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Veröffentlicht am 15.06.2025

Mit Labskaus erreicht man sein Ziel

Frau Helbing und der verschollene Kapitän
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Frau Helbing, ehemalige Fleischereifachverkäuferin aus Hamburg, besucht ihre Nachbarin Frau Paulsen im Pflegeheim. Dort trifft sie auf Fiete, einen Angelfreund ihres verstorbenen Mannes. Dem muß ich Labskaus ...

Frau Helbing, ehemalige Fleischereifachverkäuferin aus Hamburg, besucht ihre Nachbarin Frau Paulsen im Pflegeheim. Dort trifft sie auf Fiete, einen Angelfreund ihres verstorbenen Mannes. Dem muß ich Labskaus kochen, beschließt Frau Helbing! Jedoch erfährt sie durch Fietes Betreuerin Frau Fischer, daß Fiete bald umziehen wird. Als Frau Helbing gerade das Heim verlassen hat, stürzt Frau Fischer aus dem Fenster, genau neben Frau Helbing. Sie kann ihr gerade noch das mysteriöse Wort "Morf" zuhauchen. Für Frau Helbing steht fest, daß es sich um Mord handelt, schließlich hat sie genug Krimis gelesen. Als dann auch noch Fiete während eines gemeinsamen Ausfluges mit ihr und Pitt, einem weiteren Angelfreund, verschwindet, ist klar, daß Frau Helbing ermitteln muß!

"Frau Helbing und der verschollene Kapitän" ist der zweite Fall für die sympathische Rentnerin Frau Helbing. Dieser kann ohne Probleme einzeln gelesen werden, denn Eberhard Michaely vermittelt alles Wissenswerte ganz nebenbei, so daß man nie das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben. Einzig, daß das Buch so toll ist, da habe ich wirklich das Gefühl Band 1 verpasst zu haben. Frau Helbing ist absolut sympathisch. Ihre Art, sich um andere zu kümmern, ist einzigartig und wertvoll. Gerade um Herrn Paulsen, der plötzlich allein fertig werden muß und auf humorvolle, liebenswerte Art tolpatschig daher kommt, hat sie ein Auge und hilft, wo sie kann. Er war sogar irgendwie mein Lieblingscharakter und hat mich noch enorm überrascht. Aber auch Pitt hat mir gut gefallen. Sie alle sind typische Hamburger, so wie ich sie kennen- und liebengelernt habe. Aber nicht nur die Charaktere machen hier den Hamburger Flair aus, sondern auch die typischen Redensarten, die hier verwendet werden und die Handlungsorte. Man findet sich beim Fischbrötchenessen an den Landungsbrücken wieder oder in einer Kneipe auf St. Pauli, läuft an der Rickmer Rickmers vorbei und sieht Containerschiffe vorbeiziehen. Die Handlung besticht durch eine ruhigere Spannung, die beim Lesen nicht hektisch durch die Seiten hetzt, sondern Spaß macht und entspannen läßt. Ich bin von dieser Serie sehr begeistert!

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Veröffentlicht am 14.06.2025

Mal etwas völlig anderes

Killer-Elli
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Eine alte Dame erschießt einen Rowdy - Kommissar Kahlberg muß die Dame schleunigst finden. Nicht nur als Täterin - auch zu ihrem eigenen Schutz, denn die Komplizen sinnen bestimmt auf Rache. Seine Ermittlungen ...

Eine alte Dame erschießt einen Rowdy - Kommissar Kahlberg muß die Dame schleunigst finden. Nicht nur als Täterin - auch zu ihrem eigenen Schutz, denn die Komplizen sinnen bestimmt auf Rache. Seine Ermittlungen sind schwer, denn die alte Dame wird durch Stillschweigen der Zeugen geschützt.

Rita Janaczek hat mit "Killer-Elli" einen außergewöhnlichen Charakter erschaffen. Man erfährt nach und nach immer mehr über sie und so setzt sich das Bild einer authentischen Täterin zusammen. Sie überzeugt und auf ihre Art fand ich sie sogar sympathisch. Die Autorin wechselt in der Handlung immer wieder die Perspektiven, so daß man ein vielseitiges Bild des Geschehens erhält und die Spannung stets hoch angesiedelt ist. Sie beschreibt alles sehr bildhaft - was an manchen Stellen angebracht ist, an anderen Stellen jedoch etwas übertrieben ist und den Lesefluss leicht stört. Immer wieder streut Rita Janaczek Zeitungsartikel ein, die das vorherige Geschehen beleuchten. Dadurch wird das Geschehen vertieft und aufgearbeitet, was ich als ganz witzige Idee empfand. Die Autorin verfügt über einen leicht lesbaren Schreibstil, bei dem es Spaß macht, die Handlung zu verfolgen. Alles in allem ist "Killer-Elli" ein grundsolider Krimi, den man gern und gebannt liest!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Immer aufpassen, was man ißt!

Schatten über Sømarken
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Hochsommer auf Bornholm. Lennart Ipsen hat Urlaub und freut sich auf eine Woche Mallorca mit seinen Töchtern. Im Restaurant "Argousier" von Lennarts Freundin Maren herrscht Hochbetrieb, sie selbst plant ...

Hochsommer auf Bornholm. Lennart Ipsen hat Urlaub und freut sich auf eine Woche Mallorca mit seinen Töchtern. Im Restaurant "Argousier" von Lennarts Freundin Maren herrscht Hochbetrieb, sie selbst plant mit ihrem Ex-Freund, dem bekannten Fernsehkoch Falk Magnusson eine Kochshow. Während des Essens in Marens Lokal bricht Falk plötzlich tot zusammen. Er wurde vergiftet, der Verdacht fällt auf Maren. Lennart wird aufgrund der persönlichen Beziehung vom Dienst suspendiert. Er ermittelt nun privat und entdeckt Geheimnisse in Marens Leben, die seine Beziehung zu ihr ins Wanken bringt

"Schatten über Sømarken" ist der dritte und bisher persönlichste Fall für Lennart Ipsen. Michael Kobr setzt den Fokus hier auf die hart umkämpfte Gastronomie- und Showszene. Man wirft einen Blick hinter die Kulissen und erfährt, mit welchen Mitteln dort gekämpft wird. Dies ist sehr interessant, ganz im Gegensatz zu den oft ausschweifenden Kochszenen von Maren und Lennart. Dies hat mich oft aus dem Lesefluss geholt und mich auch nicht wirklich interessiert. Dagegen sind Lennart Ermittlungen höchst interessant und man bekommt Einblicke in Marens Vergangenheit, die sie nicht gerade positiv darstellen. Auch ihre bevormundende Art Lennart gegenüber machte sie nicht sonderlich sympathischer. Ich konnte Lennart da in seinem Verhalten und Überlegungen sehr gut verstehen. Dagegen steht das Verhalten Brittas in einem schlechten Licht und man fragt sich, was plötzlich mit ihr los ist. Auch dies bringt Spannung in die Handlung. Wie von Michael Kobr gewohnt ist der Schreibstil einfach herrlich, fast schon sommerlich-leicht. Er beschreibt Bornholm mit solcher Bildhaftigkeit, die jedoch nicht aufdringlich ist, daß man während des Lesens selbst vor Ort ist. Ich mag diese Serie unheimlich gern und freue mich schon jetzt auf eine Fortsetzung - vielleicht mit etwas weniger Kochthema.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Der Strickzirkel ermittelt

Mord bei Schietwetter
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Sefa Pannkok verbringt nach dem Tod ihres Mannes ihren Lebensabend im ostfriesischen Norddeich. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Rita, Gunda, Edith und Conni sowie Kriminalhauptkommissar a. D. Derk trifft ...

Sefa Pannkok verbringt nach dem Tod ihres Mannes ihren Lebensabend im ostfriesischen Norddeich. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Rita, Gunda, Edith und Conni sowie Kriminalhauptkommissar a. D. Derk trifft sie sich regelmäßig zum stricken und klönen. Eines Tages warten sie vergeblich auf Conni und finden sie tot in ihrem Wollgeschäft. Erdrosselt mit ihrem eigenen Strickschal! Stricken wird zur Nebensache - denn jetzt wird ermittelt!

Manuela Sanne hat mit "Mord bei Schietwetter" eine neue Nordsee-Krimiserie ins Leben gerufen. Der erste Fall für den Strickzirkel ist schon sehr vielversprechend. Die Charaktere sind absolut gelungen ausgewählt. Die Mitglieder des Strickzirkels sind allesamt sympathisch. Gerade Derk mit seinem Gnadenhof mochte ich sehr. Gunda bringt Authentizität ins Buch. Ihre Vorliebe zum Platt snacken ist herrlich. Und falls etwas zu kompliziert ist, wird es ja sowieso für Sefa übersetzt. Man hat also keine Verständnisprobleme. Sefa denkt oft an ihren verstorbenen Mann, schreibt ihm Briefe. Dies kann man mögen, mir war es zu sentimental. Der Kriminalfall war spannend, auch wenn ziemlich schnell klar war, in welcher Richtung ermittelt werden muß. Mich hat das nicht gestört, war der Weg zur Überführung des Täters doch zu interessant. Gespickt ist dieser Krimi mit einer feinen Prise Humor, der jedoch nicht im Vordergrund steht. Manuela Sanne beschreibt auch die Region sehr lebendig und realitätsnah. Die Handlungsorte gibt es überwiegend alle wirklich, so daß man Norddeich hier gut wiedererkennt. Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gern weiter!

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Die Welt braucht mutige Frauen

Die Akte Schneeweiß
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Die 14jährige Katja lebt im Jahr 1963 in Bielefeld. Sie hat einen großen Traum - sie will Ärztin werden. Ihre Eltern sind allerdings der Meinung, daß ein Mädchen heiraten und Kinder bekommen soll. Nur ...

Die 14jährige Katja lebt im Jahr 1963 in Bielefeld. Sie hat einen großen Traum - sie will Ärztin werden. Ihre Eltern sind allerdings der Meinung, daß ein Mädchen heiraten und Kinder bekommen soll. Nur ihr Großvater unterstützt Katja bei ihren Zukunftsplänen. Eines Tages verschwindet Katjas Großvater spurlos und die Erwachsenen schweigen hartnäckig. Viele Jahre später studiert Katja gegen den Willen ihrer Eltern tatsächlich Medizin. Sie vermißt ihren Großvater immer noch, deshalb sucht sie zusammen mit ihrer Schwester nach Erklärungen für sein Verschwinden. Sie stoßen dabei auf die schockierende Geschichte einer jungen Frau namens Mathilde Schneeweiß. Sie war die Schwester ihres Großvaters und kämpfte in den 1940er Jahren mutig für die Rechte der Frauen, obwohl sie sich damit in Lebensgefahr brachte. Ihr Schicksal hat das Leben von Katjas Großvater entscheidend beeinflusst. Katja will Mathildes Kampf weiterführen, denn es gibt noch viel zu tun.

Selten hat mich ein Buch so beeindruckt wie "Die Akte Schneeweiß" von Felicitas Fuchs. Die Geschichte hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Wobei es ja eigentlich gleich zwei berührende Geschichten sind, die so ineinander verwoben sind, daß es die eine Geschichte ohne die andere wahrscheinlich nicht gegeben hätte. Alle Charaktere sind ein Spiegel der jeweiligen Zeit. So ist die Angst der Menschen in den 1940er Jahren deutlich spürbar, aber auch die spießigen 1960er Jahre werden klar dargestellt. Für jede Zeit hat Felicitas Fuchs mit sehr viel Feingefühl den richtigen Ton getroffen. Man kann sich so tatsächlich in die Geschichte hineinversetzen, sie miterleben und nicht nur darüber lesen. Dieses Buch macht das Lesen zum Erlebnis!

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