Profilbild von subechto

subechto

Lesejury Star
offline

subechto ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit subechto über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2018

Sterben ist leicht, Leben ist schwer

In eisiger Nacht
0


„In eisiger Nacht“ von Tony Parsons ist bereits der vierte Fall für den Londoner Detective Max Wolfe. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse ...


„In eisiger Nacht“ von Tony Parsons ist bereits der vierte Fall für den Londoner Detective Max Wolfe. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Der Autor geht gleich in medias res: In einem Kühllaster werden die Leichen von elf Frauen aufgefunden. Offenbar sind sie erfroren. Hana, die zwölfte Frau, stirbt im Krankenhaus, eine weitere ist spurlos verschwunden. Alles deutet darauf hin, dass die Frauen von Schleusern illegal ins Land geschafft wurden. Doch warum mussten sie sterben?
Tony Parsons hat in seinem neuen Kriminalroman ein aktuelles und heißes Eisen angepackt. Es geht um Menschenhandel. Zusammen mit seiner Kollegin Edie Wren begibt sich Max auf eine gefährliche Suche nach den Hintermännern - und der 13. Frau.
Erzählt wird die Geschichte, die sich wieder flott und flüssig lesen lässt, in der Ich-Perspektive aus Sicht von Max. Über das Wiedersehen habe ich mich sehr gefreut. Max ist alleinerziehend und kümmert sich rührend um seine kleine Tochter Scout. Er liebt Hunde und Boxen. Nichtsdestotrotz sind erneut Action und Gewalt die Eckpfeiler dieses Krimis.

Fazit: Band 4 der DS Wolfe-Reihe. Düster, packend und emotional.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Das Glück der anderen

Ostfriesenfluch
0


„Ostfriesenfluch“ von Klaus-Peter Wolf ist bereits der 12. Fall für Ostfrieslands Kultkommissarin Ann Kathrin Klaasen. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, ...


„Ostfriesenfluch“ von Klaus-Peter Wolf ist bereits der 12. Fall für Ostfrieslands Kultkommissarin Ann Kathrin Klaasen. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Der Autor geht gleich in medias res: Eine Frau rennt nackt um ihr Leben - und stirbt in einem Rapsfeld. Wie sich herausstellt, wurde sie bereits vor Wochen entführt. Bald ist klar, sie war nicht die einzige und ist auch nicht die letzte. Wer ist der Täter und wo liegt das Motiv?
Was einen guten Krimi ausmacht, hat Klaus-Peter Wolf erneut unter Beweis gestellt. „Ostfriesenfluch“ punktet mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen der Autor die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Wechselnde Perspektiven, auch aus Tätersicht, sorgen für Dynamik. Routiniert geschrieben, ohne Frage. Nichts ist wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Es geht um Rache, aber auch um Lügen, Betrug und Verlust.
Das schon aus elf Vorgängern bekannte Personal ermittelt wieder: Ann Kathrin, mal wieder im Alleingang, Ehemann Frank Weller sowie Rupert, der wie immer für humorvolle Einlagen sorgt. Ann Kathrin fährt noch immer ihren froschgrünen Twingo. Sie und Weller haben noch immer den gleichen Klingelton: Ann Kathrin das Seehundheulen, er „Piraten ahoi!“ Maurer Peter Grendel, Journalist Holger Bloem und Wolfs Ehefrau Bettina Göschl sind ebenfalls wieder mit von der Partie.

Fazit: Atmosphärisch, abgründig, packend. Gut, für mich aber nicht das beste Buch der Reihe.

Veröffentlicht am 08.02.2018

Von Hologrammen, Gefäßen und Cogits

Hologrammatica
0


„Drohnenland“ hatte mich begeistert und so war ich schon gespannt auf Tom Hillenbrands neuen SF-Thriller „Hologrammatica“. Was haben Künstliche Intelligenz und virtuelle Realität mit dem Klimawandel zu ...


„Drohnenland“ hatte mich begeistert und so war ich schon gespannt auf Tom Hillenbrands neuen SF-Thriller „Hologrammatica“. Was haben Künstliche Intelligenz und virtuelle Realität mit dem Klimawandel zu tun? Die Zukunft ist jetzt!

Galahad Singh lebt in London und ist als Quästor tätig. Eine Art Privatdetektiv, der nach sogenannten Milchtüten, also verschwundenen Personen sucht. Von einer Pariser Anwältin wird er beauftragt, die Softwareentwicklerin Juliette Perotte aufzuspüren.

„Hologrammatica“ ist ein lupenreiner Thriller, der in Sachen Spannung seinesgleichen sucht. Wechselnden Perspektiven, exotische Schauplätze und ein Heer von Protagonisten sorgen für Dynamik. Zudem lässt es der Autor so richtig krachen.

Die Story ist sehr speziell, man sollte sich schon für Sci-Fi und neue Technologien interessieren, um das Geschehen verfolgen zu können. Zum Glück hat Tom Hillenbrand im Anhang ein Glossar beigefügt, das die wichtigsten Begriffe erklärt.

Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Galahad erzählt. Die Fantasie, die erzählerische Lust, mit der der Autor hier aufwartet, sind fabelhaft. Auch Humor und Selbstironie kommen nicht zu kurz.

Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Galahad ist ein interessanter Charakter. Er hat indische Wurzeln, ist schwul und spielt Saxofon. Und er hat eine Schwachstelle: Sein Bruder Percy war zwölf, als er spurlos verschwand.

Tom Hillenbrand ist es gelungen, mit einem buntgemischten Personal einen turbulenten Plot zu schmieden. Selbst fantastische Kreaturen haben ihren spannungsgeladenen Auftritt. Ich bin begeistert, aber… lest selbst!

Fazit: Ein rasanter SF-Thriller. Komplex, dennoch hochspannend!

Veröffentlicht am 05.02.2018

Matilda Darke ermittelt in Sheffield

Stumme Wut
0

Der Prolog führt uns in die Vergangenheit: Stefan und Miranda Harkness werden in ihrem eigenen Haus brutal abgeschlachtet. Der 11-jährige Jonathan ist der Einzige der das Massaker überlebt. Aber er spricht ...

Der Prolog führt uns in die Vergangenheit: Stefan und Miranda Harkness werden in ihrem eigenen Haus brutal abgeschlachtet. Der 11-jährige Jonathan ist der Einzige der das Massaker überlebt. Aber er spricht nicht.

20 Jahre danach: Wir lernen DCI Matilda Darke kennen. Sie ist in Ungnade gefallen und soll nach einer unfreiwilligen Auszeit den Cold Case übernehmen. Ein neuer Mordfall weist Parallelen zum Harkness-Fall auf.

Der stellvertretende Chief Inspector Ben Hales ist „not amused“ über Matildas Rückkehr. Während Matilda mit dem Altfall betraut ist, ermittelt Hales im aktuellen Fall, wobei sich die beiden natürlich in die Quere kommen.

Und dann ist da auch noch der rätselhafte Journalist Charlie. Er hat ein Buch über das Harkness-Massaker geschrieben. Last but not least, Nachbarin Maun, eine etwa 60-jährige Witwe. Sie ist von Jonathan besessen und stalkt ihn.

Michael Wood hat seinen Kriminalroman packend in Szene gesetzt. Die Spannung wird langsam, aber nachhaltig aufgebaut. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. Die Polizeiarbeit ist gut geschildert, eine langwierige Puzzlearbeit. Nicht wie im TV, wo nach 90 Minuten der Täter überführt ist.

Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Jonathan und Matilda sind beide traumatisiert und kämpfen mit den Dämonen ihrer Vergangenheit. Jonathan ist sehr speziell, ein Eigenbrötler. Seine Leidenschaft sind Krimis. Matilda kommt nicht wirklich sympathisch rüber. Sie trinkt zu viel. Und Hales? Er ist ein Ekelpaket, ein Kotzbrocken.

„Stumme Wut“ punktet mit vielen falschen Fährten und zahlreichen Verdächtigen. Die Auflösung ist stimmig, auch wenn ein paar Fragen offen bleiben.

Fazit: Gelungener Auftakt einer neuen Reihe mit einer ungewöhnlichen Heldin. Gerne mehr davon!

Veröffentlicht am 29.01.2018

Die dritte Frau

Böse Schwestern
0

Um es gleich zu sagen, „Glücksmädchen“ hatte mich begeistert und so war ich schon gespannt auf „Böse Schwestern“. Die Leseprobe ließ erneut auf einen raffiniert konstruierten Psychothriller hoffen und ...

Um es gleich zu sagen, „Glücksmädchen“ hatte mich begeistert und so war ich schon gespannt auf „Böse Schwestern“. Die Leseprobe ließ erneut auf einen raffiniert konstruierten Psychothriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Kriminalreporterin Ellen Tamm kämpft noch immer mit den Dämonen der Vergangenheit. Denn sie war dabei, als ihre Zwillingsschwester Elsa mit acht Jahren starb. Seitdem ist sie traumatisiert. Nach einer Panikattacke kehrt sie in ihr Elternhaus zurück, um sich von ihrer Mutter aufpäppeln zu lassen.
Dort wird sie in ein mysteriöses Verbrechen hineingezogen: Eine unbekannte Frau wurde neben ihrem Auto tot aufgefunden. Offenbar wurde sie vergewaltigt und ist an den Folgen schwerer Körperverletzung gestorben. Bald ist klar, es handelt sich um die 41-jährige alleinstehende Liv Lind. Aber niemand scheint sie zu kennen. Wie sich herausstellt, war Liv schwanger. Aber wer ist der Vater?
In einem anderen Handlungsstrang lernen wir die Lehrerin Hanna und ihre Tochter Alice kennen. Sie hat auch noch einen Sohn, Karl, und ist mit Stoffe liiert. Ein weiterer Handlungsstrang erzählt von Alexandra und ihrem Mann Patrik. Er ist plastischer Chirurg. Sie haben ebenfalls zwei Kinder, Bea und Märtha. Was haben all diese Erzählstränge miteinander zu tun?
Mikaela Bley hat ihren neuen Psychothriller wieder packend in Szene gesetzt. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgänger. Selbst wenn der Leser Ellen immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten. Es geht um Mobbing, Polygamie - und Gewalt. Brutale Sequenzen dürften selbst hartgesottenen Thrillerlesern womöglich zu viel sein. Ihr seid also gewarnt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Über das Wiedersehen mit Ellen habe ich mich daher sehr gefreut. Eine Figur mit vielen Ecken und Kanten, nicht immer sympathisch, aber hoch motiviert, was sich aus ihrer Vergangenheit erklärt.
Die Auflösung des Kriminalfalls ist überraschend, aber absolut stimmig. Auch Ellen erhält endlich Klarheit über den Tod ihrer Schwester.

Fazit: Thriller-Stoff aus Schweden. Abgründig und düster.