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Veröffentlicht am 25.06.2017

Gestatten, Sommerfeldt, Arzt und Killer

Totenstille im Watt
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„Es ist viel schwieriger, eine gute Fischsuppe zu kochen, als an eine neue Identität zu kommen. Meine ist perfekt. Ich heiße neuerdings Dr. Bernhard Sommerfeldt.“ So beginnt der neue Krimi von Klaus-Peter ...


„Es ist viel schwieriger, eine gute Fischsuppe zu kochen, als an eine neue Identität zu kommen. Meine ist perfekt. Ich heiße neuerdings Dr. Bernhard Sommerfeldt.“ So beginnt der neue Krimi von Klaus-Peter Wolf um einen praktischen Arzt.
Sommerfeldt hieß nicht immer Sommerfeldt und er war auch nicht immer Arzt. Aber Sommerfeldt ist auf der Flucht. Vor seiner Familie, den Gläubigern und der Polizei. Eines Tages taucht er in Ostfriesland auf und lässt sich als Arzt in Norddeich nieder.
Sommerfeldt ist ein Mann mit Killerinstinkten. Hochgebildet. Charmant. Gefährlich. Dr. Bernhard Sommerfeldt, der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Denn er kümmert sich nicht nur um misshandelte Frauen und Kinder, sondern entsorgt auch schon mal den gewalttätigen Ehemann und Vater.
Am Anfang mordet er noch subtil. Doch als er die Lehrerin Beate kennenlernt, die Liebe seines Lebens, mutiert Sommerfelfdt zu einer Art Racheengel. Denn Beate wird von ihrem Ex erpresst. Schon bald hat er mindestens sechs Tote auf dem Gewissen. Das kann natürlich nicht gut gehen…
Erzählt wird diese wunderbar schräge Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Sommerfeldt. Das schafft Nähe. Und so hat der Leser Verständnis für den Killer. Man fiebert mit ihm mit, ob er es wohl schafft, dem Arm des Gesetzes zu entkommen. Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht.
Wenn Sie Ostfriesland, das Watt und das Meer lieben, dann müssen Sie auch Dr. Bernhard Sommerfeldt kennenlernen. Hervorzuheben sind die Cameo-Auftritte von Figuren aus den anderen Ostfriesenkrimis, z.B. die von Rupert, Ann Kathrin Klaasen und Weller.

Fazit: Gelungener Auftakt einer neuen Reihe um einen unkonventionellen Helden. Ein Krimi, der mich nicht nur bestens unterhalten, sondern auch noch köstlich amüsiert hat.

Veröffentlicht am 19.06.2017

Tatort Frankfurt am Main

Frankfurter Blutspur
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Das schon aus „Frankfurter Kaddisch“ bekannte Personal, Hauptkommissar Gregor Mandelbaum und sein Team, ermittelt wieder. Dennoch handelt es sich bei „Frankfurter Blutspur“ um eine eigenständige, in sich ...


Das schon aus „Frankfurter Kaddisch“ bekannte Personal, Hauptkommissar Gregor Mandelbaum und sein Team, ermittelt wieder. Dennoch handelt es sich bei „Frankfurter Blutspur“ um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Der Vorgänger hatte mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Dieter Aurass geht gleich in medias res: Eine Prostituierte stirbt im Schnee. Ihr wurden die Zehen abgeschnitten. Deshalb konnte sie nicht mehr gehen. Wer hat Vera ermordet - und warum? Kurz darauf wird eine weitere Frau tot aufgefunden. Auch sie wurde grausam verstümmelt. Zudem hat der Täter in beiden Fällen eine blutige Botschaft hinterlassen. Geht ein Serienkiller in der Mainmetropole um?
Über das Wiedersehen mit Gerichtsmedizinerin Dr. Sonja Savoyen, Gregor, Computernerd Schmuddel und Mutti Jutta, Küken Jenny und Bedenkenträger Dieter, habe ich mich sehr gefreut, denn sie sind mir ans Herz gewachsen. Neu dabei, Irina Petrowska und Frank Grothebaum von der Sitte.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Gregor und Sonja sind inzwischen ein Paar. Der Kommissar, der am Asperger-Syndrom, einer milden Variante des Autismus leidet, hat in Sachen sozialer Interaktion und Kommunikation viel von ihr gelernt. Grothebaum ist ein Ekelpaket, ein Kotzbrocken - und er ist korrupt. Aber ist er deshalb auch ein Mörder?
Die Geschichte lässt sich flott und flüssig lesen. Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgänger. Das macht Lust auf mehr für die, die den ersten Band (noch) nicht kennen. Rückblenden in die 60er Jahre aus der Sicht eines kleinen Jungen, verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen.
Neben dem Kriminalfall thematisiert der Autor Homosexualität. Und hat deshalb in seinem aktuellen Roman eine lesbische Liebesgeschichte eingebaut. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Zitat: »Uups«, bemerkte er [der Täter] und wirkte noch immer amüsiert, »so war das nicht geplant. Ich befürchte, wir werden nun das durchführen müssen, was die Damen und Herren von der Polizei eine Verfolgungsfahrt nennen.«

Fazit: Ein realitätsnaher Who-Done-It-Krimi mit einem durchgängigen Spannungsbogen.

Veröffentlicht am 16.06.2017

Hölle, Hölle, Hölle

Teufelskälte
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„Teufelskälte“ von Gard Sveen ist der zweite Fall für den Osloer Kommissar Tommy Bergmann. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ...

„Teufelskälte“ von Gard Sveen ist der zweite Fall für den Osloer Kommissar Tommy Bergmann. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Den Vorgänger, „Der letzte Pilger“, hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
November 2004. Die junge Prostituierte Daina wurde brutal misshandelt. Bevor sie stirbt, kann sie Tommy noch einen Namen nennen, Maria, Edel Maria. Tommy ist geschockt. Denn der Modus Operandi erinnert ihn an Kristiane. Das junge Mädchen wurde 1988 tot im Wald in einem Müllsack abgelegt. Doch der Täter befindet sich in einer geschlossenen Anstalt, nachdem er den Mord an Kristiane und eine Reihe ähnlicher Taten gestanden hatte.
Hat Anders Rask einen Komplizen, der sich noch auf freiem Fuß befindet, oder wurde er unschuldig verurteilt?
Zusammen mit seiner neuen Kollegin Susanne Bech rollt Tommy den alten Fall erneut auf. Bei den damaligen Ermittlungen wurden Fehler gemacht. Susanne ist alleinerziehende Mutter der fünfjährigen Mathea und hat somit eine empfindliche Schwachstelle. Auch Tommy hat Schwächen. Er neigt zu Gewaltausbrüchen. Deshalb hatte sich seine Frau von ihm getrennt. Doch nun befindet sich Tommy in Therapie. Mit menschlichen Abgründen kennt er sich also bestens aus.
Die Morde sind grausam. Mit detaillierten Beschreibungen hält der Autor sich aber zum Glück zurück, so dass Raum bleibt für das Kopfkino des Lesers. „Teufelskälte“ ist gut konstruiert und spannend erzählt. Ein klassischer Krimi. Ein bisschen gemein ist allerdings, dass am Ende vieles offen bleibt. Zitat: „Seele in Flammen, tanzendes Blut. Wo bin ich, Tommy?“ Im Nachwort kündigt der Autor an, dass es einen Folgeband geben wird.

Fazit: Alles in allem ein spannender, abgründiger Who-Done-It-Roman, der jedoch nicht an den Vorgänger heranreicht.

Veröffentlicht am 07.06.2017

DCI Jim Daley ermittelt in Schottland

Tödliches Treibgut
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„Die Leiche bewegte sich im selben Rhythmus wie der Seetang und das Treibgut,…“ so beginnt der Schottland-Krimi „Tödliches Treibgut“ von Denzil Meyrick. „Es handelte sich um den nackten Körper einer Frau,… ...


„Die Leiche bewegte sich im selben Rhythmus wie der Seetang und das Treibgut,…“ so beginnt der Schottland-Krimi „Tödliches Treibgut“ von Denzil Meyrick. „Es handelte sich um den nackten Körper einer Frau,… Wer war die tote Frau? Was war ihr zugestoßen - und warum?“ D.C.I. Jim Daley und sein Partner DC Scott aus Glasgow ermitteln.
Die Hauptrolle spielt die raue, schottische Landschaft. Das idyllische Fischerdorf Kinloch und die Strände der Kintyre-Halbinsel. Die Menschen leben seit Generationen in einer verschworenen Gemeinschaft. Die Ermittler stoßen schon bald auf ein Gespinst aus Lügen und Intrigen. Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder in Kinloch hat ein dunkles Geheimnis.
Jim, dessen Ehe in einer Krise steckt, bekommt Besuch von seiner Frau Liz. Weitere Menschen sterben. Und plötzlich wird der Fall für Jim sehr persönlich...
„Tödliches Treibgut“ ist nicht einfach nur Krimi, sondern vor allem spannendes Drama. Der Tonfall ist (wie das Wetter) Moll. Der Plot ist angenehm vertrackt und wird sauber entwickelt, die Ermittlungen werden ausführlich und nachvollziehbar geschildert, die Schauplätze plastisch beschrieben, die Figuren wirken lebendig. Alles in allem ein erfreulich unblutiger Krimi, der mich gut unterhalten hat.
Nichtsdestotrotz hat mir ein bisschen der (trockene) Humor gefehlt. Das können Stuart MacBride und Ian Rankin einfach besser. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Für Leser, die testen wollen, ob Story und Stil gefallen, gibt es ein Prequel, „Die Mädchen von Strathclyde“. Eine düstere Geschichte aus dem Glasgow der 80er Jahre um eine tote Prostituierte.

Fazit: Atmosphärisch dichter Kriminalroman. Rau. Pur. Schottisch.

Veröffentlicht am 06.06.2017

Mix aus Alien und Apocalypse Now

Die Brut - Sie sind da
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„Die Brut - Sie sind da“ startet spannend, in einem Urwald in Peru. Eine Wandergruppe wird von einer ‚schwarzen Flut‘ verschlungen. Danach lernen wir Mike Rich kennen. Er ist Special Agent in Minneapolis, ...


„Die Brut - Sie sind da“ startet spannend, in einem Urwald in Peru. Eine Wandergruppe wird von einer ‚schwarzen Flut‘ verschlungen. Danach lernen wir Mike Rich kennen. Er ist Special Agent in Minneapolis, Minnesota, und wird zu einem Flugzeugabsturz gerufen. Aus einer der Leichen kriecht ‚etwas Schwarzes‘.
Dann ein Sprung nach Indien. Ein Erdbeben scheint sich anzubahnen. Und in China explodiert eine Atombombe. Ein Unfall? Last but not least eine Uni in Washington, D.C. Melanie Guyer ist Biologin. Aus Peru bekommt sie einen Eierkokon geschickt - und ES schlüpft. Wo ist die Verbindung?
Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen, viele Perspektivwechsel sorgen für Dynamik. Gekonnt spielt Ezekiel Boone mit unseren Urängsten: Es geht um Spinnen.
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen und zwei Männer: Die Präsidentin der Vereinigten Staaten, Stephanie Pilgrim, und die Biologin Melanie sowie Melanies Ex Manny, Stabschef des Weißen Hauses, und Agent Mike.
Hauptschauplatz ist Kalifornien: Die Präsidentin verhängt den Ausnahmezustand. Die Menschen rund um Los Angeles sollen in Quarantäne. Die Lage eskaliert…
„Die Brut“ ist ein Endzeit-Thriller mit einem hohen Ekelfaktor. Wie eine Mischung aus den Alien-Filmen mit Sigourney Weaver und dem Kriegsfilm „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola. Ein typisches Buch für den US-amerikanischen Markt: Militär, Hubschrauber, Waffen.
Die Figurenzeichnung ist gelungen. Mike und Melanie kommen sympathisch rüber. Vielleicht geht da ja was? Die Präsidentin ist schwach. Sie hält die Menschen mit Verharmlosung der Situation hin. Zudem hat sie ein Verhältnis mit Manny.
Das Ende hat mich enttäuscht. Spoiler-Gefahr verbietet allerdings detaillierte Ausführungen in dieser Richtung. „Die Brut - Sie sind da“ ist der erste Teil einer Trilogie. Band 2, „Die Brut - Die Zeit läuft“, folgt bereits im August.

Fazit: Rasantes und actionreiches Popcorn-Lesekino ohne Tiefgang.