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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2023

Sehr differenziert und gut recherchiert

Das Ende der Ehe
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In "Das Ende der Ehe" legt Emilia Roig die (Macht)Strukturen des Patriarchats offen, dessen Sinnbild die Institution Ehe ist. Wichtig voranzustellen: Emilia Roig ist keinesfalls gegen die Ehe und möchte ...

In "Das Ende der Ehe" legt Emilia Roig die (Macht)Strukturen des Patriarchats offen, dessen Sinnbild die Institution Ehe ist. Wichtig voranzustellen: Emilia Roig ist keinesfalls gegen die Ehe und möchte diese auch nicht endgültig für alle abschaffen. Vielmehr zeigt sie Schwachstellen auf, macht deutlich, wie und in welchem Maße die Frau durch die Institution Ehe unterdrückt wird und für wie "normal" das alles erscheint. Außerdem schreibt sie darüber, dass unter Ehe per se erstmal die heterosexuelle Ehe gemeint ist, gibt einen kurzen Abriss über die Entwicklung der queeren Ehe und zeigt auch hier immense Nachteile und Unterdrückungsfaktoren auf, die so auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind, da die gleichgeschlechtliche Ehe ja nun auch möglich ist - allerdings unter ganz anderen Voraussetzungen und mit anderen Rechten und Pflichten als die heterosexuelle Ehe.
Themen, die Emilia Roig behandelt, sind unter anderem die kostenlose Care Arbeit, die Stellung von Frauen und Männern im Job, Non-Binarität, Queerness, (sexualisierte) Gewalt, die Elternrolle, Geld, finanzielle Abhängigkeit und Machtstrukturen innerhalb von Beziehungen - alles in Relation zum Individuum, zu gesellschaftlichen/politischen/juristischen Strukturen und der Mehrheitsgesellschaft.

Emilia Roig schreibt sachlich, sehr differenziert und unterfüttert die faktischen Schilderungen immer wieder durch eigene Erfahrungen. Ich hatte während der Lektüre so viele "oh ja, stimmt"-Momente, dass ich das Buch definitiv nicht zum letzten Mal gelesen habe. Auch weil der Input so viel ist und ich das ein oder andere Kapitel noch stärker verinnerlichen möchte.

Auch wenn einige Emilia Roigs Buch sicherlich als Angriff, Provokation oder gar als "Hass gegen Männer" abstempeln, kann ich die Lektüre wärmstens empfehlen. Es werden sämtliche Machtstrukturen, Abhängigkeiten und Missstände aufgedeckt, die viel mehr Menschen bewusst werden sollten.

Veröffentlicht am 14.06.2023

Brisant und brandaktuell

Dein Taxi ist da
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"Dein Taxi ist da" erzählt vor allem von Damani, die ihr Geld über einer Fahrdienst-App verdient. Allerdings werden ihre Einkünfte über die App immer schlechter und die Bedingungen härter. Als Frau tamilischer ...

"Dein Taxi ist da" erzählt vor allem von Damani, die ihr Geld über einer Fahrdienst-App verdient. Allerdings werden ihre Einkünfte über die App immer schlechter und die Bedingungen härter. Als Frau tamilischer Herkunft, mit einer kranken Mutter, die sie mitversorgen muss, nachdem ihr Vater wenige Monate zuvor verstorben ist, hat Damani es nicht leicht und kämpft jeden Tag ums Neue. Sie hat zwar einen kleinen, festen Kundinnenstamm, wie Mrs. Patrice, die sie regelmäßig zum Bingospielen fährt, ist ansonsten jedoch auf die Gunst der anderen Kundinnen angewiesen.

Priya Guns thematisiert rund um Damanis Fahralltag politische und gesellschaftliche Themen wie Sexismus, Rassismus, gleichgeschlechtliche Liebe, Flüchtlingsstatus und white privileges. Vor allem die white privileges finden in der Figur Jolene einen anschaulichen Ausdruck. Eines Tages sitzt Jolene, eine weiße, sehr wohlhabende Frau aus gutem Hause, in Damanis Auto und zwischen den beiden funkt es auf Anhieb. Doch als Damani Jolene ihren Freundinnen vorstellt, eskaliert die Situation.
Ich mochte sowohl den sehr flüssigen und eher unaufgeregten Schreibstil als auch das Setting und die Art des Erzählens von Priya Guns sehr gern. Damanis Wut auf die Welt, die Missstände und das Angwiesensein auf die anderen, das Schaffen eigener Schutzmauern und die permanente Verletzlichkeit schwingen immerzu mit.

Ein grandioses Debüt, das mir sicherlich noch eine Weile im Kopf bleiben wird, und dass ich jedem
jeder Leser*in emfpehlen kann!

Veröffentlicht am 14.06.2023

Düstere Abgeschiedenheit

Wolfskinder
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Die abgelegene Siedlung Jakobsleiter befindet sich hoch in den Bergen und fernab der Zivilisation. Für die einen wäre das die absolute Freiheit, für andere die vollständig Isolation. Jesse und Rebekka ...

Die abgelegene Siedlung Jakobsleiter befindet sich hoch in den Bergen und fernab der Zivilisation. Für die einen wäre das die absolute Freiheit, für andere die vollständig Isolation. Jesse und Rebekka steigen täglich hinab, um die Schule zu besuchen - bis Rebekka verschwindet. Obwohl Jesse Jakobsleiter und die Regeln dort, den Umgang mit der Natur und den anderen Bewohner*innen kennt, fängt er an, all dies zu hinterfragen. Denn den Kindern in Jakobsleiter wird von kleinauf beigebracht, dass in der Stadt das Böse wohnt. Rebekka hat das nicht geglaubt und wollte die Siedlung verlassen. Und außer ihr sind im Laufe der letzten Jahre mehrere junge Frauen verschwunden - unter anderem auch Juli, die Freundin der Journalistin Smilla, die nun nach Rebekkas Verschwinden wieder auf Jakobsleter aufmerksam wird und einen Zusammenhang sieht.

Vera Buck hat es geschafft, mich mit ihrer spannenden und packenden Erzählweise von der ersten Seite an zu fesseln. Die wechselnden Erzählperspektiven, die sehr anschaulichen Schilderungen vom Leben in Jakobsleiter und vor allem Jesses Gedanken und Emotionen dazu fand ich sehr interessant. Die Auflösung war absehbar und nicht super überraschend, aber den Weg dorthin habe ich genossen und konnte mich ganz in die düstere, abgeschiedene Atmosphäre der Bergsiedlung einlassen.

Veröffentlicht am 14.06.2023

Eine Geschichte über Freundschaft

Es war einmal in Brooklyn
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"Es war einmal in Brooklyn" spielt im Sommer 1977 in Brooklyn, wo David und Juliette Tür an Tür leben. Seit ihrer Kindheit sind sie beste Freundinnen, erzählen sich alles und sehen sich für immer an der ...

"Es war einmal in Brooklyn" spielt im Sommer 1977 in Brooklyn, wo David und Juliette Tür an Tür leben. Seit ihrer Kindheit sind sie beste Freundinnen, erzählen sich alles und sehen sich für immer an der Seite desder anderen. Doch in diesem Jahr, beide sind 17 Jahre alt, wird alles anders. Während Juliette nach ihrem Schulabschluss ans College gehen wird, setzt sich David mit der Diagnose einer tödlichen Krankheit auseinander und weiß nicht, wie lange er überhaupt noch leben wird. Juliette lernt den attraktiven und charmanten Pizzaboten Rico kennen, verliebt sich Hals über Kopf und distanziert sich von David. Der hingegen stellt fest, dass er Juliette liebt - doch hat er gegen Rico überhaupt eine Chance? Ein stundenlanger Stromausfall ändert alles...

Ich mag Romane über Freund*innenschaften und Entwicklungsgeschichten sehr gern. Syd Atlas' Schreibstil hat mir gut gefallen und ich mochte die wechselnden Erzählebenen aus Gegenwart und Rückblenden, die von der Kindheit und frühen Jugend von Juliette und David erzählen und ein Bild ihrer Freundschaft zeichnen. Dennoch blieben die beiden Figuren für mich eher blass und haben mich nur selten berührt. Ich kann gar nicht sagen, weshalb es mir nicht gelungen ist, eine emotionale und berührende Verbindung zu den beiden aufzubauen, aber so habe ich einige Stellen eher halbherzig gelesen. Dennoch mochte ich den Plot in seinen Grundzügen und konnte vor allem das Ende gut nachvollziehen.

Ein gelungener Roman mit Lokalkolorit aus Brooklyn und sommerlichem Flair.

Veröffentlicht am 14.06.2023

Zweite Chance für die Liebe

The Love Test – Versuch’s noch mal mit Liebe
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Endlich geht einer von Allisons Träume in Erfüllung: Mit ihrer großen Leidenschaft für mittelalterliche Literatur kämpft sie schon lange für einen Platz im Promotionsprogramm, den sie nun endlich ...

Endlich geht einer von Allisons Träume in Erfüllung: Mit ihrer großen Leidenschaft für mittelalterliche Literatur kämpft sie schon lange für einen Platz im Promotionsprogramm, den sie nun endlich bei ihrer Lieblingsprofessorin ergattert hat. Doch kurz nach dem Start läuft sie Colin über den Weg. Colin, ihr Exfreund, der ihr das Herz gebrochen hat, ihr damals eine wichtige Chance weggenommen hat und nun in direkter Konkurrenz zu ihr steht. Denn die Professorin kann leider nur einen von beiden betreuen, sodass beide um den heiß begehrten Job an der Uni kämpfen und sich beweisen müssen. Dabei stehen nicht nur fachliche Hürden, sondern auch längst vergessen gedachte Gefühle im Weg.

Sehr schnell wird thematisiert, dass Allison eine kurvige Figur hat - ob oder wie mehrgewichtig sie tatsächlich ist, wurde mir an keiner Stelle klar, obwohl ihr Aussehen, ihr Gewicht und damit verbundene Hemmungen oder Einschränkunen - gerade in Bezug auf Jungs - wirklich ständig Thema waren. Fast schon, als wäre es ein Kompliment oder ein Wunder, dass Colin sie attraktiv finden könnte.
Grundsätzlich mag ich Bücher, in denen es um zweite Chancen geht oder thematisiert wird, dass ein Paar zu einer bestimmten Zeit nicht funktioniert hat, dies zu einem späteren Zeitpunkt allerdings sehr wohl möglich ist. Hier fand ich sowohl Allisons als auch Colins Verhalten oftmals nicht nachvollziehbar. Allison deutet sehr viel, so wie Dinge für sie eben sein müssen, und Colin nutzt selten die Gelegenheit, diese Missverständnisse klarzustellen. So tänzeln die beiden lange umeinander herum, nähern sich an, um dann wieder verletzt zu sein und sich dann doch wieder amourösen Gefühlen hinzugeben.

Jenny L. Howes Schreibstil ist flüssig und ich mochte das Unisetting sehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses stetige Rangeln um das Zulassen der Gefühle einige Young-Adult-Leser
innen abholt, für meinen Geschmack hätte es gern etwas weniger sein dürfen!