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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2024

Blieb an der Oberfläche, potentiell triggernd

GUY'S GIRL
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Ginny identifiziert sich vor allem über zwei Dinge: Sie ist ein Guy's Girl, also ein Mädchen, das meint, besser mit Männern als mit Frauen klarzukommen, und sie ist bulimisch/magersüchtig. Ihre Esstörung ...

Ginny identifiziert sich vor allem über zwei Dinge: Sie ist ein Guy's Girl, also ein Mädchen, das meint, besser mit Männern als mit Frauen klarzukommen, und sie ist bulimisch/magersüchtig. Ihre Esstörung spielt von Beginn an eine große Bedeutung und zieht sich - mit expliziten Schilderungen - durch das gesamte Buch. Dabei werden sehr anschaulich Strategien des Erbrechens und des Vertuschens der Essstörung/Bulimie beschrieben, was potentiell triggernd ist.
Erzählt wird aus zwei Perspektiven, von Ginny und Adrian. Adrians Familie ist aus Ungarn in die USA eingewandert und Adrian ist davon überzeugt, nicht lieben zu können und nicht das Risiko eingehen zu wollen, sich für Liebe zu öffnen und dann verletzt zu werden, weil er nicht liebenswürdig ist.
Sehr schnell wird klar, dass beide starke psychische Probleme haben und dass sie nicht zueinander finden können. Sobald sie sich annähern, kracht es und sie distanzieren sich wieder voneinander. Recht schnell entwickelt sich zwischen den beiden eine toxische Beziehung.

Ich denke, dass Emma Noyes mit "Guy's Girl" eigene Erfahrungen aufarbeitet. Sowohl Ginny als auch Adrian blieben für mich oberflächlich, wurden fast ausschließlich von ihren pschischen Probleme ausgemacht und waren für mich nicht greifbar. Die Entwicklungen und Handlungen konnte ich fast nie nachvollziehen. Ich bin unentschlossen, für mich hatte die Geschichte keinen Mehrwert und ich würde das Buch eher nicht empfehlen.

Veröffentlicht am 02.02.2024

Herzerwärmender Roman

Dieses schöne Leben
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Clover wurde durch ihren Großvater, einem Professor in New York, sehr stark in ihren Werten und Überzeugungen geprägt. Ihr Großvater war der Mensch, der ihr schon als Kind Bücher an die Hand gegeben hat, ...

Clover wurde durch ihren Großvater, einem Professor in New York, sehr stark in ihren Werten und Überzeugungen geprägt. Ihr Großvater war der Mensch, der ihr schon als Kind Bücher an die Hand gegeben hat, sein Wissen und seine Weisheiten mit ihr geteilt hat und mit dem sie eine Reihe geliebter Rituale verbindet. Während sie auf Reisen ist, verstirbt ihr Großvater überraschend - sie war nicht bei ihm, konnte sich nicht von ihm verabschieden und nimmt sich vor, Sterbebegleiterin zu werden. Denn sie ist davon überzeugt, dass niemand allein sterben sollte. Beruflich wird ihr ruhiges, mitfühlendes Wesen geschätzt, privat ist sie eher eine Einzelgängerin. Bis sie durch die neue Nachbarin Sylvie wieder neue Eindrücke sammelt und ihren Berufsalltag mit ihr teilen kann. Denn Sylvie ist von der Sterbebegleitung nicht abgeschreckt, sondern fasziniert.
Mit ihrer neuen Klientin, einer älteren, resoluten Frau namens Claudia, wird Clover auch beruflich vor eine neue Herausforderung gestellt: Denn Claudia wieß offenbar noch nichts davon, dass Clover eine Sterbebegleiterin ist. Clover sieht ihre Aufgabe darin, Claudias verloren geglaubte Liebe wiederzufinden und findet dabei selbst einen neuen Menschen...

Der Plot von "Dieses schöne Leben" ist kein neuer und wurde so oder so ähnlich schon zigmal in Büchern und Filmen wiedergegeben. Doch Mikki Brammer schreibt sehr flüssig, humorvoll und hat mit Clover und Claudia zwei sehr liebenswerte Figuren geschaffen, die eine schöne Beziehung zueinander aufbauen. Auch die Verflechtung von den beruflichen Aspekten der Sterbebegleitung und den privaten Unternehmungen und Kontakten hat mir sehr gut gefallen!
Ein schöner Roman, den ich als herzerwärmend und gut durchdacht beschreiben würde.

Veröffentlicht am 24.01.2024

Patriarchale Strukturen in der Arbeitswelt

Not Your Business, Babe!
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In "Not your Business, Babe!" erläutert Verena Bogner die patriarchalen Strukturen und Mechanismen, mit denen FLINTA* in der Arbeitswelt benachteiligt, diskriminiert und ausgeschlossen werden. Angeführte ...

In "Not your Business, Babe!" erläutert Verena Bogner die patriarchalen Strukturen und Mechanismen, mit denen FLINTA* in der Arbeitswelt benachteiligt, diskriminiert und ausgeschlossen werden. Angeführte Statistiken und Studien ergänzt sie um eigene Erfahrungen aus der Medienbranche.
In einigen Kapiteln beziehungswese bei einigen Themen, beispielsweise der Work-Life-Balance werden auch unterschiedliche Auffassungen, Meinungen und Verhaltensweisen zwischen den Generationen untersucht und besprochen.
Verena Bogner schreibt flüssig, in packendem Tonfall und stellenweise humorvoll. Unter anderem werden die Themen ungleiche Bezahlung, Sexismus und Hustle Culture thematisiert. Vieles war mir schon bewusst oder habe ich selbst schon erlebt und erfahren, fand die Bestätigung und die Ausführungen in Summe noch einmal sehr augenöffnend und wichtig.
Meine Meinung nach eine Pflichtlektüre für alle, damit für patriarchale Strukturen - in der Arbeitswelt und überall - ein immer stärkeres und weit verbreitetes Bewusstsein geschaffen wird und sie endlich aufgebrochen werden.

Veröffentlicht am 24.01.2024

Eher ruhig und gemächlich erzählt

Das Buch Eva
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"Das Buch Eva" erzählt von Beatrice, einer Bibliothekarin in einem italienischen Kloster zur Zeit der Renaissance. Im Kloster geht sie den Schwestern eher aus dem Weg, träumt von der Außenwelt und findet ...

"Das Buch Eva" erzählt von Beatrice, einer Bibliothekarin in einem italienischen Kloster zur Zeit der Renaissance. Im Kloster geht sie den Schwestern eher aus dem Weg, träumt von der Außenwelt und findet trotst in ihren Büchern. Eines Tages tauchen vor dem Kloster zwei unbekannte, schwerverletzte Frauen auf, die kurz darauf sterben. Vor ihrem Tod überreichen sie Beatrice jedoch ein geheimnisvolles Manuskript in ihr unbekannter Schrift. Beatrice spürt einen starken Bann zu der Schrift und versucht, hinter dessen Bedeutung zu kommen. Doch sie ist nicht die einzige, die auf das Buch fixiert ist: Die Kirche hat längst Vertreter geschickt, die es zurückholen sollen. für Beatrice hingegen ist klar, sie muss das Buch verstecken und schützen.

Das Cover ist wunderschön und der Klappentext klingt vielversprechend. Ich habe einen historischen Roman mit Krimielementen um die Machtstrukturen im Kloster bzw. in der Kirche erwartet. Der Schreibstil ist recht nüchtern, auch wenn teilweise sprachlich schöne Formulierungen verwendet werden.
Die Erzählperspektive stellte für mich in Kombination mit der Figurenbeschreibung Distanz her. Dass Beatrice eine Einzelgängerin und eher menschenfremd ist, wurde schnell deutlich. Daneben blieben auch die anderen Figuren eher blass, ich habe keinen tiefen Eindruck von ihnen oder gar Einblick in ihre Gedankenwelt bekommen. Auch an spannenden Elementen fehlte es mir. Ein wenig mehr Spannung durch ein schnelleres Tempo oder weniger Längen hätten mir gut gefallen. Das Geschehen plänkelte so vor sich hin, dennoch habe ich Beatrice gern bei der kräftezehrenden Mission begleitet.

Veröffentlicht am 24.01.2024

Intensives Portrait einer jungen Frau

All dies könnte anders sein
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Sneha ist als Teenagerin mit ihren Eltern aus Indien in die USA gekommen, um ein Leben voller Möglichkeiten zu leben. Mittlerweile hat sie ihren Abschluss in der Tasche und startet ihren ersten Job in ...

Sneha ist als Teenagerin mit ihren Eltern aus Indien in die USA gekommen, um ein Leben voller Möglichkeiten zu leben. Mittlerweile hat sie ihren Abschluss in der Tasche und startet ihren ersten Job in Milwaukee.Das Geld, das ihr nun zur Verfügung steht, bietet ihr ganz neue Möglichkeiten. Ihre Eltern sind zurück in Indien und Sneha fühlt sich ihnen verpflichtet. Auch wenn sie sich schlecht fühlt und nicht nur positive Erinnerungen an ihre Eltern hat, schickt sie ihnen Geld. Voller Ambition stürzt sie sich ins Arbeitsleben, ins Datingleben, schließt neue Freundinnenschaften, verliebt sich in die Tänzerin Marina und stellt fest, dass Freundinnenschaften mehr Bestand haben als die Liebe. Als PoC, lesbisch und voller Erwartungen an das Leben muss sie die eine oder andere Enttäuschung in Kauf nehmen und spürt, dass Diskriminierung fester Bestandteil des Alltags sind. Nach einem anfänglich Hoch stellt Sneha fest, dass nicht alles Bestand hat und sie sich bald mit ihren Verletzungen auseinandersetzen muss. Dabei hat sie nie gelernt, wie sie mit Schwächen, Enttäuschung oder Depressionen umgehen kann.

Sarah Thankam Mathews hat mit Sneha, Anfang 20 und allein im erwachsenen Arbeitsleben, voller Verantwortung für sich selbst und ihr Wohlergehen, eine authentische Protagonistin geschaffen. Mir gefallen die Erzählperspektive, die ungeschönten, rohen und ehrlichen Gedanken und Äußerungen Snehas sowie die diverse Figurenlandschaft.

Ich habe "All dies könnte anders sein" sehr gern gelesen und mich in diversen Situationen wieder gefunden bzw. Anknüpfungspunkte und Widerspiegelungen gesehen.