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Veröffentlicht am 14.03.2026

Die Geschichte regt zum Nachdenken an

Ruf der Wellen
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Am Neujahrstag 1855 bricht über Borkum eine fürchterliche Sturmflut herein. Die Bewohner der Insel drängen sich Schutz suchend in den Leuchtturm. Darunter auch Grete und ihre Kinder. Die Männer der Insel ...

Am Neujahrstag 1855 bricht über Borkum eine fürchterliche Sturmflut herein. Die Bewohner der Insel drängen sich Schutz suchend in den Leuchtturm. Darunter auch Grete und ihre Kinder. Die Männer der Insel versuchen, den Deich zu erhalten, sonst wird Borkum von der tosenden See vernichtet. Doch sie bemühen sich vergeblich. Grete wird für sich und ihre Familie kämpfen müssen, denn ein hartes Leben steht ihnen bevor.

Im Jahr 2025 schreibt die Geologin Helen an ihrer Doktorarbeit über die Wanderung der ostfriesischen Inseln. Dafür reist sie nach Borkum. Bei der stürmischen Überfahrt lernt sie Julia kennen. Die Frauen werden schnell gute Freundinnen und Julia zeigt Helen die schönsten Punkte der Insel. Von Julias Bruder Carl erfährt sie nach und nach die Geschichte seiner Familie und Helen erkennt, was es wirklich heißt, auf Borkum zu leben.

Anna Jessens Roman "Ruf der Wellen" ist der Auftakt einer neuen Familiensaga. Gleichzeitig ist dieser Roman eine Chronik der Nordseeinsel Borkum. Man erfährt viel über das Leben der Inselbewohner in den Jahren ab 1855. Die Abhängigkeit von den Gezeiten und vom Wetter war damals beängstigend und ist heute noch fast genauso. Eine zweite Geschichte beschreibt, wie die Menschen auf Borkum in der heutigen Zeit mit dem Klimawandel fertig werden müssen. Sie sehen die Gefahr für die Inseln, können aber nichts dagegen tun. Sie müssen damit leben, daß einige kleine Inseln bald ganz verschwinden werden. Anna Jessen führt das den Lesern sehr eindringlich vor Augen und bringt sie damit zum nachdenken. Man kann erahnen, daß beide Geschichten miteinander verbunden sind. Das erhöht nochmal die Neugierde auf den zweiten Teil!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Hat mich positiv überrascht

Der Boss – Ist er ein Monster oder ein Genie?
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Natalie Olsen und ihre Freundin Caro haben ausgelassen in einem Club gefeiert, als Caro mit einem gutaussehenden Mann verschwindet. Als sie am nächsten Morgen im Koma liegt, tappt die Polizei im Dunkeln, ...

Natalie Olsen und ihre Freundin Caro haben ausgelassen in einem Club gefeiert, als Caro mit einem gutaussehenden Mann verschwindet. Als sie am nächsten Morgen im Koma liegt, tappt die Polizei im Dunkeln, Natalie jedoch will den Mann finden, der Schuld an allem ist. Sie entdeckt den Mann auf dem Cover eines Magazins, es handelt sich um den erfolgreichen Unternehmer Geoffrey Rosenberg. Natalie nimmt einen Job in dessen Villa an, um ihm eine Falle zu stellen. Aber sitzt sie nicht schon längst in seiner Falle?

Iliana Xander hat mich mit "Der Boss" positiv überrascht. Geschrieben aus Natalies Perspektive kann man sich absolut gut in sie hineinversetzen. Auch wenn sie manchmal etwas naiv erscheint, kann man sich ihrem Wesen nicht entziehen und empfindet einfach nur Sympathien für sie. Sie handelt mutig, ohne groß über die Gefahren nachzudenken. Unterbrochen wird die Handlung durch Kapitel aus der Perspektive eines Unbekannten, was natürlich den Spannungsbogen immer höher schnellen läßt, da man beide Perspektiven gebannt verfolgt und wissen will, wie es weitergeht. Iliana Xander hat hier nicht nur dafür gesorgt, daß man mit Natalie eine interessante Charaktere hat, auch ihre restlichen Charaktere nehmen den Leser gefangen. Jeder einzelne steht für sich, ist einzigartig. Nicht alle mag man spontan, einige muß man erst näher kennenlernen und bei manchen springt der Funke gar nicht über, da ihr Verhalten zu abstrus erscheint. Dies macht jedoch Sinn und am Ende fügt sich alles zusammen und man wird überrascht. Die Autorin schreibt sehr flüssig und leicht lesbar, so daß man dieses Buch sehr schnell lesen kann. Dieses Lesetempo wird natürlich noch durch die hohe Spannung gefördert. Ich war von diesem Thriller wirklich positiv überrascht!

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Ein aktuelles Thema spannend verpackt

Tödliches Déjà-vu
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Wo Lavendel blüht, kommen auch die Bienen. So war es jedenfalls bisher. Doch seit einiger Zeit wird es in den Gärten von Grasse und Umgebung immer stiller. Deshalb protestiert die Bioimkerin Monique Gaillard ...

Wo Lavendel blüht, kommen auch die Bienen. So war es jedenfalls bisher. Doch seit einiger Zeit wird es in den Gärten von Grasse und Umgebung immer stiller. Deshalb protestiert die Bioimkerin Monique Gaillard immer wieder auf öffentlichen Plätzen gegen das Bienensterben. Sie beschuldigt die Firma ProPlant ein Pestizid hergestellt zu haben, das die Bienen tötet. Commissaire Campanard und sein Team Obscur versuchen, die rabiate Frau zur Vernunft zu bringen und besuchen sie auf ihrem Hof. Sie staunen, wie sanft sie mit ihren Bienen umgeht - ganz ohne Schutzkleidung. Als Monique Gaillard zwei Tage später tot aufgefunden wird, kann Louis Campanard es kaum glauben. Die Imkerin wurde von ihren Bienen zu Tode gestochen. Er wittert ein Verbrechen, denn die Frau hat immer wieder gedroht, die unsauberen Geschäfte der Firma ProPlant aufzudecken.

Commissaire Campanards dritter Fall ist ein sehr außergewöhnlicher Krimi. Beim Titel "Tödliches Deja-vu" ahnt man noch nicht, daß der Autor René Anour sich einen ganz besonders hinterhältigen Mordfall ausgedacht hat, denn Bienen als Mörder sind etwas ungewöhnlich. Allein der Gedanke daran erzeugt bei mir Gänsehaut. Natürlich stecken Menschen dahinter und bis die wahren Mörder gefasst werden können, ist jede Seite dieses Krimis superspannend. Nebenbei punkten die Ermittler mit ihren Lebensläufen, die alles andere als perfekt sind. Das macht sie so menschlich. Man fragt sich unwillkürlich, wie es mit ihnen weitergeht. Dieser dritte Teil der Serie ist wieder ein gelungener Krimi. Man kann sofort merken, daß René Anour den Fall ganz genau durchdacht hat, bevor er ihn zu Papier gebracht hat.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Pageturner, der nachdenklich macht

Lieblingsleichen
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In Hamburg wird ein Obdachloser tot an seinem Schlafplatz aufgefunden - getötet mit einem Bolzenschußgerät. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Kommissar Knudsen und sein Team sehen sich mit einem makaberen ...

In Hamburg wird ein Obdachloser tot an seinem Schlafplatz aufgefunden - getötet mit einem Bolzenschußgerät. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Kommissar Knudsen und sein Team sehen sich mit einem makaberen Zusatz konfrontiert, denn die Morde werden durch Figuren im Wunderland an den entsprechenden Auffindeorten angekündigt. Auch Knudsens Freund La Lotse ist von dieser Mordserie tief betroffen und will helfen - dabei ahnt er nicht, wie die Gefahr durch seine Tochter Maria und derer obdachlosen Freundin Leonie bereits in sein Haus Einlaß gefunden hat!

Das Autorenduo Kester Schlenz und Jan Jepsen haben mich mit "Lieblingsleichen" extrem gut unterhalten. Dieses Buch entwickelt eine Dynamik, die seinesgleichen sucht. Kaum hat man den ersten Satz gelesen, ist man schon mittendrin in einer Handlung, die fesselt und nachdenklich macht. Denn leider ist die Thematik gar nicht so weit weg, daß man sie als Geschichte abtun könnte. Es geht um Gewalt und Mord gegen Obdachlose und Hamburg ist die Hauptstadt der Obdachlosen. Dies ist das Hamburg hinter der Touristenfassade, die durch Elphie und Co. so schön verklärt gezeigt wird. Die Autoren zeigen hier die schonungslose Wahrheit genauso bildhaft auf, wie sie auch die schönen Seiten Hamburgs mit Elbe und Övelgönne zeigen. Beide Welten prallen hier aufeinander. Dies gefällt mir ausgesprochen gut, denn nichts wird einseitig dargestellt. Man trifft hier auf die Charaktere, die man schon ins Leserherz geschlossen hat. Knudsen, Eichhorn, La Lotse, Maria und Morf - ich möchte auf keinen von ihnen verzichten müssen. Die Handlung ist wieder extrem spannend - in welche Richtung es geht, verrate ich hier nicht. Das Lesen des Buches klingt allerdings noch lange nach.... Trotz der Brutalität der Mordfälle macht dieses Buch Spaß zu lesen. Durch den lockeren Schreibstil wird es nicht schwermütig und man reist wieder durch Hamburg, entdeckt bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Wunderland und entdeckt kleinere Örtlichkeiten wie das "Grünspan", was jetzt nicht unbedingt Touristenmagnet ist, ich mich aber trotzdem gefreut habe, ihm hier zu begegnen. Ich kann dieses Buch wirklich jedem sehr ans Herz legen!

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Ein beinahe sprachloses Buch

Moosland
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Im Jahr 1949 wirbt die isländische Regierung junge Frauen aus Norddeutschland an, die in Island für ein Jahr dort auf den Bauernhöfen arbeiten sollen. So kommt auch Elsa auf einen einsam gelegenen Hof. ...

Im Jahr 1949 wirbt die isländische Regierung junge Frauen aus Norddeutschland an, die in Island für ein Jahr dort auf den Bauernhöfen arbeiten sollen. So kommt auch Elsa auf einen einsam gelegenen Hof. Sie kann die Sprache nicht, aber das macht ihr nichts aus, denn sie spricht sowieso nicht. Sie lebt in der Vergangenheit, weil sie um ihre Freundin trauert, die sie in Deutschland so tragisch verloren hat. Ganz langsam nur wird sie ein Teil der Bauernfamilie. Sie bemerkt, daß in dieser Familie eine Tochter fehlt, weiß aber nicht, was mit ihr geschehen ist. Das Verhältnis der Söhne zueinander verändert sich durch Elsas Anwesenheit dramatisch. Erst als Elsa bereit ist zu sprechen und mit dem Knecht die isländische Sprache erlernt, kann sie sich in die Menschen hineinversetzen und ihre Abhängigkeit von der Natur besser verstehen.

Katrin Zipses Roman "Moosland" beinhaltet eine sehr außergewöhnliche Geschichte. Da die Hauptperson Elsa sich weigert zu sprechen, lebt dieses Buch anfangs nur von den Beschreibungen der Situationen. Daran muß man sich erst gewöhnen. Aber das lohnt sich total, denn daraus entwickelt sich eine faszinierende Geschichte, die ein Leben in einer ganz fremden Welt beschreibt. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, warum Elsa so traumatisiert ist und ihre Sprache verloren hat. Umso bewegender ist es zu erleben, wie sie in ihrem neuen Leben ankommt. Dieses Buch ist vom Format her nicht sehr groß, aber die Geschichte, die es erzählt, gehört zu den ganz großen.

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