Die Bewältigung eines Traumas
Die gute TochterWird ein neuer Thriller von Karin Slaughter veröffentlicht, steht dieser ohne groß nachzudenken auf meiner MUST-HAVE-to-read Liste. Sie ist eine der Autoren, wo ich blind zum Buch greife, ohne vorher überhaupt ...
Wird ein neuer Thriller von Karin Slaughter veröffentlicht, steht dieser ohne groß nachzudenken auf meiner MUST-HAVE-to-read Liste. Sie ist eine der Autoren, wo ich blind zum Buch greife, ohne vorher überhaupt den Klappentext gelesen zu haben. Auch bei "Die gute Tochter" war das so. Dieses Buch ist ein stand-alone und gehört weder zur Will Trent, noch zur Georgie Reihe.
Die Story beginnt extrem spannend mit dem Überfall auf die Familie des Strafverteidigers Rusty Quinn. Er ist Anwalt von Mördern und Drogendealern. Die Familie wird deswegen von den Einheimischen verachtet. Diese lebt seit dem Brand ihres Eigenheimes, das mutwillig mit einem Molotow-Cocktail in Brand gesetzt wurde, in einem heruntergekommenen Farmhaus. Der neuerliche Überfall, der eigentlich Rusty gegolten hätte, kostet seiner Frau Gemma das Leben. Die beiden Töchter, die fünfzehnjährige Samantha und die dreizehnjährige Charlie sind daraufhin den grausamen Brutalitäten zweier Männer ausgeliefert, die sie ihr Leben lang verfolgen und nie mehr loslassen.
Achtundzwanzig Jahre später ist Charlie Quinn in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und arbeitet ebenfalls als Anwältin in der Kleinstadt Pikeville. Aber hier enden die Gemeinsamkeiten zwischen Charlie und ihrem Vater. Sie entschied sich, die andere Seite zu vertreten und den Menschen zu helfen, die sich in Schwierigkeiten befinden. Doch dann holt Charlie die Vergangenheit ein, als sie ungewollt Zeugin eines Amoklaufes an einer Schule wird. Dabei werden eine achtjährige Schülerin und der Direktor der Schule getötet. Die Schützin ist Kelly Wilson, ein junges Mädchen, das seit Jahren gemobbt wird..... Aber ist sie wirklich die Täterin?
Die Story wechselt, was für Slaughter eher ungewöhnlich ist, zwischen den Perspektiven der beiden Schwestern. Auch die Rückblicke in die Vergangenheit werden abwechselnd aus der Sicht von Charlie und Samantha erzählt. Während Charlie eher impulsiv ist und oft ohne nachzudenken handelt, ist Samantha ruhiger. Sie hat Pikeville nach dem Überfall verlassen und musste ihr Leben gänzlich ändern. Sie leidet noch immer körperlich an den Übergriffen, scheint aber fester im Leben zu stehen. Sie ist ebenfalls Anwältin, aber für Patenrecht. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt und wirken lebendig. Slaughter schreibt ebenfalls sehr detailliert, was die gewünschte Brutalität und die genaue Beschreibung der Gewaltverbrechen genauestens darstellt.
Steht anfangs der Thriller im Vordergrund wird die Geschichte immer mehr zu einem Familiendrama. In der Mitte gab es einige Längen, die ich von der Autorin nicht wirklich gewohnt bin. Sicherlich haben auch die Wiederholungen der Geschehnisse, sowohl beim Überfall auf der Ranch, als auch in der Schule dazu beigetragen. Sicherlich kommen dabei auch ein paar neue Fakten dazu, aber im Großen und Ganzen hat es die Geschichte eher in die Länge gezogen. Und ich habe die Fakten auch schon beim ersten Mal verstanden....
Slaughter bringt das Thema der korrupten US Polizei wieder auf das Parkett. In ihren Thrillern gibt es immer wieder Polizisten, die Frauen als nicht ebenbürtig ansehen. Themen wie Rassismus, fehlende Frauenrechte und Ausgrenzung werden immer wieder aufgegriffen und dürften ihr ein Anliegen sein. Typisch amerikanisch fand ich den Hass der Stadtbewohner auf einen Anwalt, der die böse Seite vertritt. So etwas kann ich mir hier in Europa kaum vorstellen. Auch dass die ganze Familie darunter leiden muss und tätlich angegegriffen wird. Gott sei Dank sind wir hier noch nicht so weit!
Fazit:
Anfangs sehr spannend wird der Thriller mehr und mehr zu einem Familiendrama. Die aktuelle Tragödie steht einige Zeit sehr im Hintergrund und die Bewältigung des Traumas im Mittelpunkt. Bis es zum finalen Showdown kommt, gibt es noch ein paar Längen, aber im Großen und Ganzen hat mir auch "Die gute Tochter" wieder gut gefallen.