um den Berliner Ermittler Martin Nettelbeck hatten mich begeistert. „Taxi nach Rügen“, ist der erste Fall für Hauptkommissar Fabian Radegast, den der Autor zusammen mit seinem ...


Rainer Wittkamps Krimis um den Berliner Ermittler Martin Nettelbeck hatten mich begeistert. „Taxi nach Rügen“, ist der erste Fall für Hauptkommissar Fabian Radegast, den der Autor zusammen mit seinem Kollegen Axel Witte geschrieben hat.
Thorsten Gramzow ist Taxifahrer auf Rügen. Und ausgerechnet der Fahrgast, den er in der vergangenen Nacht aus seinem Auto raus geschmissen hat, ist jetzt tot. Radegast ermittelt. Schnell ist klar, dass Gramzow lügt, doch warum?
Währenddessen haben es böse Buben auf wertvolle Oldtimer abgesehen, die sich wegen einer Rallye auf der Insel befinden. Auch Gramzow und sein Onkel sind offenbar in die Sache verstrickt. Kurz darauf gibt es einen zweiten Toten…
Mit „Taxi nach Rügen“ ist den beiden Autoren ein kurzweiliger Ostseekrimi gelungen. In der Hauptrolle die Insel Rügen, schöne und mörderische Kulisse zugleich. Thematisiert wird aber auch die Werftenkrise. Interessant fand ich zudem die Anekdoten über historische Automobile.
Die Geschichte lässt sich flott und flüssig lesen, selbst der Humor kommt nicht zu kurz. Kommissar Radegast, der von Stralsund aus das Verbrechen bekämpft und erfreulicherweise auch ein Privatleben hat, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Denn er liebt das Segeln.
Taxifahrer Gramzow ist nicht Karikatur sondern Klamotte. Kommissar von Plessen, der den Sheriff gibt, breitbeinig. Die scharfe Viola von der Tanke, die einmal Volker hieß, was für eine Freak-Show. Der Untertitel ‚Radegasts erster Fall‘ lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

Fazit: Alles in allem ein netter Krimi für zwischendurch. Die perfekte Urlaubslektüre!

Veröffentlicht am 01.03.2018

Cui bono?

Der Preis des Todes
1


Um es gleich zu sagen, der neue Thriller von Horst Eckert, „Der Preis des Todes“, ist der Hammer. Es handelt sich um einen Stand-alone, der politische Machenschaften und Lobbyismus thematisiert. Zwei ...


Um es gleich zu sagen, der neue Thriller von Horst Eckert, „Der Preis des Todes“, ist der Hammer. Es handelt sich um einen Stand-alone, der politische Machenschaften und Lobbyismus thematisiert. Zwei spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen: Ein toter Staatssekretär in Berlin, eine tote Ange-stellte einer Hilfsorganisation in Düsseldorf. Wo ist die Verbindung?
Journalistin Sarah Wolf moderiert eine politische Talk-Show und war mit dem Bundestagsabgeordne-ten Christian Wagner liiert. Sarah glaubt nicht an Selbstmord. Sie macht sich auf die Suche nach Ant-worten und begibt sich damit in große Gefahr. Währenddessen ermittelt Kommissar Paul Sellin in Düsseldorf im Fall Johanna Kling. Nach dem Besuch eines Flüchtlingslagers in Kenia war die Men-schenrechtsaktivistin spurlos verschwunden.
Horst Eckert ist ein genauer Beobachter und großartiger Erzähler. Mit „Der Preis des Todes“ ist ihm ein klug konstruierter Roman über ein kriminelles, blutiges und brutales Geschäft gelungen. Ein tödli-ches Netz aus Bestechung und Korruption, in das auch die Polizei verstrickt zu sein scheint. Unterlegt ist die Krimihandlung mit bestens recherchierten Einblicken in die Welt von Politik und Medien.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Sarah, eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, die sich nicht verbiegen lassen will. Sellin, ein schwer kranker Kommissar, dem die Toten wichtiger zu sein scheinen als die Lebenden. Last but not least Christian. Er ist mächtig. Er ist kaltblütig. Er ist Lobbyist. Gut gefallen hat mir auch, dass es wieder einen Soundtrack zum Roman gibt.

Fazit: Spannend, erschreckend, real. Mein Thriller-Highlight des Jahres!

Veröffentlicht am 26.02.2018

Die Reichen und die Mächtigen

Kühn hat Ärger
0


Martin Kühn ist 44, verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt auf der Weberhöhe, einer Neubausiedlung nahe München - und er hat immer noch zu tun.
Nicht nur, dass er sein Haus auf giftigem Boden gebaut ...


Martin Kühn ist 44, verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt auf der Weberhöhe, einer Neubausiedlung nahe München - und er hat immer noch zu tun.
Nicht nur, dass er sein Haus auf giftigem Boden gebaut und weder seine Karriere bei der Polizei noch seinen Sohn unter Kontrolle hat. Nun verhält sich auch noch seine Frau Susanne seltsam und in der Nachbarschaft geht ein Erpresser um. Außerdem hat Kühn Schuldgefühle wegen der Sache mit Ulrike und last but not least Ärger mit dem Amtsarzt.
Amir ist tot. Er wurde an einer Münchener Bushaltestelle ins Koma getreten und ist qualvoll erstickt. Kühn und sein Kollege Steierer ermitteln in der Welt der Reichen und Mächtigen. Was hatte der 17-jährige Kleinkriminelle mit libanesischen Wurzeln dort zu suchen?
In Jan Weilers Roman prallen zwei Welten aufeinander, als sich Amir und Julia krachend verlieben. Sie ist die Tochter von Elfie und Claus van Hauten und hat noch einen älteren Bruder, Florin. Elfie engagiert sich beim „Münchner Sternenhimmel“, ihr Mann ist Patentanwalt. Sie sind reich, sie sind mächtig - aber sind sie deshalb auch verdächtig?
„Kühn hat Ärger“ ist mehr Gesellschaftsroman als Krimi, tiefsinnig und philosophisch. Mit Sozial- und Gesellschaftskritik spart der Autor nicht. Aber auch der unverkennbar trockene und Weiler-typische Humor kommt nicht zu kurz.
Die Themen sind vielfältig. Es gibt eben nichts Interessanteres, als über die Risiken und Nebenwirkungen des Lebens zu erzählen, auch über die Schattenseiten in uns selbst. Und das gelingt dem Autor perfekt.

Fazit: Martin Kühn, Band 2. Beste Unterhaltung. Bitte mehr davon!