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Veröffentlicht am 15.01.2018

Kia Ora - Willkommen in Neuseeland!

Für dich bis ans Ende der Welt
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Neuseeland....mein absolutes Traumland, das ich wohl nie bereisen werde, aber das ich immer schon gerne mal sehen wollte. Deswegen verschlinge ich auch alle möglichen Romane, Krimis usw., die in diesem ...

Neuseeland....mein absolutes Traumland, das ich wohl nie bereisen werde, aber das ich immer schon gerne mal sehen wollte. Deswegen verschlinge ich auch alle möglichen Romane, Krimis usw., die in diesem Land spielen.
Bei Lovelybooks hatte ich Glück und gewann den Roman "Für dich bis ans Ende der Welt" von Kate Dakota - eine Mischung aus Liebesroman, einem düsteren Familiengeheimnis und kleinen Krimielementen.

Die junge Deutsche Madeleine Schumann benötigt dringend einen Tapetenwechsel und bewirbt sich kurzerhand auf eine Annonce. Im weit entfernten Neuseeland sucht eine ältere Dame eine Gesellschafterin. Da Madeleine auch ausgebildete Krankenschwester ist, passt sie perfekt in das gewünschte Profil und sitzt schneller als sie denken kann im Flugzeug ans andere Ende der Welt.
Victoria Hall lebt mit ihren beiden Enkelsöhnen Matthew und Randy, ihrer Haushälterin Tahuna und deren Eltern Ivy, Victorias bester Freundin, und deren Ehemann Aka auf Halls Eden. Ihr aller Leben wird von Geheimnissen und Schicksalschlägen begleitet. Um etwas frischen Wind auf Hall's Eden zu bringen, hat sie die Annonce aufgegeben, die nun Madeleine auf die Südinsel Neuseelands bringt. Randy und Matt sind anfangs alles andere als erfreut über den Neuzugang.

Die Geschichte lebt großteils von den starken Charakteren, sowie vom Geheimnis rund um das Verschwinden von Duncan und einen vor 150 Jahren stattgefundenen Hinterhalt, der einen ganzen Maoristamm fast ausgelöscht hat. Es gibt viele Tragödien und Geheimnisse zu entschlüsseln. Der Fokus liegt somit auf dem großen Familiengeheimnis der Halls und der Geschichte rund um die Maori.

Charaktere:
Die Charaktere der Haupt- und auch der Nebenprotagonisten sind sehr facettenreich und lebendig beschrieben. Sie sind weder wunderhübsche, schlanke oder muskelbepackte Schönheiten, wie man immer wieder in vielen Liebesromanen oder YA-Büchern lesen kann, sondern Menschen mit Ecken und Kanten und jeder Menge Probleme.

Maddy ist eine sehr verunsicherte und schüchterne junge Frau, die sich durch ihre körperliche Behinderung nicht als ganzer Mensch fühlt. Obwohl sie gelernte Krankenschwester ist, kann sie schwer mit ihrer körperlichen Handicap umgehen. Matt hingegen hat sein Vetrauen in Menschen durch eine Verurteilung wegen Mordes und einem Gefängnisaufenthalt verloren. Aus Mangel an Beweisen ging er nach fünf Jahren frei. Außer seiner Großmutter, Ivy und Aka, und seinem besten Freund, dem Tierarzt Ethan Buckley, glaubt niemand an seine Unschuld. Selbst sein Bruder Randy begegnet ihm voller Hass, denn die Tote war seine große Liebe. Matt ist hilfsbereit, zurückhaltend und in sich gekehrt, Randy eher aufbrausend, aber leutselig und sympathisch. Victoria oder Vicky ist die Herrin auf Halls Eden. Sie ist bereits 85 Jahre alt, aber noch immer ein Fels in der Brandung. Das Verschwinden ihres Ehemann Duncan hat sie nach 29 Jahren noch immer nicht wirklich überwunden, der als verschollen gilt. Matt's und Randy's Eltern sind bei der Suche nach ihrem Vater und Schwiegervater tödlich verunglückt. Zur Seite steht Vicky ihre bereits aus Kindertagen beste Freundin Ivy, eine streitsüchtige, aber humorvolle Frau mit dem Herz auf dem rechten Fleck, die sich durchzusetzen weiß. Nicht umsonst ist sie seit mehr als 60 Jahren mit Aka, einem Maori, verbunden und hat gegen den Willen ihrer Eltern eine Familie mit ihm gegründet. Bertrand Jarry, der ehemalige beste Freund von Duncan, der auf der benachbarten Farm wohnt, gehörte einst zum engen Freundeskreis, bis sich ein Unglück ereignete, an dem Matt Schuld sein soll. Er ist ein schwacher Mensch und hat in seinem Leben einige falsche Entscheidungen getroffen.

Neben den bildhaften Beschreibungen der neuseeländischen Landschaft und deren Tierwelt, hat sich die Autorin auch um die Ureinwohner, den Maori, angenommen. Hier hätte es gerne noch mehr sein können...

Positiv hervorheben möchte ich noch, dass Kate Dakota Themen wie die Vertreibung der Maoris und die Schwierigkeiten von Menschen mit Behinderungen, angespricht.

Das Auftauchen einer Person aus Maddy's Vergangenheit ist mir etwas zu kurz gekommen. Hier hätte man etwas mehr Drama herausholen können ;) Wobei ich die Liebesgeschichte zwischen Maddy und Matt fast als zu schnell entwickelnd empfand.

Das Ende war mir dann leider etwas zu kitschig. Für mich wäre die Geschichte ohne den Epilog, dessen Ereignisse mir zu schmalzig waren, perfekt gewesen.

Schreibstil:
Die Geschichte lässt sich leicht und locker weglesen, genauso wie es sich für einen Roman in diesem Genre gehört. Kate Dakota schreibt mitreißend und lebendig. Die Erzählperspektive wechselt oft, was den Vorzug hat, dass man die verschiedenen Sichtweisen der Figuren hautnah miterlebt und ihre Gefühle, Handlungen und Gedanken besser nachvollziehen kann.

Fazit:
Eine packende und leicht zu lesende Geschichte rund um ein Familiengeheimnis im fernen Neuseeland, die wirklich gut unterhält. Eingebaute Cliffhanger erhalten die Spannung, während mir das Ende zu kitschig daherkommt.

Veröffentlicht am 11.01.2018

Grandios! Kann man nicht mehr aus der Hand legen...

Die Oleanderfrauen
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Kaum hat das Jahr begonnen, kann ich das erste Buch mit ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status♥♥ vermelden! Bessser kann es doch gar nicht starten! Was meint ihr?
Voller Ungeduld habe ich auf den neuen Roman von Teresa ...

Kaum hat das Jahr begonnen, kann ich das erste Buch mit ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status♥♥ vermelden! Bessser kann es doch gar nicht starten! Was meint ihr?
Voller Ungeduld habe ich auf den neuen Roman von Teresa Simon gewartet. Ihre beiden Romane "Die Frauen der Rosenvilla" und "Die Holunderschwestern" waren absolute Lieblingsbücher von mir, doch "Die Oleanderfrauen" toppen diese beiden noch. In zwei Tagen habe ich die fast 500 Seiten inhaliert und wollte einfach nur lesen, lesen und nochmals lesen! Was für ein tolles Buch - einfach grandios erzählt!

Schon der Prolog entführt den Leser in ein emotionales Mienenfeld. Ein erschütternder Abschiedsbrief lässt einem sofort in die Geschichte eintauchen...
Wie von der Autorin gewohnt haben wir es wieder mit einer Geschichte auf zwei Zeitebenen zu tun. Die Vergangenheit entführt uns nach Hamburg ins Jahr 1936. Die wohlhabende Familie Terhoven verdient seit Jahrzehnten ihr Geld mit dem Import von Kaffee. Die Dame des Hauses, Delia Terhoven, widmet sich der feinen Gesellschaft, während sich ihr Ehemann Friedrich mit den Geschäften befasst. Die 17jährige Sophie und der 12jährige Lennie wachsen wohlbehütet in der großen Familienvilla auf. Doch schon bald ziehen dunkle Wolken über die Familie. Die politische Situation wird immer angespannter und der Import des Kaffee's geht zurück. Tochter Sophie, verliebt sich in Hannes, den Sohn der Köchin. Die Beiden sind zusammen aufgewachsen und kennen sich von Kindesbeinen an, doch plötzlich ist alles anders. Im Gewächshaus zwischen blühenden Oleanderbüschen treffen sich Sophie und Hannes heimlich. Nur Sophies bester Freund Malte weiß davon. Als die geheimen Treffen Früchte tragen wird die schwangere Sophie mit dem etwa gleichaltrigen Hausmädchen Stine auf die Insel Föhr verbannt, um einen gesellschaftlichen Skandal zu vermeiden.....

Im Gegenwartsstrang lernen wir die sympathische Jule kennen, die in Hamburg ihr Café "Strandperlchen" führt. Eine gewaltige Mietserhöhung gefährdet ihre Existenz, denn "Jule ohne Plan", wie sie ihre Mutter immer nannte, hat ihr Geschichtsstudium nie beendet. Mit dem "Strandperlchen" hat sie sich ihren heimlichen Wunsch erfüllt. Nebenher widmet sie sich noch mit ihrem Service "Ich schreib Dir Dein Leben" alten Familiengeschichten. Ihr Angebot Menschen zu helfen, die nach Familienangehörigen suchen oder einfach alte Biografien ins Reine zu schreiben sind ihr eine Herzensangelegenheit
Als Johanna Martens nach dem Tod ihrer Mutter den Dachboden des Hauses räumt, fällt ihr ein Medaillon mit Oleanderblüten und ein Tagebuch in die Hände. Niemand aus der Familie kann die Tagebuchschreiberin zuordnen und so beginnt Johanna zu lesen. Bald kann sie die Niederschrift nicht mehr aus der Hand legen und bittet Jule mehr über diese Sophie Terhoven herauszufinden. Durch das Lesen der Tagebucheinträge verbindet die beiden Frauen sehr bald eine wunderbare Freundschaft und so ganz nebenbei findet auch Jule ihren Platz im Leben....
Die beiden Zeitebene werden von der Autorin gekonnt verknüpft. Ihr gelingt es mich mit beiden Handlungssträngen zu überzeugen, was selten passiert, da ich zu 90% immer den Strang der Vergangenheit bevorzuge. Hier ergänzen sich die beiden Geschichten jedoch perfekt und man fiebert bis zum Schluss mit allen Protagonisten mit. Die Handlung ist wunderbar lebendig erzählt, die Charaktere mitten aus dem Leben gegriffen und die Spannung zum Greifen nah. Ich habe das Buch inhaliert und konnte es nicht mehr zur Seite legen!

„„Oleanderfrauen, ja das sind wir Terhovens in der weiblichen Linie. Jede von uns musste lernen, dass zur Süße der Liebe auch viel Bitternis gehört. Es ist wie in der alten Geschichte von Hero und Leander – die, die wir wirklich lieben, sind für uns unerreichbar.“

Ebenso gelang es Teresa Simon die Atmosphäre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges perfekt einzufangen. Die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr an Boden, die Stimmen gegen die Juden werden immer lauter. Trotzdem können es viele Menschen nicht glauben, dass es schon wieder Krieg geben soll, wo doch erst der große Krieg zu Ende gegangen ist. Die Bombardierung Hamburgs (der berühmte Feuersturm im Sommer 1943), die Olympiade in Berlin 1936, sowie das Verschwinden von jüdischen Familiensind Themen, die Teresa Simons genauso anspricht, wie die beginnende Hungersnot.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Wahl der Schriftform des Tagebuches. Das feine kursive Schriftbild lässt sich sehr schwer lesen, wird allerdings laut Verlag in der nächsten Auflage verändert werden.
Als Coffee-holic fand ich die tollen Beschreibungen diverser Kaffeesorten und ihrer Zubereitungsarten, sowie Erklärungen zum Import und der Aufzucht sehr interessant.

Am Ende des Romans befinden sich noch als zusätzliches Zuckerl leckere Kuchen- und Kaffeerezepte aus dem "Strandperlchen".

Charaktere:
Die Autorin hat sowohl ihre Hauptcharaktere Jule, Sophie und Johanna, wie auch die zahlreichen Nebenfiguren sehr detailliert und authentisch gezeichnet.
Sophie ist anfangs eine verwöhnte junge Frau, deren wahrer Charakter sich in der schweren Zeit während des Krieges zeigt. Sie gibt nie die Hoffnung auf und kämpft um ihr Leben und ihre Liebe. Sie trotzt allen Widerständen - solange es ihr möglich ist. Sie ist der interessanteste Charakter des Romans. Man spürt ihre Gefühlswelt durch jede Zeile der Geschichte.
Auch Jule in der Gegenwart ist eine engagierte junge Frau, die nicht so schnell aufgibt und mit mutigen Ideen versucht ihren Lebensinhalt, das Café, zu retten. Mit ihrer quirligen und herzensguten Freundin Aphrodite, eine kaffeebraune Schönheit und Mutter einer Tochter, hat sie jederzeit Hilfe an ihrer Seite.
Die sympathische Johanna, habe ich ebenfalls sehr schnell ins Herz geschlossen.
Mein absoluter Liebling im Roman war aber Malte. Der liebenswürdige und hilfsbereite Freund von Sophie liebt Literatur und Swingmusik. Als Kind berkam er Kinderlähmung und ist seither gehbehindert. In den Zeiten des Nationalsozialismus ist er ein Krüppel, ein Feindbild. Zusätzlich ist er noch homosexuell, was der SS-Offizier Hellmuth Moers, der bei den Terhovens ein und aus geht, sehr bald entdeckt. Dieser Mann ist kalt und ehrgeizig. Er nimmt sich, was er will und ist nicht nur für Malte eine Bedrohung.
Sophies kleiner Buder Lennie wird zum glühenden Anhänger der Hitlerjugend und des Nationalsozialismus.

Schreibstil:
Was soll man noch sagen, wenn man die Geschichte liest, rundherum alles ausblendet und eigentlich nur mehr lesen möchte? (Gott sei Dank war Wochenende!) Die Autorin kann es ganz einfach! Man ist gefangen in der Handlung, fiebert mit den Protagonisten mit und kann nicht aufhören zu lesen, bis man die letzte Seite zugeschlagen hat. Was will man mehr?

Fazit:
Ein absolutes Lese-Highlight, das ich nicht aus der Hand legen konnte, bis ich die letzte Seite gelesen hatte. Historisch perfekt recherchiert, mit einem Schuss Spannung und einer ergreifenden Lebens- und Liebesgeschichte auf zwei Zeitebenen, entführt dieser Roman ins Hamburg der Jahre 1936 und 2016. Eine absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 10.01.2018

Die Höllenschlucht

Tod im Höllental
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Im vierten Band rund um die Begine Serafina steht die Arbeit der Christoffelschwestern nicht so stark im Fokus, wie in den Vorgängerbänden, denn unsere Hauptprotagonistin steht kurz vor der Hochzeit mit ...

Im vierten Band rund um die Begine Serafina steht die Arbeit der Christoffelschwestern nicht so stark im Fokus, wie in den Vorgängerbänden, denn unsere Hauptprotagonistin steht kurz vor der Hochzeit mit dem Stadtmedicus Adalbert Achaz.
Doch die Idylle wird durch die Hetzreden des Basler Dominikanermönches Thomas gestört. Eine Schmähschrift und blutige Wandschmierereien gegen die Beginen lassen Serafina die Hochzeitsvorbereitungen vergessen. Immer mehr Bürger der Stadt stehen den Christoffelschwestern plötzlich feindlich gegenüber. Auch Achaz kann den Stadtrat nicht überzeugen, dass die Hetzreden Unheil über die Einwohner von Freiburg bringen. Als dann auch noch die junge Lämmlein Schwester Mia erschlagen aufgefunden wird, ist Serafina entsetzt und fürchtet um das Leben ihrer Mitschwestern. Serafinas Meisterin Catherina macht sich gemeinsam mit Hedwig, einem Neuzugang im Beginenhaus, auf den Weg nach Konstanz, um den Bischof um Hilfe zu bitten. Dabei müssen die beiden Frauen auch durch das gefürchtete Höllental. Als eine Gauklertruppe mit einer schwerverletzten Frau in Freiburg ankommt, die sie am Ausgang dieses Tales gefunden haben, sind auch Serafina und Achaz nicht mehr zu halten. Die Beiden begeben sich ebenfalls ins gefürchtete Tal Richtung Konstanz....

Wie schon im letzten Band gibt es zu Beginn ein Personenregister, welches auch Quereinsteiger ermöglicht die vielen Figuren zuzuordnen. Wer die Reihe schon kennt, hat keine Probleme damit, da es sich neben ein paar neuen Namen um altbekannte Charaktere aus den Vorgängerbänden handelt. Diesmal ist auch eine Karte der Höllenschlucht integriert, sowie ein Glossar am Ende des Buches.

Wer Serafina noch nicht kennt, wird schnell feststellen, dass sie eine sehr sympathische Protagonistin ist, die meistens intuitiv handelt bevor sie nachdenkt. Das bringt sie immer wieder in größere Schwierigkeiten. Dabei hat sie aber das Herz auf den rechten Fleck und ist eine hilfsbereite Frau, die sich für Gerechtigkeit einsetzt und zupacken kann.
Die mittelalterliche Stimmung und Atmosphäre hat die Autorin wieder hervorragend eingefangen. Der damalige Aberglaube spielt ebenso eine große Rolle, wie die Arbeit der Beginen.

Der Krimianteil, den wir aus den anderen Büchern der Reihe kennen und bei dem Serafina leidenschaftlich ihre Nase in Dinge steckt, die sie immer wieder in lebensgefährlichen Situationen bringt, ist in diesem vierten Band kleiner gehalten. Sie spielt diesmal weniger Ermittlerin, als in den ersten drei Bänden, ist aber wieder mitten im Geschehen. Trotzdem ist der Spannungsbogen sehr hoch, denn natürlich befindet sich unsere zukünftige Arztfrau sehr schnell wieder in Schwierigkeiten. Überraschende Wendungen lassen keinerlei "Ermüdungserscheinungen" beim Lesen aufkommen und man fliegt nur so durch die Seiten. Ich war in einigen Stunden durch und habe es sehr genossen Serafina zu begleiten.

Man kann diesen Roman alleinstehend lesen, jedoch empfehle ich bei Bänden immer die Reihenfolge einzuhalten. Durch das Lesen der Vorgängerbände lassen sich alle handelnden Figuren verstehen und ihre Entwicklung besser nachvollziehen.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Astrid Fritz ist bei dieser Reihe leicht und flüssig zu lesen. Wie immer sind die historischen Begebenheiten hervorragend recherchiert, die Sprache ist der Zeit angepasst. Der Spannungsbogen wird diesmal sehr hoch gehalten und bleibt auch konstant.

Fazit:
Für Einsteiger in das historische Genre ist diese Reihe rund um die Begine Serafina perfekt geeignet. Der leichte und flüssige Schreibstil und die spannenden Elemente lassen einem durch das Buch rasen. Man rätselt und fiebert mit der sympathischen zukünftigen Frau des Medicus mit und erhält ebenfalls die gewünschte mittelalterliche Atmosphäre.

Veröffentlicht am 08.01.2018

Der Fluch der Rosens

Das Erbe der Rosenthals
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1939. Die Rosenthals sind eine wohlhabende jüdische Familie in Berlin. Zur Zeit des immer schlimmer werdenden Nationalsozialismus versucht Max Rosenthal eine Ausreisegenehmigung für seine Frau Alma und ...

1939. Die Rosenthals sind eine wohlhabende jüdische Familie in Berlin. Zur Zeit des immer schlimmer werdenden Nationalsozialismus versucht Max Rosenthal eine Ausreisegenehmigung für seine Frau Alma und die 11-jährige Tochter Hannah zu bekommen. Die Lage spitzt sich immer mehr zu und die einzige Chance, die noch besteht das Land zu verlassen, ist eine Passage auf der St. Louis nach Kuba. Von dort wollen die Rosenthals weiter in die USA. Doch noch während der dreiwöchigen Schiffsreise ändert Kuba seine Meinung und die Visabedingungen. Die St. Louis darf zwar vor Kuba anlegen, doch die 937 Passagiere dürfen das Schiff nicht verlassen. Plötzlich werden nur mehr Dokumente, die vom kubanischen Außenministerium ausgestellt wurden, akzeptiert. Nur 22 Flüchtlinge dürfen das Schiff verlassen, darunter sind Hannah und ihre schwangere Mutter Alma. Max Rosenthal und Hannah's Freund Leo müssen an Bord bleiben. Auch die USA und Kanada weisen die deutschen Flüchtlinge ab und so steht den restlichen 900 jüdischstämmigen Menschen eine Rückreise nach Deutschland und der sichere Tod bevor. Kurz vor ihrer Ankunft genehmigte die belgische Regierung die Landung in Antwerpen und die Flüchtlinge wurden auf Belgien, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien verteilt. Die Meisten davon entkamen dem KZ trotzdem nicht...

2014. Im zweiten Handlungsstrang lernen wir die gleichaltrige Anna kennen, deren Vater beim Terroranschlag am 11. September ums Leben kam. Ihre Mutter war zu dieser Zeit gerade schwanger und Anna lernte ihren Vater Louis nie kennen. Sie weiß nur, dass er aus Kuba stammt und von seiner Tante großgezogen wurde. An ihrem 11. Geburtstag erhält Anna Post aus der Karibik. Hannah, die 87-jährige Tante ihres Vaters schickt ihr einen Umschlag mit Fotos ihres Vaters. Daraufhin reisen Anna und ihre Mutter nach Kuba um Hannah kennenzulernen und mehr über ihren Vater und dessen Familie zu erfahren…

Die Handlung wird in drei Teilen und auf zwei Zeitebenen erzählt. Ein Strang beschreibt das Leben von Hannah von 1939 bis zur Gegenwart, der andere ergänzt die Geschichte mit der Erzählung von Anna im Jahr 2014. Am Ende vereinen sich die beiden Handlunsgstränge und Zeitebenen.

Der Roman besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil erzählen die beiden gleichaltrigen Mädchen Hannah und Anna aus ihrer Sicht. Die Mütter der Beiden sind depressiv und auch die ähnlichen Namen haben es mir anfangs etwas schwer gemacht. Während Annas Mutter den Tod ihres Mannes verdrängt, der am 11. September 2001 nach dem Terroranschlag auf die Zwillingstürme nicht mehr nach Hause kommt, ist Hannahs Mutter Alma eine sehr selbstsüchtige Frau. Sie kommt aus reichem Haus und sieht die Flucht als Demütigung an. Ihre hochnäsige Art und ihr Auftreten, die einer Diva gleichkommt, konnte bei mir keinerlei Sympathien erwecken. Sie erkennt weder die Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausgeht, noch ist sie Hannah eine Hilfe, die nicht versteht, warum sie als schmutzige Jüdin beschimpft wird. Sowohl Hannah, als auch Anna sind mehr oder weniger sich selbst überlassen.

Der zweite Teil erzählt von der Schiffsreise und war für mich der spannendste Part. Hier erfahren wir wie den jüdischen Flüchtlingen die Einreise nach Kuba verwehrt wird. Ebenso fand hier kein Wechsel zwischen den Erzählungen der beiden Mädchen statt, sondern es wird nur aus der Sicht von Hannah erzählt. Die wahre Begebenheit der Irrfahrt der St. Louis und dass Kuba plötzlich seine Meinung änderte, hat mich zutiefst schockiert. Der Kapitän des Schiffes versuchte alles menschlich mögliche seine Passagiere an Land zu bringen, hatte aber keine Chance.

Im dritten Teil, dem längsten des Buches, treffen Anna und ihre Mutter in Kuba ein. Hannah lebt sehr zurückgezogen und sie ist überglücklich ein lebendes Familienmitglied der Rosenthals oder Rosens gefunden zu haben.
In diesem Teil erfahren wir, wie es Hannah und ihrer Mutter nach ihrer Ankunft auf der Karibikinsel ergangen ist. Nicht nur die Familiengeschichte wird hier sehr genau erzählt, sondern auch die politischen Hintergründe. Man erhält Einblicke in die Geschichte Kubas, die Revolution, die Enteignung und den Umsturz, sowie die darauffolgende Diktatur. Obwohl die Zeit in Kuba der seitenreichste Teil des Buches war, hätte ich mir hier neben den politischen Ereignissen noch ein paar mehr Details aus Hannahs und Louis Leben gewünscht.
Sowohl Anna, als auch Hannah wirken in diesem Roman in keinster Weise wie 12-jährige Mädchen. Die Sprache und ihre Gedanken wirken erwachsen und selten kindlich. So fand ich die beiden Mädchen nicht wirklich authentisch. Bei Hannah kann man noch sagen, dass sie durch den bevorstehenden Kriegsbeginn und ihrem Freund Leo, der aus dem Armenviertel stammt, etwas Einblick in die Gefahren der Judenverfolgung erfahren hat und dadurch erwachsener wirkt. Doch bei Anna, die wohlbehütet in New York aufwächst, trifft dies nicht zu.

Auch den restlichen Schreibstil fand ich nicht ganz rund. Es werden einige unwichtige Dinge sehr detailliert erzährt, während man von den beiden Vätern nicht wirklich viel erfährt. Die Frauen spielen hier eindeutig die Hauptrolle. Die Erzählung aus der Sichtweise eines 12-jährigen Mädchen (Hannah feiert auf dem Schiff ihren 12. Geburtstag) ist dem Autor nicht ganz gelungen und die Geschichte wirkt des öfteren sehr einseitig. Als Erstlingswerk ist der Roman allerdings vielversprechend und die historischen und politischen Fakten wurden gut recherchiert.

Die Geschichte rund um Hannah und Anna ist fiktiv, doch die furchtbare Entscheidung der Kubaner die St. Louis nicht anlegen zu lassen, ist historisch belegt. Am Ende des Romans finden sich Passagierlisten und Fotos der fast 1000 Flüchtlinge der St. Louis, die der Geschichte ein Gesicht geben.

Fazit:
Der Autor hat ein sehr interessantes Thema zu Papier gebracht, das gut recherchiert wurde. Mit der Erzählweise wurde ich nicht ganz warm und auch die Figuren waren nicht gerade Sympathieträger. Trotz dieser Schwächen ist der Roman ein lesenswertes Buch, welches mir aufzeigt, dass ich zum Thema Weltkrieg noch immer Neues erfahren kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Authentizität
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 06.01.2018

Konnte mich leider nicht ganz überzeugen

Beim Leben meiner Mutter
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Von Rowan Coleman habe ich leider immer noch ihren Bestseller "Einfach unvergesslich" im SuB Regal stehen. Damals wollte ich das Buch unbedingt lesen und wie es so oft passiert mit meinen selbst gekauften ...

Von Rowan Coleman habe ich leider immer noch ihren Bestseller "Einfach unvergesslich" im SuB Regal stehen. Damals wollte ich das Buch unbedingt lesen und wie es so oft passiert mit meinen selbst gekauften Büchern ...sie bleiben im Regal und verstauben. Zuerst kommen Leserundenbücher und Rezensionsexemplare an die Reihe und dann auch noch die Büchereibücher....so wie dieses hier.
Nun habe ich "Beim Leben meiner Mutter" als ersten Roman der Autorin gelesen, der mich aber leider etwas zwiespältig zurücklässt.

Das Buch ist zwar ein Roman, hat aber auch einen Touch Fantasy, da wir uns auf eine Zeitreise begeben. Ich liebe Zeitreisen und auch hier gefiel sie mir...nur leider nicht bis zum Ende der Geschichte.

Marissa leidet seit Jahrzehnten an Depressionen und beschließt ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie verbirgt ein dunkles Geheimnis, das sie mit ins Grab nimmt. Ihren beiden erwachsenen Töchtern, Luna und Pia, hinterlässt sie einige Videos. Darauf offenbart sie Luna, dass Pia und sie nicht denselben Vater haben. Luna ist entsetzt und die beiden Frauen beschließen sich auf die Spuren von Marissas Vergangenheit zu begeben. Gemeinsam machen sie sich von London auf nach Brooklyn, New York, dem Heimatort ihrer Mutter. Neben dem Geheimnis um Lunas Vater, müssen sich Luna und Pia auch um ihr Erbe kümmern: eine Haushälfte von Marissas Elternhaus. Dieses ist seit Jahren unbewohnt und in einem schlechten Zustand. Die andere Hälfte gehört Marissas Schwester Stephanie, zu der sie keinen Kontakt mehr pflegte, seit sie Broolyn verlassen hat, um den Engländer Henry zu heiraten.

Als sich Luna das Haus ihrer Mutter ansieht, verspürt sie ein sonderbares Gefühl. Plötzlich steht sie inmitten von jungen Menschen - mittendrin ihre Mutter. Es ist das Jahr 1977 und Marissa ist eine fröhliche, unbeschwerte und wunderschöne junge Frau, umgeben von Freunden und ihrer Schwester Stephanie. Luna erkennt ihre Mutter kaum wieder - diese Frau, die zeitlebens nur depressiv war, ist hier der Mittelpunkt der jungen Menschen und strahlt nur vor Lebensfreude. Was ist ihr nur passiert?
Luna versucht daraufhin öfters ins Jahr 1977 zu reisen, doch sie kann Zeitpunkt und Dauer ihrer Zeitreise nicht beeinflussen. Bald fühlt sie sich wohl unter Marissas Freunden und versucht herauszufinden, was dasmals passiert ist, dass aus diesem lebenfrohen Mädchen eine junge Frau mit schweren Depressionen wurde. Luna versucht den Grund zu finden und etwas dagegen zu unternehmen....

Anfangs war ich noch begeistert von den Zeitreisen und den Treffen von Luna mit ihrer Mutter und deren Clique. Zu schnell wurde allerdings das Geheimnis aufgedeckt und dadurch verlor die Geschichte etwas an Spannung. Dies wurde zum Ende hin mit einer überraschenden Wendung kompensiert, die nochmals Spannung verhieß. Leider konnte mich dann aber der fantastische Part nicht mehr richtig überzeugen. Es wurde etwas verwirrend und zu unglaubwürdig.

Die Charaktere sind schwer zu beschreiben, da sich durch die Zeitreise einige Begebenheiten in der Zukunft verändern. Daraus folgend hatte eine Person auch verschiedene Charakterzüge, maßgeblich durch ihre Vergangenheit beeinflusst. Das macht es etwas schwer eine gute Verbindung aufzubauen. Bei Luna gelingt es größtenteils, bei Pia nicht wirklich.

Die zeitgenössische Familiengeschichte unterscheidet sich zu "gewöhnlichen" Romanen durch die fantastischen Elemente, auf die man sich einlassen muss. Auch wenn Luna als Physikerin anfangs nicht an verschiedene Zeitebenen glaubt, muss sie sich dieser "Realität" stellen. Fand ich die Zeitreise zurück ins Jahr 1977 anfangs noch sehr interessant und liebenswert, wurde sie zum Ende hin leider zu verworren und konfus.

Schreibstil:
Rowan Coleman schreibt sehr angenehm. Obwohl es im Mittelteil etwas an Spannung fehlte und mir der letzte Abschnitt zu verworren war, ließ sich die Geschichte trotzdem flüssig lesen. Die Kapitel sind eher kurz gehalten.


Fazit:
Die Grundidee und der Schreibstil der Autorin ist toll - und ich liebe Zeitreisen. Trotzdem konnte mich der Roman nicht richtig abholen. Vorallem die letzten hundert Seiten waren zu verworren und haben das Konzept der Autorin irgendwie zerstört.