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Veröffentlicht am 04.06.2023

Freitag, der dreizehnte

Tod im Belvedere
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Im dreizehnten Band der Reihe um Sarah Pauli, Chefredakteurin des Wiener Boten, geht es auch in der Handlung sehr oft um die "magische" Zahl 13.
Am Freitag, den 13. wird Sarah Pauli tatsächlich zu einem ...

Im dreizehnten Band der Reihe um Sarah Pauli, Chefredakteurin des Wiener Boten, geht es auch in der Handlung sehr oft um die "magische" Zahl 13.
Am Freitag, den 13. wird Sarah Pauli tatsächlich zu einem Mordfall gerufen. Chefinspektor Martin Stein hat beim Toten eine Visitenkarte von ihr in dessen Taschen gefunden. Der Mann, der mit einem antiken Dolch ermordet wurde, ist Peer Schneider, ein ehemaliger Studienkollege von Sarah. Erst vor wenigen Stunden hat sie ihn nach langer Zeit zufällig wiedergetroffen hat. Und nun liegt er tot vor ihr.

Zusätzlich beunruhigt Liebhaber von wertvoller Kunstgegenständen die Zahl von Einbrüchen in diversen noblen Villen in ganz Österreich. Die reiche Witwe Britta Eckenberg wird ebenfalls Opfer eines Raubüberfalles. Eigentlich sollte sie einige Tage in Kärnten verbringen, hat jedoch ihre Pläne kurzfristig geändert. Sie wird in ihrer Villa niedergeschlagen. Die Beute ist diesmal von verhältnismäßig geringem Wert. Doch einer der geraubten Gegenstände führt zu Kunsthändler Peer Schneider, der nun im Spiegelungsteich des Schlosses Belvedere ermordet aufgefunden wurde.

Diesmal haben wir es wieder mit mehr Aberglauben und Bräuche zu tun und wie bereits erwähnt, spielt Freitag, der 13. im vorliegenden Band eine große Rolle. Sarah ist in ihrem Element, wenn es um kryptische Zeichen und Handlungen geht. Selbst Kommissar Martin Stein hat bereits eingesehen, dass die Chefredakteurin immer wieder eine gute Quelle für seine Ermittlungen ist. Und natürlich stellt auch Sarah wieder ihre eigenen Nachforschungen an.
Der Kreis der Verdächtigen ist wieder groß. Besonders im Umfeld des Kunsthandels, sowie bei den tief verfeindeten Mitgliedern der Familie rund um Britta Eckenberg, findet Sarah viele Motive und Anzeichen für eine etwaigen Mord.

Die Autorin führt den Leser wieder einige Male gekonnt in die Irre und lässt uns diesmal tief hinter die Kulissen der Kunstszene blicken.
Der Schreibstil von Beate Maxian ist gewohnt flüssig und kurzweilig. Die bildhaften Beschreibungen vermitteln viel Wiener Flair und Lokalkolorit. Symbolik und Mystik erhalten in diesem 13. Teil erneut mehr Raum.

Fazit:
Wie von Beate Maxian gewohnt, erhalten wir ein weiteres Mal einen spannenden Krimi mit viel Wiener Flair. Diesmal sind wir in der Kunstszene unterwegs und erfahren, wie es privat mit Sarah und ihrem Lebensgefährten Max weitergeht. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil dieser unterhaltsamen Reihe.

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Veröffentlicht am 29.05.2023

Was ist ein Menschenleben wert?

Die spürst du nicht
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Daniel Glattauers neuer Roman ist gesellschaftskritisch und bewegend. Er regt zum Nachdenken an und hat mich, nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, noch lange beschäftigt.

Unsere Hauptpersonen sind ...

Daniel Glattauers neuer Roman ist gesellschaftskritisch und bewegend. Er regt zum Nachdenken an und hat mich, nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, noch lange beschäftigt.

Unsere Hauptpersonen sind Melanie und Engelbert Binder, eine Winzerfamilie aus Niederösterreich und ihr neunjährigen Sohn Benjamin, sowie die befreundete Wiener Familie Strobl-Martinek. Elisa ist Nationalratsabgeordnete der Grünen und ihr Mann Oskar, Dozent an der Universität. Sie haben zwei Töchter: Lotte und Sophie Luise. Beide Familien sind gutsituiert und kommen aus der gehobenen Mittelschicht. Gemeinsam machen sie Urlaub in der Toskana. Damit die 14-jährige Sophie Luise gleichaltrige Gesellschaft hat, nehmen die Strobl-Martineks das somalische Flüchtlingsmädchen Aayana mit in den Urlaub, mit der sich ihre Tochter ein bisschen angefreundet hat. Die Grünpolitikerin sieht sich mit diesem Statement schon auf den bereits in Aussicht gestellten Ministerposten. Doch kaum sind die beiden Familien in der Villa angekommen, kommt es zur Katastrophe an der schlussendlich alle zu zerbrechen drohen.....

Die Medien schlachten die Tragödie aus. Man konzentriert sich auf die Strobl-Martineks und lässt die Binders außen vor. Das große Thema ist das somalische Flüchtlingskind und die Grünpolitikerin. Niemand kümmert sich um die zurückgebliebene Flüchtlingsfamilie oder um Sophie-Luise, die sich immer mehr abkapselt und in sich selbst zurückzieht. Die Eltern merken nichts davon. Mutter Elisa ist selbst zu vielen Anfeindungen ausgesetzt und Vater Oskar fühlt sich sowieso nicht verantwortlich für das Drama. Er wollte ja nie, dass Aayana mitkommt...
In einem Internetforum findet Sophie-Luise einen jungen Mann, der sich ihre Probleme anhört und sie versteht. Das Teenagermädchen flüchtet immer mehr in diese Welt und verliebt sich in den Unbekannten. Beim Lesen schrillten bei mir alle Alarmglocken! Das Tüpfelchen auf dem i kommt allerdings noch, denn obwohl die italienische Polizei die beiden österreichischen Familien von jeglicher Schuld frei sprach, meldet sich ein Anwalt bei den beiden Familien und fordert im Namen der Flüchtlingsfamilie Schmerzensgeld in überdurchschnittlicher Höhe ein. Es kommt zu einem juristisches Nachspiel.

Abwechselnd wird aus der Sicht von Mutter Elisa und Tochter Sophie-Luise erzählt. Schon zu Beginn erkennt man, dass die Ehe der Strobl-Martineks nicht gut läuft. Oskar muss ständig seine geistige Überlegenheit mit besserwisserischen Bemerkungen demonstrieren. Elisa hat seit geraumer Zeit einen Liebhaber, der ihr jedoch vor dem Urlaub "abhanden" kommt.
Neben den beiden Sichtweisen streut der Autor auch Kommentare aus den sozialen Netzwerken zu Zeitungsartikel oder Interviews ein. Diese sind unheimlich authentisch, wenn man selbst schon Kommentare zu diversen Begebenheiten gelesen hat. Dadurch lässt sich der Roman sehr kurzweilig lesen.

Glattauer versteht es seinen gesellschaftskritischen Roman mit Wortwitz zu füllen. Obwohl das Thema alles andere als amüsant ist, schafft er es den schweren Stoff immer wieder aufzulockern. Man wird nachdenklich, aber man wird nicht hinuntergezogen. Man befasst sich mit der Thematik und nickt unwillkürlich bei einigen Passagen oder man schüttelt bei anderen wiederum nur unverständlich den Kopf. Vorallem die Scheinheiligkeit und die Ignoranz gewisser Menschen, denen es in Wirklichkeit nur um sich selbst geht, stellt Glattauer meisterlich dar. Manche Charaktere sind gewollt überzeichnet und stereotyp.

Im Verlauf des Romans fragt man sich unweigerlich, warum nicht näher auf die Familie von Aayana eingegangen wird und wie diese mit dem Verlust zurechtkommen. Glattauer hat das nicht ohne Grund getan, denn deren Schicksal geht wirklich unter die Haut und berührt zutiefst und ist doch nur stellvertretend für viele Menschen auf der Flucht, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind.

Fazit:
Daniel Glattauer hat eine Sozialstudie in Romanform geschrieben, deren Botschaft zum Nachdenken anregt. Eine Geschichte, die unter die Haut geht und nachhallt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 29.05.2023

Großartiger Roman um Zivilcourage

Die Kinder von Beauvallon - Der Spiegel-Bestseller nach wahren Begebenheiten
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Bettina Storks hat mit ihrem neuen Roman "Das Wunder von Beauvallon" dem Ort Dieulefit und seinen Bewohnern ein weiteres Denkmal gesetzt. Die Einwohner des Ortes versteckten während des Zweiten Weltkrieges ...

Bettina Storks hat mit ihrem neuen Roman "Das Wunder von Beauvallon" dem Ort Dieulefit und seinen Bewohnern ein weiteres Denkmal gesetzt. Die Einwohner des Ortes versteckten während des Zweiten Weltkrieges fast so viele Flüchtlinge, wie es in Dieulefit Bewohner gab. Bis heute ist nicht ganz klar, wie es funktionieren konnte, ohne dass nur einer davon etwas verraten hätte. Ein Ort voller Menschlichkeit und Zivilcourage...
Die Autorin hat ihre fiktive Geschichte rund um das jüdische Mädchen Lily Blum und ihrer arischen Freundin Agnes aus Sulzburg in Südbaden mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben und sie mit den historischen Gegebenheiten verbunden.

1965. Agnes ist Moderatorin beim Freiburger Radiosender. Die Programmschwerpunkte, die sie moderieren darf, handeln von Vereinversammlungen, Kochsendungen und Haushatlstipps. Als ihr Chefredakteur sie mit einer neuen und anspruchsvollen Recherche über "stille Helfer" in den französischen Ort Dieulefit schickt, ist sie fasziniert. Sie sucht seit Jahren vergeblich nach ihrer jüdischen Kinderfreundin Lily Blum, die als neunjähriges Mädchen gemeinsam mit ihrer Familie und anderen Juden aus ihrer Heimatgemeinde Sulzburg deportiert wurde. Könnte Lily in Dieulefit, wo während des Zweiten Weltkrieges mehr als tausend Flüchtlinge Schutz gefunden haben - darunter viele jüdische Kinder - Hilfe gefunden haben? Agnes begibt sich auf eine aufwühlende Reise in die Vergangenheit …

Bettina Storks gelingt es hervorragend, die historische Ereignisse mit fiktiven Romanfiguren zu verbinden. Auf zwei Zeitebenen erzählt sie uns von Lily's Schicksal ab 1940 und der Suche von Agnes im Jahre 1965, die sie in die südostfranzösische Region Auvergne-Rhône-Alpes führt. Als dritte Perspektive lernen wir Jolie, eine Widerstandskämpferin der Résistance kennen. Sie bringt vorwiegend Kinder aus diversen Lagern nach Dieleufit, wo sie in der Schule Beauvallon untergebracht werden und neue französische Namen erhalten. Das Augenmerk liegt bei den Kindern und den Lehrern der Schule. Das Schicksal der Menschen geht zu Herzen und man fiebert und leidet beim Lesen mit. In Jean-Pierre findet Lily einen Freund fürs Leben. Trotz der schweren Thematik ist der Roman immer hoffungsvoll.

Die Charaktere sind mit viel Feingefühl gezeichnet und wunderbar authentisch dargestellt. Ganz besonders beeindruckt hat mich Jolie, die im Widerstand für "ihre" Kinder kämpft - sich immer bewusst, welche Gefahren sie eingeht. Es gab sehr viele berührende Momente, die mich erschüttert haben, aber auch sehr schöne und hoffnungsvolle Szenen. Bettina Storks hat hier hervorragend recherchiert und mit sehr viel Herzblut eine Geschichte geschrieben, die man nicht so schnell vergisst.

Marguerite Soubeyran, Catherine Krafft und Simone Monnier schufen mit der Schule namens Beauvallon die Grundlage für die Rettung der jüdischen Kinder. Marguerite und Catherine sind an einer Wand hinter der Schule verewigt worden. In der Klappe des Einbandes ist dieses Bild abgebildet und noch weitere Originalaufnahmen der Schule. Am Ende gibt es noch ein Nachwort der Autorin und eine kleine Gegenüberstellung von Wahrheit und Fiktion.

Fazit:
Eine einmalige und berührende Geschichte über die stillen Helden des Zweiten Weltkrieges und einem Dorf, dass geschlossen Menschlichkeit zeigte. Berührend, fesselnd und eindringlich. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 25.05.2023

Ein mörderisches Dorf

Diabolisch
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Wow, was für ein Pageturner! Einmal angefangen konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Endlich wieder ein Thriller, der mich restlos gefangen genommen hat. Dabei muss ich allerdings gleich ...

Wow, was für ein Pageturner! Einmal angefangen konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Endlich wieder ein Thriller, der mich restlos gefangen genommen hat. Dabei muss ich allerdings gleich zu Beginn eine Triggerwarnung abgeben! Auch wenn ich das bei Thriller eigentlich "dumm" finde, denn in diesem Genre geht es nun einmal um Gewalt, Mord und Totschlag. Doch diesmal hat es auch mich bei einigen Szenen wirklich mehr als entsetzt, wie grausam Erwachsene Kindern gegenüber sein können. Selten hat mich eine Story so unglaublich aufgeregt. Sämtliche Emotionen wie Wut, Fassungslosigkeit, Agression oder Mitleid haben sich beim Lesen abgewechselt und obwohl ich sonst eine hartgesottene Thrillerleserin bin, gab es eine Szene, die mich an meine Grenzen gebracht hat.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: 1995 und 2022. Dazwischen gibt es kindliche Tagebucheinträge von Lotte, die unter dem Verlust ihres jüngeren Bruders Alexander leidet.
Zu Beginn werden doch so mehrere Figuren eingeführt, die einiges an Konzentration erfordern. Auch schnelle Orts- und Zweitwechsel irritieren etwas. Nach einigen Seiten bekommt man jedoch mehr Überblick über die Einwohner von Holzhausen. Bald wird der Ort in den Medien "das Killerkaff" genannt, denn fast täglich gibt es einen Toten oder eine Tote. Die meisten Figuren, die man als Leser:innen kennenlernt sind etwas zu überkonstruiert und oberflächlich gezeichnet. Sie sind größtenteils unsympathisch, was aber nicht wirklich stört...sie werden sowieso bald ermordert.

Das ermittelnde Team mietet sich sogar im Ort ein und doch mordet der unbekannte Mörder ungehindert weiter. Oberkommissarin Larissa Flaucher hat einiges zu tun und hat lange Zeit keine Ahnung, wo sie ansetzen soll. Zusätzlich kämpft sie mit dem ewigen schlechten Gewissen einer Alleinerzieherin gegenüber ihrer Tochter, die mehr bei ihrer Nachbarin, als bei der Mutter aufwächst. Larissa ist bald verzweifelt, denn die Morde scheinen kein System zu haben und die Einwohner von Holzhausen etwas zu verheimlichen.
Nicht nachvollziehen konnte ich eine Beziehung innerhalb des Ermittlerteams. Sie kommt aus heiteren Himmel und kommt mir eher so vor, als hätte der Autor noch schnell etwas zum Thema LGBTQ reinschreiben müssen. Hier fehlte mir einfach alles und war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.

In welche Richtung dieser Thriller geht, war mir allerdings bald klar. Täter und Motiv hatte ich ab der Hälfte auf dem Schirm. Trotzdem blieb für mich die Spannung aufrecht, denn ich war gespannt, wer als Nächster oder Nächste in Holzhausen das Zeitliche segnet und warum. Die Mordserie war an Gewalt, kreativen Tötungsmethoden und psychologischen Aspekten kaum zu überbieten.

Der Spannunsgbogen ist und bleibt vom Anfang an hoch. Der Plot ist clever konstruiert, der Schreibstil ist temporeich und die Atmosphäre düster.
Das Cover finde ich gut gewählt. Man erkennt erst auf den zweiten Blick, dass es sich um eine Straße mit einer Bushaltestellt handelt. Somit passt es perfekt zum Inhalt.

Fazit:
Ein richtiger Pageturner, der unter die Haut geht. Brutal, verstörend und sehr böse. Ich habe endlich wieder einen packenden Thriller gelesen, der nicht dem 08/15 Schema folgt, auch wenn ich bald wusste, wohin sich die Geschichte bewegt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für Thrillerfreunde!

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Neuanfang in Lichterhaven

Kuschelglück und Gummistiefel
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Wir sind wieder in Lichterhaven und beim siebenten Band der Reihe angelangt, die man auch gut einzeln lesen kann. Wieder war es wunderschön altbekannte Figuren zu treffen, allen voran die "Foodsisters". ...

Wir sind wieder in Lichterhaven und beim siebenten Band der Reihe angelangt, die man auch gut einzeln lesen kann. Wieder war es wunderschön altbekannte Figuren zu treffen, allen voran die "Foodsisters". Und um Hannah, die Dritte im Bunde aus dieser Runde, geht es diesmal.

Die junge Köchin, die immer wieder für zehn Jahre jünger gehalten wird, als sie tatsächlich ist, trifft nach einem sehr unerfreulichen Zusammenstoß vor einem Jahr, wieder auf den erfolgreichen Anwalt Maik Zengler. Doch diesmal kehrt Maik als anderer Mensch von Berlin nach Lichterhaven zurück. Der Mann, für den Geld und Erfolg an erster Stelle stand, ist durch ein Burn out ausgeknockt. Als dann auch noch seine Halbschwester stirbt und ihm das Sorgerecht für ihre Kinder Michelle und Jonas überschreibt, gerät sein bisheriges Leben komplett aus den Fugen. Er entschließt sich komplett neu anzufangen und nimmt das Angebot seines Freundes Jörn an, der ihm ein Haus mit Garten in Lichterhaven vermittelt. Dort zieht er mit dem achtjährigen Jacob, der vierzehnjährigen Michelle und der jungen Airedale-Terrier Hündin Finchen ein, ohne zu wissen, worauf er sich einlässt.
Maik und die Kinder benötigen einige Zeit um sich in Lichterhaven einzuleben. Vorallem Michelle ist alles andere als bereit sich mit den hiesigen "Dorftrotteln" abzugeben und hat nicht vor lange zu bleiben. Jacob fühlt sich schneller wohl, jedoch vermisst der 8-jährige seine Mutter sehr.
Der Neuanfang steht nicht unbedingt unter einem guten Stern, vorallem als Maik - kaum angekommen - wieder mit Hannah zusammenkracht. Fertiggerichte und Konserven sind Hannah ein Dorn im Auge, die Maik in seinem Einkaufswagen geladen hat. Doch Maik kann nicht kochen und so bietet Hannah ihm und den Kindern einen Kochkurs an, damit sie in Zukunft nahrhaftes Essen zu sich nehmen können. Das bringt allerdings Maiks Gefühlswelt ganz gehörig durcheinander....

Das Catering Unternehmen gerät diesmal etwas in den Hintergrund, aber der Zusammenhalt der Einwohner von Lichterhaven und das Dorfleben wird wieder äußerst atmosphärisch dargestellt. Die bildhaften Beschreibungen der Umgebung geben mir immer wieder das Gefühl selbst schon in Lichterhaven gewesen zu sein.
Diesmal fühlt sich der neue Roman von Petra Schier ein bisschen anders an, denn wir haben nicht wie gewohnt ein Pärchen und einen Hund, sondern auch zwei Kinder, die in der Handlung eine große Rolle spielen. Für Michelle und Jakob ändert sich alles, denn nach dem Verlust der Mutter, verlieren sie zusätzlich noch ihre Heimat und ihren Freundeskreis. Vorallem Michelle leidet am Verlust ihrer Berliner Freundinnen.
Petra Schier hat die Gefühlswelt der Kinder sehr authentisch dargestellt. Man kann den Schmerz und den Verlust der Kinder durch die Seiten spüren. Vorallem der achtjährige Jakob ist zum Knuddeln.
Airedale Hündin Finchen lockert die anfangs melancholische Stimmung auf. Wie immer sind die Gedanken der vierbeinigen Protagonisten in kursiver Schrift dargestellt und sehr humorvoll erzählt. Neben dem Thema der Trauerverarbeitung hat Petra Schier auch die Thematik Landwirtschaft und Artenschutz angesprochen.

Natürlich ist auch in diesem siebenten Band der Lichterhaven Reihe klar, dass sich die beiden Zankäpfel am Ende in die Arme fallen. Doch der Weg dahin dauert etwas und wird mit viel Einfühlungsvermögen erzählt.

Fazit:
Auch der neue Band der Lichterhaven Reihe hat mir wieder sehr gefallen. Es fühlt sich an "wie nach Hause kommen", wenn man in die Geschichte um den fiktiven Ort an der Nordsee eintaucht und altbekannte Figuren trifft. Ein weiterer Pluspunkt ist der vierbeinige Protagonist und eine atmosphärische Wohlfühlstory, die diesmal etwas mehr in die Tiefe geht, aber trotzdem das Leichte nicht verliert.

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