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Veröffentlicht am 28.06.2025

Schamloser Angriff auf die Tränendrüsen

Perlen
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Anfangs hat mir dieses Buch gut gefallen. Es erzählt wirklich anrührend von der kleinen Marianne, die ihr Mutter verloren hat als sie erst 9 Jahre alt war. Sie ist verstört, ihr Vater in Trauer, ihr kleiner ...

Anfangs hat mir dieses Buch gut gefallen. Es erzählt wirklich anrührend von der kleinen Marianne, die ihr Mutter verloren hat als sie erst 9 Jahre alt war. Sie ist verstört, ihr Vater in Trauer, ihr kleiner Bruder ein Baby. Das Trauma begleitet ihre ganze Kindheit. Das wird alles nachvollziehbar und poetisch geschildert, die Stimmung ist melancholisch und nachdenklich.

Als Marianne dann selbst erwachsen ist hat sie noch immer damit zu kämpfen und allmählich fragt man sich, warum ihr treusorgender Vater ihr nicht beizeiten psychologische Hilfe organisiert hat.

Das Geschehen kippt. Was als rührende Geschichte begann wandelt sich zu einem pathetischen tiefenpsychologischem Wust, ein wilder Potpourri aus vererbten Traumata und Schwangerschaftsdepressionen, Kindheitserinnerungen, alte Geschichten, Märchen, Gedichte, Halluzinationen. Ein Haufen fantasiebegabte Menschen halten Traditionen hoch, lieben Kunst und bauen eigenes Gemüse an.

Dieses Buch beginnt als zarte, anrührende coming of age Geschichte und endet als schamloser Angriff auf die Tränendrüsen. Ein Jammer.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Toll erzählt, aber die Handlung geht etwas schleppend voran

Nacht über Soho
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Ich bin Fan von Kate Atkinson und lese natürlich alle ihre Bücher. Mit diesem hier habe ich mich erstaunlich schwer getan.

London in den wilden 20er Jahren, in Soho ist Nellie Coker die Königin der Nachtclubs. ...

Ich bin Fan von Kate Atkinson und lese natürlich alle ihre Bücher. Mit diesem hier habe ich mich erstaunlich schwer getan.

London in den wilden 20er Jahren, in Soho ist Nellie Coker die Königin der Nachtclubs. Alle angesagten Läden gehören ihr und dort ist sie eine Art Patin, die die Strippen zieht. Niemand tut etwas, was sie nicht weiß, auch nicht ihre sechs Kinder. Als plötzlich immer mehr Mädchen verschwinden oder in der Themse gefunden werden, sind Nellies Clubs die erste Adresse für Untersuchungen.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mit dem Buch warm wurde. Man muss zunächst umfangreiches Personal kennenlernen. Das ist erlesen, natürlich, jede Figur ist eigen, hat Ecken und Kanten und macht Spaß, wird mit der ganz eigenen Beobachtungsgabe und dem feinen englischen Humor der Autorin vorgestellt. Aber es dauert wirklich, biss dann mal Schwung ins Geschehen kommt. Und so wirklich schwungvoll ist es im Grunde nie. Beim letzten Drittel des Buches angelangt fragt man sich noch immer, ob denn wohl bald was passieren mag.

Ich habe das Buch gerne gelesen, hatte aber schon Bücher der Autorin, die mich viel mehr packen konnten.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Tolle Geschichte, in überbordendem Erzählstil

Atmosphere
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Es ist ein Jammer, das dieses Buch kein Blümchencover bekommen hat. Nie wurden Gefühle in einem Buch größer geschrieben. Es braucht große Blumen in Regenbogenfarben. Glitzer nicht, immerhin geht es um ...

Es ist ein Jammer, das dieses Buch kein Blümchencover bekommen hat. Nie wurden Gefühle in einem Buch größer geschrieben. Es braucht große Blumen in Regenbogenfarben. Glitzer nicht, immerhin geht es um coole Astronautinnen, aber diese Astronautinnen sind voller überströmender Gefühle und teilen sie uns gerne mit. Jede Menge Atmosphere in rosa Schattierungen.

Dabei ist die Geschichte grundsätzlich toll und startet sogar höchst dramatisch. Es gab einen Unfall auf der Raumfähre Discovery. Houston, wir haben ein Problem, und in Houston hat gerade Joan Goodwin Dienst in der Mission Control.

Wie tragisch das ist, dass ausgerechnet Joan gerade Dienst hat, erfährt man nach und nach in Rückblenden.

Mehrere junge Leute hatten sich für die Ausbildung zum Astronauten beworben, da runter auch Joan, eine Astronomin. Es ist in den 80er Jahren noch neu, dass auch Frauen ins Ausbildungsprogramm aufgenommen werden, da möchte sie unbedingt dabei sein.

Man begleitet sie und ihre Kollegen ein bisschen während der Ausbildung und das ist sehr spannend. Als Joan sich dann verliebt, gerät das Ganze leider aus dem Ruder. Riesengroße Gefühle in unendlichen Varianten werden ausgewälzt, bis man es nicht mehr hören mag. (Immerhin muss man den Einfallsreichtum der Autorin bewundern.) Dabei ist diese Liebe auch noch bittersüß, weil queere Liebe in den 80ern nicht sein kann, schon gar nicht innerhalb der Nasa. Das ist tragisch, aber endlose Wiederholungen illustrieren das Drama bis zum Überdruss.

Was sollen wir tun. Du musst uns verlassen. Du musst, du musst, ich bin mir sicher, du musst gehen. Willst du das? Willst du, dass ich gehe? Es muss so sein, das ist mir jetzt klar. Ich werde nicht zulassen, dass du alles aufgibt…uffz.

Ich habe dieses Hörbuch bis zum Ende gehört, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht. Allerdings musste ich zwischendurch öfter mal Passagen überspringen, weil es unerträglich schwülstig wurde. Die Geschichte ist toll, nur der Erzählstil viel zu überbordend für mich.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Eine Geduldsprobe

Die Schrecken der anderen
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Dieses Buch macht es einem nicht leicht. Der Erzählstil ist ganz wunderbar, plastisch, mit feinem Humor und originellen Bildern. Nur wenn man dann auf Seite 100 noch immer nach der Handlung sucht, die ...

Dieses Buch macht es einem nicht leicht. Der Erzählstil ist ganz wunderbar, plastisch, mit feinem Humor und originellen Bildern. Nur wenn man dann auf Seite 100 noch immer nach der Handlung sucht, die sich in allerlei Schlenkern versteckt, dann nagt es schon am Geduldsfaden.

Es wurde eine Leiche im Eis gefunden, die da eigentlich gar nicht sein kann. Der menschenscheue Archivar Schibig wird beauftragt, den Fundort zu bewachen und dann direkt von Rosa, der Alten, die am Ufer in einem Wohnwagen lebt, rekrutiert. Die Alte will wissen, was passiert ist, denn der Tod ist auch immer ein Anfang, der Anfang einer Geschichte.

Dann ist da noch Kern, der Ehe-und Augenprobleme hat. Er ist erfolgreicher Geschäftsmann, aber seine steinalte, bettlägerige Mutter tyrannisiert ihn immer noch. Ein bisschen schräg ist hier jeder. Seine Frau will ein Kind und keine Kreide fressen. Das ist ihr wichtig und das kann gar nicht oft genug betont werden.

Ich war beim Lesen hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Verzweiflung.

„Schibigs Brust wird eng, die kugeligen Alveolen blähen sich auf, die Lungenbläschen füllen sich mit Eisluft und drücken den Sauerstoff voller Eifer in die Blutkapillaren. Der Körper hat zu tun, der Körper kommt kaum hinterher, der Körper tut sein Bestes.“

So etwas ist eine grandios beschriebene Verfolgungsjagd, ambitioniert aber wirklich bewundernswert. Nur folgt danach eine ganze Seite über einen gedeckten Güterzug, die Eisenschlage, woher und wohin, mit Sprühschrift, wie damals im Krieg… eine ganze Seite plastische Beschreibung für die schlichte Tatsache: Ein Zug fährt durch. Nicht nur das. Es tut noch nicht einmal was zur Sache, ob da gerade ein Güterzug fährt oder nicht.

Dieses Buch ist im Grunde ein Krimi, der mehr will und es dabei übertreibt. Meine anfängliche Begeisterung hat sehr bald nachgelassen. Nach etwa der Hälfte war es für mich nur noch eine Geduldsprobe.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Wild, witzig, magisch

Ursula und das V-Team
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CK McDonnell und seine Frau Elaine Ofori waren offenbar so fasziniert von der Geschichte Kölns, dass sie sich die Legende der Heiligen Ursula vorgenommen und eine eigene Geschichte daraus gestrickt haben. ...

CK McDonnell und seine Frau Elaine Ofori waren offenbar so fasziniert von der Geschichte Kölns, dass sie sich die Legende der Heiligen Ursula vorgenommen und eine eigene Geschichte daraus gestrickt haben. Zwei britische Autoren beschäftigen sich mit Köln, das allein ist schon so verrückt, dass daraus nur ein total verrücktes Buch entstehen konnte.

Man stelle sich vor, es gäbe mitten in Köln einen streng geheimen Geheimbund. 11 Jungfrauen werden zu einer magischen Kampftruppe ausgebildet, die sich dann einer Geisterarmee von Hunnen entgegenstellen sollen, um Köln zu verteidigen. Jedes der Mädchen hat ganz eigene Kräfte, sie ergänzen sich, leben zusammen, trainieren zusammen, angeführt von Ursula mit dem Flammenschwert. Nur als es dann so weit ist, verläuft der große Kampf ganz anders als geplant.

Das Lesen dieses Buches macht großen Spaß. Neben spritzig-witzigen Dialogen beeindruckt der gewaltige Ideenreichtum der Autoren, es tummeln sich schräge Gestalten und Wundersames, es gibt Überraschungen auf jeder Seite. Man bekommt den Eindruck, ganz Köln ist von magischen Wesen bevölkert, kein Wunder dass das schief geht.

Die Autoren spielen bewusst mit Motiven aus anderen Büchern. Da ist zum Beispiel Grumbledoor, die schlecht gelaunte Tür, die niemanden hereinlässt, der die Parole nicht kennt und man denkt direkt an Harry Potter. Ich bin keine Fantasy Expertin, aber für mich war es eine Art Percy Jackson-Harry Potter Mix mit leichten X-Men Anklängen und einem Hauch per Anhalter durch die Galaxis. Ganz sicher lässt sich da noch viel mehr finden.

Das Buch ist Teil eins einer Dilogie. Zwischenzeitlich hatte ich die Sorge, dass der erste Teil reichlich offen bleiben könnte, aber die Sorge war umsonst. Es gibt einen furiosen Showdown und unerwartet viel Antworten zu den tausend Fragen, die aufgeworfen wurden.

Es ist ein wirklich wildes Buch, das den Eindruck vermittelt, nichts ist unmöglich. Ich bin beeindruckt und freue mich auf Teil zwei.

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