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Veröffentlicht am 09.04.2017

Ein Berliner ermittelt in Nordfriesland

Küstenfluch
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„Küstenfluch“ ist bereits der dritte Fall für Kommissar Theo Krumme. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ...

„Küstenfluch“ ist bereits der dritte Fall für Kommissar Theo Krumme. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?

Ein Sturm tobt über Nordfriesland. Mit dem Sturm taucht ein altes Wrack aus dem Meer auf. Und mit dem Wrack kommt der Tod. Ein Mann erhängt sich im Leuchtturm, eine Frau stirbt bei einer Gasexplosion.

Krumme ist seit einem Monat für die Kripo in Husum tätig. Zusammen mit seiner jungen Kollegin Pat soll er den Tod von Bauer Jessen untersuchen. Der war in seiner Scheune zu Tode gestürzt. Unfall oder Mord?

Es scheint, als läge ein Fluch über der Küste. Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie? Wann träumt der kleine Jan und was ist real? In „Küstenfluch“ gibt es neben dem Kriminalfall auch wieder eine mystische Komponente.

Über das Wiedersehen mit Krumme und Mannsen sowie Harke und seinem Hausgeist Nis habe ich mich sehr gefreut. Krumme und Pat ein ungleiches, aber erfolgreiches Team. Jugend und Neugier gepaart mit Fachkenntnis und Lebenserfahrung - eine gute Kombination.

Viele Mythen ranken sich um Nordfriesland, das Land der Deiche, die Heimat des Schimmelreiters. Hendrik Berg gelingt der Balance-Akt zwischen den Mythen der Vergangenheit und dem ganz realen Verbrechen auf bemerkenswerte Art und Weise. Mystisch, aber real.

Eine unheimliche Geschichte, voller Atmosphäre. Vergangenheit und Gegenwart, die auf dramatische Weise zusammentreffen.

Fazit: Ein Muss für jeden Fan geheimnisvoll angehauchter Spannungsliteratur!

Veröffentlicht am 04.04.2017

Ein neuer Fall für die Berliner Kommissarin Larissa Rewald

Der stumme Junge
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Mila, die als Escort arbeitet, wird erschossen. Mit ihrer eigenen Pistole. Hoffentlich hat ihr Sohn Benjamin nichts gesehen, bevor er weglaufen konnte. Schnell steht fest, Mila wurde erpresst. Handelt ...

Mila, die als Escort arbeitet, wird erschossen. Mit ihrer eigenen Pistole. Hoffentlich hat ihr Sohn Benjamin nichts gesehen, bevor er weglaufen konnte. Schnell steht fest, Mila wurde erpresst. Handelt es sich um Schutzgeld?
Zufällig läuft Larissa dem Jungen über den Weg. Sie findet die tote Mutter und nimmt Benny mit zu sich nach Hause. Ehemann Michael und Sohn Jonas sind „not amused“. Benny ist seitdem traumatisiert und spricht nicht mehr. Aber er ein wichtiger Zeuge. Das sehen der Täter und sein Halbbruder genauso. Denn eines Tages wird Benny aus dem Polizeigebäude entführt. Eine verzweifelte Suche beginnt…
Milas Mörder ist ein Profi, womöglich sogar Polizist. Kommissar Lehn von der Mordkommission und sein Partner Most ermitteln. Doch die Zusammenarbeit mit der „Internen“, für die Larissa und ihre Chefin Karen tätig sind, gestaltet sich schwierig.
Organisierte Kriminalität, wie Menschenhandel, Prostitution und Erpressung, aber auch Mord und Entführung, das sind die Zutaten von Claudius Crönerts neuem Thriller, „Der stumme Junge“, der sich wieder flott und flüssig lesen lässt.
Den Vorgänger, „Die Kettenhunde“, hatte ich mit Begeisterung verschlungen. Und so habe ich mich über das Wiedersehen mit Larissa sehr gefreut. Doch hier gefällt sie mir nicht (mehr). Larissa bringt ihre Familie in Gefahr und therapiert an Benny herum. Ihr Handeln kann ich nicht nachvollziehen und mich erst recht nicht damit identifizieren. Zudem hätte die Geschichte für meinen Geschmack etwas spannender sein können.

Fazit: Der zweite Fall für eine außergewöhnliche Heldin. Aber für einen Thriller hat mir einfach der Thrill gefehlt.

Veröffentlicht am 21.03.2017

Zwei Ermittler. Ein Team.

Post Mortem - Tage des Zorns
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Mark Roderick legt mit „Post Mortem - Tage des Zorns“ den dritten Band mit Interpol-Agentin Emilia Ness und Profikiller Avram Kuyper vor. Worum geht es?
Emilia Ness ermittelt in einem aktuellen Fall, ...


Mark Roderick legt mit „Post Mortem - Tage des Zorns“ den dritten Band mit Interpol-Agentin Emilia Ness und Profikiller Avram Kuyper vor. Worum geht es?
Emilia Ness ermittelt in einem aktuellen Fall, als sie ein grausiges Päckchen mit einem abgeschnittenen Ohr erhält. Ihre Tochter Becky wurde entführt. Stammt das Ohr von ihr? Währenddessen folgt Avram Kuyper der Spur eines alten Feindes aus Bolivien - und tappt direkt in eine Falle. Seine Nichte Akina befindet sich ebenfalls in der Gewalt des Psychos.
Auch in diesem Teil kreuzen sich also die Wege von Emilia und Avram. Ein Gefängnis aus dem es augenscheinlich kein Entrinnen gibt und ein perfider Killer, der dieses Gefängnis zu seiner Bühne macht. Und beiden ist klar: Sie müssen zusammenarbeiten, wenn sie überleben wollen. Zitat: „Schaut in den Abgrund und fleht um euren Tod.“
Avram und Emilia verfolgen noch immer die Fährte eines Mannes, der keine Grenzen und kein Gewissen kennt. Ihr Gegner will nicht nur ihren Tod, er will sie leiden sehen. Denn sie haben beide seinen Zorn auf sich gezogen. Wirklich neu ist der Fall also nicht.
Gut gefallen haben mir, wie schon bei den Vorgängern, die häufigen Perspektivwechsel. Denn die sorgen für Dynamik. Zudem viele Cliffhanger, gut gesetzt. Das Buch hat auch wieder einen hohen Ekelfaktor: explizite Gewalt- und Folterszenen, die in einen rasanten Showdown münden. Dabei spielt der Autor mit unseren Urängsten: Ratten und Hunde.
Avram ist mir inzwischen ans Herz gewachsen. Er hat viel Empathie. Ein Auftragskiller als Sympathieträger. Das ist ungewöhnlich. Mit Emilia bin ich dagegen nicht wirklich warm geworden. Ihr Handeln kann ich oft nicht nachvollziehen und mich erst recht nicht damit identifizieren.
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den beiden Vorgängern. Doch so schön der Wiedererkennungswert, so schwierig macht er das aktuelle Buch für Neu-Einsteiger. „Tages des Zorns“ liest sich spannend. Allerdings haben mir diesmal die überraschenden Wendungen gefehlt.
Alles in allem hat mir Band 3 besser gefallen als Band 2, aber nicht so gut wie Band 1. Am Ende traut sich Mark Roderick etwas, das mich schockiert hat. Aber das wird hier nicht verraten…

Fazit: Dritter Band der Reihe. Atemlos und abgründig!

Veröffentlicht am 20.03.2017

Ein Mann sieht rot

Die Abbieger
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„Die Abbieger“ von Thomas Schweres ist bereits der vierte Fall für den Dortmunder Kommissar Georg Schüppe, genannt „der Spaten“, und den Reporter Tom Balzack. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, ...

„Die Abbieger“ von Thomas Schweres ist bereits der vierte Fall für den Dortmunder Kommissar Georg Schüppe, genannt „der Spaten“, und den Reporter Tom Balzack. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Zwei Kaninchenfreunde und Staugegner, Klausi und Freddy, haben den Chef der Landesbehörde Straßen.NRW entführt. Dr. Weissfeldt soll ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, täglich im Stau stehen zu müssen. Morgens und abends hoppelt er nun in Rabbit über die A 40, vorbei an Baustellen, Blitzern und Betonleitplanken. Dazu muss er sich den unbequemen Fragen Klaus-Werner Lippermanns stellen.
Schüppe und Tom geben alles, um das Leben der Geisel zu retten. Doch der Kampf gegen die Zeit und die Staus fordert Opfer…
Allein die Idee ist genial. Wer hat sich nicht schon mal geärgert und Rachepläne erdacht, wenn er im Stau steht?
Am Anfang des Buchs gibt es ein Personenregister. Voll das Klischee: Elfriede Lippermann, Mutti von Klausi (Klaus-Werner), spricht Ruhrpott-Dialekt, trägt Sandalen und weiße Socken. Klausi ist 42, Single, wohnt noch in seinem Kinderzimmer im Hotel Mama und fährt einen Jetta. Aber Klausi ist schlau. Er weiß ganz genau, wie viel Lebenszeit er im Stau verbracht hat und er hat es satt…
Thomas Schweres hat erneut eine wunderbar schräge Geschichte geschrieben, spannend und informativ zugleich mit viel schwarzem Humor und lauter skurrilen Typen. Oft hatte ich beim Lesen Tränen in den Augen, aber nicht aus Mitleid mit dem Chef von Straßen.NRW, sondern vor Lachen.
Über das Wiedersehen mit Schüppe, Gültekin, Tom & Co. habe ich mich sehr gefreut. Auch Toms Sohn Christos ist mit dabei. Neben dem Hauptthema Stau besticht der Krimi für mich auch durch die interessanten Einblicke in die Arbeit eines freien Journalisten und Reporters, Tom und sein Team.
Doch Veränderungen deuten sich an. Stichwort: Next Generation. Wird Tom das operative Geschäft seinem Sohn Chris übergeben? Wird Gültekin seinen Chef Schüppe als Nachfolger beerben? Egal, Hauptsache, die Reihe geht weiter! Aber wir sind nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isset.

Fazit: Ich habe mich nicht nur bestens unterhalten, sondern auch noch köstlich amüsiert.

Veröffentlicht am 20.03.2017

Wo ist Lucía?

Monteperdido – Das Dorf der verschwundenen Mädchen
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Die Hauptrolle spielt Monteperdido, ein Dorf hoch oben in den Pyrenäen, im Schatten bedrohlicher Berge, wo die Sonne früh untergeht, auch wenn es noch nicht spät ist. Die Menschen leben seit Generationen ...


Die Hauptrolle spielt Monteperdido, ein Dorf hoch oben in den Pyrenäen, im Schatten bedrohlicher Berge, wo die Sonne früh untergeht, auch wenn es noch nicht spät ist. Die Menschen leben seit Generationen in einer verschworenen Gemeinschaft. Fremden begegnen sie mit Misstrauen. Dennoch sind vor fünf Jahren zwei 11-jährige Mädchen spurlos verschwunden, die Freundinnen Ana und Lucía.
Eines Tages wird die inzwischen 16-jährige Ana bewusstlos in einem Wagen gefunden, der in eine Schlucht gestürzt ist. Der Fahrer ist tot. Wo ist Lucía? Die Berge schweigen, trügerisch rauschen die Pappelwälder, gefährlich fließen die reißenden Fluten des Esera. Unter den Bewohnern von Monteperdido greifen die Verdächtigungen um sich: War es ein Fremder oder einer von ihnen?
Kommissarin Sara Campos und Inspektor Santiago Baín aus Madrid ermitteln. Sie stoßen schon bald auf ein komplexes Geflecht aus Lügen, Verrat und Gewalt. »Hat er was zu dir gesagt?«, fragte Sara. »›Eines Tages bringe ich dich um.‹ Das hat er gesagt. ›Wenn du am wenigsten damit rechnest, bringe ich dich um.‹ Dann hat er das Gewehr sinken lassen und mir wieder den Sack über den Kopf gezogen.«
Sara muss sich nach und nach eingestehen, dass der Fall eine viel größere und gefährlichere Dimension hat als zunächst angenommen. Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder in Monteperdido hat ein Geheimnis, eine dunkle Seite.
Der Leser merkt sofort, dass der Autor ein Profi ist. In bildgewaltiger und intensiver Sprache erzählt Agustín Martínez seine Geschichte. Eine Geschichte, die eine ganz eigene Farbe und Temperatur hat. Mit atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen verbreitet der Autor viel Lokalkolorit. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Besonders Sara ist mir sofort ans Herz gewachsen. Auch sie kämpft noch mit ihren eigenen Dämonen aus der Vergangenheit. Doch sie ist schlau. Die Geschichte nimmt viele überraschende, dramatische und auch brutale Wendungen, bis zum unerwarteten Ende.

Fazit: Ein guter Krimi, ein großes Drama. Düster und beklemmend!