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Veröffentlicht am 30.06.2025

Geheimnis im Cottage am Meer

Dieser Sommer gehört uns
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Sommer wie Winter steht bei mir ein neuer Sarah Morgan Roman auf dem Leseplan. Und diesmal haben wir schon wieder eine Änderung des Covers erfahren müssen!
Zuerst war es an den Sommerroman aus dem letzten ...

Sommer wie Winter steht bei mir ein neuer Sarah Morgan Roman auf dem Leseplan. Und diesmal haben wir schon wieder eine Änderung des Covers erfahren müssen!
Zuerst war es an den Sommerroman aus dem letzten Jahr angelehnt und wurde kurz vorher wieder getauscht in dieses eher nichtssagende Cover, welches ihr oben sehen könnt. Ich denke aber, dass letztes Jahr das komplett neu orientierte Cover von "Im Sommer treffen wir uns wieder" irgendwie unterging oder eben keinerlei Wiedererkennungseffekt für Sarah Morgan Fans hatte. Ich verstehe einfach nicht, warum die Cover immer wieder geändert werden und nicht an das englische oder amerikanische Cover angelehnt wird. Diese haben Wiedererkennungswert und passen einfach zur Geschichte. Doch eigentlich geht es ja um den Inhalt....

Diesmal lernen wir Cecilia Lepthorne kennen, die kurz vor ihrem 70. Geburtstag steht. Ihre Tochter Kristen hat bereits ein großes Fest zu ihrem runden Geburtstag organisiert, welches aber gleichzeitig auch als eine Hommage an Cecilias Ehemann Cameron gelten soll, der vor einem Jahr verstorben ist. Cameron war ein berühmter Künstler und Cecilia hat nicht vor, ihren eigenen Geburtstag als Gedenkfeier für ihren untreuen Ehemann zu begehen und flieht nach Cape Code. Ziel ist ein kleines Cottage am Meer, welches Cameron eigentlich verkaufen hätte sollen und welches seit Jahren leer steht. Früher war es ein geheimes Plätzchen für das Ehepaar, ein Zufluchtsort, wo sie sich künstlerisch austobten und sich vom Trubel und den Kindern zurückziehen konnten. Doch nachdem Cameron Cecilia mit einer jungen Frau in ihrem Cottage betrogen hat, war Cecilia nie mehr dort. Um die Instandhaltung kümmert sich seitdem eine Putzfirma.
Nun kommen die Erinnerungen wieder hoch und Cecilia würde am liebsten alles hinter sich lassen, denn sie hütet ein Geheimnis, welches das Leben ihrer Familie auf den Kopf stellen könnte...

Lily hat ihr Medizinstudium abgebrochen, welches sie nur wegen dem Druck ihrer Eltern begonnen hat. Sie träumt schon seit Jahren von einem Kunststudium, doch ihre Eltern waren dagegen und haben nun die finanzielle Unterstützung beendet. Seitdem putzt Lily Häuser in Cape Code und kann trotzdem ihre Miete nicht bezahlen. Sie weiß, dass das Cottage der Lapthornes immer leer steht und quartiert sich aus Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten dort ein. Außerdem liebt sie das Licht im ehemaligen Atelier, wo sie die meiste Zeit verbringt um selbst zu malen. Sie findet endlich ihre innere Ruhe und Geborgenheit.
Doch eines Tages steht Cecilia im Wohnzimmer des Hauses und die beiden treffen aufeinander. Lily kennt Cecilia, denn deren Enkelin Hannah ist ihr beste Freundin. Seit einem großen Streit wegen Lilys Abbruch des Medizinstudiums haben sie sich aber nicht mehr gesehen. Cecilia lässt Lily weiter im Cottage wohnen und beide finden die eine oder andere Gemeinsamkeit. Cecilia unterstützt Lilys Malerei, denn sie erkennt in den Zeichnungen ihr Talent.
Doch die Ruhe wird bald gestört, denn Cecilias Enkel Todd hat herausgefunden, wo sich seine Großmutter versteckt...

Wie gewohnt erzählt Sarah Morgan wieder abwechselnd aus der Sicht von Cecilia und Lily, aber auch aus der Sicht von Kristen, die ein sehr bestimmender Charakter ist und ihren Vater vergöttert hat. Zu ihrer Mutter konnte sie keine richtige Nähe aufbauen. Sie versteht deren Flucht nicht und hat selbst Probleme in ihrer Ehe mit Theo. Der Unfallchirurg hatte nie Zeit für seine Familie und Kristen fühlt sich einsam und unverstanden. Durch den Tod des Vaters ist sie in ein tiefes Loch gefallen....
Alle drei Frauen kämpfen mit ihren eigenen Dämonen. Cecilia stand immer im Schatten ihres berühmten Ehemannes, dabei hat sie selbst ebenfalls Kunst studiert und hatte bereits einigen Erfolg. Lily wird immer wieder zu etwas gedrängt, was sie nicht will - fühlt sich aber ihren Eltern gegenüber schuldig, die ihr ihr Studium finanziert haben. Sie ist unsicher und hat wenig Selbstvertrauen.

Der Schreibstil ist wie immer locker und kurzweilig. Sarah Morgans Figuren sind sehr lebendig gezeichnet und man hat das Gefühl diese alle persönlich zu kennen. Die Charaktere sind vielschichtig und die Emotionen sind spürbar. Die bildhaften Beschreibungen der Landschaft rund um das Cottage am Meer passt hervorragend in die Sommerzeit. Aber auch die Malerei kommt nicht zu kurz.


Fazit:
Wieder ein berührender Roman der Autorin, der einige Themen anspricht und trotz Ernsthaftigkeit etwas Leichtigkeit versprüht. Mir hat "Dieser Sommer gehört uns" sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Eine besondere letzte Reise

Amore in italiano
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Lucia steckt in einer Lebenskrise. Ihr steht eine Scheidung ins Haus, ihre pubertierenden Töchter Vanessa und Sandra rauben ihr die letzten Nerven und seit dem Tod der Mutter muss sie sich noch neben ihrem ...

Lucia steckt in einer Lebenskrise. Ihr steht eine Scheidung ins Haus, ihre pubertierenden Töchter Vanessa und Sandra rauben ihr die letzten Nerven und seit dem Tod der Mutter muss sie sich noch neben ihrem Job um ihren Vater Alberto und den pflegebedürftigen Bruder Gianni kümmern. Ihr Nervenkostüm ist angespannt und ein Urlaub sollte endlich für etwas Entspannung sorgen. Doch die finanzielle Situation lässt dies nicht zu. Die Mädchen sind wütend, der Großvater, der die Asche seiner Frau in seine italienische Heimat bringen möchte, ist verletzt. Zusätzlich ist die Beziehung zwischen Vater und Tochter von jeher etwas angespannt.
In einer Nacht und Nebelaktion macht sich Alberto mit Gianni auf den Weg nach Italien. Er möchte die Reise, die er mit seiner Frau Cristina gemacht hat, bevor sie nach Deutschland auswanderten, noch einmal erleben. Er mietet sich eine Vespa und fährt mit Gianni all die Orte ab, die er mit seiner großen Liebe verbindet. Allerdings unterschätzt Alberto sein Alter und seinen geistig beeinträchtigten Sohn, was manchmal einige Probleme mit sich bringt....

Lucia bleibt nichts anderes übrig, als ihrem Vater und ihrem Bruder zu folgen. Anhand von alten Postkarten, die ihre Eltern damals an ihre Tante geschickt haben, versucht Lucia die Orte zu finden, die ihr Vater besuchen könnte. Mit zwei missmutigen Teenagern startet sie ihren Roadtrip von Norden nach Süden, während Alberto und Gianni von Neapel aus Richtung Norden fahren....

Wir folgen abwechselnd Lucia und ihren Töchtern, wie auch Alberto und Gianni. In Rückblenden erfahren wir von einer großen Liebe, die sich gegen alle Konventionen aufgelehnt hat und noch über den Tod hinaus spürbar ist. Alberto und Cristinas Liebe ist durch die Zeilen hindurch spürbar und die Erinnerungen schmerzhaft, aber auch unglaublich schön.

Durch die beiden unterschiedlichen Roadtrips ist man in ganz Italien unterwegs. Mit bildhaften Beschreibungen der Landschaft und speziellen Plätzen ist man als Leser direkt dabei und hat jede Menge Kopfkino. Man spürt "La dolce Vita" und genießt die wundervolle Atmosphäre, die Urlaubsfeeling versprüht - auch wenn die Themen hier tiefer gehen und man nicht immer nur ein Wohlfühlbuch in der Hand hat.
Die Figuren entwickeln sich weiter und vor allem das Zusammenwachsen der Familie habe ich genossen. Lucia konnte ich in vielen Belangen verstehen, auch wenn sie oftmals durch ihren Perfektionismus und ihrer ruppigen Art nicht ganz so sympathisch rüberkommt. Ich habe jedoch ihre immense Überforderung gespürt und habe mich gefreut, dass sie etwas zurück ins Leben findet. Die Vergangenheit ihres Vaters bringt die Beiden durch diesen Roadtrip endlich ein bisschen näher und Lucia beginnt ihn besser zu verstehen. Neben einigen berührenden Momenten kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Nur zum Ende hin wurde es mir etwas zu kitschig und zu sehr auf Happy End getrimmt. Das hätte nicht unbedingt sein müssen.

Das nostalgische Cover, auf dem man Alberto und Cristina wähnen kann, ist sehr gelungen. Die Farbgebung und auch diese Art von Vintage-Zeichnungen mag ich sehr.

Fazit:
"Amore in Italiano" ist ein atmosphärischer Roadtrip auf zwei Zeitebenen um Familie, Verlust und einem Neuanfang. Besonders für Italienliebhaber eine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Wem kann man glauben?

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit
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"Die Insel" ist mein zweiter Thriller von Ulf Kvensler. Sein Vorgänger "Der Ausflug" war spannend, aber das offene Ende hat mich ziemlich enttäuscht zurückgelassen. Doch dann gab es bei Lovelybooks eine ...

"Die Insel" ist mein zweiter Thriller von Ulf Kvensler. Sein Vorgänger "Der Ausflug" war spannend, aber das offene Ende hat mich ziemlich enttäuscht zurückgelassen. Doch dann gab es bei Lovelybooks eine Verlosung und ich hatte ausnahmsweise einmal bei einem Thriller Glück. "Die Insel" hat nun meine Erwartungen erfüllt. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen ausgelesen!

Isak hat als Kleinkind seine Mutter und seine kleine Schwester bei einem Hausbrand verloren. Der Vater hat ihn daraufhin beim Großvater zurückgelassen, bei dem er aufgewachsen ist. Mittlerweile ist Isak Pfleger und lebt mit seiner Freundin Madde in einer kleinen Wohnung in der Stadt. Als sich plötzlich nach zwanzig Jahren Funkstille sein Vater Fredrik meldet und ihn zu sich nach Gotland einlädt, fällt Isak aus allen Wolken. In der Zwischenzeit ist Fredrik ein berühmter Künstler geworden, dessen Bilder hohe Summen erzielen. Nachdem sein Vater erfahren hat, dass er an einem Gehirntumor leidet und bald sterben wird, möchte er Isak und Madde in seinem Haus auf die Insel Fårö bei Gotland einladen. Die Zweifel nagen an Isak, aber schlussendlich machen sich beide gegen den Rat des Großvaters auf nach Gotland, um noch eine gewisse Zeit zusammen zu verbringen. Doch ist das der einzige Grund, warum Fredrik Isak und Madde zu sich holen will? Und warum hat er sich zwanzig Jahre nicht gemeldet?

Die ersten Tage ist Isak überwältigt von Reichtum und dem Umfeld seines Vaters. Doch immer mehr hat man beim Lesen das Gefühl, dass er sein Leben immer weniger im Griff hat. Der gutmütige junge Mann lässt sich zu untypischen und gefährlichen Handlungen hinreißen und vom Vater manipulieren. Immer wieder quälen ihm Alpträume, die schrecklich real wirken. Alkohol und andere Rauschmittel werden vielfach konsumiert und geben weitere Rätsel betreffend Wahrheiten oder Fiktion auf.
Einige Kapitel, die immer wieder eingeblendet werden, machen die Geschichte noch rätselhafter, denn Isak sitzt in einer Haftanstalt ein. Erst zum Ende wird klar, welches Verbrechen er begangen hat. In Rückblenden erfährt man zusätzlich noch mehr aus seiner der Kindheit. Dieser Perspektivwechsel bringt zusätzliche Spannung in den gut konstruierten und fesselnden Plot. Der Schreibstil ist sehr dialoglastig und äußerst atmosphärisch. Wie bereits in "Der Ausflug" gelingt es dem Autor die Natur sehr bildhaft einzufangen. Auch die elitäre Kunstszene, in der sich Fredrik bewegt, wird ungeschönt dargestellt.

Die Figuren sind sehr vielschichtig gezeichnet. Isak war mir zu Beginn sehr sympathisch. Im Laufe der Geschichte verändert er sich jedoch und zeigt Verhaltensweisen, die ihn mir immer unsympathischer werden ließen. Sein Vater war hingegen von Beginn an ein Kotzbrocken! Ein Manipulator seinesgleichen! Menschliche Abgründe tun sich immer mehr auf, umso länger man liest! Gruselig und etwas unklar ist die Rolle von Barbro, die in Fredriks Haus wohnt.
Trotzdem fragt man sich immer wieder, was hier eigentlich dahinterstecken mag. Die dichte psychologische Spannung hält sich bis zum Ende aufrecht.
Die teilweise düstere Stimmung und zahlreiche Wendungen lassen einem misstrauisch werden und man weiß bald nicht mehr, wem man trauen kann und wer die Wahrheit spricht. Szenarien wie diese, mag ich sehr.

Ab einem gewissen Zeitpunkt war ein Teil der Handlung vorhersehbar, was den Überraschungseffekt etwas gelindert hat. Der Spannungsbogen blieb aber trotzdem hoch und es gab noch einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte.


Fazit:
Ein psychologischer Thriller, der nicht nur die Figuren in der Geschichte, sondern auch die Leser manipuliert. Spannung vom Feinsten und vielschichtige Charaktere erzeugen einen fesselnden Thriller, den ich gerne weiter empfehle!

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Das Sterben beginnt

Aschesommer
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Nachdem ich "Krähentod" von Benjamin Cors gelesen habe, freute ich mich schon auf seinen neuen Thriller um die Sonderermittlergruppe 4 mit Jakob Krogh und Mila Weiss. Während mich der erste Band noch nicht ...

Nachdem ich "Krähentod" von Benjamin Cors gelesen habe, freute ich mich schon auf seinen neuen Thriller um die Sonderermittlergruppe 4 mit Jakob Krogh und Mila Weiss. Während mich der erste Band noch nicht ganz für eine Höchstbewertung überzeugen konnte, hat es "Aschesommer" nun geschafft.

Über eine mysteriöse Todesanzeige mit Koordinaten zur "Trauerfeier" finden Jakob und Mila auf einem verlassenen Bauernhof eine Tiefkühlkammer mit zwei erfrorenen Leichen. An der Wand eine rätselhafte Botschaft in Asche geschrieben: "Das Sterben hat begonnen".
Weitere Todesopfer mit derselben Botschaft folgen und führen das Team zu Paläontologen Jan-Christian Bode. Der Wissenschaftler sitzt jedoch seit acht Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung, nachdem er zwei Studenten und seine Frau brutal ermordet hat. Als er noch als Wissenschaftler gearbeitet hat, schrieb er einige Bücher über das Massensterben im Laufe der Erdgeschichte. Die Botschaften aus Asche erinnern an seine Werke, jedoch kann Bode nicht der Täter sein. Wer steckt also hinter den brutalen Morden? Und kann das Sonderermittlerteam diese stoppen?

Benjamin Cors hält sich nicht mit viel Geplänkel auf, sondern wir steigen direkt ins Geschehen ein. Die Morde und die Ausführung sind grausam und werden bildhaft beschrieben. Generell ist der Schreibstil temporeich, atmosphärisch und dialoglastig. Die brütende Sommerhitze und die Zeit, die den Ermittlern davon läuft, ist immer im Hintergrund spürbar. Atmosphärisch ist der Thriller wirklich gelungen.

Die Ermittler, die ich im ersten Band der Reihe noch mit "es gibt noch etwas Potenzial nach oben" bei der Charakterzeichnung beschrieben habe, sind mir im zweiten Band schon ans Herz gewachsen. Vor allem die quirlige IT-lerin Lucy ist eine absolute "Marke" und bringt Schwung in die Gruppe. Umso schöner wäre es, noch mehr über den Hintergrund der weiteren Teammitglieder zu erfahren.
Einige Gerüchte um den Fortbestand des Teams wecken hingegen Zweifel bei der Gruppe 4. Staatsanwalt Sattmann möchte Einsparungen treffen und die "Doppelspitze" mit nur einem Top-Ermittler ersetzen. Natürlich wird - wie immer - der männliche Part bevorzugt. Doch Jakob lehnt diesen Vorschlag kategorisch ab.

Psychopath Jan-Christian Bode wird sehr komplex und beängstigend dargestellt. Er ist ein hochintelligenter Manipulator und Planer. Beim Lesen erhält man ein sehr ungutes Gefühl, wenn er auftaucht. Immer wieder ist er den Ermittlern voraus und spielt seine Überlegenheit gekonnt aus.
Das Thema bzw. der Plot für die Mordfälle fand ich sehr interessant und ist Neuland.
Auch wenn ich Ermittler mit persönlichen Problemen, die noch immer gegen ihre eigenen Dämonen kämpfen, bei Thriller immer mehr aus dem Weg gehe, hat mich der hohe Spannungsanteil und die fesselnde Erzählweise davon abgelenkt. Trotzdem gibt es eine kleine Kritik! Die Schuldgefühle und die vorhandenen "Dämonen" müssen nicht laufend wiederholt werden. Als Leser weiß man bereits davon...

Die Spannung ist von der ersten Seite an hoch und die temporeiche Erzählweise lässt einem kaum Luft holen. Zum Ende hin gibt es noch zwei überraschende Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Der Fall wird logisch aufgeklärt und lässt keine Fragen offen.

Die verwelkte Sonnenblume am Cover ist absolut gelungen, denn sie passt hervorragend zum Inhalt. Da muss ich dem Verlag gratulieren!

Wer den ersten Band "Krähentage" noch nicht gelesen hat, sollte sich eher an die chronologische Reihenfolge halten, denn in "Aschesommer" werden einige Geheimnisse aus dem ersten Band preisgegeben!

Fazit:
Temporeich, spannend, grausam - ein absoluter Pageturner, den ich allen Thrillerfans gerne weiterempfehle. Ich rate jedoch zuvor den ersten Band zu lesen!

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Gefälschte Schmuckstücke?

Gold aus der Wiener Werkstätte
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Mit "Gold in der Wiener Werkstätte" sind wir zum zweiten Mal mit Ermittler Max von Krause und Lilli Feigl im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts unterwegs.
Lilli ist mittlerweile fest als Putzfrau in der ...

Mit "Gold in der Wiener Werkstätte" sind wir zum zweiten Mal mit Ermittler Max von Krause und Lilli Feigl im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts unterwegs.
Lilli ist mittlerweile fest als Putzfrau in der Wiener Werkstätte angestellt und steht auch diesmal neben Max im Fokus der Handlung.
Als in einem Hotel eine Prostituierte tot aufgefunden wird, soll der Mord an der Frau auf Befehl von Oberkommissar Sobotka, Max von Krauses Vorgesetzten, vertuscht werden. Sobotkas Cousin ist der Inhaber des Hotels Kaiserkrone, dem der Ruf des Hauses wichtiger ist, als die Aufklärung eines Mordfalles. Max denkt jedoch nicht daran den Befehl zu befolgen, vor allem nachdem er wertvollen und auffälligen Schmuck bei der Toten gefunden hat. Dieser wurde eindeutig in der Wiener Werkstätte gefertigt. Darum führt sein Weg wieder zu Lilli Feigl, die das Schmuckstück sofort wiedererkennt. Die künstlerisch begabte Lilli hat den Entwurf nämlich mitkreiert, nachdem sie Goldschmied Alfred Pribil etwas zur Hand gegangen ist, der sie - natürlich unentgeltlich - um Hilfe bat. Lilli fällt jedoch auf, dass nicht die Initialen der Wiener Werkstätte, sondern statt den beiden "W"s zwei "M" eingraviert sind. Hat Pribil gegen den Code der Wiener Werkstätte verstoßen, die nur Unikate herstellen darf?
Als eine weitere Tote aufgefunden wird, die ebenfalls dieselben Schmuckstücke in ihrem Besitz hat, muss Pribil zugeben, dass er insgesamt drei Kopien der Schmuckstücke angefertigt hat. Wird es noch zu einen weiteren Mord geben? Lilli und Max versuchen beide auf ihre Weise dem Täter auf die Spur zu kommen....

Beate Maly hat sich diesmal an einem realen Fall orientiert, der 1906 ein riesiger Skandal war. Die Bordellbesitzerin Regine Riehl hat jahrelang sehr junge Mädchen ihren Eltern abgekauft, sie eingesperrt und als Prostituierte arbeiten lassen. Riehl hatte Männer aus den höchsten gesellschaftlichen Reihen und auch Polizeibeamte als Kunden. Diese sahen bei diversen Kontrollen einfach weg und überließen die Mädchen ihrem Leid.

Max von Krause hat diesmal sehr starken Gegenwind von seinem Vorgesetzten Sobotka, der gegen ihn arbeitet. Zusätzlich sonnt er sich in Max Erfolgen und gibt diese als seine aus, während er täglich im Kaffeehaus sitzt und dem Nichtstun frönt.
Auch in der Wiener Werkstätte erleiden die weiblichen Künstlerinnen ähnliches. Während Männer sich in allen Sparten künstlerisch betätigen dürfen, sind diese für Frauen eingeschränkt. Oftmals wird auch statt der eigentlichen Künstlerin ein männlicher Name auf dem Kunststück verewigt.
Sehr gefallen hat mir, dass wir diesmal auch wieder Fanny Harflinger-Zakucka in der Wiener Werkstätte begegnen dürfen, die in meinem Geburtsort geboren wurde und die ich bereits bei meiner Bloggerpost zur Lesung von Beate Maly klick erwähnen durfte.

Die Charaktere sind wieder sehr lebendig beschrieben. Max Mutter ist ein Unikat aus alten, aber verarmten Adelsgeschlecht, die unbedingt ihren Sohn standesgemäß verheiratenwill. Nach wie vor ist sie mit seiner Berufswahl nicht einverstanden und zieht im Hintergrund ihre Fäden für eine Beförderung ihres Sohnes. So muss Max nicht nur vor seinem Vorgesetzten "fliehen", sondern auch von seiner Mutter.
Auch Lilli muss sich weiterhin um ihren alkoholkranken Vater sorgen, der immer wieder neue Schulden anhäuft. Zusätzlich kümmert sie sich auch um die Kinder ihrer verarmten Nachbarin Grete, die auf nicht ganz legale Art Geld zu verdienen versucht. Dabei gerät sie unweigerlich in Gefahr...

Beate Maly hat die damalige Zeit wieder hervorragend eingefangen. Die Einwohner Wiens, die aus Menschen aus der reichen Oberschicht, verarmten Adeligen, Handwerkern und Tagelöhnern besteht - sind ein buntes Sammelsurium und lassen tief in die damalige Wiener Gesellschaft blicken.
Die Autorin hat einige (alt-)österreichische Wörter verwendet, die noch mehr Lokalkolorit verströmen. Die oft spritzigen Dialoge runden den Gesamteindruck hervorragend ab. Wieder ein absolut gelungener historischer Krimi!

Fazit:
Ein sehr gelungener Kriminalroman im alten Wien um die Jahrhundertwende. Ich freue mich, dass es mit Ermittler Max von der Krause und Lilli Feigl weitergeht und wir weitere Einblicke in die Welt der Wiener Werkstätte bekommen. Mir hat das Lesen wieder sehr viel Spaß bereitet und ich freue mich bereits auf den - hoffentlich kommenden - dritten Band.

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