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Veröffentlicht am 14.09.2025

Toller Start

Lügen sind Rudeltiere
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Die PR-Beraterin Romy Sternek hat einen Schicksalsschlag erlebt. Um darüber hinwegzukommen besucht sie regelmäßig heimlich fremde Beerdigungen auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Als das Mordopfer Lukas ...

Die PR-Beraterin Romy Sternek hat einen Schicksalsschlag erlebt. Um darüber hinwegzukommen besucht sie regelmäßig heimlich fremde Beerdigungen auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Als das Mordopfer Lukas Delbrück beigesetzt wird, wird Romy Zeugin eines Angriffs. Der ermittelnde Kommissar beachtet ihre Beobachtung jedoch nicht. Romy beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln und gerät in tödliche Gefahr.

"Lügen sind Rudeltiere" ist der erste Frankfurtkrimi von Carla Eisfeldt. Dieser Krimi nimmt den Leser von der ersten Seite an für sich ein. Die Spannung hält hier wirklich von Beginn bis Ende. Immer wieder schickt Carla Eisfeldt neue Verdächtige ins Rennen, so daß man seine bisherigen eigenen Ermittlungen ständig neu überdenken muß. Langweilig wird es hier nie. Am Schluß ist man dann dennoch überrascht. Ihre Charaktere hat die Autorin sehr abwechslungsreich gestaltet. Romy mit ihrer Vorliebe für Beerdigungen ist schon etwas schräg. Ihr Karmakonto ist ihr sehr wichtig, was bei mir für einige Lacher sorgte. Mit Margit begegnet man hier den Inbegriff der älteren Nachbarsdame. Hilfsbereit, aber neugierig - ihr entgeht nichts. Ich denke, so eine Nachbarin kennt jeder und dadurch wirkt alles sehr viel realistischer. Die Autorin beschreibt aber nicht nur ihre Charaktere sehr bildlich, sondern auch die Handlungsorte, allen voran den Frankfurter Hauptfriedhof. Man hat fast das Gefühl, selbst dort zu sein und an den Beerdigungen teilzunehmen. Die Geschichte ist aus Sicht verschiedener Charaktere geschrieben, was mir jeden einzelnen mit seinen Ansichten nahe brachte. Ich konnte ihre Handlungs- und Denkweisen dadurch besser verstehen und nachvollziehen. Dieser Krimi hat mich total überzeugt und ich hoffe, daß es noch viele Fälle für Romy Sternek geben wird!

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Der zweite Fall für Marie Mercier

Kalte Blüten
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Im Frühling hat Marie Mercier in Saint-Andre-du-Perigord endgültig ihr zu Hause gefunden. Sie hat die Leitung des Kommissariats in Perigueux übernommen und ist mit Michel glücklich. Mit ihrer Großtante ...

Im Frühling hat Marie Mercier in Saint-Andre-du-Perigord endgültig ihr zu Hause gefunden. Sie hat die Leitung des Kommissariats in Perigueux übernommen und ist mit Michel glücklich. Mit ihrer Großtante Leonie und dem ehemaligen Knecht Georges lebt sie auf dem Hof ihrer Großmutter. Da wird bei den Vorbereitungen für den Neubau einer Ölmühle ein Skelett gefunden. Das Grundstück gehört der Familie Barthes. Die vier Töchter verstehen sich nicht gut. Der einzige Sohn verschwand vor einigen Jahren spurlos. Marie befürchtet, daß der Knochenfund etwas mit seinem verschwinden zu tun hat. Doch die Familie reagiert auf Maries Fragen sehr abweisend. Erst als sie Romain Dubosc, den Geschäftspartner der schweigsamen Familie befragt, werden ihr einige Zusammenhänge klar. Daß der ein bekannter Frauenheld und auch noch der Neffe des Bürgermeisters ist, macht die Ermittlung nicht leichter.

Die Krimiserie von Julie Dubois geht mit dem Titel "Kalte Blüten" in die zweite Runde. Das Umfeld zu dieser Geschichte ist schon so vertraut, daß man meinen könnte, man kommt in einen Ort, wo man schon seit Jahren Ferien macht. Julie Dubois gibt den Menschen in ihrer Serie eine Persönlichkeit, die sie einzigartig macht. Die meisten muß man einfach mögen, und manchmal steckt auch noch eine Überraschung hinter einer Person. Der Mordfall, um den es diesmal geht, steckt voller menschlicher Tragödien. Am Ende bleibt man ratlos zurück, weil man mit dem Mörder fast Mitleid hat. Diese Gefühlslage beschreibt Julie Dubois sehr treffend. Sie gibt der Figur der Kommissarin Marie Mercier sehr viel Menschlichkeit. Auch dieser zweite Teil hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Krimi mit Buchhändler

Wer das Ende verrät
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In Cruxdorf, einem kleinen Nordseedorf an der Grenze zu Dänemark, betreibt Moritz Wendtal eine kleine Buchhandlung. Eines Tages sucht der Dorfpolizist Heinrich Uhlen bei ihm Hilfe. Bei Bürgermeister Gerhard ...

In Cruxdorf, einem kleinen Nordseedorf an der Grenze zu Dänemark, betreibt Moritz Wendtal eine kleine Buchhandlung. Eines Tages sucht der Dorfpolizist Heinrich Uhlen bei ihm Hilfe. Bei Bürgermeister Gerhard Brix wurde eingebrochen, im Briefkasten der Familie wurde ein mysteriöses Gedicht eingeworfen. Wendtal kann die dilettantischen Ermittlungen von Brix nicht mit ansehen und beginnt eigene Ermittlungen!

In dem Krimi "Wer das Ende verrät" von Tobias Sommer ermittelt ein Buchhändler. Dies war für mich Neuland - und hat mir richtig gut gefallen. Der Krimi spielt mitten in einem kleinen Dorf an der Nordseeküste in der Nähe der dänischen Grenze. Dies bringt eine ganz eigene Atmosphäre mit, denn hier kennt man sich, einige Dinge werden nicht so genau genommen und vor allem weiß stets das ganze Dorf Bescheid. Die Dorfbewohner sind absolut realistisch dargestellt. Man trifft auf die unterschiedlichsten Charaktere, jeder hat seine Eigenheiten und wird dadurch unverwechselbar. Dabei sind sie alle sympathisch und liebenswert, gerade Wendtal mochte ich von Beginn an. Das Dorf selbst wird hier auch sofort lebendig. Schon mit dem Lageplan zu Beginn des Buches bekommt man einen guten Überblick über das Dorf. Irgendwie fühlt man sich soforr heimisch in Cruxdorf. Auch wenn es hier spannend zugeht, darf man keine Action erwarten. Dieser Krimi gehört zur ruhigen Sorte. Man wird jedoch bis zum Ende hin mit Fragen beschäftigt, rätselt mit und bekommt am Ende eine schlüssige Auflösung. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der gute, ruhigere Krimis liebt!

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Mittelmaß

Man sieht nur mit der Schnauze gut
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Aspro wird durch einen Unfall herrenlos. Er verwechselte eine Dynamitstange mit einem Stöckchen, was er schließlich immer apportiert hat. Nur gut, daß ihn die schwangere Polizistin am Tatort in ihr Herz ...

Aspro wird durch einen Unfall herrenlos. Er verwechselte eine Dynamitstange mit einem Stöckchen, was er schließlich immer apportiert hat. Nur gut, daß ihn die schwangere Polizistin am Tatort in ihr Herz geschlossen und adoptiert hat! Ihr Mann ist nicht begeistert, arrangiert sich aber mit Aspro. Aspro darf mit seiner neuen Chefin sogar zur Arbeit und entdeckt sein Talent als Polizeihund.

Der Thriller-Autor Bernhard Aichner hat sich auf neues Terrain gewagt. Mit "Man sieht nur mit der Schnauze gut" hat der bekennende Hundeliebhaber einen Roman geschrieben, dessen Held Aspro, ein Hund ist. Er hat diesen Roman aus Hundesicht geschrieben, was seinen besonderen Reiz hat. Aspros Ansichten sind manchmal urkomisch und ich hatte so manche Lachträne im Auge. Die Welt durch Hundeaugen zu betrachten ist einfach mal etwas ganz anderes. Aspros neue Chefin ist Polizistin und so setzt er sich in den Kopf, Polizeihund zu werden. Das muß doch zu machen sein, als ehemaliger Jagdhund mit Streberqualitäten. Und tatsächlich löst Aspro seine Fälle alle - ob er soll oder nicht. Dabei werden kleine Missgeschicke einfach heruntergespielt. Ein kleiner Makel des Buches sind die sehr kurzen Kapitel. Man hat das Gefühl, daß Aspros Geschichte im Zeitraffer erzählt wird. Und genauso schnell hat man das Buch dadurch auch durchgelesen!

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Erfrischend anders

Wir Mädchen vom Kiez
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Hanna mußte mit ihrer Mutter am Kriegsende aus Ostpreußen in die Lüneburger Heide flüchten. Im Jahr 1953 muß sie aus Angst vor ihrem übergriffigen Stiefvater auch von dort die Flucht ergreifen. Sie landet ...

Hanna mußte mit ihrer Mutter am Kriegsende aus Ostpreußen in die Lüneburger Heide flüchten. Im Jahr 1953 muß sie aus Angst vor ihrem übergriffigen Stiefvater auch von dort die Flucht ergreifen. Sie landet in Hamburg, ausgerechnet im Vergnügungsviertel der Stadt. Nach einem Überfall findet sie der junge Richard vor dem Hurenhaus, in dem erals Hausmeister arbeitet. Er nimmt sie mit zu sich nach Hause. Dort will er Hanna vor der Puffmutter Evke verstecken, aber das gelingt ihm nicht lange. Nur mit Hilfe der Witwe Rieke gibt Evke Hanna die Erlaubnis, im Haus wohnen zu bleiben. Da Hanna auf keinen Fall als Hure arbeiten will, muß sie sich schnell etwas einfallen lassen, wie sie ihr Geld verdienen kann. Sie hat eine Idee, die sie nur mit Richards Hilfe verwirklichen kann. Doch seine Herz bleibt für Hanna wohl unerreichbar.

Der Roman "Wir Mädchen vom Kiez" fällt mit seinem Thema total aus dem Rahmen. Die Autorin Juliane Jensen hat eine sehr erfrischende Geschichte über das Leben der Huren in den 1950er Jahren geschrieben. Doch bei allem Humor, der sehr oft aufblitzt, hat die Geschichte auch etwas bewegendes. Alle Charaktere schleppen Erlebnisse aus dem vergangenen Krieg mit sich herum, die noch nicht verarbeitet sind. Das beschreibt Juliane Jensen sehr eindrucksvoll, aber ohne Dramatik. Manche Begriffe würde man heute so nicht mehr verwenden, Sie gehören aber in die damalige Zeit. Nur so wirkt die Handlung echt und glaubwürdig. Dieses Buch zu lesen hat mir riesigen Spaß gemacht, Langeweile kam auf keiner Seite auf. Man spürt sogar eine gewisse Enttäuschung, wenn die Geschichte zu Ende geht. Ein echter Volltreffer!

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