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Veröffentlicht am 23.02.2025

Skurriler Grusel im Funkloch

Frühstück mit den Borgias
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„Eine Schauergeschichte“ haben verschiedene Rezensionen behauptet. Wenn man anfängt, dieses Buch zu lesen, denkt man: Es ist der Horror, aber schaurig?

Ariel ist in einem abgehalfterten Hotel in der Nähe ...

„Eine Schauergeschichte“ haben verschiedene Rezensionen behauptet. Wenn man anfängt, dieses Buch zu lesen, denkt man: Es ist der Horror, aber schaurig?

Ariel ist in einem abgehalfterten Hotel in der Nähe von London gelandet, während Zeva in Amsterdam auf ihn wartet. Starker Nebel hat den Flugverkehr lahmgelegt und das Handynetz funktioniert auch nicht. Verzweifelt versucht er, sie zu erreichen und scheitert an vorsintflutlicher Technik in der Einöde. Er ist von der Welt abgeschnitten, er, der Informatik-Papst. Noch dazu tummeln sich seltsame Menschen im Hotel.

Es hat ein bisschen Rocky-Horror-Atmosphäre, gruselig skurriles Personal in einer merkwürdigen Parallelwelt, verwirrend absurde Begebenheiten. Man fragt sich, ist das jetzt lustig oder passiert gleich Grauenhaftes?

Der Schreibstil ist grandios und hilft einem über maximale Verwirrung hinweg. Auch wenn man keine Ahnung hat, was hier gespielt wird, macht das Lesen Spaß. Die Sprache schwankt zwischen erlesen, geschliffen und despektierlich, drastisch, was einerseits amüsant ist und andererseits auf originelle Weise bildhaft. Man spürt Ariels wachsende Verzweiflung, der trotz allem seinen Humor nicht verliert, Zevas Angst und Verwirrung und sieht diese absonderliche Gesellschaft im Hotel vor sich.

Am Ende erwartet einen dann eine ziemliche Überraschung, die das Geschehen in ein deutlich anderes Licht rückt. Ich habe ein wenig überlegen müssen, ob ich mich damit anfreunden kann, denke aber, ich kann. Eigentlich ist es sogar genial, wenn man sich darauf einlässt.
„Frühstück mit den Borgias“ ist ein außergewöhnliches Buch, das dem Leser einiges abverlangt, das aber auch Spaß macht, verwirrt und erstaunt. Es war mein erstes, aber ganz sicher nicht mein letztes Buch von DBC Pierre.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Unterwegs mit Etgar Keret

Die sieben guten Jahre
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„In diesem Buch teilen Sie ein Eisenbahnabteil mit mir. Wenn Sie zur letzten Seite kommen, steige ich aus, und wir sehen uns vielleicht nie wieder. Aber ich hoffe, dass etwas von der siebenjährigen Reise, ...

„In diesem Buch teilen Sie ein Eisenbahnabteil mit mir. Wenn Sie zur letzten Seite kommen, steige ich aus, und wir sehen uns vielleicht nie wieder. Aber ich hoffe, dass etwas von der siebenjährigen Reise, die mit der Geburt meines Sohnes beginnt und mit dem Tod meines Vaters endet, auch sie berührt.“

Das schreibt Etgar Keret im Nachwort seines Buches und bringt es damit auf den Punkt. Man hat eine Reise mit ihm unternommen und ihn dabei ein kleines bisschen kennengelernt. Er erzählt Episoden aus seinem Leben als Autor, als Vater, als Ehemann und auch als Sohn polnischer Juden, die nach Israel ausgewandert sind. Manche sind brüllend komisch, andere skurril, einige einfach nur klug, aber es gibt auch tragische Momente und Trauriges zu erzählen. Selbst da verliert Etgar Keret seinen Humor nicht. Dieser Mann ist unglaublich witzig und wenn Humor nicht angesagt ist, packt er den Galgenhumor aus.
Daneben bekommt man noch einen losen Eindruck vom Leben in Tel Aviv, für das man wohl eine gehörige Portion Humor gut gebrauchen kann, wenn man sich beispielsweise auf der Autobahn befindet und der Fliegeralarm ertönt, wenn Terroranschläge zum Alltag gehören und man sich davon einfach nicht verrückt machen lässt.

„Die sieben guten Jahre“ ist ein kleines Buch, das es in sich hat. Ich habe das Gefühl, einen sehr besonderen Menschen kennengelernt zu haben, von dem ich sicher noch weitere Bücher lesen werde. Und ja, Herr Keret, ihr Buch ist wirklich unterhaltsam, aber es berührt auch sehr.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Fesselt, berührt und beeindruckt

Und damit fing es an
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Dieses Buch erzählt sehr anrührend eine eher traurige Geschichte. Melancholie durchzieht das Geschehen. Es nimmt einen mit.

Wir sind in der Schweiz im beschaulichen Matzlingen, wo Gustav und Anton sich ...

Dieses Buch erzählt sehr anrührend eine eher traurige Geschichte. Melancholie durchzieht das Geschehen. Es nimmt einen mit.

Wir sind in der Schweiz im beschaulichen Matzlingen, wo Gustav und Anton sich 1947 kennen lernen. Gustav Perle und Anton Zwiebel, der eine ein Sohn einer allein erziehenden Mutter, die ihn eher als eine Last empfindet und sich in ihren Vorurteilen festgebissen hat, der andere wohl behütet und jüdisch, ein Wunderkind am Klavier, den seine Eltern nach Kräften fördern. Gustav und Anton sind fünf Jahre alt, als ihre lebenslange Freundschaft beginnt.

Gustav hat es nicht leicht. Sie haben wenig Geld, seine Mutter ist verbittert, dabei möchte er nur geliebt werden. In Rückblenden erfährt man, warum Emilie so wurde wie sie ist, wie der zweite Weltkrieg in der neutralen Schweiz erlebt wurde und wie Gustavs Vater jung starb, obwohl er an keiner Front kämpfen musste. Die Geschichte ist tragisch und vertrackt.

Sehr einfühlsam wird hier eine traurige Familiengeschichte erzählt. Hier hat jeder sein Päckchen zu tragen, macht Fehler, sucht nach Liebe und Glück, liebt den falschen Menschen, träumt den falschen Traum, hat die falschen Ziele. Daneben bekommt man ein wenig zu spüren, wie Vorurteile und Judenhass selbst in der neutralen Schweiz Auswirkungen hatten, sogar noch nach dem Ende des Krieges, und zuerst dachte ich, das wäre das eigentliche Ansinnen dieses Buches. Aber das Thema bleibt dann leider liegen. Hier geht es wohl vorrangig um die Suche nach dem Glück, um Selbstfindung auf steinigen Wegen und wie unsere Vergangenheit uns formt.

Dieses Buch liest sich leicht und ist doch auf eine ganz eigene Art poetisch. Es fesselt, berührt und beeindruckt. Das Ende hätte ich mir ein wenig anders gewünscht, aber so ist das halt im Leben…

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Ein außergewöhnliches Leseerlebnis

Die Eismalerin
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Dieses Buch ist sehr besonders. Wir sind in Island 1915 und es ist kalt, windig, ursprünglich, ein Land, wo man an Fjorden lebt mit Blick auf Gletscher, wo man entweder Fische fängt oder verarbeitet, Seehundspeck ...

Dieses Buch ist sehr besonders. Wir sind in Island 1915 und es ist kalt, windig, ursprünglich, ein Land, wo man an Fjorden lebt mit Blick auf Gletscher, wo man entweder Fische fängt oder verarbeitet, Seehundspeck eine Delikatesse ist, Elfen und Trolle in den Wäldern hausen und die Menschen sehr ungewöhnliche Namen haben.

Hier wächst Karitas auf, die eine besondere Begabung zum Malen hat, was einerseits erstaunlich, interessant und ungewöhnlich ist, andererseits in dieser naturverbundenen, von Arbeit beherrschten Welt keinen praktischen Nutzen hat und deswegen von den meisten Menschen eher belächelt wird. Auch wenn inzwischen Frauen ab 40 wählen dürfen, Automobile und Telefone in den Städten Einzug halten, hat das für die Frauen der Westfjorde nur wenig Bedeutung. Man muss arbeiten, um zu überleben, Männer fangen Fisch, Frauen verarbeiten ihn, so ist das seit Jahrhunderten und es hat sich bewährt. Kunst ist was für Reiche.

Mit diesem Zwiespalt muss Karitas leben. Die Kunst ruft sie, aber sie kann sie sich eigentlich nicht leisten. Über 20 Jahre hinweg begleitet der Leser ihr Leben und das ist kein Zuckerschlecken, obwohl es auch schöne Momente gibt.

Mit diesem Buch macht man eine Reise. Es lässt einen ganz tief eintauchen in das Island vor 100 Jahren, erzählt vom aufregenden Leben einfacher Leute und schafft ganz viel Atmosphäre. Man riecht das Meer und den Fisch, fühlt die Erhabenheit der Gletscher, bisweilen glaubt man fast an Elfen. Es erzählt von unterschiedlichsten Frauenschicksalen, von Dorfgemeinschaft, Hilfsbereitschaft und von Fortschritt, den man sich erkämpfen muss auf dem Land.
Ein außergewöhnliches Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Ein Gesamtkunstwerk

Memory Wall
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Ich war ein wenig unsicher, was mich mit diesem Buch erwartet, aber ich habe mich darauf verlassen, dass Anthony Doerr weiß, was er tut und bin nicht enttäuscht worden.

Eigentlich hat man es hier mit ...

Ich war ein wenig unsicher, was mich mit diesem Buch erwartet, aber ich habe mich darauf verlassen, dass Anthony Doerr weiß, was er tut und bin nicht enttäuscht worden.

Eigentlich hat man es hier mit einer Art Utopie zu tun. Irgendwie ist es möglich, Erinnerungen aus dem Gehirn zu extrahieren und auf Cassetten zu speichern. Und wenn man Geld genug hat, um sich spezielle Ports implantieren zu lassen, kann man diese Erinnerungen ansehen, als ganz besonderes Fernsehprogramm sozusagen.

Diesen Service nutzt die 74jährige Alma Konachek, die in einer Villa in Kapstadt lebt und dement ist. Sie vergisst alles sofort wieder, kaum dass es passiert ist, deshalb schwelgt sie gerne in ihren konservierten Erinnerungen, die sie, liebevoll mit Fotos und Notizen versehen, an einer Wand aufgehängt hat. Betreut wird sie schon seit Jahren von Pheko, der in den Townships lebt und einen kleinen Sohn hat. Auch über Phekos Leben erfährt man einiges. Südafrika ist ein Land der Gegensätze.
Nachts durchsucht ein dreister Einbrecher regelmäßig ihr Haus, ohne Angst vor Entdeckung.

In wunderbar atmosphärischer Sprache wird hier eine Geschichte erzählt, die anfängt wie ein Rührstück zum Thema Demenz, Erinnerungen, Älterwerden, es aber schafft, dabei kein bisschen rührselig zu sein. Trauer spricht aus den Zeilen, auch etwas Fatalismus, aber gleichzeitig gibt diese merkwürdige Technik zur Erinnerungskonservierung Rätsel auf und dem Ganzen eine futuristisch seltsame Note.

Dann wandelt sich das Geschehen und mausert sich fast zu einer Art Wissenschaftsthriller, ungewöhnlich, bedrohlich und spannend, auch wenn die tieftraurige Grundstimmung erhalten bleibt. Hier und da blitzt zynisch Humor auf, wechselt sich ab mit grandiosen Bildern und macht diese kleine Geschichte zu einem sehr besonderen Gesamtkunstwerk.
Großartig!

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