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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2026

Interessantes Thema zu oberflächlich dargestellt

Wo das Schweigen wohnt
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Die Familiengeschichte über mehrere Generationen, die ihren Anfang gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im schwer umkämpften Ostpreußen nimmt, ist durchaus spannend. Margret, die von dort fliehen muss, hat ...

Die Familiengeschichte über mehrere Generationen, die ihren Anfang gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im schwer umkämpften Ostpreußen nimmt, ist durchaus spannend. Margret, die von dort fliehen muss, hat ein schweres Schicksal zu tragen, das zunächst sie sehr prägt und traumatisiert und dann auch auf ihre Nachkommen übergeht. Stellenweise sehr spannend und anschaulich geschildert, insbesondere der schwer verdauliche Teil über Flucht und Vertreibung, wirkt die Handlung insgesamt zu sehr konstruiert und es wird etwas zu viel hinein gepackt, so dass die Lebensgeschichte aller Protagonisten letztlich unglaubwürdig wirkt. Zudem werden viele Themen nur sehr oberflächlich angekratzt (was eben dem Umstand geschuldet ist, dass die Autorin zu viele Themen auf verhältnismäßig wenige Seiten packen wollte/musste). Am Ende löst sich alles viel zu schnell auf und was eben noch grau war, ist von jetzt auf gleich rosarot. So wird viele Potential, das die ursprüngliche Geschichte bietet, verschenkt. Ich war am Ende daher leider etwas enttäuscht.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Lesenswerter Gesellschaftsroman mit Längen

Real Americans
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Mit „Real Americans“ hat Rachel Khong einen vielschichtigen Gesellschaftsroman geschaffen, der in drei Abschnitten das Leben und Schicksal einer jungen Amerikanerin, sowie deren Eltern, eines Wissenschaftlerpaares, ...

Mit „Real Americans“ hat Rachel Khong einen vielschichtigen Gesellschaftsroman geschaffen, der in drei Abschnitten das Leben und Schicksal einer jungen Amerikanerin, sowie deren Eltern, eines Wissenschaftlerpaares, das vor Maos Kulturrevolution aus China in die USA geflohen ist, und ihrem Sohn schildert.
Die Handlung spielt im wesentlichen in den Jahren um die Jahrtausendwende, um die Zeit der Coronapandemie und im Jahr 2030, springt aber unter anderem auch zurück zu Maos Diktatur in China.
Der erste Abschnitt, der die junge Lily Chen dabei begleitet, wie sie nach ihrem Studienabschluss in New York Fuß fassen möchte, hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Lilys Gefühlswelt wird dabei sehr detailliert geschildert mit ihren Versuchen im knallharten Medienbusiness ebenso wie im gesellschaftlichen Leben ihren Platz zu finden. Man ist dabei mittendrin in Manhattans China Town rund um die Ereignisse des 11. September 2001 und erhält einen tiefen Einblick in das Leben asiatischer Einwanderer.
Der 2. Abschnitt stellt einen harten Bruch dar. Ich möchte hier für künftige Leser nicht zu viel vorwegnehmen. Im Mittelpunkt steht jedoch vor allem Lilys Sohn Nik knappe 20 Jahre später, während er die Schule abschließt, ein Studium beginnt und herauszufinden versucht wer er wirklich ist. Dies klingt zwar spannend, ist aus meiner Sicht jedoch an etlichen Stellen zu langatmig – man könnte auch sagen langweilig – geraten. Dieser Abschnitt hat mich am wenigsten angesprochen und ich musst mich teilweise durch die Kapitel quälen.
Interessanter wird es dann wieder im letzten Abschnitt, bei dem vor allem das Schicksal von Niks Großmutter und Lilys Mutter im Mittelpunkt steht und einige lose Fäden aus den vorigen Abschnitten zusammengeführt werden. Auch hier möchte ich nicht zu viel verraten, aber es geht um durchaus wichtige gesellschaftliche Themen und die Handlung regt zum Nachdenken an.
Unter dem Strich war es für mich ein lesenswerter Roman mit etlichen unterschiedlichen Facetten, der mich einerseits in großen Teilen angesprochen hat, aber vor allem wegen der Längen im zweiten Teil dennoch sein Potential nicht voll ausgeschöpft hat. Das Buch ist durchaus lesenswert, jedoch insgesamt nur gehobener Durchschnitt.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Großes Potential verschenkt

Hazel sagt Nein
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Ohne längeren Einstieg nimmt die Handlung von „Hazel sagt nein“ zunächst sehr schnell Fahrt auf. Gerade aufgrund der recht einfachen Sprache mit kurzen Sätzen wirkte der Anfang mit dem übergriffigen Direktor ...

Ohne längeren Einstieg nimmt die Handlung von „Hazel sagt nein“ zunächst sehr schnell Fahrt auf. Gerade aufgrund der recht einfachen Sprache mit kurzen Sätzen wirkte der Anfang mit dem übergriffigen Direktor umso kälter und verletzender auf mich und damit sehr realistisch. Auch die unmittelbaren Folgen für Hazel, aber auch ihre Familie werden sehr eindringlich geschildert und haben mich schnell in ihren Bann gezogen.
Im weiteren Verlauf schweift die Handlung jedoch zu sehr ab und verliert das eigentliche (sehr wichtige und aktuelle) Thema stellenweise komplett aus dem Fokus. Alltägliche Probleme wie das wenig erfüllende Hausfrauendasein der Mutter, Karriereüberlegungen des Vaters oder Hazels erster Schwarm für einen jungen Studenten nehmen zu viel Platz ein. Dadurch wird das Buch stellenweise regelrecht seicht und lässt jeglichen Tiefgang vermissen, der dem Thema sexuelle Belästigung in einer solch drastischen Form gerecht werden würde. Damit wird ein riesiges Potential letztlich verschenkt und aus dem starken ersten Teil wird am Ende eine Art Familienroman, der zwar leicht zu lesen und unterhaltsam ist, aber leider nicht mehr das bietet, was man ursprünglich erwartet hat.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Regt zum Nachdenken über das Leben an

Jetzt gerade ist alles gut
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Das Buch kommt in Form von Kurzgeschichten daher, die zwar eine gemeinsame Klammer verbindet, ansonsten aber nahezu unabhängig voneinander sind. Darin erzählt der Auto kleine Geschichten und Begegnungen, ...

Das Buch kommt in Form von Kurzgeschichten daher, die zwar eine gemeinsame Klammer verbindet, ansonsten aber nahezu unabhängig voneinander sind. Darin erzählt der Auto kleine Geschichten und Begegnungen, die er im Anschluss an eine zunächst harmlos wirkende, letztlich aber fast lebensbedrohliche Verletzung erlebt.
In ruhiger, warmherziger Sprache schildert er in den einzelnen Episoden, worauf es im Leben wirklich ankommt. Damit regt das Buch zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Lebensstils an und wird so zu einer Art Ratgeber in Romanform. Mich hat es sofort angesprochen und zu etlichen Gedanken inspiriert. Ich empfehle das Buch nicht in einem Rutsch zu lesen, sondern häppchenweise und dazwischen den eigenen Gedanken dazu immer wieder genügend Zeit und Raum zu geben. Dann entfaltet es am besten seine Wirkung.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Zuviel Action, nur phasenweise spannend – hat mich nicht komplett überzeugt

Kälter
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Nach gemächlichem Beginn auf der beschaulichen Nordseeinsel Amrum, explodiert die Handlung im wahrsten Sinne des Wortes fast aus dem Nichts. Stellenweise wirkt der Roman wie ein Hollywood-Actionfilm zwischen ...

Nach gemächlichem Beginn auf der beschaulichen Nordseeinsel Amrum, explodiert die Handlung im wahrsten Sinne des Wortes fast aus dem Nichts. Stellenweise wirkt der Roman wie ein Hollywood-Actionfilm zwischen zwei Buchdeckeln – nicht nur so rasant und spannend, sondern auch so maßlos übertrieben, wenn die Protagonistin sich wieder einmal gegen eine Übermacht an Gegenspielern durchsetzt. Dann wiederum plätschert die Erzählung ziemlich lange spannungsarm vor sich hin. Durch diese Kapitel habe ich mich teilweise gequält, nur weil ich halt doch wissen wollte, wie es dann irgendwann mit Luzys Rachefeldzug weitergeht.
Einige in die Handlung eingebettete historische Ereignisse, insbesondere die Tage rund um den Fall der Mauer in Berlin, sind sehr gut beschrieben und haben mich noch einmal in diese Zeit hinein versetzt. Verwirrend fand ich jedoch die Verknüpfung vieler fiktiver Ereignisse mit realen historischen Begebenheiten, insbesondere Anschläge der RAF und anderer Terroristengruppen. Hier musste ich teilweise googeln, was davon wirklich geschehen ist.
Unterm Strich fand ich das Buch nur phasenweise spannend, obwohl es andererseits etwas überfrachtet wirkt. Zu viele Leichen, zu viele Zufälle, zu viele schwer verständliche Verstrickungen der internationalen Geheimdienste. Zudem konnte ich mich mit Andreas Pflügers Schreibstil nicht so richtig anfreunden. Darum kann ich den Hype um seine Romane nicht unbedingt nachvollziehen und das Buch nur eingefleischten Fans actiongeladener Spionageromane empfehlen.

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