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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2022

Hier werden die Sechziger Jahre lebendig!

Der Salon
2

Was habe ich mich auf den zweiten Teil des Salons von Julia Fischer gefreut! Teil Eins war ein 5 Sterne Buch für mich. Vorallem die Leserunde bei der Lesejury mit der Autorin ist ein wahres Lese-Erlebnis! ...

Was habe ich mich auf den zweiten Teil des Salons von Julia Fischer gefreut! Teil Eins war ein 5 Sterne Buch für mich. Vorallem die Leserunde bei der Lesejury mit der Autorin ist ein wahres Lese-Erlebnis! Julia Fischer bereichert diese mit vielen Infos zur Zeit in der ihr Roman spielt. Hier werden die frühen Sechziger Jahre lebendig!

Teil zwei beginnt 1963. Es ist fünf Jahre her, seitdem Leni's Welt in Scherben zerbrochen ist. Langsam findet sie ins Leben zurück. Ein großer Trost ist ihr Neffe Peter, der mit Charlotte zu ihr und ihrer Mutter Käthe gezogen ist. Besonders Käthe kümmert sich liebevoll um ihren Enkel. Charlotte bekommt die einmalige Chance beim Münchner Modehaus Bogner im Büro zu arbeiten, für dass sie früher gemodelt hat. Aber auch Schorsch, einer der Freunde von früher, und Taufpate des Jungen, kommt so oft wie möglich vorbei. Er ist schon lange Zeit in Leni verliebt, die sich jedoch in ihrer Arbeit vergräbt. Als sie von ihrem Chef das Angebot bekommt für ein dreimonatiges Praktikum nach London zu Starfriseur Vidal Sassoon zu gehen, ergreift sie die Chance.
Charlotte lernt bei Bogner den Fotografen Walter kennen. Doch als ledige Mutter mit Kind will sie sich nicht unbedingt neu binden und auf eigenen Füßen stehen. Doch auch Walter hat ein Geheimnis.
Leni verändert sich in London stark. Sie genießt die Swinging Sixties. Die Mode wird kürzer und frecher, ebenso die Haarschnitte. Bei Vidal Sassoon lernt sie den neuesten Trend kennen und will diesen in München ebenfalls umsetzen. Dazu fehlt ihr aber ein eigener Salon...

Julia Fischer hat die Zeit wieder wunderbar eingefangen. Die Leserunden mit der Autorin sind etwas ganz Besonderes. Man bekommt von ihr so viel Hintergrundwissen und Zusatzmaterial über diese Zeit - ein echter Genuss! Das macht die Geschichte noch lebendiger und man wächst mit den Figuren richtig zusammen.
Wie schon im ersten Teil ist auch diesmal nicht alles eitel Sonnenschein. Alle Figuren haben mehr oder ein weniger ihr Päckchen zu tragen und die Autorin schreckt auch nicht davor zurück Figuren sterben zu lassen.
Leni ist zwar die Hauptprotagonistin, jedoch begleiten wir auch viele der anderen Charaktere, die ich schon im ersten Teil liebgewonnen habe.
Alexander kämpft um seinen Salon, nachdem er diffamiert wurde; Schorsch will nicht mehr nur der Helfer in der Not und immer zur Stelle sein; Käthe möchte ihren Salon Leni übergeben, doch ihre Ideen sind nicht konform mit denen ihrer Mutter und Charlotte versucht, entgegen den gängigen Moralvorstellungen, ihre Zukunft selbst zu bestimmen.

Die Autorin hat großartig recherchiert und den Zeitgeist perfekt eingefangen. Historische Begebenheiten, wie der Besuch der Queen oder der Auftritt der Rolling Stones in London in einem kleinen Lokal wird wunderbar in die fiktive Geschichte miteingewoben.
Der Schreibstil ist wie immer einnehmend, gefühlvoll und atmosphärisch. Die Figuren sind direkt aus dem Leben gegriffen und könnten zu meinem Freundeskreis gehören. Jeder Charakter entwickelt sich im Laufe der Geschichte weiter.
Das Ende ist stimmig. Es macht mich traurig, dass es keinen weiteren Band geben wird.

Fazit:
Auch der zweite Teil steht dem ersten in nichts nach und hat mich genauso gefesselt. Die Dilogie wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für beide Teile!

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 08.12.2022

Alte Liebe rostet nicht?

Vom Lieben und Lassen
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Katharina ist eine 47jährige erfolgreiche Paartherapeutin und Mutter von zwei pubertierenden Töchtern. Beruflich sehr kompetent, zweifelt sie in letzter Zeit immer mehr an sich selbst und an ihrer Ehe. ...

Katharina ist eine 47jährige erfolgreiche Paartherapeutin und Mutter von zwei pubertierenden Töchtern. Beruflich sehr kompetent, zweifelt sie in letzter Zeit immer mehr an sich selbst und an ihrer Ehe. Eheman Henry und die beiden Töchter behandeln sie eher wie ihre Hausangestellte. Lieblosigkeit und Alltragstrott haben sich in ihr Leben geschlichen. Ein Seitensprung von Henry, der verziehen wurde, nagt plötzlich wieder an Katharinas Vertrauen.
Das fehlende Kribbeln stellt sich erst ein, als sie bei einem Klassentreffen ihre Jugendliebe Mats wieder trifft. Auf beiden Seiten sprühen die Funken und Katharina fühlt sich endlich wieder begehrt und lebendig. Doch reicht dies aus um eine langjährige Ehe in den Sand zu setzen?

Lucia Sperling alias Lucinde Hutzenlaub ist mit "Vom Lieben und Lassen" ein unterhaltsamer Roman gelungen, der aber ebenso in die Tiefe geht und einige Probleme anspricht, die wir wohl alle mehr oder weniger kennen. Dem Alltagstrott und der fehlenden Wertschätzung in der Familie sind viele Frauen nach längerer Ehe oftmals ausgesetzt.

Romane dieses Genres sind sehr unterschiedlich und können so richtig "in die Hose" gehen. Bei Lucinda aka Lucia hatte ich allerdings keine Bedenken. Ich konnte mich in Katharinas Gefühle richtig gut hineinversetzen und fand mich an vielen Stellen wieder. Die Autorin durchleuchtet die Beziehung zu beiden Männern und bringt ihre guten und schlechten Seiten aufs Parkett. Man durchlebt gemeinsam mit Katharina ihre Gefühlswirren und entdeckt, wie verschieden die beiden Männer sind und welche Prioritäten in ihrem Leben schließlich wichtig sind. Man erkennt zwar schon vom Anfang an, in welche Richtung es gehen wird, aber der Weg dorthin ist gelungen.
Besonders gut gefallen hat mir auch der Blick auf die Stadt Wien. Einzig die oftmals zu spontanen Handlungen waren mir für eine Paartherapeutin zu unüberlegt und unreif. Auch den plötzlichen Wandel einer Figur kam mir etwas zu schnell und erschein mir unglaubwürdig.
Das Ende ist versöhnlich. Die Frage, was wir uns vom Leben und in unserer Beziehung wünschen, lässt mich nach dem Zuklappen des Buches nachdenkllich zurück.

Schreibstil
Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen, ist lebendig und mit einer Prise Humor gewürzt. Die Charaktere sind mitten aus dem Leben gegriffen. Die Emotionen sind greifbar. Ich habe mit Katharina mitgefiebert und mitgelitten. Dabei kamen mir die weiblichen Charaktere näher, als die männlichen.

Fazit:
Eine Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen, die sowohl Humor, aber auch Tiefe besitzt. Lucia Sperling hat ein Thema aufgegriffen, dass wohl viele Frauen nach jahrelanger Ehe erfahren müssen. Auch Zweisamkeit kann Einsamkeit bedeuten...

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.12.2022

Großes Kino

Labyrinth der Freiheit
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Dies ist der dritte Band der "Wege der Freiheit" Trilogie von Andreas Izquierdo. Nachdem ich Isi, Carl und Artur bereits in "Schatten der Welt", der während des Ersten Weltkrieges spielt begleitet habe, ...

Dies ist der dritte Band der "Wege der Freiheit" Trilogie von Andreas Izquierdo. Nachdem ich Isi, Carl und Artur bereits in "Schatten der Welt", der während des Ersten Weltkrieges spielt begleitet habe, verschlägt es die drei 1918 in "Revolution der Träume", nach Berlin.
Auch im letzten Band leben Isi, Artur und Carl im Jahre 1922 in der deutschen Haupstadt. Die tiefe Freundschaft wird auch durch ihre unterschiedlichen Lebenswege nicht erschüttert. Bis das Dreiergespann nur knapp einen Mordanschlag entgeht. Artur, mittlerweile eine Größe in der Berliner Unterwelt, lässt nichts unversucht die Gruppe rechter Verschwörer zu eliminieren. Doch diesmal trifft er auf mächtige Gegenspieler....

Wer „Schatten der Welt“ und „Revolution der Träume“ nicht kennt, wird es schwer haben, sich zurechtzufinden und dieses Buch zu schätzen. Deshalb rate ich jeden mit dem ersten Band zu beginnen!
Der Fokus aller drei Bände liegt bei der unerschüttlichen Freundschaft der drei Protagonisten. Dabei folgen wir ihnen in der Trilogie in der Zeit von 1910-1922 durch einige Wirren und Schicksalsschäge.
Obwohl die Inflation immer mehr um sich greift, betrifft es Isi, Carl und Artur nur am Rande. Carl, gelernter Fotograf, hat sich seinen Traumberuf Kameramann erfüllt und dreht bei der UFA an der Seite des cholerischen Fritz Lang. Dabei erlebt er den großen Sprung von Stummfilm zum Tonfilm. Für mich als Filmfan war es sehr interessant die Anfänge und ersten Gehversuche des Tonfilms mitzuerleben.
Isi engagiert sich weiterhin politisch. Sie unterstützt Dienstboten, Kriegsversehrte, Witwen und Waisen, doch seit dem Anschlag und dem Verlust ihres Kindes, ist sie nicht mehr dieselbe. Sie sucht Streit und eckt mehr als einmal an...bis es zu einer Katastrophe kommt.....

Dieser Teil ist dramatisch und auch oft grausam. Der bereits aufkeimende Nationalsozialismus, die Verfolgung Homosexueller und die nicht vorhandenen Frauenrechte sind nur einige Themen, die angesprochen werden. In der Stadt lauern Gefahren. Hunger und Armut stehen für die meisten Menschen auf der Tagesordnung. Die Wut auf Alles und Jeden wächst. Diesmal bewegen wir uns viel in die Berliner Unterwelt und erleben Verrat, Rache, Gewalt, Tod und Verzweiflung. Nicht gerade die Lektüre, die man sich in Zeiten wie diesen wünscht. Hier wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen. Trotzdem lesen wir hier einen Roman mit historischem Hintergrund und dazu gehört auch diese schwierige Zeit vor hundert Jahren, die Deutschland nach dem Großen Krieg traf. Mehr Kopfzerbrechen machen mir hingegen einige Parallellen zur Gegenwart.

Andreas Izquierdo hat die historischen Elemente dieser Zeit wunderbar in die Geschichte eingebaut und der fiktiven Erzählung um die drei Freunde beigefügt. Die Handlung ist abwechslungsreich und überrascht mit ungeahnten Wendungen. Und trotzdem tat ich mich mit diesem dritten Teil etwas schwer. Woran es liegt, kann ich nicht genau sagen.

Schreibstil:
Andreas Iquierdo erzählt detailliert, mitreißend, einfühlsam und bildhaft. Erzählt wird der Roman wieder aus der Sicht von Carl und durch einen allwissenden Erzähler, der die Beschreibung von Artur und Isi übernimmt. Andreas Izquierdo schildert mit viel Liebe zum Detail.
Die Charaktere sind sehr lebendig dargestellt und alle drei entwickeln sich weiter. Carl betrifft es im letzten Drittel besonders. Er tut alles, um seine Freundin aus Kindheitstagen zu retten und wirft alle Skrupel über Bord.
Auf der Innenseite der Klappbroschur gibt es vorne eine Beschreibung der drei Hauptcharaktere und hinten einen Ausschnitt eines Berliner Stadtplans.

Fazit:
Obwohl mir dieser Teil nicht so gut gefallen hat, wie die beiden Vorgängerbände, ist diese Trilogie einfach ein Muss für Leser, die historische Romane und Spannung lieben. Ich kann euch die Trilogie wärmstens empfehlen!

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Veröffentlicht am 04.12.2022

Identitätssuche

Die Gewandnadel
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Yakob, ist ein junger Pfleger im Seniorenheim "Herbstlust" in München, in dem ehemalige Rotkreuzschwestern untergebracht sind. Er liebt seine Arbeit, auch wenn die Zeit oft viel zu knapp und die Arbeit ...

Yakob, ist ein junger Pfleger im Seniorenheim "Herbstlust" in München, in dem ehemalige Rotkreuzschwestern untergebracht sind. Er liebt seine Arbeit, auch wenn die Zeit oft viel zu knapp und die Arbeit anstrengend ist. Die 94-jährige Josefine Strehlewitz, die wegen ihrer Demenz immer mehr in ihre Erinnerungen eintaucht, liegt ihm besonders am Herzen.
Josefine, genannt Fine, wuchs behütet in Berlin auf. Ihr Vater arbeitete als Filmregisseur, doch als die NSDAP immer mehr an Zustimmung gewinnt, fühlen sich ihre Eltern nicht mehr wohl in Berlin und verlassen die Stadt. Sie senden Josefine zur Rotkreuzschwester-Ausbildung nach München. Als der Krieg ausbricht wird Josefine nach Libyen an die afrikanische Front geschickt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Berta kümmern sie sich unter schwierigen Bedingungen um die Verletzten. Dort lernt sie auch die Liebe ihres Lebens kennen und lebt einige Jahre bei den Amazigh.

Es ist Yakob, dem auffällt, dass Josefine manchmal in einer fremden Sprache spricht, die ihm bekannt vorkommt. Während die anderen Pfleger denken, dass sie immer mehr verfällt, erkennt er, dass Josefine einen arabischen Dialekt spricht, den er von seinen Eltern kennt. Yakobs Eltern sind vor vielen Jahren aus Libyen geflohen und leben seitdem in Deutschland, wo auch Yakob geboren wurde. Durch die Ähnlichkeit Yakobs mit Josefines großer Liebe Harun, erweckt er in der alten Dame Erinnerungen an früher. Dabei spielt auch eine hübsche Gewandnadel eine Rolle, die für Josefine eine ganz besondere Bedeutung hat.

Susanne Ospelkaus schreibt in ihrem Roman über eine unerfüllte Liebe, die Zeit im Kriegslazarett und bei den Amazigh, den Nomaden der Wüste. Dabei ist der Perspektivwechsel hin zur Gegenwart fließend. Der Schreibstil ist lebendig und bildhaft. Ich bin in der Geschichte sehr schnell angekommen und versunken. Dabei werden die oftmals schweren Themen mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt, was ich sehr bewundere.

Die Charaktere sind äußerst authentisch beschrieben. Yakob, der eigentlich Yasser, heißt, ist ein sehr gewissenhafter und feinfühliger Mensch. Er kümmert sich liebevoll um die alten Damen. Dabei spricht die Autorin auch Themen wie Zeitnot und den Pflegepersonalmangel an.
Josefines Lebenserinnerungen machen nachdenklich und berühren. Ein Teil von ihr ist in der Wüste geblieben. Sowohl Yakob, als auch Josefine suchen nach ihrer Identität. Yakob, dessen Eltern versucht haben, die deutschen Angewohnheiten zu übernehmen und zu leben, haben ihre Wurzeln unterdrückt und Yakob wenig aus ihrem früherern Leben erzählt. Als Yakob seine Eltern in die "Herbstlust" mitnimmt und sie Bekanntschaft mit Josefine, Therese und Berta machen, erleben alle eine wunderbare Zeit der Annäherung. Josefine und auch Yakob/Yasser finden einen Weg ihre Wurzeln und ihre Erinnerungen anzunehmen....

Fazit:
Eine berührende Geschichte auf zwei Zeitebenen, die als Thema Vergangenheitsbewältigung, Identitätssuche und die Pflege von alten Menschen beinhaltet. Dieses Buch empfehle ich sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 29.11.2022

Interessanter historischer Roman

Die Farben der Welt
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Dies ist mein vierter historischer Roman von Johanna von Wild alias Biggi Rist. Auch diesmal konnte mich ihr historischer Roman überzeugen.

Ida ist erst zehn Jahre alt, als sie kurz hintereinander ihren ...

Dies ist mein vierter historischer Roman von Johanna von Wild alias Biggi Rist. Auch diesmal konnte mich ihr historischer Roman überzeugen.

Ida ist erst zehn Jahre alt, als sie kurz hintereinander ihren Vater und ihre Mutter verliert. Ihr Onkel Basilius, ein angesehener Apotheker in Nürnberg, nimmt sich seiner Nichte an. Er freut sich über ihre Wissbegierde und Ida hilft fleißig in der Apotheke aus, wo sie einiges über Kräuter und Heilpflanzen lernt. Ihr Onkel ermöglicht ihr weiterhin den Schulbesuch, doch dieser wird ihr durch drei Mitschülerinnen aus gutem Hause verleidet. Sie quälen sie, wo sie nur können. Einzig die Kaufmannstocher Luisa Imhoff wird ihr eine gute Freundin. Durch ihre Mutter lernt Ida die Malerei kennen und ist davon fasziniert. Sie beginnt in der Apotheke Kräuterpäckchen zu bemalen. Ihr Onkel erkennt ihr außergewöhnliches Talent zur Blumenmalerei und schickt sie nach Florenz zum Studium, wo auch Frauen an der Accademia delle Arti del Diego ihre Malkunst verfeinern dürfen. In Florenz lernt sie Artemisia Gentileschi kennen, welche zu einer guten Freundin wird und ihr Zugang zu den höchsten Kreisen ermöglicht. Doch Neid und Missgunst begleiten weiterhin Idas Leben. Nach ihrer Rückkehr aus Florenz erhält sie vom Eichstätter Fürstbischof den Auftrag, Zeichnungen für den Prachtfolianten seines Gartens anzufertigen. Doch es sind noch immer dieselben Menschen, die alles daran setzten Ida zu schaden. Selbst die Freundschaft zu Luisa wird auf eine harte Probe gestellt. Zusätzlich buhlen zwei Männer um Idas Gunst und bringen sie damit in Lebensgefahr....

Schon nach den ersten Seiten ist man von Idas Geschichte gefesselt. Nachdem Ida in Nürnberg aufwächst und ihre Liebe zur Malerei entdeckt, begleiten wir sie nach Florenz und erfahren mehr über die Renaissancemalerei. Die Autorin hat den realen historische Hintergrund wieder wundervoll in die Handlung eingebunden. Unerwartete Wendungen erhöhen die Spannung und lassen den Leser mit Ida mitfiebern oder leiden.
Zusätzlich erfahren wir mehr über die Entstehung des „Hortus Eystettensis“, dem Prachtfolianten. Darüber erzählt die Autorin in ihrem Nachwort noch etwas mehr.

Idas Malkunst zieht sich zwar durch das ganze Buch, ist jedoch nicht das alleinige Hauptthema. Es geht auch um Freundschaft und Missgunst, Verrat und Liebe.

Schreibstil:
Wie bereits in den vorherigen Büchern festgestellt, schreibt die Autorin sehr bildgewaltig und atmosphärisch. Man taucht von den ersten Seiten an in die damalige Zeit ein. Die Handlung wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, wobei der Name der handelnden Person am Kapitelanfang vermerkt ist. Die Sprache ist der Zeit angepasst. Als besonderes Stilmittel verwendet die Autorin einen regen Briefwechsel zwischen Nürnberg und Florenz, der in das Geschehen miteingebunden wird.
Die Figuren sind facettenreich und haben Ecken und Kanten. Zu Beginn gibt es ein Personenverzeichnis mit den handelnden Figuren, wobei die historischen gekenntzeichnet sind.

Fazit:
Ein weiterer toller historischer Roman von Johanna von Wild, die dem Leser Geschichte näher bringt. Diesmal erfährt man mehr über die Renaissancemalerei und über die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und den dazugehörigen Normen dieser Zeit. Eine spannende Lektüre!

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